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„Jetzt beruhig dich und denk mal drüber nach!“ – Warum Auszeiten Kindern nicht helfen

Da ist es, das wütende Kleinkind: es schreit und schimpft und stampft. Und letztlich wirft es noch ein Spielzeug durch den Raum in seiner Wut. Die Ursachen für dieses Verhalten können so vielfältig sein: die Jacke geht nicht zu, es soll losgehen, aber will noch spielen, es hat den falschen Becher angeboten bekommen. Manchmal wissen wir nicht einmal, warum genau das Kind so wütet. Während wir Erwachsenen in solchen Wutsituationen vielleicht manches Mal kurz innehalten können und überlegen, ob unsere Reaktion gerade angemessen ist und uns selbst beruhigen können, ist dies für das Kleinkind nicht möglich: es kann jetzt gerade weder logisch nachdenken, noch kann sich allein beruhigen. Und vielleicht können auch wir Erwachsenen gerade nicht helfen, fühlen uns hilflos und genervt. In genau dieser Situation ist es verlockend, das Problem einfach wegzuschieben – im wahrsten Sinne der Wortes: „Ab in dein Zimmer!“, „Denk auf dem stillen Stuhl mal über Dein Verhalten nach!“, „Komm erst wieder raus, wenn du dich beruhigt hast!“ – Aber das hilft weder Kindern, noch Eltern

Verantwortung für unsere Gefühle übernehmen

Zuerst einmal ist es wichtig, dass wir in dieser Situation die Verantwortung für unsere eigenen Gefühle übernehmen. Das ist ein kleines Kind vor uns, das wütend ist und schreit. Vielleicht wirft es sich auch auf den Boden oder trampelt. Aber es ist weiterhin ein kleines Kind, unser kleines Kind! Warum haben wir Erwachsene so ein Problem damit, wenn dieses Kleinkind sich gerade so verhält? Warum können wir nicht über das Verhalten hinwegsehen und daran denken, dass dieses kleine Kind gerade nicht anders kann, dass dieses Verhalten auch für das Kind anstrengend ist? Warum werden wir wütend/verletzt/traurig/gestresst vom normalen Verhalten des Kindes?

Anders als unser Kind, sind wir erwachsen und können mit stressigen Situationen eigentlich schon anders umgehen. Eigentlich – denn manchmal werden durch das Verhalten des Kindes in uns Erinnerungen getriggert, die es nicht so leicht machen, entspannt mit dem Kind und der Situation umzugehen. Wir machen es uns aber (langfristig) leichter, wenn wir zu einem entspannten Umgang mit solchen Situationen kommen. Wir müssen deswegen Verantwortung übernehmen für unsere eigenen Gefühle: Sich kurz auf die eigene Wahrnehmung fokussieren, eine Strategie nutzen, um uns selbst zu beruhigen und langfristig ergründen, warum uns diese Situationen so schwer fallen. Es geht also darum, erst einmal uns selbst zu beruhigen, damit wir im nächsten Schritt das Kind begleiten können.

Verantwortung für Kindergefühle übernehmen

Viele Situationen, die wir nicht als problematisch einschätzen, sind für Kinder noch schwer zu händeln. Sie sind frustriert, weil etwas nicht funktioniert, weil sie etwas anders machen wollten oder wir etwas anders machen sollten und manchmal erfahren wir auch gar nicht, was genau das Problem war. Wir sehen nur, dass unser Kind ein Problem hat. Wenn das Kind eine Auszeit nehmen soll, in der es selbst das Problem lösen soll bzw. das Verhalten abstellen soll, nehmen wir uns als Eltern auch die Chance, das eigene Kind und die Gefühlswelt zu verstehen, eventuelle generelle Probleme des Kindes zu sehen und im Alltag vermeiden zu können. Wenn das Kind beispielsweise immer wieder am Esstisch wütend wird und wir es immer wieder deswegen in sein Zimmer schicken, werden wir recht wahrscheinlich nicht herausfinden, was genau das Problem ist und die Situation so lange immer wieder mit dem Kind durchspielen, bis es selbst frustriert und unverstanden aufhört. Gelernt hat es aber nicht, mit dem Problem umzusgehen, sondern nur, dass sein Problem nicht gesehen und behoben wird.

Wichtig ist es hier, das Problem und das Verhalten des Kindes nicht auf die Beziehung zu übertragen: „Weil du dieses oder jenes gemacht hast, hab ich dich nicht mehr lieb.“ oder „Wenn du dich so verhältst, mag ich nicht mit dir zusammen sein!“. Das Kind mag ein für uns problematisches Verhalten gezeigt haben, deswegen aber ist das Kind nicht schlecht. Und vor allem sind wir als Erwachsene in der wichtigen Position, uns erwachsen verhalten zu müssen und reflektiert mit dem Kind umzugehen.

In der Kleinkindzeit ist das Kind noch nicht bzw. nur bedingt fähig, sich selbst zu beruhigen. Es benötigt an vielen Stellen noch Co-Regulation, d.h. eine erwachsene Person gegenüber, die die Gefühle des Kindes aufnimmt, verarbeitet und quasi „vorverdaut“ zurückgibt, so dass das Kind damit besser umgehen kann. Durch die regelmäßige Begleitung von Gefühlen lernen Kinder zunehmend besser, damit umzugehen. In vielen Wutsituationen sind Kinder in der konkreten Situation nicht schnell beruhigbar, viele Kinder vermeiden auch Körperkontakt. Das ist in Ordnung und als Eltern ist es unsere Aufgabe, den Moment abzuwarten und auszuhalten, bis das Kind langsam wieder ansprech- und beruhigbar ist.

Verantwortung übernehmen für die kindlichen Handlungen

Manchmal bleibt es nicht nur bei einem Stampfen oder Schreien. Manchmal fliegen auch Dinge durch die Gegend oder das Kind haut oder beißt. Auch hier ist es auf uns Erwachsene angewiesen. Wir sollten nicht sagen „Tja, selber Schuld, wenn du jetzt dein Lego vor Wut zertrampelt hast!“ oder „Wenn du jetzt etwas kaputt machst, dann ziehe ich dir das vom Taschengeld ab/bekommst du weniger Weihnachtsgeschenke.“ Das Kleinkind kann die Folgen der Handlungen noch nicht absehen und es ist wichtig, dass als weitsichtige Person nach Möglichkeit vorab eingreifen. Das bedeutet beispielsweise, Dinge oder Personen aus der „Gefahrenzone“ zu nehmen und vor einem unüberlegten Übergriff zu schützen. Danach können wir dann die Gefühle des Kindes weiter begleiten bzw. weiter abwarten, bis das Kind wieder für Worte/Berührung etc. zugänglich ist.

Was passiert, wenn das Kind sich allein beruhigen soll

Was passiert nun aber, wenn das Kind in ein anderes Zimmer geschickt wird, damit es sich allein beruhigen soll oder an einem bestimmten Ort sitzen soll, damit es dort „nachdenkt“? Diese Methode ist vielen Eltern noch aus früheren Fernsehformaten bekannt und wurde als „Auszeit“ propagiert. Der dahinter stehende Gedanke ist, dass sich das Kind an die Familienregeln erinnert, das falsche Verhalten einsieht, sich beruhigt und quasi „geläutert“ in den Alltag zurückkehrt. Allerdings „funktionieren“ Kinder nicht so.

Was das Kind in solchen Situationen tatsächlich lernt, ist etwas Anderes: Es erlebt sich selbst als falsch, da die Bezugsperson es mit seinem Verhalten ablehnt und das Kind somit die Erfahrung macht, dass es, wenn es wütend/trotzig/ungehalten ist, nicht geliebt wird und diese Gefühle daher vermeiden soll. Das kann sich langfristig negativ auf die Entwicklung auswirken. Kinder (und Erwachsene) müssen über die breite Palette an Empfindungen verfügen und mit allen Gefühlen umgehen können. Hier lernt das Kind jedoch durch die Abwehr dieses Gefühls, dass beispielsweise Wut nicht erlaubt ist. Es lernt hingegen nicht, wie es mit Wut besser umgehen kann (außer sie zu vermeiden), beispielsweise wie es sie anders umsetzen kann, dass es in Ordnung ist, sich Hilfe zu holen oder mit anderen darüber zu sprechen. Auch die Hintergründe hinter der Wut werden durch Auszeiten nicht besprochen und Kinder erlernen keine Konfliktlösungsmöglichkeiten, die sie auf spätere Situationen übertragen können.

Das Kind erlebt sich als bestraft, machtlos ausgeliefert gegenüber der Maßnahme und fügt sich in ein Bild, dass es selbst unterlegen und nicht wirksam ist. Während es die Auszeit hat, wird es als Kleinkind nicht über die „falsche Handlung“ nachdenken, denn dafür fehlt die Reifung des Gehirn, aber auch Erfahrungen für andere Handlungsstrategien, die in der scheinbar falschen Situation hätten angewendet werden können. Da es aber diese nicht kreativ vorgelebt bekommt, wird es sie auch zukünftig nicht erlernen und nicht reflektieren können, sondern das Verhalten auf Befolgen der Anweisungen ausrichten, ohne langfristiges kreatives Lösungsmangement.

Oft wird die Situation sogar noch verschärft, wenn das Kind in ein anderes Zimmer gehen oder sich auf einem stillen Stuhl ausruhen soll, da das Kind ja ohnehin in einer aktuell schwierigen Situation ist und dazu noch Trennungsangst/Frustration über den Bindungsentzug/die Ablehnung stattfindet.

Aber das Kind will alleine sein!

Wenn Kinder größer werden, oft ab etwa 4 Jahren, hören Eltern in Wut- und Streitsituationen auch öfters Sätze wie „Lass mich in Ruhe!“ oder „Ich will alleine sein!“ Es ist etwas anderes, wenn das Kind sich selbst aus der Situation nimmt und mit der Selbstberuhigung allein experimentiert. Hier kann es sich dann selbst als wirksam erfahren, wenn es gelingt – oder eben zurückkommen zum Elternteil, der es dann unterstützt und emotional da abholt, wo es allein nicht weiter kommt.

Gemeinsam die Situation wechseln

Statt einer Auszeit allein für das Kind ist es manchmal sinnvoll, gemeinsam mit dem Kind zusammen die Situation zu verlassen, um das Problem zunächst zur Seite zu legen und sich allein auf die Begleitung der Gefühle zu konzentrieren. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich das Kind wieder beruhigt hat, besteht dann die Möglichkeit, sich gemeinsam dem Problem zuzuwenden und alternative Handlungen durchzusprechen oder zu thematisieren, was überhaupt das Problem des Kindes war.

Auch für größere Kinder ist eine Auszeit kein passendes Mittel

Auch für größere Kinder sind Auszeiten und „Stubenarrest“ keine sinnvollen Methoden, um eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Beziehungsabbruch oder -verweigerung durch die Eltern hilft auch größeren Kindern nicht, mit Konfliktsituationen sinnvoll und kreativ umzugehen. Hier gilt eine Auszeit dann lediglich als Strafe. Zielführender ist es auch dort, mit dem Kind, das schon die Gefühle besser regulieren kann als ein Kleinkind, in das Gespräch zu kommen und Ursachen und alternative Handlungsmethoden gemeinsam zu benennen, oder, wenn das Kind das wünscht, nach einer Zeit der Selbstberuhigung ins Gespräch zu kommen.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Geburt und Elternsein – Wie sich das Geburtserlebnis auswirkt

Als ich vor ein paar Monaten Mutter. Sein. las, stolperte ich über einige Stellen, die mich etwas schmunzeln ließen, da sie zusammengenommen ziemlich treffend die Ergebnisse unserer Forschung widerspiegeln. In den Stellen schreibt Susanne über negative Geburtserlebnisse und deren Auswirkungen, körperlich wie psychisch. Darüber, dass negative Geburtserlebnisse manchmal Verarbeitung benötigen und das Kümmern um den Säugling möglicherweise erschweren können. 

Wie wirkt sich Geburt auf das psychische Wohlergehen aus?

Wir haben an der Uni Bonn eine Längsschnittstudie zu den psychologischen Einflussfaktoren auf die Geburt und zu den Auswirkungen der Geburt auf psychologische Faktoren durchgeführt. Wir wollten u.a. wissen, inwieweit sich die Geburt und das Geburtserlebnis auf das kurz- und längerfristige psychische Wohlergehen auswirkt. Dafür haben wir 304 Paare erhoben, die in den ersten sechs Wochen nach der Geburt zunächst täglich und dann wöchentlich Angaben über ihr emotionales Wohlbefinden und über das Wohlbefinden des Säuglings machten. Müttern haben wir zusätzlich Fragen zum Stillen und zur wahrgenommenen Wundheilung gestellt. Sechs Monate nach der Geburt haben wir zudem die Eltern-Kind-Bindung per Fragebogen erfasst.

Was sich zeigte war: Frauen, die eine interventionsreiche Geburt hatten (also z.B. Dammschnitt, PDA, Kaiserschnitt) bewerteten die Geburt negativer als Frauen mit interventionsarmen Geburten. Die Geburtsbewertung, also das Geburtserlebnis, hatte wiederum Einfluss darauf wie es der Familie im Wochenbett ging.

War das Geburtserlebnis eher negativ, hatten die teilnehmenden Frauen und Männer ein geringeres emotionales Wohlbefinden, fühlten sich belasteter und auch der Säugling wurde als unruhiger beschrieben. Frauen mit negativem Geburtserlebnis berichteten zudem vermehrt von Stillprobleme. Das Wochenbett verlief also für die Familie weniger günstig und dies beeinflusste wiederum die Eltern-Kind-Bindung sechs Monate nach der Geburt. Zwar waren die meisten Studienteilnehmer*innen sicher an ihre Kinder gebunden (soweit dies durch eine Fragebogenerhebung feststellbar ist), trotzdem gab es Variationen in den Daten, welchen wiederrum teilweise durch die erschwerten Startbedingungen im Wochenbett erklärt werden konnten.

Geburtserlebnisse haben Auswirkung auf den Übergang zur Elternschaft

Die Studienergebnisse zeigen also deutlich, dass die Geburt und das daraus resultierende Geburtserlebnis wichtige Ausgangspunkte für den Übergang zur Elternschaft darstellen. Sie erleichtern oder erschweren den Prozess. Wir konnten Auswirkungen auf die Eltern, das Kind und auf beide gemeinsam – in Form von Stillprobleme und der Eltern-Kind-Bindung – feststellen. Aber warum ist das so? Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass der Übergang zur Elternschaft ein inhärent stressbehafteter Prozess ist. Für die Person, die geboren hat, bedeutet er eine körperliche Herausforderung, für alle Familienmitglieder eine emotionale. Wenn jedoch die Geburt negativ nachwirkt, weil sie ebenfalls körperlich und psychisch herausfordernd war, dann werden durch das Erlebnis Ressourcen gebunden, die eigentlich für den Übergang zur Elternschaft benötigt werden. Wir konnten diese Auswirkungen sogar noch sechs Monate nach der Geburt beobachten. 

Für die Familie ist ein positives Geburtserlebnis scheinbar essentiell und – aus psychologischer Perspektive – kein einfaches nice to have. Auf gesellschaftlicher Ebene betrachtet erscheint es insofern notwendig, die Geburtshilfe zu reformieren und Ansatzpunkte für optimale psychologische Rahmenbedingungen für die Geburt zu schaffen. 

Was Familien brauchen

Aber was können wir auf Einzelfallebene tun? Es ist wichtig anzuerkennen, dass Geburten nicht mit der Plazentageburt enden. Dass Familien – nicht ausschließlich nur die Person, die geboren hat – möglicherweise Zeit und gegebenenfalls auch Unterstützung benötigen, um den Prozess zu verarbeiten. Wir sollten Wissen darüber entwickeln, dass der Satz „Hauptsache das Kind ist gesund“ ziemlich oberflächlich ist. Wir sollten zuhören und erfragen, was die Familie braucht. 

Familien, die merken, dass es ihnen nach der Geburt nicht gut geht, sollten nicht davor zurückschrecken, dies zu äußern und Hilfe einzufordern. Von Freunden, Hebammen, Stillberater*innen, Pädagogen*innen oder Psychologen*innen. Es ist vollkommen in Ordnung unglücklich mit dem Geburtserlebnis zu sein und dies darf geäußert werden; es bedeutet in keinerlei Weise, dass man undankbar oder unglücklich über das Kind ist.

Wir sollten aber auch vorsichtig mit unseren Interpretationen sein. Denn auch wenn unsere Studie zeigte, dass sich die Geburt negativ auf das Wohlbefinden im Wochenbett auswirken kann, ist dies keine unbedingt auftretende ‚wenn-dann-Beziehung‘. Schwierigkeiten im Wochenbett, Stillprobleme, Ängste, Sorgen, Überforderungen – all das kann auch auftreten, wenn die Geburt positiv verlaufen ist und nichts davon muss bei negativ verlaufenden Geburten auftreten. Auch bedeutet eine weniger sichere Eltern-Kind-Bindung sechs Monate nach der Geburt nicht, dass sich dies nicht auch wieder ändern kann. Bindung ist grundsätzlich nichts fest Geschriebenes, sie kann sich immer verändern. Umgekehrt ist eine sichere Bindung sechs Monate nach der Geburt keine Garantie dafür, dass Eltern auch bei verändernden Herausforderungen (beispielsweise in der Autonomiephase) noch sensibel auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen können. 

Ich würde dazu raten, dass unabhängig davon, wie der Geburt verlief: wer das Gefühl hat, dass der Übergang zur Elternschaft überfordernd ist und das Bedürfnis nach (professioneller) Hilfe hat, nicht davor zurückschrecken sollte, diese in Anspruch zu nehmen. 

Lisa Hoffmann ist Diplom-Psychologin. Seit ihrem Studienabschluss 2012 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am psychologischen Institut der Universität Bonn tätig. Im Rahmen ihrer Promotion erforschte sie die Rolle psychologischer Faktoren für die Geburt und leitete dabei von 2015-2019 eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Längsschnittstudie zum Thema Mindset, Partnerschaft und Geburt, an der knapp 300 Paare teilnahmen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett befragt wurden. Im Frühjahr gründet sie das Institut für Geburts- und Familienpsychologie einAnfang , das sich u.a. für Wissenschaftskommunikation
einsetzt und berichtet daher auf Instagram und facebook sowie Twitter über aktuelle
Forschungsergebnisse zu den Themen Geburt und Elternschaft. Sie ist Mutter von zwei Töchtern.
 

„Mit dem Kopf in den Wolken“ – verträumte Kinder

Und da sitzt es, das Kind, und ist wieder in Gedanken an einem anderen Ort, hängt mit den Gedanken einem anderen Thema hinterher, ist scheinbar ganz weit weg. Und wieder denken wir „Aber was soll nur aus dem Kind werden?“ oder „Ich muss es so erziehen, diese Träumerei zu lassen!“ und wir versuchen, dem Kind das Träumen auszureden, reißen es aus den Gedanken, ermahnen und reden uns scheinbar den Mund fusselig. Die Beziehung leidet, obwohl wir doch eigentlich nur etwas Gutes wollen. Aber irgendwie funktioniert es nicht. Denn der Fehler liegt in unseren Gedanken: nicht das Kind ist falsch, sondern die Strategien.

Wir sind verschieden

Wir alle sind unterschiedlich, nehmen Reize unterschiedlich wahr, reagieren unterschiedlich darauf, verarbeiten unterschiedlich. Wir haben verschiedene Vorlieben und Abneigungen. Im Laufe der Zeit werden Temperamente in Auseinandersetzung mit der Umwelt zu Persönlichkeitseigenschaften, die Grundmelodie unseres Wesens bleibt bestehen. Wichtig ist dabei, dass wir in unserem Wesen so angenommen werden, wie wir sind, denn so bilden wir ein gutes Bild von uns aus, sehen uns selbst als wertvoll, liebenswert und wirksam an. Wird unserem Wesen mit Ablehnung begegnet, verinnerlichen wir dies als Teil unseres Selbstbildes: Ich bin nicht liebenswert, weil…

Tagträumen und die Anforderungen der Umwelt = Streit

Verträumte Kinder können wunderbar in ihre Gedanken versinken, tief spielen und phantasievoll und kreativ sein. Auf der anderen Seite sind sie aber oft auch langsamer als viele andere Menschen. Gerade dann, wenn ein verträumtes Kind mit dem Alltagsstress konfrontiert wird, kann es manchmal schwierig werden, denn das Kind nimmt zwar den Druck und den Wunsch der anderen nach Änderung wahr, kann aber durch ein „Mach doch mal schneller!“, „Immer muss ich dir alles x-mal sagen!“, „Meine Güte, warum hörst du nicht einfach mal zu!“ nichts anfangen.

Nicht ändern, sondern annehmen und gemeinsam Wege finden

Hilfreich ist es nicht, das Kind zu einem anderen Menschen machen zu wollen. Ansatzpunkt ist – wie so oft in Temperamentsfragen – dem Kind einen guten Umgang beizubringen mit der eigenen Art. Hilfe zu geben für den Umgang mit anderen Menschen und der Gesellschaft. Die Frage ist also nicht: „Wie hört mein Kind mit dem Tagträumen auf?“ sondern „Wie kann ich mein Kind darin unterstützen, das Tagträumen mit den Anforderungen der Umgebung zu vereinbaren?“ Für uns als Eltern bedeutet das zugleich: Ich werde mein Kind nicht ändern, sondern es begleiten.

Konkret bedeutet dies, dass wir Verständnis aufbringen für unser Kind und sein Wesen. Das Tagträumen ist nicht schlecht, keine negative Eigenschaft, sondern eine kreative. Im Alltag brauchen viel träumende Kinder kleinschrittige Anleitungen, die ihnen ermöglichen, komplexere Aufgaben nach und nach abzuarbeiten und die Übersicht zu behalten: Für die Rituale am Morgen eignen sich Bilder als Übersicht mit all den Dingen, die erledigt werden wollen: Frühstück, Zähne putzen, anziehen,… Damit sich das Kind vor dem Kleiderschrank nicht in Gedanken verliert, können am Vorabend alle Dinge auf einen Stapel gelegt werden: was zuerst angezogen wird nach oben. Oder auch hier kann eine Checkliste am Schrank helfen: 1. Unterwäsche, 2. Oberteil,…

Auch beim Aufräumen sind gerade verträumte Kinder oft langsamer oder geraten immer wieder ins Spiel. Ihnen hilft es, wenn gemeinsam aufgeräumt werden kann und wir Eltern dabei als Vorbild mit einem guten Ordnungssystem vorangehen und den Kindern kleine Aufgabeneinheiten im gemeinsamen Tun überlassen: „Wir räumen zusammen auf und du machst alle Holzbausteine in die Holzkiste und ich alle Plastikteile in die Plastikkiste.“

Zeit für das Träumen lassen

Gerade dann, wenn die Kinder besonders kooperieren mussten und dies von ihnen besondere Anstrengung und Energie brauchte, brauchen sie auch wieder eine Pause, in der sie entspannen und ihren Gedanken nachgehen können. Gerade hier ist es auch wichtig, ihnen die Möglichkeit einzuräumen und im Alltag auf eine gute Balance zwischen Anregung und Entspannung zu achten, damit sie wieder in ihre Grundmelodie zurückkommen können. Emotionales Auftanken ist für die Kinder dann oft hilfreich.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Frustration: Mein Kind will, kann aber noch nicht

Wir alle kennen es: Situationen, in denen wir merken, dass das Kind etwas tun möchte, aber noch nicht kann. Das Baby, das sich vom Rücken auf den Bauch drehen möchte, den Kopf auf die Brust zieht, das Bein anknickt und sich mit einem Ächtzen versucht, umzudrehen. Das Kind, das die ersten Schritte machen möchte, aber sich scheinbar nicht traut, loszugehen. Das größere Kind, das ein Wort schreiben möchte, aber die Buchstaben sich einfach nicht formen wollen lassen. – Je nach Temperament des Kindes sind die Kinder unterschiedlich im Ausdruck ihrer Frustration und schimpfen oder schreien. Viele Eltern sind dann verunsichert: Soll das Kind weiter probieren oder soll ich eingreifen?

Es geht nicht nur um das Ziel, auch um den Weg

Der Lernprozeß, die Lücke zu schließen zwischen dem, was ein Kind ohne Hilfe bewerkstelligen kann und dem, wobei es noch Hilfe braucht, wird als Scaffolding bezeichnet. Wir kennen dies aus vielen Bereichen des Alltags mit Kindern und in der Begleitung über die Jahre hinweg wird es uns immer wieder begegnen. Manchmal sind Eltern versucht, die Anstrengungen des Kindes einfach zu beenden und selber tätig zu werden: Das Baby, das sich umzudrehen versucht, wird einfach auf den Bauch gelegt, das Kind, das nicht alleine laufen kann, wird an beiden Händen geführt und dem Kind, das die Buchstaben noch nicht so formen kann, wie sie eigentlich aussehen sollen, wird der Stift aus der Hand genommen, um als Erwachsener selber schnell zu schreiben. Dies erscheint uns Erwachsenen oft als einfache Lösung, denn scheinbar haben wir das Problem des Kindes gelöst. Manchmal werden die Kinder aber gerade dann erst besonders ungehalten und Eltern fragen sich: Aber es hat doch jetzt genau das, was es haben wollte? Nicht selten führt eine solche Situation dann zum Streit. Übersehen wurde dabei nämlich, dass es nicht nur um das Ziel geht, sondern auch um den Weg.

Hilfe, es selbst zu tun

Kinder wollen lernen und ihre Fertigkeiten ausbauen – jeden Tag in vielen Situationen. Manchmal kennen sie noch nicht den richtigen Weg, um zum erwünschten Ziel zu kommen, aber sie wollen auch den Weg kennenlernen, um nachhaltig zu lernen und dieses Ziel immer wieder erreichen zu können oder sogar darauf aufbauend noch weitere Fertigkeiten lernen. Gleichzeitig sind sie frustriert, wenn es nicht funktioniert. Die Aufgabe der Eltern ist es nun, einzuschätzen, ob das Kind mit eigenen Mitteln doch noch das Ziel erreichen kann oder ob es eine Hilfe braucht. Diese Hilfe meint aber nicht, dem Kind die Aufgabe abzunehmen, sondern vielmehr im Sinne von Maria Montessoris „Hilf mir, es selbst zu tun!“ das Kind darin zu unterstützen, das Problem allein zu bewältigen.

Was also können wir tun? Zunächst müssen wir beobachten: Ist dies eine eventuell schaffbare Situation für das Kind? Was braucht es für Unterstützung, um es selbst zu schaffen? Kann ich das sich drehende Kind unterstützen, in dem ich ihm zeige, wie es sich noch mehr runden kann, um in die Drehung zu kommen? Kann ich dem laufenden Kind anbieten, dass es meine Hand auf der für das Kind passenden Höhe halten kann? Kann ich das schreibende Kind mit Schwungübungen unterstützen, damit die Buchstaben runder werden?

Selbstwirksamkeit fühlen

Wenn das Kind die Aufgabe mit etwas Hilfe selbst bewältigen kann, fühlt es sich selbst wirksam: Es macht die Erfahrung, aus eigenem Antrieb heraus etwas zu verändern, zu schaffen. Es freut sich. Diese Freude können wir teilen durch ein Lächeln, Worte der Beschreibung „Du lachst! Freust du dich, dass du es geschafft hast?“ und Anteilnahme an der Freude des Kindes. Wir müssen nicht zwangsweise mit Worten loben, sondern wirklich sehen und Anteil nehmen an dem Fortschritt und der Entwicklung, die das Kind gerade jetzt gezeigt hat.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Eigenverantwortung der Kinder

Sowohl Wurzeln (= Sicherheit, Nähe, sicherer Hafen bei den Bezugspersonen) als auch Flügel (= Selbständigkeit, Exploration, Entdecken) sind für die kindliche Entwicklung wichtig und Kinder bewegen sich jeden Tag zwischen diesen beiden Punkten auf einem Kreis umher: Aus der Nähe brechen sie zur Entdeckung auf, um dann wieder zurück zu kommen und das Gefühl der Sicherheit aufzutanken, um erneut aufzubrechen. Mit der Zeit werden die Strecken der Selbständigkeit länger, die Distanz wird größer. Es ist wichtig, dass wir als Eltern genau das zulassen. Und es ist wichtig, dass wir Verantwortung und Zuständigkeit loslassen, damit das Kind sich selbst als wirksam und wichtig im Handeln erfährt.

Eigenständigkeit zulassen ist oft nicht einfach

Für viele Eltern ist es nicht leicht, die Eigenständigkeit des Kindes zuzulassen: aus Angst vor vermeintlich negativen Folgen (das Kind könnte sich verletzten, negative Erfahrungen machen, etwas falsch machen, was Stress für einen selbst bedeutet) oder aus dem Gedanken heraus, als Erwachsene alles unter Kontrolle haben zu müssen und selber die „Zügel des Alltags“ in der Hand halten zu müssen: Kindern Eigenverantwortlichkeit zu überlassen, bedeutet auch, sich vom klassischen Erziehungsbild mit der mächtigen Erwachsenenposition abzuwenden und sich einer eher demokratischen Familienstruktur zuzuwenden, in der die Wünsche und Bedürfnisse der einzelnen Familienmitglieder als gleich bedeutend angesehen werden.

Eigenverantwortung übernehmen, ist von Vorteil für Kinder

Eigenverantwortung ist – bei allen Vorbehalten von Erwachsenen – jedoch für die kindliche Entwicklung von großer Bedeutung: Wenn Kinder die Erfahrung machen dürfen, Dinge wirklich selbst zu entscheiden, fühlen sie sich selbst wirksam, das eigene Handeln hat einen Sinn und sie lernen nachhaltig daraus. Dies ist ein wichtiger Aspekt für die Ausbildung von Resilienz und ihr eigenes Selbstbild: Ich bin nicht passiv, ich entscheide mit. Meine Stimme hat Gewicht und ich bin ein wirksamer Teil der Gemeinschaft.

Das bedeutet nicht, dass Kinder alles immer und zu jeder Zeit selbst entscheiden können und müssen und sie in ihren Handlungen allein gelassen werden. Eigenverantwortung bedeutet nicht Laisser-faire. Es bedeutet vielmehr, dass wir unseren Blick genau auf die Kinder richten und überlegen, in welchen Bereichen sie diese Eigenverantwortung selber tragen können. Es bedeutet auch, diese Ansicht immer wieder im Laufe der Elternschaft neu zu hinterfragen und die Eigenverantwortung auszubauen in Hinblick auf die wachsenden Fähigkeiten des Kindes.

Es lohnt sich ein Blick darauf, in welchen Bereichen das Kind eigenverantwortlich handeln kann, wo wir unser Urteil als Eltern hintenanstellen und die Selbständigkeit der Kinder durch ganz bewusste eigene Zurücknahme befördern: Kann das Kind bereits eigenverantwortlich Aufgaben im Haushalt übernehmen? Schon Kleinigkeiten im Alltag können von Kindern übernommen werden: Essen kleinschneiden beim Kochen, Socken zusammenlegen, Biomüll im kleinen Beutel rausbringen, Haustiere versorgen,… Kann das Kind eigenverantwortlich mit der Auswahl der eigenen Kleidung umgehen? Was würde uns daran hindern, dem Kind die Verantwortung dafür zu überlassen, sind es Gedanken von „Was denken die anderen?“ oder „Das Kind kann doch nicht selbständig Wärme und Kälte für sich einschätzen!“? Darf das Kind eigenverantwortlich mit dem eigenen Taschengeld umgehen? Welche Gedanken hindern uns daran, dies zuzulassen: Der Gedanke, es würde für „unnütze Dinge“ ausgegeben, das Kind solle mehr sparen?

Unsere erwachsenen Gedanken und unser Wissensvorsprung behindern manches Mal unsere Kinder daran, eigene Entscheidungen zu treffen, selbst für dieses Leben zu lernen und das Gefühl der Selbstwirksamkeit auszubauen. Überdenken wir daher unsere Ansichten doch einmal in Hinblick darauf, wo wir zu sehr einschränken und ob diese Einschränkungen wirklich sinnvoll sind. Und im nächsten Schritt können wir. – vielleicht zusammen mit unseren Kindern – überlegen, wo wir anders handeln können.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Das Zeugnis für die Eltern

Liebe*r_________,

dein erstes Schuljahr mit Homelearning ist nun vorüber. Es war eine aufregende Zeit, in der du dich stets für neue Themen begeistern musstest. Über diese Monate hinweg hast du eine hohe Lernbereitschaft gezeigt. Es fiel dir zunächst etwas schwer, dich in die neuen Themen einzuarbeiten und einen Platz in der Gruppe der Zuhauselernenden zu finden. Der Kontakt zu den Lehrer*innen war vielleicht nicht immer einfach für dich, aber du hast verantwortungsbewusst eine Position in diesem Gefüge eingenommen. Vielen Dank dafür!

Im Lernverband Zuhause hast du eine führende Position übernommen und im Laufe der Zeit deutlich an Sicherheit gewonnen. Es war nicht immer einfach, eigenständig, motiviert und sorgfältig die geforderten Aufgaben zu bewältigen und weiterzugeben. Dabei hast du großes Geschick bewiesen und nicht nur die zu erledigenden Aufgaben im Blick behalten, sondern auch große emotionale Kompetenz bewiesen in der Begleitung deines Kindes. Nicht immer ist alles reibungslos verlaufen. Flexibel hast du abgewägt zwischen Erfordernissen und Möglichkeiten. Das war sicherlich nicht immer eine leichte Entscheidung, aber du hast in der Mehrheit der Fälle sehr sicher reagieren können.

In den vergangenen Wochen hast du Kreativität bewiesen, Organisationsfähigkeit, emotionale Stärke, Flexibilität, Ausdauer und Empathie. Deine Leistungen lagen über dem Erwarteten und an manchen Stellen auch über dem Möglichen. Wir sind uns alle dessen bewusst, welche enormen Anstrengungen du erbracht hast, um dein Kind durch diese Zeit zu führen. Gewaltfrei und verständnisvoll zu handeln unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist für die Atmosphäre im Familienalltag besonders wichtig – dies hast du gut gemeistert, auch wenn es an einigen Stellen manchmal zu Streitigkeiten gekommen ist. Du hast Konfliktfähigkeit und Kompromissbereitschaft bewiesen.

Liebe*r______________, wir danken dir für dein Engagement. Leider wurde deine Tätigkeit im Gesamtsystem noch zu wenig und zu selten bemerkt, berücksichtigt und honoriert. An dieser Stelle können wir aktuell nichts daran ändern außer zu sagen: Du hast Großes geleistet und es tut uns leid, dass es der Politik noch schwer fällt, das zu sehen. Wir hoffen, es ist nicht nötig, dich in ein weiteres Schuljahr zu versetzen. Aber wir danken dir – wenn es schon sonst niemand anderes tut – aus ganzem Herzen.

Der Verbund der Homelearning-Eltern

Hier kannst Du Dir Dein Zeugnis herunterladen und ausdrucken

Hier gibt es bei grossekoepfe auch ein Elternzeugnis oder hier bei Nils Pickert

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Urlaub zu Hause? Kein Problem! Mit Sailer auf Lesereise gehen {Werbung}

In diesem Jahr ist alles anders. Und dieses „anders“ bleibt auch noch eine Weile bestehen und wirkt sich auch auf die Sommerferien aus: Noch immer gibt es eine Reisewarnung für touristische Reisen außerhalb der EU, des Schengen-Gebiets oder Großbritannien. Fernreisen sollen also weiterhin nicht vorgenommen werden und für viele Familien stellt sich die Frage: Aber was machen wir dann? Werden unsere Kinder nicht etwas vermissen?

Ferien zu Hause?

Prinzipiell brauchen Kinder keine (Fern-)Reisen in den Ferien. Was aber sowohl Kita- als auch Schulkindern gut tut, ist eine Zeit der Entspannung ohne tägliche Kooperationszwänge und ohne den Arbeitsstress der Eltern. In den letzten Monaten waren zwar viele Kinder viel zu Hause bei ihren Eltern, aber Ferien waren das nicht im Vereinbarungschaos zwischen Homeoffice und Kindern und eventuell Schulaufgaben. Nun also stehen die Ferien an und viele Familien suchen Inspirationen für die Ferientage zu Hause.

Auch zu Hause lassen sich wunderbar Ferien verbringen. Wir können Ausflüge unternehmen, es uns zu Hause bequem machen, uns mit Freund*innen verabreden und gemeinsame Projekte planen und durchführen. Inspirationen für die Themen, die zu Hause aufbereitet werden können, können wir beispielsweise in den Kinderzeitschriften des Sailer Verlag finden: Hier gibt es Zeitschriften für Kinder ab 3 Jahren bis hin zum Jugendalter und zu vielen verschiedenen Themenbereichen: Mit Olli und Molli werden die Kleinsten auf erste Leseabenteuer eingeladen und auch weiter in die Schulzeit hinein begleitet. Für Kinder ab 7 Jahren wird das Themengebiet dann komplexer und es gibt das Entdeckermagazin Benni, das Naturmagazin Wapiti und die erste englischsprachige Zeitschrift „I love english mini“. Alle Zeitschriften sind werbefrei, auf das jeweilige Alter abgestimmt, stellen die Vielfalt der Gesellschaft dar ohne Klischees und haben oft zudem Nachhaltigkeit als Thema. So können Kinder spezialisiert auf ihren Themenbereich eintauchen in das Lesen und geliebte Themen aufarbeiten.

Themen von Zeitschriften als Anregung

In allen Zeitschriften von Sailer gibt es verschiedene Inhalte, die den Alltag bereichern können: einfache Rezepte zum Nachkochen oder -backen, Rätsel, Zeichenideen, spezifische Themen, die aufgegriffen werden können. Darüber hinaus können Zeitschriften und Bücher natürlich auch immer gut als Anlass für eine Themenwoche genutzt werden: Welches Thema aus der Zeitschrift interessiert das Kind ganz besonders? Dieses kann aufgegriffen und erweitert werden. Wenn es beispielsweise in „I love english“ (May/June 2020) heißt: „Why the world is going vegetarian!“ können für die Woche gemeinsam vegetarische Gerichte ausgesucht werden und mehr informationen zum Thema gesammelt werden. Oder wenn „Wapiti“ eine große Story über die Sinne der Pflanzen beinhaltet, können die heimischen Pflanzen gesucht, getrocknet und verarbeitet werden. – So finden sich in allen Zeitschriften altersgerechte Impulse für einzelne Themen, den nachgegangen werden kann, wenn die eigenen Ideen auch mal knapp werden.

Und wer doch in den Urlaub fährt, hat in einer der Kinderzeitschriften eine gute Beschäftigung für lange Fahrten.

Lassen wir uns auf die Themen der Kinder ein, die ihnen wichtig sind, die sie entdecken. Greifen wir sie zusammen auf und gestalten damit eine Lesereise, die uns ebenfalls Neues erfahren lässt und den Alltag ein wenig bereichert und ändert – auch wenn wir zu Hause bleiben. Aktuell bietet Sailer deswegen ein tolles Angebot an für Eure persönliche Lesereise: In diesem Sommer gibt es 3 Ausgaben der Lieblingszeitschrift zum Preis von 9,90 €, automatisch auslaufend.

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Das Grundgefühl, geliebt und respektiert zu werden

Wir alle wissen: Unsere Kinder bringen jeden Tag sehr viele verschiedene Gefühle zum Ausdruck. Sie können sich unglaublich stark freuen, sie können so richtig wütend sein, sie können tief traurig sein oder zappelig aufgeregt – und noch vieles mehr. Die ganze Bandbreite an Gefühlen dürfen sie nicht nur spüren, sondern sie lernen auch anhand all dieser Gefühle. Sie lernen, wie sich unterschiedliche Situationen und Empfindungen anfühlen, wie man darauf reagieren kann, welche Lösungen in welchen Situationen passend sind und dass es Gefühle gibt, bei denen es gut tut, sie mit anderen zu teilen. Durch andere können Kinder lernen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen können. Und trotz all dieser Unterschiedlichkeit an verschiedensten Gefühlen jeden Tag brauchen Kinder ein Gefühl, das sie durch den Tag trägt, durch die Wochen, die Jahre: das Grundgefühl, geliebt und respektiert zu werden.

Die Grundmelodie des Kindes

Dieses Gefühl ist die Grundmelodie, die wir unseren Kindern mitgeben. Sie trägt sie durch den Tag: Wann immer sie aufgeregt sind, können sie dorthin zurückkehren. Wenn sie traurig sind, kommen sie nach dem Trösten dorthin zurück. Wenn sie wütend sind, kehren sie nach der Begleitung durch die Wut in diesen Grundzustand zurück. Und dieser Grundzustand selbst kann ebenfalls angespannter oder lockerer sein – je nachdem, welche Grundmelodie sie verinnerlicht haben.

Es gibt einige Faktoren, die darauf einwirken wie beispielsweise das individuelle Temperament des Kindes, das wir schon ins Leben mitbringen und das sich durch die Interaktion mit der Umwelt in den ersten Jahren zu Persönlichkeitsmerkmalen ausbildet. Die Interaktion mit der Umwelt ist aber besonders wichtig für die Ausbildung des Gefühls, wie wir uns selber sehen und auch, wie unsere Grundmelodie gestaltet ist. Als Eltern nehmen wir darauf viel Einfluss durch unsere Begleitung von Kindern und ihren Gefühlen und den Lernerfahrungen, die sie damit machen. Aber auch generell durch unsere Art der Zuwendung: Wenn wir ihnen – unabhängig von ihrer jeweiligen Art, von ihrem jeweiligen Gefühl und unabhängig von den einzelnen Situationen das Gefühl vermitteln, dass sie bei uns sicher und geborgen sind, dass wir ihnen zuhören, sie respektieren und ihre Bedürfnisse sehen, geben wir ihnen ein sicheres Grundgefühl mit, das auch für eine Art Grundentspannung sorgt – im Rahmen ihres jeweiligen Temperaments.

Nähe und Freiheit, Sicherheit und Schutz

Fühlen sich Kinder in ihrem Bedürfnis nach Nähe und Freiheit sicher, sind diese beiden Aspekte passend ausbalanciert, sind sie im Bindungsaspekt ausreichend sicher. Wenn wir ihnen hingegen zu wenig Nähe und/oder zu wenig Freiheit geben, legt dies die Grundlage für eine Unsicherheit, die sich auch auf das allgemeine Wohlbefinden und Verhalten legt.

Kinder brauchen Nähe und Freiheit, Sicherheit und Schutz und das Gefühl, mit allen Fragen, Sorgen, Ängsten und Gedanken zu uns kommen zu können, ohne für die Empfindung verlacht, verspottet oder nicht ernst genommen zu werden. Sie brauchen das Gefühl, sichere Ansprechpartner*innen zu haben für alle Belange. Und dieses sichere Gefühl bildet die Basis für die Grundstimmung.

Gilt auch für Eltern

Und wenn wir ehrlich sind: Auch für uns Erwachsene ist es von Bedeutung, eine entspannte Grundstimmung zu haben, die wir dadurch erlangen, dass wir uns sicher und geschützt fühlen, Pausen einbauen, andere Erwachsene haben, mit denen wir uns austauschen können und die uns zuhören. Sind wir in einer solchen Grundstimmung, fällt es auch uns viel leichter, mit den Unwägbarkeiten des Alltag und den Bedürfnissen der Kinder umzugehen.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Wie wir Zeit oder zumindest Streit einsparen, wenn wir uns in unsere Kinder hineinversetzen

„Jetzt stell dich doch nicht so an!“, „Komm, mach mal schnell!“, „Ist doch jetzt wirklich nicht so schlimm…“ – In unserem Alltag haben wir immer wieder Situationen, die wir als Erwachsene ganz anders einschätzen als unsere Kinder es offenbar tun. Situationen, in denen unsere Kinder aus unserer Sicht „falsch“ oder „überreagieren“. Situationen, von denen wir denken: Das ist doch eigentlich kein Problem. Wir müssen doch nur mal kurz… Aber aus diesem „kurz“ wird dann ein „lang“, weil wir damit umgehen müssen, dass das Kind die Situation nicht annimmt, sich nicht einfügt, vielleicht in einen Gegenwillen geht. Dabei hätte es doch so schnell gehen können, denken wir.

Kinder sind nicht wie Erwachsene. Sie denken nicht wie Erwachsene. Gerade bei Kleinkindern dominiert die Gefühlswelt noch im Handeln und in den Reaktionen und die Kinder können sich nicht in unsere erwachsenen Gedanken, Absichten und Handlungsabfolgen hineinversetzen. Während wir denken „Wir gehen mal ganz schnell kurzfristig los, um noch eben Äpfel zu kaufen, weil der Laden gleich zu macht.“ denkt das Kind nicht daran, dass es morgen keinen Apfel zum Frühstück haben wird, sondern fühlt sich vielleicht übergangen in der Selbständigkeit, wenn es nun schnell Schuhe und Jacke angezogen bekommt. Oder es wollte doch eigentlich gerade noch weiter spielen. Die Wut kommt auf, das Kind macht nicht mit und die Situation wird zu einem Problem.

Im Alltag mit Kleinkindern gibt es meistens kein „Ich mach mal schnell und das Kind macht mit“. Es hilft uns, wenn wir diesen Gedanken als Option einfach streichen. Wir gewinnen in den meisten dieser Fälle keine Zeit, können nicht das Gewünschte durchführen, dafür kommen wir oft in Stress und Streit. Das ändert sich wieder, wenn unsere Kinder sich mehr in uns hinein versetzen können und einen besseren Überblick über Abläufe und Pläne haben.

Alternativ aber können wir doch zu unserem Ziel kommen, wenn wir nämlich nicht planen, dass das Kind unsere Pläne kurzfristig und selbstverständlich mitmacht, sondern wenn wir aus der Kinderperspektive von Anfang an denken. Das bedeutet, dass wir vorher abwägen:

  • Ist das eine Tätigkeit, die überhaupt in der aktuellen Verfassung meines Kindes jetzt problemlos umgesetzt werden kann?
  • Wie wird sich mein Kind dabei fühlen?
  • Welche Herausforderungen gibt es hierbei (anziehen, fehlende Selbstbestimmung, Reize wie Wärme oder Kälte, Spiel unterbrechen,…) und wie kann ich diese Probleme umwandeln, so dass sie nicht zu einem Streit führen?
  • Gibt es kleine Punkte, an denen ich durch geringe Änderungen das Interesse meines Kindes gewinnen kann („Du schiebst dann den Einkaufswagen.“ „Du kannst aussuchen, was wir zum Frühstück kaufen.“ „Komm, wir probieren heute einfach aus, barfuß zu gehen.“…)?

Oft lässt sich durch das Mitdenken und Vordenken ein Streit umschiffen. Wenn wir Glück haben, können wir mit diesem Vorgehen Zeit einsparen. Zumindest aber können wir damit oft eine kräftezehrende und anstrengende Auseinandersetzung vermeiden. Und ja: Manchmal ist es nicht möglich, manchmal müssen wir wirklich kurzfristig eine Entscheidung treffen und die Kinder müssen mitmachen. Aber ganz oft geht es eben auch anders. Und dadurch konfliktärmer – und das ist für einen stressigen Alltag doch auch ganz schön.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Auch Eltern haben Grenzen

Natürlich gibt es Grenzen im Leben mit Kindern. Grenzen in Bezug auf andere Personen, auf gesellschaftliches Zusammenleben. Grenzen von uns Erwachsenen und Grenzen von Kindern. All diese Grenzen sind wichtig. Wo sie verlaufen, können Menschen nur individuell bestimmen: Einige sind geräuschempfindlicher als andere, einige mögen bestimmte Berührungen nicht. Einige Mütter haben Schwierigkeiten damit, wenn ihre Kinder beim Stillen die Brust kneten, anderen macht das nichts aus. Grenzen sind also individuell. Gerade deswegen ist es wichtig, dass wir einen offenen, fließenden Begriff von Grenzen im Zusammenleben mit unseren Kindern haben und ihnen selbst genau auch dies entgegenbringen: eine Offenheit in Bezug auf ihre Signale und Grenzen. Wer ist mein Kind und wie genau kann ich mit diesem individuellen Kind umgehen? Diese jeweiligen Grenzen beachten wir. Auf der anderen Seite stehen wir Erwachsene mit unseren Grenzen und auch hier ist es wichtig, diese Grenzen zu kennen und zu benennen.

Warum es Eltern manchmal schwer fällt, selbst Grenzen zu setzen

Manchmal fällt es Eltern schwer, eine Grenze zu setzen: Sie haben Angst, dass das Kind sie weniger lieben könnte, wenn sie etwas ablehnen. Oder dass es dem Kind schaden könnte, wenn sie bestimmte Interaktionen vermeiden, weil sie einem selbst misshagen. Vielleicht ist das Kind auch besonders gewünscht und lange ersehnt und soll nun besonders mit Liebe überschüttet werden. Manchmal liegen die Ursachen auch in der eigenen Vergangenheit und man möchte es als Elternteil heute unbedingt ganz anders machen als die eigenen Kinder früher und wechselt in das gegenteilige Extrem: nicht zu viele Grenzen setzen, sondern lieber keine und die eigenen Grenzen übertreten lassen, damit das Kind sich wohl fühlt.

Elterngrenzen sind sehr wichtig – für Eltern

Aber auch unsere eigenen Grenzen sind wichtig. Sie zu kennen, ist für die Interaktion mit Kindern von großer Bedeutung. Denn wenn wir uns unserer Grenzen nicht gewahr sind oder versuchen, sie übergehen zu lassen, ohne dass wir es eigentlich wollen, gelangen wir irgendwann in ein unangenehmes Gefühl, sich nun schützen zu müssen. Auf einmal ist es dann wirklich zu viel, wir machen dicht, werden laut, weisen das Kind ab. Das Kind ist verunsichert: Bis eben war doch alles in Ordnung, warum jetzt auf einmal nicht? Besser ist es deswegen, wenn wir uns unserer eigenen Grenzen wirklich bewusst sind: Was sind meine körperlichen Grenzen, was sind meine emotionalen Grenzen und was kann ich an Handlungen und Tätigkeiten im Alltag zulassen, ohne heimlich mit den Zähnen zu knirschen? Wir sollten auch in unseren persönlichen Grenzen authentisch sein.

Natürlich ist es wichtig, diese Grenzen zu hinterfragen. Zu überlegen: Sehe ich das zu eng mit…? Und dann können wir ganz persönlich mit dieser Frage umgehen und daran arbeiten, um diese Grenze vielleicht zu verschieben. Aber im Bewusstsein dessen, dass sie ein Problem für uns darstellt und wir ganz bewusst damit umgehen wollen.

Elterngrenzen sind wichtig – für Kinder

Auch für unsere Kinder ist es wichtig, dass wir sichere, verlässliche Grenzen haben. So sind unsere Reaktionen in Teilen voraussagbar. So können Kinder sicher damit umgehen. Natürlich stoßen sie dennoch daran – es sind Kinder, die noch den sozialen Umgang erlernen. Aber es ist hilfreich für sie, dass immer wieder an dieselben Grenzen stoßen und so ein Gefühl für den elterlichen Raum bekommen. Und nicht zuletzt lernen sie auch hier durch unser Vorbild: Es gibt Grenzen bei Menschen und Menschen haben das Recht, diese Grenzen zu bewahren, zu schützen. Wo diese Grenze verläuft, ist von Mensch zu Mensch und von Grenzart zu Grenzart unterschiedlich, aber es gibt sie und ebenso wie Erwachsene haben Kinder das Recht, dass ihre Grenzen respektiert und gewahrt werden.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.