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Worte des Begleitens lernen – Wie wir unsere Kinder trösten und beruhigen können

Der Umgang mit dem Weinen, mit Wut und Ängsten von Kindern ist für Eltern nicht immer einfach. Gerade dann nicht, wenn sie selber nicht gelernt haben, dass diese Gefühle nicht gestoppt, nicht ausgeblendet, nicht sofort beendet werden müssen, sondern eine Berechtigung haben und begleitet und/oder ausgelebt werden wollen. Für einige Eltern ist es schwer, mit diesen Gefühlen generell umzugehen: Sie fühlen sich überfordert, ausgeliefert, hilflos, ärgerlich, wütend… Kommen sie in eine Situation, in der das Kind eine solche Emotionalität zeigt, fühlen sie sich hilflos und haben nicht selten das Gefühl, machtlos zu sein: Obwohl wir rational wissen, dass solche Situationen mit Kindern vorbei gehen, fühlen wir uns in den Momenten vielleicht gefangen und haben das Gefühl, sie würden nie zu Ende gehen.

Es ist nicht einfach, an die Ursache dieser eigenen Unbehaglichkeit zu kommen: Woher rührt das Gefühl, dass das Weinen sofort beendet werden muss? Woher kommt der Gedanke, Kinder dürften nicht wütend sein und ihre Wut nicht zeigen? Warum denken wir, Kinder dürften nicht ärgerlich sein, weil wir ihnen vorschreiben, wie ihr Tag ablaufen soll und sie in einen Zeitplan fügen, den auch wir nicht immer gut finden, aber dennoch einhalten müssen? Warum fühlen wir uns hilflos im Angesicht großer Emotionen? Sich diesen Fragen zu stellen, wenn wir Probleme mit den Gefühlen unserer Kinder haben, ist langfristig gut, denn wir werden über viele Jahre mit Wut, Trauer, Ärger, Missmut, Langeweile etc. der Kinder umgehen müssen.

Was wir zunächst aber tun können auf dieser Reise des Klärens, ist die Veränderung unseres unmittelbaren Verhaltens. Wir können in einem ersten Schritt für uns selbst sorgen und uns versichern, dass dies jetzt und hier eine für uns schwierige Situation ist, die wir meistern werden. Wir können uns wahrnehmen in dieser Situation und uns darauf fokussieren, wie sich unser Körper gerade anfühlt: Wie atmen wir? Wie fühlt sich unser Körper an? Und wir können versuchen, bewusst gegen die Anspannung, die sich in uns aufbaut, zu arbeiten: tiefer und ruhiger atmen, die Muskulatur wieder entspannen, beispielsweise durch Öffnen und Schließen der Hände Anspannung loslassen.

Und wir können die Worte, die wir nutzen, ändern: Anstatt unserem Kind zu sagen „Hör jetzt endlich auf!“ oder „Nun ist aber mal gut mit weinen!“ oder „Du hast gar keinen Grund, ärgerlich zu sein/zu weinen!“ können wir einfach sagen:

  • „Ich bin hier.“
  • „Ich begleite dich.“
  • „Ich tröste dich, wenn du mich brauchst.“
  • „Es ist okay, wenn du nicht in den Arm genommen werden willst. Ich bin aber hier, wenn du mich brauchst.“
  • „Erkläre mir, was dich verärgert.“
  • „Du bist nicht allein.“
  • „Es ist okay, wie du dich fühlst.“
  • „Du bist traurig/wütend/enttäuscht…“

Denn alle Gefühle dürfen gespürt werden, kein Gefühl muss verboten werden. Und wir begleiten unsere Kinder auf ihrem Weg, mit diesen Gefühlen umgehen zu können.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Weiterführende Literatur*:
Mierau, Susanne (2017): Ich! Will! Aber! Nicht! Die Trotzphase verstehen und begleiten. München: GU.
Mierau, Susanne (2019): Mutter. Sein. Von der Last eines Ideals und dem Glück des eigenen Wegs. Weinheim: Beltz.
Harms, Thomas (2016): Körperpsychotherapie mit Säuglingen und Eltern. Gießen: Psychosozial Verlag.

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Die Entdeckungsfreude des Kleinkindes begleiten

Da sitzt das Kind versunken in sein Tun im Sand auf dem Spielplatz. Immer wieder lässt es den Sand ganz langsam aus der Höhe in von einer kleinen Schaufel in den Eimer rieseln. Die Hälfte des Sandes geht dabei daneben, aber das Kind macht unbeirrt weiter und rieselt vor sich hin. Bis zu dem Moment, an dem der Vater eingreift: „Schau mal, so geht doch alles daneben. Du musst die Schaufel tiefer halten, dann geht der ganze Sand auch in den Eimer.“ – Das Kind blickt auf. Ein lieb gemeinter Vorschlag des Vaters. Es lässt die Schaufel sinken. Der Vater nimmt sie, schaufelt den Eimer voll, drückt den Sand fest, kehrt den Eimer um und entleert ihn. Der Sandkuchen ist fertig, das Kind steht auf und geht zur Rutsche. Eine Szene, die nicht selten zu sehen ist und die auf viele andere Situationen übertragen werden kann: Das Kind spielt, Erwachsene bewerten das Spiel, greift ein, das Kind beendet das Spiel. Auch wenn das Eingreifen des Elternteils hilfreich und unterstützend gemeint ist an dieser Stelle, ist es ein Eingriff in das selbständige Erkunden.

Selbständig die Welt entdecken

Kinder sind neugierig und die Neugierde ist der Motor ihrer Entwicklung. Durch sie lernen Kinder die Welt kennen, interagieren mit ihr, stellen die Dinge in Frage und machen Erfahrungen. Sie lernen Zusammenhänge, Ursache-Wirkung und machen Fehler, aus denen sie wieder etwas lernen. Dafür brauchen sie die Möglichkeit, Erfahrungen ungestört machen zu können. Als Eltern verfügen wir selbstverständlich über viel mehr Erfahrung, haben schon viel erlebt und selber Fehler gemacht, aus denen wir gelernt haben. Um unsere Kinder vor diesen Fehlern zu bewahren, um sie zu bilden und zu unterstützen, sind wir machmal verleitet, in ihr Tun einzugreifen. Doch das Tun der Kinder ist wichtig für ihre Entwicklung.

Lassen wir das Kind tun, was es gerade machen möchte: balancieren lernen in einer noch sicheren Höhe, physikalische Experimente mit Wasser und Sand, Mengenexperimente durch das Schütten von einem Becher in den anderen, Steine stapeln, die immer wieder herunterfallen… Auch wenn das Ergebnis nicht unseren Vorstellungen entspricht, lernen Kinder davon: Sie lernen, ausdauernd bei einer Aktivität zu bleiben, sie lernen Konzentration, sie lernen Selbstvertrauen und sind stolz auf sich, wenn sie ihr eigenes Ziel erreicht haben. Wenn es nicht klappt, lernen sie, mit der Frustration umzugehen. Sie fühlen sich kompetent, wenn sie etwas machen dürfen und nicht von Erwachsenen darin unterbrochen werden, weil sie es scheinbar besser können. Sie lernen um Hilfe zu bitten, wenn sie Hilfe wirklich benötigen.

Unterbrechen wir das Spiel des Kindes, weil wir es scheinbar besser wissen, lernen die Kinder bestensfalls unseren Weg kennen. Schlechtestenfalls fühlen sie sich unterlegen, inkompetent und verlieren Vertrauen in ihr eigenes Tun. Sie geben das Explorieren auf und werden darauf angewiesen, „unterrichtet“ zu werden statt zu erkunden.

Statt eingreifen: Die Haltung der passiven Teilnahme

Lassen wir also unsere Kinder aktiv sein und die Welt bis zu dem Grad, an dem wir aus Schutz eingreifen müssen, selbst erkunden. Viele Kinder brauchen dennoch Erwachsene als sicheren Hafen im Hintergrund: Eltern, die anwesend sind, aber nicht eingreifen in das Spiel oder Erkunden. Die nicht beobachten, aber im Notfall zur Seite stehen. Diese Haltung der passiven Teilnahme gibt uns Eltern zugleich Raum, anderen Tätigkeiten in der Nähe nachzugehen. Es reicht für viele Kleinkinder aus, dass die Eltern in sicht- und hörbarer Nähe sind, damit sie in ein Spiel und Erkunden versinken können. Gelegentlich tauchen sie aus der Erkundung auf, um Nähe einzufordern: durch Körperkontakt, durch Sprache, manchmal auch nur durch einen Blick. Im Anschluss können sie, sicher in dem Gefühl, dass die vertraute Person da ist und im Notfall zur Verfügung steht, wieder in das Spiel eintauchen.

Braucht das Kind dann doch Hilfe und Unterstützung, kann es diese selbst einfordern. Aber auch dann müssen wir als Eltern nicht den richtigen Weg vorgeben, sondern können dem Kind helfen, sich selbst zu helfen: Wir können eine Idee geben, eine Anregung. Und dem Kind die Möglichkeit überlassen, von da an den Weg selbst zu finden oder nach weiterer Hilfe zu fragen.

Lassen wir unseren Kindern die Chance, die Welt nicht nur aus ihren Augen zu sehen, sondern auch mit ihren Händen und Ideen zu entdecken.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Alleine-Zeit: Quality-Time für Geschwisterkinder

„Ich will etwas mit Dir alleine machen!“ – Wer mehrere Kinder hat, kennt diesen Satz wahrscheinlich. Alleine-Zeit: Zeit mit einem Elternteil ohne andere Geschwister. Die Aufmerksamkeit nicht teilen, mal (wieder) im Mittelpunkt stehen, nicht von einem jüngeren Geschwisterkind belästigt werden, die Sachen beschützen müssen, aufpassen.

Wenn Eltern von ihren Kindern hören, dass diese sich „Alleine-Zeit“ wünschen, beschleicht sie manchmal ein schlechtes Gewissen: „Ich kümmere mich doch zu wenig.“ „Ich kann einfach nicht beiden/mehreren gleichzeitig gerecht werden.“ „Vielleicht geht doch eines der Kinder unter, weil es mehrere sind?“ – Natürlich können wir mehreren Kindern nicht in der Art gerecht werden, wie wir es bei nur einem Kind konnten. Aber dennoch haben Kinder auch in dieser Konstellation mit Geschwistern besondere Momente und die Chance, andere Dinge zu lernen, als wenn sie die Geschwister nicht hätten. Das Leben mit Geschwisterkindern ist anders als als Einzelkind und beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile. Grämen wir uns also als Eltern nicht, wenn wir mehrere Kinder haben, dass wir sie nicht alle als Einzelkind wachsen lassen können, sondern fokussieren wir uns auf das, was sie an positiven Erfahrungen aus diesem Alltag gewinnen. – Und gönnen wir ihnen ab und zu ganz besondere Aufmerksamkeitszeiten.

Muss es eine besondere Aktivität sein?

Wir denken oft, dass wir unseren Kindern etwas besonders schön machen, wenn wir uns etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Ein besonderes Ausflugsziel, ein teurer Kinonachmittag, ein Ausflug mit einer besonderen Attraktion. Fragen wir das Kind aber nach einem Wunsch, bekommen viele Eltern die Antwort, dass das Kind gar keiner besonderen Tätigkeit nachgehen möchte, sondern einfach Zeit zu zweit sucht zu Hause. Denn die Frage nach Alleine-Zeit ist meistens nicht die Frage nach einer besonderen Attraktion, sondern nach Beziehung. Sie kann nicht mit Geld bezahlt werden, sondern nur mit Aufmerksamkeit. Sie sagt aus: „Ich möchte Zeit mit Dir alleine haben, in der Du nur mich siehst und Dich nur mit mir beschäftigst.“ Gehen wir ins Kino, steht der Film im Fokus und wir beschäftigen uns wenig miteinander. Gehen wir auf den Spielplatz, sind dort vielleicht andere Kinder und das gemeinsame Eltern-Kind-Spiel tritt in den Hintergrund. Alleine-Zeit meint deswegen mit Vorschulkindern meistens: Verbringe einfach ganz normal zu Hause Zeit mit mir und spiel mit mir, was ich gerne mag.

Spiel in Beziehung

Bleiben wir also zu Hause und gehen wir in Beziehung mit unserem Kind. Jetzt haben wir die Chance, uns mitteilen zu lassen, was das Kind gerade bewegt: Wo die Entwicklungsschwerpunkte gerade sind, was es bedrückt und erfreut, welche Themen es gerade besonders gerne mag. Lassen wir also das Kind bestimmen, was in der Alleine-Zeit stattfindet und halten wir unsere eigenen Spielwünsche für diesen Moment zurück. Jetzt, heute darf das Kind allein bestimmen und wir wertschätzen die Wahl des Kindes und drücken bereits damit aus, dass es gesehen wird, dass seine Wünsche wichtig sind und berücksichtigt werden.

Qualität vor Quantität im Alltag

Es ist im Familienalltag nicht immer einfach, Alleine-Zeit einzuplanen. Gerade dann nicht, wenn es mehr als zwei Kinder sind. Ist der Altersabstand groß, bietet sich der Abend oft für eine kurze tägliche Alleine-Zeit an: Das größere Kind kann sich mit dem anderen Elternteil (sofern vorhanden) Alleine-Zeit genießen und das kleine Kind mit dem anderen. Gut ist es, auch hier zu variieren. Gibt es nur einen Elternteil, kann das größere Kind vielleicht einer Beschäftigung allein nachgehen, während das kleinere Kind spielen kann, ins Bett gebracht wird und danach das größere Kind noch einmal Alleine-Zeit bekommt. Diese abendliche Zeit muss nicht besonders lang sein. Dafür lassen wir auch hier das Kind bestimmen. Routinen wie Zähneputzen und Schlafanzug-Anziehen, die ja oft Elternregeln unterliegen, zählen allerdings nicht in die Zeit.

Manchmal ist es auch möglich, eine solche Zeit am Nachmittag einzuplanen, wenn ein Geschwisterkind gerade in eine Tätigkeit versunken ist und wir uns dem anderen intensiv widmen können. Wichtig dabei ist: Wirklich abzuschalten und den Fokus darauf zu legen, dass jetzt wirklich der Wunsch des Kindes im Mittelpunkt steht. Auch andere Störfaktoren sollten während der Alleine-Zeit beiseite gelassen werden: Smartphone, Telefon und anderes sind jetzt zur Seite zu legen.

Jedes Kind will gesehen werden, muss in seiner Individualität betrachtet werden und braucht ab und zu die Chance, die Akkus an Zuwendung wieder ganz aufzufüllen. Mit einer festen Planung von solchen Zeiten, können wir dem Bedürfnis des Kindes nachkommen.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Ich bin ich – Das Kind in seinem Wesen erkennen

Lange Zeit herrschte der Gedanke vor, Kinder würden als unbeschriebene Blätter zu uns kommen. Als Gefäße, die wir füllen könnten. Als Gras, an dem wir ziehen könnten. Diese Gedanken sind tief in uns verwurzelt und tauchen sicherlich in den meisten Gedanken von Eltern immer mal wieder auf: „Wenn ich nur fest genug insistiere, dann wird das Kind schon sportlich sein/nicht so zurückgezogen/gut in Mathe werden/…“ Wir denken so oft, wir könnten unsere Kinder bewegen, biegen, schieben. Und in einem gewissen Maß geht das sicherlich auch. Natürlich formen wir Eltern mit unserem Verhalten das Denken des Kindes über die Umwelt und über sich. Wir beeinflussen die Emotionalität durch unser Handeln. Aber letztlich ist es unsere Aufgabe, sie nicht zu schieben oder zu biegen, sondern zu erkennen, wer sie sind.

Unsere Kinder kommen mit ihrem eigenen Temperament zu uns. Ich habe viele Babyskurse geleitet und darin lagen viele Kinder. Und auch wenn sich Babys oft ähneln in ihren kleinen Babygesichtern, wenn sie relativ nah zeitlich neue, gleiche Fertigkeiten erwerben, sind sie doch auch unterschiedlich: Da gab es in jedem Kurs ein Baby, das lieber dort lag und die anderen beobachtet hat. Und eines, das unglaublich aktiv war, die Gesichter und Gesten verfolgte und einfach sehr neugierig war. Es gab Kinder, die ganz schnell in die Interaktion mit anderen Babys gingen. Solche, die Berührungen und Massagen liebten und solche, die das weniger gern hatten. Auch wenn ich auf meine eigenen Kinder blicke, kann ich mit dem Abstand der Jahre sagen: Jedes von ihnen ist anders.

Manche Kinder sind lauter, andere leiser. Manche introvertierter, andere extrovertierter. Einige rennen freudig auf andere Menschen zu und sind immer offen für ein kleines Gespräch, andere reden nur mit sehr vertrauten Menschen. – Beides ist möglich und bedeutet nicht, dass etwas mit der Bindung nicht stimmen würde. Die amerikanische Professorin für Neurowissenschaften Prof. Dr. Lise Elliot beschreibt*: „Das Temperament [meint] speziell jene Eigenschaften, die angeboren sind und von Geburt an, wenn nicht sogar früher, einen Menschen begleiten. Das Temperament gilt also als genetische Eigenschaft, und obwohl es sich mit dem Kind weiterentwickelt – ebenso wie die rein körperlichen Merkmale sich verändern -, bleibt es seinem Wesen nach bei den meisten Menschen das ganze Leben lang stabil.“

Anstatt unsere Kinder zu etwas machen zu wollen, was sie nicht sind, sollten wir sie erkennen in dem, was sie sind. Wer sie sind. Und sie auf diesem Weg begleiten. So kommt es, dass wir, auch wenn wir mehrere Kinder in einer Familie ganz gleich behandeln wollen, doch auch Unterschiede machen und diese Unterschiede normal und richtig sind, weil die Kinder, mit denen wir umgehen, eben auch unterschiedlich sind. Vielleicht mag eines mehr, wenn es gekuschelt wird. Das andere holt sich Nähe über das Toben. – Aber keines von beiden ist deswegen näher oder weiter weg oder erleidet einen Mangel, wenn wir die Art und das Wesen des Kindes berücksichtigen.

Mit der Zeit ändern sich Vorlieben eines Kindes auch: Heute war Rot die Lieblingsfarbe, im nächsten Monat ist es Blau. Auch dafür sollten wir als Eltern offen sein und die Entwicklung unserer Kinder begleiten. Denn sie ent-wickeln sich, gehen ihren Weg und zeigen und finden mehr und mehr, wer sie sind. Und auf diesem Weg begleiten wir sie, damit sie eines Tages sicher wissen, wer sie sind und was sie wollen. Und das ist doch eigentlich ein ganz wunderbares Ziel von Eltern.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Weiterführende Literatur:
*Elliot, Lise (2003): Was geht da drinnen vor? Die Gehirnentwicklung in den ersten fünf Lebensjahren. – Berlin: Berlin Verlag.
Mierau, Susanne (2016): Geborgen wachsen: Wie Kinder glücklich groß werden. – München: Kösel.
Mierau, Susanne (2017): Ich! Will! Aber! Nicht! – Die Trotzphase verstehen und gelassen meistern. München: GU.

Entspannte Einschlafbegleitung und Übergang zum Allein-Schlafen begleiten

Während Babys oft noch recht einfach und schnell in den Schlaf zu begleiten sind wenn sie gestillt, geschuckelt oder getragen werden, wird die Einschlafbegleitung bei größeren Kindern manchmal zu einer Herausforderung: So viel wurde tagsüber erlebt und will noch berichtet werden. So spannend ist die Welt gerade und will entdeckt werden – da fällt es einigen Kindern schwer, in den Schlaf zu finden: Müde, aber nicht schläfrig genug. Munter, aber nicht mehr in einem Zustand, in dem das Kind alleine entspannt spielen möchte. Schon ein Kleinkind, aber noch immer auf eine Begleitung in den Schlaf angewiesen. Was also können Eltern tun, wenn das Kind müde ist, aber nicht einschläft und dennoch begleitet werden will?

Wann schlafen Kinder alleine?

Wann Kinder alleine einschlafen, ist unterschiedlich: Es hängt u.a. vom Temperament und Entwicklungsstand des Kindes ab. Manche Kinder schlafen schon als Babys gut allein ein und auch lieber in einem separaten Bett, andere brauchen noch lange die Nähe und Zuwendung von ihren Bezugspersonen. Manchmal brauchen auch Kinder, die schon allein einschlafen konnten, wieder eine Begleitung, wenn sie gerade eine anstrengende Phase durchleben und abends mehr Zuwendung benötigen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass aber auch dann, wenn die Kinder nicht im Bett der Eltern schlafen durften als Babys, die Kinder später, wenn sie laufen können, zum Elternbett kommen: Eine Studie von Remo Largo und anderen aus dem Jahr 2006 (pdf) zeigte, dass nur 10 Prozent der untersuchten Eltern ihren Kindern von Geburt an erlaubten, im Elternbett zu schlafen und dennoch fast die Hälfte der Kinder im Alter von 2-7 Jahren mindestens einmal pro Woche ins Elternbett kamen. Es scheint also wenig zu bringen langfristig, die Kinder vom Elternbett fernhalten zu wollen. Sinnvoller ist es, dem Bedürfnis des Kindes nach Nähe und Sicherheit beim Schlafen nachzukommen und zu warten, wann das Kind sich sicher genug fühlt und genügend Selbstregulationsfähigkeiten entwickelt hat, um allein schlafen zu können. Diese Entwicklung kann nicht erzwungen, sondern lediglich durch Feinfühligkeit und Verständnis begleitet werden. Ein Kind, das sich sicher fühlt und weiß, dass die Eltern als liebevolle Leuchttürme in der Nacht im Notfall zur Verfügung stehen, kann von dieser Sicherheit aus ausprobieren, allein zu schlafen. Ist es an diesen Punkt gelangt, zieht es aus dem Elternbett aus. Bei vielen Kindern ist dieser Punkt irgendwann in der Kleinkindkindzeit bis zum Beginn des Schulalters erreicht.

Wenn das Kind noch nicht allein einschläft

Wenn das Kind noch nicht allein einschläft, sich aber die Einschlafbegleitung zu einer Belastung für die Eltern entwickelt, müssen Alternativen betrachtet werden: Was kann an der Situation beim Kind oder den Eltern verändert werden?

Natürlich gilt wie auch schon bei Babys: Nur ein müdes Kind schläft auch ein. Gerade dann, wenn die Kinder an dem Wendepunkt stehen, den Mittagsschlaf nicht mehr unbedingt zu benötigen, kann sich das Einschlafen manchmal sehr hinauszögern. Hier hilft es, zu ergründen, welchen Schlafbedarf das Kind wirklich noch hat und ob es vielleicht zu lange mittags schläft. Gut ist es, wenn das Kind so viel schläft, dass es den Nachmittag entspannt verbringen kann. Ist das Kind wegen Schlafmangel mittags nur schlecht gelaunt und erschöpft, ist dies auch keine sinnvolle Alternative zum früheren Schlaf, weil die Beziehungsqualität darunter leiden kann.

Manchmal erscheinen die Kinder müde, reiben sich die Augen und können dennoch nicht einschlafen, weil sie noch spielen wollen, Erfahrungen machen, etwas erzählen,… Ihr Wunsch nach Entwicklung, ihre Neugierde stehen ihnen im Weg, sich zu entspannen. Wenn wir diesen Wunsch des Kindes und sein Bedürfnis nach Entwicklung in den Blick nehmen, können wir damit kreativ umgehen: Wir können den Nachmittag nutzen, um in den Abend über zu leiten: Fragen wir das Kind früh, was es noch gerne spielen möchte heute. Reden wir darüber, was es alles erlebt hat und betten alle Aktivitäten so ein, dass zum Abend hin alles ruhiger und entspannter wird. Das Kind hatte tagsüber die Möglichkeit, allen Bedürfnissen nachzukommen und wird Schritt für Schritt in einen ruhigen Abend überführt. Gerade in der kalten Jahreszeit ist es auch möglich, dass das Kind vielleicht zu wenig Möglichkeiten hat, um sich wirklich auszutoben. Sehen wir hier einen Mangel, können wir überlegen, wie wir mittags oder nachmittags noch ausreichend Bewegungszeit einbinden können, bevor es in die ruhige Phase geht.

Auch ein Blick auf die Abendrituale lohnt sich: Gibt es etwas, was noch einmal besonders aufregend ist und das Kind noch einmal besonders ablenkt? Vielleicht kann auch dies anders gestaltet werden. Im Bad liegt schon alles bereit für das Zähneputzen, im Bett liegt bereits das Buch, das zuvor als Einschlafgeschichte ausgewählt wurde.

Kann das Kind dennoch nicht einschlafen und turnt im Bett umher, hilft es nur, es sich so bequem wie möglich zu machen: Vielleicht ist es in Ordnung, neben dem Kind ein Buch zu lesen. Oder ein Hörbuch zu hören (ggf. mit Kopfhörern, wenn das Kind parallel eine andere Geschichte hören will) oder in einer Zeitschrift zu blättern…

An das Einschlafen gewöhnen

Kinderkrankenschwester, Stillberaterin und Schlafcoach Sibylle Lüpold empfiehlt in ihrem Buch „Ich will bei euch schlafen“ als Übergang für das Allein-Einschlafen-Lernen von Kleinkindern, die müde sind und den Worten der Eltern vertrauen, dem Kind nach dem Einschlafritual zu erklären, dass man kurz hinaus gehen würde, um eine Tätigkeit zu verrichten (Zähne putzen, Spülmaschine ausräumen), aber danach zurück käme. Nachdem die Tätigkeit wirklich verrichtet wurde, kehrt das Elternteil wie versprochen zurück. Schläft das Kind noch nicht, widmet man sich mit dem Versprechen wieder einer Tätigkeit.

Und wie gestaltet Ihr die Einschlafbegleitung aktuell?
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Weiterführende Literatur:
Lüpold, Sibylle (2014): Ich will bei euch schlafen! (Ein-)Schlafen lernen mit Co-Sleeping. – Freiburg: Herder.
Renz-Polster, Herbert; Imlau, Nora (2016): Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. – München: GU.
Mierau, Susanne (2017): Geborgene Kindheit: Kinder vertrauensvoll und entspannt begleiten. München: Kösel.

Beitragsbild: Katja Vogt

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  • Bitte kommentiert individuell, so dass nach der Auslosung eine eindeutige Zuordnung des Namens möglich ist (bspw. ist eine Zuordnung schwierig, wenn es 20 Stefanies gibt, daher dann lieber Stefanie_79 oder ähnlichen Namen wählen). Bitte kommentiere nur einmal: Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis Dein Kommentar freigeschaltet werden kann, aber er geht nicht verloren.
  • Die Teilnahme steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder Instagram.
  • Datenschutzhinweis: Dieses Gewinnspiel ist nicht an weitere Kontaktaufnahme wie Newsletter und Werbung gekoppelt. Die Daten der TeilnehmerInnen werden nicht weitergehend ausgewertet oder zu Werbezwecken gebraucht. Alles weitere zum Umgang mit Daten findet Ihr im Datenschutzhinweis
  • Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen natürlichen Personen mit Postanschrift in Deutschland.
  • Die Teilnahme beginnt am 22. Dezember 2019 um 8:30 Uhr und endet am 22. Dezember 2019 um 24 Uhr. Verlost wird nach Teilnahmeschluss.
  • Der/die Gewinner/in wird im Anschluss nach dem Zufallsprinzip ermittelt und erhält eine Benachrichtigung per Email . Eine Veröffentlichung des Namens findet aus Datenschutzgründen nicht statt.
  • Die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners wird ausschließlich für den Versand des Gewinns genutzt.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Sollte sich der/die Gewinnerin nicht spätestens 10 Tage nach der Verlosung zurückmelden, verfällt der Gewinn.

*** Die Verlosung ist beendet. Die ausgeloste Person wurde per Mail benachrichgt.***

Kein Küsschen für die Oma

Die Feiertage stehen bevor mit ihren Familienfeiern und Besuchen. Gerade mit Kindern kann das eine schöne, aber auch anstrengende Zeit werden. Schön, weil sie – sofern vorhanden – die Größe der Familie erleben können, Kontakte knüpfen, Beziehungen ausbauen können. Gemeinsam feiern unterstützt das Gemeinschaftsgefühl und es tut gut, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen. Anstrengend kann es werden, wenn es zu viele Reize für die Kinder sind, wenn Konfliktthemen aufkommen unter den Erwachsenen und auch, wenn die Grenzen der Kinder nicht beachtet werden. Beispielsweise dann, wenn Kinder hier und da Küsschen und Umarmungen verteilen sollen oder auf Schößen sitzen sollen, wenn sie es nicht möchten.

Zuneigung kann nicht erzwungen werden

Was sollen Kinder durch Küsschen und Umarmungen ausdrücken? Weshalb werden sie dazu aufgefordert? Es geht um Zuwendung, Anerkennung, Dank, Liebesbeweis – das können wir durch ein umarmen oder küssen ausdrücken. Aber wie auch eine ernsthafte Entschuldigung oder Worte des Danks kann echte Zuneigung nicht eingefordert werden. Sie ist Ausdruck eines Gefühls, entspringt einer inneren Motivation. Wenn wir einem anderen Mensch sagen: „Gib dem Opa als Dankeschön mal ein Küsschen“ dann wird das Kind deswegen nicht echte Dankbarkeit empfinden. Wohl aber kann es von sich aus gerne eine andere Person umarmen oder küssen, wenn es das Bedürfnis selbst dazu hat und nicht das Gefühl hat, einem sozialen Druck folgen zu müssen.

Die Lübecker Psychotherapeutin Bettina Alberti* schreibt über die Umkehr der Eltern-Kind-Rollen: „Manchmal brauchen und suchen die Eltern selbst übermäßig Nähe, Wärme und Bestätigung. Besonders wenn sie selbst eine unsichere Bindung als Kind erlebt haben oder in ihrem erwachsenen Leben einsam sind, versuchen sie eventuell, diese Zuwendung von ihrem Kind zu bekommen. Das Kind erlebt dann zwar viele Möglichkeiten des Kontaktes, aber eigentlich soll es die Bedürfnisse der Eltern stillen.“ Natürlich muss sich nicht hinter jedem Erwachsenen, der die Zuwendung eines Kindes wünscht, eine solche Rollenumkehr verbergen. Aber es lohnt sich ein Blick auf die Frage: Warum sollte ich das jetzt wollen, wenn das Kind es gerade nicht von sich aus initiiert?

Respekt und Grenzen wahren

Kinder haben Grenzen, die respektiert werden müssen. Sie haben das Recht, schon von Anfang an respektvoll behandelt zu werden und an Entscheidungen beteiligt zu sein, sofern es in ihrem Möglichkeitsbereich liegt. Kinder dürfen ihre körperlichen, emotionalen und sozialen Grenzen benennen und Erwachsene müssen diese Grenzen schützen. Ihre Grenzen zu respektieren, signalisiert dem Kind: „Ich habe Grenzen, die gewahrt werden müssen. Niemand darf diese übertreten.“ Wenn wir als gutes Beispiel voran gehen, können Kinder dies verinnerlichen. Sie lernen, was „Stopp“ und „Nein“ bedeutet und dass diese Worte einen Wert und eine Aussagekraft haben. Damit geben wir ihnen für ihr Leben sehr viel mit: Wir leben vor, wie andere Menschen behandelt werden sollten und dass wir die Grenzen anderer nicht überschreiten, sondern respektieren sollten. Und wir geben ihnen mit, dass sie ebenso dieses Recht haben: Es gibt keine Situationen, in denen es gerechtfertigt ist, zu Körperlichkeit genötigt zu werden.

Natürlich können wir mit Kindern kuscheln, sie küssen. Wir können umarmen und umarmt werden. Basierend auf Respekt, gegenseitigem Einverständnis, Achtung der Grenzen des anderen und vor allem: dann, wenn die Kinder es wollen. Nicht, um irgendwelche Bedürfnisse von Erwachsenen zu erfüllen, sondern einfach, weil es für die Kinder stimmig ist.

Respektvolle Alternativen

Wir selber können also mit gutem Beispiel voran gehen und von unseren Kindern keine Küsschen und Umarmungen einfordern. Und gleichzeitig sollten wir sie auch davor in Schutz nehmen, wenn andere das wollen. Wir können dies mit nicht anklagenden Worten erklären und auf ein „Dann gib der Tante mal ein Küsschen!“ antworten: „Das kann sie/er ja auch später machen, wenn er/sie das gerne möchte. Schau, jetzt strahlen die Augen so, wir sehen ja, wie glücklich du sie/ihn mit dem Geschenk gemacht hast.“ oder „Ich glaube, jetzt ist dafür kein guter Moment. Lassen wir sie/ihn doch erst einmal spielen und wenn er/sie mag, kann sie das ja später noch tun oder auch einfach in Ruhe noch einmal danke sagen.“

Vielleicht wissen wir auch schon vorher, dass unser Kind andere nicht umarmen oder küssen möchte. Dann kann das vorab mit den anderen Erwachsenen besprochen werden. Und auch ohne Umarmung oder Küsse lässt sich Freude und Dankbarkeit ausdrücken. Alternativen können sowohl mit den Erwachsenen, als auch Kindern besprochen werden: Dankbarkeit mit Worten ausdrücken, Begrüßung entweder mit Handgeben oder Worten oder auch nur Zunicken, Papier und Stifte bereit haben, damit das Kind ein Bild malen kann als Dankeschön,… Mit größeren Kindern können auch gemeinsam Alternativen ausgedacht werden.

Es ist wichtig. Grenzen zu wahren. Ihr findet als Familie Euren Weg, wie das geht.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Weiterführende Literatur:
*Alberti, Bettina (2007): Die Seele fühlt von Anfang an. Wie pränatale Erfahrungen unsere Beziehungsfähigkeit prägen. – München: Kösel.
Mierau, Susanne (2017): Geborgene Kindheit. Kinder vertrauensvoll und entspannt begleiten. – München: Kösel.

Kinder wollen gesehen werden, statt gelobt

„Papa, schau mal was ich kann!“ – „Ja, super!“ „Schau mal Papa, schau mal!“ „Ja, ich hab ja gesagt, das hast Du toll gemacht!“ „Schau mal jetzt, Papa!“ – „Ja, immer noch toll!“ – wahrscheinlich kennen viele solche oder ähnliche Gespräche mit Kindern. Auf dem Spielplatz, zu Hause beim Spielen, beim Malen, beim Bauen. Nach dem zweiten „Ja, toll!“ sind wir Eltern vielleicht schon ein wenig erschöpft, vielleicht ein wenig genervt. Wir haben doch gesagt, dass es toll es, kann das Kind jetzt in Ruhe weiter spielen? Aber das Kind möchte gar nicht gelobt werden. Es ruft nicht nach einem „Toll!“, sondern nach Beziehung.

Verschiedene Botschaften

„Schau mal, Mama/Papa!“ – was könnte das bedeuten? Lassen wir uns diese Worte einmal wirklich durch den Kopf gehen. Ruft das Kind hier nach einem Lob? Oder interpretieren wir vielmehr, dass das Kind gelobt werden möchte? Und welche Intention hat unser Lob als Eltern? Ist es ein aufrichtig gemeintes „Oh, wow, toll! Ich bin beeindruckt!“ oder ist es manchmal nicht doch eher ein „Ja, ja, nun spiel schön weiter.“?

Unsere Kinder bekommen von uns Eltern nicht selten Antworten aus einem überschaubaren Eltern-Antwort-Katalog: „Das ist ja toll!“, „Hast Du gut gemacht!“, „Ja, weiter so!“ – Nutzbar in verschiedenen Situationen, zu verschiedenen Anlässen. Ob nun oben auf dem Klettergerüst sitzend, ein neues Bild vorzeigend oder einen Turm gebaut. Dabei gehen wir nicht auf das ein, was das Kind eigentlich wünscht, nach dem es ruft, was es möchte. Mit einem „Schau mal!“ sagt es uns das, was diese Worte genau sagen: „Schau einmal her zu mir und dem, was ich getan habe/tue.“

Kinder wollen gesehen werden

Kinder wollen in ihrer Entwicklung, in ihrem Tun, in ihrem Entdecken der Welt gesehen werden. Nicht immer: Manchmal wollen sie auch still und leise etwas tun, heimlich. Manchmal, um Dinge zu tun, die wir ihnen sonst nicht erlaubt hätten und manchmal, um dann erst das Ergebnis zu präsentieren. Oft aber wollen sie in ihrem Alltag einfach in einem sozialen Austausch, in Kontakt sein. Sie sind soziale Wesen, so wie wir. Sie wollen erkannt werden in ihrer Art, ihrem Sein, ihrem Tun.

Statt Lob: Beziehung

Statt also eine Antwort aus unserem Eltern-Antwort-Katalog zu ziehen, können wir bei einem „Schau mal!“ kurz anhalten in unserem Tun und Denken und uns wirklich dem Kind zu wenden. Gerade jetzt ruft das Kind nach Beziehung, nach einem Miteinander. Es braucht kein Lob in Form von Worten wie „toll“, „schön gemacht“ oder „oh super“, sondern es möchte erfahren, gesehen worden zu sein. „Du bist alleine ganz nach dort oben geklettert!“, „Dieses Bild hast du aber bunt gemalt!“, „Ich habe gesehen, dass du dir ganz allein das Glas Wasser eingeschüttet hast!“ – Diese Sätze und Beschreibungen geben unseren Kindern in einer solchen Situation viel mehr als ein bloßes „toll gemacht“. Sie zeigen, dass das Kind in seinem Tun gesehen wurde. Sie zeigen, dass wir aufmerksam sind und uns Zeit nehmen für das Kind und sein Handeln. Und dies drückt viel mehr Wertschätzung aus als ein pauschales Lob, das in so vielen Situationen belanglos über die Lippen kommt. Und es führt dazu, dass das Kind eben nicht wieder und wieder nachfragen muss, ob wir es vielleicht doch noch wirklich sehen wollen in seinem Handeln, sondern weiß, dass es mit dem, was ihm gerade wichtig war, wahrgenommen wurde.

Deswegen: Wenn ihr das nächste Mal versucht seid, eine Antwort aus eurem persönlichen Eltern-Antwort-Katalog abzuspulen, haltet doch einen kurzen Moment inne und erinnert euch daran, dass euer Kind vielleicht gerade jetzt etwas anderes gemeint hat. Und dann umschreibt, was gerade passiert ist und wartet ab, welchen Beziehungsraum diese Antwort öffnet.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Weiterführende Literatur zum Thema:
Mierau, Susanne (2017): Geborgene Kindheit. Kinder vertrauensvoll und entspannt begleiten. – München: Kösel.
Kohn, Alfie (2015): Liebe und Eigenständigkeit. Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung. – Freiburg: Arbor Verlag.
Pikler, Emmi/Tardos, Anna (1997): Miteinander vertraut werden. Wie wir mit Babies und kleinen Kindern gut umgehen – ein Ratgeber für junge Eltern. – Freiburg: Herder.

Einschlafrituale als Brücke zum Schlaf für Babys und Kleinkinder

Und wieder ist es Abend und wieder stellt sich die Frage: Wie schläft das Kind ein? Muss es jetzt eigentlich schon allein einschlafen können? Und wenn nicht jetzt, wann dann? Wie lange werde ich hier liegen/sitzen/stillen, damit das Kind in den Schlaf findet? Und warum erzählen die anderen eigentlich, dass bei ihnen alles ganz anders läuft?

Schau auf dein Kind

Bei allen Gemeinsamkeiten, Durchschnittswerten und Studien zum Schlaf und insbesondere zum Schlaf von Kindern ist es dennoch so, dass Schlaf und besonders das Einschlafen viele individuelle Komponenten hat. Manche Kinder schlafen leichter allein ein, anderer schwerer. Manche Kinder brauchen länger eine Einschlafbegleitung, manche kürzer. Manche Kinder kommen gut zur Ruhe im engen Körperkontakt, manchen reicht die Stimme einer Bezugsperson oder eine Berührung. Wir sollten uns weniger mit den anderen Kindern und ihren Gewohnheiten beschäftigen und mehr das Kind sehen, das sich direkt vor uns befindet: Was ist es, was dieses Kind beruhigt? Was hilft diesem, meinem Kind, in den Schlaf zu finden? Und auch: Was ist es bei diesem Kind, während ein anderes meiner Kinder vielleicht anders ist?

Der langsame Weg in den Schlaf

Während Babys oft einfacher den Weg in den Schlaf finden, ist es bei Kleinkindern manchmal schwieriger. Wir merken: Das Kind ist müde. Aber es findet nicht hinein in den Schlaf, will noch hier entdecken, da spielen oder noch eine Geschichte erzählen oder vorgelesen bekommen. Wie so oft merken wir auch hier: Es geht um Entwicklungsressourcen. Das Kleinkind möchte noch weiter lernen, erfahren oder fordert nach einem langen Tag noch Beziehung und Zuwendung von Bezugspersonen ein. Aber auch Babys sind manchmal nicht einfach in den Schlaf zu begleiten. Hilfreich ist es deswegen, wenn wir unser Denken über das Einschlafen ändern: Einschlafen „passiert“ nicht von Jetzt auf Gleich, sondern ist ein Prozess, eine Entwicklung. Und diese braucht auch, dass die Rahmenbedingungen richtig und Bedürfnisse erfüllt sind: nach Wärme, Sättigung, Sicherheit, aber eben auch das Gefühl, dazu zu gehören und emotional gesättigt zu sein am Ende des Tages.

Wenn diese Grundbedürfnisse erfüllt sind, können wir sehen, wie wir das Kind in den Schlaf begleiten. „In den Schlaf begleiten“ zeigt uns bereits als Redewendung, dass es eine Begleitung ist über einen Zeitraum. Eine Ruhe, die sich nach und nach ausbreitet in den Abläufen, in den Aktivitäten. Ein Übergang vom aufregenden Tag in ein langsames Geschehen bis hin zur richtigen Ruhe. Und welches Ritual hier für diesen Übergang zum Beruhigen, zum Zur-Ruhe-Finden gut ist, entscheidet jede Familie für sich. Sie können unterschiedlich sein, diese Rituale. Vielen Kindern hilft Regelmäßigkeit, einige mögen aber auch einen Wechsel der Rituale.

Sanft in die Abendruhe überführen: das Bad

Auf viele Kinder hat ein entspanntes Bad am Abend eine beruhigende Wirkung. Manche aber werden dadurch auch eher aufgeregt und genießen das Spiel im Nass aufgeweckt. Hier muss entschieden werden, welcher Typ das Baby oder Kleinkind ist. Spezielle Badezusätze mit für Babys und Kleinkindern geeigneten (!) ätherischen Ölen können unterstützen, werden aber ein Kind, das durch das Bad eher angeregt wird, nicht müde machen. Außerdem ist ein tägliches Bad für die empfindsame Babyhaut nicht empfehlenswert, daher eignet sich das Bad nur bedingt als regelmäßiges Ritual für den Übergang.

Vor dem Schlafen: eine Massage?

Eine Massage ist Nahrung für Haut und Gefühlswelt: Bei der Massage sind wir mit dem Baby verbunden, achten auf die Signale des Babys und berücksichtigen diese, sind zugewandt und kommunizieren. Mit einem Öl können wir dabei die Haut pflegen und mit sanften und rhythmischen Streichbewegungen beruhigen. Dabei ist eine ganz konkrete Technik nicht unbedingt erforderlich: Streichbewegungen von der Körpermitte hin zu den Extremitäten entspannen eher. Wichtig dabei: Darauf achten, welche achtsamen Berührungen das Baby wirklich mag und mit welchem Druck dabei massiert werden kann: Manche Kinder mögen sanfte Streicheleinheiten, manche einen stärkeren Druck.

Einschlafstillen/-trinken

Es ist der Klassiker unter den stillenden Familien: Das Baby schläft an der Brust ein. Viele Babys tun das sehr lange sehr zuverlässig. „Einschlafstillen wirkt so zuverlässig wie eine Narkose“ schreibt dementsprechend auch Hebamme und IBCLC Anja C. Gaca: Das Kind ist im Körperkontakt, dadurch gewärmt, beruhigt vom Herzschlag und dem Rhythmus der Atmung, gesättigt und an der Nahrungsquelle, in Sicherheit gewogen und dazu mit schlaffördernden Inhaltsstoffen der Muttermilch versorgt. Ist Einschlafstillen schlimm? Nein, solange es für die stillende Person und das Baby in Ordnung ist, kann beruhigt in den Schlaf gestillt werden. Ist das Stillen als Brücke zum Schlaf nicht mehr gewünscht, braucht das Baby ein anderes Ritual, an das es herangeführt und dabei begleitet wird, bis es dieses übernommen hat. Praktisch ist, wenn das Baby nicht ausschließlich an der Brust einschläft, sondern auch andere Übergänge nutzt, die dann für die Umstellung herangezogen werden können. Dass das Baby erst einmal auf dem alten Ritual beharrt, ist normal. Mit einer beständigen und einfühlsamen Begleitung aber wird es an eine neue Möglichkeit herangeführt.

Auch Babys, die nicht an der Brust, sondern aus der Flasche trinken, nutzen dieses oft als Einschlafhilfe und die damit verbundene Bedürfnisbefriedigung auf vielen Ebenen durch Körperkontakt und Zuwendung. Auch hier gilt: Solange es in Ordnung ist, ist es ein schönes Ritual. Das Baby lernt hierbei aber insbesondere das Nuckeln als Brücke in den Schlaf kennen und wünscht sich dieses auch zukünftig beim Weg in den Schlaf. Viele Eltern sind davon irgendwann erschöpft. Fühlt es sich nicht gut an, kann ein anderer Übergang gesucht werden – oder schon früher das direkte Einschlafen nicht mit dem Nuckeln verbunden werden, sondern ein Zwischenschritt zwischen dem Trinken und Einschlafen eingefügt werden: Das Baby wird fast schlafend abgelegt und ohne Nuckeln weiter begleitet.. Wichtig ist dabei, dass – unabhängig ob Muttermilch oder künstliche Säuglingsnahrung – Babys oft noch lange nachts Nahrung brauchen, die Mahlzeiten also durchaus noch wichtig sind, wenn das Baby Hunger hat.

Wiegen und Tragen

Das Wiegen und Tragen sind ebenso wunderbare Einschlafrituale für den Übergang. Im Tragetuch, der Babytrage oder im Kinderwagen oder der Federwiege schlafen Babys durch den Rhythmus und die Bewegung – eine Erinnerung an die vorgeburtliche Zeit des Gewiegtwerdens zusammen mit dem Gefühl, sicher in der Nähe der wiegenden Bezugsperson zu sein.

Wie auch beim Ablegen beim Einschlafstillen gilt auch hier, dass sich das Baby erst dann aus der Trage heraus gut ablegen lässt, wenn es die erste Tiefschlafphase erreicht hat. Erst nach etwa 20 Minuten REM-Schlaf geht das Baby in den Tiefschlaf über und lässt sich so auch ablegen. Wird es vorher abgelegt, erschrickt es oft. Wiegen und tragen sind daher eine gute Methode, um in den Schlaf zu begleiten, aber können auch einige Zeit in Anspruch nehmen. Sie sind oft auch das Mittel der Wahl, wenn nach dem Einschlafstillen ein neues Ritual gesucht wird.

Im Bett: Singen und Erzählen

Ist die Zeit des Einschlafstillens oder -tragens vorbei, werden die Babys/Kleinkinder im Bett in den Schlaf begleitet. Einige Familien wählen dies auch gleich als Methode zur Begleitung, so dass das Baby von Anfang an das Bett als sicheren und beruhigenden Schlafort wahrnimmt, sofern es sich mit dem Einschlafen im Bett begnügt. Für all jene, die erst später im Bett das Einschlafen begleiten, bietet sich ein Übergang zwischen den beiden Phasen an: Ein Lied, das beim Einschlaftragen gesungen wird, kann dann auch im Bett gesungen werden und so an die Einschlafzeit erinnern. Manchmal gibt es auch Lieder oder eine Musik, die schon aus der Zeit im Uterus noch bekannt ist. Generell gilt: unsere Stimmen sind vertraut, schenken Sicherheit und das Gefühl, dass umsorgende Personen in der Nähe sind. Babys schlafen deswegen – anders als wir manchmal denken – gar nicht so gerne in der Stille, sondern bevorzugen normale Hintergrundgeräusche, die signalisieren: alles in Ordnung, die Familie ist da.

Wer bringt das Baby ins Bett?

Der- oder diejenige mit ausreichend Kraft und Ruhe bringt das Baby ins Bett. Unsere Kinder spüren sehr gut, wenn wir angespannt sind oder unruhig, weil wir keine Lust haben, nach einem ohnehin schon anstrengenden Tag auch noch zwanzig Minuten im Bett zu liegen beim Kind. Diese Anspannung überträgt sich und lässt auch das Kind unruhiger werden. Die Brücke zum Schlaf baut deswegen die Person, die dafür die notwendige Gelassenheit mitbringt. Dabei gilt aber auch: Rituale können zwischen Eltern unterschiedlich aussehen: Während das Baby bei einer Person in den Schlaf gestillt wird, wird es bei der anderen vielleicht getragen oder in den Schlaf gesungen. Es gibt kein Richtig oder Falsch in der liebevollen Begleitung, nur unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen.

Und wie sieht Euer Ritual aus?
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Weiterführende Literatur:
Mierau, Susanne (2016): Geborgen wachsen. Wie Kinder glücklich groß werden. – München: Kösel.
Mierau, Susanne (2017): Geborgene Kindheit. Kinder vertrauensvoll und entspannt begleiten. – München: Kösel.
Lüpold, Sibylle (2014): Ich will bei euch schlafen! (Ein-)Schlafen lernen mit Co-Sleeping. – Freiburg: Urania Verlag.
Renz-Polster, Herbert/Imlau, Nora (2016): Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. – München: Kösel.

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Wie sieht sie aus, die „Geborgene Kindheit“? Es ist eine Mischung aus Wurzeln und Flügeln, aus Anerkennung, Respekt und Bedingungslosigkeit. Darum geht es in diesem schönen Adventskalendertürchen.

Geborgene Kindheit: Kinder vertrauensvoll und entspannt begleiten“ zeigt auf, wie es nach der geborgenen Babyzeit so weiter geht. Denn gerade wenn das erste Jahr vorbei ist und auf einmal die großen Themen anstehen wie das „Ich“, „Nein“, aber auch die Frage danach, wann denn Kinder nun endlich durchschlafen, wann sie keine Windel mehr tragen und wie lange sie überhaupt einen Schnuller brauchen, wird es kompliziert mit dem bedürfnisorientierten Weg. Und dabei dürfen wir Eltern auch nicht aus dem Blick verloren gehen – sowohl als Paar, als auch als eigenständige Personen. Um all das geht es in „Geborgene Kindheit“.

Nicht erst wenn sie selber reden können, sondern auch schon vorher ist das Thema „Reden mit Kindern“ wichtig – aber gerade dann, wenn wir vielleicht unterschiedlicher Meinung sind, ist es gar nicht so einfach. Unser Bild „Reden mit Kindern“ als Leinwandbild erinnert dich jeden Tag daran, worauf es im Gespräch ankommt. Die Bilder zu unserer Postkartenserie gibt es jetzt ganz neu hier bei Juniqe zu bestellen (und hier auf Instagram gibt es sogar noch einen Rabattcode für eine Woche). Und die kleine Postkarte „Essen mit Kindern“, vielleicht am Kühlschrank angebracht, erinnert daran, worauf es bei den Mahlzeiten wirklich ankommt.

Was wir eigentlich alle wollen und was uns dennoch gar nicht so leicht fällt mit Kleinkindern ist es, sie selbständig sein zu lassen. Unser Pin „selbst angezogen“ ist ein Zeichen und eine Erinnerung daran, dass unsere Kinder schon so viel alleine können und wir sie auch machen lassen müssen. Vielleicht sind es zwei verschiedene Socken und das Hemd ist falsch herum angezogen, aber es ist so toll, dass das Kind das alleine machen kann. „Selbst angezogen“ zeigt anderen: Kinder sind kompetent und dürfen es auch sein.

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  • Bitte kommentiert individuell, so dass nach der Auslosung eine eindeutige Zuordnung des Namens möglich ist (bspw. ist eine Zuordnung schwierig, wenn es 20 Stefanies gibt, daher dann lieber Stefanie_79 oder ähnlichen Namen wählen). Bitte kommentiere nur einmal: Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis Dein Kommentar freigeschaltet werden kann, aber er geht nicht verloren.
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  • Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen natürlichen Personen mit Postanschrift in Deutschland.
  • Die Teilnahme beginnt am 8. Dezember 2019 um 8:30 Uhr und endet am 8. Dezember 2019 um 24 Uhr. Verlost wird nach Teilnahmeschluss.
  • Der/die Gewinner/in wird im Anschluss nach dem Zufallsprinzip ermittelt und erhält eine Benachrichtigung per Email oder als persönliche Nachricht auf Instagram . Eine Veröffentlichung des Namens findet aus Datenschutzgründen nicht statt.
  • Die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners wird ausschließlich für den Versand des Gewinns genutzt.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Sollte sich der/die Gewinnerin nicht spätestens 10 Tage nach der Verlosung zurückmelden, verfällt der Gewinn.

*** Die Verlosung ist beendet. Die ausgeloste Person wurde per Email benachrichtigt***