Kategorie: Schlafen

Entspannte Einschlafbegleitung und Übergang zum Allein-Schlafen begleiten

Während Babys oft noch recht einfach und schnell in den Schlaf zu begleiten sind wenn sie gestillt, geschuckelt oder getragen werden, wird die Einschlafbegleitung bei größeren Kindern manchmal zu einer Herausforderung: So viel wurde tagsüber erlebt und will noch berichtet werden. So spannend ist die Welt gerade und will entdeckt werden – da fällt es einigen Kindern schwer, in den Schlaf zu finden: Müde, aber nicht schläfrig genug. Munter, aber nicht mehr in einem Zustand, in dem das Kind alleine entspannt spielen möchte. Schon ein Kleinkind, aber noch immer auf eine Begleitung in den Schlaf angewiesen. Was also können Eltern tun, wenn das Kind müde ist, aber nicht einschläft und dennoch begleitet werden will?

Wann schlafen Kinder alleine?

Wann Kinder alleine einschlafen, ist unterschiedlich: Es hängt u.a. vom Temperament und Entwicklungsstand des Kindes ab. Manche Kinder schlafen schon als Babys gut allein ein und auch lieber in einem separaten Bett, andere brauchen noch lange die Nähe und Zuwendung von ihren Bezugspersonen. Manchmal brauchen auch Kinder, die schon allein einschlafen konnten, wieder eine Begleitung, wenn sie gerade eine anstrengende Phase durchleben und abends mehr Zuwendung benötigen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass aber auch dann, wenn die Kinder nicht im Bett der Eltern schlafen durften als Babys, die Kinder später, wenn sie laufen können, zum Elternbett kommen: Eine Studie von Remo Largo und anderen aus dem Jahr 2006 (pdf) zeigte, dass nur 10 Prozent der untersuchten Eltern ihren Kindern von Geburt an erlaubten, im Elternbett zu schlafen und dennoch fast die Hälfte der Kinder im Alter von 2-7 Jahren mindestens einmal pro Woche ins Elternbett kamen. Es scheint also wenig zu bringen langfristig, die Kinder vom Elternbett fernhalten zu wollen. Sinnvoller ist es, dem Bedürfnis des Kindes nach Nähe und Sicherheit beim Schlafen nachzukommen und zu warten, wann das Kind sich sicher genug fühlt und genügend Selbstregulationsfähigkeiten entwickelt hat, um allein schlafen zu können. Diese Entwicklung kann nicht erzwungen, sondern lediglich durch Feinfühligkeit und Verständnis begleitet werden. Ein Kind, das sich sicher fühlt und weiß, dass die Eltern als liebevolle Leuchttürme in der Nacht im Notfall zur Verfügung stehen, kann von dieser Sicherheit aus ausprobieren, allein zu schlafen. Ist es an diesen Punkt gelangt, zieht es aus dem Elternbett aus. Bei vielen Kindern ist dieser Punkt irgendwann in der Kleinkindkindzeit bis zum Beginn des Schulalters erreicht.

Wenn das Kind noch nicht allein einschläft

Wenn das Kind noch nicht allein einschläft, sich aber die Einschlafbegleitung zu einer Belastung für die Eltern entwickelt, müssen Alternativen betrachtet werden: Was kann an der Situation beim Kind oder den Eltern verändert werden?

Natürlich gilt wie auch schon bei Babys: Nur ein müdes Kind schläft auch ein. Gerade dann, wenn die Kinder an dem Wendepunkt stehen, den Mittagsschlaf nicht mehr unbedingt zu benötigen, kann sich das Einschlafen manchmal sehr hinauszögern. Hier hilft es, zu ergründen, welchen Schlafbedarf das Kind wirklich noch hat und ob es vielleicht zu lange mittags schläft. Gut ist es, wenn das Kind so viel schläft, dass es den Nachmittag entspannt verbringen kann. Ist das Kind wegen Schlafmangel mittags nur schlecht gelaunt und erschöpft, ist dies auch keine sinnvolle Alternative zum früheren Schlaf, weil die Beziehungsqualität darunter leiden kann.

Manchmal erscheinen die Kinder müde, reiben sich die Augen und können dennoch nicht einschlafen, weil sie noch spielen wollen, Erfahrungen machen, etwas erzählen,… Ihr Wunsch nach Entwicklung, ihre Neugierde stehen ihnen im Weg, sich zu entspannen. Wenn wir diesen Wunsch des Kindes und sein Bedürfnis nach Entwicklung in den Blick nehmen, können wir damit kreativ umgehen: Wir können den Nachmittag nutzen, um in den Abend über zu leiten: Fragen wir das Kind früh, was es noch gerne spielen möchte heute. Reden wir darüber, was es alles erlebt hat und betten alle Aktivitäten so ein, dass zum Abend hin alles ruhiger und entspannter wird. Das Kind hatte tagsüber die Möglichkeit, allen Bedürfnissen nachzukommen und wird Schritt für Schritt in einen ruhigen Abend überführt. Gerade in der kalten Jahreszeit ist es auch möglich, dass das Kind vielleicht zu wenig Möglichkeiten hat, um sich wirklich auszutoben. Sehen wir hier einen Mangel, können wir überlegen, wie wir mittags oder nachmittags noch ausreichend Bewegungszeit einbinden können, bevor es in die ruhige Phase geht.

Auch ein Blick auf die Abendrituale lohnt sich: Gibt es etwas, was noch einmal besonders aufregend ist und das Kind noch einmal besonders ablenkt? Vielleicht kann auch dies anders gestaltet werden. Im Bad liegt schon alles bereit für das Zähneputzen, im Bett liegt bereits das Buch, das zuvor als Einschlafgeschichte ausgewählt wurde.

Kann das Kind dennoch nicht einschlafen und turnt im Bett umher, hilft es nur, es sich so bequem wie möglich zu machen: Vielleicht ist es in Ordnung, neben dem Kind ein Buch zu lesen. Oder ein Hörbuch zu hören (ggf. mit Kopfhörern, wenn das Kind parallel eine andere Geschichte hören will) oder in einer Zeitschrift zu blättern…

An das Einschlafen gewöhnen

Kinderkrankenschwester, Stillberaterin und Schlafcoach Sibylle Lüpold empfiehlt in ihrem Buch „Ich will bei euch schlafen“ als Übergang für das Allein-Einschlafen-Lernen von Kleinkindern, die müde sind und den Worten der Eltern vertrauen, dem Kind nach dem Einschlafritual zu erklären, dass man kurz hinaus gehen würde, um eine Tätigkeit zu verrichten (Zähne putzen, Spülmaschine ausräumen), aber danach zurück käme. Nachdem die Tätigkeit wirklich verrichtet wurde, kehrt das Elternteil wie versprochen zurück. Schläft das Kind noch nicht, widmet man sich mit dem Versprechen wieder einer Tätigkeit.

Und wie gestaltet Ihr die Einschlafbegleitung aktuell?
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Weiterführende Literatur:
Lüpold, Sibylle (2014): Ich will bei euch schlafen! (Ein-)Schlafen lernen mit Co-Sleeping. – Freiburg: Herder.
Renz-Polster, Herbert; Imlau, Nora (2016): Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. – München: GU.
Mierau, Susanne (2017): Geborgene Kindheit: Kinder vertrauensvoll und entspannt begleiten. München: Kösel.

Beitragsbild: Katja Vogt

Einschlafrituale als Brücke zum Schlaf für Babys und Kleinkinder

Und wieder ist es Abend und wieder stellt sich die Frage: Wie schläft das Kind ein? Muss es jetzt eigentlich schon allein einschlafen können? Und wenn nicht jetzt, wann dann? Wie lange werde ich hier liegen/sitzen/stillen, damit das Kind in den Schlaf findet? Und warum erzählen die anderen eigentlich, dass bei ihnen alles ganz anders läuft?

Schau auf dein Kind

Bei allen Gemeinsamkeiten, Durchschnittswerten und Studien zum Schlaf und insbesondere zum Schlaf von Kindern ist es dennoch so, dass Schlaf und besonders das Einschlafen viele individuelle Komponenten hat. Manche Kinder schlafen leichter allein ein, anderer schwerer. Manche Kinder brauchen länger eine Einschlafbegleitung, manche kürzer. Manche Kinder kommen gut zur Ruhe im engen Körperkontakt, manchen reicht die Stimme einer Bezugsperson oder eine Berührung. Wir sollten uns weniger mit den anderen Kindern und ihren Gewohnheiten beschäftigen und mehr das Kind sehen, das sich direkt vor uns befindet: Was ist es, was dieses Kind beruhigt? Was hilft diesem, meinem Kind, in den Schlaf zu finden? Und auch: Was ist es bei diesem Kind, während ein anderes meiner Kinder vielleicht anders ist?

Der langsame Weg in den Schlaf

Während Babys oft einfacher den Weg in den Schlaf finden, ist es bei Kleinkindern manchmal schwieriger. Wir merken: Das Kind ist müde. Aber es findet nicht hinein in den Schlaf, will noch hier entdecken, da spielen oder noch eine Geschichte erzählen oder vorgelesen bekommen. Wie so oft merken wir auch hier: Es geht um Entwicklungsressourcen. Das Kleinkind möchte noch weiter lernen, erfahren oder fordert nach einem langen Tag noch Beziehung und Zuwendung von Bezugspersonen ein. Aber auch Babys sind manchmal nicht einfach in den Schlaf zu begleiten. Hilfreich ist es deswegen, wenn wir unser Denken über das Einschlafen ändern: Einschlafen „passiert“ nicht von Jetzt auf Gleich, sondern ist ein Prozess, eine Entwicklung. Und diese braucht auch, dass die Rahmenbedingungen richtig und Bedürfnisse erfüllt sind: nach Wärme, Sättigung, Sicherheit, aber eben auch das Gefühl, dazu zu gehören und emotional gesättigt zu sein am Ende des Tages.

Wenn diese Grundbedürfnisse erfüllt sind, können wir sehen, wie wir das Kind in den Schlaf begleiten. „In den Schlaf begleiten“ zeigt uns bereits als Redewendung, dass es eine Begleitung ist über einen Zeitraum. Eine Ruhe, die sich nach und nach ausbreitet in den Abläufen, in den Aktivitäten. Ein Übergang vom aufregenden Tag in ein langsames Geschehen bis hin zur richtigen Ruhe. Und welches Ritual hier für diesen Übergang zum Beruhigen, zum Zur-Ruhe-Finden gut ist, entscheidet jede Familie für sich. Sie können unterschiedlich sein, diese Rituale. Vielen Kindern hilft Regelmäßigkeit, einige mögen aber auch einen Wechsel der Rituale.

Sanft in die Abendruhe überführen: das Bad

Auf viele Kinder hat ein entspanntes Bad am Abend eine beruhigende Wirkung. Manche aber werden dadurch auch eher aufgeregt und genießen das Spiel im Nass aufgeweckt. Hier muss entschieden werden, welcher Typ das Baby oder Kleinkind ist. Spezielle Badezusätze mit für Babys und Kleinkindern geeigneten (!) ätherischen Ölen können unterstützen, werden aber ein Kind, das durch das Bad eher angeregt wird, nicht müde machen. Außerdem ist ein tägliches Bad für die empfindsame Babyhaut nicht empfehlenswert, daher eignet sich das Bad nur bedingt als regelmäßiges Ritual für den Übergang.

Vor dem Schlafen: eine Massage?

Eine Massage ist Nahrung für Haut und Gefühlswelt: Bei der Massage sind wir mit dem Baby verbunden, achten auf die Signale des Babys und berücksichtigen diese, sind zugewandt und kommunizieren. Mit einem Öl können wir dabei die Haut pflegen und mit sanften und rhythmischen Streichbewegungen beruhigen. Dabei ist eine ganz konkrete Technik nicht unbedingt erforderlich: Streichbewegungen von der Körpermitte hin zu den Extremitäten entspannen eher. Wichtig dabei: Darauf achten, welche achtsamen Berührungen das Baby wirklich mag und mit welchem Druck dabei massiert werden kann: Manche Kinder mögen sanfte Streicheleinheiten, manche einen stärkeren Druck.

Einschlafstillen/-trinken

Es ist der Klassiker unter den stillenden Familien: Das Baby schläft an der Brust ein. Viele Babys tun das sehr lange sehr zuverlässig. „Einschlafstillen wirkt so zuverlässig wie eine Narkose“ schreibt dementsprechend auch Hebamme und IBCLC Anja C. Gaca: Das Kind ist im Körperkontakt, dadurch gewärmt, beruhigt vom Herzschlag und dem Rhythmus der Atmung, gesättigt und an der Nahrungsquelle, in Sicherheit gewogen und dazu mit schlaffördernden Inhaltsstoffen der Muttermilch versorgt. Ist Einschlafstillen schlimm? Nein, solange es für die stillende Person und das Baby in Ordnung ist, kann beruhigt in den Schlaf gestillt werden. Ist das Stillen als Brücke zum Schlaf nicht mehr gewünscht, braucht das Baby ein anderes Ritual, an das es herangeführt und dabei begleitet wird, bis es dieses übernommen hat. Praktisch ist, wenn das Baby nicht ausschließlich an der Brust einschläft, sondern auch andere Übergänge nutzt, die dann für die Umstellung herangezogen werden können. Dass das Baby erst einmal auf dem alten Ritual beharrt, ist normal. Mit einer beständigen und einfühlsamen Begleitung aber wird es an eine neue Möglichkeit herangeführt.

Auch Babys, die nicht an der Brust, sondern aus der Flasche trinken, nutzen dieses oft als Einschlafhilfe und die damit verbundene Bedürfnisbefriedigung auf vielen Ebenen durch Körperkontakt und Zuwendung. Auch hier gilt: Solange es in Ordnung ist, ist es ein schönes Ritual. Das Baby lernt hierbei aber insbesondere das Nuckeln als Brücke in den Schlaf kennen und wünscht sich dieses auch zukünftig beim Weg in den Schlaf. Viele Eltern sind davon irgendwann erschöpft. Fühlt es sich nicht gut an, kann ein anderer Übergang gesucht werden – oder schon früher das direkte Einschlafen nicht mit dem Nuckeln verbunden werden, sondern ein Zwischenschritt zwischen dem Trinken und Einschlafen eingefügt werden: Das Baby wird fast schlafend abgelegt und ohne Nuckeln weiter begleitet.. Wichtig ist dabei, dass – unabhängig ob Muttermilch oder künstliche Säuglingsnahrung – Babys oft noch lange nachts Nahrung brauchen, die Mahlzeiten also durchaus noch wichtig sind, wenn das Baby Hunger hat.

Wiegen und Tragen

Das Wiegen und Tragen sind ebenso wunderbare Einschlafrituale für den Übergang. Im Tragetuch, der Babytrage oder im Kinderwagen oder der Federwiege schlafen Babys durch den Rhythmus und die Bewegung – eine Erinnerung an die vorgeburtliche Zeit des Gewiegtwerdens zusammen mit dem Gefühl, sicher in der Nähe der wiegenden Bezugsperson zu sein.

Wie auch beim Ablegen beim Einschlafstillen gilt auch hier, dass sich das Baby erst dann aus der Trage heraus gut ablegen lässt, wenn es die erste Tiefschlafphase erreicht hat. Erst nach etwa 20 Minuten REM-Schlaf geht das Baby in den Tiefschlaf über und lässt sich so auch ablegen. Wird es vorher abgelegt, erschrickt es oft. Wiegen und tragen sind daher eine gute Methode, um in den Schlaf zu begleiten, aber können auch einige Zeit in Anspruch nehmen. Sie sind oft auch das Mittel der Wahl, wenn nach dem Einschlafstillen ein neues Ritual gesucht wird.

Im Bett: Singen und Erzählen

Ist die Zeit des Einschlafstillens oder -tragens vorbei, werden die Babys/Kleinkinder im Bett in den Schlaf begleitet. Einige Familien wählen dies auch gleich als Methode zur Begleitung, so dass das Baby von Anfang an das Bett als sicheren und beruhigenden Schlafort wahrnimmt, sofern es sich mit dem Einschlafen im Bett begnügt. Für all jene, die erst später im Bett das Einschlafen begleiten, bietet sich ein Übergang zwischen den beiden Phasen an: Ein Lied, das beim Einschlaftragen gesungen wird, kann dann auch im Bett gesungen werden und so an die Einschlafzeit erinnern. Manchmal gibt es auch Lieder oder eine Musik, die schon aus der Zeit im Uterus noch bekannt ist. Generell gilt: unsere Stimmen sind vertraut, schenken Sicherheit und das Gefühl, dass umsorgende Personen in der Nähe sind. Babys schlafen deswegen – anders als wir manchmal denken – gar nicht so gerne in der Stille, sondern bevorzugen normale Hintergrundgeräusche, die signalisieren: alles in Ordnung, die Familie ist da.

Wer bringt das Baby ins Bett?

Der- oder diejenige mit ausreichend Kraft und Ruhe bringt das Baby ins Bett. Unsere Kinder spüren sehr gut, wenn wir angespannt sind oder unruhig, weil wir keine Lust haben, nach einem ohnehin schon anstrengenden Tag auch noch zwanzig Minuten im Bett zu liegen beim Kind. Diese Anspannung überträgt sich und lässt auch das Kind unruhiger werden. Die Brücke zum Schlaf baut deswegen die Person, die dafür die notwendige Gelassenheit mitbringt. Dabei gilt aber auch: Rituale können zwischen Eltern unterschiedlich aussehen: Während das Baby bei einer Person in den Schlaf gestillt wird, wird es bei der anderen vielleicht getragen oder in den Schlaf gesungen. Es gibt kein Richtig oder Falsch in der liebevollen Begleitung, nur unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen.

Und wie sieht Euer Ritual aus?
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Weiterführende Literatur:
Mierau, Susanne (2016): Geborgen wachsen. Wie Kinder glücklich groß werden. – München: Kösel.
Mierau, Susanne (2017): Geborgene Kindheit. Kinder vertrauensvoll und entspannt begleiten. – München: Kösel.
Lüpold, Sibylle (2014): Ich will bei euch schlafen! (Ein-)Schlafen lernen mit Co-Sleeping. – Freiburg: Urania Verlag.
Renz-Polster, Herbert/Imlau, Nora (2016): Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. – München: Kösel.

Wie Babys schlafen

Der Schlaf von Babys und Kindern ist eines der großen Themen in den ersten Jahren. Wir lesen davon, dass „Kinder schlafen lernen“ müssen, dass Schlaf wichtig sei für die Entwicklung und zu wenig Schlaf ungesund, wir stellen uns Fragen darüber, ob nun Mittagsschlaf wirklich wichtig ist, wenn wir abends doch gerne ein wenig Zeit für uns hätten ohne Kind. Wie also ist es nun mit dem Schlaf? Können oder müssen Kinder das lernen oder machen sie das von ganz allein? Und wie verändert sich das Schlafen im Laufe der Zeit?

Die gute Nachricht ist: Babys müssen nicht schlafen lernen, sie schlafen schon ganz selbständig von Anfang an. Die von vielen Erwachsenen allerdings als schlecht wahrgenommene Nachricht ist: Sie schlafen anders als wir. Und genau das bringt uns manchmal in eine Zwickmühle. Nach der Geburt hat das Baby erst einmal keinen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus: Schlafen und Wachen wechseln sich ab. Wie bei uns Erwachsenen ist auch schon für die Kleinsten der Schlaf wichtig, u.a. für das Gehirn und die Lernprozesse. Daher haben sie auch einen anderen Schlafrhythmus und eine andere Verteilung der Schlafphasen. Noch im Uterus besteht der Schlaf des ungeborenen Babys zu nahezu 100% aus REM-Schlafphasen, bei neugeborenen Kindern aus etwa 70%. Diese Schlafphase, in der die Augen sich unter den Lidern schnell bewegen (REM = Rapid Eye Movement) dient dem Gehirn zum Sortieren und Verarbeiten von Eindrücken – wir lernen, insbesondere auch emotionale Erlebnisse verfestigen sich hier.

Das Baby lässt sich nicht ablegen!

Vom Wachzustand geht das Baby zunächst in den REM-Schlaf über und dann in den Tiefschlaf: Viele Eltern wissen, dass sich das Baby, obwohl es doch gerade eingeschlafen scheint, nicht gleich ablegen lässt. Es erwacht sofort, wenn wir es ablegen, wenn es eine Diele knarzen hört oder sich die Situation in einer anderen Art für das Baby spürbar ändert. Und auch wenn uns Erwachsenen das oft als unpraktisch für uns selbst erscheint, ist es dieses Schlafverhalten für das Baby durchaus sinnvoll: Während dieser ersten Schlafphase ist es noch aktiv genug, um zu überprüfen, ob die Rahmenbedingungen für einen Schlaf wirklich gut sind, oder ob es nicht doch vorher noch einmal versorgt werden muss oder andere Rahmenbedingungen braucht, beispielsweise weil es zu kühl oder zu warm bekleidet ist, weil es spürt, dass es allein ist und dieses Gefühl seinem Bedürfnis nach Sicherheit widerspricht.

Das Baby wacht nachts auf!

Nach etwa 20 Minuten REM-Schlaf geht das Baby dann in den Tiefschlaf über: Nun lässt es sich ablegen. Nach einem Schlafzyklus von etwa 50 Minuten erwacht das Baby mehr oder weniger kurz, häufig zur Nahrungsaufnahme. Zudem überprüft es nun wieder, ob die Rahmenbedingungen weiterhin gut sind. Fühlt es sich beispielsweise schutzlos, wird es erwachen und weinen, um die Bezugspersonen zu sich zu holen. Auch bei einem Ausscheidungsbedürfnis erwachen die Babys oder werden unruhig. Wer das Baby abhält, merkt, dass es nach dem Ausscheiden wieder gut einschlafen kann.

Auch ältere Kinder und sogar wir Erwachsene wachen nachts auf – allerdings können wir selbständig wieder einschlafen und müssen (meistens) nicht durch eine andere Person wieder in den Schlaf begleitet werden, weil wir genug Erfahrungen im Laufe der Zeit gesammelt haben und wissen, dass wir an unserem Schlafort sicher sind. Auch verlängern sich im Laufe des Lebens die Schlafzyklen: Bei einem Erwachsenen dauern sie 90 bis 120 Minuten an – wir wachen also in späteren Jahren seltener auf pro Nacht.

Babys schlafen nicht durch – oder doch?

Dass Babys nicht in dem Sinne durchschlafen, wie wir von durchschlafen denken, ist also ganz normal. Die Gesamtschlafdauer bei Babys variiert stark: Neugeborene schlafen zwischen 11 und 20 Stunden am Tag, 6 Monate alte Babys zwischen 9 und 17 Stunden. Und auch nach der Babyzeit ist der Schlafbedarf noch unterschiedlich und einige Kinder brauchen noch länger einen Mittagsschlaf und andere hören früher damit auf. Mit „durchschlafen“ wird in der Regel ein Zeitfenster von 5 Stunden bezeichnet. Im ersten Jahr wachen viele Babys noch drei Mal und mehr nachts auf. Und selbst nach dem ersten Geburtstag schlafen Kinder noch nicht in dem Sinne durch, wie wir es uns oft wünschen würden.

Mit dem Babyschlaf umgehen

Dass Babys also so schlafen, wie sie schlafen, ist richtig und normal. Leider kollidiert es dennoch mit unseren erwachsenen Schlafgewohnheiten – und unseren Erwartungen hierzulande. Während in Costa Rica davon ausgegangen wird, dass Kinder etwa mit 3,5 Jahren durchschlafen, erwarten dies in Indien Eltern erst von 5jährigen. Zudem gibt es selbst in der voranschreitenden Entwicklung immer wieder mal Rückschritte in Phasen, in denen das Baby besondere neue Entwicklungen durchläuft und daher unruhiger schläft oder wenn es beispielsweise einen Infekt hat oder Zähne bekommt.

Wichtig ist daher: Den Schlaf des Babys so annehmen, wie er ist. Babys brauchen einfühlsame Begleitung und keine Schlaftrainings. Wichtig ist es dennoch, dass auch wir Erwachsene auf unsere Schlafbedürfnisse achten. Daher ist es gut, wenn sich Eltern abwechseln können, damit beide ausreichend Schlaf bekommen. Praktisch für ein gutes Schlafgefühl ist auch der so genannte „Ammenschlaf“: Schlafen Mutter und Baby in körperlicher Nähe (das Baby beispielsweise im Familienbett oder Beistellbett), nähern sich die Schlafphasen von Mutter und Kind an, wodurch die erwachsene Bezugsperson nicht aus dem Tiefschlaf gerissen wird durch das erwachte Baby, sondern oft kurz vor dem Baby erwacht, schnell auf die Bedürfnisse eingehen kann und dann selbst wieder schnell in den Schlaf findet. der Schlaf kann so erholsamer sein beim Co-Sleeping als bei räumlicher Trennung.

Wie geht es Euch mit dem Schlaf Eures Babys?
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Passende Bücher zum Thema:
Mierau, Susanne (2016): Geborgen wachsen. Wie Kinder glücklich groß werden. – München: Kösel.
Mierau, Susanne (2019): Mutter.Sein. Von der Last eines Ideals und dem Glück des eigenen Wegs. – Weinheim: Beltz.
Lüpold, Sibylle (2014): Ich will bei Euch schlafen! (Ein-)Schlafen lernen mit Co-Sleeping. – Freiburg: Urania Verlag.
Renz-Polster, Herbert/Imlau, Nora (2016): Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. – München: GU.
Schwarz, Diana/Ludwig, Frauke (2018): Baby Basics. Alles, was ihr über euer Baby wissen solltet. – München: Kösel.

Einschlafroutinen mit Kleinkindern

„Ich will aber nicht!“, „Ich will aber jetzt noch…“, „Ich kann nur schlafen, wenn Du noch eine Geschichte vorliest!“, „Ich bin gar nicht müde!“… Die Kleinkindzeit und das Einschlafen können manchmal eine schwierige Zeit sein: Nicht nur tagsüber drückt sich der Wunsch des Kindes nach Selbständigkeit aus, sondern auch abends. Dann aber manchmal gepaart mit Müdigkeit oder erschöpfter Kooperationsfähigkeit. – Eine ungünstige Mischung, wenn auch noch Eltern müde und erschöpft sind.

Am Ende des Tages…

Am Ende des Tages hat das Kind sehr viel erlebt. Es hat – wie jeden Tag – Neues gelernt, hat mit anderen Menschen interagiert. Vielleicht war es in einem Kindergarten, hat sich dort oder andernorts mit Freund*innen gestritten, vertragen, gespielt. Vielleicht musste es sich an Regeln und Abläufe anpassen, was nicht schlimm ist, aber Kraft kostet. Vielleicht ist es am Ende des Tages erschöpft, aber noch immer so neugierig. Vielleicht möchte es unbedingt noch dieses eine schöne Buch vorgelesen bekommen und im Arm kuscheln, obwohl es doch schon müde ist.

Vielleicht möchte es einfach nicht müde sein, sondern selbst bestimmen über sich und die Müdigkeit nicht anerkennen. Es möchte nicht gerade jetzt noch den Mund aufhalten zum Zähneputzen, denn das erfordert wieder Kraft und Ruhe – und vielleicht tut es auch noch etwas weh, weil gerade neue Zähne kommen und Schmerzen sind dann, wenn wir müde sind, noch viel intensiver. Am Ende eines Tages ist viel passiert und die Kraft eines Kindes, sowie die Möglichkeit, entspannt mit Situationen umzugehen, aufgebraucht. Wir sollten nicht zu viel erwarten von einem Kleinkind am Ende des Tages.

… braucht ein Kind einen langsamen Übergang

Wissen und berücksichtigen wir, dass das Kind am Ende des Tages viel erlebt hat, viel gesehen hat, viel in dem Gehirn dieses Kindes jetzt und in der Nacht verarbeitet wird, verstehen wir, dass nun nicht mehr viele Möglichkeiten bestehen, um uns entgegen zu kommen. Es ist ein wenig so, wie wenn wir nach einem fordernden Tag nach Hause kommen und einfach auf das Sofa sinken. Und dieses Sofa sind wir, die Eltern. Das Kind braucht es nun bequem, entspannt und ruhig. Manchmal ist diese Zeit des Einsinkens schon am Nachmittag zu finden, manchmal beginnt sie erst gegen Abend. Nun heißt es: Erwartungen zurückfahren an das kindliche Verhalten. Konkret kann es bedeuten:

  • Das Kind kann nicht mehr große Entscheidungen treffen in Bezug auf das Essen und fühlt sich überfordert von zu viel Auswahl.
  • Vielleicht hat es aber auch den Wunsch, etwas ganz Bestimmtes zu essen, weil es die Nährstoffe darin benötigt. Vertrauen wir dem Kind, wenn es aus einer gesunden Auswahl einen Wunsch heraus formuliert.
  • Das Kind kann nicht mehr laufen und möchte getragen werden: Eben gerade tobte es noch auf dem Spielplatz, aber nun ist es wirklich müde, weil der Antrieb des Spiels, der Neugierde, des Lernens nicht mehr da ist. Der Nachhauseweg ist zu beschwerlich – gönnen wir dem Kind die Ruhe auf unserem Rücken oder im Buggy.
  • Sich müde anziehen ist anstrengend – auch das kennen vielleicht einige von uns – nun nicht noch ausziehen und ganz neu ankleiden. Manchmal ist es sinnvoll, einfach schon vor dem Abendessen den Schlafanzug anzuziehen, damit es danach nicht zu mühevoll ist.
  • Langsam in den Schlaf gleiten und dabei einem anderen Menschen nah sein und von einer vertrauten Stimme hinüber in den Schlaf geleitet werden – das ist sicherlich schön. Wer gerne vorliest, muss nicht darauf bestehen, dass nach einer Geschichte wirklich Schluss ist. Es tut gut, die beruhigende Stimme einer liebevollen Person zu hören.
  • Den Raum verdunkeln und eine kuschelige Atmosphäre schaffen, die Ruhe ausstrahlt und nicht zum Spielen einlädt. Nun ist Zeit des Ruhens. Niemand muss schlafen, ist aber eingeladen, sich auszuruhen – schon diese Haltung des Nicht-Schlafen-Müssens kann etwas verändern.
  • Vielleicht plagen das Kind auch Ängste, die es noch nicht benannt hat oder schwer in Worte fassen kann. In der magischen Phase gibt es auf einmal Angst vor Krokodilen unter dem Bett oder Monstern im Kleiderschrank. – Natürlich lässt es sich so nicht gut einschlafen. Nehmen wir diese Ängste also ernst.
  • Auch in der Umstellungszeit des Mittagsschlafes wird das entspannte Einschlafen abends manchmal schwierig: Entweder ist das Kind müde, weil es den Mittagsschlaf nicht gemacht hat und kann aus Müdigkeit nicht mehr kooperieren, wird vielleicht auch wütend oder aggressiv aus Müdigkeit. Oder es macht noch Mittagsschlaf, vielleicht auch erst spät oder lang, und ist dann einfach wirklich nicht müde, wäre aber am nächsten Tag unausgeschlafen am Morgen. Hier muss der tatsächliche Schlafbedarf des Kindes am Tag angesehen und überlegt werden, wie er sinnvoll aufgeteilt werden kann.
  • Eine ruhige Routine an den meisten Nachmittagen kann eine Hilfe sein für diese Zeit: ruhige Momente und Nachmittagsgestaltung, beruhigende Geschichten, entspannte Vorbereitungen der Abendabläufe unter Einbindung der Selbständigkeit

Und wenn alles nicht klappt…

An manchen Abenden finden unsere Kinder das Fenster zum Schlaf einfach nicht. Auch das ist eine Fähigkeit, die mit der Zeit wächst. Erkennen wir an, dass es auch Ausnahmesituationen gibt und es an manchen Tagen schwierig ist. Erkennen wir an, dass das Kind einen anstrengenden Tag hatte und nörgelig ist, aber nicht zur Ruhe findet. Probieren wir es am nächsten Tag mit mehr Ruhe am Nachmittag oder schauen wir, was genau das Kind heute so besonders aufgedreht hat. Sprechen wir noch einmal ruhig über den Tag und die Geschehnisse: Was war heute besonders schön und was weniger? Was wollen wir morgen anders machen? Wichtig ist, selbst ruhig zu bleiben und nicht unter Stress zu geraten, weil das Kind nicht einschläft. Das erreichen wir mit ruhiger Atmung, Abwechslung mit Partner/Partnerin und einem eigenen, ruhigen Abendprogramm.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Schlafbedürfnisse – aus Elternsicht

Da liegt also das kleine Baby, so lieb und kuschlig in den Armen und schläft. Endlich. Die kleinen Augen sind geschlossen, der Atem geht ruhig. Und mit diesem langsamen Atem werden auch wir müde. Endlich. Aber das Baby will nicht abgelegt werden, wacht wieder auf bei jeder Bewegung. Und so tragen wir weiter trotz der Müdigkeit. Elternschlaf ist nicht einfach zu finden. Nicht am Anfang und auch nicht später, wenn das Baby Zähne bekommt oder Kleinkind nachts aufwacht, wenn es vom Nachtschreck geweckt wird und schreit. Auch in Krankheitsnächten, bei Veränderungen wird der Schlaf gestört und schließlich sitzen wir nachts wach und warten auf unsere großen Kinder, wenn sie die ersten Male nachts ausgehen. Als Eltern ist es nicht so einfach mit dem Schlaf.

Nicht schlafen – gehört doch dazu, oder?

Wir lesen es überall, hören es überall: „Schlaf wird überbewertet“ heißt es so oft aus Elternmündern. Aber stimmt das wirklich? Wir erklären Eltern so bereitwillig, dass Schlafentzug eben zum Kinderhaben dazu gehört und wir uns daran gewöhnen müssten. Aber vielleicht machen wir einen Denkfehler? Vielleicht haben wir uns daran gewöhnt, dass wir zu wenig Schlaf bekommen, dass wir müde sind, weil es anders nicht in unseren überfüllten Alltag passt. Aber vielleicht ist der Schlafentzug doch gar nicht so normal und richtig, wie wir annehmen.

Auswirkungen von Schlafmangel

Wir wissen es alle: Wenn wir nicht schlafen, sind wir müde. Aber das ist eben nicht alles, was der Schlafmangel mit uns macht. Und gerade in Hinblick auf das Zusammenleben mit Kindern ist es wichtig, dass wir den Schlafmangel einmal genauer ansehen: Schlafmangel wirkt sich nämlich auch auf unsere Beziehungen und unseren Umgang miteinander aus. Schlafen wir zu wenig, wirkt sich das in unserem Gehirn auf den Bereich aus, der uns die Absichten und Handlungen anderer Menschen verstehen lässt. Wir können uns weniger gut in unser Gegenüber hinein versetzen. Gerade das aber ist im Familienalltag mit Baby oder Kleinkind besonders wichtig: Um feinfühlig reagieren zu können, müssen wir Signale interpretieren und dann darauf reagieren. Das stärkt die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Schlafmangel führt im Gegenteil eher dazu, dass wir uns zurück ziehen.

Wir können dadurch auch eine gereiztere Grundstimmung haben, weil das Gefühlszentrum im Gehirn durch den Schlafmangel überreagiert. Wir sind gestresst, genervt, schimpfen eher, sind verärgert. Und gerade das ist etwas, was das Zusammenleben mit Kindern sehr schwierig macht. Wir reden immer davon, dass wir weniger schimpfen und entspannter reagieren wollen im Alltag mit unseren Kindern. Dafür ist es wichtig, dass wir unsere Grundbedürfnisse wie das Schlafbedürfnis erfüllen. Schlafmangel ist ein Nährboden für negative Interaktionen und Überforderung im Familienalltag, genauso wie Stress.

Manchmal kann der Schlafmangel auch wirklich gefährlich werden: Denn durch den Schlafmangel sind wir unkonzentrierter und unsere Reaktionsfähigkeit sinkt. – Auch dies sind Faktoren, die im Leben mit Baby und Kleinkind wichtig sind. Wenn wir vollkommen übermüdet sind und einschlafen, können wir zudem in einen so tiefen Schlaf sinken, dass wir nicht merken, dass wir uns im Schlaf auf das Baby rollen, denn starker Schlafentzug wirkt wie Alkohol. – Das Familienbett ist also bei sehr starkem Schlafentzug keine gute Idee. Besser ist das Baby dann im Babybalkon aufgehoben oder im Bett neben dem Elternbett.

Was tun gegen Schlafmangel?

Insbesondere Mütter leiden unter dem Schlafmangel – und zwar über viele Jahre hinweg. Das liegt nicht nur daran, dass sie das Baby nachts stillen oder füttern, sondern insgesamt an einer ungleichen Verteilungen von Aufgaben und zu wenig Selbstfürsorge. Für ein wenig Abhilfe vom Schlafmangel sorgt der so genannte „Ammenschlaf„: Schlafen Mutter und Baby beieinander, gleichen sich die Schlafzyklen an. Erwacht das Baby, werden wir deswegen nicht direkt aus dem Tiefschlaf gerissen, sondern aus der REM-Schlafphase. Können das Baby direkt im Bett versorgt werden (mit Nähe, Zuwendung oder Nahrung), müssen Eltern nicht aufstehen, wonach das Einschlafen oft noch schwerer fällt und die Schlafdauer kürzer wird. Es kann also durchaus helfen, dass Eltern und Kinder beieinander schlafen (wichtig dabei: auf eine sichere Schlafumgebung achten, um dem Plötzlichen Kindstod vorzubeugen).

Wichtig ist, dass (sofern vorhanden) beide Elternteile ausreichend Schlaf bekommen. Nicht nur der eventuell erwerbstätige Elternteil muss für den Alltag und die Arbeit ausgeruht sein, sondern auch der Elternteil, der den Tag mit dem Kind verbringt. Es ist daher wichtig, gemeinsam langfristig einen Plan zu entwickeln, wie der Schlaf für Eltern sichergestellt werden kann. Einige teilen die Nächte auf, andere achten auf Möglichkeiten des Schlafes am Tag, so dass ein Elternteil schlafen kann. Besonders schwierig ist es natürlich da, wo ein Elternteil zum Abwechseln fehlt. Hier braucht es Unterstützungsangebote, die tagsüber ein wenig Nachholschlaf ermöglichen.

Viele Eltern tappen allerdings auch in die Aufräumen-Falle: Wenn das Baby schläft oder gerade mit jemand anderem spazieren geht, wird lieber schnell hier aufgeräumt, noch eben die Wäsche erledigt oder das Bad geputzt. Das Ausruhen wird dabei ganz vergessen. Für einen entspannten Alltag sind die Ruhepausen – gerade in Hinblick auf die Beziehung – aber besonders wichtig, wie wir gesehen haben.

Was Eltern also wirklich brauchen: Schlaf. Und Möglichkeit, wie sie diesen Schlaf finden, denn dass Babys und Kinder nachts nicht durchschlafen, ist normal. Daran können – und sollten wir (durch so genannte „Schlaflernprogramme“) nichts ändern. Woran wir aber etwas ändern können und sollten sind die Anforderungen an Elternschaft (perfekt aufgeräumte Wohnungen neben dem Kinderumsorgen und andere Verpflichtungen, die vom Schlaf abhalten) und die Unterstützung für Eltern, dass sie gleichberechtigt Schlaf finden können.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Hudern – Über den Wert des Kuschelns im Elternbett

Sich in den Armen eines anderen Menschen geschützt, gewärmt und umsorgt fühlen. Positive Nähe zu einem Menschen, den wir mögen, kann so viel bedeuten, so viel geben. Nach einem langen, anstrengenden Tag voller Eindrücke, voller Erfahrungen und Erlebnisse kann es so wohltuend sein, sich in die Arme eines Menschen zurück zu finden und darunter Schutz zu finden wie unter einem großen Flügel, der einen von der Welt abschirmt. Weiterlesen

Den Absprung zum Schlaf finden – über Einschlafbegleitung und Zeitfenster

Der Tag war so aufregend, so vieles erlebt. Und eigentlich bist du schon müde. Eigentlich. Du reibst deine Augen mit den kleinen Fäusten, deine Wangen sind rot. Nun schnell ins Bett, denke ich und möchte noch einmal kurz die Windel wechseln. Die Zahnbürste am Wickeltisch erregt deine Aufmerksamkeit: In deiner Hand wendest du sie hin und her und wieder hin und her, steckst sie in den Mund. Auf einmal scheint die Müdigkeit verschwunden, wie weggewischt von deinem kleinen Gesicht. Weiterlesen

Schläft das Kind denn noch nicht? Über die richtige Zubettgehzeit für Kinder

Am letzten Abend unseres Urlaubs waren wir als Familie noch lange wach und saßen mit alkoholfreien Cocktails zusammen, redeten über den Urlaub, lachten und genossen die Zeit, die dahin flog. Irgendwann kam ein Paar vorbei, die Frau wandte sich uns zu und sagte: „Na die sind ja lange wach, die Kinder. Und sogar das kleine!?“ Ja, unsere Kinder sind manchmal lange wach. Manchmal nicht. Denn sie gehen dann schlafen, wenn sie müde sind. Weiterlesen

Sei kein Angsthase! Oder doch? – Kinder und Angst

Eigentlich ist alles bekannt: die Wohnung, die Geräusche, jedes einzelne Zimmer. „Komm mit, ich trau mich nicht…“ sagt das Kind. Eigentlich habe ich keine Lust, denn ich weiß: Alles ist in Ordnung. Es kann doch die Papierkugel allein zum Mülleimer bringen… Aber seit einigen Tagen wohl doch nicht. Angst steht im Raum, die meiner Meinung nach nicht da sein müsste. Aber meine erwachsenen Gedanken sind keine Kindergedanken. Kindergedanken sind anders. – Kinderängste sind anders. Und wenn sie da sind, sind sie da und lassen sich nicht wegschieben. Weiterlesen

Wenn Du Dich sicher fühlst: Wann Kinder alleine einschlafen

Gerade habe ich zugesehen, wie Du eingeschlafen bist. Zugedeckt in Deinem Bett, mit Deinen liebsten Kuscheltieren um Dich. Noch eine Weile hast Du hinaus geblickt aus dem Fenster, in die Weite. Deine Augen sind zu gefallen und wieder aufgegangen, zu gefallen und wieder aufgegangen – die Abstände dazwischen wurden immer kürzer, die Ruhephasen Deiner großen, runden Kinderaugen immer länger. Bis sie schließlich zu blieben und sich auf Deinem kleinen Gesicht die Ruhe ausbreitete. Wer hätte gedacht, dass Du eines Tages alleine einschläfst? Alleine in einem Bett schläfst? Allein in den Schlaf findest? So viele Stimmen, die mir sagten, Du würdest das niemals tun, niemals Deinen Weg alleine finden und immer Deine Eltern an Deiner Seite brauchen. Weiterlesen