5 Tipps für einen respektvollen Beikoststart

Über Beikost habe ich bereits viel geschrieben, besonders über Baby-Led Weaning oder breifreie Beikost. So haben meine Kinder Beikost kennen gelernt, so berichte ich davon in Seminaren. Doch natürlich hat es auch seine Berechtigung, mit Brei zu beginnen oder beide Ansätze zu verwenden – alles ist möglich. Unabhängig davon, wie – das heißt ob nun mit Brei oder mit Stückchen – die Beikostzeit begonnen wird, ist der respektvolle Umgang mit dem Kind jedoch bei allen Ansätzen zur Beikosteinführung wichtig.

Zusammenfassung

  1. Respektiere die Signale Deines Kindes
  2. Respektiere die Wünsche Deines Kindes
  3. Trickse Dein Kind nicht aus
  4. Vertraue Deinem Kind
  5. Lass Deinem Kind Zeit

1. Respektiere die Signale Deines Kindes

Mit Beikost beginnen können Kinder, die deutlich zeigen, dass es für sie nun an der Zeit ist. Das kann von Kind zu Kind sehr variieren, ist meist aber um den 6. Monat herum so. Zuerst verfolgt das Baby gespannt das Essen der Größeren, doch gespanntes Zusehen allein ist noch kein Anzeichen dafür, dass das Baby bereit ist für Beikost. Andere Aspekte sollten ebenfalls beachtet werden:

Während früher das Vorhandensein von Zähnen als Hinweis darauf gedeutet wurde, dass das Baby bereit sei für die erste feste Nahrung, gilt dies heute als überholt. Dagegen spricht nicht nur die breite Varianz des Auftretens der ersten Zähne, sondern vor allem der Umstand, dass Babys auch ohne Zähne sehr gut kauen können. Sie nutzen hierzu einfach ihren Kiefer. Allerdings sollte es mit der Zunge Speisen gut bewegen können – dies ist der Fall, wenn das Baby sich vom Rücken auf den Bauch drehen kann, da die Entwicklungen parallel verlaufen.

Auch das Nachlassen des Zungenstoßreflexes ist ein Zeichen dafür, dass das Kind für Beikost bereit ist: In den ersten Lebensmonaten verfügt das Baby noch über einen Reflex, der es davor bewahrt, feste Dinge zu verschlucken oder einzuatmen. Alles außer der Brust oder Milchflasche wird mit der Zunge aus dem Mund hinaus befördert. Dieser Reflex lässt ab dem vierten Monat nach und das Baby beginnt mit den ersten Kaubewegungen.

Um Beikost zu sich zu nehmen, sollten Kinder (mit wenig Hilfe) sitzen und das Essen selbst zum Mund führen können. Auf keinen Fall sollten Babys im Liegen Nahrung erhalten oder gefüttert werden, da das Kind dabei passiv ist, nicht mitwirken kann und auch Schwierigkeiten hat, Essen wieder hervor zu bringen, wenn es sich verschluckt hat.

Und ganz besonders wichtig in Hinblick auf achtsame Beikosteinführung ist natürlich, dass das Baby zeigen kann, wenn es etwas nicht zu sich nehmen möchte – weil es die Speise ablehnt oder es satt es. Auch wenn es sich sprachlich noch nicht so ausdrücken kann, sollte es den Kopf abwenden können und damit deutlich zeigen, dass es nicht weiter essen möchte.

2. Respektiere die Wünsche Deines Kindes

„Das Kind mag einfach keine Möhren, aber Möhren sind doch so gesund!“ – Glücklicherweise haben wir hier die Möglichkeit, aus einem breiten Spektrum an Nahrungsmitteln auszuwählen und immer mal wieder etwas Unbeliebtes neu anzubieten. Vielleicht mag das Kind keine Möhren, keinen Spinat oder etwas anderes. Es ist nicht schlimm! Dann probieren wir eben ein anderes Obst oder Gemüse aus. Hinter mancher Ablehnung eines doch so gesunden Gemüses steht eine genetische Abneigung gegenüber bitteren Gemüsen, die aus evolutionärer Sicht sinnvoll war, da sie vor dem Verzehr falscher Nahrungsmittel gewarnt hat. Und auch wenn Kinder manchmal eine Zeitlang immer wieder dieselben Lebensmittel zu sich nehmen wollen wie Kartoffeln oder Nudeln, kann das wohl begründet sein durch einen Entwicklungsschub. Wichtig ist es, Kinder aus gesunden Lebensmitteln auswählen zu lassen und ihnen die, die sie zunächst ablehnen, immer wieder anzubieten – aber respektvoll und nicht mir Zwang.

3. Trickse Dein Kind nicht aus

„Ein Löffelchen für Oma, ein Löffelchen für…“ oder „Uh, hier kommt das Flugzeug, mach nochmal den Mund auf!“ – Kinder essen, wenn sie interesse haben, wenn sie die Erfahrung machen wollen, wie sich Dinge im Mund anfühlen und schmecken und wenn sie Hunger haben. Wir müssen sie nicht mit Tricks dazu bringen, mehr oder überhaupt zu essen. Auf diese Weise übergehen wir eher ihre Signale, nehmen sie ncht wahr oder setzen uns über ihre Bedürfnisse hinweg. Auch versteckte Tricks wie bunt bedruckte Teller sind nicht nötig, die aussagen: Wenn Du aufgegessen hast, siehst Du das schöne Bild ganz. Auch Löffel in Autoform oder anderer Krimskrams lenken das Kind eher von der Erfahrung ab, auf die es sich konzentrieren kann: das Erschmecken und Befühlen von Nahrungsmittel – das allein ist schon Spiel und Aufregung genug und bedarf nicht weiterer Spielimpulse.

4. Vertraue Deinem Kind

Beikost einzuführen ohne Zwang und Druck bedeutet auch, dem Kind zu vertrauen. Darauf zu vertrauen, dass es vielleicht nicht die vorgefertigte Normgröße eines Gläschen immer vollständig aufisst und sich trotzdem entsprechend entwickelt. Darauf, dass es selbständig Fähigkeiten entwickelt, sich zu versorgen. Darauf, dass es wirklich irgendwann nicht mehr Brust oder Flasche will. Darauf, dass man einen individuellen Weg gehen kann und muss, weil nunmal jeder Mensch anders ist und wir unterschiedliche Geschmacksvorlieben haben und unterschiedliche Mengen an Nahrung zu uns nehmen.

5. Lass Deinem Kind Zeit

Eng verbunden mit dem Vertrauen ist das Zeitlassen. Ob nun mit Brei oder Gemüsesticks: Jedes Kind hat sein Tempo. Wie beim Umdrehen, Krabbeln, Sprechen und Laufen ist auch die Nahrungsaufnahme individuell. Wir sollten nicht vergleichen mit anderen Kindern, uns nicht verrückt machen lassen von den Berichten von Freunden oder Verwandten. Solange es im Rahmen einer normalen Entwicklung stattfindet, kann jedem Kind und jeder Familie die zeit zugestanden werden, die sie braucht. Und tatsächlich bezeichnet Beikost eben nur Bei-Kost – Nahrung zur Hauptnahrungsquelle (Mutter-)milch. Gerade dies sollten wir uns immer wieder vor Augen führen, wenn wir uns Sorgen, unser Kind würde nie „richtig“ essen.

Und wie handhabt Ihr die Beikosteinfühung?
Eure

Susanne_clear Kopie

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