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Vom „Ich-will-keine-Windel-mehr“ und Einnässen

Irgendwann ist es geschafft: Das Kind ist windelfrei. Bei einigen dauert es länger, bei anderen geht es schneller. Häufig sind Kinder, die abgehalten werden (oder Teilzeit-windelfrei sind) etwas früher die Windeln los, während Kinder, die Wegwerfwindeln tragen, aufgrund der darin enthaltenen Superabsorber (und dem dadurch geringeren Gefühl für die Ausscheidungen) etwas länger brauchen, um zum Gefühl für das Ausscheidungsbedürfnis zurück zu kommen. Und dennoch kommt es ab und zu zu einer nassen Hosen am Anfang – oder auch länger.

Von null auf trocken – kann das gehen?

Manche Kinder lassen nach und nach die Windel hinter sich, andere erklären auf einmal: „Ich will keine Windel mehr tragen!“ und sind in diesem Wunsch ganz engagiert. Oft sind es die Eltern, denen das Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes fehlt: Sie denken, das Kind sei zu jung oder könne doch nicht für sich selbst entscheiden. Oft vergessen wird dabei, wie stark innere Motivation wirken kann und dass Kinder einen eigenen inneren Entwicklungsplan haben. Sagt das Kind, dass es nun ohne Windeln sein möchte, sollten wir ihm das ermöglichen. Besonders im Sommer ist das recht einfach möglich, wenn nicht viele Kleidungsschichten ausgezogen werden müssen. Aber auch in jeder anderen Jahreszeit ist es möglich, dem Bedürfnis des Kindes nachzukommen. In kühleren Jahreszeiten geht das besonders gut zu Hause.

Worauf können Eltern achten, wenn das Kind die Windel ablehnt

Am Anfang ist es manchmal noch etwas schwer, die Bedürfnisse einzuschätzen und es muss manchmal schnell gehen mit der Toilette. Daher ist es gut, wenn das Kind Kleidung trägt, die sich schnell und einfach ausziehen lässt. bequeme, weite Kleidung und Röcke oder Hosen, die das Kind selber und einfach wegschieben kann. Für die Übergangszeit ist es gut, wenn auch extra Kleidung unterwegs bereit gehalten wird. Denn noch überhört das Kind manchmal die Signale des Körpers, wenn gerade etwas besonders spannend ist, zum Beispiel wenn es im Spiel vertieft ist.

Kein „Geh doch nochmal aufs Klo!“

Wir können unsere Kinder in der ersten windelfreien Zeit fragen, ob sie das Gefühl haben, auf Toilette gehen zu müssen. Ein einfaches Nachfragen ohne Drängen oder Bewertung. Schließlich geht es genau darum, dass das Kind lernt, den eigenen Körper einzuschätzen und zu spüren, wann der richtige Zeitpunkt kommt. Vorsorgliches Auf-die-Toilette-schicken ist allerdings nicht sinnvoll: So lernt langfristig die Blase, schon bei geringer Füllung ein Harndrangsignal zu geben. Ein „Geh mal, du musst bestimmt.“ ist ebenso ungünstig wie ein „Geh mal jetzt bevor wir raus gehen.“ – Natürlich ist es unpraktisch, wenn das Kind wenige Meter nach der geschlossenen Tür dringend muss, aber es ist eine kurze Phase, in der wir dies aushalten müssen auf dem Weg zu einem guten Körpergefühl.

Tipps für die Anfangszeit ohne Windeln

  • dem Kind vertrauen
  • einfache Kleidung, die leicht auszuziehen ist und Wäsche gut verträgt
  • Trainerhosen: dickere Unterhosen, die ein paar Tropfen auffangen, aber wie eine Unterhose sind
  • kein Drängen zum Toilettengang
  • keine Beschämungen, wenn doch etwas daneben geht
  • Wechselkleidung für unterwegs, feuchter Waschlappen in Box zum Säubern
  • Erzieher*innen einbeziehen
  • Unterlage fürs Bett
  • auf Reisen: Schutzlaken erfragen/mitnehmen

Wenn es doch daneben geht

Und wenn es dann doch daneben geht? Dann geht es daneben und das Kind wird neu angezogen. Auf dem Weg zum Erlernen einer neuen Fähigkeit gibt es oft auch Missgeschicke – das kennen wir doch alle. Niemand von uns ist wohl mit dem Skateboard nie hingefallen, hat Nähen gelernt ohne sich zu pieksen oder Schreiben ohne eigenwillige Wortschöpfungen.

Wie bei allen anderen Dingen, die Kinder lernen, ist es auch hier wichtig, dass das Kind nicht beschämt oder bestraft wird. Weder durch Worte, noch durch Taten. Ein „Ich hab doch gesagt, dass Du das nicht kannst!“ oder „So eine Sauerei!“ wird einem Kind nicht helfen, es in Zukunft anders zu machen oder Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen. Ein „Komm ich helfe dir, etwas anderes anzuziehen.“ ist eine gute und nicht wertende Alternative.

Wenn nachts weiterhin eine Windel benötigt wird

Nachts ist es ein wenig komplizierter mit dem Gefühl: Das nächtliche Aufwachen wenn die Blase voll ist, wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Die Blase muss dem Gehirn melden, dass sie geleert werden muss und das Kind muss aufwachen. Manche Kinder schlafen so fest, dass sie einfach nicht aufwachen oder das Hormon, das an diesem Prozess beteiligt ist, wird noch nicht ausreichend gebildet. Es scheint, dass es auch eine vererbte Komponente um das nächtliche Einnässen gibt. So kommt es, dass tagsüber vielleicht alles wunderbar klappt, aber nachts eben doch noch eine Windel getragen werden muss. Auch dies wird sich mit der Zeit ändern. Um den fünften Geburtstag sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen, wenn das Kind weiterhin regelmäßig nachts ins Bett nässt. Gelegentlich kann dies allerdings auch noch bei Schulkindern stattfinden. Nässt ein Kind nachts wieder ein, obwohl es eigentlich trocken war, lohnt sich ein Blick auf das Kind: Gibt es gerade besondere Veränderungen, Ängste, Stressfaktoren? Bei nächtlichem Einkoten sollte auch genauer hingesehen werden auf mögliche Ursachen. Wichtig ist: Dem Kind sollte generell kein Druck gemacht werden.

Nächtliches Einnässen ist anstrengend für eine Familie, denn nachts aufstehen und Wäsche wechseln zehrt an uns und macht Stress. Auch wollen sich die aufgewachten Kinder oft nicht einfach umziehen lassen. Wichtig ist deswegen, gute Rahmenbedingungen zu schaffen: Matratzenschutz ins Bett legen, Wechselkleidung griffbereit und sich im nächtlichen Umsorgen abwechseln, damit jedes Elternteil abwechselnd Schlaf bekommt.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Batman auf dem Grab und der Brief an den Himmel – trauernde Kinder

Stefan ist vier Jahre alt. Die Uroma ist gestorben. Er ist traurig und weint. „Ich will ein Spielzeug auf das Grab legen.“ Er überlegt lange. Dann wählt er eine seiner geliebten Batman-Figuren. Wir Menschen brauchen Symbole und symbolische Handlungen. Wenn jemand stirbt, gibt es Beerdigungen und das anschließende Treffen der Trauernden. Wir werfen Sand und Blumen in das offene Grab und legen Kränze dorthin.

Kinder brauchen eigene Symbole für die Trauer

An all diesen Gestern, Rituale und Symbole können sich Kinder beteiligen, doch oft sind sie besonders jüngeren Kindern fremd. Diese Kinder brauchen eigene Symbole, um ihren Schmerz auszudrücken und ihre Wertschätzung, Liebe und Verbindung zu den Verstorbenen zu zeigen. Wir sollten Kinder darin unterstützen. Einige Beispiele und Anregungen:

  • Anja bemalt einen Stein. An jedem Jahrestag, zu dem ihre Schwester gestorben ist. Sie legt ihn auf den Grabstein (anknüpfend an eine jüdische Tradition).
  • Samy konnte bei der Beerdigung des Großvaters nicht dabei sein. Er malt ihm ein Bild, das er mit seinen Eltern verbrennt und „in den Himmel“ schickt (anknüpfend an eine chinesische Tradition).
  • Carolin vermisst ihre Katze. Die Familie hat eine neue, doch Lucy war ihre große Liebe. Sie baut aus einer Schachtel einen Gedenkschrein, kleidet ihn mit Samt aus und legt Fotos von Lucy hinein.
  • Fynns bester Freund aus der Kita ist plötzlich in eine andere Stadt gezogen. Fynn trauert, still und leise. Er kann noch nicht schreiben. Er schickt seinem Freund jede Woche ein Bild, auf das er malt, was ihm in den letzten Tagen am wichtigsten war.
  • Pauline hat auf das Grab ihres Hundes einen kleinen Baum gepflanzt. „Damit er im Hundehimmel dort Pipi machen kann …“
  • Steff hört immer wieder die Lieder, die sie von der Erzieherin gelernt und mit ihr gesungen hat, bevor diese in den Ruhestand ging.

Solche und viele andere Rituale und Gesten erleichtern auch kleinen Kindern das Trauern und gleichzeitig das Erinnern. Eltern und Großeltern sollten die Kinder darin unterstützen, ihren besonderen Weg zu finden.

Dr. Udo Baer ist Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL und u.a. Vorsitzender der Stiftung Würde. Auf Geborgen Wachsen schreibt er über die (Gefühls-)Welt der Kinder, ihre Gedanken und die sich ergebenden Herausforderungen. Mehr über dieses Thema findet sich in seinem neuen Buch „Die Weisheit der Kinder


Sommerbücher für Kinder

Der Sommer ist da und mit ihm die Sommerferien mit kleinen und großen Abenteuern, aber auch ruhigen Momenten der Stille, des Anlehnens und Ausruhens. Für die Mittagspausen im Schatten oder die gemeinsame Ruhe am Abend habe ich eine kleine Auswahl an Sommerbüchern für Euch zusammengestellt:

Sommer – Das Bilderbuch

Die Bücher von Eva-Maria Ott-Heidmann sind Klassiker unter den Bilderbüchern. Wie auch zu den anderen Jahreszeiten gibt es ein „Sommer“ Bilderbuch (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) mit bunten und detaillierten Doppelseiten, auf denen alles zu finden ist, was den Sommer ausmacht: Blumen, Insekten, Lagerfeuer, Baden im See, Obst, spielende Kinder und immer wieder versteckt dazwischen kleine Wichtel, die ein wenig Zauber in die Bilder bringen.

Tausend schöne Dinge – zu lesen und zu hören

In dem Album „Tausend schöne Dinge“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) besingt Songwriter Johannes Stankowski die Dinge, die im Sommer erlebt werden: Es geht um das Planschen im Garten, gegrilltes Gemüse, Freundschaft, Schatzsuchen, Urlaub und gemeinsame Zeit – die einfachen Dinge, die die Sommerferien ausmachen. Im zugehörigen Pappbuch sind alle Lieder aufgeschrieben und in einfachen Bildern illustriert.

„Genießt die Zeit, bald sind wir aus dem Haus.
Jetzt sind wir noch da,
drum seid gescheit und macht was Schönes draus!
Kommt schon, Paps- und Mama-Maus!“

Nick und der Sommer mit Oma

Benji Davies ist mit seinem Buch „Beste Freunde“ in unserem Bücherregal gelandet, das wir immer wieder gerne vorlesen. Nun hat sich für den Sommer sein Buch „Nick und der Sommer mit Oma“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) dazu gesellt: Die Geschichte von Nick, der eigentlich bei seinem Vater lebt, die Ferien aber bei seiner auf den ersten Blick merkwürdigen Großmutter verbringt. Als Nick während eines Ausflugs in Not gerät, rettet seine Großmutter ihn und einen Vogelschwarm und sie verbringen schließlich noch schöne Ferientage gemeinsam. Wie auch schon in „Beste Freunde“ bestechen auch hier wieder die wunderschönen Illustrationen.

Astrid Lindgrens: Ferien auf Saltkrokan

Astrid Lindgren gehört zum Sommer. Für die kleineren Kinder sind es die Geschichten aus Bullerbü, für die größeren die „Ferien auf Saltkrokan“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) . Auch hier ist es wieder ein allein erziehender Vater, der hier mit seinen Kindern Urlaub im Schreinerhaus auf Saltkrokan macht. Schnell lernen sie die Bewohner*innen der kleinen Insel kennen und schließen Freundschaften, die sie an Saltkrokan binden, so sie all ihre Sommermonate verbringen möchten. Wie viele andere Geschichten von Astrid Lindgren ist auch diese gekennzeichnet von den unterschiedlichen Temperamenten, die aufeinander treffen und den kindlichen Ideenreichtum. Eine wunderschöne Geschichte zum Vorlesen über die Ferien – oder selberlesen für größere Kinder.

Für Abenteuer*innen: Entdeckungen in der Natur

Für Abenteuer müssen wir nicht weit weg fahren, denn sie liegen schon vor unserer Tür, wenn wir genau hinsehen. In den Ferien ist Zeit, um auf Entdeckungstour zu gehen mit den Kindern und zu sehen, was uns wirklich alles umgibt an Tieren und Pflanzen. Die Kinder Naturführer von KOSMOS wie „Welcher Gartenvogel ist das?“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel)  sind dafür tolle Begleiter: Nach Größe sortiert (etwa so groß wie ein Spatz/ein Star/eine Elster/eine Gans) kann hier nachgeschlagen werden, welcher Vogel gesichtet wurde und was seine besonderen Merkmale sind. Ausflüge werden so zu ganz besonderen Beobachtungstouren.

Auf Reisen: Alles festhalten im eigenen Buch

Fotos sind schön, aber aufgeschriebene Erinnerungen auch. Im „Kinder Künstler Reisebuch“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) können Kinder mit Worten und Zeichnungen ihre Erlebnisse festhalten: ein Geruchsprotokoll, Autokennzeichen, die Musik des Sommers und viele andere Dinge neben einem klassischen Tagebuch. Für größere Kinder eine schöne Aufgabe für ruhige Momente.

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Amazon und Buch7, durch die ich im Falle einer Bestellung eine Provision erhalte ohne dass für Euch Mehrkosten anfallen. Die Bücher „Tausend schöne Dinge“ und „Welcher Gartenvogel ist das?“ habe ich als Rezensionsexemplare erhalten. Alle anderen Bücher sind im lokalen Buchhandel selbst gekauft.

Was Dein Kind sagt, ohne es zu sagen

An manchen Tagen ist es so klar und einfach zu verstehen, was mein Kind mir sagen möchte. Es sagt: „Ich habe Hunger!“ oder „Lies mir bitte etwas vor!“ Es sagt, was es möchte, was es gerade braucht und es ist einfach, diese konkreten Wünsche zu erfüllen. Und dann gibt es Tage, an denen es viel schwerer erscheint, zu verstehen, was das Kind eigentlich ausdrücken möchte. An denen es Wünsche vorbringt, die beantwortet werden und die scheinbar dennoch falsch sind. Die nicht das sind, was es eigentlich möchte, obwohl sie dem entsprechen, was scheinbar gewünscht wurde.

Was Kinder sagen ist manchmal nicht, was sie meinen

Manche Dinge lassen sich auch schon von Kleinkindern gut benennen und umschreiben: „Ich habe Hunger!“, „Ich habe Durst!“, „Ich muss auf Toilette.“ Konkrete Sachverhalte, die sie beschreiben können, weil sie schon verstanden und entziffert haben, welche Signale ihr Körper ihnen gibt und wie sie zu beantworten sind.

Andere Umstände fallen ihnen hingegen manchmal nicht so leicht zu umschreiben, weil sie weniger konkret sind, beispielsweise das Bedürfnis nach Nähe, Sicherheit, Schutz, das Gefühl, geleibt zu werden oder auch das Bedürfnis danach, Stress abzubauen. Unsere Kinder kommen nicht nach einem langen Tag zu uns und erklären: „Mein Tag war heute ganz schön anstrengend, ich muss noch meinen Stress los werden bevor ich zur Ruhe kommen kann.“ oder „Heute hatte ich so viel Streit mit meinen Freund*innen, der Erzieher in der Kita hat geschimpft, kannst Du mich in den Arm nehmen, weil ich das Gefühl brauche, geliebt zu werden.“ Diese Sätze, diese Reflexion, kennen wir von uns Erwachsenen – und selbst uns fällt es manchmal schwer, zu verstehen, warum wir wirklich schlechte Laune haben oder von einem anstrengenden tag nicht loslassen können.

Kinder verstehen bedeutet manchmal, hinter die Sätze zu blicken

Manchmal müssen wir hinter die Sätze blicken, um wirklich zu verstehen. Ein „Ich habe Hunger!“, das immer nach der Kita gesagt wird, kann auch bedeuten: „Ich brauche jetzt das Gefühl, von Dir versorgt zu werden.“ Es muss nicht der konkrete Hunger sein, der gestillt werden möchte, sondern vielmehr das Gefühl nach konkreter Zuwendung, nach konkretem Umsorgtwerden von der Person, die das Kind gerade abholt – aber beides kann auch miteinander verbunden sein. Ein „Ich will aber noch nicht ins Bett!“ muss nicht bedeuten, dass das Kind nicht müde ist, sondern dass es noch ungeteilte Aufmerksamkeit von den Eltern haben möchte, vielleicht gemeinsam trotz aller Müdigkeit etwas spielen möchte.

Wenn wir merken, dass die konkreten Handlungen vielleicht gar nicht die richtige Antwort auf den geäußerten Wunsch sind, lohnt es sich, mit etwas Abstand auf die Situation zu blicken und sich und das Kind zu fragen: Was ist heute los gewesen? Wie war Dein Tag? Meistens findet sich die Antwort auf Bedürfnisse schon in dieser Zuwendung oder tritt durch sie zutage.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Unterwegs mit den Minimalschuhen von Affenzahn {Werbung}

Vor einigen Wochen haben wir die neuen Minimalschuhe von Affenzahn vorgestellt und einige Exemplare verlost. Wie angekündigt, gibt es nun ein Feedback zu den unterschiedlichen Modellen von Eltern und Kindern in unterschiedlichem Alter und auch ein paar Antworten auf häufig gestellte Fragen

Warum einen Minimalschuh wählen?

Die Mehrzahl der Kinder werden mit gesunden Füßen geboren. Probleme entstehen dann später manchmal durch zu enge Schuhe, zu wenig Bewegungsfreiheit und zu schwere Schuhe. Die Auswahl der Schuhe für Kinder ist deswegen wichtig. Sie sollten gut passen und an keiner Stelle zu eng sein. Es ist prinzipiell gut, Kinder so oft wie möglich barfuß laufen zu lassen. Manchmal aber geht es nicht barfuß und der Fuß braucht einen Schutz. Der Vorteil von Minimalschuhen ist, dass sie eine besonders flexible Sohle haben. Mit dieser ist der Fuß beweglich, der Untergrund wird gespürt und die Bewegungen können dem Untergrund angepasst werden.

Die flexible Sohle eignet sich auch zum Klettern.

Passt der Schuh?

Prinzipiell ist es gut, Kinderschuhe anprobieren zu lassen. Die Affenzahn Schuhe sind deswegen auch bei einigen Einzelhändlern zu finden. Eine Übersicht gibt es hier. Vor Ort kann dann ein*e Fachverkäufer*in für Schuhe beurteilen, ob der Schuh passt oder nicht. Wer Schuhe online kauft, muss selber die richtige Größe finden. Dazu gibt es den Größenfinder bei jedem Schuh: Das Kind stellt sich auf die ausgedruckte Vorlage und es kann schnell festgestellt werden, ob die richtige Größe ausgewählt wurde. Ist der Schuh geliefert, sollte er dennoch erst einmal anprobiert werden, ob nicht nur Länge und Breite stimmen, sondern ob er auch bequem am Spann sitzt. Und wenn der Schuh doch nicht passt? Dann sollte er zurückgeschickt werden.

Wo kann ein Minimalschuh getragen werden?

Die Minimalschuhe können überall getragen werden: auf dem Spielplatz, im Wald, in der Stadt. Sie schützen den Fuß und erlauben gleichzeitig Beweglichkeit. Hier berichten die Gewinner*innen der Affenzahn Verlosung:

„Nachdem es zu einigen Fragen geführt hat, warum Mama Schuhe gewonnen hat, waren wir schon ganz gespannt auf die neuen Minimalschuhe von Affenzahn. Bisher kannten wir die Marke nur von den Kinderrucksäcken. Unsere Tochter (3 Jahre) hat sich für das Modell Karla Koala entschieden. In einem unaufdringlichen Design mit süßen kleinen Applikationen, wie dem Koala in der Zunge, haben die Schuhe unserer Tochter sofort gefallen und ließen sich einfach selber an- und ausziehen. Unser Wirbelwind hat die neuen Schuhe gleich beim Rennen, Balancieren und Klettern getestet. Da die Schuhe aus Polyester sind und unsere Tochter schnell warme und schwitzige Füße bekommt, war ich gespannt, wie es sich bei diesen Schuhen verhält. Aber trotz wärmerer Temperaturen waren ihre Füße am Ende trocken. Wir Eltern und insbesondere unsere Tochter sind ganz begeistert von den neuen Schuhen, wie sie uns auch gleich mitteilte: „Mama, mit den neuen Schuhen kann ich ganz schnell rennen!“

„Laut unserem 4jährigen Tester sind sie bequem und obwohl sie noch etwas zu groß sind, kommt er sehr gut mit ihnen zurecht (kein stolpern oder ähnliches). Der Schuhabdruck zur Größenkontrolle im Deckel des Schuhkartons fand ich zum gucken ob die Größe passt super, allerdings muss man ihn dann aufheben um regelmäßig zu kontrollieren – dafür ist eine rausnehmbare Sohle vielleicht doch praktischer. Der Magnetverschluss ist öfter mal aufgegangen und auch der oberen Verschlussmechanismus ist manchmal etwas “hakelig“ bzw. schwer zu bedienen. Vom Verschluss bin ich also noch nicht zu 100% überzeugt, obwohl mein Sohn mit ihm, wenn er nicht klemmt gut zurecht kommt 😉
Die Sohle ist besonders nach den ersten Tagen schön weich, der Schuh sitzt gut am Fuß und sieht auch noch schön aus. Auch die “Anziehhilfe“ und die reflektierenden Details an der Ferse finde ich total durchdacht und hilfreich.
Ob im Flugzeugmuseum, im Kieshaufen oder auf dem Spielplatz, der Schuh hat alles super mitgemacht“

„Seitdem vor ein paar Wochen die Affenzahn Schuhe «Daniel Dinosaurier» bei uns eingezogen sind, werden sie täglich auf Herz und Nieren von unserem 3-jährigen Sohn geprüft. Sie haben die ersten Versuche auf dem Fahrrad begleitet, Bremsmanöver überstanden, Matsch und Sand kennengelernt und viele Schotter- und Feldwege begangen. Unser tägliches Landleben eben. Die Schuhe passen wie angegossen am Fuss, sind weich und biegsam und eben sehr leicht, was sie zum idealen Allrounder für ein aktives Kind macht.  Unser Sohn läuft sicher und gut in ihnen und beim Übergang von festeren Schuhen auf Barfussschuhe gab es keinerlei Probleme oder Umstellungsschwierigkeiten. Nach mehreren Wochen aktiver Nutzung sind die Schuhe zwar manchmal matschverschmiert, aber nicht abgenutzt. Verschmutzungen konnten wir, sobald trocken, auch immer abbürsten. Auch scheinen mir die Schuhe sehr atmungsaktiv zu sein und es gibt keine Schweissfüsse. Beim Design hat sich der Hersteller wirklich gute Gedanken gemacht. So hilft das Bild an der Ferse des Schuhs dabei, rechts und links nicht zu verwechseln. Zwar ist das für uns noch nicht so relevant, weil unser Sohn die Schuhe noch nicht selbst anzieht, aber so kann er das Anziehen bereits vorbereiten und Entenfüssen vorbeugen. Einzig das Handling ist nicht immer optimal. Wir sind zwar prinzipiell grosse Fans der Schnürung – der Magnet an den Schnürsenkeln verhindert, dass die Kinder über herunterhängende Senkel stolpern – haben aber manchmal Schwierigkeiten, den Verschluss zu öffnen, besonders wenn vorher im Sand gespielt wurde. Auch wären ein bisschen längere Schürsenkel praktisch, damit man den Schuh zum Anziehen etwas weiter öffnen kann. Alles in allem sind wir total zufrieden und freuen uns auf die weitere Tragezeit. Gerne probieren wir auch die anderen Modelle aus, das nächste Mal welche mit Klettverschluss.“

Timmy Tiger von Affenzahn im Klettereinsatz

Weitere Modelle für den Herbst

Neben den veganen Schuhen aus Bio-Baumwolle mit Sohle aus Naturkautschuk oder gewebtem Polyester mit Naturkautschuksohle gibt es neu auch ein Ledermodell mit pflanzlich gegerbtem Rindsleder aus nachhaltiger Gerberei schon für die Herbsttage und all jene, die einen Minimalschuh aus Leder suchen. Er verfügt ebenfalls über eine Naturkautschuksohle und ist damit ebenso beweglich wie die veganen Varianten. Mit 240g ist er ebenso leicht wie die Bio-Baumwoll-Alternative Bobo Bär.

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Eine Eisteeparty für Kinder

Es ist Sommer: Draußen im Grünen lässt es sich wunderbar picknicken, aber auch an weniger sonnigen Tagen ist eine kleine Teeparty mit Puppen, Kuscheltieren und Kindern eine gute Idee, um einen Tag zusammen zu gestalten und gemeinsam zu entspannen.

Was braucht es für die Teeparty? Getränke, Snacks und Kuchen – und natürlich ein paar Gäst*innen. Nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch praktisch ist es, den Kuchen gleich in kleinen Portionen zu backen: Muffinformen waren gestern, heute wird einfach in Tassen und Bechern gebacken. So gibt es viele einzelne Portionen ohne Papiermüll, direkt aus der Tasse zu essen mit Löffel oder Gabel. Dazu ein paar Fruchtspieße oder – wer es lieber herzhaft mag – ein paar Cracker.

Rezept „Zitronentassenkuchen“ aus „Kinder Party Küche“

Kuchen aus der Tasse

Unter Abwandlung der Backzeit lässt sich jeder Rührkuchen auch in einer Tasse backen. Für eine Eisteeparty habe ich den frischen Zitronen-Tassenkuchen aus dem Buch „Kinder Party Küche“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) ausgesucht. Ein einfaches Rezept, das auch mit den Kindern zusammen zubereitet werden kann. Für den Teig braucht Ihr:

250g Butter
160g Zucker
5 Eier
2 TL Backpulver
350g Weizenmehl
1 unbehandelte Zitrone
120ml Milch

Butter und Zucker schaumig rühren, dann Eier zugeben, Backpulver und Mehl. Saft und geriebene Zitronenschale (davon gebe ich nicht die ganze hinein, das ist uns persönlich zu intensiv) untermengen, dann noch die Milch dazu geben.

Den Backofen auf 180°C vorheizen. Tassen fetten und mit Paniermehl auskleiden, dann zu 2/3 mit Teig füllen und ca. 30 Minuten backen.

Wer mag (bei uns gehört es zum Kuchen meistens dazu), kann noch Puderzucker und Zitronensaft anrühren zu einem Zuckerguss und den Kuchen mit Streuseln garnieren. Wir haben im Bioladen Schmetterlinge aus Oblaten gefunden, die unsere Kuchen zusätzlich verschönern.

Ein Rezept für veganen Zitronenkuchen findet Ihr zum Beispiel hier.

Eistee

Eistee ist eines unserer Sommer-Lieblingsgetränke in verschiedenen Variationen. Oft mit der Grundlage Hagebuttentee, der dann mit Beeren und Eiswürfeln aufgefüllt wird. Bei Stadtmama gibt es weitere Eisteerezepte, zur Erbeerzeit passt gerade auch noch dieser Erdbeer-Eistee. Sehr lecker klingt aber auch der Wassermelonen-Smoothie von Rebecca.

Schnelle Teeparty mit wenig Aufwand

Wir kennen es alle: Manchmal haben wir einfach zu wenig Zeit oder Lust, um lange in der Küche zu stehen und brauchen dennoch eine schnelle Aufmunterung oder kleine Abwechslung für den Tag, um zum Beispiel schlechte Laune zu vertreiben. Die Teeparty kann auch ganz schnell aus dem Ärmel gezaubert werden: Gekaufte Muffins mit etwas Schokoladenguss und Streuseln verzieren – oder sogar mit Popcorn. Gefrorene Obststücke in Wasser geben mit Strohhalm – fertig. Eine Tischdecke darunter, eine Kerze auf den Tisch und natürlich Kuscheltiere und Puppen nicht vergessen.

Und dann können sich alle noch verkleiden, in Stoffe wickeln und Hüte aufsetzen.
Viel Spaß beim gemeinsamen Zubereiten, feiern und naschen am Wochenende,
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Amazon und Buch7, durch die ich im Falle einer Bestellung eine Provision erhalte ohne dass für Euch Mehrkosten anfallen. Das Buch „Kinder Party Küche“ ist im lokalen Buchhandel selbst gekauft.

Wir gründen eine Kita – Folgende Punkte sollten beachtet werden

Janine Ringel hat zusammen mit ihrem Mann Stephan Ringel einen kleinen Kindergarten in Lübeck gegründet auf Basis einer Kindertagespflegestelle. Sie haben sich ein eigenes Konzept ausgedacht für den Kindergarten, aber auch für das Ankommen und den Aufbau der Beziehung zu den Kindern, die sie dort zusammen begleiten. Über das Ankommenskonzept, das sie erfolgreich praktizieren, hat sie bereits hier berichtet. Hier erklärt sie, wie die Schritte zur Gründung eines eigenen Kindergartens aussehen können.

Am Anfang war bei uns der Wunsch da, Arbeit und Familienzeit zu verbinden und einen Ort zu schaffen, den wir uns für unsere Kinder gewünscht haben, aber nicht fanden. Da wir selbst Pädagogen sind, lag die Gründung eines Kindergartens nahe. Wir entschieden uns für den Weg über die Kindertagespflege – es sind aber auch viele weitere Wege möglich, z.B. über Elterninitativen als Verein.

Wie sind die strukturellen Voraussetzungen? Oder dem Kind einem Rahmen geben

Die Voraussetzungen sind in jedem Bundesland/Kreis/Stadt unterschiedlich, sodass es sinnvoll ist, sich vorab individuell zu informieren. In Lübeck gibt es eine verpflichtende Grund- und Anschlussqualifikation zur Kindertagespflegeperson, die man – egal welche Vorausbildung vorliegt – ablegen muss. Diese berechtigt dazu, maximal fünf familienexterne Kinder zur gleichen Zeit zu begleiten. Wir finden, das ist eine wunderbare Anzahl für eine individuelle, bindungs- und bedürfnisorientierte Begleitung.

Kindertagespflege ist keineswegs nur für unter dreijährige gedacht: Kindertagespflegepersonen können Kinder bis zum Alter von 14 Jahren begleiten, zum Beispiel auch als Alternative zur Hortbetreuung/OGS- oder eben als bewusste Alternative zum Kindergarten. Uns erschien die Gründung einer Kindertagespflege als die passendste Rechtsform, da die Gründung eines privaten Kindergartens deutlich mehr Hürden bereithält und weniger Selbstbestimmung.

Was sind passende Räumlichkeiten oder dem Kind ein zuhause geben

Die Begleitung ist sowohl zuhause als auch in angemieteten Räumlichkeiten möglich. Wir haben uns bewusst für externe Räume entschieden, weil diese mehr unserer Idee eines kleinen Kindergartens entsprechen. Zum anderen aber auch und vor allem, weil wir selbst Kinder haben. Diese sollen die Möglichkeit eines geschützten, eigenen Raumes haben, der nicht vom Kindergarten berührt wird, mit eigenen Spielmaterialien und der Möglichkeit von „Kigafreien Tagen“. Der Vorteil des Begleitens Zuhause ist natürlich, dass die zusätzlichen Mietkosten wegfallen und eventuell schon Materialien vorhanden sind. Bei beiden Varianten gilt, dass die gängigen Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden müssen und zumindest in Lübeck auch überprüft werden: Kindersicherungen, bruchsichere Folie an den Fenstern etc. In den meisten Fällen wird eine Wohnung/Immobilie im Erdgeschoss bevorzugt.

Die meisten Vermieter können sich unter einer Kindertagespflege erstmal weniger vorstellen. Sinnvoll ist es deswegen, einen Businessplan (der klar den voraussichtlichen finanziellen Erfolg der Einrichtung dokumentiert) dabei zu haben, sodass sie sicher sein können, dass das ganze finanziell erfolgreich ist. Auch praktisch ist es, eine Immobilie zu finden, die ein bisschen Arbeit erfordert- denn hier sind die Vermieter eher bereit, sich auf Kompromisse mit dem Mieter einzulassen. So haben wir unseren Kindergarten drei Monate lang selbst mit renoviert, Wände gestrichen und verputzt, Boden verlegt…dadurch haben die Vermieter wiederum sich auf das Abenteuer Kindertagespflege (samt „Kinderlärm“ etc) eingelassen.

Außerdem ist die Lage der Räumlichkeiten entscheidend: Da Natur für uns ein wichtiger Schwerpunkt ist, war es uns wichtig, naturnah gelegen zu sein und mit den Kindern viele wundervolle Orte aufsuchen zu können. Zugleich ist aber auch die Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz durchaus sinnvoll, um Eltern, die auch nicht direkt um die Ecke wohnen, anzusprechen- gerade bei einem individuelleren Konzept ist das durchaus sinnvoll, da das Einzugsgebiet oft größer ist als die direkte Nachbarschaft.

Wir haben vorher auch vorsichtig bei den Nachbarn angetastet, ob diese mit einem Kindergarten in direkter Nähe glücklich wären und sind zum Glück auf viel Freude und Neugierde gestoßen.

Bei der Wahl der Räumlichkeiten war für uns entscheidend, mehrere Räume zur Verfügung (oder einen großen Raum, den man gut abteilen kann) zu haben, sodass die Grundstruktur schon Geborgenheit gibt. Außerdem ist es wundervoll, wenn die Räume viel Sonnenlicht einlassen – wir haben zum Beispiel nach vorne eine große Fensterfront, durch die die Räume selbst im Winter sehr hell und freundlich wirken, was für viele Kinder Sicherheit und Klarheit vermittelt (das kann man aber natürlich auch durch helle Farben etc. selbst schaffen, wenn die Wohnung dies nicht hergibt). Wir haben zusätzlich mit Lehmfarben gearbeitet, die neben dem guten Raumklima auch Wärme und Behaglichkeit vermitteln.

Wie werde ich bekannter – Hallo ist da wer

In der ersten Zeit ist es schwierig, auf sich aufmerksam zu machen; eine Internetseite und ein Flyer mit einem Logo, das Aufmerksamkeit auf sich lenkt, sind da gute Grundvoraussetzungen. Der Flyer kann an Orten aufgehängt, wo es erlaubt ist und im besten Falle zum Konzept passt.  Bei uns waren das: Bioläden, vegane und vegetarische Cafes, Bio-Bauernhöfe, eine freie alternative Schule. Am effektivsten ist aber immer noch die Mund zu Mund Propaganda und diese braucht Zeit- und Geduld.

Das Herz des Ganzen oder Dein Konzept

Zu dem Ganzen gehört auch eine Portion Mut und Zuversicht, das zu verwirklichen, was für einen selbst Herzensanliegen sind und sich nicht verunsichern zu lassen. Ein Konzept ist für die pädagogische Arbeit sehr wichtig: Was sind die Grundwerte der Pädagogik, wonach wird im Kindergarten gelebt und gehandelt? Bei uns sind es: Bindungs- und Bedürfnisorientierung, Achtsamkeit, Gewaltfreie Kommunikation, Natur und Entspannung). Diese Punkte sollten beim Kennenlerngespräch mit Elternam besten direkt erläutert werden, um zu sehen, ob die gemeinsamen Erwartungen übereinstimmen. Ein Konzept sollte kein leeres Papier sein, sondern die wirklich gelebte Pädagogik in Schriftform.

Wieso das Ganze?

Mit einer Kindertagespflege/ einem kleinen Kindergarten wird man nicht reich, zumindest nicht an Geld. Man gründet eine kleine Selbstständigkeit, die Stadt unterstützt durch Anteile an der Pflege-, Renten- und Krankenversicherung oder der Mietkosten, die ebenfalls anteilig übernommen werden können. Am Ende bleibt trotz dessen nicht so viel übrig, wie man vielleicht vermutet. Es ist ein Weg des Ideals und des Herzens, nicht des Geldes. Und dennoch möchte ich an dieser Stelle Mut machen. Wenn es dein Herzensanliegen ist, Kinder liebevoll und geborgen in diese Welt zu begleiten, dann ist dieser Weg ein wundervoller Weg.

Janine Ringel ist Sozialpädagogin (BA) und Mutter von zwei Kindern (2014 und 2017 geboren). 2017 hat sie zusammen mit ihrem Mann den kleinen, bindungsorientierten, auf Achtsamkeit und GFK basierenden Kindergarten „Farbtupfer“ in Lübeck für Kinder von 2-6 Jahren gegründet und arbeitet darüber hinaus in der Elternberatung. Sie ist ausgebildet in gewaltfreier Kommunikation nach M.B.Rosenberg. Mehr von Janine findet Ihr auf auf  farbtupfer.org oder hier   auf Instagram.


„Spiel bitte etwas anderes!“ – Wenn Eltern das Spiel des Kindes nicht mögen

Wenn wir Kinder beim Spiel beobachten, geht es dabei manchmal ganz schön zur Sache: Da sterben die Figuren, es gibt Krieg, Eltern sterben, Spielfiguren verlaufen sich, werden entführt oder Kuscheltiere werden operiert. Und gelegentlich werden auch noch Schimpfwörter benutzt. Manchmal sind wir verleitet, nicht nur zu denken, sondern zu sagen: „Jetzt spiel doch etwas Schönes!“ – Aber das sollten wir nicht tun.

Kinder spielen von Anfang an

Im Spiel lernen unsere Kinder sich selbst und die Welt kennen. Das Spiel beginnt dabei schon sehr früh im Babyalter, wenn das Kind nach und nach mit der Umgebung interagiert, Gesichtsausdrücke nachahmt, später Laute, und anfängt, Hände, Füße und den Körper zu erkunden. Es steht im Zusammenhang mit den Fähigkeiten des Kindes und entwickelt sich anhand dieser Fähigkeiten weiter: Je mehr die Feinmotorik ausgebildet wird, desto mehr untersucht das Kind spielerisch Gegenstände. Je mehr es interagieren kann, desto stärker tritt das Spiel mit anderen hervor. Im Spiel übt das Kind, verfeinert Fähigkeiten und entwickelt sie weiter. Während es am Anfang erkundet, ahmt es später nach und schließlich entwickelt es eigene Handlungsstränge und Spielideen – und diese stellen uns manchmal mehr und manchmal weniger vor Herausforderungen.

Das Spiel als „Sprachmedium“

Um die Bedeutung des Spiels für das Kind zu verstehen, müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass „Kinder eben nur spielen“. Das Spielen ist ein komplexer Vorgang des Lernens und Erfahrens und auch der Aufarbeitung von emotionalen Erlebnissen. Was wir am Abend auf dem Sofa mit einem anderen Erwachsenen besprechen, lebt das Kind im Spiel aus: Spielsachen sind ein Medium wie die Sprache und das Kind drückt darüber aus, was es bewegt. Manchmal sind das die ganz alltäglichen Dinge des Alltags, wenn Puppen bekocht und bespielt werden oder Freundschaft nachgespielt wird. Manchmal werden aber auch Konflikte darüber bearbeitet und nachgespielt oder Themen, die das Kind gerade generell bewegen. Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle, können oft im frühen Kindesalter noch nicht gut versprachlicht werden und finden dann im Spiel spontan ihren Ausdruck. Das Kind beschäftigt sich mit dem, was gerade ein Thema für das Kind ist.

Themen der Kinder zulassen

Wenn wir also merken, dass ein Kind sich mit einem Thema beschäftigt, das wir als kein „gutes Spielthema“ betrachten, können wir uns zunächst fragen, warum uns dieses Thema überhaupt so große Probleme bereitet: Warum können wir Aggression im Spiel nicht zulassen, warum wünschen wir, dass das Kind ausschließlich „harmonisch“ spielen soll? Warum ist es für uns schwer, wenn das Kind leichtfertig das Thema Tod im Spiel bearbeitet? Welche eigenen Themen kommen da vielleicht gerade hoch, ausgelöst durch das Spiel des Kindes?

Anstatt die Spielthemen des Kindes zu lenken und zu beeinflussen, können wir zuhören: Was ist es, was das Kind gerade beschäftigt, worüber es sich Gedanken macht? Wir können Themen aufgreifen außerhalb des Spiels und gemeinsam Bücher ansehen rund um den Tod oder um Freundschaft, wenn das große Themen sind oder einen passenden Film ansehen. Wenn wir zusammen mit unserem Kind spielen, sollten wir das Thema des Kindes annehmen, statt zu versuchen es in eine von uns gewünschte Richtung zu lenken und schauen, welche kreativen Lösungen das Kind selbst entwickelt und das unterstützen. Vor allem sollten wir die Themen nicht zu sehr dramatisieren und uns Fragen, ob wir etwas falsch gemacht haben, weil das Kind Auseinandersetzungen spielerisch bearbeitet . Wir sollten weniger deuten und mehr annehmen und begleiten.

Schimpfworte

Je nach Alter des Kindes tauchen auch Schimpfworte im Spiel (und auch im Alltag) auf. Natürlich werden sie beeinflusst von dem, was das Kind in der Umgebung hört. Dass es aber Schimpfworte prinzipiell nutzt, ist normal.

Mit einem Schimpfwort, so lernt das Kind, kann ein negativer Superlativ ausgedrückt werden: Das andere Kind ist nicht nur doof, sondern ein Scheißmann; die Situation ist nicht nur blöd, sondern superkacke. Das Kind sucht ein Wort, mit dem es all die Unzufridenheit, all das negative Empfinden im Inneren beschreiben kann, was es fühlt.

S. Mierau „Geborgene Kindheit“

Benutzt ein Kind Schimpfworte, ist das kein Zeichen für elterliches Versagen. Wir können über die Worte sprechen und welche festlegen, die in unserer Familie Raum haben und solche, die nicht gesagt werden sollen – und warum. Im Spiel können die Schimpfworte auch ihren Platz finden. Gerade dann können Kinder auch die Macht dieser Worte ausprobieren und ihre Wirkung. Ein Schimpfwort kann manchmal die Machtverhältnisse zwischen Eltern und Kind umkehren: Durch die Benutzung eines solchen Wortes fühlt sich das Kind stark und selbständig. Diesen Wunsch können wir hinter dem Verhalten sehen und mitspielen oder andere Spiele und Situationen finden, in denen das Kind obsiegen kann.

Das Spiel ist ein wunderbarer Entwicklungsraum, in dem sich unsere Kinder entfalten und die Themen bearbeiten, die gerade und prinzipiell wichtig sind. Begleiten wir diese Entwicklung, lassen wir sie zu, anstatt Themen und Gefühle auszuklammern.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Was kommt in die Schultüte? {Werbung & Verlosung}

Es ist wieder so weit: Eine Einschulung steht bevor. Und wie jedes Mal gibt es die Frage: Was kommt alles hinein in die Schultüte? Und welche Materialien sind für die erste Ausstattung wichtig? Von unserem ersten Schulkind haben wir gelernt, dass es am Anfang auch manchmal zu Verwirrungen und Problemen kommt: Kinder haben gleiche Schul- und Federtaschen, gleiche Materialien. Dafür sollte alles gut beschriftet sein.

Was kommt hinein in die Schultüte?

Wie auch beim letzten Mal, haben wir die Schultüte aus Stoff anfertigen lassen, so dass sie nach dem großen Einschulungstag ausgestopft als Kissen genutzt werden kann. Aber vorher kommt es für das zukünftige Schulkind erst einmal auf den Inhalt an. Was bei uns hinein kommt:

  • Lernspiele zum Lesen und Rechnen, davon gibt es einige kleine Spiele, die gemeinsam gespielt werden können. Rechenstäbchen aus Holz und ein 1×1 aus Holzwürfeln haben wir noch vom großen Kind.
  • Spielsachen für den Schulhof: In den großen Pausen (und zwischendurch) wird gespielt, dafür gibt es in unseren Schultüten immer ein paar kleine Spielsachen, die ich für den Hof gut eignen: Flummi, Murmeln, Gummitwist, dieses Mal ein Ufo – und ein Heft mit Schüler-Witzen.
  • Süßigkeiten sind auch dabei ganz unten in der Spitze der Tüte.
  • Eine Uhr, damit die Zeit im Auge behalten werden kann und das Kind darauf nachsehen kann, wann es abgeholt wird.
  • Kleine Brotdosen für die Besonderheiten neben dem Schulbrot, die mitgenommen werden: getrocknete Früchte, Obst, Gemüse, auch mal etwas Gebackenes
  • Schulmaterialien wie Buntstifte, Kleber, Radiergummi in besonderer Form, Knete, Glitzer- und Hautfarbenstifte. Alle Materialien werden mit Namensaufklebern beklebt.
Ideen für die Schultüte

Schulsachen beschriften

Es steht meistens schon auf den Materiallisten der Schulen drauf: Alle Sachen der Kinder beschriften. Beim ersten Mal haben wir uns so halb daran gehalten und schon nach wenigen Tagen kam es zum Durcheinander, das vor allem für die Kinder stressig war: Stifte waren weg oder vertauscht, der falsche Ranzen wurde fast mitgenommen, einige Sachen sind gänzlich verschwunden. Beschriftungen helfen sicherlich nicht gegen alle Formen des „Verschwindens“, aber zumindest gegen einige und geben erst einmal auf dem Schultisch eine Hilfe, wenn Sachen wieder zusammengesammelt werden sollen. Stifte, Dosen etc. werden daher beklebt.

Beschriftete Schulmaterialien

Die in der Schweiz produzierten, personalisierbaren Namensaufkleber von Stickerkid kleben nicht nur gut, sondern haben sogar eine Garantie über 10 Jahre, da die dünne Schutzschicht sie besonders robust macht. Es gibt diverse Ausführungen in unterschiedlichen Größen, Farben und mit Logo oder ohne. Für alle Materialien, die langfristig genutzt werden, haben wir uns für Etiketten entschieden, die nur den Nachnamen tragen, so dass auch noch das nächste Kind die Sachen benutzen kann.

T-Shirts beschriften ohne bügeln

Noch mehr Etiketten: Kleidung beschriften

Auch für den Kindergarten haben wir noch Etiketten bestellt für Wechselkleidung und Schuhe. Die Kleidungsaufkleber werden ohne Bügeln eingeklebt und halten Waschgänge bis 40°C aus. Diese Aufkleber kommen ausschließlich in die Wechselwäsche in die Kita und Schule. Die Schuhaufkleber werden in beide Schuhe geklebt und erleichtern so auch, dass der richtige Schuh am richtigen Fuß landet.

Verlosung

Du brauchst noch personalisierbare Namensaufkleber für Schule oder Kita? Stickerkid hat drei Pakete „L“ mit insgesamt 214 Etiketten zur Verfügung gestellt (32 große Namenssticker, 14 Schuhaufkleber, 120 kleine Namensetiketten, 48 Kleidungsetiketten).

  • Kommentiere zur Teilnahme hier auf dem Blog
  • Bitte kommentiert individuell, so dass nach der Auslosung eine eindeutige Zuordnung des Namens möglich ist (bspw. ist eine Zuordnung schwierig, wenn es 20 Stefanies gibt, daher dann lieber Stefanie_79 oder ähnlichen Namen wählen). Bitte kommentiere nur einmal: Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis Dein Kommentar freigeschaltet werden kann, aber er geht nicht verloren.
  • Die Teilnahme steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder Instagram.
  • Datenschutzhinweis: Dieses Gewinnspiel ist nicht an weitere Kontaktaufnahme wie Newsletter und Werbung gekoppelt. Die Daten der TeilnehmerInnen werden nicht weitergehend ausgewertet oder zu Werbezwecken gebraucht. Alles weitere zum Umgang mit Daten findet Ihr im Datenschutzhinweis
  • Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen natürlichen Personen.
  • Die Teilnahme beginnt am 27. Juni 2019 um 9:00 Uhr und endet am 28. Juni 2019 um 24 Uhr. Verlost wird nach Teilnahmeschluss am 29. Juni 2019.
  • Der/die Gewinner/in wird im Anschluss nach dem Zufallsprinzip ermittelt und erhält eine Benachrichtigungsemail am 29. Juni 2019. Eine Veröffentlichung des Namens findet aus Datenschutzgründen nicht statt.
  • Die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners und die Mailadresse werden an die Firma Stickerkid weitergegeben. Hiermit erklären sich die Teilnehmer*innen am Gewinnspiel einverstanden.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Sollte sich der/die Gewinnerin nicht spätestens 10 Tage nach der Verlosung zurückmelden, verfällt der Gewinn.

*** Die Verlosung ist beendet. Die ausgelosten Personen wurden benachrichtigt.***

Spielzeug in Indien

In der Altstadt Hyderabads habe ich einmal einen Straßenverkäufer entdeckt, der Windräder verkauft. Sie sind aus teils schon bedrucktem Papier, mit ein bisschen Draht und ein bisschen Holz in Handarbeit hergestellt. Aus fast nichts also. Ein wenig fragil sind sie, und sie halten nicht ewig. Aber sie sind so leicht und schön.

Solches Spielzeug aus Alltagsmaterialien war in Indien früher verbreitet, bevor auch hier die Kinderzimmer mit Plastik überschwemmt wurden. Ich war nie ein Fan von Plastikspielzeug und unserem Planeten zuliebe ist es höchste Zeit, darauf zu verzichten, wann immer es geht. Also haben wir für unsere Tochter nach Alternativen gesucht. Es war klar, dass wir kein vollgestopftes Kinderzimmer wollen, sondern eher minimalistisch vorgehen werden. Ich fand es auch ein spannendes Experiment: Wie würde unsere Tochter spielen, ohne all das übliche Zeug, das sich sonst so schnell ansammelt?

Ganz ohne Spielzeug blieb unser Haus natürlich nicht. Wir brachten ein bisschen was mit. Wir bekamen ein paar gebrauchte Sachen von anderen Familien geschenkt. Ich wandelte einen Schreibtischaufsatz in eine improvisierte Küche. Und wir fanden auch hier eine Alternative zum Plastikkram, der an jeder Straßenecke verkauft wird: In Auroville, einer Mischung aus spirituellem Ashram, Ökodorf, sozialem Experiment und Innovations-Hub, gibt es hochwertig hergestelltes Spielzeug, Holzbausteine, Stofftiere, ein Laufrad aus Holz. Mit der Zeit begann ich aber wieder meine Haltung zu reflektieren. Muss es wirklich das Holzspielzeug sein, das ich mir immer vorstellte? Das ist eben auch eine sehr kulturell geprägte Vorstellung! 

Sudarshan Khanna, Gita Wolf, Anushka Ravishankar, Priya Sundram: Toys and Play with everyday materials. Tara Books (Rezensionsexemplar)

Traditionelles Spielzeug in Indien

Bevor die Plastikwelle Indien überrollte, war Spielzeug wie das oben beschriebene Windrad hier üblich und verbreitet:  Davon habe ich in einem indischen Buch über Spielzeug erfahren. Es ist ein Bastelbuch mit Alltagsmaterialien, ähnlich dem oben beschriebenen Windrad. Dieses Buch, das neben den Bastelanleitungen tolle kritische Essays über Spiel und Spielzeug enthält, hat mich nochmal zum Nachdenken gebracht über Spielzeug überhaupt.

Früher, wird in diesem Buch erzählt, gab es auf den Dörfern Spielzeugmacher, die aus dem, was verfügbar war, Spielzeug herstellen konnten. Vieles wurde auch von den Kindern selbst hergestellt, nach ihren Vorstellungen. Heute, im urbanen Indien, haben viele Kinder keine Zeit dafür. Manche haben auch einfach keinen Platz, weil sie in abgeschotteten Apartment Blocks leben oder an verkehrsreichen Straßen. Höchstens ärmere Kinder spielen noch ähnlich wie früher, einfach weil in ihren Familien kein Geld für gekauftes Spielzeug da ist. Die Spielzeugmacher und ihre Traditionen sind weitestgehend verschwunden. Sie wurden durch billiges massenproduziertes standardisiertes Plastik ersetzt. Die sogenannten „Folk toys“ werden als etwas für die armen Leute gesehen, die sich nichts „besseres“ leisten können.Ohne Armut romantisieren zu wollen, finde ich das schade. 

Ressourcen schonen – auch bei Spielzeug

Ein bekannter indischer Spielzeugdesigner, der selbst als Kind eine Reihe von Spielsachen herstellen konnte, hat die traditionellen Spielideen dokumentiert, ihre Designprinzipien analysiert und weiterentwickelt und mit einem Team in dem erwähnten Buch versammelt. Darin findet man nun kleine Flugobjekte, Dinge, die Krach machen, Geschicklichkeitsspiele, hergestellt aus ein bisschen Schnur, Papier, einem Haushaltsgummi etc. Kleine Erklärungen zur Physik des Spielzeugs sind auch dabei. Diese Art von Spielzeug ist für mich ein typisches Beispiel von Jugaad, jene in der indischen Kultur weit verbreiteten Fähigkeit, innovative und extrem ressourcenarme Lösungen für ein Problem zu finden. Ein Beispiel für Nachhaltigkeit, die in Indien aus Mangel entsteht, uns aber inspirieren könnte, unseren enormen, viel zu hohen Ressourcenverbrauch zu drosseln.

Mein Fazit: weniger, weniger, weniger

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Kinderzimmer voll sind. Es lohnt sich, das zu prüfen. Wie alle Konsumentscheidungen haben auch diese eine politische Dimension. Anfangs ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass meinem Kind etwas fehlen könnte, wenn es dies oder jenes nicht hat. Aber es braucht nicht so viel. Mein Kind lernt bei anderen Kindern anderes Spielzeug kennen. Es braucht nicht alles selbst zu besitzen. Und aus fast Nichts lässt sich etwas Tolles herstellen. Das fertige, in seiner Verwendung schon festgelegte Spielzeug fördert viel eher eine Haltung des Konsums, als eine der Kreation. Der Prozess des Herstellens, Ausprobierens, Spielens und vielleicht auch Scheiterns bietet eine Erfahrung, die weit über ein fertiges Spielzeug hinausgeht. Und wenn wir oder andere Kinder in diesen Prozess involviert sind, kommen soziale Interaktionen und Beziehungserfahrungen hinzu. Spiel braucht Raum, Zeit, Beziehung, Phantasie, Freiheit. All das ist nicht primär an Material geknüpft. 

Ich werde auch in Zukunft darüber nachdenken, wie viel Spielzeug mein Kind wirklich braucht. Was sich aus dem machen lässt, was schon da ist. Und wieviel Raum und Zeit mein Kind für freies Spiel hat. Erst das Spiel. Dann das Spielzeug. 

Anka Falk hat einen Magister in Rhetorik und Pädagogik und ist Körperpsychotherapeutin, Coach und Dozentin. Von 2007-2017 arbeitete sie in Lehre und Forschung an einem experimentellen Design Institut in der Schweiz. Sie ist im Alter von 37 Jahren mit ihrem Mann nach Indien gegangen. Ihr Kind hat sie in Deutschland geboren, ist dann aber zurück gegangen nach Indien und berichtet von ihrem Alltag dort. Zudem bloggt sie auf ljuno.de und gibt einen Einblick in ihr Alltagsleben in Indien hier auf Instagram 

Das Buch kann im Online-Shop des Verlags (tarabooks.com) erworben werden. Sie werden nach Deutschland verschickt. Vielen Dank an Tara Books für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.