Kategorie: Geborgen Wachsen

Menschlichkeit lässt sich nicht in Vater- und Mutterrollen aufteilen

An manchen Tagen bin ich zugleich verwirrt und traurig über die Dinge, die ich lese. Dies geht mir gerade so, wenn ich Artikel über Vater- und Mutterrollen lese oder Kommentare zu verlinkten Artikeln. Ich ganz persönlich denke nicht, dass es bestimmte Vater- oder Mutteraufgaben gibt. Denn wenn wir diese Dinge, die wir als Aufgaben betrachten, aus Sicht des Kindes betrachten, geht es in erster Linie darum, einem Menschen ein Bedürfnis zu erfüllen – unabhängig davon, wer wir sind und wer er oder sie ist. Weiterlesen

Wahlfreiheit und Selbstbestimmung – eine Parabel

Es war einmal ein wunderbares, wildes und freies Tier. Es lebte in der Natur und konnte sich darin bewegen: Am Morgen ging es in Richtung Osten, denn es liebte den Sonnenaufgang und genoss die Zeit, in der es der Sonne zusehen konnte, wie sie den Himmel erklomm. Später ging es in Richtung Süden, streifte durch die Umgebung, beobachtete andere, suchte sich eine Mahlzeit und lief solange es die Beine trugen. Es machte eine Pause, wann immer es das wollte, ließ sich nieder und ruhte aus. Wenn es Lust hatte, ging es am Abend Richtung Westen, um der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Und an manchen Tagen war es auch im Norden zu sehen, wenn der Weg des Tages dorthin führte. Es besuchte andere, lebte in den Tag und war einfach frei. Es gebar Kinder in dieser Freiheit, die auch frei ihre Wege gehen konnten. Eines Tages wurde es jedoch eingefangen und in ein Gehege gebracht. Es war an vielen Stellen ein durchaus schön gestaltetes Gehege und auch darin konnte es sich bewegen. Es konnte fast der Sonne zusehen beim Aufgehen und auch ein Stück weit beim Untergehen. Es konnte nicht so weit laufen wie es wollte, aber ein bisschen weit. Es konnte auch hier ein Kind gebären und streifte mit diesem später zusammen durch das neue Zuhause. Es berichtete von der Freiheit, von der Weite, von den unendlichen Möglichkeiten. Doch das Kind verstand all dies nicht so wirklich. Das Zuhause des Kindes war auch schön, denn man konnte schließlich fast den Sonnenaufgang sehen und fast den Sonnenuntergang und es war sicher in diesem großzügigen Gehege vor anderen Dingen. Aber es würde nie erfahren, wie es wirklich sein würde bis zum Horizont zu laufen, um die Sonne aufgehen zu sehen. Es hatte, auch wenn es ganz nett war dort, eine andere Vorstellung von dem, was schön und richtig war als die Mutter, die diese Freiheit kennenlernte.

Wahlfreiheit bedeutet nicht, dass man sich in einem bestimmten Rahmen bewegen kann, den andere für einen abgesteckt haben. Wahlfreiheit bedeutet, dass man sich wirklich bewegen kann. Selbstbestimmung bedeutet, dass man selber seinen ganz persönlichen Weg gehen kann ohne Einschränkungen von Außen. Auch wenn andere Menschen meinen, einen vermeintlich besseren, sicheren oder gesünderen Weg für uns zu kennen, sind wir es, die entscheiden dürfen. Und wir können nur dann wirklich eine Entscheidung treffen, wenn wir den Raum dafür haben. Wir können nur wirklich objektiv etwas beurteilen, wenn wir es ganz be-greifen, wenn wir es fühlen und vergleichen können.

Wenn wir in Grenzen aufwachsen, in engen Gehegen, können wir nicht wirklich beurteilen, was Freiheit wirklich ist. Wir sprechen von Selbstbestimmung und Wahlfreiheit ohne wirklich zu wissen, was es ist. Denn es ist keine Wahlfreiheit, wenn wir nur fast bis zum Horizont kommen, auch wenn es bis dahin ganz nett ist. Selbstbestimmung fängt da an, wo wir wirklich selbst entscheiden – frei von Beeinflussung und wirklich frei von den Interessen anderer Menschen. Frei davon, ob wir es uns finanziell leisten können oder nicht. Einfach, weil wir das tun können, was für uns gut ist und wir gleichzeitig auch wissen, welche Möglichkeiten es alle gibt. Wir können uns aus der unglaublichen Vielzahl an Farben die auswählen, die wirklich nur uns gefällt.

Diese Wahlfreiheit ist es, die ich mir für meine Kinder wünsche und auch für mich. Sei es, wenn es um Geburt geht oder um eine andere Entscheidung des Lebens.

Eure
Susanne_clear Kopie

 

 

Der Verantwortungsschock

Gestern unterhielt ich mich mit einer anderen Mutter. Sie berichtete mir von der ersten Zeit mit ihrem ersten Kind und sagte etwas, was mich sehr bewegt hat „Und dann war dieser Verantwortungsschock: Nur weil ich das Kind geboren hatte, sollte ich jetzt auch wissen, wie man das alles macht!“ Ich dachte noch eine ganze Weile darüber nach und fand, dass sie wirklich recht hatte: Ja, nach der Geburt kommt oft ein Verantwortungsschock und auch ich erinnere mich daran, wie ich mein erstes Kind unbeholfen im Arm hielt und mich fragte, was ich denn jetzt den ganzen Tag so tun würde und wie das überhaupt gehen solle.  Weiterlesen

Wenn kleine Hände größer werden…

Manchmal wenn wir unterwegs sind, halte ich nur noch eine Hand, die meines kleinen Sohns. Meine Tochter läuft neben mir her, rennt manchmal vor, fährt Rad oder Roller. Immer seltener schiebt sich ihre nun schon so viel größere Hand als früher in die meine. Irgendwann wird es wohl das letzte Mal sein. Oder vielleicht nicht das letzte, sondern nur noch eines der noch wenigen Male. Sie ist groß, so groß.  Weiterlesen

Geburtsvorbereitung für Geschwisterkinder

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Auf die Geburt vorbereitet zu sein und darauf, Eltern eines (weiteren) Kindes zu werden, ist nicht nur für uns Erwachsene wichtig, sondern auch für die Kinder, wenn es in der Familie schon welche gibt. Die Veränderungen sind – gerade wenn das erste weitere Kind in die Familie kommt – groß für das „große Geschwisterkind“. Bei uns wird es nun das dritte Kind sein und unsere Tochter wird noch einmal große Schwester, unser Sohn wird zum ersten Mal großer Bruder und rückt somit von seinem Platz als kleinstes Familienmitglied in die Mitte. Wie auch schon bei unserem zweiten Kind, sind die Geburt und die Veränderungen ein großes Thema, das uns durch die Schwangerschaft begleitet. Weiterlesen

Geborgenheit bedeutet… von Wheelymum

Ju schreibt auf ihrem Blog wheelymum über ihren Alltag mit ihrem Kind und ihrem Mann – ein schönes, liebevolles Elternblog. Eines von vielen, das sich auf den zweiten Blick dennoch ein wenig unterscheidet, denn sie schreibt aus der Perspektive einer Mutter mit Behinderung: Die meiste Zeit des Tages verbringt sie im Rollstuhl. „Immer höher, immer weiter ist nicht drin. Und wisst ihr was? Das macht nichts. Im Hier und Jetzt zu sein, darauf kommt es bei mir an.“ So berichtet Ju von ihrem geborgenen Familienleben: Weiterlesen

Bindungsorientiert Stärken für das Leben

„Unterschätze Dein Kind nicht.“ sagt mein Mann zu mir „Wir haben es bald sieben Jahre mit unseren Werten aufwachsen lassen; es ist auf das Leben vorbereitet, mit dem es sich nun auseinander setzt.“ Ich liebe ihn in solchen Momenten besonders, denn ich weiß, dass er recht hat. Und dennoch fällt es mir manchmal schwer, unser großes Kind in die Welt da draußen hinaus zu lassen. Eine Welt, die so ganz anders ist als unsere manchmal. In die Welt als Schulkind. Weiterlesen

Geborgenheit bedeutet… von Frau Birnbaum und der Tellerrand

Jana schreibt auf ihrem noch sehr jungen Blog Frau Birnbaum und der Tellerrand über achtsames und bedürfnisorientiertes Familienleben mit ihrer zweijährigen Tochter. Geborgenheit spielt dabei eine große Rolle für sie, denn sie sagt „Geborgenheit zu empfinden ist wie eine Gebärmuttererweiterung für bereits geborene Menschen.“  Wie genau das in ihrer Familie aussieht und wie sie Geborgenheit im Alltag umsetzt, berichtet sie Euch heute: Weiterlesen

Kinder machen keine Fehler, Kinder lernen

„Mama, ich mache da immer wieder Fehler, ich will das nicht mehr machen!“ sagte meine Tochter über eine Hausaufgabe. Ich fragte sie, ob denn andere Kinder immer alles richtig hätten, oder eben auch „Fehler“ machen würden. Natürlich bejahte sie, dass auch die anderen nicht problemlos alle Aufgaben lösen würden. Denn wann immer wir alle etwas Neues lernen, machen wir „Fehler“. Vielleicht ist es deswegen einfach an der Zeit, sich von der Bezeichnung „Fehler“ in Bezug auf Kinder zu trennen? Weiterlesen

Klarheit – wie wir mit Kindern reden sollen

„Könntest Du das bitte aufräumen?“ frage ich meine Tochter. „Ja, aber ich mache jetzt etwas anderes.“ antwortet sie mir und hält mir dabei wieder einmal einen Spiegel vor, der mir im Alltag so hilft und mich nachdenken lässt. Ich wollte, dass sie jetzt aufräumt, vor dem Abendessen. Aber anstatt es wirklich so zu sagen wie ich es meine, habe ich es in einer freundlichen, recht unverbindlichen Aussage verpackt. Sie antwortet genau so, wie es ist: Ja, sie könnte tatsächlich jetzt aufräumen, aber sie tut es nicht. Ich könnte mich nun ärgern über diese Antwort, aber eigentlich liegt das Problem an einer ganz anderen Stelle: Warum formuliere ich nicht klar, was ich meine? Weiterlesen