Kategorie: Geborgen Wachsen

Zauberhaft selbstgemacht – DIY Weihnachtsgeschenke mit Primavera {Werbung & Verlosung}

Die Weihnachtszeit ist da und damit bei vielen auch ein wenig Weihnachtsstress und die Frage: Was verschenke ich in diesem Jahr an Freunde und Familie? Im ohnehin schon vollen Zeitplan zum Jahresende ist Geschenkestress etwas, das gerade nicht benötigt wird.  Wer sich vorgenommen hat, in diesem Jahr Geschenke einfach, nachhaltig und individuell zu gestalten, der findet im neuen DIY Aroma Kit „Zauberhaft selbstgemacht“ von Primavera gleich eine ganze Fülle von Anregungen für verschiedene Geschenke für Familie und Freunde.

Ein Basis Set für viele Ideen

Das DIY Aroma Kit enthält vier Bestandteile, mit denen sich zahlreiche Ideen verwirklichen lassen: Naturbelassenes Mandelöl, das pur für die Hautpflege genutzt werden kann, aber auch in Verbindung mit ätherischen Ölen ein schönes Körperöl ergibt. Beruhigendes Rosenwasser, das pur als Erfrischung genutzt werden kann, oder durch ätherische Öle eine zusätzliche Funktion erhält. Die im Set enthaltenen ätherischen Öle Orange bio* und Zeder bio* sind gerade jetzt in der Winterzeit gute Begleiter: Orange schenkt gute Laune, Zeder entspannt und macht Mut.

Im DIY Aroma Kit sind zunächst vier Rezepte enthalten, um auf Basis der Bestandteile selbst Biokosmetik- oder Aromatherapiemischungen herzustellen: Eine Anleitung zur Herstellung des Riechfläschchens „Mut & Zuversicht“, ein Rezept für fruchtig-warmes Körperöl „Sonnenschein“, für die Schüttelemulsion „Rosenzauber“ und das Duschpeeling „Glatte Haut“.

Selbst kreativ werden

Über diese Rezepte hinaus gibt es jedoch noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, mit dem Inhalt kreativ umzugehen. Viele Ideen für schöne DIYs gibt es hier – von Körpermasken über schimmerndes Körperöl bis zur Shavingcream.

Eine ganz einfache, variable und schöne Geschenkidee sind Badesalze oder Duschpeelings in Einmachgläsern: Hierfür werden Marmeladegläser, grobes Meersalz, etwas Mandelöl und das gewünschte ätherische Öl benötigt. Um den Badesalzen oder Duschpeelings noch eine besondere Note zu geben, können sie mit Sanddornfruchtfleischöl bio gelb-orange gefärbt werden oder mit etwas Rote Beete Pulver rosa. Auch getrocknete Blüten von Lavendel, Rose oder Ringelblume können ein Badesalz im Glas noch einmal besonders aufwerten. Wichtig bei der Herstellung eines Aromabads ist: Ätherische Öle lösen sich nicht in Wasser und benötigen als Lösungsvermittler das Salz oder auch flüssige Sahne oder Honig.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten für wohltuende, anregende oder entspannende Badesalze oder Duschpeelings. Dies sind zwei Rezepte, die in diesem Jahr von mir verschenkt werden:

Rezept Badesalz (für ca. 2 Vollbäder)

100g grobes Meersalz
25 ml Mandelöl (oder 10 Tr. Sanddornfruchtfleischöl)
12 Tr. Orange bio
4 Tr. Zeder

Entspannungsbad (ca. 2 Vollbäder)

100g Meersalz
25ml Mandelöl
12 Tr. Orange bio
5 Tr. Lavendel fein

 

Verlosung

Wollt Ihr selber kreativ werden oder ein DIY Aroma Kit einfach verschenken? Primavera hat drei Sets zur Verlosung zur Verfügung gestellt.

  • Verlost werden 3 „Zauberhaft selbstgemacht“ Do it yourself Aroma Kits von Primavera
  • Kommentiere zur Teilnahme hier auf dem Blog: Welche Biokosmetik- oder Aromatherapiemischung würdest Du gerne herstellen und/oder verschenken?
  • Bitte kommentiere individuell, so dass nach der Auslosung eine eindeutige Zuordnung des Namens möglich ist (bspw. ist eine Zuordnung schwierig, wenn es 20 Stefanies gibt, daher dann lieber Stefanie_79 oder ähnlichen Namen wählen). Bitte kommentiere nur einmal: Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis Dein Kommentar freigeschaltet werden kann, aber er geht nicht verloren.
  • Datenschutzhinweis: Dieses Gewinnspiel ist nicht an weitere Kontaktaufnahme wie Newsletter und Werbung gekoppelt. Die Daten der TeilnehmerInnen werden nicht weitergehend ausgewertet oder zu Werbezwecken gebraucht. Alles weitere zum Umgang mit Daten findet Ihr im Datenschutzhinweis
  • Die Teilnahme steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder Instagram
  • Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen natürlichen Personen.
  • Die Teilnahme beginnt am 06. Dezember 2018 um 00:00 Uhr und endet am 08.Dezember 2018 um 24 Uhr (Teilnahmeschluss). Ausgelost wird dann nach dem Teilnahmeschluss.
  • Der/die Gewinner/in wird im Anschluss nach dem Zufallsprinzip ermittelt und erhält eine Benachrichtigungsemail am 09. Dezember 2018. Eine Veröffentlichung des Namens findet aus Datenschutzgründen nicht statt.
  • Die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners muss zu Versandzwecken an die versendende Firma weiter gegeben werden. Hiermit erklären sich die Teilnehmer*innen am Gewinnspiel einverstanden.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Sollte sich der/die Gewinnerin nicht spätestens 10 Tage nach der Verlosung zurück melden, verfällt der Gewinn.

*** Die Verlosung ist beendet. Die Gewinner*innen sind benachrichtigt ***

Das große UND

Ich bin jetzt Großvater. Als ich vor vielen Jahren Vater wurde, waren die pädagogischen Verhaltensweisen, die mir und meiner Frau empfohlen wurden, von Einspurigkeiten geprägt. Es hieß zum Beispiel:

„Du musst immer konsequent sein!“
„Es darf keine Ausnahmen geben!“
„Wer A sagt, muß auch B sagen!“
„Es muss aufgegessen werden, was man sich auf den Teller legt!“
Und so weiter.

Einspurigkeit macht unglücklich

All meine Erfahrungen als Vater, Pädagoge und Therapeut zeigen, dass solche Einseitigkeiten und Einspurigkeiten in der Pädagogik nicht weiterhelfen. Kinder wissen schon, woran sie bei ihren Vätern, Müttern oder Großeltern sind. Sie lernen schon, was die Erwachsenen für richtig und für wichtig halten und was nicht. Darüber brauchen wir uns keine Sorgen machen. Kinder sind hochkompetente Wesen, die in sehr kurzer Zeit unglaublich viel lernen, nicht nur an Sprache und Wissen, sondern auch an sozialen Kompetenzen. Und Kinder wollen ihre Eltern lieben und von ihnen geliebt werden. Sie versuchen sich deshalb auf die Erwartungen der Eltern einzustellen. Wenn das nicht gelingt, müssen wir nach den konkreten Gründen suchen. Die Ursachen liegen nicht darin, dass die aufgezählten Einspurigkeiten nicht „durchgezogen“ werden, im Gegenteil: die genannten Einspurigkeiten führen dazu, dass Kinder (und Eltern) unglücklich werden können.

Mit dem großen UND leben

Ich empfehle mit dem großen UND zu leben. Selbstverständlich sollten Regeln konsequent durchgehalten werden UND Sie dürfen Ausnahmen machen: Selbstverständlich sollte mit Nahrungsmitteln sorgsam umgegangen werden UND ich halte es für völlig falsch, ein Kind zu zwingen, alles aufzuessen, wenn es satt ist oder das Essen nicht mag. Selbstverständlich geben Sie dem Kind Freiheiten und vertrauen darauf, dass es diese vertrauensvoll nutzt UND Sie stecken den Rahmen und die Grenzen ab. Selbstverständlich müssen Sie meistens den Tag planen und durchorganisieren, UND Sie dürfen offen sein für Überraschungen und Ausnahmen.

Wenn ein Verhalten eines Kindes Sie ärgert, dann dürfen Sie und sollten Sie den Ärger zeigen. Wahrhaftigkeit ist angemessen. UND Sie sollten gleichzeitig deutlich machen, dass Ihr Ärger dem konkreten Verhalten des Kindes gilt und nicht seiner Person: „Ich ärgere mich über das, was du getan hast, UND ich liebe dich!“

Auch für die Haltung der Eltern sich selbst gegenüber ist das große UND eine Hilfe, kann es zumindest sein. Vielleicht sind Sie müde und überfordert und wollen und müssen doch gleichzeitig für Ihr Kind dieses oder jenes unternehmen. Gestehen Sie sich beides zu: „Ich bin überfordert und auch etwas genervt UND ich tue dies und jenes für das Kind.“

Die eigene Widersprüchlichkeit anerkennen

Sich die eigenen Widersprüchlichkeiten zuzugestehen, ist hilfreicher als sich selbst mit „Muss-Sätzen“ zu traktieren: „Ich muss mich doch jetzt eigentlich viel mehr zusammenreißen, damit ich für mein Kind da bin. Meine Müdigkeit, mein Genervt-Sein, darf doch gar nicht sein …!“ Solche Selbstbezichtigungen und Selbstschelte machen alles nur schlimmer. Sie können sicher sein, dass auch Ihr Kind das merkt, zumindest, dass Sie genervt sind und mit sich hadern.

Eine Mutter erzählte mir, dass sie sich so schämte. Ich fragte nach und sie erzählte, dass ihr Kind plötzlich immer wieder von einer „bezaubernden“ Lehrerin schwärmte. „Meine Tochter hörte gar nicht auf. Da wurde ich eifersüchtig. Aber das darf ich doch nicht sein.“ Ich sagte ihr: „Selbstverständlich dürfen Sie liebevoll eifersüchtig sein, UND Sie dürfen sich weiterhin der Zuneigung Ihrer Tochter sicher sein UND Sie dürfen sich auch ein wenig über die Schwärmerei Ihrer Tochter amüsieren. Sie können sicher sein, dass die Schwärmerei für die Lehrerin bald durch die Schwärmerei für eine Sängerin oder einen Filmstar oder ein Pferd abgelöst werden wird. Gestehen Sie sich Ihre Eifersucht zu.“

Probieren Sie das große UND!

Dr. Udo Baer ist Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL und u.a. Vorsitzender der Stiftung Würde. Auf Geborgen Wachsen schreibt er über die (Gefühls-)Welt der Kinder, ihre Gedanken und die sich ergebenden Herausforderungen. Mehr über dieses Thema findet sich in seinem neuen Buch „Die Weisheit der Kinder

 

Auf Augenhöhe

Wenn wir heute darüber sprechen, wie wir den Alltag mit unseren Kindern gestalten, sprechen wir häufig davon, dass wir mit unseren Kindern „auf Augenhöhe“ umgehen und meinen damit, dass wir ihre Bedürfnisse wahrnehmen und sie als ebenso wichtig betrachten wie unsere eigenen. „Auf Augenhöhe“ meint: Ich sehe dich an, ich nehme dich wahr, ich erkenne deine Bedürfnisse an. Aber wie gestaltet sich das im Alttag mit Kindern wirklich?

Auf Augenhöhe mit Bedürfnissen umgehen

„Auf Augenhöhe sein“ bedeutet, dass wir die Bedürfnisse des Gegenüber wahrnehmen und als ebenso wichtig betrachten wie unsere eigenen und dann beantworten oder gegeneinander abwägen, was in der konkreten Situation machbar und sinnvoll ist. Dabei sollten wir uns von dem Gedanken befreien: „Ich mache das richtig/Meine Meinung zählt mehr, weil ich die erwachsene Person bin.“ Natürlich können wir als erwachsene Menschen Situationen anders einschätzen und abwägen bzw. auf einen wesentlich größeren Erfahrungsschatz zurückgreifen. Als Eltern geben wir auch den Weg vor und treffen letztlich Entscheidungen. Es „auf Augenhöhe“ zutun, bedeutet aber, die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes nicht sofort abzutun, sondern erst einmal anzuhören und einzuordnen. Es bedeutet, dass wir dann, wenn wir das Bedürfnis des Kindes nicht erfüllen können (weil es objektiv nicht möglich/sinnvoll ist und nicht, weil wir es aus Überlegenheit/Unlust einfach ablehnen), es dennoch anerkennen: „Ich verstehe, dass Du das jetzt machen möchtest, aber wir haben einen wichtigen Termin und können nun nicht auf den Spielplatz“ und die Bedeutung des Bedürfnisses anerkennen und eine andere Lösung anbieten: „Du möchtest gerne auf den Spielplatz, jetzt schaffen wir es nicht, aber wir können es nach dem Termin machen.“ oder eine Alternative: „Wir schaffen es jetzt nicht, auf den Spielplatz zu gehen, aber ich habe verstanden, dass Du gerne noch ein wenig spielen möchtest. Lass uns doch etwas zum Spielen für unterwegs mitnehmen.“

Auf Augenhöhe gehen

„Auf Augenhöhe“ bedeutet aber auch mehr als „nur“ der Umgang mit einer Sachlage: Es bedeutet auch, dass wir tatsächlich mit unseren Kindern auf Augenhöhe gehen. Es bedeutet, nicht von oben herab Entscheidungen auf sie nieder kommen zu lassen, nicht durch den Raum eine Anweisung rufen. Es bedeutet, dass wir uns einen kleinen Augenblick die Zeit nehmen, um in Kontakt mit unseren Kindern zu kommen auf Augenhöhe: Wir können uns zu ihnen hinunter beugen, sie vielleicht berühren beim Reden und so den Fokus auf dieses Gespräch legen. Wir können sie auch hoch nehmen auf unsere Augenhöhe und mit ihnen sprechen. Wir müssen sie nicht auffordern, uns beim Reden direkt in die Augen zu blicken, aber allein die gleiche Augenhöhe und Nähe sind wichtige Anreize für ein wirkliches Gespräch über ein Bedürfnis.

Die Welt aus deiner Augenhöhe betrachten

Und noch etwas können wir tun, um sie besser zu verstehen: Manchmal die Welt aus ihrer Augenhöhe betrachten. Wie sieht das Kinderzimmer, unsere Wohnung aus dem Blickwinkel meines Kindes aus? Was sind Herausforderungen, die sich aus dieser Perspektive ergeben? Was sieht das Kind vielleicht gar nicht aus seiner Höhe? Wie sieht die Welt draußen aus aus der Perspektive eines 1m großen Menschen?

Wenn wir die Welt durch Kinderaugen betrachten auf der Höhe der Kinderaugen, bekommen wir ein besseres Verständnis für ihre Bedürfnisse aber auch für ihre alltäglichen Herausforderungen. So kann es uns gelingen, dann auch leichter mit ihnen „auf Augenhöhe“ zu sprechen.

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.    

 

In guten wie in schlechten Zeiten…

Es gibt Phasen, in denen fällt uns das geborgene, liebevolle Leben mit unseren Kindern einfach: Zeiten, in denen nahezu alles zu stimmen scheint, in denen wir „im Flow“ sind mit unseren Kindern und dem Alltag. Zeiten, in denen wir milde lächeln können und entspannte Nachmittage mit Kind auf dem Sofa genießen. Und es gibt Phasen, in denen es all das nicht gibt. In denen es schwierig ist, in denen an unserer Kraft gezehrt wird. Phasen, in denen wir uns fragen: Wird das jemals wieder gut? Und: Mach ich das vielleicht doch alles nicht richtig? Manchmal nagen Zweifel an uns, ob der eingeschlagene Weg wirklich der richtige ist, wenn er vielleicht gar nicht so entspannt ist wie gedacht. In genau diesen Zeiten können wir an ein Mantra denken und es uns immer wieder sagen: „In guten wie in schlechten Zeiten!“

Manchmal fällt es einfach

Genügend Schlaf, genügend freie Zeit, genügend Unterstützung. Ein Kind mit einem aktuell leicht zu begleitendem Temperament oder ein Baby, dessen Bedürfnisse leicht erkannt und beantwortet werden können. Es kann manchmal so einfach sein. Wenn die Grundvoraussetzungen stimmen, kann der Alltag entspannt begleitet werden und bindungorientiertes Leben ist recht einfach und umgänglich.

– manchmal aber auch nicht

Manchmal kommt es aber auch ganz anders: Zeiten mit wenig oder häufig unterbrochenem Schlaf, viel Termindruck und wenig entspannte Freizeit, wenig Unterstützung und vielleicht auch noch ein Kind, dessen Bedürfnisse geradezu schwer erkannt oder im Alltag beantwortet werden können – das macht einen entspannten Alltag viel schwieriger. Bindungsorientiert antworten und Feinfühligkeit haben und zeigen, das fällt unter Stress wesentlich schwerer. Wir haben einfach nicht die Augen und Ohren, um in einem trubeligen Alltag auch noch feinfühlig die kleinen Signale wahrnehmen zu können. Stress kann dann eher zu negativem Erziehungsverhalten führen: Wir reagieren weniger emphatisch, sind genervt, verlangen mehr vom Kind als es geben kann und übersehen die eigentliche Kooperationsbereitschaft. Hierdurch reagiert das Kind (verständlicherweise) mit Anspannung und muss die Bedürfnisse und Überforderung noch stärker zeigen – ein Teufelskreis beginnt.

Ausstieg aus der Negativspirale

In solchen Phasen hilft nur ein Anhalten – auch wenn das gerade jetzt besonders schwer ist. Denn in einem stressigen Alltag mit zu wenig Zeit und zu vielen Aufgaben auch noch bewusst verlangsamen? Das kann nicht gut gehen, sind wir vielleicht im ersten Moment verleitet zu denken. Aber eine Familie ist kein lineare Aufgabe, die so einfach und logisch zu lösen ist. Eine Familie ist ein System, das viele komplexe Inhalte hat. Um aus einem Negativkreislauf auszubrechen, können wir mit Kindern nicht auf Durchhalten und Abwarten setzen. Wir müssen wieder einen Schritt auf sie zu gehen und sie und uns liebevoll an die Hand nehmen.

In guten wie in schlechten Zeiten auf Bindungsorientierung setzen bedeutet, dass wir uns auch in den stressigen Zeiten vor Augen führen, was unser eigentlicher Leitstern für eine Beziehung ist und müssen uns wieder darauf ausrichten: Kurz anhalten, den Stern am Himmel suchen und dann langsam gemeinsam wieder darauf zu gehen.

Im Familienalltag bedeutet das: Sich mit Kind eine Auszeit gönnen, einen Nesttag einlegen, Verabredungen absagen. Es bedeutet, ganz bewusst nicht nach Hause zu hetzen nach Kita oder Schule, sondern den Weg vielleicht als Entdeckungsreise zu sehen: Einmal andere (vielleicht auch Umwege) gehen und zusammen entdecken, was auf dem Weg liegt. Zu Hause alte Muster durchbrechen für mehr Entspannung: Das Abendessen kann mal als Picknick auf dem Boden gegessen werden oder es ist Mit-den-Händen-Esstag. Zu Hause das Handy ganz bewusst als erstes in das Regal legen und nicht darauf achten, Digital Detox für einen entspannten Nachmittag. Mit kleinen Kindern baden, mit größeren Kindern können wir Wohlfühloasen schaffen und massieren und kuscheln. Gerade Hautkontakt kann in stressigen Phasen ein guter Helfer sein, um zur Ruhe zu kommen durch das Kuschel- und Bindungshormon Oxytocin, das uns alle wieder entspannt und beruhigt. Entschleunigung ist das Zauberwort für diese angespannten Zeiten.

Schlechte Zeiten gibt es immer mal wieder im Familienleben. Stressige Zeiten sind – auch wenn sie nicht schön sind – normal. Wichtig ist nur, dass wir durch sie nicht an uns und unseren Leitlinien zweifeln und wir einen Moment warten, um wieder zurück auf den Weg zu kommen. In guten wie in schlechten Zeiten geht das durch Einfühlsamkeit, Ruhe und das Hinfühlen dahin, was wir gerade wirklich brauchen.

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.    

Achtsam durch 2019 – Ein Guter Plan Family mit Geborgen Wachsen {Werbung & Verlosung}

Eigenwerbung

Ein achtsamer und entspannter Familienalltag ist das, was wir uns alle wünschen und was im Alltag dennoch so schwer fällt. Da gibt es Arbeit, Haushalt, Kinder, eventuell Partnerschaft, Freundschaften, vielleicht Hobbys… Die Liste der Alltagsdinge ist lang und nicht selten unübersichtlich. Und dann ist es nicht selten auch noch so, dass es uns trotz der vielen 1000 Aufgaben schwer fällt,  „Nein“ zu sagen, wenn noch mehr Aufgaben an uns heran getragen werden. Entspannung und Achtsamkeit sind da nicht nur Herausforderungen, sondern können sogar noch zu einem Druck werden, zu einem weiteren Programmpunkt der Alltagsliste.

Wie Ein Guter Plan Family entstand

2015 haben meine Freundin Milena und Jan zusammen das Crowdfunding für Ein Guter Plan gemacht, dem achtsamen Kalender mit der Botschaft: „Wir glauben: Das wichtigste Buch in deinem Leben sollte über dein Leben sein.“  Milena und Jan haben diesen Kalender, der auch schon mit dem Red Dot Award ausgezeichnet wurde, entwickelt, weil sie ihn selbst brauchten und haben ihre eigenen Techniken für Achtsamkeit und Meditation darin verarbeitet, die ihnen ganz persönlich durch schwierige Zeiten geholfen haben. Schon über 90.000 verkaufte Exemplare haben ihn zu einem der erfolgreichsten Planer weltweit gemacht.

Was für mich an dem Kalender, den ich seit 2015 selbst immer nutzte, fehlte: Eine Anpassung an das Familienleben, das noch einmal ganz besondere Herausforderungen mit sich bringt. Immer wieder haben wir darüber gesprochen, haben Ideen zusammengetragen und schließlich ist er entstanden: Ein Guter Plan Family – mit den lange bewährten Techniken des Ein Guter Plan und mit zusätzlichen Techniken, Inhalten und einer an den Familienalltag orientierten Aufteilung.

Ein Guter Plan Family – So begleitet er Dich

Der Ein Guter Plan Family ist in drei Teile gegliedert: Es gibt am Anfang eine Bestandsaufnahme: Wo stehst Du? Was macht Dich glücklich? Wo willst Du hin und musst Du überhaupt irgendwo hin? Dieser Blick in sich selbst hinein ist klärend, aber nicht immer einfach. Im zweiten Teil gibt es einen ganzheitlichen Terminkalender für Termine, Aufgaben, eine Reflexion mit der Achtsamkeitsampel für den Alltag und den Zielen und Aufgaben für den nächsten Monat. Im dritten Teil findest Du Listen, Informationen und Platz für Notizen, Spiele für unterwegs und allgemeine Alltagshilfen.

Nimm Dir mit, was Du brauchst

Mit Ein Guter Plan Family wollen wir Dich begleiten und unterstützen auf Deinem ganz persönlichen Weg. Es gibt keine Richtlinien, keine vorgegeben Wege. Du bestimmst selbst, was Du machst und wie. Wir begleiten Dich lediglich durch kleine Anregungen durch Deinen Alltag. Wir wollen Dir helfen, Dein Augenmerk auf das zu richten, was wirklich wichtig ist im Alltag: Du und Deine Familie. Kleine wöchentliche Achtsamkeitstipps können Dir auf diesem Weg helfen. Wir wollen Dich unterstützen, im Alltag auf Dich und Euch zu achten und Milena und Jan haben das Jahr 2019 auch zum Jahr „Zweitausendneinzehn“ erklärt, um zu verdeutlichen: Es ist auch okay, Dinge abzulehnen: keine Glorifizierung von Stress, keine Selbstausbeutung, keine Selbstoptimierung.

Verlosung

Ein Guter Plan Family kann Dich verständnisvoll, achtsam und entspannt durch Dein Jahr begleiten – wie auch immer es aussehen wird. Insgesamt drei Exemplare auf verschiedenen Kanälen verlose ich, um mit Euch durch das Jahr zu gehen.

  • Verlost wird hier auf dem Blog ein „Ein Guter Plan Family“ in Deiner Wunschfarbe (auf Instagram und Facebook finden ebenfalls Verlosungen statt, unabhängig von dieser)
  • Kommentiere zur Teilnahme hier auf dem Blog: Welche der drei Farben ist Deine Wunschfarbe?
  • Bitte kommentiert individuell, so dass nach der Auslosung eine eindeutige Zuordnung des Namens möglich ist (bspw. ist eine Zuordnung schwierig, wenn es 20 Stefanies gibt, daher dann lieber Stefanie_79 oder ähnlichen Namen wählen). Bitte kommentiere nur einmal: Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis Dein Kommentar freigeschaltet werden kann, aber er geht nicht verloren.
  • Die Teilnahme steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder Instagram.
  • Datenschutzhinweis: Dieses Gewinnspiel ist nicht an weitere Kontaktaufnahme wie Newsletter und Werbung gekoppelt. Die Daten der TeilnehmerInnen werden nicht weitergehend ausgewertet oder zu Werbezwecken gebraucht. Alles weitere zum Umgang mit Daten findet Ihr im Datenschutzhinweis
  • Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen natürlichen Personen.
  • Versand ausschließlich innerhalb Deutschlands.
  • Die Teilnahme beginnt am 27. November 2018 um 9 Uhr und endet am 29. November 2018 um 24 Uhr. Verlost wird nach Teilnahmeschluss am 30. November 2018.
  • Der/die Gewinner/in wird im Anschluss nach dem Zufallsprinzip ermittelt und unter dem Kommentar zur Teilnahme benachrichtigt, sowie direkt angeschrieben
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Versand ausschließlich innerhalb Deutschlands.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Sollte sich der/die Gewinnerin nicht spätestens 10 Tage nach der Verlosung zurück melden, verfällt der Gewinn.

Eure

 

Die Verlosung ist beendet, die Gewinnerin wurde benachrichtigt.

 

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.    

Mit Sanddorn durch die kalte Jahreszeit {Werbung & Verlosung}

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Als ich das erste Mal einen warmen Sanddornsaft getrunken habe, saß ich Mitte 20 in einem verregneten Sommerurlaub auf Rügen und genoss den süßlich-sauren Geschmack und die Wärme, die der Saft in mir verbreitete. Seither begleitet mich diese außergewöhnliche Pflanze durch die Jahre und ich habe sie nicht nur innerlich zu schätzen gelernt, sondern einige Jahre später auch in ihrer äußerlichen Wirkung.

Sanddorn – ein Allroundtalent

Die Sanddornpflanze ist schon in ihrer Erscheinung besonders: Unter extremen Bedingungen gedeiht sie in Russland, China, aber auch Europa. An den dornigen Trieben wachsen von August bis Dezember die ovalen gelb-orangen Früchte, die besonders wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts bekannt sind. Vitamin C ist für verschiedene Stoffwechselprozesse notwendig und wirkt antioxidativ, d.h. es fängt freie Radikale ab und schützt so die Zellen im Körper. Zudem unterstützt es die Verwertung von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Hierzulande haben wir für gewöhnlich durch das reichhaltige Nahrungsangebot keinen Vitamin-C-Mangel, doch die Vitamin-C-reiche Sanddornfrucht ist eine in Europa beheimatete Pflanze, die uns mit einer großen Menge des Vitamins versorgen kann: 450mg Vitamin C finden sich in 100g Sanddornbeeren. Als Zutat in Joghurt oder Quark oder im Müsli ist sie eine gesunde und leckere Bereicherung. Auch als warmer Saft mit Honig ist Sanddorn schmackhaft, aber Vitamin C ist hitzeempfindlich und so kann eine zu heiße Zubereitung diesen wichtigen Inhaltsstoff zerstören.

Weniger bekannt als der hohe Vitamin-C-Gehalt des Sanddorns ist die pflegende Wirkung des Sanddornöls: Das Sanddorn-Kernöl kann innerlich wie äußerlich angewendet werden. Innerlich kann es wie auch der Saft beispielsweise einem Joghurt beigemischt werden, äußerlich pflegt es die Haut. Das Sanddorn-Kernöl ist jedoch weniger lange haltbar als das Sanddorn-Fruchtfleischöl. Dieses hat besonders schützende und pflegende Eigenschaften und wird besonders auch bei Beanspruchung der Haut durch UV-Strahlung eingesetzt, beispielsweise im Sommer, aber auch bei Hautproblemen und Hauterkrankungen und schützt durch verschiedene Inhaltsstoffe die Haut vor freien Radikalen.

Rundum gepflegt mit Sanddorn – das Weleda Sanddorn Vitalisierende Pflege-Öl

Das Sanddorn-Fruchtfleischöl hat eine intensive orange Farbe und wird daher mit anderen Ölen gemischt: Etwa 10 Tropfen Sanddorn-Fruchtfleischöl kommen auf 100ml fettes Öl. Weleda hat das Sanddornöl in Verbindung gebracht mit Sesamöl, dazu kommen die Duftnoten von Mandarine, Grapefruit und Orange – ein fruchtiges, belebendes und pflegendes Körperöl. Weleda bezieht die Sanddornpflanze aus einem Anbauprojekt in der Toskana aus biodynamischen und biologischem Anbau. Auf 100 Hektar Land werden auf „San Mario“ vom Familienunternehmen „Künzi & Röthlisberger“ die Pflanzen angebaut und geerntet.

Wegen seiner frischen Note eignet es sich besonders als Start in den Tag, um den Körper am Morgen zu umhüllen, zu pflegen und gleichzeitig durch den Duft anzuregen. Eine Massage mit dem vitalisierenden Sanddorn-Pflege-Öl nach der Dusche auf der noch feuchten Haut ist ein schöner und aktivierender Tagesbeginn – besonders nach einer vielleicht nicht so erholsamen Nacht oder durchwachten Nächten neben kranken Kindern. Arme und Beine können von den Extremitäten hin zur Körpermitte massiert werden, was die anregende Wirkung noch verstärkt und uns gut im Tag ankommen lässt.

Im Anschluss kann dann der Sanddorn Elixier in Wasser oder Tee gelöst werden oder als Zutat in einer Smoothie Bowl oder im Müsli Verwendung finden und der morgendlichen Müdigkeit mit fruchtigem Vitamin C entgegenwirken. Auf eine Schüssel (Kokos-)joghurt mit Früchten kann beispielsweise 1 EL Sanddornsaft und 1 TL Ahornsirup gegeben werden – ein gesunder und leichter Start in den Tag.

Verlosung: Gewinne eins von drei Weleda Sets

Für all diejenigen, die sich jetzt etwas Gutes tun wollen innerlich und äußerlich, gibt es hier die Chance, eines von drei Weleda Sanddorn Sets zu gewinnen

  • Verlost wird je drei Mal je ein Set, bestehend aus Sanddorn Elixier und Sanddorn-Pflege-Öl
  • Kommentiere zur Teilnahme hier auf dem Blog: Was verbindest Du mit Sanddorn?
  • Bitte kommentiert individuell, so dass nach der Auslosung eine eindeutige Zuordnung des Namens möglich ist (bspw. ist eine Zuordnung schwierig, wenn es 20 Stefanies gibt, daher dann lieber Stefanie_79 oder ähnlichen Namen wählen). Bitte kommentiere nur einmal: Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis Dein Kommentar freigeschaltet werden kann, aber er geht nicht verloren.
  • Die Teilnahme steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder Instagram.
  • Datenschutzhinweis: Dieses Gewinnspiel ist nicht an weitere Kontaktaufnahme wie Newsletter und Werbung gekoppelt. Die Daten der TeilnehmerInnen werden nicht weitergehend ausgewertet oder zu Werbezwecken gebraucht. Alles weitere zum Umgang mit Daten findet Ihr im Datenschutzhinweis
  • Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen natürlichen Personen.
  • Versand ausschließlich innerhalb Deutschlands.
  • Die Teilnahme beginnt am 23. November 2018 um 8:00 Uhr und endet am 25. November 2018 um 24 Uhr. Verlost wird nach Teilnahmeschluss am 26. November 2018.
  • Der/die Gewinner/in wird im Anschluss nach dem Zufallsprinzip ermittelt und unter dem Kommentar zur Teilnahme benachrichtigt, sowie direkt angeschrieben
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Sollte sich der/die Gewinnerin nicht spätestens 10 Tage nach der Verlosung zurück melden, verfällt der Gewinn.

Eure

 

* Die Verlosung ist beendet, die Gewinnerinnen sind benachrichtigt *

Stillen im Alltag unterstützen – so geht es

Muttermilch ist die natürliche und beste Nahrung für Babys und Muttermilch beinhaltet alles, was das Kind zur Versorgung benötigt in der immer wieder passenden Zusammensetzung, richtig temperiert und schnell verfügbar. Dennoch ist das Stillen bzw. die Ernährung mit Muttermilch nicht immer einfach, weil Wissen, Beratung und vor allem auch Unterstützung fehlen. Die WHO hält genau dies fest:

Breastfeeding is the normal way of providing young infants with the nutrients they need for healthy growth and development. Virtually all mothers can breastfeed, provided they have accurate information, and the support of their family, the health care system and society at large.

Unterstützung meint dabei aber nicht nur das Fachpersonal und fachliche Beratung, sondern uns alle: die Partner*in der Stillenden, die Familie, das Gesundheitssystem, die gesamte Gesellschaft. Wir alle nehmen einen Einfluss auf die Unterstützung und Wahrnehmung des Stillens. Jede Frau sollte nach umfassender Information frei entscheiden können, ob sie stillen möchte oder nicht (sofern nicht sowieso medizinische Gründe dagegen sprechen). Hat sie einen Stillwunsch, sollte sie umfassende Unterstützung bekommen, um diesem nachgehen zu können. Fachliche Unterstützung findet sich bei Hebammen, IBCLCs und Stillberaterinnen/Stillbegleiterinnen, aber auch Kinderärztinnen können stillfreundliche Rahmenbedingungen und Angebote schaffen. Persönliche Unterstützung darüber hinaus können wir alle anbieten in vielen kleinen Alltagsdingen.

Unterstützung durch den anderen Elternteil

Einen besonderen Einfluss auf das Stillen nimmt der andere Elternteil des Kindes. Laut einer Untersuchung in Bayern (Kohlhuber et al. 2008) zum Stillverhalten und der Einstellung des Vaters zum Stillen, stillen Mütter 22mal häufiger, wenn der Vater eine positive Einstellung zum Stillen hat im Vergleich zu Ehepaaren, bei denen der Partner dem Stillen gegenüber negativ eingestellt war. Doch nicht nur auf das generelle Stillen wirkt sich die positive Einstellung des Partners aus: Eine ablehnende Haltung gegenüber dem Stillen ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass Babys schon vor dem vierten Monat zugefüttert oder abgestillt wurden. Die Einstellung des anderes Elternteils ist daher ein wesentlicher Einflussfaktor auf das Stillen und die Stilldauer. Anerkennung und Unterstützung können das Stillen erleichtern und verlängern.

Grenzt Stillen den anderen Elternteil aus?

Damit das Baby möglichst lange die besonderen Eigenschaften der Muttermilch nutzen kann, ist es deswegen gut, wenn der andere Elternteil dem Stillen gegenüber aufgeschlossen ist und ausreichend Informationen darüber hat, warum das Stillen bzw. die Muttermilchernährung so wertvoll sind. Dabei kann auch die Sorge, das Stillen würde den anderen Elternteil aus der Beziehung ausgrenzen, entkräftet werden: Eine gute Bindung zum Kind entsteht nicht allein durch das Stillen. Auch wenn das Stillen einen positiven Einfluss auf die Bindungsentwicklung haben kann, ist es keine Grundvoraussetzung dafür und es gibt zahlreiche andere Möglichkeiten für den Bindungsaufbau. So hat der andere Elternteil die Möglichkeit, ganz ohne Ernährung eine Beziehungsband zum Kind zuknüpfen rein über die weitere Interaktion. Hat sich das Stillen eingespielt, kann Muttermilch auch mit der Hand aus der Brust entleert werden und der andere Elternteil kann die Muttermilch mit Hilfe eines Bechers oder anders füttern. Dennoch kann aber auch ganz unabhängig vom Füttern eine tragfähige Beziehung von Anfang an aufgebaut werden durch schöne zweisame Momente, durch das Tragen, das Kuscheln und/oder  Babymassage.

Das stillfreundliche Familienklima

Auch wenn es in früheren Generationen vielleicht anders gehandhabt wurde: Heute können Mutter und Kind so lange stillen, wie es für beide richtig ist und es wird eine ausschließliche Stilldauer von einem halben Jahr empfohlen. Manchmal ist das für Großeltern und andere Familienangehörige noch befremdlich. Aber letztlich ist es das Ziel der Familie, das neue Familienmitglied bestmöglich wachsen zu lassen und rundum gut zu versorgen. Auch für Freunde und Familie kann es hilfreich sein, Informationen über die positiven Eigenschaften der Muttermilchernährung zu erhalten, damit der Wunsch einer guten Versorgung zu einem stillfreundlichen Familienklima ohne negative Kommentare führt. Ist eine stillende Mutter zu Gast, ist ein bequemer Ort zum Stillen von Vorteil. Manche Frauen beschreiben, dass sie beim Stillen immer Durst verspüren und es ist gut, einer stillenden Frau ein Getränk anzubieten. Das muss kein spezieller Stilltee sein, sondern es reicht oft einfach ein Glas Wasser.

Stillfreundlicher Alltag

Ganz konkret können wir jedoch auch unabhängig von Familientreffen eine stillfreundliche Umgebung und Gesellschaft schaffen durch Offenheit, Akzeptanz und Rücksichtnahme. Das bedeutet, dass wir stillende Frauen in der Öffentlichkeit als normal ansehen und sie vor negativen Kommentaren schützen. Hilfreich ist es auch, wenn wir eigene negative Erfahrungen möglichst zurückhalten, um Frauen in der Anfangsphase des Stillens nicht zu verunsichern oder zu ängstigen. Wenn Hilfe oder Unterstützung benötigt wird, können wir mit hilfreichen Tipps zur Seite stehen oder an passende Stellen verweisen und gleichzeitig Verständnis aufbringen für die manchmal auch auftretenden Herausforderungen in einer Stillzeit.

Verständnis, Akzeptanz und Anteilnahme sowie Respekt vor der jeweiligen Entscheidung der Mutter in Bezug auf das Stillen sind die Grundpfeiler, die unsere gesellschaftliche Einstellung gegenüber jungen Familien tragen sollte. Und damit lässt sich schon recht viel erreichen in Hinblick auf ein stillfreundlicheres Klima.

 

 

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.    

 

Sei bitte lieb und brav! (Sonst kommt nicht der Weihnachtsmann)

„Jetzt ist aber bald Weihnachten und da wirst Du doch nicht…“ so ähnlich hörte es eines meiner Kinder kürzlich von einer fremden Person. „Gut sein“, „brav sein“ – darum geht es immer wieder. Wir lesen die lustigen Geschichten von Michel, bewundern die tapfere Pippi Langstrumpf und fiebern mit der selbstbewussten Momo. Aber selbst ein aufmüpfiges Kind haben oder in der Umgebung ertragen? Nein, danke!

Sei lieb und brav

Kinder sind toll. Die Geburtenrate ist in den letzten Jahren hierzulande gestiegen auf durchschnittlich 1,59 Kinder je Frau – der höchste seit 1973 gemessene Wert. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: Mutterschaft geht mit einem verringerten mentalen Wohlbefinden (pdf) einher, zumindest in den ersten sieben Jahren nach der Geburt. Das liegt zu großen Teilen sicherlich auch am Druck, der auf uns Müttern lastet, an der fehlenden Unterstützung und damit einhergehend auch fehlenden Ressourcen, um entspannt Elternschaft leben zu können. Wir erwarten erschöpft an vielen Stellen, dass sich Kinder einpassen müssen in unser Leben: sie sollen sich schnell anziehen lassen ohne Ärger, sollen brav am Tisch sitzen und ordentlich essen ohne Tisch, Stuhl und Teppich zu schmutzig zu machen. Sie sollen bitte morgens kein „Theater“ machen, wenn sie in Kita oder Schule gebracht werden und bitte nach dem Abholen möglichst pflegeleicht sein. Und in der Wohnung, in der die Nachbarn uns hören können, sollen sie möglichst leise sein und unauffällig. Erschöpfung und ein falsches Bild von kindlichem Verhalten und kindlichen Möglichkeiten vermischen sich.

Wie Kinder zu uns kommen: neugierig

Wir erwarten brave Kinder, weil sie so in unsere Gesellschaft passen sollen. Tatsächlich aber kommen zu uns ganz normale Menschen mit ihrem jeweiligen Temperament. Manche Kinder sind leiser, manche Kinder sind lauter. Aber ganz sicher sind Kinder keine kleinen Erwachsenen, denn sie denken noch anders als wir, sind wesentlich mehr gefühlsbestimmt und weniger überlegt. Sie sind neugierig und wissbegierig, denn Neugierde ist der Motor ihrer Entwicklung. Manche dabei schüchterner und manche forscher. Das ist nicht pathologisch, sondern normal. Und auch, dass es durchaus schwer sein kann, dies zu begleiten für uns Erwachsene. Da stehen wir einem anderen Menschen gegenüber, der in manchen Phasen und Situationen denkt und handelt, wie wir es vielleicht mit unseren erwachsenen, überlegten Gedanken nicht mehr nachvollziehen können. Manchmal ist es sogar so, dass in einer Familie ganz verschiedene Temperamente aufeinander treffen und es für Eltern eine große Herausforderung ist, mit einem ganz anderen Temperament als dem eigenen umgehen zu müssen. Das ist tatsächlich nicht einfach. Aber die Aufgabe unserer Beziehung ist es, den anderen Menschen gegenüber zu erkennen in den jeweiligen Bedürfnissen und darauf angemessen zu reagieren.

Bedingungen und Selbstwert

Wenn wir Eltern darüber nachdenken, ob wir unsere Kinder lieben, sagen wahrscheinlich die meisten: Ja! Und natürlich würden wir wohl auch zumeist zustimmen, dass wir bedingungslos lieben. Wenn wir unseren Alltag hingegen betrachten, stellen wir vielleicht doch an der einen oder anderen Stelle fest, dass wir an die Liebe zum Kind Bedingungen stellen: Positive Aufmerksamkeit bekommst Du dann, wenn Du meine Erwartungen erfüllst. „Sei lieb und brav, sonst…kommt nicht der Weihnachtsmann bzw. ich hab Dich weniger lieb.“ Wir knüpfen Liebe und Bedürfniserfüllung an Bedingungen: Du bekommst etwas (Geschenk/Zuneigung), wenn… Und dieses „wenn“ ist nicht an den Fähigkeiten und Möglichkeiten unseres Kindes orientiert, sondern an unseren erwachsenen Erwartungen.

Was Kinder aber wirklich brauchen, ist das Gefühl, angenommen zu werden. Das Selbstwertgefühl von uns bildet sich nämlich danach aus, wie Kinder sich angenommen fühlen: Wer sich als bedingungslos geliebt/angenommen empfindet, bildet ein stärkeres, sichereres Selbstwertgefühl aus (pdf) als diejenigen Kinder, die Zuneigung nur durch Erfüllung von bestimmten Erwartungen erhalten. Und eigentlich ist es doch genau das, was wir unseren Kindern auf den Weg ins Leben mitgeben wollen: Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten.

Wenn wir ihnen immer wieder signalisieren: Dein (normales!) kindliches Verhalten ist falsch, vermitteln wir ihnen, dass sie selbst falsch sind. Wir geben ihnen kein gutes Gefühl für sich mit, keinen Vertrauen in sich und keine Sicherheit darin, dass das eigene Gefühlserleben richtig ist. Wir richten ihren Blick nicht auf das Innen und die Eigenwahrnehmung, sondern ausschließlich auf das Außen und darauf, wie sie auf andere wirken können.

… sonst kommt nicht der Weihnachtsmann

Gerade zur Weihnachtszeit gipfeln die Erwartungen und Bedingungen an kindliches Verhalten in Drohungen. Dafür wird gerne die übermenschliche Figur des Weihnachtsmannes oder Christkinds herangezogen als außenstehender Richter über gute und schlechte Taten. Unsere eigenen Erwartungen an das Kind werden übertragen auf eine dritte Person, die in Listen oder Büchern gute und schlechte Taten aufführt und letztlich bewertet: „Wenn Du kein guter Mensch bist (meiner Meinung nach), bekommst Du weniger Geschenke.“ Oder keine. Oder gar eine Rute. Erziehung durch Druck, Angst und letztlich das Gefühl, nicht richtig zu sein und von anderen bewertet zu werden. Auf diese Weise verkehrt sich das „Fest der Liebe“ in ein Fest der Angst des Kindes vor Abwertung und Beschämung. Davor, „nicht richtig zu sein“, obwohl es einfach nur Kind ist und natürlich nicht die Erwartungen an erwachsenes Verhalten erfüllen kann.

Auch dann, wenn wir lediglich – in unseren Augen – positives Verhalten hervorheben und das Kind loben im Sinne von: Das hast Du so toll gemacht, dafür bekommst Du vom Weihnachtsmann sicher noch ein extra Geschenk, kann das genauso negativ sein wie die Androhung, nichts zu bekommen wegen „Fehlverhaltens“. Denn damit vermitteln wir ein Gefühl davon, wie das Kind eben nicht toll wäre: Wenn es einmal das Gegenteil dieses Verhaltens zeigt. Ein „Ich hab Dich lieb, weil…“ kann manchmal auch den Umkehrschluss enthalten „Ich hab Dich nicht lieb, wenn…“ Kinder sollten sich nicht nur dann angenommen und geliebt fühlen, wenn sie unsere Erwartungen erfüllen. Sowohl mit einer übermäßig positiven Hervorhebung kindlichen Verhaltens als auch mit Druck und Bestrafung sollten wir also vorsichtig sein.

Bestätigung darüber, „gut“ zu sein, „richtig“ zu sein, vermitteln wir dem Kind darüber, Dinge zu bekommen, mit Dingen „belohnt“ zu werden: Wenn Du brav bist, bekommst Du ein Geschenk, wirst belohnt mit einem Gegenstand. „Dinge machen glücklich“ – auch dies ist eine Botschaft, die wir unseren Kindern mit auf den Weg geben, wenn wir mit Belohnung oder Bestrafung durch Weihnachtsgeschenke arbeiten.

Ich liebe Dich – so wie Du bist

Was Kinder brauchen – nicht nur zur Weihnachtszeit – ist das Gefühl, angenommen und geliebt zu werden. – Und dies auch/gerade dann, wenn sie eben vollkommen natürliches kindliches Verhalten zeigen. Statt mit Drohungen, Liebesentzug oder himmlischen Richtern zu drohen, sollten wir uns zunächst immer vor Augen führen, dass wir eben ein Kind vor Augen haben und keinen Erwachsenen. Auch dann, wenn wir gerade – wie oft in der Vorweihnachtszeit – besonders gestresst sind und es so gerne einfacher hätten.

Wir können hinsehen und uns fragen: Was ist jetzt das Bedürfnis meines Kindes? Warum verhält es sich so? Wir brauchen Verständnis für die normale kindliche Entwicklung – und müssen dieses Verständnis auch gegenüber der Gesellschaft verdeutlichen und verteidigen in all jenen Situationen, in denen uns hochgezogene Augenbrauen in der Öffentlichkeit ermahnen wollen, unsere Kinder bitte – koste es was es wolle – in ihre Erwartungen zu pressen.

Gerade dann, wenn ein Kind wütend oder traurig ist, braucht es uns und unsere einfühlsame Begleitung. Es braucht das Gefühl, auch in schwierigen Situationen geliebt und angenommen zu werden und sich mit einer Not an liebevolle Bezugspersonen wenden zu können. Es braucht Sicherheit in den Momenten, in denen es Unbeständigkeit fühlt und nicht weiß, wie es sich anders ausdrücken kann. Es braucht Liebe und Vorbild.

Aber die Gesellschaft…

Das bedeutet nicht, dass Kinder sich in der Gesellschaft nicht auch so bewegen sollten, dass alle miteinander entspannt leben können. Aber das, was gesellschaftskonform ist, muss an die kindlichen Fähigkeiten angepasst werden: Wenn ein Kleinkind wütend tobt vor Langeweile in der langen Supermarktwarteschlange, dann ist das ein normales und verständliches Verhalten. Ziel ist es in einer solchen Situation nicht, das Kind mit Druck und Angst zu disziplinieren, sondern einen gangbaren Weg zu finden für diese Familie in dieser Situation: Vielleicht, indem die Familie einfach vorgelassen wird. Vielleicht, indem ihr Platz in der Schlange gesichert wird, während sich Vater oder Mutter um das Kind kümmern. Vielleicht auch, indem das Kind freundlich von anderen abgelenkt wird oder das begleitende Elternteil vermittelt bekommt: Es ist schon gut so.

Wir können einem Kind auch ohne Druck, Zwang und Angst vermitteln: Dieses Verhalten war jetzt gerade nicht passend. Wir können sagen: „Mir ist das zu laut!“ anstatt „Du bist zu laut!“ Wir können spiegeln und erklären, wie es uns in bestimmten Situationen geht – ohne Kinder dabei zu verängstigen.

Was wir brauchen, ist ein Verständnis für kindliche Fähigkeiten und Möglichkeiten und dass Kinder sich je nach Alter auf bestimmte Weise ausdrücken und ihr Verhalten durch ihre Entwicklung bestimmt ist. Wir sollten nicht den Maßstab an erwachsenes Verhalten an ein Kind legen. Was wir auch brauchen, ist weniger Druck auf Eltern, die sich in der Gesellschaft oft genötigt fühlen, ihr Kind anpassen zu müssen und dafür in einer überforderten, stressigen Situation oft zu erlernten, selbst erfahrenen Maßnahmen wie Druck und Bestrafung greifen, um der Bewertung von Außen standzuhalten (weil sie vielleicht selbst gelernt haben, dass sie nur dann gut und richtig sind, wenn sie das in den Augen anderer sind, siehe oben).

Kinder sind lieb und brav. Manchmal. Und manchmal sind sie wild und unberechenbar. Nicht weil sie gut oder böse sind, sondern weil sie einfach Kinder sind und auf dem Weg, die Welt und sich selbst kennen zu lernen. Begleiten wir sie auf diesem wichtigen Weg ohne Zwang und Druck, damit sie ein gutes Gefühl für sich und die Welt entwickeln können.

 

 

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.    

 

 

Ob in der Stadt oder auf dem Land: Naturerlebnisse warten vor jeder Haustür

Wehende Blätter im Wind, knorrige Äste und wuselnde Ameisen auf dem Boden. Dazwischen sitzt ein Kind, versunken in der Welt des Begreifens. Die Fingernägel sind schwarz von der Erde, in der es gewühlt hat. Die Hose ist schmutzig, in den Schuhen drücken kleine Steinchen. Die Mütze ist über die Ohren gerutscht und die Backen sind rot. Vor Aufregung? Vor Konzentration? Oder doch vor Kälte? Das Kind fragt nicht. Es spielt und lernt. Es pult Rinde von einem Ast ab und taucht dadurch in den Aufbau der Pflanzen ein. Es beobachtet eine Ameisenstraße und nimmt Teil am Leben der Insekten.

Wo ist dieser Ort, an dem ein Kind in und mit der Natur lernen kann?

Er ist vor der Tür.
In unserer Vorstellung ist diese Tür vielleicht irgendwo auf dem Land. Denn auf den ersten Blick erscheint die Natur für Kinder, die auf dem Land aufwachsen, viel greifbarer, viel realer. Mit einem Wald vor der Tür und dem Bachlauf hinterm Haus. Tatsächlich ist das aber ein veraltetes, romantisches Bild vom Landleben. Heute ist das Landleben in vielen Landkreisen durch die ausgeräumte Agrarlandschaft sogar weniger natürlich, als es die Umgebung in der Stadt durch grüne Parks und wilde Brachen ist. Und der Weg zum nächsten natürlichen Wald ist von beiden Orten eine Autofahrt entfernt. Die Haustür, vor der die Kinder spielt, ist laut einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung immer häufiger in einer Stadt. Denn immer mehr Kinder wachsen im städtischen Raum auf. Die Stadt ist Lebensraum für viele Familien. Zugleich ist sie ein Naturraum und stellt einen wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar, dient dem Klimaschutz und der Sicherung von Lebensqualität.

Naturspiele für alle

Damit Kinder Natur erleben können, ist es unwichtig, ob die Haustür in der Stadt oder auf dem Land ist. Damit ihr seht, das sich Natur überall finden lässt, stelle ich euch heute vier kleine Naturspiele vor, die sich vor jeder Haustür durchführen lassen und die je nach Alter der Kinder in ihrem Schwierigkeitsgrad angepasst werden können:

  1. ein Naturmandala gestalten
  2. ein Pflanzenmemory spielen
  3. einen Baumfreund finden
  4. einen Wetterort festlegen

1. Ein Naturmandala aus allerlei Materialen legen

große und kleine Steine für die äußere Umrandung,
Blätter und Samen,
eine Feder als besonderer Schmuck,
Stöcke,
Beeren und Früchte,
oder auch all das, was sich sonst so finden lässt: ein Flaschendeckel, der danach im Müll entsorgt wird (und durch den das Thema „Müll“ und „Umweltverschmutzung“ angeschnitten werden kann), ein gefundenes Schild oder anderer Müll.

2. Ein Pflanzenmemory,

bei dem Sie Äste, Früchte, Samen oder Blätter vom Boden sammeln und zu einem „Bild“ anordnen.
Die Kinder haben dann eine Minute Zeit, um sich die Materialien und ihre Anordnung einzuprägen. Danach werden die Materialien mit einem Tuch verdeckt.
Die Kinder können jetzt (je nach Alter der Kinder mit unterschiedlich vielen/schwereren Anforderungen) nach den Materialien suchen. (Sie sollten dabei die Möglichkeit haben, diese, wie Sie, am Boden zu finden. Bitte machen Sie sie darauf aufmerksam, keine Pflanzen auszureißen).
Mit den gesammelten Objekten fertigen die Kinder dann eine Kopie des Bilder an.
Danach wird das Tuch gelüftet und die Kopien mit dem Original verglichen. Es kann besprochen werden oder in Bestimmungsliteratur, die auch schon für Kinder eingängig ist, nachgeschlagen werden, welche Pflanzen gefunden wurden. Die Kinder können reflektieren: Was hat geholfen, um die Pflanzen zu finden? Welche Sinne wurden benutzt?

3. Suchen Sie mit den Kindern einen persönlichen Baumfreund aus.

Er sollte nah an ihrer Haustür sein, sodass sie ihn jeden Tag besuchen können und er zu einem Begleiter durch die Jahreszeiten wird.
Jetzt im Herbst lässt sich beobachten, wie die Blätter ihre Farbe wechseln und wie der Baumfreund schließlich die Blätter abwirft.
Im Winter werden die Knospen genau betrachtet – und mit anderen Knospen verglichen. Sind sie groß, oder klein? Haarig oder glatt? Stehen sie dicht gedrängt wie Pinguine einer Kolonie (wie bei den Kirschen) oder einzeln und kräftig (wie beim Berg-Ahorn) oder sind sie klebrig wie Kaugummi (wie bei den Kastanien)?
Im Frühjahr dann treibt der Baumfreund aus. Jetzt erwacht er aus seiner Winterruhe. Meistens verpassen wir diesen Moment. Uns fällt dann plötzlich auf, dass alles grün ist. Aber mit unserem Baumfreund sehen wir die langsame Veränderung und können das Erwachen des Frühlings bewusst miterleben.
Im Sommer spendet er uns Schatten, und wir spenden ihm eine Gießkanne Wasser. Wir beobachten, wer alles mit unserem Baumfreund befreundet ist. Welche Tiere kommen herbei, welche Blüten gibt es zu bestäuben? Welche Früchte gibt es zu ernten?

4. Ein Wetterort, der sich je nach Witterung verändert.

Auch dieser Ort sollte nah am Wohnort liegen. Er bietet den Kindern das wichtige Erleben von Regen, Kälte, Wärme und Sonne. Hier können sie das Wetter kennenlernen und mit allen Sinnen aufnehmen.
Dafür braucht es einen Ort, der regelmäßig aufgesucht wird, beispielsweise ein Spielplatz, oder eine Grünanlage.
Ab jetzt gibt es kein schlechtes Wetter mehr: Denn ihr solltet diesen Ort auch dann besuchen, wenn es das nächste Mal aus Eimern schüttet. Ihr solltet ihn besuchen, wenn es im Winter schneit, und auch, wenn die Sonne dann wieder scheint und der Schnee taut und alles matschig wird.
Euer Wetterort ist ein immer gleicher Ort, der durch die Witterung und die Jahreszeiten doch jedes Mal ganz anders ist.
Fragt die Kinder: Was verändert sich? Wie gehen die Pflanzen und Tiere damit um? Woran sehen wir, dass sich dieser Ort verändert? Was lässt sich dort finden? (Im Regen die Regenwürmer, in der Sonne die Insekten.) Und fragt die Kinder warum sie denken, dass es mal die Insekten und mal die Schnecken sind, die sich doch an diesem immer gleichen Ort abwechselnd zeigen…. Welche Lebensgewohnheiten haben diese Tiere oder auch Pflanzen?

Natur ist überall

Ihr seht, Natur ist überall. Sie ist über uns, in den Baumkronen. Sie ist unter uns, auf der Erde, auf der wir stehen. Sie ist in uns, durch die Bakterien, ohne die wir nicht lebensfähig wären. Wir Menschen sind ein Teil der Natur. Allerdings fühlen wir uns durch die moderne Welt, in der wir in geheizten Wohnungen leben und mit klimatisierten Autos umher fahren, nicht mehr wie ein Teil dieser Natur. Es ist aber wichtig, dass wir wieder zu mehr Natur zurückkehren.

Denn für unsere Kinder ist Natur zum Wachsen elementar. Und uns tut sie gut. Wir sollten ihr also trotz aller Bequemlichkeiten unserer Welt wieder vermehrt Einlass gewähren. Weit müssen wir dafür nicht gehen: Vor unserer Haustür (auch in der Stadt) können wir mit unseren Kinder Natur erleben. Auf einem gut gewählten Sitzplatz können wir morgendlichen Vogelkonzerten lauschen. Abends können wir in Decken gehüllt auf dem Balkon sitzen und auf den Fuchs oder den Waschbär warten, der nachts in Städten gerne die Mülltonnen plündert.

Klingt das nicht nach einem spannenden Abenteuer für eine Übernachtung unter Stadtkindern?

Eure

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Dem Baby einen geborgenen Raum geben

Da liegt es im Arm, das kleine Baby, und schmiegt sich ein. Fast hat man das Gefühl, es würde wieder mit einem verschmelzen wollen, so passt es sich ganz dem Körper an, auf dem es liegt. Warm und weich kuschelt es sich ein, will sich umhüllt und geborgen wissen. Immer wieder begehrt es auf, genau diesen Kontakt herzustellen. Ein kleiner Mensch, der mit all den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten signalisiert: Ich brauche Dich jetzt.

In der Welt, aus der es kommt, war es all dies: Umgeben von Wärme, immer genährt, immer getragen und sanft bewegt. Immer im Körperkontakt und immer von einer schützenden Hülle umgeben, die dem Leben einen Halt gibt, die eine Grenze um den eigenen Körper zieht. Eine Hülle, die bekannt ist und Sicherheit gibt. Mit dem Beginn dieses neuen Lebens ist diese Hülle aufgehoben und es strebt danach, den alt bekannten Zustand wieder herzustellen. Noch nicht reif für dieses Leben*, noch in Ruhe nachreifen wollend zu den Bedingungen, die so wohlig-warm waren, so verwöhnend und rundum vertraut.

Dem Baby einen geborgenen Raum geben zum Nachreifen bedeutet, diesem Bedürfnis nachzuspüren. Zu verstehen, woher die Bedürfnisse des kleinen Kindes am Anfang kommen und zu sehen, wie wir sie umsetzen können: Das Bedürfnis nach der Versorgung mit Nahrung nach Bedarf durch Stillen nach Bedarf erfüllen bzw. Ernährung mit künstlicher Säuglingsnahrung nach Bedarf. Auch dann, wenn das Baby manchmal Phasen hat, in denen es ganz besonders viel trinken muss – es ist gewöhnt, genau das zu erhalten und sich satt und zufrieden zu fühlen. Das Bedürfnis nach Wärme und Nähe und Gewiegtwerden durch Körperkontakt und Tragen einräumen. Das Bedürfnis nach einer schützenden Hülle geben durch die Kleidung oder durch Halt in einem Tuch oder einer Tragehilfe.

Diese Bedürfnisse sind es, die wir immer wieder ansehen können in unserem Alltag mit Baby: Wenn es sich auf einmal unwohl fühlt, wenn es allein im Bett liegt, vermisst es vielleicht die Körperwärme und Bewegung. Wenn es hungrig wird, ist das ein zunächst fremdes und bedrohlich-schmerzhaftes Gefühl, das in dieser Weise unbekannt ist. Wenn es entkleidet wird, fühlt es die Kühle der Umgebung und vermisst die Begrenzung. Um ein entspanntes Ankommen zu ermöglichen, können wir daher in jeder Situation und das gesamte Wochenbett über bedenken, wie wir dem kleinen Baby einen geborgenen Raum schaffen. Einen Raum, der dem ähnelt, den es kennt. Wir können die Rahmenbedingungen nicht identisch herstellen, aber wir können uns dem annähern. Wenn wir unsere Augen und Gedanken dafür öffnen, wie das Leben vor der Geburt war und welch enorme Umstellung die Geburt mit sich bringt.

Eure

*nach dem Konzept der physiologischen Frühgeburt von Portmann

 

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Stillberaterin, Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Elternblogs über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.