Kategorie: Elternschaft

Beschütze mich – warum es für Kinder wichtig ist, hinter ihnen zu stehen

Eigentlich ist es klar, dass wir als Elternteil hinter unseren Kindern stehen, sie beschützen und umsorgen. Und dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen es uns schwerfällt, wirklich für das Kind einzustehen. Insbesondere dann, wenn andere Personen unser Verhalten oder das des Kindes bewerten oder ein bestimmtes Verhalten vom Kind einfordern. Auf einmal verschwinden unsere Vorsätze und Forderungen oder Verhaltensweisen, die wir eigentlich nicht zulassen wollen, werden doch erlaubt. Vielleicht denken wir, dass sich das nur auf die Beziehung des Kindes zu dieser anderen Person auswirkt, aber als Bezugsperson sind wir auch hier involviert.

Das Bindungssystem ist ein Schutzsystem

Das Bindungssystem ist aus Sicht des Kindes ein Schutzsystem: Es dient dazu, dass die Bedürfnisse des Kindes, das sich noch nicht selbst versorgen kann, erfüllt werden. Durch diese Bedürfniserfüllung bildet das Kind ein Vertrauen aus in andere Menschen und erlebt sich als wirksam und wertvoll, weil auf seine Signale und Bedürfnisse entsprechend eingegangen wird. Dieses Vertrauen in sich und andere legt einen Grundstein dafür, wie das Kind auch zukünftig mit der Umwelt und sich umgeht. Zu den Bedürfnissen gehören dabei nicht nur beispielsweise Nahrung und Schlaf, sondern auch das Bedürfnis nach Sicherheit und der Schutz vor Gewalt in ihren verschiedenen Formen. Die Bezugspersonen sind dafür zuständig, diesen Schutz zu bieten.

Wann Bezugspersonen schützen und begleiten sollten

Wenn das Kind eine Situation erlebt, in der es Schutz beansprucht, weil es sich beispielsweise ängstigt, sollte daher eine Bezugsperson zur Seite stehen und diesen Schutz anbieten. – Und zwar unabhängig davon, ob die erwachsene Person diese Situation selbst als bedrohlich oder ängstigend empfindet.

Die Bewertung der erwachsenen Person kann sich durchaus auf das Kind auswirken: Allein durch die Körpersprache vermitteln wir, ob wir eine Situation ebenfalls als bedrohlich wahrnehmen, oder nicht. Das Kind nimmt diese Signale wahr und reagiert auf unsere Einschätzung der Situation. Negativ ist allerdings, wenn wir dem Kind die Angst oder das Schutzbedürfnis absprechen: „Jetzt stell dich aber mal nicht so an!“ oder sogar über die Angst des Kindes lachen „Haha, der will doch nur spielen!“

Es ist hilfreich, die Angst des Kindes in einer Situation, in der sie nicht begründet ist, anzunehmen und dem Kind zu vermitteln, dass es sich nicht sorgen muss. Dies aber zunächst auf dem Boden der Annahme: „Ich merke, dass du Angst hast, ich gehe mal voran.“ oder „Du möchtest nicht, dass der Hund so nah an dich herankommt, ich nehm dich auf den Arm und er darf an meiner Hand schnuppern.“

Auch in Bezug auf das übergriffige Verhalten anderer Personen ist es wichtig, dass wir gegenüber dem Kind die für die Beziehung so wichtige Schutzposition einnehmen: Wenn das Kind nicht gekitzelt werden möchte, dies der anderen Person klarmachen. Das Kind vor Körperkontakt schützen, den es nicht will wie „Küsschen geben“ oder Händeschütteln. Und auch vor psychischer Gewalt verdient das Kind Schutz, wenn andere Menschen übergriffig sind, es beispielsweise als „Heulsuse“ bezeichnen oder „Angsthasen„.

Schutz kostet manchmal Überwindung

Es ist manchmal nicht einfach, diesen Schutzauftrag zu erfüllen, der für die Beziehung so wichtig ist. Dies insbesondere dann, wenn wir als Bezugsperson selber einer unseren Bezugspersonen gegenüberstehen, die wir als Instanz erlebt haben: eigene Eltern, ältere Familienangehörige und wir uns nun, obwohl es immer eine Hierarchie gab, in der ihre Entscheidungen über unseren standen, nun entgegentreten müssen. Auch in anderen sozialen Kontexten in der Öffentlichkeit erscheint es manchmal schwer, die eigene Haltung zu vertreten und das Kind zu schützen: Zu groß ist die Angst, als schlechtes Elternteil bewertet zu werden, das in den Augen der anderen falsch erzieht. Schließlich ist das Gefühl, zur Gemeinschaft zu gehören, so wichtig für Menschen.

Dennoch: Als Bezugsperson müssen wir diese Schamgrenzen überwinden und für das Kind einstehen. Es braucht uns als sicheren Hafen, als Schutzinstanz, aus deren Sicherheit heraus es die Welt entdecken kann. Es muss darauf Vertrauen können, dass wir für dieses Kind einstehen – denn wer sollte es sonst, wenn nicht die nahen Bezugspersonen?

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Neugeborene Eltern

Wir lesen und reden so viel davon, wie sich der Erfahrungsraum des Babys durch die Geburt verändert: Es fühlt andere Dinge als zuvor, es riecht anderes, es sieht anderes. Nie zuvor hat es Kleidung getragen oder war kühlen Luftzügen ausgesetzt, wenn es gewickelt wurde. Es taucht in eine neue Welt ein, in der es nur wenige Berührungspunkte gibt zum Erleben zuvor. Eine Welt, in der es alles kennenlernen muss und möchte – mit der fortschreitenden geistigen und körperlichen Entwicklung erweitert sich auch der Erfahrungsraum nach und nach.

Auch für Eltern ist alles neu

Während es uns schon oft gelingt, gütig auf unsere Kinder zu blicken, fällt der Blick auf uns selbst aber oft weniger wohlwollend aus. Obwohl auch wir Eltern neu sind in all diesen Themen. Für viele Eltern ist das Anziehen des Babys nach der Geburt das erste Mal, dass sie ein Neugeborenes bekleiden und den kleinen Körper in einen winzigen Babybody hüllen. Es ist das erste Mal, eine Windel zu wechseln und die erste schlaflose Nacht, in der man sich fragt, was nur das Baby hat und warum es nicht schläft. Es ist das erste Mal, diese riesige Verantwortung zu tragen und das erste Mal, mit einem Menschen zu kommunizieren, der noch nicht spricht und die Welt so anders sieht und fühlt, wie es eben ein kleines Kind tut.

Und selbst dann, wenn es das zweite, dritte,… Kind ist, ist dieses Kind sehr wahrscheinlich nicht in allen Verhaltensweisen identisch mit den Kindern, die man schon kennt. Jedes Kind kommt mit verschiedenen Temperamentsdimensionen zu uns, ist reagiert stärker oder schwächer auf Reize, ist schneller oder langsamer zu trösten, braucht mehr oder weniger Körperkontakt bei der Co-Regulation.

Neben dem Verhalten in Bezug auf das Kind verändert sich gleichsam auch die Umgebung: Wenn es mehrere Elternteile gibt, verändert sich die Beziehung untereinander dadurch, dass nun ein Baby mit Bedürfnissen dazugekommen ist. In der Familie werden Eltern durch die Geburt eines Kindes zu Großeltern, ihre Kinder werden zu Eltern und müssen fortan Entscheidungen treffen, die das eigene Kind im Blick behalten und die eigene Eltern-Kind-Beziehung verändert sich. Selbst Freundschaften können sich dadurch verändern, dass eine Person des Freundschaftsnetzwerkes ein Kind bekommen hat.

Wir wachsen hinein – und das ist gut so

Wir denken so oft, dass wir die Antwort auf alles haben müssten. Schließlich sind wir Erwachsen. Schließlich sollten Eltern doch unfehlbar sein und einen Plan von der Welt und allem haben. Tatsächlich aber bringen wir nur ein paar Basics mit in dieses Elternsein: Hormone, die ausgeschüttet werden wie Oxytocin und Prolaktin. Fürsorgeverhalten, das dadurch entsteht (manchmal aber auch durch die eigene Erziehung oder gesellschaftlichen Druck überlagert werden kann). Der wesentliche Teil ist, dass wir uns als Eltern auf dieses Kind einstimmen müssen. Und das ist gleichsam Herausforderung wie Vorteil: Denn weil Kinder nicht alle gleich sind, müssen wir Eltern hineinwachsen in diese neue Aufgabe. Wir müssen lernen, wie unser Kind ist, was es braucht, welche Signale es gibt. Wir müssen lernen und sind eben nicht von Anfang an richtig eingestellt und haben alle Antworten.

Deswegen: Sei nachsichtig mit dir. Natürlich gibt es Dinge, die wir immer vermeiden sollten bei allen Kindern: jede Form der Gewalt. Aber jenseits davon ist das Begleiten von Kindern Versuch – Irrtum – erneuter Versuch. Manchmal finden wir schnell die richtige Antwort, manchmal dauert es etwas, manchmal finden wir selbst sie vielleicht gar nicht. Manchmal machen wir Fehler, die sich vielleicht im liebevollen Alltag verlieren. Oder wegen denen wir um Entschuldigung bitten müssen oder Hilfe von anderen brauchen. All das ist Elternschaft. Elternschaft ist Wachstum, Irrtum, Hoffnung, Liebe, aber vor allem ist es ständige Bewegung. Sieh gütig auf dich und dein Wachstum. Auch du bist neugeboren in dieser Eltern-Kind-Beziehung.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Versöhnung nach dem Eltern-Kind-Streit

Streit kommt in Familien vor: zwischen den Eltern, zwischen Geschwistern, zwischen Elternteil und Kind. Natürlich ist es hilfreich, Streit da, wo es geht, durch überlegtes Handeln zu vermeiden, aber er ist nicht immer so schädlich für das Familienklima, wie manchmal behauptet wird – sofern er gut ausgetragen wird. Lange Zeit wurde angenommen, dass Streit zwischen Elternteilen vermieden und wenn doch, dann nicht vor dem Kind stattfinden sollte. Untersuchungen zeigen aber, dass nur destruktive Paarkonflikte problematisch sind, die verbale oder physische Aggressivität, Blockadeverhalten, Rückzug, Meidung oder andere Feindseeligkeit beinhalten, die dazu führen können, dass beispielsweise das Gefühl der emotionalen Sicherheit des Kindes verringert wird. Konstruktive Konfliktbewältigung ist hingegen nicht von Nachteil.

Gerade wenn das Kind Zeuge des Elternkonflikts ist, ist es hilfreich, wenn es auch dessen Lösung erfährt.

Susanne Mierau „New Moms for Rebel Girls“ S.193

Konstruktive Problemlösung ist hilfreich

So, wie bei Streitigkeiten in der Paarbeziehung, ist es auch bei Streitigkeiten zwischen Geschwistern wichtig, dass der Konflikt konstruktiv gelöst wird. Und auch bei Streitigkeit zwischen Eltern und Kind kommt es auf konstruktive Lösungen an: In einem familiären Streit geht es darum, die Perspektive der anderen Person einzunehmen, zu verstehen und eine gemeinsame, sinnvolle Lösung zu finden. Durch einen konstruktiven und gerechten Umgang mit Konflikten in der Familie kann das Kind lernen, diese Problemlösungstrategie auch auf außerfamiliäre Situationen zu übertragen – eine wichtige Fertigkeit für das weitere Leben.

Zudem ist es im Rahmen des Bindungssystems wichtig, dass die nahen Bezugspersonen als sichere, wissende und starke Begleitung dem Kind eine Orientierung bieten. Gerade dann, wenn das Kind im Baby-, Kleinkind- oder auch noch Vorschulalter nicht konkret benennen kann, wie es sich fühlt, was es gerade als Problem wahrnimmt, ist es wichtig, dass sich die Bezugsperson in das Kind hineinversetzt und versucht, die Ursache wertfrei zu ergründen, um dann eine Lösung zu finden.

Das ist manchmal gar nicht so leicht: Unsere eigenen Empfindungen können uns dabei im Weg stehen, objektiv auf die Situation zu blicken. Auch verinnerlichte Glaubenssätze (beispielsweise dass Konflikte Machtkämpfe wären und Eltern immer Recht behalten müssen, damit sie ihre Autorität nicht verlieren) können es erschweren, konstruktiv mit einem Konflikt umzugehen.

Versöhnung nach dem Streit

Neben der Lösung des konkreten Problems ist es hilfreich, wenn nach dem Konflikt auch die Beziehungsebene noch einmal thematisiert wird: Es kann besprochen werden, dass es einen Streit gab, gemeinsam eine Lösung gefunden wurde und viele Gefühle daran beteiligt waren. Dass es Streit gibt, ist normal. Das sollten auch Kinder erfahren und nicht Angst oder Vermeidungsverhalten in Bezug auf Streitigkeiten entwickeln, weil sie in der Familie tabuisiert werden. Der Fokus auf die Beziehungsebene vermittelt: Streit kommt vor, aber ich habe dich mit deinen Bedürfnissen gesehen und verstanden und bin trotz unserer unterschiedlichen Meinung für dich da und suche mit dir eine Lösung, damit es uns besser geht. Das Kind kann noch einmal nachvollziehen, was passiert ist und bekommt vermittelt, dass eine Beziehung von Offenheit und Respekt gelebt wird.

Nicht immer ist eine Lösungsfindung schnell und einfach. Manchmal muss ausprobiert werden, was funktioniert und was nicht. So dauert es manchmal mit der Beseitigung des Streits etwas. Die Versöhnung muss auch nicht daraus bestehen, dass beide Seiten wieder gute Laune haben, sondern daraus, anzuerkennen, dass es verschiedene Perspektiven und Empfindungen gab und man als Bezugsperson dennoch sicher zur Verfügung steht und das Kind weiterhin liebt. Das Kind hat auch das Recht, nicht sofort wieder gute Laune haben zu müssen. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis der Ärger wirklich verflogen ist. Auch das ist in Ordnung. Das Kind sollte wissen, dass es sich jederzeit vertrauensvoll an die Bezugsperson wenden kann mit seinen Gefühlen, da wir als Erwachsene die Schutz- und Regulationsfunktion für das Kind erfüllen und dies auch im Konfliktfall tun.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Wann Kinder allein entscheiden können – und wann nicht

Wir wissen es: Kinder wollen selbstwirksam sein und die Welt kennenlernen. Dafür müssen sie sich aktiv mit der Welt auseinandersetzen können. Je älter sie werden, desto mehr fordern sie das auch ein, meist ab dem zweiten Lebensjahr. Wenn sie aktiv am Alltag beteiligt sind und darin eigene Entscheidungen treffen können, kann dies das Vertrauen zwischen Bezugsperson(en) und Kind stärken, das Selbstvertrauen fördern und auch den Ausbau der Fertigkeiten des Kindes unterstützen. Deswegen ist es gut, das Kind an vielen Tätigkeiten des Alltags zu beteiligen und ihm zu ermöglichen, sich daran auszuprobieren. Wichtig ist dabei, dass die Aufgaben machbar sind, vielleicht sogar etwas herausfordernd, aber nicht zu schwer, damit es nicht zu einer Frustration kommt durch Überforderung.

Warum Kinder nicht alles allein entscheiden können

Im Alltag ergeben sich viele Möglichkeiten, bei denen Kinder beteiligt werden können. Da sie jedoch trotz aller Kompetenzen Kinder sind, haben sie aufgrund ihres geringeren Alters und Erfahrungsschatzes über viele Dinge noch kein umfangreiches Wissen verinnerlicht. Zudem können sie – je nach Alter – bestimmte Gefahren, aber auch Zeit- und Mengenangaben, noch nicht einschätzen. Deswegen ist es wichtig, dass ihre Bezugspersonen die Situationen aufgrund ihres Wissens besser einschätzen und Gefahren vorbeugen können. In einigen Situationen müssen daher Entscheidungen von den erwachsenen Bezugspersonen allein getroffen werden, gerade im Bereich der Gesundheitsvorsorge und dem Schutz vor Gefahren.

Bindungspersonen müssen beschützen

Das Bindungssystem ein Schutzsystem, das die Bedürfniserfüllung und das sichere Aufwachsen des Kindes gewährleisten soll. Die primäre Bindungsperson ist dementsprechend jemand, der auf mehr Wissen und auch körperliche Fähigkeiten zurückgreifen kann, um dies zu bewerkstelligen. Manchmal kollidiert diese Schutzfunktion mit den Wünschen und Vorstellungen des Kindes, worauf besonders Kleinkinder oft mit Wut reagieren. Dennoch ist es wichtig, sich als Bezugsperson der eigenen Rolle und Verantwortung bewusst zu sein.

Es muss also immer wieder abgewogen werden: Muss ich als als Elternteil eine Entscheidung treffen, weil das Kind die Folgen nicht absehen kann, kurz-/mittel- oder langfristig durch die Situation in Gefahr ist? Viele Gesundheitsthemen fallen in diesen Bereich, beispielsweise die Mundhygiene, aber beispielsweise auch das Windelwechseln, wenn das Kind beim langen Tragen einer vollen Windel sonst eine schmerzhafte Dermatitis entwickeln würde oder auch Sicherheitsthemen wie Spaziergänge auf der Straße.

Kinder einbeziehen, wenn Bezugspersonen entscheiden

Es gibt Situationen, in denen es keine Möglichkeiten gibt, das Kind in die Entscheidung einzubeziehen – hier müssen die Bezugspersonen allein eine Entscheidung treffen und ggf. den Unwillen des Kindes dann verständnisvoll auffangen, begleiten und die Gefühle regulieren. Oft ist das bei medizinischen Eingriffen der Fall.

In vielen Situationen gibt es allerdings einen Handlungsspielraum, in dem das Kind eingebunden werden kann. Bei der Mundhygiene gibt es zwar nicht die gesunde Option, über einen längeren Zeitraum ganz auf das Zähneputzen zu verzichten, aber es gibt viele Möglichkeiten, in denen das Kind innerhalb des Möglichkeitsraums Entscheidungen treffen kann: An welchem Ort willst du die Zähne geputzt bekommen? Welche Zahnpasta magst du? Auch beim Windelwechseln gibt es viele Möglichkeiten des Einbeziehens.

Glaubenssätze hinterfragen

In vielen Bereichen können wir also durchaus unsere Kinder in Entscheidungen einbinden und oft können sie sogar allein Entscheidungen fällen. Neben den gefährlichen Situationen, in denen Bezugspersonen klar die Führung übernehmen müssen, stehen uns in anderen Situationen oft Glaubenssätze im Weg, die uns daran hindern, das Kind für kompetent genug zu halten. Es lohnt sich, sich selbst zu hinterfragen: Ist das jetzt wirklich wichtig? Denke ich nur, dass das Kind das nicht kann, weil ich es selbst nicht durfte/wir es noch nie ausprobiert haben/andere es anders machen? Denke ich, dass das Kind das nicht darf aufgrund bestimmter gesellschaftlicher Konventionen, die vielleicht überholt sind? Diese Fragen können uns helfen, gelassener mit Kindern umzugehen und ihnen einen größeren Handlungsspielraum zuzugestehen.

Entscheidungsfähigkeit des Kindes an Entwicklung anpassen

In jenen Situationen, in denen das Kind keiner Gefahr ausgesetzt ist und es eine eigene Entscheidung treffen kann, ist es wichtig, dass wir als Bezugspersonen auch an die Möglichkeiten des Kindes denken. Die Frage „Was willst du heute zum Abendessen essen?“ kann für ein Kleinkind überfordernd sein. Besonders dann, wenn wir sie nicht so offen meinen, wie wir sie stellen. Dann sagt das Kind vielleicht „Schokopudding“, obwohl wir etwas Herzhaftes meinten, und das Kind ist dann zurecht frustriert von der Zurückweisung. Hier ist es sinnvoll, dass wir uns zunächst der eigenen Absicht klar sind und gegebenenfalls einen Entscheidungsrahmen anbieten, an dem sich das Kleinkind orientieren kann: „Was möchtest du essen, Brot mit Belag oder Kartoffelbreirest vom Mittagessen?“ Mit zunehmendem Alter können Optionen ausgebaut und auch zur freien Verfügung überlassen werden. Aber zu viele Optionen überfordern manchmal sogar uns Erwachsene noch: Eine Entscheidung zu treffen bedeutet gelegentlich auch, andere gute Optionen auszuschlagen. Eine im Nachhinein falsche Wahl belastet uns wieder und zeigt, dass wir Zeit in eine letztlich falsche Wahl investiert haben. Einige Menschen haben es dabei schwerer, sich damit zufrieden zu geben, eine falsche Entscheidung zu treffen. Sie ärgern sich mehr über Fehlentscheidungen.

Unseren Kindern den Raum zu geben für eigene Entscheidungen ist richtig und gut, aber nicht immer ist es möglich und manchmal nur in einem begrenzten Handlungsfeld – auch das ist für das Kind gut.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Elternvergleiche: Bei anderen geht alles besser!

Auf dem Spielplatz wandert der Blick zu den anderen Eltern und wir beobachten, wie sie die Wutsituation mit ihren Kindern meistern. In Social Media betrachten wir die Familienalltage der anderen und stellen vielleicht hier und da fest, dass es dort scheinbar viel toller ist, viel mehr Angebote gibt – und diese tollen Geburtstagstorten, die backen wir selbst auch nie. Wir vergleichen uns mit anderen und mit dem Alltag anderer Menschen in ähnlichen Lebenssituationen. Und auch wenn das Vergleichen mit anderen durchaus normal und sogar ein Teil der normalen Entwicklung von Menschen ist, macht uns der beständige Vergleich nicht selten auch das Leben schwerer.

Auf der anderen Seite… ist das Gras ganz anders

Andere Familien leben ein anderes Familienleben. Momentaufnahmen daraus können auf uns eine starke Wirkung haben, weil wir unseren Fokus oft auf die positiven Aspekte der anderen Familie legen – insbesondere auf Social Media werden diese durch die bewusste Auswahl dessen, was gezeigt wird, auch hervorgehoben. Im Vergleich nehmen wir uns und unseren Alltag dann als mangelhaft wahr. Wir verlieren den Blick auf unsere Stärken und Ressourcen und werten uns selbst ab, weil wir Dinge anders machen bzw. diese Vergleichsfamilie Dinge tut, die wir selbst nicht machen.

Wir vergessen dabei, dass Familien nicht gleich sind. Wir haben unterschiedliche Familiengeschichte, unsere Kindheit und unser Aufwachsen unterscheiden sich. Vielleicht haben wir verschiedene Werte vermittelt bekommen und/oder wurden in besonderer Weise religiös geprägt. Wir leben in unterschiedlichen sozioökonomischen Verhältnissen, in unterschiedlichen Familienkonstellationen in der Stadt oder auf dem Land. In unseren Familien kommen unterschiedlich viele Menschen mit verschiedenen Temperamentsdimensionen zusammen. Kurz: Familie ist nicht gleich Familie. Was in einer Familie richtig und stimmig sein kann, ist es in einer anderen vielleicht nicht.

Dass wir selbst Dinge anders machen als andere, spricht deswegen nicht gegen unsere Lebensweise, sondern wahrscheinlich sogar eher dafür: Wir nehmen wahr, was unsere Familie braucht, was wir geben können und gestalten daraus unseren Alltag. Je nach eigenen Themen und Erfahrungen mag es vielleicht sein, dass uns selbst das Begleiten der Wut des eigenen Kindes schwerfällt, während bei der anderen Familie, die wir neidvoll beim Umgang mit dem schreienden Kind beobachten, das Trösten und der Umgang mit Nähe vielleicht ein schwieriges Thema sind. Während wir uns fragen, warum es bei uns einfach nicht so wie anderen funktioniert, dass wir „nur mal eben bis 10 zählen und dann die Wut gut begleiten können“, haben wir vielleicht eine ganz andere Strategie, um uns selbst zu beruhigen – die auch ganz anders sein darf.

Statt Vergleichen: Inspiration holen

Das Vergleichen von Handlungen, Situationen und Ritualen anderer Familien kann sich negativ auf uns auswirken, wenn wir uns dann im Vergleich als mangelhaft wahrnehmen. Langfristig ist es sinnvoll, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass jede Familie auf sie angestimmte Familienrituale und Umgangsformen braucht und ein Vergleich nicht nur nicht sinnvoll, sondern aufgrund der so unterschiedlichen Situationen auch gar nicht machbar ist. „Jede Familie geht ihren eigenen Weg“ ist ein Mantra, das wir uns immer wieder aufsagen sollten. Hilfreich ist es hierfür auch, sich die Besonderheiten, Bedürfnisse und Rituale der eigenen Familie ganz bewusst vor Augen zu führen: Wer sind wir alle und was brauchen wir? Warum machen wir die Dinge so, wie wir sie machen? Ein ressourcenorientierter Blick lenkt uns auf unsere eigene Aktivität, auf unsere Fähigkeiten und Familienkompetenzen.

Mit einem positiven Blick auf uns selbst können wir dann dort Inspiration einholen, wo es für uns hilfreich ist, anstatt andere Wege als Druck zur Veränderung wahrzunehmen.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Spüren der Wut vor dem Ausbruch – Konflikte in der Familie ruhiger begleiten

Die meisten Eltern kennen wohl jene Situation: Das Kind tut etwas, das von den Erwachsenen nicht gewünscht ist. Auch wenn wir uns im Alltag vornehmen, auf eine bestimmte Art auf Konflikte zu reagieren, klappt das nicht immer. Manchmal scheinen wir „aus dem Nichts“ dann doch zu stark zu reagieren und schreien und schimpfen. Wir entschuldigen uns, es tut uns danach leid und wir nehmen uns fest vor, es beim nächsten Mal anders zu machen. Doch manchmal geht es wieder und wieder in eine andere als die vorgenommene Richtung. Eine Hilfe, um aus diesem wiederkehrenden Verhalten aussteigen zu können, kann sein, sich nicht nur beständig auf andere Konfliktlösungen zu fokussieren, sondern die Selbstwahrnehmung zu stärken: Was passiert mit mir gerade? Wie steigt die Wut in mir hoch und wie finde ich den Punkt zum Absprung?

Selbstwahrnehmung ist nicht einfach

Viele Eltern haben in der eigenen Kindheit keinen guten Zugang zur Selbstwahrnehmung ausbilden können, da die Eigenwahrnehmung durch Erziehungsmethoden an einigen Stellen unterdrückt wird: in Bezug auf die körperliche Selbstwahrnehmung („Geh mal auf Toilette, du musst bestimmt!“/alle Kinder gehen zu bestimmten Zeitpunkten auf Toilette, „Das tut doch nicht weh!“), aber auch in Bezug auf die emotionale Selbstwahrnehmung („Das ist nicht schlimm!“, „Da musst du nicht weinen!“, „Mädchen dürfen nicht so wütend sein!“). Diese fehlende Selbstwahrnehmung kann es uns heute schwer machen, ein gutes Gespür für sich und die eigenen Bedürfnisse zu haben. Wie fühlt es sich an, wenn ein Gefühl aufsteigt bevor es riesengroß ist, wie fühlt sich beispielsweise Empörung an, bevor sie zu einer großen Wut wird?

Gefühle wahrnehmen

Wenn wir uns vornehmen, in Konfliktsituationen anders reagieren zu wollen, ist es nur ein kleiner Aspekt dieses „anders“, dass wir uns überlegen, wie wir konkret reagieren wollen. Wesentlich ist es, unsere Selbstwahrnehmung zu verbessern, damit wir überhaupt anders reagieren können – nämlich bevor die Wut uns selbst überrollt. Es ist wichtig, in Konflikten in sich hineinzuspüren: Wie fühle ich mich? Was löst dieser Konflikt in mir aus? Wenn wir genau auf uns achten, können wir auch an unserer körperlichen Reaktion spüren, wie es uns geht: Schlägt das Herz schneller? Hat sich die Atmung verändert? Auf die eigenen körperlichen Reaktionen zu achten, kann ein guter Hinweisgeber für Gefühle sein. Durch die Aufmerksamkeit auf den eigenen kröperlichen Reaktionen fällt es uns auch leichter, im Hier und Jetzt zu bleiben.

Nächster Schritt: den Gefühlen auf den Grund gehen

Wenn wir ein Gespür für unsere Gefühle bekommen, können wir besser in Konfliktsituationen aussteigen: Wir spüren, dass wir schneller atmen, unser Herz klopft und merken dadurch, dass wir wirklich wütend werden. Jetzt können wir aus der Situation aussteigen und uns beruhigen: Tief in den Bauch atmen, erklären, dass man kurz hinaus muss,…

Im nächsten Schritt können wir dann betrachten, woher diese Gefühle eigentlich kommen, um dann zu lernen, dass es beispielsweise unsere Bewertung einer Situation sein kann, die uns wütend macht. Diese Bewertung speist sich vielleicht aus eigenen früheren Erfahrungen, aber im Jetzt und Hier ist es eine andere Situation, die nicht bedrohlich ist und wir deswegen vielleicht gar nicht mit Wut reagieren müssen. Wenn wir verstehen, woher das Gefühl kommt, woraus es sich entwickelt, mit welchem Bedürfnis es in Verbindung steht, können wir nochmals intensiver daran arbeiten, die Ursache für ausufernde Konfliktsituationen zu vermindern.

Dieses Hineinspüren und Erlernen der eigenen Wahrnehmung braucht Zeit. Es geht oft nicht von heute auf morgen, die Selbstwahrnehmung zu verbessern. Aber wir können bewusst damit anfangen, auch schon in Situationen jenseits der Wut: Lenken wir unser Augenmerk immer mal wieder bewusst auf uns und unsere Gefühle: Wie fühle ich mich jetzt gerade und woher kommt dieses Gefühl? Zu welchem Bedürfnis gehört mein Gefühl und wie kann ich dieses (und andere) im Alltag gut befriedigen?

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Deine Grenzen als Elternteil sind okay

Das Wort „Grenzen“ hat für viele Eltern einen negativen Beigeschmack. Gerade auch, weil es in der Vergangenheit oft mit negativen Erziehungsmethoden verbunden war: „Grenzen“ wurden in erster Linie auf das Kind bezogen, als Grenze um das Kind herum zu Erziehungsmaßnahmen, und nicht als Schutzraum betrachtet für Erwachsene und Kinder. „Grenze“ hieß: „Bis hierhin und nicht weiter, weil du das nicht darfst!“ statt „Dies ist dein persönlicher Sicherheits- und Wohlfühlbereich.“ Auch in Bezug auf das Wort „Grenzen“ ist es wichtig, welchen Blickwinkel wir darauf einnehmen, in welchen Bedeutungskontext wir es einsetzen.

Grenzen sind für Kinder und Erwachsene wichtig

Sowohl für Kinder, als auch für Eltern, sind Grenzen wichtig. Grenzen sollten und müssen für Kinder nicht willkürlich gesetzt werden, sie ergeben sich aus dem natürlichen Zusammenleben: Kinder stoßen an Grenzen in Bezug auf ihre Fähigkeiten, Dinge, soziale Systeme und eben auch andere Menschen. Interessant an den Grenzen anderer Menschen ist, dass sie sich von Mensch zu Mensch unterscheiden können – auch das lernen Kinder daher in der Auseinandersetzung mit anderen. Ein Glas, das auf den Steinboden fällt, geht nahezu immer kaputt. Das ist die dingliche Grenze. Bei Menschen sind Grenzen unterschiedlich: sie können sich mit der Zeit ändern, sind abhängig von Wohlbefinden und Stress, hängen mit der eigenen Vergangenheit, aber auch genetischen Bedingungen zusammen und werden unterschiedlich signalisiert. Was für eine Person in Ordnung sein kann (beispielsweise lautes Geschrei beim Spielen), kann für eine andere Person auf Dauer als Grenzüberschreitung wahrgenommen werden. Es ist nicht falsch, dass wir unterschiedliche Grenzen haben. Es gibt keine Basislinie im Sinne von „Das musst du aber ertragen als Elternteil.“ – Familien sind unterschiedlich und oft haben die in einer Familie zusammenkommenden Personen unterschiedliche Ausprägungen von Reizverarbeitung und Anpassungsfähigkeit. So machen Kinder in unterschiedlichen Familien unterschiedliche Erfahrungen, die sie mit prägen. Während in einer Familie Lautstärke vielleicht ein Thema ist, ist es in einer anderen körperliches Balgen oder andere Themen, bei denen es engere oder weitere Grenzen gibt.

Alternativen bei viel Rücksichtnahme

Oft haben Eltern einen negativen Blick auf die familiären Grenzen, die in ihrer Familie gelten. Sie sorgen sich vielleicht, dass das Kind bestimmte Erfahrungen nicht machen kann. Natürlich ist es wichtig, dass Eltern im Blick behalten, dass die Kinder nicht zu sehr eingeschränkt werden in ihrem Erkundungsverhalten und sie genügend Raum haben für Selbstwirksamkeit und Exploration, aber bewusst gesetzte Grenzen sind deswegen nicht gleich ein Entwicklungshemmnis. Vielleicht gibt es Orte, an denen die Kinder laut schreien können, wenn das zu Hause nicht so sehr gewünscht ist (beispielsweise bei Ausflügen in die Natur), vielleicht gibt es andere Bezugspersonen, mit denen sie wild toben können, wenn die Eltern eher körperlich sanft reagieren. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, an den Wochenenden Einzelaktivitäten mit Geschwisterkindern zu unternehmen, wenn unter der Woche viel Rücksicht genommen werden musste auf ein anderes Kind.

Gemeinsam Regeln festlegen

Regeln sind sinnvoll für soziale Gruppen, denn sie organisieren das Zusammenleben und setzen sich für die Bedürfnisse aller Personen ein. Mit unseren Kindern können wir über die Regeln und Grenzen in der Familie auch sprechen. Wenn wir erklären, warum uns eine bestimmte Regel/Grenze wichtig ist, können wir auch unsere Kinder fragen, was ihnen besonders wichtig ist und daraus ggf. weitere Familienregeln ableiten. Sie können auch gemeinsam festgehalten werden auf einen Papier oder Poster. Vielleicht ändern sie sich wieder im Laufe der Zeit, vielleicht begleiten uns einige über lange Zeit.

Wichtig ist, dass wir uns von einem negativen Blick auf Familienregeln lösen und ihren Wert und ihre Ressourcen erkennen für unser individuelles Zusammenleben. Es ist okay, dass du als erwachsene Person Grenzen hast – genauso wie wir unseren Kindern ihre Grenzen zugestehen und als wichtig erachten, dass sie lernen, für ihre Grenzen einzustehen.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Von „Nerv nicht!“ zu „Hilfe, ich bin genervt“

„Nerv nicht!“ – eine Aussage, die sich tief in das Selbstbild brennen kann, wenn sie sich immer wiederholt. „Nerv nicht“ bedeutet: „Deine Wünsche und Bedürfnisse sind mir zu viel oder falsch.“, „Was du jetzt brauchst oder willst, stufe ich als erwachsene Person als unwichtig ein.“, „Es gibt Wichtigeres als dich und deine Bedürfnisse.“, „Du belastest mich.“ Gerade für Kinder, die auf ihre Bezugspersonen als Schutz angewiesen sind, als sicheren Hafen, und in vielen Bereichen der Bedürfniserfüllung noch auf uns angewiesen sind, kann dies nachhaltig belastend sein. Es kann sich das Gefühl ausbreiten, unwichtig zu sein, nicht gehört zu werden, falsch zu sein.

Natürlich sind Eltern manchmal genervt

Ein „Nerv nicht!“ mag manchmal unserem tiefen Elternempfinden entspringen: Der Alltag ist voll mit Aufgaben und nicht immer ist Platz für die Bedürfnisse des Kindes. Und manchmal sind wir tatsächlich auch von der x-ten Nachfrage, ob dieses oder jenes noch gekauft oder getan werden kann in der schieren Menge des Vorsprechens des Kindes genervt. Wir müssen diese Gefühle nicht verbannen aus unseren Empfindungen. Im Gegenteil: es ist gut, wenn wir sie spüren, denn dadurch haben wir die Möglichkeit, festzustellen, dass wir gerade überlastet sind und können dann richtig reagieren, indem wir die Situation verändern.

Oft liegt die Ursache des Gefühls, vom Kind genervt zu sein, in einer generellen Überlastung: Wir haben nicht auch noch Energie für das laute, fordernde Kind nach einem ohnehin schon anstrengenden Tag oder während es uns gerade gesundheitlich vielleicht nicht gut geht. Das Kind fordert hingegen mit seinem Verhalten oft Bindung und Beziehung ein – was wir durch unseren Stress aber nicht mehr so feinfühlig wahrnehmen können: Durch Stress fällt es uns schwerer, „hinter das Verhalten“ des Kindes auf die Bedürfnisse zu blicken, die es zum Ausdruck bringen will.

Nervende Kinder – unerfüllte Bedürfnisse

Wenn Kinder beständig etwas einfordern, kann sich dahinter ein bestimmter dringender Wunsch verbergen. Oft aber ist es auch ein Bedürfnis nach Bindung und Beziehung: Immer und immer wieder kommt das Kind an diesem Tag wieder an und möchte nicht allein spielen, sondern nur mit einem Elternteil. Das heute ständig wütende Kind ist eigentlich traurig, weil es von den Freunden im Spiel ausgeschlossen wurde und kann das aber noch nicht gut verbalisieren. Das Kind, das den ganzen Tag auf alle Vorschläge nur maulig reagiert, ist eigentlich erschöpft vom Kindergarten, in dem heute alles durcheinander war, weil ein Erzieher fehlte.

Alternativen zu „Nerv nicht!“

Es kann viele Gründe geben, warum wir uns genervt fühlen. Und es kann viele verschiedene Gründe dafür geben, dass das Kind heute oder auch mal über einige Tage hinweg ein ungewohntes, für uns anstrengendes Verhalten zeigt. Wichtig ist, dass wir als erwachsene Bezugspersonen damit erwachsen umgehen und das Genervtsein nicht ungefiltert an das Kind weiter geben.

Diese Belastung ist für kleine Schultern zu groß. Ja, Rücksichtnahme ist wichtig, auch Kinder müssen das im Laufe der Zeit lernen. Aber auf andere Weise, als durch harte Worte, die das Innere verletzen. Zum Beispiel, indem wir unser Bedürfnis klar kommunizieren und eine Lösung anbieten: „Ich hab heute keine Nerven mehr. Komm, wir machen es uns ganz gemütlich auf dem Sofa.“ oder „Ich hab heute keine Nerven mehr, komm wir gehen in den Wald spazieren und du kannst dich da richtig austoben.“ Wir vermitteln eine andere Botschaft an das Kind, wenn wir erklären, dass wir selbst keine Nerven mehr haben, gestresst und/oder müde sind, als wenn wir sprachlich dem Kind die Schuld daran zuweisen.

Dauert das Gefühl des Genervtseins länger an, sollten sich Eltern Unterstützung holen: in Form einer Beratung, um mit professioneller Hilfe auf das Verhalten des Kindes zu blicken und/oder in Form von Unterstützung im Alltag, um den Stress zu reduzieren.

Das unangenehme Gefühl, zur Last zu fallen, haben viele Erwachsene in sich eingespeichert und es kann deswegen schwer fallen, Hilfen in Anspruch zu nehmen. Umso wichtiger ist es, den Kreislauf zu durchbrechen und es nicht weiterzugeben.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Elterlicher Stress als Einflussfaktor auf Erziehung

Theoretisch wissen es Eltern: Eine sichere Bindungsbeziehung für Kinder ist von Vorteil für die kindliche Entwicklung. Sie kann das Fundament bilden für ein gutes Selbstwertgefühl, kann die Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen erhöhen und sich auf das Eingehen zukünftiger Beziehungen positiv auswirken. Natürlich können wir unsere Kinder nicht vor allen äußeren Einflüssen schützen, aber eine sichere Bindungsbeziehung kann ihnen helfen, mit widrigen Einflüssen besser umgehen zu können.

Viele Eltern sind deswegen darum bemüht, mit ihren Kindern genau darauf hinzuwirken. Sie lesen Bücher und Blogs, nehmen an Kursen teil und arbeiten eigene Kindheitserfahrungen auf, die das Verhalten gegenüber den eigenen Kindern noch heute prägen. Manchmal ist es schwer, die geprägten inneren Bilder über die Beziehung zwischen Eltern und Kind zu überwinden und neue, moderne Wege zu gehen. Gerade dann, wenn die eigene Kindheit durch psychische und/oder körperliche Gewalt besonders geprägt war, kann es eine große Herausforderung sein, diese inneren Bilder und besonders in Konfliktsituationen auftretenden Handlungsimpulse zu überwinden. Der Weg zu einer gewaltfreien Kindheit ist nicht immer einfach und vor allem höchst unterschiedlich herausfordernd: Eltern haben einen unterschiedlich schweren Rucksack auf dem Weg der Begleitung von Kindern zu tragen.

Auswirkungen von Stress auf unser Verhalten

Neben diesen individuellen Erfahrungen, die uns die Begleitung von Kindern erschweren können, gibt es jedoch zusätzlich erschwerende Rahmenbedingungen für die bedürfnisorientierte Begleitung von Kindern, die auf nahezu alle Eltern einwirken und jene, die ohnehin schon größere Herausforderungen ausgesetzt sind, zusätzlich belasten: Stress.

Stress wirkt sich auf unsere Feinfühligkeit aus, die eine wichtige Voraussetzung für das Begleiten von Kindern ist: Für sichere Bindungsbeziehungen müssen wir die Signale des Kindes wahrnehmen können, richtig interpretieren und dann passend beantworten. Natürlich können wir nicht immer auf alle Bedürfnisse des Kindes prompt und angemessen reagieren, aber in der Mehrheit der Fälle sollte das möglich sein, so dass das Kind verinnerlicht, dass es mit seinen Bedürfnissen gut bei uns aufgehoben ist und wir es sicher versorgen. Das, was viele Eltern als „intuitives Umsorgen“ bezeichnen oder „Bauchgefühl“ – das intuitiv richtige Eingehen auf das Kind – kann sowohl durch die oben genannten negativen eigenen Erfahrungen als auch durch Stress überdeckt werden.

Gerade sozioökonomisch schwierige Situationen von Familien können den Stress erhöhen und sich damit negativ auf die Eltern-Kind-Interaktion auswirken. Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt beispielsweise, dass sich ein einer sozioökonomisch belasteten Stichprobe von Müttern mit Kindern eine geringere Feinfühligkeit und kindliche Kooperation zeigt. Eine andere Studie aus 2007 zeigt beispielsweise, dass emotionale Wärme und Zuneigung der Eltern tendenziell mit zunehmender Geschwisteranzahl sinkt, wahrscheinlich durch größere Belastungen und mehr Stress.

Gerade die Mental Load Debatte der vergangenen Jahre hat auch gezeigt, dass es gerade Mütter sind, die besonders viel Alltagsstress und Last tragen müssen: Durch das Mutterbild gibt es einen hohen Erwartungsdruck an die Begleitung der Kinder, dabei sind sie sowohl dem Gender-Pay-Gap, als auch Gender-Care-Gap und Gender-Renten-Gap ausgesetzt und als häufig in Teilzeitverhältnissen beschäftigten Personen auch unter Zeitdruck zwischen Erwerbs- und Fürsorgearbeit.

“Es ist, mit etwas Abstand betrachtet, ganz schön unfair, dass oft die Mutter-Kind-Beziehung darunter leiden muss, dass wir als Mütter so aufgeladen sind mit Erwartungen und Aufgaben.”

Susanne Mierau „New Moms for Rebel Girls“

Stress ist also ein ganz wichtiger Einflussfaktor auf unser Verhalten. Oft ist es das (aus Sicht des Kindes normale, kindliche) Verhalten, das unser durch den Alltag aufgefülltes Stressfass zum Überlaufen bringt: Nach einem ohnehin stressigen Tag verkippt das Kind am Tisch den Tee abends. Wären wir ausgeglichen nach einem ruhigen Tag würden wir vielleicht viel besonnenen reagieren als wenn wir ohnehin angespannt sind und in dem verkippten Tee nur noch eine weitere Tätigkeit sehen, um die wir uns kümmern müssen und ärgerlich werden.

Es sind nicht immer „nur“ die Eltern Schuld

In Familien kommen Menschen mit unterschiedlichen Temperamenten zusammen. Unsere Kinder kommen schon mit unterschiedlich ausgeprägten Temperamentsdimensionen zu uns und manche Kinder sind ruhiger, andere aufgeweckter, manche aggressiver, manche zurückhaltender. Kinder sind keine Tongefäße, die wir formen können. Und auch Eltern bringen unterschiedliche Temperamente und verschiedene eigene Erfahrungen mit in das Familienleben, die ihr Handeln leiten und mehr oder weniger Unterstützung und/oder Bearbeitung für ein bedürfnisorientiertes Zusammenleben benötigen. Zu diesen vielen schon feststehenden Faktoren kommt als großer Einflussfaktor dann noch der Stress unserer Zeit hinzu, der sich auf die Feinfühligkeit auswirkt, auf unsere persönlichen Ressourcen und überhaupt die Möglichkeit, Zeit zu haben, um Hilfen in Anspruch nehmen zu können und Zugang zu ihnen zu haben.

Es liegt nicht nur alles in den Händen der Eltern. In den vergangenen Jahren haben wir zuerst daran gearbeitet, das Bild davon zu verändern, was Kinder brauchen und die Bedeutung der sicheren Bindung in den Vordergrund zu rücken. Danach kam die Bedeutung der Selbstfürsorge von Eltern verstärkt in den Blick. Nun müssen wir, für ein gesundes Aufwachsen der Kinder, ganz besonders auch die allgemeinen Rahmenbedingungen zu den anderen Punkten noch hinzunehmen. Nicht alle Stressfaktoren liegen im Rahmen persönlichen Handlungsspielraums und können von Eltern selbst verändert werden.

Eltern sind darauf angewiesen, dass sie gute Rahmenbedingungen geboten bekommen, in denen sie ihre Kinder begleiten können. Dies bezieht sich sowohl auf finanzielle Rahmenbedingungen, als auch Zugang und Vorhandensein von Hilfs- und Beratungsangeboten, aber auch auf allgemeine Rahmenbedingungen wie Arbeitszeiten, Druck durch Arbeitgeber*innen, Freizeit- und Entspannungsmöglichkeiten, Angst vor Altersarmut, die wieder den Arbeitsstress erhöht etc. Die Gesellschaft trägt einen wesentlichen Anteil daran, wie es Eltern heute geht und damit, wie sie ihre Kinder überhaupt begleiten können.

Gerade in der Pandemie und in Bezug auf Gewaltschutz, Resilienz, Stärkung von Kindern in dieser Zeit und Unterstützung von Familien müsste mehr in den Blick genommen werden, wie wichtig die Stressentlastung für Familien eigentlich ist.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgenwachsen.de

Vorsicht, was du sagst! – Wie wir vor unseren Kindern über sie reden

„Ach, er ist immer so tollpatschig!“, „Schau mal, wie sie miteinander spielen, sie ist ja immer so süß!“, „Und letztens, also da hat er sich wieder angestellt beim Anziehen. So ein cholerisches Kind!“ – Wir kennen sie, die Spielplatzgespräche von Eltern untereinander. Ein bisschen was vom Alltag teilen, ein bisschen etwas von der Anspannung und dem Stress teilen. Ein bisschen Austausch und manchmal in der Kürze auch ein wenig überzogen. Woran wir in diesen – und anderen – Situationen manchmal nicht denken, sind die Kinder, sie sich in Hörweite befinden.

Ob nun im Gespräch auf dem Spielplatz, bei einer Familienfeier oder vor sich hingenuschelt im Alltag ohne anderes erwachsenes Gegenüber: Schnell kommen uns Worte über unsere Kinder über die Lippen. Besonders zu beachten sind natürlich die negativen Beschreibungen, die wir über unsere Kinder abgeben, aber auch vermeintlich positive Kommentare können eine störende Wirkung auf unsere Kinder haben.

Sie verstehen mehr, als wir denken

Schon viel früher, als wir manchmal annehmen, bildet sich das sprachliche Verstehen aus: Unsere Kinder verstehen früher Worte, als sie sie selbst produzieren. Und damit nehmen sie auf, was wir erzählen. Und sie hören es nicht nur, sondern bilden über das, was wir sagen, ein Bild von sich selbst aus. Wenn wir sie immer wieder in einer bestimmten Weise beschreiben, prägt sich das in ihr Selbstbild ein. Sie bilden das Bild von sich auch über die Art und Weise, wie wir sie spiegeln: Wer immer nur süß oder wild oder anstrengend ist in den Augen anderer, nimmt dies in das Bild über sich selbst auf. Und auch wenn „süß“ im ersten Moment lieb klingt, ist es anstrengend, wenn andere das von einem erwarten und man dies als Selbstkonzept übernehmen muss.

Ein positives Selbstbild nicht behindern

Was wir also tun können, um positive Selbstbilder in unseren Kindern zu ermöglichen? Wählen wir die Worte, die wir über unsere Kinder sagen, mit Bedacht. Gerade dann, wenn sie in der Nähe sind und auch dann, wenn sie selbst noch nicht sprechen. Erklären wir auch anderen, dass unser Kind mehr versteht, als wir vielleicht denken und vermitteln wir, dass es wichtig ist, respektvoll mit Kindern und über Kinder zu sprechen. Und wenn wir wirklich – und auch das ist als Elternteil völlig legitim – über unsere Kinder in drastischen Worten reden wollen mit guten Freund*innen, dann tun wir das doch lieber, wenn sie wirklich nicht in der Nähe sind.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgenwachsen.de