Die erste Beikost – von der (Mutter)Milch zu Brei oder Fingerfood

Langsam rückt der Zeitpunkt näher, an dem das Baby sechs Monate alt wird. In vielen Familien wird diesem Zeitpunkt aufgeregt entgegen gesehen: Die erste Mahlzeit außerhalb von Muttermilchernährung oder Muttermilchersatznahrung steht bevor und viele Familien fragen sich: Welches ist das geeignete erste Lebensmittel? Was brauche ich dafür? Wie werden wir diese erste andere Mahlzeit gestalten?

Den richtigen Zeitpunkt für die Beikost bestimmt dein Baby, nicht der Kalender

Eigentlich ist es ganz einfach: Der richtige Zeitpunkt ist nicht unbedingt der, an dem das Kind genau sechs Monate alt wird. Es gibt keinen Stichtag „Nun ist dein Baby bereit für Beikost“, sondern jedes Kind bringt auch hier ein eigenes Tempo und Temperament ein. Besser, als nach dem Datum zu sehen ist es, die Anzeichen des Babys zu berücksichtigen:

  • Der Zungenstoßreflex ist verschwunden, Nahrungsmittel werden nicht gleich wieder mit der Zunge aus dem Mund geschoben.
  • Das Baby kann mit wenig Unterstützung aufrecht sitzen und hat eine gute Kopfkontrolle. Es muss nicht selbständig im Stuhl sitzen können, sondern es sitzt beispielsweise angelehnt sicher auf dem Schoß.
  • Das Baby kann selbständig Nahrung aufnehmen und in den Mund stecken.
  • Es kann Sättigung durch Ablehnung der angebotenen Nahrung anzeigen.
  • Interesse an Lebensmitteln haben Kinder oft auch schon bevor die anderen Anzeichen auftreten, da sie interessiert den Tischsituationen der anderen Familienmitglieder zusehen und neugierig sind. Allein das Hinterherblicken ist deswegen kein ausreichendes Beikostreifezeichen.

Die richtige Beikost bestimmt ihr zusammen

Wenn das Baby nun alle Anzeichen dafür zeigt, dass es bereit ist, Beikost zu sich zu nehmen, kann begonnen werden. Nun stellt sich nur die Frage: Womit eigentlich? Lange Zeit gab es strikte Regeln und Ernährungspläne zur Einführung von Beikost. Mittlerweile hat sich jedoch gezeigt, dass diese nicht nur nicht notwendig sind, sondern eine bunte Variation und abwechslungsreiche Kost sogar vorteilhaft ist in Hinblick auf die Minderung des Allergierisikos. Und auch ein Blick auf andere Kulturen kann uns aufatmen lassen: Während hier in Deutschland mildes Gemüse wie Pastinake oder Fenchel für den Beginn angepriesen werden, essen die Babys in Indien Linsen, Reis und Joghurt. Und auch in anderen Ländern sind die Zutaten für die erste Beikostmahlzeit äußerst unterschiedlich.

Was also als erste Beikost auf den Tisch kommt, bestimmt ihr als Familie selbst. Es ist gut, das Baby von Anfang an an die Familienkost zu gewöhnen, also das anzubieten, was ohnehin gerade gekocht wurde und es babygerecht anzubieten. Der Vorteil: kein extra Kochen, weniger Zeitaufwand, weniger Müll, Kostenersparnis und weniger Lebensmittel, die entsorgt werden, weil bedarfsgerechter angeboten werden kann. Das Baby muss später nicht noch einmal von Gläschenkost auf Familienkost umgewöhnt werden und es hat Freude daran, genau das zu essen, was alle anderen auch zu sich nehmen.

Ob diese Familienkost nun für das Baby püriert wird oder nicht, entscheidet ihr. Gut ist es aber, dem Baby auch immer mal wieder weiches Fingerfood anzubieten. So kann es selbständig am Essen teilnehmen, entwickelt Kompetenz im Umgang mit Nahrungsmitteln und nach und nach im Umgang mit Besteck, kann unterschiedliche Sinne einsetzen in der Erkundung und Wahrnehmung des Essens und die Muskulatur im Gesicht kommt stärker zum Einsatz.

Die einzigen Nahrungsmittel, die im ersten Jahr nicht gegessen werden sollten, lassen sich schnell zusammenfassen:

  • Rohmilch (Keime)
  • rohe Eier (Salmonellengefahr)
  • Honig (Botulismusgefahr)
  • Salz (belastet Nieren, verändert Geschmack)
  • Salat (noch nicht zerkleinerbar)
  • unverarbeitete Nüsse (Gefahr des Verschluckens), aber Nussmus wie Mandelmus
  • kleine Beeren (Gefahr des Verschluckens)
  • Zuckerzusätze (auch Ahornsirup) & Süßigkeiten
  • Bindemittel und Geschmacksverstärker
  • Vollmilch nur bis zu 200 ml täglich in Form von Milchbrei oder -speisen und Käse

Ob mit Fleisch oder ohne, bestimmen eure Familienernährungsgewohnheiten. Ob Fingerfood oder Brei, entscheidet ihr. Ob süß oder herzhaft, findest du mit deinem Baby zusammen heraus. Und dann kann sie losgehen, die liebevolle und bedarfsgerechte Beikostzeit.

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), DAIS-Stillbegleiterin, Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Elternblogs über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

10 Kommentare

  1. Danke,danke!Super auf den Punkt gebracht.Immer wieder hört/sieht man aber Mütter,die mit dem 4. Monat anfangen mit der Beikost,wobei bei den meisten kindern die Beikostreifezeichen in dem Alter noch nicht erfüllt sein dürften. Es ist doch auch wirklich viel logischer,die Kinder an die Familienkost zu gewöhnen,als nach und nach bestimmte Breizusammensetzungen anzubieten und damit wohlmöglich gleich Stillmahlzeiten zu ersetzen. Die Art der Beikosteinführung,die Du auch hier beschreibst ist leider noch viel zu wenig verbreitet. Würde ehrlich gesagt auch gerne Seminare/Schulungen zu dem Thema geben.Was hast auf für einenWeiterbildung gemacht?Ich bin von Haus aus Ärztin und IBCLC.

    • Ich habe das Thema Babyernährung in meiner Ausbildung zur Familienbegleiterin behandelt und mich später mit passender Fachliteratur weitergebildet. Zusammen mit meiner Freundin Anja, Hebamme und IBCLC, habe ich auch schon Weiterbildungen abgehalten, ansonsten gibt es auch immer wieder passende Weiterbildungen gerade für IBCLC.

  2. Die berühmten 6 Monate…. ich übe mich gerade bei meiner zweiten Tochter in Geduld. Sie fängt jetzt mit 6 Monaten langsam an, Dinge in den Mund zu stecken. Da wir bei unserer Großen komplett auf BLW gesetzt haben und das so entspannt fanden, möchte ich das jetzt auch machen. Und warte, dass sie endlich loslegen will. ? Manchmal möchte ich schon den Pürierstab zücken und sie füttern. ?
    Aber wahrscheinlich v.a. auch deswegen, da wir in unserem Umfeld mal wieder die letzten sind, die mit Beikost anfangen und wir so viel danach gefragt werden….

  3. Wie passend der Artikel gerade kommt, wir wollen morgen mit der Beikost anfangen. Und wir wollen es genau so angehen. Meist liest man nur die zwei Extrema, also das allein Brei oder allein BLW das einzig Wahre ist, aber ich finde man sollte da doch einfach total offen rangehen und auf sein Bauchgefühl hören (und auf das des Babys natürlich 😉 )
    Danke für den schönen Artikel!

  4. Mein Kind wollte ganz lange alles schön klein püriert haben und hat dafür sehr schnell selbständig mit dem Löffel gegessen. Familien und Kinder sind so verschieden. Danke, dass das hier seinen Platz findet.

  5. Ach schön. Wir wollen da zweigleisig fahren. Haben vor kurzem mit Brei angefangen, aber der Kleine soll auch demnächst etwas Fingerfood bekommen. So können wir alles mal testen.

  6. Oliver Wegner

    Na extra Kochen wird wohl schon noch eine Weile an der Tagesordnung sein. Ich kenne zumindest kaum Familien die babytauglich Nahrung zubereiten geschweige selbst verzehren.

  7. Danke für den tollen Bericht. Beim ersten Sohn hab ich mich noch von außen verrückt machen lassen, doch ja im 4. Monat mit Brei zu starten „sonst nehmen die nachher gar nix“. Hat zum Glück prima geklappt, es wurde nichts wieder rausgeschoben. Von BLW hab ich erst 2 Monate später gehört und dann öfter auch was dazu angeboten. Jetzt bei Sohn Nr 2 bin ich erfahren genug, mich nicht mehr verrückt machen zu lassen. Auch nicht davon, was man zu geben hat. Vielen Dank für den Beitrag dazu.

  8. Danke für den Beitrag, mein Mann und ich sind schon sehr gespannt, wie es wird und wir freuen uns neues zu probieren und kennenzulernen. Sonst achten wir nie so darauf…
    Nach den Familienrezepten schaue ich gleich mal. Lg

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