Kategorie: BLW

Baby-Led Weaning

Baby-led Weaning aus ernährungswissenschaftlicher Sicht

Wie haben unsere Vorfahren ihre Babys ernährt? Sicherlich hatten die Menschen in der Steinzeit keinen Pürierstab, mit dem sie einen Süßkartoffel-Broccoli-Hähnchenbrei gezaubert haben. Für Babys gab es oftmals Getreidebrei oder sie wurden über Jahre gestillt, bis sie die feste Nahrung essen konnten. In den letzten Jahren ist das BLW in unseren Breitengraden durch die Hebamme Gill Rapley bekannt und populär geworden. Sie betont, dass diese Art und Weise der Beikost nicht neu sei, sondern seit Jahrhunderten auf der ganzen Welt praktiziert werde. Darüber hinaus profitiere die ganze Familie davon, weil durch die breifreie Ernährung für das Baby selbstbestimmtes Essen ohne Druck und Zwang möglich sei.

Welcher Leitgedanke steckt hinter dem Begriff BLW?

Das Baby-led Weaning, kurz die Baby- geführte Entwöhnung von der Muttermilch, ist eine Form der Beikost, bei der das Baby den Übergang von der Milch zur festen Nahrung selbst steuert. Zusätzlich zur Muttermilch tastet es sich im wörtlichen Sinne spielerisch an feste Nahrung heran. Dabei steht anfangs nicht im Vordergrund, WAS genau und WIEVIEL dein Baby isst, sondern vielmehr, dass die kleinen Wesen die Möglichkeit bekommen, selbstbestimmt in ihrem eigenen Tempo Lebensmittel zu erkunden. Langsam tastet sich dein Baby mit allen Sinnen an das Essen heran. Die Energie und Nährstoffe erhält es anfangs eher über die Mutter- bzw. Säuglingsmilch. 

Was ist der wesentliche Unterschied im Vergleich zur landesüblichen Breikost? Statt Breifütterungen gibst du deinem Baby Fingerfood. So werden Löffel und stetiges Anreichen der Mahlzeiten überflüssig. Wir als Eltern bieten die Mahlzeiten an und die Kinder bestimmen ganz individuell, was sie essen möchten. Es wird davon ausgegangen, dass Babys intuitiv das Essen auswählen, was sie für ihre Entwicklung brauchen. Wir als Eltern geben ihnen die Möglichkeit zu entscheiden WAS, WIEVIEL und in WELCHER GESCHWINDIGKEIT sie essen wollen. Deshalb ist die Zusammensetzung der breifreien Babyernährung schwer mess- und vergleichbar mit der landesüblichen Breikost. 

Wie sieht die Praxis des BLW aus?

Kurz gesagt, isst du beim BLW zur gleichen Zeit, am selben Tisch mit deinem Baby das gleiche Essen. Wie lässt sich die breifreie Alternative zur Babyernährung grob in 6 Punkten beschreiben?

  1. Es ist ein Baby-gesteuertes Konzept zur Beikosteinführung
  2. Es gibt Fingerfood statt Brei
  3. Du servierst Familiengerichte
  4. Die Hauptenergie bezieht dein Baby anfangs durch das Stillen
  5. Gestillt wird zwischen den Mahlzeiten
  6. Du entscheidest, was du deinem Baby anbietest, denn es gibt keinen vorgegebenen Speiseplan

BLW – nur ein Trend oder eine tatsächliche Alternative zum Brei?

Immer mehr Familien hierzulande entscheiden sich für die breifreie Babyernährung, wobei sich beide Konzepte – also Brei und Fingerfood, auch gut kombinieren lassen. Du musst dich nicht für die eine oder andere Variante endscheiden! Wenn du dir nicht sicher bist, welcher Weg für eure Familie der passende ist, könnt ihr euch Rat bei eurer Hebamme, Kinderärzt*in suchen oder mit Ernährungsfachkräften darüber reden.

  • Sofern du die Reifezeichen deines Babys berücksichtigst,
  • abwechslungsreiches Essen anbietest,
  • gezielt dem Verschlucken vorbeugst,
  • und die regulären ärztlichen Kontrollen wahrnimmst,
  • kannst du das BLW gut umsetzen.

Pauschal gibt es auch aus dem Blickwinkel der Ernährungswissenschaften keine festgefahrenen Empfehlungen zur „optimalen“ Beikostmethode, weil vergleichende Langzeitanalysen fehlen. Der Vorteil der Breiernährung liegt darin, dass die Rezepturen auf den Nährstoffbedarf deines Babys abgestimmt sind. Für die Nährstoffe Fluorid, Jod, Vitamin D und K (Nährstoffe, die auch bei der Breiernährung zu kurz kommen) gibt es deshalb Empfehlung zur Nahrungsergänzung. Welche Nährstoffe beim BLW kritisch werden können, ist noch nicht hinreichend erforscht.

Was sind die diskutierten Vor- und Nachteile?

Vorteile

  • Das BLW kann einen positiven Einfluss auf die Hunger- und Sättigungs-Regulation haben.
  • Die motorischen Fähigkeiten des Babys werden geschult.
  • Der Beziehungsaufbau und Interaktion zwischen Eltern und Kind wird durch gemeinsame Mahlzeiten gefördert.
  • Ein abwechslungsreicher Speiseplan ist durch eine Vielfalt von Geschmack und Konsistenz möglich.
  • Es bietet für Eltern den Anreiz, sich gesünder zu ernähren.
  • Baby- und Familienmahlzeiten werden gemeinsam gestaltet.

Nachteile

  • Möglicherweise ist die Gefahr des Verschluckens höher.
  • Tendenziell ist die Versorgung mit Eisen geringer.
  • Die Gefahr des zu hohen Salzkonsums besteht, sofern Eltern die Speisen nicht explizit salzfrei gestalten.
  • Es bestehen höhere Tendenzen zur Energieunterversorgung, aber auch nährstoffreiche Gerichte sind beim BLW schwieriger umzusetzen.
  • Babygerechte Fingerfoodgerichte sind aufwändiger zuzubereiten.

Wie du siehst, bringt das BLW viele Vorteile, aber auch einige Risiken mit sich. Was sagen unsere Fachgesellschaften dazu? Die Mehrheit der Expert*innen und auch die Vereinigung nennenswerter Fachgesellschaften von Hebammen, Ärzt*innen und Ernährungsfachkräften (Netzwerk „Gesund ins Leben“) sprechen kein eindeutiges „Ja“ zum BLW aus, weil sie fürchten, dass sich die kleinen Wesen an den groben Stücken verschlucken können, und weil sie das Risiko für einen Nährstoffmangel als potenzielle Gefahr sehen. Schließlich wählt im Gegensatz zur Breikost das Baby frei, was es essen möchte und was nicht. Andererseits sind die genannten Risiken nicht eindeutig wissenschaftlich belegt. Die Forschungslage steckt hier im wahrsten Sinne des Wortes noch in den Kinderschuhen. Derzeit beschreiben jüngste Fachartikel, wie du die Sicherheit erhöhen und das Risiko für einen Nährstoffmangel reduzieren kannst:

Wie die Sicherheit erhöhen?

  • Beachte die Reifezeichen deines Kindes: Ist es nach 6 Monaten wirklich bereit dafür?
  • Tagesstruktur: Versuche extreme Müdigkeit oder extremen Hunger vor der Mahlzeit zu verhindern!
  • Erhöhe die Sicherheit: lass dein Baby nie allein beim Essen, sorge für eine aufrechte Sitzposition und dass die Hände frei sind.
  • Biete das Essen in einer babygerechten Konsistenz an: Nicht nur an harten, runden Lebensmitteln, sondern auch an Schalen kann sich ein Kind verschlucken!

Was kommt beim Baby-led Weaning konkret auf den Teller? Was tun, um einen Nährstoffmangel zu verhindern?

  1. Die Grundlage bildet eine abwechslungsreiche Kost:
    Nutze die Vielfalt der Lebensmittel in Bezug auf Farben, Konsistenzen und Formen. Das heißt, du kannst nicht nur die Lebensmittel austauschen, sondern auch gleiches Essen in einer anderen Zubereitungsart (z. B. als Bratling) anbieten!
  2. Biete 3 bis 4 verschiedene Lebensmittel und jeweils 1 Stück von jedem auf dem Teller an. Es kann immer nachgenommen werden!
  1. Stelle mindestens ein energiereiches Lebensmittel (z.B. Brot mit Margarine) mit mindestens einem eisenreichen Lebensmittel (z. B. Bratenaufschnitt/Linsen-Aufstrich) pro Mahlzeit zusammen!
  2. Beobachtungen: Lasse die Entwicklung des Kindes ärztlich langfristig beobachten,
    u. a. auch, ob eine Nahrungsergänzung (z. B. mit Eisen) erforderlich ist?

Beispiele für BLW

Mahlzeiten-Ideen:

  • Eieromelette, z.B. mit Spinatfüllung
  • Pizza oder Flammkuchen mit Gemüse belegt
  • Risottobällchen mit Gemüse und Fisch
  • Lasagnemuffins
  • Ofengemüse + Ofenkartoffeln
  • eingerollte gefüllte Pfannkuchen
  • Gemüsebratlinge/ Frikadellen
  • Maiskölbchen/ Hähnchenkeule zum Abnagen

Snack-Ideen:

  • Grießschnitte
  • Bananenbrot
  • Brot- und Käsestreifen
  • Obststücke mit Nussmus
  • süße oder herzhafte Waffeln
  • süße oder herzhafte Muffins
  • Brokkoliröschen, Nektarinen- oder Avocadospalten
  • Gemüse/ Getreidestangen (z.B. Dinkelstangen) mit Dip
  • Maiswaffel mit pflanzlichem Aufstrich

Fazit

Das BLW kannst du alternativ zur Breikost oder zusätzlich praktizieren. Ansonsten ist es eine gute Ausweichmöglichkeit, wenn dein Baby das pürierte Essen verweigert. Mit 8 Monaten wird für Breibabys ohnehin empfohlen, Fingerfood anzubieten. So kannst du die breifreie Methode auch nutzen, um den Übergang zur Familienkost zu gestalten, sofern du Lebensmittel gezielt auswählst, Maßnahmen vornimmst und dem Verschlucken vorbeugst. Für die konkrete wissenschaftlich fundierte Bewertung des BLW sind allerdings noch Langzeitanalysen erforderlich.

Zur Autorin:
Nyara T. Gehringhoff ist Ernährungswissenschaftlerin (M. Sc.), arbeitet in einer ernährungsmedizinischen Abteilung im Krankenhaus und berät Familien rund um das Thema Ernährung. Für ihr Studium hat sie ein Stipendium der „Begabtenförderung Berufliche Bildung“ des Bundesministerium für Bildung und Forschung erhalten. 2014 hat sie den Wissenschaftspreis beim internationalen Kongress der DGEM (Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin erhalten. Mehr über ihre Arbeit erfährst du auf ihrem Blog nyarasfamilyfood.de und in ihrem Instagramkanal.

Hilfe, mein Kind will nicht essen!

Wohl nahezu alle Eltern kennen diese Phasen mit Kindern, wenn das Kind auf einmal nicht essen möchte: Das Essen steht auf dem Tisch, aber das Kind möchte einfach nichts davon haben. Manchmal erstreckt sich dieses Verhalten auf einen oder wenige Tage, manchmal über Wochen und manche Kinder sind von sich aus wählerischer und eingeschränkter in der Auswahl als andere Kinder*.

In der Kleinkindzeit haben viele Kinder eine Skepsis gegenüber einigen Nahrungsmitteln und besonders neue Speisen werden erst einmal abgelehnt. Angenommen wird besonders, was bekannt ist. Und es benötigt eines immer wieder freundlichen Anbietens dieser Speise bis sie dann doch ausprobiert wird. Manchmal ist es auch die Konsistenz und was als Brei nicht probiert wird, funktioniert stückig besser oder schmeckt in einer Sosse verkocht oder in einem Smoothie verarbeitet viel besser als pur.

Was wir vermeiden sollten, wenn unser Kind nicht essen möchte

Wenn unser Kind weniger isst oder Essen ablehnt, sollten wir bei gesunden, normal entwickelten Kindern* nicht sofort in Angst verfallen, die uns zu übergriffigen Verhalten und Druck verleitet. Für viele Eltern ist die Ernährung – oft auch durch eigene Kindheitsthemen belastet – ein schwieriges Thema und bei kleinen Abweichungen von der Norm geraten sie schnell in Sorge. Diese Sorge und die eigenen negativen Ernährungserfahrungen führen dazu, dass gerade beim Essen schnell Druck aufgebaut wird, um das Kind wieder zum Essen anzuhalten.

Auch wenn wir als Eltern gut informiert sind über Nahrungsmittel, Inhaltsstoffe und gesunde Ernährung, erwarten wir von unseren kleinen Kindern zu viel, wenn wir denken, dass diese abstrakten Informationen sie davon überzeugen würden, jetzt das grüne Gemüse doch freudig zu essen. Vorträge über gesunde Ernährung am Esstisch sind deswegen keine zielführende Idee. Größere Schulkinder hingegen können sich mit dem Thema Ernährung kreativ beschäftigen und lernen in der Regel auch in der Schule noch einmal, auf die Bestandteile gesunder Ernährung zu achten.

Auch Bewertungen wie „gute*r“ oder „schlechte*r“ Esser*in oder Kategoriesierungen von „gesunder“ vs. „ungesunder“ Ernährung sind oft nicht zielführend, da sie einerseits für das kleine Kind zu abstrakt sind und die eigene Ernährung in Vergleich zu anderen Menschen setzen, vielleicht sogar in eine Art Wettbewerb und das Konzept von „gesund“ und „ungesund“ anhand einzelner Lebensmittel ungünstig ist, da nicht das Nahrungsmittel an sich, sondern die Menge oft den entscheidenden Faktor ausmacht und Kinder langfristig lernen sollten, nicht bestimmte Nahrungsmittel per se aus Angst zu vermeiden, sondern sinnvoll und kritisch damit umzugehen.

Auch Schulgefühle sollten wir nicht aufbauen, um das Kind zum Essen zu überreden: „Aber ich habe mir so viel Mühe gegeben beim Kochen….“ oder „Jetzt bin ich ganz traurig, weil du wieder nichts isst!“. Auch Bestrafungen/Belohnungen werden oft genutzt, um das Kind zum Essen zu überreden: „Wenn du das nicht isst, dann gibt es auch nachher kein Eis!“ – Süßigkeiten können, wenn eine Familie sich dafür entscheidet, ganz normal in den Alltag integriert werden, müssen aber nicht in Zusammenhang mit den Hauptmahlzeiten stehen und nicht als Belohnung oder Bestrafung genutzt werden. Natürlich werden Kinder von einem Pudding nicht unbedingt satt – Müssen wir ihn deswegen als Nachtisch anbieten oder macht es nicht mehr Sinn, den Pudding lieber losgelöst vom Mittagessen anzubieten?

Was wir tun können

Was wir stattdessen machen können? Ruhig bleiben, uns das Essverhalten des Kindes über einen längeren Zeitraum genauer ansehen. Manchmal verändert sich unser Blick bereits, wenn wir wirklich einmal aufschreiben, was das Kind den ganzen Tag über isst. Manchmal sehen Eltern dann, dass es so viele kleine Mahlzeiten sind (hier eine Maiswaffel, da ein Apfel und noch eine Banane,…), dass das Kind zu den Hauptmahlzeiten wenig Hunger hat. Auch unser eigenes Essverhalten kann dabei in den Blick geraten: Wer isst hier eigentlich wie und was und wann? Auch hier gilt: Wir sind Vorbild im Alltag für unsere Kinder.

Wir können unseren Blick mehr auf Bedürfnisse, Wünsche und Signale wenden und mit dem Kind erkunden, wann es hungrig ist und wann nicht und warum das so ist.  Wie fühlt sich Hunger und Sättigung an?

Zudem können wir über die aktuelle Situation und Entwicklung des Kindes nachdenken: Was macht es gerade besonders gerne? Bewegt es sich weniger? Hat es vielleicht Streit mit Freund*innen? Bekommt es Zähne und das Essen schmerzt?

Vor allem sollten wir den Druck heraus nehmen aus den Esssituationen: Essen sollte Spaß machen, ein soziales Miteinander sein, Genuss sein und so auch zelebriert werden – von allen Anwesenden. Das ist nicht immer einfach und im Laufe der Jahre gibt es immer wieder Situationen, die am Esstisch auch schwierig sind. Aber wenn wir diesen Herausforderungen als Eltern mit Entspannung und Wohlwollen begegnen, geben wir unseren Kindern ein großes Geschenk mit.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

*Bei Kindern mit Gedeihstörungen, Erkrankungen etc. oder bei Kindern, die in der Entwicklung verzögert sind, sowie bei Kindern, die neben einem Appetitverlust an anderen Symptomen leiden, ist eine ärztliche Beratung angezeigt. Auch wenn Eltern ein nicht näher definierbares ungutes Gefühl haben in Bezug auf die Ernährung ist eine ärztliche Abklärung und Unterstützung sinnvoll. Eine Ernährungsberatung durch Fachpersonen kann in jenen Fällen bei sehr eingeschränktem Essverhalten und/oder Mangelernährung eine hilfreiche Unterstützung sein. Dieser Artikel bezieht sich auf Kinder, die zwischenzeitlich Nahrung ablehnen und nicht unter einer Erkrankung/Mangelernährung/Gedeihstörung leiden.

Die Atmosphäre am Familientisch

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Gerade bei unseren Kindern sehen wir, wie wichtig die gesamte Atmosphäre am Esstisch und rund um die Nahrungsmittel ist, damit dieses Alltagsritual entspannt und bedürfnisorientiert ablaufen kann. Dies bezieht sich nicht nur auf die Familienmahlzeiten größerer Kinder, sondern hat seine Bedeutung von Anfang an, wenn schon kleine Babys mit am Tisch sitzen oder liegen und später mit dem Probieren der Beikost beginnen. Eine entspannte Atmosphäre ohne Druck, Zwang, die Selbständigkeit und Teilhabe ermöglicht, ist ein wesentlicher Baustein der Ernährung.

Freude am Essen von Anfang an Erleben

Schon das Baby beobachtet uns bei den Mahlzeiten: Es nimmt wahr, ob wir entspannt und ruhig mit Genuss essen oder hektisch. Auch durch unser Vorbild entwickelt sich beim Kind nach und nach ein Interesse an den Nahrungsmitteln, die das Kind bei uns sieht. Dieses Interesse an Nahrungsmitteln wird später zu einem der Beikostreifezeichen unter mehreren. Noch bevor es selbst die erste Beikost zu sich nimmt, lernt es am Familientisch schon von der Atmosphäre etwas über Nahrungsaufnahme. Es ist gut, wenn Kinder diesen Ort der Nahrungsaufnahme von Anfang an kennen lernen, das Ritual des Essens erleben und später dann, wenn sie selber richtig am Tisch sitzen, diesen Ort ganz selbstverständlich mit dem gemeinsamen Essen verbinden.

Die Fürsorge für uns, uns selbst eine gute Mahlzeit zuzubereiten und entspannt zu essen, wird so auch zum Vorbild für das Kind. Ernährung ist eines unserer Grundbedürfnisse, das wir auch mit kleinem Baby nicht vernachlässigen sollten – auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, viele Dinge im Alltag wären gerade jetzt wichtiger. Aber wie auch der Schlaf ist eine regelmäßige und gesunde Ernährung für Eltern wichtig, um auch dem oft trubeligen Babyalltag entspannter begegnen zu können.

Beikost entspannt gestalten

Viele Eltern fiebern dem Beikostbeginn aufgeregt entgegen – um dann festzustellen, dass es gar nicht so aufregend ist, weil viele Babys anfangs nur sehr wenig der angebotenen Beikost zu sich nehmen und viel weniger daran interessiert sind, als die Eltern es vielleicht erwartet haben. Schließlich ist es genau das, was der Name auch besagt: Bei-Kost. Wichtig ist – trotz aller Gläschenmengenangaben – sich dies immer wieder vor Augen zu führen und entspannt zu bleiben. Denn das Kind sollte die ersten (und auch zweiten, dritten,…) Erfahrungen mit der Beikost so ruhig und entspannt machen können, dass die Freude an diesem Spiel erhalten bleibt. Noch lange Zeit versteht das Baby dieses Essen nämlich besonders als Spiel: Es weiß noch nicht, dass es auch so gesättigt wird und probiert Gerüche, Geschmäcker und Konsistenzen aus. Es lernt, Nahrungsmittel im Mund zu bewegen, den Speisebrei mit Speichel zu durchmischen für eine bessere Verdauung. Nebenher lernt es am Familientisch neue Worte für Farben, Lebensmittel und Teller etc., die das Essen begleiten. Es ist eine aufregende, neue Zeit voller Eindrücke, die verarbeitet werden wollen.

Vertrauen und Stressreduktion für entspannte Mahlzeiten

Was in dieser Zeit für eine entspannte und anregungsreiche Atmosphäre am Tisch wichtig ist: Vertrauen und Entspannung der Eltern. Beikosteinführung braucht Zeit und es gibt immer wieder mal Rückschritte und Kinder essen weniger oder nur bestimmte Nahrungsmittel. Manchmal sind Kinder mäklig, manchmal essen sie mehr. Begegnen wir diesen Wellen der neuen Ernährung mit Nachsicht, üben wir keinen Druck aus mit einem Zwang zu Probierhäppchen, Nachtischverweigerung oder anderen Übergriffen in die Selbstbestimmung des Kindes. Akzeptieren wir ein Wegdrehen oder Kopfschütteln als Zeichen und setzen wir es in Sprache um: „Du schüttelst den Kopf, du magst nicht mehr essen.“ Hier lernen Kinder, ihren Körper und seine Signale zu verstehen und angemessen zu reagieren. Übergehen wir diese Signale nicht, sondern lassen wir den Kindern auch diesen Erfahrungs- und Lernraum.

Und noch ein anderer Faktor ist wichtig für diese Zeit: So wenig Zubereitungs- und Aufräumstress wie möglich. Natürlich frustriert es Eltern, wenn das sorgsam zubereitete Mahl nicht angerührt wird. Oder wenn das Essen vor lauter Freude am Fühlen in die Tischplatte einmassiert wird oder die noch ungeschickten Hände mehr fallen lassen, als in den Mund stecken. Diesem Stress können wir begegnen, indem wir unsere Erwartungen nicht zu hoch ansetzen und keine schwierigen Mahlzeiten kreieren, sondern einfach etwas unserer gedünsteten Familienkost für das Kind abzweigen und entweder zu Brei pürieren oder in handlichen Stücken anbieten – so bleiben der Zubereitungsaufwand und auch die Kosten gering.

Begegnen wir unserem Kind respektvoll, übergehen wir die Grenzen des Kindes nicht aus Angst, das Kind würde zu wenig essen. Und auch nicht die Angst, das Kind könnte zu viel essen: Lassen wir das Kind die Signale geben, wann es wieviel aus einem gesunden Nahrungsangebot auswählen möchte. Reflektieren wir unsere Ängste und ihre Ursprünge, wenn wir sie spüren. So können wir eine entspannte Atmosphäre am Familientisch schaffen, die die Basis legt für viele weitere Jahre.

Eure

Vertrauen ist die wichtigste Zutat im Familienessen – von der Beikost bis zum Familientisch

Ich erinnere mich noch gut daran, wie kompliziert der Gedanke an die Beikost bei meinem ersten Kind war. Damals gab es noch feste Richtlinien, was wann als Beikost eingeführt werden sollte. Zusammen sahen wir als Paar dem aufregenden Termin des 6. Monats entgegen, kauften ein kleines Holzschüsselchen, einen kleinen Holzlöffel, ein Lätzchen und letztlich die so angepriesenen Pastinaken. Wir kochten zusammen, setzten uns mit unserem Kind an den Tisch und führten den Löffel zum Mund. Unser Kind sah uns mit weiten Augen an, schob die Unterlippe ein wenig vor gegen den Löffel, leckte sich die Lippen ab und verzog das Gesicht, um den Mund nicht mehr zu öffnen. Aber es war doch nun sechs Monate alt. Und es müsste doch jetzt essen. Und es war doch Bio-Pastinake! Aber der Mund blieb zu.

Die wichtigste Regel in der Beikostzeit: Entspannt bleiben

Glücklicherweise hatte ich damals eine Stillgruppenleiterin, die mich entgegen aller anderen Kommentare beruhigte und erklärte, dass das Kind schon essen würde irgendwann und bis dahin nicht verhungern würde. Irgendwann im zehnten Monat begann es dann doch zu essen. Nicht die Pastinake und auch sonst keinen Brei, sondern das, was es mit der Hand selbst vom Tisch nehmen und zum Mund führen konnte. Und so trat die wichtigste Erkenntnis über Kinder und Nahrung in mein Leben: einfach entspannt bleiben und Vertrauen haben.

Vertrauen und kindliche Entwicklung gehen Hand in Hand

Die andere wichtige Erkenntnis zur Beikost ist, dass unser elterliches Vertrauen mit der kindlichen Entwicklung Hand in Hand geht: Wenn wir unser Kind beobachten, die Signale des Kindes verstehen und einen Blick für die Kompetenzen des Kindes haben, können wir Vertrauen fassen. Deswegen ist es vor allem auch hier wieder wichtig zum Beikostbeginn: Beobachte Dein Kind!

Glücklicherweise geben uns unsere Kinder Signale dazu, ob sie bereit sind für die Beikost oder nicht. Mein Kind in der Geschichte oben hat ein sehr deutliches Signal gegeben: Es hat den Mund einfach geschlossen. Ein geschlossener Mund ist immer ein Zeichen dafür, dass das Kind nicht möchte. Nicht nur am Anfang, sondern auch später. Wir müssen unsere Kinder dann nicht überreden, ihnen keinen Hunger einreden. Und sie auch nicht austricksen mit dem kleinen Flugzeug, das da angeflogen kommt. Mund zu bedeutet: Nun geht es nicht weiter.

Wenn der Mund dann geöffnet wird, muss die Nahrung nicht nur hinein kommen, sondern darin auch zerkleinert und bewegt werden. Wir können vertrauen, dass das Kind Nahrung zu sich nehmen kann, wenn es sie selbst zum Mund führen kann mit der Hand und wenn es die Nahrung mit der Zunge nicht wieder hinaus schiebt aus dem Mund. Wenn der ganze Mundbereich verschmiert ist und das Baby immer wieder Brei nach vorne schiebt, sollten wir ihn nicht mit einem Löffel abkratzen von der Mundpartie und wieder hinein schieben, sondern darauf vertrauen, dass das Kind zeigt, dass es die Nahrung noch nicht richtig verarbeiten kann. Der Versuch, dennoch Brei in das Kind zu bekommen, ist für beide Seiten frustrierend.

Kann das Baby mit etwas Unterstützung aufrecht sitzen, ist der Weg durch den Körper für die Speisen auch gut passierbar. Kann das Baby das noch nicht oder liegt es in einer Babyschale beim Füttern, ist die Mahlzeit oft unbequem. Wir alle kennen es aus eigener Erfahrung, dass das Essen im Liegen wenig angenehm ist. Das ist auch für unsere Babys so.

Wir sehen also: Ein Baby bringt viele Kompetenzen mit, um Nahrung zu sich zu nehmen und wir müssen „einfach“ darauf vertrauen, dass das Kind so kompetent ist, dass es selbst isst. Unser Kind zeigt, was es isst und was es essen kann. Die körperlichen Fähigkeiten werden ausgebildet und so verändert sich auch die Nahrung, die es selbständig zu sich nehmen kann: Kann es zunächst nur in der geballten Faust ein großes Stück weiche Kartoffel halten, kann es sich später mit der flachen Hand Nahrung in den Mund schieben und schließlich im Griff von Zeigefinger und Daumen auch kleine Beeren aufsammeln und zum Mund führen. Schauen wir genau hin, was es gerade kann und bieten wir dem Kind dazu passende Nahrung. So kann es sich selbst versorgen und bekommt ein gutes Gefühl dafür, was es selber kann und auch, wann es satt ist und die Mahlzeit beenden möchte.

Vertrauen in die richtige Auswahl

„Aber das Kind isst immer nur Nudeln/Kartoffeln/Joghurt!“ Fast alle Kinder haben Phasen, in denen sie bestimmte Nahrungsmittel bevorzugen. „Phasen“ bedeutet: Unterschiedlich lange Zeiten. Hier sind zwei Sachen wichtig: Vertrauen in die Auswahl und passende Ergänzungen ermöglichen.

Betrachten wir einmal die Auswahl des Kindes genau: Isst es vielleicht gerade besonders viele Nahrungsmittel mit einer bestimmten Nährstoffverteilung? Stehen gerade Eiweiße im Vordergrund? Oder Kohlehydrate? Oder eisenreiche Nahrungsmittel? Finden wir heraus, was die Bevorzugung des Kindes bedeutet, können wir uns auch auf die Suche nach Alternativen machen, die diesem Bedürfnis entsprechen: Eiweiß findet sich beispielsweise nicht nur in Milchprodukten, sondern u.a.auch Hülsenfrüchten und Nüssen. Ein leckeres Nussmus kann oft eine schöne Abwechslung sein. Auch bei den Kohlehydraten können wir schauen, wie Abwechslung hinein gebracht werden kann und beispielsweise welche Art von Nudeln wir anbieten und welche Art von Brot.

Süßigkeiten!?

Süßigkeiten sind in unserer Gesellschaft kaum weg zu denken, ebenso wenig Chips und anderer „ungesunder Kram“. Unsere Kinder müssen auch damit einen Umgang lernen. Im ersten Lebensjahr sind solche Nahrungsmittel nicht geeignet. Je nachdem, ob ein älteres Geschwisterkind da ist oder nicht, kommen Kinder aber irgendwann auch mit Süßigkeiten und anderem in Kontakt. So viel Zucker! So viel Fett! Natürlich hat unser Körper oft eine Neigung dazu, das gerne zu essen und als Vorrat anzulegen. Besonders, wenn es auch noch besonders intensiv schmeckt. Deswegen ist es so wichtig, das Kind im Alltag aus einer gesunden Auswahl Nahrungsmittel wählen zu lassen, mit denen es die Grundbedürfnisse des Körpers befriedigen kann. Ein gesundes Nahrungsmittelangebot ist die Basis. Und dazu kann es auch Süßigkeiten geben. Ein entspannter Umgang damit ermöglicht es dem Kind, zu verstehen, dass es auch solche Nahrungsangebote gibt und sie einfach ein Anteil des Essens sein können, aber keine besondere Attraktion oder Belohnung sind. Was unsere Kinder essen und einfordern ist oft auch damit verbunden, welchen Wert wir diesem Nahrungsmittel selber zuweisen.

Vertrauen, dass Kinder Neues essen

Wir alle schrecken vor neuen Speisen manchmal zurück. Im Restaurant bestellen wir oft die gewohnten Lebensmittel, auf Reisen schauen wir oft nach vertrauten Speisen im Menü. Sich auf Neues einzulassen, fällt auch Kindern oft schwer. Und auch hier ist es wieder wichtig: Vertrauen. Wir sollten unsere Kinder nicht zwingen, eine bestimmte Nahrung zu essen. Wir können aber Nahrungsmittel immer wieder anbieten. Wir können Vorbild sein und wir können neue Angebote ganz bewusst spielerisch einführen: In Mitten der Tomatensoße sitzt eine kleine Insel Stangensellerie. In das Schüsselchen mit Blaubeeren ist eine Stachelbeere gelegt. Kinder sind neugierig, damit können wir spielen.

Wie oft es braucht, damit ein Kind etwas Neues probiert, ist ganz unterschiedlich. Es ist auch eine Frage des Temperaments, ob ein Kind prinzipiell Dingen offen gegenüber steht oder weniger offen. Manche Kinder brauchen einfach viele Versuche, um neue Speisen auszuprobieren. Auch hier müssen wir wieder vertrauen: Wir können immer wieder anbieten, immer wieder Vorbild sein, immer wieder nachfragen. Und irgendwann wird das Kind vielleicht probieren – ohne Druck.

Entspannt essen

Gemeinsames essen ist schön. Es ist ein sozialer Moment, eine Zeit des Austausches und Zusammenseins, wenn alle am Tisch zusammen kommen. Für Kinder ist es lange Zeit auch eine Zeit der Abenteuer, des Kennenlernens von Neuem und des Spiels. Deswegen passen unsere erwachsenen Vorstellungen von einer entspannten Mahlzeit nicht immer mit dem zusammen, was unsere Kinder als entspannte Mahlzeit empfinden. Aber auch hier brauchen wir Vertrauen: Unsere Kinder entwickeln Tischmanieren, weil wir sie vorleben: Sie essen mit Besteck, wenn wir es ihnen ermöglichen und gleichzeitig auch erlauben, dass sie die Hände nutzen können, wenn es nicht klappt. Sie sagen „Bitte“ und „Danke“ wenn wir das am Tisch vorleben und übernehmen es einfach irgendwann. Sie hören auf, das Essen mit den Händen zu zermanschen und das Manschgefühl zu lieben, wenn sie es durchgespielt haben. Sie hören auf, Nahrungsmittel auf den Boden zu werfen, wenn sie das Schwerkraftthema abgeschlossen haben.

Wichtig ist immer wieder über die Jahre hinweg, dass wir entspannt gesunde Nahrung anbieten und unseren Kindern vertrauen schenken. Damit sind wir auf einem guten Weg.
Eure

Mealprep für Familien – zum Einsteigen

Für die ganze Familie zu kochen, kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Nicht nur wegen unterschiedlicher Vorlieben, sondern auch einfach wegen des Aufwands der Zubereitung, fehlender Zeit unter der Woche und auch, weil eine ausgewogene Ernährung im Blick zu behalten im Alltagschaos manchmal gar nicht so einfach ist.

Das Mealprepping oder Foodprepping ist eine einfache Möglichkeit, um sich den Familien-Essenalltag zu erleichtern: Einmal in der Woche wird der Großteil vorgekocht und dann aufbewahrt. So kann auch an stressigen Tagen gesundes Essen auf den Tisch kommen und unter der Woche braucht die Essenszubereitung weniger Zeit – das gibt mehr Familienzeit. Besonders abends nach einem langen Arbeitstag oder wenn die Kinder erschöpft sind, ist das Kochen manchmal eine mühselige Belastung.

Vorgekocht kann an einem freien Tag (zum Beispiel am Wochenende) gemeinsam werden und auch die Kinder können ihre Lieblingsessen für die Woche auf den Speiseplan setzen lassen. Beispielsweise kann gefragt werden: „Diese Woche gibt es mehrmals Hirse/Nudeln/Kartoffeln/Coucous… Was ist DeinLieblingsessen mit dieser Zutat?“

Was du für den Start brauchst

Wenn du mit dem Planen, Vorkochen und Aufbewahren anfangen möchtest, benötigst du vor allem Aufbewahrungsmöglichkeiten für die vorgekochten Speisen. Das müssen nicht zwangsweise teure neue Behälter sein, sondern es eigenen sich auch einfache Küchendosen und -boxen, Einmachgläser und ausgewaschene Marmeladegläser. Darin lassen sich beispielsweise auch portioniert Suppen einfrieren. Gläser mit Schraubverschluss sind aber auch toll, um darin Salate oder Oatmeal aufzubewahren. Schön geschichtet ist das Essen darin auch noch ein optischer Genuss.

Aufbewahrung von Suppen

Wichtig ist auch, dass du Platz zum Aufbewahren der vorbereiteten Speisen hast in einer Vorratskammer (bei eingekochten Mahlzeiten), im Kühlschrank oder Gefrierfach. Und du kannst auch einen kleinen Vorrat anlegen an Zutaten, die du zur Variation der Speisen verwendest: gefrorenes Obst, Nüsse und ganz besonders Gewürze: Sie machen den feinen Unterschied von Speise zu Speise.

Zudem ist es gut, wenn du einen schriftlichen Plan machst für die Wochenplanung, den dazu passenden Einkaufszettel und zusätzlich auch die Lieblingsspeisen notierst, so dass du langfristig immer leichter eine ganze Woche im Voraus planen kannst.

Gerichte für eine Woche planen – So geht es

Wenn alles bereit ist, geht es an die Wochenplanung: Für den Beginn starte mit einfachen Gerichten und einer einfachen Planung. Frühstück lässt sich oft besonders leicht planen mit Brot + Belag, Müsli, Haferflocken als Porridge oder Overnight Oats und dazu Obst und Nüsse. Auch das Abendessen ist oft leicht zu planen, wenn nicht extra warm gegessen wird. Für den Start ist es gut, 2 bis 3 Gerichte für die Mittagsessen festzulegen. Möglich ist es auch, eine Hauptzutat vorzukochen und dann unterschiedlich aufzubereiten, beispielsweise Nudeln für Nudeln mit Sosse, Nudelauflauf, Nudelsalat. Oder Hirse für süßen Hirsebrei, Hirseauflauf, Hirsepuffer. Such im Internet nach Inspirationen für Meal Prepping. Dort findest Du viele Anregungen und es gibt auch einige passende Rezeptbücher.

Die durchgegarten Speisen sind einige Tage im Kühlschrank haltbar. Viele Speisen können aber auch eingefroren werden (Suppen, Eintopf, Aufläufe, Gemüse, Früchte). Schnell verderbliche Zutaten sollten gleich am ersten Tag verspeist werden.

Auch für Kinder ist Meal-Prepping gut geeignet. Wenn wir sie in die Erstellung des Essensplans einbeziehen, können sie mitbestimmen, was auf den Tisch kommt, und lernen gleichzeitig, wie Lebensmittel einkaufen und Essen machen organisiert wird.

Susanne Mierau & Milena Glimbovski „Einfach Familie leben“ S. 121

Wenn Gerichte gleich fertig im Glas aufbewahrt werden sollen wie beispielsweise Salate, die zur Arbeit mitgenommen werden, ist beim Einfüllen ins Glas die Schichtung zu beachten: Das Dressing kommt ganz nach unten, darüber die Zutaten, die dadurch nicht weich und „unschön“ werden wie Bohnen oder Kichererbsen und erst zum Abschluss kommen die empfindsamen Zutaten wie Salat.

Resteverwertung

Wenn doch einmal noch Reste anfallen, können diese noch eingefroren werden für die nächste Woche (beispielsweise Suppe kann gut in Schraubgläser abgefüllt und eingefroren werden) oder es kann vor dem nächsten Einkauf einen Resteverwertungstag geben, beispielsweise mit Suppe oder es werden Obstreste zu Kompott eingekocht oder Tofu- und Gemüsereste in Sommerrollen mit Reispapier gewickelt. Hier ist Kreativität gefragt.

Was bringt mir Meal Prep?

Es scheint erst einmal aufwändig, aber tatsächlich ist es eine Vereinfachung. Am Zubereitungstag werden zwei bis drei Stunden Küchenarbeit benötigt, die gut auch mit Kindern zusammen verrichtet werden kann. Sie können. – je nach Alter – Obst und Gemüse waschen, schneiden und mitkochen.

Unter der Woche wird dadurch Zeit gespart und vor allem werden Nerven geschont – und dies auch schon beim Einkauf, denn das Einkaufen „noch schnell fürs Abendessen nach der Kita“ entfällt. zu Hause geht es dann auch schnell, die schon vorbereiteten Mahlzeiten fertig zu machen und die Kinder haben die Möglichkeit, noch zu ihrer Spielzeit mit Mama und/oder Papa zu kommen.

Zudem werden ungesunde Speisen eher vermieden (was nicht heißen soll, dass Pizza und Pommes nicht auch mal toll sind) und eine gesunde Ernährung für die ganze Familie kommt in den Blick. Auch Kinder lernen so aktiv und nebenbei viel über Ernährung und Mahlzeitenzubereitung. Durch den gezielten Einkauf werden die Dinge gekauft, wie wirklich notwendig sind und es kann Geld gespart werden, weil weniger Lebensmittel weggeworfen werden und Fehlkäufe vermieden werden. Wer häufig berufsbedingt auswärts ist, kann durch die leckeren Mahlzeiten im Glas zusätzlich Geld sparen, das sonst in der Kantine oder im Restaurant ausgegeben werden würde.

Hast du es schon einmal ausprobiert oder jetzt Lust bekommen auf das Vorkochen?
Probier es doch mal aus.
Deine

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Beikost in Indien – von Papaya, Linsen und Knoblauch zum Beikoststart

Anka ist 37 Jahre als, als sie mit ihrem Mann, der als Wissenschaftler dort forscht, nach Indien zieht und ein neues Leben beginnt in einer anderen Kultur. Nach der Geburt in Deutschland kehrt sie nach Indien zurück und lebt dort mit ihrer Familie. Heute berichtet sie von ihrem Beikostweg in Indien:

Als ich in Indien schwanger wurde, dachte ich anfangs mit Sehnsucht an all die schönen Hafer- und Dinkelbrei-Packungen in deutschen Bio-Supermärkten mit. Ich dachte an Gläschen mit Apfel und Aprikose. An Pastinaken und Topinambur. Ich überlegte sogar kurz, wie ich diese Dinge hierher nach Indien bringen könnte. Schließlich musste ich einsehen, dass das keinen Sinn macht. Dann aber las ich über Baby Led Weaning und meine Sorgen waren zerstreut. Ich wusste sofort, dass sich das für mich stimmig anfühlte.

Und so war es dann auch. Als meine Tochter etwa sechs Monate war und alle Anzeichen für Beikostreife sich zeigten, starteten wir mit einem Stückchen Papaya. Weitere Obstsorten folgten, dann Gemüse und Brot. Von Anfang an war meine Tochter eine unkomplizierte Esserin. Sie probierte fast alles und mochte auch fast alles. Ich stillte nebenher weiter und tue es bis heute. Dafür bin ich sehr dankbar, weil ich mir unterwegs nie Sorgen um Hygiene oder sauberes Wasser machen musste.

Von Anfang an ließen wir das Mädchen auch mit Besteck experimentieren. Die lustige Verteilung von Essen rund um ihren Platz konnte ich ganz gelassen hinnehmen. In Indien ist es üblich, täglich alle Böden zu wischen, wegen Staub und Ungeziefer. Das ist einer der Gründe, warum es üblich ist, Unterstützung im Haushalt zu haben. Von den Gutverdienenden und Privilegierten wird geradezu erwartet, dass wir andere an unserem Wohlstand teilhaben lassen, in dem wir Angestellte haben. In der Babyzeit ist das natürlich ein großer Vorteil.

Bio gibt’s auch in Indien

Als wir mit der Beikost begannen, etablierte sich zudem ein Bioladen in unserer Stadt mit einem recht guten Sortiment an hiesigen Lebensmitteln. Dort fand ich zum Beispiel verschiedene Sorten an Hirse und Hirsegrieß. Hirsebrei gehörte schnell mit zu unserem Speisezettel. Auch Hirsemehl ist hier leicht erhältlich und wird vielfach verwendet. Diese Hirsevielfalt finde ich toll. Heute erhalten wir den größten Teil unserer Lebensmittel aus diesem Bioladen, insbesondere Obst, Gemüse und Eier. Der Hof, auf dem produziert wird liegt nicht weit von uns. Wir haben ihn erst kürzlich besucht und ich bin froh, zu wissen wo unser Essen herkommt. Es gibt hier nicht dieselbe Sicherheit durch Zertifizierungen und Richtlinien. In der Tierhaltung führt das zum Beispiel zu maßlosem Einsatz von Antibiotika. Zum Glück fand ich auch eine Milch, die vernünftig produziert wird. Ich war schon in Deutschland überzeugte Bio-Käuferin und bin froh, dass wir hier eine Möglichkeit gefunden haben, diesen Werten soweit wie möglich treu zu bleiben.

Was und wie Kinder in Indien essen

Indische Kinder bekommen oft als erstes eine Mischung aus Reis, Dal und Joghurt. Vielfach wird ja mit der Hand gegessen, genauer gesagt mit den Fingerspitzen. So werde auch die Kleinsten gefüttert. Die Schärfe des Essens lässt sich durch die Menge an Reis und Joghurt gut regulieren. Hier werden Linsen als leicht verdaulich angesehen, ebenso Zwiebeln und Knoblauch. Apfel oder Gurke hingegen hält man für nicht so geeignet. Was wir als Beikost geeignet finden, ist also auch stark kulturell geprägt. 

Das Essen der Kinder ist ein großes Thema hier. Fast jede Mutter scheint Angst zu haben, dass ihr Kind nicht isst. Jedenfalls sehe ich oft, dass Mütter mit Schüsselchen in der Hand ihrem Kind beim Spielen hinterherrennen um ihm wann immer es geht etwas in den Mund zu schieben. Die Kinder werden zum Teil bis zur Schulreife gefüttert. Unsere Einjährige mit Löffel hantieren und selbständig essen zu sehen hat einige ziemlich erstaunt und zum Nachdenken angeregt.

Abgesehen davon, dass ich mir für mein Kind mehr Selbstbestimmung wünsche, hat mich das Thema aber auch sehr nachdenklich gemacht. Schließlich ist Indien ein Land, in dem nach wie vor viele Menschen Hunger leiden. Vielleicht gibt es so etwas wie eine unbewusste kollektive Angst, die Mütter antreibt, dieses Thema mit so viel Anspannung anzugehen. Weil die Gefahr der Unter- und Mangelernährung einfach viel realer ist hier.

Wie wir essen

Morgens und abends essen wir zu Hause meist deutsch. Mittags essen wir oft in der Kantine, weil es da leckeres indisches Essen gibt und wir als Familie zusammen sein können. Mein Mann arbeitet nur ein paar Minuten zu Fuß von unserem Haus.

Unsere Tochter hat von Anfang an fast alle probiert. Inzwischen isst sie fast lieber indisches Essen. Jedes Curry, das man ihr vorsetzt, jedes Dal wird sie mit Reis oder Chapati gerne zu sich nehmen. Ein einziges Mal habe ich erlebt, dass meine Tochter ein rotes Gesicht bekam, weil sie etwas zu scharfes gegessen hatte. Das vergleichsweise wenig gewürzte Gemüse, das ich zubereite hingegen lässt sie auch gerne mal liegen. Ich finde ja, dass das Gemüse hier oft nicht so intensiv schmeckt wie bei uns, vermutlich weil es in ganz anderer Erde wächst. Die indischen Gerichte schmecken vor allem nach Gewürzen. Die haben dafür allerlei heilsame Wirkungen auf den Organismus.

Seit unsere Tochter gut ein Jahr alt ist und laufen kann, begleitet sie auch gerne unsere Haushaltshilfe , wenn diese ihr mitgebrachtes Mittagessen isst. Die beiden tragen die Lunchboxen in den Garten, wo sie auf dem Boden sitzend mit den Händen essen. Es ist ein schönes Ritual geworden, dass beide genießen und dass ihre Beziehung stärkt.

Auch Essen ist Geborgenheit

Für ein Gefühl der Geborgenheit im Ausland spielt Essen eine ziemlich große Rolle. Deshalb ist es für mich wichtig, auch gewohnte Gerichte zu kochen und ich weiß, dass das auch anderen so geht. Ab und zu indisch zu essen ist etwas ganz anderes, als plötzlich nur noch indisch zu essen. Am wichtigsten ist tatsächlich gutes Brot. So haben wir in der Zeit hier gelernt, Sauerteigbrot zu backen.

Ich muss immer wieder lächeln, wenn unsere Tochter auch deutsche Pfannkuchen als Chapati bezeichnet und sie in Apfelmus stippt wie in ein scharfes Chutney. Es ein schönes Gefühl zu wissen, dass die indische Küche so selbstverständlich zu ihrer frühen Kindheit gehört. Ich bin gespannt, was sie später einmal mit Chili, Kurkuma, Kumin und Ingwer verbinden wird.

Anka schreibt auch auf ljuno über ihren Alltag in Indien mit ihrem Kind, wo sie jetzt seit 3 Jahren leben. Bilder aus ihrem Alltag findest Du auch auf Instagram hier.

Liebevolle und verantwortungsvolle Beikosteinführung und -begleitung – So geht es!

Mittlerweile kennen sehr viele Menschen die Stillempfehlungen der WHO*, dass empfohlen wird, Babys nach der Geburt sechs Monate (180 Tage) lang ausschließlich zu stillen, d.h. ohne weitere Speisen und Getränke außer Muttermilch zu ernähren. Die Empfehlungen der WHO gehen aber noch weiter und beziehen sich nicht nur darauf, dass ein Weiterstillen nach Bedarf bis zum Alter von 2 Jahren und darüber hinaus solange Mutter und Kind dies wollen, empfohlen wird, sondern beziehen sich auch ganz konkret auf die Gestaltung von Esssituationen und Beikost – und diese Empfehlungen sind natürlich unabhängig von Muttermilchernährung oder nicht.

Liebevoll und bedarfsgerecht Beikost einführen

Bei der Einführung von Beikost und am Familientisch kommt es nicht nur darauf an, was das Kind als Nahrung erhält, sondern besonders auch auf die Rahmenbedingungen: wie, wann, wo und von wem wird das Kind auf welche Weise gefüttert bzw. beim Essen begleitet? Essen ist mehr als „nur“ Nahrungsaufnahme – genau darauf geht die WHO auch ein.

Kinder sollten direkt von den erwachsenen Personen gefüttert werden, in einem direkten Kontakt bzw. beim selbständigen Essen unterstützt werden, wobei die Anzeichen von Hunger und Sättigung beachtet werden sollen: Ist das Kind satt, ist es satt. Möchte es mehr essen, bekommt es mehr. Kinder verfügen bereits über ein Sättigungsgefühl und es ist gut, wenn sie aus gesunden Nahrungsmitteln selbst entscheiden können. So wie Stillen nach Bedarf angeboten wird, wird auch andere Nahrung nach Bedarf angeboten.

Wichtig ist auch: Wenn Kinder gefüttert werden, sollte das langsam und geduldig erfolgen. Kinder müssen nicht zum Essen ausgetrickst werden und sollten nicht gezwungen werden. Sie erkunden mit allen Sinnen die Nahrungsmittel und manchmal braucht das auch einfach Zeit: Hier wird im Mund befühlt, geschmeckt und es wird berochen. Als Eltern sollten wir die Geduld mitbringen, diese Neugierde des Kindes nicht nur zu tolerieren, sondern wertzuschätzen. Wenn das Kind nicht mehr essen möchte, möchte es nicht mehr essen. Weder übergriffige Körperhaltungen, um das Kind zu zwingen (Arm des Kindes hinter den eigenen Rücken legen und anderen Arm festhalten) noch andere Zwangsmaßnahmen sind angebracht.

Es kommt immer mal wieder vor, dass Kinder Phasen haben, in denen sie mehrere oder einige Nahrungsmittel ablehnen oder gerade weniger essen. Es ist gut und wichtig, Kindern die mögliche Vielfalt vorzustellen und auch die Nahrungsmittel, die zunächst abgelehnt werden, immer mal wieder anzubieten. Manchmal macht auch die Kombination verschiedener Nahrungsmittel einen Unterschied oder die Konsistenz der Speise: Kartoffeln können gekocht, als Brei, als Sticks gebacken, als Suppe, als Brei mit Karotten… angeboten werden. Auch der Einsatz von Kräutern kann manchmal an der Akzeptanz etwas ändern. Vielleicht macht es dem Kind auch wirklich eine Freude, wenn das Brot einmal in Herzchenform angeboten wird.

Die Essenszeit ist eine besondere Zeit des Miteinanders, auch ein sozialer Moment. Gerade dann, wenn Kinder eine Phase haben, in der so viele andere Dinge spannender sind als das Essen, empfiehlt es sich, entspannte und ruhige Esssituationen ohne Ablenkung zu gestalten. – Dies bedeutet nicht nur, dass das Kind nicht durch Spielzeug auf dem Tisch abgelenkt werden könnte, sondern auch dass wir Erwachsenen nicht abgelenkt sind durch Zeitungen, Handy oder anderes.

Esssituationen und Füttersituationen sind Situationen des Lernens und des liebevollen Miteinanders. Es sind soziale Situationen, in denen wir miteinander sprechen und Augenkontakt herstellen.

All diese Punkte sollten wir Berücksichtigen, wenn wir Esssituationen mit Kindern gestalten. Aber vor allem ist auch Entspannung wichtig: Kinder kommen mit ihrem eigenen Tempo zu uns und sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten reif für die Beikost. Wichtig ist, das eigene Kind in seinen Bedürfnissen wahr zu nehmen, es zu begleiten und den gemeinsamen Weg gut zusammen zu gehen auf Basis von Vertrauen.

Wenn sich tatsächliche Probleme ergeben im Füttern oder in der Beikosteinführung, wenn Kinder Essen lange Zeit strikt ablehnen oder gar abnehmen, sollten Eltern frühzeitig weitere Beratung einholen, um früh einen anderen Weg einschlagen zu können. Hebammen, Stillberaterinnen oder -begleiterinnen und Familienbegleiter*innen können in solchen Situationen erste Ansprechpartner*innen sein.

Eure

 

* http://www.who.int/nutrition/publications/guiding_principles_compfeeding_breastfed.pdf

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Stillberaterin, Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Elternblogs über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Ich probier das erst, wenn Du das isst! – Mäklige Kinder

Da sitzen wir am Tisch und das kleine Kind bekommt einen schön angerichteten Teller vor sich gestellt: ein wenig von diesem, ein wenig von jenem. Schön voneinander getrennt, damit es gut erkennbar ist und in eine Größe geschnitten, die gut mit den Händen aufgenommen werden kann. Appetitlich sieht es aus und einladend. Doch dann wandert der kindliche Blick vom eigenen Teller hinüber zum Erwachsenenmahl. Dieser Teller sieht doch anscheinend viel einladender aus! Kleine Hände strecken sich aus und auch die dritte Erklärung, das sei genau das gleiche Essen, bringt nichts: Das Kind möchte nur vom Erwachsenenteller essen. Warum versteht es nur nicht…? Weiterlesen

Mein Kleinkind ist mäkelig beim Essen

„Nein, ich will das nicht essen!“
„Aber probier doch wenigstens mal!“
„Nein.“
„Aber es ist gesund.“
„Ist mir egal, ich will das nicht.“
„Aber du kannst doch nicht immer dasselbe essen. Einen Happen!?“
„Nein! Ich! Will! Das! Nicht!“
Punkt.

An welche Situation hast Du gerade gedacht? An einen Erwachsenen und ein Kind? Lies es noch einmal und denke an zwei Erwachsene. Denke an Dich. Wie lange würdest Du dieses Gespräch mitmachen? Wann würdest Du Dich fragen, ob Du Deinen Standpunkt nicht schon ausreichend klar gemacht hast? Ich würde bei meinem zweiten Nein denken, dass mein Gegenüber verstanden haben sollte, dass ich meine Meinung dargelegt habe. Frage Dich: Warum eigentlich gelten für Kinder andere Regeln? Warum vertrauen wir nicht auf ihr Bauchgefühl? Warum wollen wir Kinder immer zum Essen überreden?

Die Angst der Eltern: Mein Kleinkind will nicht essen

Unsere Kinder sind uns wichtig und wir sind um ihr Wohlergehen besorgt. Jeden Tag, ihr ganzes Leben lang haben wir dieses Wohlergehen im Auge. Wir wünschen uns, dass es ihnen gut geht, dass sie gesund sind und natürlich spielt Ernährung dabei eine wichtige Rolle. Es ist normal, dass wir uns sorgen, unser Kind könnte sich nicht gut ernähren. Doch diese Sorge darf nicht zu groß werden und sich nicht in Druck verwandeln. Wenn ein gesundes Kind Hunger hat, isst es. Und wir Eltern stellen hierfür eine gesunde Auswahl zur Verfügung. Wenn uns als Eltern das Essverhalten des Kindes besonders bebekümmert, lohnt sich manchmal die Frage: Warum mache ich mir solche Sorgen? Woher kommt meine Angst? Manches Mal haben wir auch nur keinen guten Überblick über das Essen, wenn gerade Kleinkinder viel „zwischendurch“ essen und wenig zu den Hauptmahlzeiten. Hier kann es sich lohnen, einmal konkret zu beobachten, was das Kind den ganzen Tag über zu sich nimmt.

Wenn Du Dir wirklich Sorgen machst, notiere über den Zeitraum von einer Woche, was Dein Kind wann ist und wieviel. Diese Notizen können eine gute Basis sein, um die Situation bei einer Beratung einzuschätzen. Oft können Eltern dadurch auch sehen: Mein Kind isst gar nicht schlecht, aber über viele Kleien Mahlzeiten verteilt.

Die richtige Auswahl

Wenn es Süßes und Fettiges zur Wahl gibt, wird das Kind mit großer Wahrscheinlichkeit dieses bevorzugen, erklärt der Arzt Herbert Renz-Polster u.a. in seinem Buch „Kinder verstehen“. Nicht, weil es von sich aus ungesund leben will, weil es uns ärgern möchte, sondern einfach, weil es sich auf diese Weise einen Vorrat anlegen will, der früher einmal sinnvoll war in Zeiten, in denen nicht sicher war, wann und wie viel besonders reichhaltige Nahrung vorhanden war. Heute jedoch sind wir eigentlich auf diesen Vorrat nicht mehr angewiesen. Deswegen ist es so wichtig, unseren Kindern eine gesunde Auswahl anzubieten, aus der es sich etwas auswählen darf. Wenn es nicht essen möchte, möchte es nicht essen.

Manches Mal ist es auch die Esssituation, die dem Kind Schwierigkeiten bereitet. Essen ist eine sinnliche Erfahrung und auch im Kleinkindalter wollen Kinder noch mit allen Sinnen erfahren: Sie möchten die Speisen riechen, befühlen und kosten. Zu strenge Tischmanieren können die Freude am Ausprobieren hemmen.

Wenn Kleinkinder Essen ablehnen, ist das auch normal

In manchen Phasen haben Kinder besondere Bedürfnisse: Sie brauchen besonders viel Kohlehydrate und ein anderes Mal vielleicht besonders viel Eiweiß. Sie zeigen uns dies, indem sie über einen längeren Zeit das gleiche wünschen und andere Speisen ablehnen. Das als „Neophobie“ bezeichnete Ablehnen von neuen Speisen ist eine aus Kindersicht sinnvolle Handlung: Sie schützt davor, Unbekanntes unbedacht in den Mund zu stecken. Hier hilft es nicht, das Kind zum Probieren zu zwingen, sondern das regelmäßige Anbieten ist eine gute Methode, damit das Kind irgendwann doch einmal probiert. Immer und immer wieder anbieten und Vorbild sein! Manches Mal wird die Speise dann auch lieber vom Teller der Eltern probiert als vom eigenen. Und manchmal sind es auch noch einmal andere Gründe, die dem Kind den Hunger nehmen: Wenn es im Sommer heiß ist, ist der Appetit oft geringer und Kinder essen eher viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Auch das ist normal und sogar ganz sinnvoll.

Das eigene Essverhalten in den Blick nehmen

Eine gesunde Auswahl anzubieten bedeutet auch, das eigene Essverhalten in den Blick zu nehmen. Als Eltern sind wir Vorbilder: In dem, was wir sagen und dem, was wir tun. Kinder beobachten genau und sehen, wenn wir als Erwachsene aus unserem Essen aussortieren oder beim Frühstück immer einen bestimmten Aufstrich haben wollen. Sie nehmen auch die kleinen Anzeichen wahr, wenn wir ihnen ein gesundes Gemüse anbieten, das wir selber nicht mögen. Sie hören, wenn wir schwindeln und sehen, wenn wir ein wenig die Nase rümpfen.

Auch wenn wir es mit bester Absicht machen: Oft macht es keinen Sinn, von Kindern das Essen einer Speise zu erwarten, die wir selber ablehnen. Denn dass ein Kind die Signale des Elternteils feinfühlig wahrnimmt, ist sinnvoll: Als Kind kann es noch nicht gut einschätzen, was verträglich ist und was nicht und verlässt sich deswegen auf das erfahrene Elternteil. Nimmt es unterschiedliche Signale wahr (du kannst das essen – ich lehne es ab), kann es aus Verwirrung das Essen ganz ablehnen. Ein guter Familientisch berücksichtigt deswegen nicht nur, was vermeintlich gut für das Kind wäre, sondern nimmt auch Rücksicht auf andere Familienangehörige, so dass Essen authentisch angeboten und empfohlen werden kann.

Dein Kind will nicht Essen?
10 Tipps für mehr Entspannung

  1. keinen Druck ausüben
  2. dem Kind Speisen immer wieder anbieten
  3. gemeinsame Mahlzeiten in entspannter Atmosphäre
  4. gemeinsames Zubereiten von Mahlzeiten
  5. zusammen einkaufen gehen: Was magst Du?
  6. eine gesunde Auswahl bieten und bewusst zu Hause haben
  7. Wünsche akzeptieren
  8. Befühlen erlauben
  9. Vorbild sein
  10. sich fragen: Isst es wirklich wenig? Oder ist das meine Angst?

Niemals Druck ausüben

Essen ist lange Zeit Spiel und bleibt eine sinnliche Erfahrung. In vielerlei Hinsicht ist das Essen heute auch mehr als nur Nahrungsaufnahme, sondern hat neben der Sinneserfahrung auch soziale Komponenten des Miteinander. Solange sich Kinder gesund entwickeln, sollte die Nahrungsaufnahme auch genau das bleiben. Babys und Kleinkinder müssen kein Häppchen für Oma oder die Tante zu sich nehmen, sie sollten nicht ausgetrickst oder abgelenkt werden, um zu essen und natürlich nicht bedroht oder unter Druck gesetzt werden. Speisen müssen nicht aufgegessen werden, es muss nicht probiert werden, aber das Probieren kann vorgeschlagen werden. Wer nicht probieren oder aufessen möchte, muss keine Sanktionen fürchten wie die Streichung anderer Speisen. Und das Essen sollte auch nicht zur Bestrafung oder Belohnung eingesetzt werden: Kinder müssen nicht an einem Extratisch sitzen, wenn sie mäkeln oder so lange sitzen bleiben, bis sie aufgegessen haben. Sie werden für ein Verhalten weder bestraft im Sinne von „Weil Du xy gemacht hast, bekommst Du nur eine kleine Portion“ und auch nicht mit Essen belohnt: „Weil Du heute so brav warst, gibt es einen Nachtisch.“

Manchmal sind Kinder mäkelig beim Essen. Meistens haben sie einen Grund dafür. Sie essen dann, wenn sie Hunger haben. Die tägliche Nahrungsmenge unterscheidet sich ebenso wie die individuellen Vorlieben für Geschmacksrichtungen und Speisen. Dass gesunde Kinder ab und zu Speisen ablehnen und/oder andere bevorzugen, ist ein normales Verhalten. Als Eltern sollten wir dieses Verhalten annehmen und versuchen, die Gründe dafür zu verstehen. Auf diese Weise können wir auch unsere Sorgen abstreifen und Kindern eine selbständige und druckfreie Nahrungsaufnahme ermöglichen.

Eure

Was wir von unseren Babys über das Essen lernen können

Manchmal denken wir, dass wir unseren Kindern alles beibringen müssen, obwohl sie voller Kompetenzen in das Leben kommen. Sie entwickeln sich nach ihrem eigenen Tempo innerhalb eines recht festgelegten Ablaufplans und eine Kompetenz baut auf der nächsten auf. Genau so ist es auch beim Essen: Sie beginnen dann zu essen und Interesse an Nahrung zu zeigen, wenn sie so weit sind und körperlich dazu in der Lage sind. Unsere Aufgabe ist es, ihre Signale wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Wie in vielen anderen Bereichen müssen sie nicht von uns „essen lernen“, sondern wir begleiten sie auf ihrem eigenen Weg. Wenn wir sie bei der Erkundung des Essens beobachten, sehen wir sogar, dass sie sich äußert sorgsam mit dem Essen verhalten. Anstatt zu denken, dass wir unseren Kindern etwas über das Essen beibringen sollten, können wir uns vielleicht eher ein paar Aspekte von ihnen absehen.

Essverhalten im Laufe des Lebens

Stefanie Stahl schreibt in ihrem Buch „Das Kind in Dir muss Heimat finden“ (2015): „Wird das Kind in seinem Lustbedürfnis und damit gleichsam in seinem Autonomiebedürfnis zu stark reglementiert, so kann dies dazu führen, dass der Erwachsene […] – angepasst an den elterlichen Erziehungsstil – genussfeindliche Normen und zwanghaftes Verhalten entwickelt. Oder – in Abgrenzung zu den Eltern – undiszipliniert und maßlos seinem Lustempfinden nachgibt.“ Wie wir mit der Ernährung unseres Kindes umgehen, ist also für die weitere Entwicklung des Kindes sehr wichtig. Auch die KIGGS Studie des Robert Koch Instituts zeigte, dass ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren Hinweise auf ein gestörtes Essverhalten zeigen, Mädchen fast doppelt so häufig wie Jungen. Mahlzeiten und der Umgang damit sind mehr als „nur“ Nahrungsaufnahme.

 

Babys bringen von sich aus Kompetenzen mit

Lustbedürfnis und Autonomiebedürfnis müssen bei der Ernährung mit berücksichtigt werden. Unsere Babys zeigen uns von sich aus noch sehr gut, wie der Umgang mit gesundem Essen funktioniert. Wir als Eltern geben dabei einen gewissen Rahmen vor mit der Auswahl an Nahrungsmitteln, die wir ihnen anbieten. Aus dieser gesunden (!) Auswahl können sie sich frei bedienen und zeigen uns dabei wichtige Aspekte der Ernährung:

  • Babys essen dann, wenn sie Hunger haben
    Unsere Kinder zeigen sehr direkt, wenn sie Hunger haben, schon als Neugeborene: Sie wenden den Kopf, um nach der Brust zu suchen, sie nuckeln an ihren kleinen Fäusten, sie beginnen zu schreien, wenn wir ihre leiseren Hungersignale nicht beantworten. Auch bei der Beikost merken wir dies: Ihr Rhythmus der Mahlzeiten ist noch anders als unserer und nur weil für uns gerade Mittagessenszeit ist, muss das für sie noch nicht stimmen. Es ist gut, die Signale zu beachten und einfach später noch einmal etwas anzubieten.
  • Babys hören auf zu essen, wenn sie gesättigt sind
    Stillkinder hören mit der Stillmahlzeit auf, wenn sie satt sind. Manchmal nuckeln sie noch ein wenig, aber sie haben ein eigenes Gefühl der Sättigung. Auch wenn sie mit der Beikost beginnen, zeigen sie uns eindeutig, ob sie Hunger haben oder satt sind und wenden sich ab, wenn sie nicht mehr möchten. Sie bringen die Kompetenz mit, selbst zu entscheiden und das ist eine sehr wichtige Eigenschaft, die wir berücksichtigen sollten.
  • Babys nehmen Nahrung mit allen Sinnen wahr
    Wenn die Beikost eingeführt wird, möchten sie die Nahrung mit allen Sinnen begreifen: Sie riechen daran, sie befühlen sie mit Händen und Mund und nehmen wahr, wie sie sich verhält: weich,matschig, hart, flüssig – wie muss ich es anfassen, um es zum Mund zu befördern? Der Ansatz des Baby-Led Weaning ist hierfür besonders praktisch.
    Gerade dies ist ein Aspekt, der uns oft beim Essen verloren geht: Das genussvolle Wahrnehmen, genau nachschmecken, wonach eine Speise schmeckt und wie sie sich anfühlt.
  • Babys probieren aus
    Anfangs probieren Babys gerne noch unterschiedliche Sachen vorurteilsfrei aus. Alles wird zum Mund geführt und damit ertastet und es wird probiert, ob es essbar ist oder nicht. Später führen sie Essen gerne auch zum Mund der Bezugsperson wie eine Frage:  „Beißt Du ab und zeigst, dass es genießbar ist?“ Auch hier sind wir Vorbilder.
    Neophobien, die Angst vor dem Neuen, entwickeln sich erst ab der Zeit, wenn die Kinder weiter entfernt  von uns sind, um den 18. Monat, sagt Dr. Herbert Renz-Polster. Wenn wir ihnen geduldig immer wieder (8-10 Mal) eine Speise anbieten, probieren sie es doch irgendwann. Wie ist das bei uns Erwachsenen? Wann probieren wir etwas Neues aus?
  • Babys essen langsam
    Während wir manchmal schnell zwischen den Terminen einen Bissen einschieben, nehmen sich Babys und Kleinkinder noch Zeit: Sie fühlen, wenden Stücke in der Hand hin und her, probieren, kauen und zerkleinern mit der Zunge. Sie brauchen Zeit und nehmen sie sich für ihr Essen.
  • Babys reicht Wasser als Getränk
    Babys und Kleinkindern reicht Wasser als Getränk zum Essen vollkommen aus. Sie brauchen keine Fruchtsäfte, keine (gesüßten) Tees, keine (Kinder)milch. Sie sind zufrieden mit einem kleinen Glas Wasser und später einem kleinen Krug, mit dem sie sich selbst nachschenken können.

Unsere Babys und Kinder sind toll. Sie bringen alle wichtigen Kompetenzen zur Ernährung schon selbst mit. Wir Eltern sollten ihnen ihre achtsame Ernährungsform nicht abtrainieren. Und an vielen Stellen können wir uns sogar etwas von ihnen abschauen.

Eure

 

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