Kategorie: Natur

Raus in den Wald mit Kindern

Eigentlich ist jede Jahreszeit im Wald mit Kindern toll: Im Frühling erwacht der Wald neu, im Sommer spenden die Bäume Schatten und es ist angenehm kühl. Im Herbst nun können zahlreiche Schätze gesammelt werden, die den Winter über als Bastelmaterialien dienen und daneben gibt es nun auch noch einmal Tiere zu beobachten und Pilze zu suchen. Mit der richtigen Ausrüstung können so halbe oder ganze Tage im Wald verbracht werden.

Ausrüstung für lange Waldabenteuer

Für ein langes Waldabenteuer wird erst einmal der Rucksack gepackt. Er sollte bequem sein und nicht von der Schulter rutschen, weshalb ein Rucksack mit Brustgurt besonders praktisch ist. Sinnvoll ist es auch, im Rucksack eine herausnehmbare Sitzmatte zu haben wie im Waldfuchs von Deuter (Amazon* | Hersteller) oder unserem – leider nicht mehr produziertem – Waldi von Affenzahn. Neben Trinkflasche mit Wasser und gefüllter Brotdose kommen in den Rucksack Beutel für Schätze, meistens bei den größeren Kindern ein Seil und Karabinerhaken, Notizheft und Stifte, manchmal ein Naturbuch und dazu natürlich ein Kindertaschenmesser, wir benutzen schon seit Jahren die Kindermesser von Opinel (Amazon* | Hersteller) .

Den Wald kennenlernen – Bücher, die begleiten

Seit kurzer Zeit haben wir ein neues, tolles Buch in unserem Naturbücherregal: „Pilze – Verrückte Fakten über Fliegenpilz, Hefe und Co.“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) neben dem Pilzführer für den Waldspaziergang gibt dieses Buch für Kinder viele tolle Impulse und Informationen rund um die Mykobiota. Kinder erfahren, welche verschiedenen Arten es gibt, welche gegessen werden können und welche giftig sind, wie sie über den Winter aufbewahrt werden können, was daraus gekocht oder gebacken werden kann. Der größte Pilz der Welt und überhaupt flächenmäßig größte Organismus auf der Erde ist übrigens ein 8,9 Quadratkilometer großer Pilz in Oregon. Dies und viele andere Informationen finden sich in dem schönen Buch.

Eine tolle Vorbereitung auf Waldabenteuer bietet auch Buch + CD „Wer grunzt denn da?“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel). Die CD hat Christoph Biemann, bekannt aus „Sendung mit der Maus“ besprochen. Darauf finden sich die nach Jahreszeit unterteilt Tiergeräusche, für den Herbst beispielsweise Eichhörnchen, Eichelhäher, Wildschwein, Reh und Rothirsch. Im Begleitbüchlein finden sich noch einmal kurze Fakten zu den 25 häufigsten Waldtieren, die hier vorgestellt werden. Ein schönes Buch + CD, um Ausflüge vor- und nachzubereiten.

Wer sich lieber den Bäumen widmen möchte, findet in der Kartensammlung „50 heimische Bäume“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) kurz und knapp alle Informationen über Bäume, ihre Blätter und besondere Eigenschaften. Die Blätter sind so abgebildet, dass gesammelte Blätter später den Bäumen zugeordnet werden können oder im Wald eine Bestimmung erfolgen kann.

Wer noch neu ist im Bereich Waldausflüge ist, kann sich als Begleitung für die ersten Ausflüge auch ein kleines Waldquis mitnehmen wie „Peter & Piet – Mein großes Waldquiz“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel). Damit kann im Wald gemeinsam alles angesehen werden, es kann gemeinsam einigen Fragen nachgegangen werden und die ersten Ausflüge haben damit einige Anhaltspunkte. Später ergeben sich von den Kindern oft eigene Ideen und Spielanlässe, wenn sie mit dem Spiel in der Natur ohne „Spielzeug“ vertrauter sind.

Habt Ihr noch Tipps und Ideen für Waldausflüge? Dann schreibt sie hier gerne in die Kommentare.
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Amazon und Buch7, durch die ich im Falle einer Bestellung eine Provision erhalte ohne dass für Euch Mehrkosten anfallen. Die vorgestellten Bücher, Karten und Messer haben wir selbst gekauft .

Was ist das Klima? Ein Waldspaziergang mit Zeugen erklärt Kindern das Klima

Klima. Alle reden davon, die Erwachsenen machen sich Sorgen, Schüler gehen auf Demonstrationen. Doch was ist das eigentlich: Das Klima? 

Vielleicht eine Frage, die auch eure Kinder schon gestellt haben. Und es war vielleicht gar nicht so einfach, sie kindgerecht zu erklären? Jedenfalls geht es mir oft so. Zwar werden von meiner Tochter noch keine direkten Fragen zum Klima gestellt, aber unsere (nachhaltigen) Handlungen werden alle kritisch hinterfragt. Was das jetzt bringe, wenn sie den Müll aufhebt, den sie runtergeworfen hat. Warum ich kein Würstchen möchte und was eine pupsende Kuh damit zu tun hat. Warum wir laufen, wo doch Auto viel bequemer wäre. Warum ich zur Oma mit dem Zug fahren möchte und nicht mehr fliegen möchte.  Die Zusammenhänge sind denke ich noch unklar für meine Dreijährige. Dennoch versuche ich, jede Antwort so ehrlich wie möglich, und so einfach wie nötig zu beantworten. 

Am eindrücklichsten sind Erklärungen „zum Anfassen“. Um zu erklären, was das Klima ist, begeben wir uns darum auf den Weg nach draußen in die Natur. Dafür eignet sich beispielsweise der (Stadt-)Wald, beziehungsweise jeder Spazierweg, der an einem Baumstumpf oder gefällten Baumstämmen entlang führt. Mit euren Kindern könnt ihr ein Spiel spielen, und euch vorstellen, ihr wäret Wissenschaftler auf der Suche nach dem Klima. Es ist schwierig, das Klima wirklich greifbar zu machen. Anders als das Wetter, dass sich jetzt im beginnenden Herbst bei einem Regenfall mit Pfützenspielen wunderbar erleben lässt, versteckt sich das Klima. Während nach dem Regen die Sonne wieder scheint und der Wechsel des Wetters direkt sichtbar ist, kann man das Klima nicht sofort sehen. 

Klima ist, wenn Mama und Papa jeden Herbst die Pfützen aufgemalt und aufgeschrieben hätten und fast ihr ganzes Leben lang die Temperatur gemessen hätten. Denn das Wetter, was über einen Zeitraum von 30 Jahren an einem Ort herrscht, wird als Klima bezeichnet. Als Klima-Experiment braucht es also Daten über einen längeren Zeitraum hinweg. Doch wie ist das auf einem Waldspaziergang möglich? 

Im Wald warten Klimazeugen auf die Befragung durch junge Wissenschaftler

Stellt euch vor, wir sind Wissenschaftler auf der Suche nach dem Klima. Wir machen einen Spaziergang in den Tropen. Dort treffen wir auf einen Baumstumpf. Was würde er uns sagen? Ich verrate es euch: Vermutlich gar nichts. In den Tropen ist es das ganze Jahr warm und feucht. Ein Tropenbaum wächst sein Leben lang mit immer der gleichen Beständigkeit. Ich nehme jedoch an, dass die meisten Leserinnen und Leser hier bei einem Waldspaziergang auf Fichten, Buchen, Kiefern oder ähnliche Baumarten treffen würden. Und deren gefällte Baumstämme oder Baumstümpfe lassen uns einen direkten Blick auf das Klima werfen. Die Jahresringe verraten uns, wie alt ein Baum ist. Sie verraten uns noch mehr, denn als Wissenschaftler wollen wir mehr über das Klima wissen, in welchem dieser Baum gelebt hat. 

Breite und helle Jahresringe verraten uns, das der Baum in warmen, feuchten Wetter an Wachstum zugelegt hat. Schmale und dunkle Jahresringe dagegen zeigen trockenes und kühles Wetter an. So lässt sich an dem Baumstamm das Wetter ablesen: In dicken, hellen Jahresringen handelte es sich um milde Frühlinge mit ausreichend Regen, an den dünnen, schwarzen Ringen lassen sich trockene Sommer und ein kühler Herbst ablesen. Durch den Wechsel beider entstehen die Jahresringe. Lassen sich über die Baumscheibe hinweg Unterschiede in den Jahresringen ablesen, können die kleinen Wissenschaftler schlussfolgern, dass sich das Klima verändert hat. Der Baum erzählt uns davon. Er tritt als Klimazeuge auf und wir können ihn dazu befragen. Was erzählt er euch über das Klima in eurem Wald? 

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Mit Kindern basteln: Kastanien

Gerade fallen sie wieder auf die Erde und an windigen Tagen und nach Regenschauern sind die Straßen mit ihnen bedeckt: Kastanien. Kaum etwas können wir im Herbst so zahlreich finden und vielfältig verwenden. Vom Spielzeug im Kaufmannsladen über Bastelmaterial bis zur Zutat für Reinigungsmittel: mit Kastanien können wir ganze Nachmittage füllen.

Schon in ihrer puren Form sind Kastanien wunderbare Elemente für den Kaufmannsladen und die Puppenküche. Sie werden im Spiel zu Brötchen, Kartoffeln, als Eier in Eierbecher gesetzt. In großer Menge können sie als Kastanienbad genutzt werden: Eine Schublade oder andere Holzkiste voller Kastanien, in die sich das Kind hinein setzen kann ist eine schöne, taktile Erfahrung (Achtung: Kastanien sind Kleinteile, die verschluckt werden könnten).

Kastanienwichtel mit Knetbienenwachs

Natürlich lassen sich Kastanien aber auch wunderbar verbasteln. Wir alle kennen wahrscheinlich die Kastanienmännchen, die mit Hilfe eines Kastanienbohrers und Streichhölzern gebastelt werden: Tiere, Menschen, Fabelwesen entstehen so an langen Nachmittagen. Mit etwas Bienenwachsknete werden daraus noch einmal andere Figuren. Auch in Kombination mit anderen Naturschätzen wie Eicheln, Bucheckernschalen oder Haselnüssen lassen sich so ganz zauberhafte Figuren für den Jahreszeitentisch und das Fensterbrett zaubern.

Farbenspiel mit Kastanien

Mit etwas Farbe wird aus den Kastanien auch ein Farbspiel zum Zuordnen: Das weiß der Kastanien wird angemalt, Eicheln können ebenfalls einfach mit Deckfarben angemalt werden und so entstehen verschiedene Elemente für das Farbenspiel: Eine Holzschale kann außen ebenfalls in den entsprechenden Farben angemalt werden oder in eine andere Schüssel wird ein Papier in der passenden Farbe geklebt. Dann können die Farben benannt und entsprechend zugeordnet werden.

Noch mehr Bastelideen

Schöne Kastanienideen findet Ihr auch auf Instagram, beispielsweise die Kastaniengirlande, Kastanienkette oder Wurfkastanienrakete. Sie können in der Kastanienbahn rollen, oder schon für Halloween als Fledermäuse gestaltet werden.

Kastanien für die Großen

Und schließlich können selbst wir Erwachsenen die kleinen braunen Kugeln noch verarbeiten: Schon zehn gesammelte Kastanien können mit einem Messer einfach zerkleinert und dann mit 300ml warmem Wasser übergossen werden. Über Nacht stehen lassen, am nächsten Tag die Kastanienreste entfernen und die Flüssigkeit als Waschmittel benutzen. Auch einfaches Putzmittel oder Shampoo kann man aus Kastanien herstellen.

Vielleicht habt Ihr ja noch eine andere tolle Kastanienidee? Dann gerne her damit!
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Libellen aus Ahornsamen basteln

Ahornsamen sind Kindheitserinnerungen. Meine Kinder kleben sich die geöffneten, klebrigen Samen heute genauso auf die Nase wie ich damals als Kind. Aber sie sind nicht nur zum Aufkleben ein schönes Naturspielzeug, sondern können auch zu kleinen Ahornfeen verbastelt werden wie hier oder zu Libellen, wie sie in diesem Jahr unseren Jahreszeitentisch schmücken.

Für die Libellen braucht Ihr:

  • Ahornsamen
  • Wasserfarbe und Pinsel
  • etwas Draht
  • einen dünnen Stock
  • nach Möglichkeit: zwei kleine Holzperlen für die Augen

Die Ahornsamen können auch schon von kleinen Kindern mit Farbe und Pinsel angemalt werden, für die Befestigung am Stock braucht es allerdings etwas Fingerspitzengefühl: Der Draht verläuft über Kreuz über die Flügel, so dass diese sicher am Stock befestigt werden können. Zwei kleine Holzperlen können ebenfalls auf dem Draht aufgefedelt und dann als Augen festgebunden werden. Aufgehangen können die Libellen im Wind am Fenster fliegen oder auf dem Jahreszeitentisch sitzen.

Viel Spaß beim Basteln!
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Angst vor der Natur – welche Ängste Eltern haben und was es zu beachten gilt

Die drei Kinder balancieren zwei Meter über dem Boden auf einem Weg am Hang entlang und singen das Wanzen-Tanz-Lied. Der Grat des Wegs ist nicht besonders breit und wir Eltern sehen sie vor unserem geistigen Auge schon abstürzen. „Camping ist soo toll!“, schreien die Kinder. Sie haben mächtig Spaß. Sollten wir ihnen das Balancieren verbieten? Sollten wir hingehen und uns daneben stellen? Müssten wir das nicht eigentlich sogar? 

So schmal der Weg auf der Mauer ist, so schmal ist auch der Grat zwischen dem Loslassen-können und Festhalten-müssen. Sobald wir mit Kindern draußen in der Natur sind, werden wir vor diese Frage gestellt. Lassen wir sie klettern, balancieren, Grenzen austesten, mit der Gefahr, dass sie sich verletzen könnten? Oder sind wir vorsichtig, sind in Armlänge und verhindern so vielleicht die ein oder andere Schramme, lassen aber gleichzeitig nicht zu, dass das Kind seine eigenen Fähigkeiten kennenlernt? 

Die Natur macht vielen Eltern Angst. Auf Instagram hatte ich gefragt, was die Gründe für Angst in der Natur sind. Es kamen sehr viele Antworten, von Wildschweinen im Wald bis zur Blumenerde bei Krabbelkindern. Über die häufigsten vier möchte ich hier mit Hilfestellungen und Informationen aufklären: 

Zecken

Eure mit Abstand größte Angst vor der Natur war dieses kleine Tierchen, dass (ich gebe es zu) auch zu meinen absoluten Nicht-Lieblingstieren zählt. Mancher sagt, es sei der einzige natürlich Feind des Menschen.
Dass so viele davor Angst haben, muss aber nicht sein. Es stimmt schon, Zecken sind echt mies. Gegen FSME kann man sich impfen, aber gegen Borrelliose leider nicht. Trotzdem ist Panikmache unbegründet. Seid euch bewusst: Eltern übertragen Ängste auf ihre Kinder. Ich hatte schon Kinder in meinen Umweltbildungsgruppen, die sich geweigert haben, eine Wiese zu betreten. Ihre Eltern hatten sie davor gewarnt, das im Gras „Zeckenbäume“ wachsen würden, und die sich auf sie stürzen würden, sobald sie die Wiese betreten würden. Zeckenbäume existieren nicht und nicht jede Zecke überträgt Borreliose. Etwa 1 bis 6 von 100 Gestochenen infizieren sich mit der unterschiedlich verlaufenden Krankheit. Nur jeder dritte bis vierte Infizierte entwickelt Beschwerden (Quelle: Robert Koch Institut).

Zecken sind so lange ungefährlich, so lange man die Kinder (und sich selbst) nach einem Ausflug in die Natur gründlich absucht. Da es in meiner Heimatregion um Regensburg dieses Jahr von Zecken nur so wimmelt, werden die Kinder einmal Mittags vorm Essen und einmal Abends vorm Zubettgehen komplett abgesucht. Meistens mit Erfolg, was heißt, dass fast immer Zecken gefunden und sofort entfernt werden. Das Infektionsrisiko für Borreliose ist geringer, wenn die Zecke frühzeitig entfernt wird, und steigt nach längerem Saugen der Zecke von mehr als zwölf Stunden an. Wer also ein bis zweimal täglich gründlich absucht, braucht keine Angst vor Zecken haben, eine gesunde Abneigung reicht. Mit Zeckenkarte, die auch gut ins Portemonnaie passt, lassen sich Zecken gut entfernen.

Wie man sich vor Zecken schützen kann, ohne auf Naturerlebnisse zu verzichten:

  • Geschlossene Schuhe, langärmelige Hemden und lange Hosen tragen. Sieht blöd aus, aber hilft sehr: Strümpfe über die Hosenbeine ziehen. 
  • Möglichst helle Kleidung tragen, damit winzige Zecken leichter zu erkennen sind und entfernt werden können. 
  • Wilde Tiere wie Igel übertragen häufig Zecken. Nicht anfassen (aber wer fasst schon einen Igel an?) 
  • Nach dem draußen sein gilt immer: Körper gründlich nach Zecken absuchen. Vor allem warme weiche Hautstellen sind beliebt: Kniekehlen, Leisten, unter den Achseln, hinter den Ohren sowie am Kopf- und Haaransatz. 
  • Falls ihr eine Zecke entdeckt, entfernt sie vorsichtig und desinfiziert die Wunde danach. Das reduziert das Infektionsrisiko für FSME und Borreliose nochmals. 

 Eichenprozessionsspinner

Raupen, die in Scharen auftreten, stark giftig sind und deren Brennhaare bei Berührung allergische Reaktion auslösen können. Eine furchtbare Vorstellung, wenn Kinder auf die Idee kommen, mit ihnen zu spielen. Aber tun Kinder das? Spielen sie mit Tieren, wenn sie nicht wissen, was es ist? 

Babys schon. Sie sind darauf angewiesen, dass eine Bezugsperson bei ihnen ist und sie dran hindert, giftige Pflanzen, Tiere oder Beeren in den Mund zu stecken. Ein bisschen Erde, mal an einem Stock lutschen – das ist für Babys das Entdecken der Natur. Sie brauchen uns als Kontrollorgan, um zu lernen, was unbedenklich ist und was sie nicht anrühren dürfen. Das ist heutzutage schwierig, denn oft wissen es die Eltern selbst nicht. Welche Pflanzen sind unbedenklich, welche sind giftig? Lieber alles verbieten, was draußen so wächst. Das ist keine Lösung. 

Auch Babys haben einen Entdeckerdrang und möchten ihre Umwelt kennenlernen. Sie tun dies in diesem Alter fast ausschließlich über den Mund. Wenn hier Ängste vorherrschen, die diesen Drang gerne ganz unterbinden möchten, lohnt sich der Vergleich mit unseren Innenräumen. Hygiene ist wichtig und es ist gut, dass sie in unserem Land selbstverständlich ist. Räume und Umgebungen, die so keimfrei wie möglich gehalten werden, sind jedoch kontraproduktiv. Hier überleben nur die stärksten Keime, die, die tatsächlich gefährlich werden könnten. Das ein oder andere Staubkorn hingegen ist ungefährlich und stärkt das Immunsystem. Vom Putzen gestresste Eltern können sich also zurücklehnen. 

Wurden Babys gut angeleitet, entwickeln sie im Kleinkinderalter eine natürlichen Instinkt, nichts anzufassen, was sie nicht kennen. Und auch in diesem Alter sind die Eltern normalerweise in Blickdistanz. Es ist gut, das Kind vor dem Rausgehen daran zu erinnern, dass es bei unbekannten Sachen, die Eltern fragen soll, bevor es etwas anfasst. Sollte es bekannte Gefahren geben, wie beispielsweise die Raupen der Prozessionsspinner und deren Nester sollten Kinder vorher darüber aufgeklärt werden. Klare Warnungen kommen auch bei Zweijährigen schon an. 

In Hinblick auf giftige Tiere ist die Altersgruppe der Vorschul- und Schulkinder wohl am schwierigsten zu „kontrollieren“. Hier gilt, wie beim Aspekt des Kletterns und Tobens die Regel, dass Kinder je früher sie Respekt vor der Natur erlernen, sich desto sicherer später in der Natur bewegen können. Respekt – und keine Angst brauchen die Kinder! Wir müssen ihnen keine Horrorgeschichten erzählen, wir können ganz sachlich erklären, welche Gefahren es gibt. In Sachbüchern kann gemeinsam recherchiert werden, welche Gefahren es in der Wohngegend gibt und wie man sich in der Natur verhalten soll. Haben Kinder das nicht gelernt, und sind absolut angstlos gegenüber dem Leben draußen, würde ich mir wohl auch Sorgen um giftige Raupen machen. Es ist also gut, die Kinder schon frühzeitig (im Babyalter) anzuleiten. 

Was bei den Prozessionsspinnern zu beachten ist:

  • Die Brennhaare sind je nach Entwicklungsstadium der Raupen gefährlich bis sehr gefährlich. Eine Altraupe enthält unvorstellbare 700.000 Brennhaare, die fast unsichtbar sind und sich in Haut und Schleimhaut mit ihren Widerhaken festsetzen. Hier ist der Gefährdungszeitraum Mai und Juni.
  • Ganzjährig bleiben aber die Nester der Raupen gefährlich, mit denen am Baum oder am Boden verbleibenden Verpuppungsgespinsten. Bitte schaut euch mit euren Kindern gemeinsam Bilder davon an, vielleicht geht ihr danach gezielt auf die Suche nach einem Nest, um zu wissen, an welchen Ästen und unter welchen Bäumen die Kinder nicht spielen sollten! 
  • Die Brennhaare reizen die Haut, können Quaddeln, Knötchen und Hautentzündung auslösen, die bis zu zwei Wochen anhalten. Langärmlige Kleidung schützt auch, wie auch vor Zecken und Sonnenbrand. 
  • Da sich die an sich harmlosen Falter seit den 90er Jahren wie wild vermehren, ein Gesundheitsrisiko für Tier und Mensch darstellen und zudem den Eichenbestand bedrohen, gilt heute: Wer Nester des Eichenprozessionsspinner entdeckt, sollte sie sie umgehend dem zuständigen Gesundheits- oder Gartenamt oder im Wald den Forstämtern melden. 

Unsicherheit, was man darf und was verboten ist

Dieser Aspekt der Angst bezog sich auf das eigene Verhalten in der Natur. Ich kann es verstehen und es ärgert es mich ein wenig. Nicht wegen der Person, die die Unsicherheit verspürt. Sondern weil es verdeutlicht, wie wenig wir Menschen in der Natur erwünscht sind. Mit Natur sind hier Wälder, naturbelassene Wiesen und Flussläufe gemeint. Diese Natur ist in Deutschland meist unter Schutz gestellt, entweder als Naturschutzgebiet oder als Landschaftsschutzgebiet. (Es gibt auch noch weitere Schutzklassen, was hier aber den Rahmen sprengen würde). 

In einem Naturschutzgebiet sind die Regeln streng. Hier heißt es: 

  • auf den Wegen bleiben
  • keine Pflanzen ausreißen
  • keine Tiere stören, aufscheuchen oder töten
  • Hunde an die Leine nehmen. 

Wir sollen also leise auf den Wegen wandern und uns möglichst unsichtbar machen. Versteht mich nicht falsch, ich habe Naturschutz studiert, ich weiß, dass es wichtig ist, die Natur zu schützen. Naturschutzgebiete bewahren wertvolle Naturreservate vor Eingriffen, die oftmals wirtschaftliche Interessen haben. Und es hilft den Orchideen im lichten Bereich des Eichen-Hainbuchenwald auch, dass hier keine Schulklassen durchtrampeln, sondern die eben auf den Wegen bleiben. Ich weiß hier keine Lösung. Aber wenn wir Kinder und Familien aus der Natur ausschließen, wie sollen sie eine Verbindung zu einem Ort spüren, den sie nicht kennenlernen dürfen? 

Verletzungen durch Klettern und Toben

Klettern und Toben ist wie Radfahren. Bevor das Kind nicht sicher ohne Stützräder fahren kann, sollte man nicht loslassen. So ist es auch mit körperlichen Aktivitäten in der Natur. Die Kinder müssen Erfahrungen sammeln, während die Eltern dabei sind. Sind sie trittsicher und wissen um ihre Fähigkeiten und Grenzen, sollte man es ihnen ermöglichen, den Abstand zwischen Kind und Aufsichtsperson größer werden zu lassen. 

Meine Tochter klettert leidenschaftlich gerne. Ich lasse sie und bleibe als Sicherheitsnetz nah genug dabei, ohne sie zu behindern oder einzuschränken. Sie ist sich selbst ihre eigene Grenze. Da, wo sie hochkommt, darf sie auch hochklettern. Sind die Äste an einem Baum zu hoch zum erreichen, ist sie schlichtweg „zu klein“, um ihn zu erklettern. Noch lernt sie ihre Fähigkeiten einzuschätzen und klettert manchmal zu weit nach oben. Dann bin ich da und helfe ihr wieder runter. Ich leite sie an, zeige, wo ihre Füße Halt finden können und was sie beim herunterklettern beachten muss. 

Ein Hoch- und Herunterheben ist kein Klettern und stört das Entdecken der eigenen Fähigkeiten und das Kennenlernen der eigenen Grenzen. 

Hier ist die Krux in vielen Fällen. Die Kinder sind schon größer, ihre Arme sind lang genug, um an die höheren Äste zu kommen und die Kraft in den Beinen reicht doppelt, um die Spitze zu erreichen. Doch hatte es die Möglichkeit, Klettern zu lernen? Durfte es sich austesten, auch als es noch nicht klettern konnte, weil die Arme kurz waren und die Beine schwach? Kraft gleicht das nicht aus! Wichtig ist, zu wissen, ob es seine Fähigkeiten richtig gelernt hat einzuschätzen. Weiß es um seine Grenzen? Ängstliche Aufsichtspersonen, die stets vorsorglich daneben stehen und aufpassen, verhindern vielleicht einen Sturz. Sie verhindern aber auch, dass das Kind es irgendwann einmal wirklich allein kann. Eine hundertprozentige Sicherheit beim Klettern gibt es nie. Deshalb ist es wichtig, dass das Kind lernt, sich selbst gut einzuschätzen. Und dazu braucht es vielleicht die ein oder andere Schramme. 

Tipps zum Umgang mit Kletterkindern:

  • Bei Kleinkindern gilt: Es ist die Aufgabe der Eltern, Risiken richtig einzuschätzen. In Reichweite bleiben, um dem Kind zu helfen, Herausforderungen zu meistern. Das Kind anleiten, wie es wieder herunterkommt – so wie beim Krabbelkind im Haus (Sofa am besten rückwärts, Treppe auch, Laufanfänger lehren, sich am Geländer festhalten, etc.). 
  • In höherem Alter gilt: Das Kind sehen, seine Fähigkeiten kennen. Wie viel Erfahrung hat es mit Klettern? Ist es trittsicher, spielt es oft draußen? Kann es einschätzen, welche Äste tragen, welche nicht? Dies im Hinterkopf behalten und dabei bleiben, wenn das Kind nicht sicher ist. Gemeinsam üben, damit das Kind seine Fähigkeiten kennenlernen kann, nicht versucht ist, fehlende Fähigkeiten mit Kraft auszugleichen und in Kommunikation bleiben.
  • Wenn das Kind sich in einer gefährlichen Situation befindet: Ruhe bewahren. Wer panisch „Pass auf, gleich fällst du runter!“, schreit, wird sein Kind mit höherer Wahrscheinlichkeit gleich am Boden sitzen sehen, als wer ruhige, konkrete Anweisungen gibt: „Setz deinen rechten Fuß auf den dicken Ast unter dir.“, oder: „Bleib sitzen, ich komme hoch.“, wenn das möglich ist. 

Was bei allen Ängsten in der Natur hilft, ist, einen Erste-Hilfe Kurs zu absolvieren. Die gibt es speziell für Babys und Kinder. Auch eine kleine Notfallausrüstung für den Ausflug ins Grüne hilft, um sich innerlich auf Schrammen und kleinere Verletzungen zu rüsten. Schon ein Pflaster, etwas Desinfektionsspray und ein Stofftaschentuch sind eine gute Basis-Ausrüstung. Diese Vorbereitungen können helfen, nicht in Panik zu verfallen. 

Die Natur ist nicht ohne Gefahren. Die Natur ist ein wilder Ort. Nicht mehr an vielen Stellen in Deutschland, zugegebenermaßen, aber wild genug, dass man sich in ihr verletzen kann. Unsere Schützlinge müssen lernen, sich in ihr zurechtzufinden. Und auch jede*r Erwachsene*r, die selbst in ihrer/seiner Kindheit keinen Zugang zur Natur hatte, muss sich die Zeit nehmen, die Gefahren kennenzulernen und richtig einzuschätzen. Wir müssen unseren Schützlingen in der Natur, wie in allen Bereichen des Lebens, Wurzeln geben (Wissen, Vertrauen, Zuspruch, Freude an seinen Fortschritten), um ihnen Flügel zu verleihen (Selbstvertrauen, motorische und empathische Fähigkeiten, sprachliche und kreative Entwicklung, einen gesunden Körper und Geist). Denn all das ist Natur – ein Erfahrungsraum, der alles für die Entwicklung bereithält, wenn man sich ihm anvertraut. 

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.



Für wilde und für vorsichtige Kinder: Natur ist für jeden da

„Im Wald hinter unserem Haus gab es einen kleinen Bach. Dort, wo das Wasser eine Biegung machte, war das Ufer mit weichem Moos gepolster. Das war meine Lieblingsstelle. Ich legte mich auf das Moos, legte den Kopf auf das Polster und spürte eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Während ich da lag, beobachtete ich die kleinen Moostierchen, die in meinem Mooskopfkissen wohnten. Es ekelte mich nicht und es machte mir keine Angst. Ich fühlte mich als Teil von ihnen. Ich war ein Teil ihres Mooses und das Moos war ein Teil von mir. Hier konnte ich liegen und beobachten und wurde in Ruhe gelassen. Niemand ermahnte mich, niemand erwartete, dass ich wild sei. Ich durfte so sein, wie ich war.“

„Schneller, immer schneller rannte ich den Hügel hinab. Das Gras war lang, es ging mir bis zur Hüfte. Ich jauchzte und lachte und schrie. Das Gras verfing sich in meinen Beinen, brachten mich zum Fallen. Doch die Landung war weich. Mit einem langen Stock ausgestattet, kämpfte ich mich weiter den Hügel hinab. Von links nach rechts schlug ich mir den Weg frei, viel fester, als es eigentlich nötig gewesen wäre, um durchzukommen. Meine ganze Konzentration galt den Schlägen des Stockes gegen das Gras. Meine ganze Kraft entlud sich. Links. Wwwwusch. Ich hörte den Wind, den der Stock erzeugte. Rechts. Wwwwusch. Dabei feuerte ich mich selbst an. Ich durfte laut sein und wild. Niemand ermahnte mich, niemand erwartete, dass ich vorsichtig sei. Ich konnte so sein, wie ich war.“

Die Natur fragt nicht. Die Natur nimmt jeden so, wie er ist. Laut und leise. Jeder findet seinen Platz und niemand muss sich verstellen. Die lauten Kinder dürfen laut sein und sie werden sich in ihrem Lautsein mit der Natur verbunden fühlen. Die leisen Kinder dürfen leise sein und sie werden sich mit ihrer Ruhe mit der Natur verbunden fühlen.

Ein Heidenspaß – oder ein maßgeschneiderter Entwicklungsraum

„Was ist dein einprägsamsten Erlebnis, dass du als Kind in der Natur hattest?“, war die Frage, die zu den obigen beiden Antworten führte. Die erste Geschichte erzählte mein Mann, die zweite ist meine Geschichte. Der ruhige Junge und das wilde Mädchen. In der Natur hatten wir beide einen Platz. Dort konnten wir so sein, wie wir eben waren. Unterschiedlich. Immer willkommen. Wenn wir uns damals schon gekannt hätten, hätten wir trotzdem viele Spiele gefunden, die uns beiden Spaß machten: Hütten bauen und Unterschlupf suchen. In Parallelwelten abtauchen, in denen Beeren gesammelt wurden, Grassuppe gekocht wurde und sich mit Stöcken bewaffnet gegen feindliche Lager verteidigt wurde. Wir spielten quasi Jagen und Sammeln. Ganz intuitiv waren es uralte Motive, um die sich unser Spiel drehte. Wir übten, lernten und trainierten mit den Elementen, die wir vorfanden. Es war das Spielfeld für unsere, wie ich heute weiß, körperliche, emotionale und soziale Entwicklung. Die Natur stellte einen maßgeschneiderten Entwicklungsraum dar. Damals machte es einfach einen Heidenspaß. Diese Welt im Wald oder auf der Wiese war eine Erfahrungswelt, die genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten war. Auf völlig verschiedene Bedürfnisse! Dennoch war für uns beide das vorhanden, was wir brauchten, um an unserem Fundament zu bauen.

Die Natur ist voller Reichtum

„Zeit in der Natur ist Entwicklungszeit“, schreibt Herbert Renz-Polster in „Wie Kinder heute wachsen“. Kinder scheinen das intuitiv zu wissen. Sie werden magisch von den wilden Teilen auf Kindergärten- und Schulgeländern angezogen. Dorthin, wo es kleine Lichtungen, Gebüsche, Erdhügel oder umgekippte Baumstämme gibt. Diese Lieblingsorte bieten Kindern Schutz und Unterschlupf. Sie sind für die einen die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und zu verstecken, für andere eine Gelegenheit für Entdeckungen und Streifzüge. Das Besondere bei diesen Plätzen ist der Reichtum, den die Natur innehält. Herbert Renz-Polster schreibt: „Die Natur steckt voller Anreize. Und diese passen zu den Herausforderungen des Großwerdens wie der Schlüssel zum Schloss.“ Egal, ob für laute oder für leise Kinder. Egal, ob für große oder kleine. Egal, ob für wilde oder für brave Kinder. Draußen, unter freiem Himmel, werden die Unterschiede ganz klein.

Die Natur bewertet nicht, die Natur erwartet nichts. Hier kann jedes Kind so sein, wie es generell eigentlich immer sein dürfen sollte. Doch während das oftmals in Kindergärten und Schulen und leider auch in Elternhäusern noch immer nicht die Regel ist, werden Kinder draußen, seit Anbeginn der Menschheit, von der Natur einfach angenommen. So, wie sie sind.

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Zum Geburtstag Tante Mathildas Kirschkuchen??? {Werbung & Verlosung}

In meiner Kindheit gab es noch nicht so viele Kinderheld*innen wie heute. Da waren natürlich Benjamin und Bibi (Tina kam erst später dazu), TKKG, die Fünf Freunde und – für die mutigen Kinder – Die drei ???. Erst durch meine eigenen Kinder entdeckte ich nicht nur, dass es heute viel mehr Kindergeschichtenreihen gibt, sondern auch, dass Justus, Peter und Bob im Laufe der Zeit in eine verjüngte Geschichte übertragen wurden: Die drei ??? Kids – die nun auch schon ihren 20. Geburtstag feiern.

Die drei ??? Kids

1964 starteten „The Three Invesigators“ in den USA, entwickelt von Robert Arthur, einem Freund von Alfred Hitchcock, der als Romanfigur auch in den Büchern vorkommt. 1968 erschien die erste Ausgabe in Deutschland bei KOSMOS. Robert Arthur verstarb bereits 1969, aber die Serie wurde in Deutschland weitergeführt: Mit 17,5 Millionen verkauften Bänden ist sie die älteste und erfolgreichste Jugendkrimireihe im deutschsprachigen Raum, auch wegen der damals neuen und überraschenden Illustrationen der Künstlerin Aiga Rasch.

1999 entstand die Abenteuerserie für jüngere Kinder: Justus, Peter und Bob sind 10 Jahre alt, ihre „Zentrale“ gibt es noch nicht, stattdessen treffen sie sich im Geheimversteck „Kaffeekanne“. Onkel Titus gibt es schon, Tante Mathilda mit ihrem Kirschkuchen natürlich auch. Zu dritt erleben sie ihre Abenteuer und lösen Fälle in Rocky Beach.

Zum Geburtstag die perfekte Ausstattung für die Sommerferien

Pünktlich nun zum 20. Geburtstag gibt es zwei Neuheiten von Die drei ??? Kids: Die SOS Schnitzeljagd mit 45 Outdoor-Tipps und Survival-Kompass für die sommerlichen Abenteuer und das Krimi-Puzzle „Spuk auf dem Schulfest“ für die regnerischen Tage zu Hause.

Die SOS Schnitzeljagd ist ein wunderbares Begleitbuch für die Abenteuer in der Natur. Eingebettet in eine Geschichte um Justus, Peter und Bob, die Ferien im Survial-Camp machen, gibt es zahlreiche Tipps und Ideen für Erlebnisse unter freiem Himmel. Knoten binden, eine Alarmfalle bauen, Kompass bauen, und Erste-Hilfe-Pflanzen aus der Natur. Naturpädagogin Astrid Schulte hat zusammen mit dem Die drei ??? Autor Ulf Blanck einen tollen Naturbegleiter geschrieben, der Lust auf Erlebnisse im Freien macht und zum Entdecken einlädt. Für Kinder ab 8 Jahren finden sich hier viele wunderbare Abenteuer für einen ganzen Sommer, die das Spielen Draußen anregen.

Und auch wenn sich im Outdoorbuch auch eine Anleitung für einen selbstgemachten Regenponcho findet samt Informationen zum richtigen Verhalten bei Gewitter, werden Regentage doch auch oft Drinnen verbracht. Abenteuerlich kann es aber auch dort zugehen mit dem Krimi-Puzzle, das gleich mehrere Herausforderungen beinhaltet: Zuerst wird die Geschichte gelesen, dann wird das 200 Teile puzzle zusammengesetzt und schließlich wird darauf mit Hilfe eines Rotfilters nach Hinweisen gesucht zur Lösung des Rätsels. Ein Abenteuer, das einen ganzen Nachmittag füllt – und natürlich kann das Puzzle auch später immer wieder bespielt werden. Alternativ ist es aber auch aufgeklebt ein großes Wandbild, das sogar im Dunkeln leuchtet.

Tante Mathildas Kirschkuchen

Und wer schon immer einmal Tante Mathilda Kirschkuchen nachbacken wollte, bekommt zum Geburtstag nun endlich die Gelegenheit dazu, denn hier ist das Originalrezept von Tante Mathilda – bestens geeignet, um bei einem spannenden Vorlesetag gebacken und dann beim Vorlesen genascht zu werden:

125g Butter
125g Zucker
3 Eier
1 Prise Salz
200g Weizenmehl
2 TLBackpulver
2-4 EL Milch
350g Kirschen ohne Steine

1.Butter schmelzen und etwas abkühlen lassen, nach und nach Zucker und Eier einrühren. Mehl, Salz und Backpulver mischen und dazu geben und abschließend so viel Milch dazu geben, dass der Teig cremig ist.

2. Backofen auf 175°C ca. 10 Minuten vorheizen, Form fetten und Teig hinein geben, glatt streichen und abgetropfte Kirschen darauf verteilen. Im Ofen bei 175°C (Umluft 160°C) 30-35 Minuten backen.

Verlosung

Wer nun Lust bekommen hat auf Naturabenteuer oder Puzzlespaß, kann eine der beiden Neuheiten gewinnen.

  • Kommentiere zur Teilnahme hier auf dem Blog: SOS Schnitzeljagd oder Spuk-Puzzle: Was wünscht sich Dein Kind?
  • Bitte kommentiert individuell, so dass nach der Auslosung eine eindeutige Zuordnung des Namens möglich ist (bspw. ist eine Zuordnung schwierig, wenn es 20 Stefanies gibt, daher dann lieber Stefanie_79 oder ähnlichen Namen wählen). Bitte kommentiere nur einmal: Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis Dein Kommentar freigeschaltet werden kann, aber er geht nicht verloren.
  • Die Teilnahme steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder Instagram.
  • Datenschutzhinweis: Dieses Gewinnspiel ist nicht an weitere Kontaktaufnahme wie Newsletter und Werbung gekoppelt. Die Daten der TeilnehmerInnen werden nicht weitergehend ausgewertet oder zu Werbezwecken gebraucht. Alles weitere zum Umgang mit Daten findet Ihr im Datenschutzhinweis
  • Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen natürlichen Personen.
  • Die Teilnahme beginnt am 24. Mai 2019 um 9:00 Uhr und endet am 26. Mai 2019 um 24 Uhr. Verlost wird nach Teilnahmeschluss am 27. Mai 2019.
  • Der/die Gewinner/in wird im Anschluss nach dem Zufallsprinzip ermittelt und erhält eine Benachrichtigungsemail am 27. Mai 2019. Eine Veröffentlichung des Namens findet aus Datenschutzgründen nicht statt.
  • Die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners und die Mailadresse wird an die Firma KOSMOS weitergegeben. Hiermit erklären sich die Teilnehmer*innen am Gewinnspiel einverstanden.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Sollte sich der/die Gewinnerin nicht spätestens 10 Tage nach der Verlosung zurückmelden, verfällt der Gewinn.

*** Die Verlosung ist beendet. Die ausgelosten Personen wurden benachrichtigt.***

Wildnispädagogik – Altes Naturwissen neu entdeckt

„Die Alten wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet,
hart wird.
Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht, Wertschätzung von allem Lebendigen und allem,
was da wächst, bald auch die Ehrfurcht und Wertschätzung vor den Menschen absterben
lässt.
Deshalb war der Einfluss der Natur, der die jungen Menschen feinfühlig machte, ein
wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.“

Luther Standing Bear, Lakota, 1868 – 1939

Die Natur als wichtiger Bestandteil der Erziehung – ist sie das auch heute noch? Werfen wir einen Blick auf die Gesellschaft von heute, so scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Und das „einen Blick darauf werfen“ ist bereits ein Indiz dafür. In den Pisa-Wunderländern in Asien sind über 90% der Kinder kurzsichtig. Das ist kein Zufall. Sie sind im Schnitt weniger als eine halbe Stunde draußen. Und draußen, im Sonnenlicht passiert etwas mit den Augen der Kinder, was wie eine Bremse für Kurzsichtigkeit wirkt: Intensives Licht wirkt dem Wachstum des Auges entgegen. Das kindliche Auge braucht pro Tag mehr als 2 bis 3 Stunden helles Licht (kein helles Tablet-Licht, sondern natürliches, helles Licht!), damit es sich nicht in die Länge streckt und weiterhin in die Ferne scharf sehen kann. Das scharfe Auge gehört zu einem Leben draußen in der Natur dazu. Und schlechtere Augen sind nur eine von vielen gesundheitlichen und psychischen Auswirkungen, die eine Abkehr von der Natur zur Folge hat.

Altes Wissen zugänglich gemacht

Doch es gibt eine Bewegung, die immer größer wird und die die Natur als Bestandteil der Erziehung wieder entdeckt: Die Wildnispädagogik.

Wildnispädagogik tauchte als Begriff erstmals 2002 auf und ist immer noch relativ unbekannt. Mit ihren Inhalten beschäftigen sich jedoch immer mehr Wildnisschulen, die Seminare und Camps anbieten, um das Wissen und die Zusammenhänge der Natur weiterzutragen.

Sie alle orientieren sich an den traditionellen Lehrmethoden der nordamerikanischen Ureinwohner. Die Linie der Wildnispädagogik lässt sich direkt zu einem der letzten Scouts der nordamerikanischen Ureinwohner zurückverfolgen. Es waren drei Männer, die mit der Wildnispädagogik von heute das Wissen und die Kenntnisse der Ureinwohner von damals einer breiteren Masse zugänglich machten.

Einer der drei war der wohl letzte nordamerikanische Ureinwohner, der ein Leben in völliger Freiheit außerhalb der Reservate des »Weißen Mannes« lebte. Er tat dies noch Jahrzehnte nachdem die Bundesbehörden den Tod des „letzten“ frei lebenden Ureinwohners – Ishi, dem letzten Überlebenden der Yana – 1916 beklagt hatten. Sein Name war Stalking Wolf. Er lebte ein Leben abseits der Zivilisation und war dennoch nah dran. Er beobachtete die Weißen, wusste um ihren Lebensstil, beherrschte alle möglichen Überlebenstechniken, und hatte ein umfassendes Wissen um die verschiedensten amerikanischen Ökosysteme, weshalb er in keinerlei Weise auf die Zivilisation angewiesen war.

Stalking Wolf war in seinen 70er Jahren, als er auf seinen Schüler und geistigen Erben Tom Brown jr. traf. Tom war gerade am Fluss spielen und suchte nach uralten Versteinerungen, als Stalking Wolf in sein Leben trat. Er war zu diesem Zeitpunkt ein Junge von sieben Jahren, und die Verkörperung einer Vision, die Stalking Wolf über seinen legitimen Erben viele, viele Jahre vorher, erschienen war. Tom und ein verwandter Junge von Stalking Wolf im gleichen Alter wie er, erhielten in den folgenden zehn Jahren eine umfassende Ausbildung zum Scout, wie sie seit Jahrhunderten viele Kinder dieser Erde erhielten.

Sie hatten wohl Glück, dass ihre Eltern ihr Tun draußen nicht als „Unsinn“ abtaten und sie gewähren ließen. Tom Brown wurde ein junger Wilder. Nach seiner zehnjährigen Lehre bei Stalking Wolf wanderte er weitere zehn Jahre durch Amerika – fernab von dem Hamsterrad und den Zwängen der amerikanischen Zivilisation des späten 20. Jahrhunderts. Schließlich wurde er zum besten Freund der Polizei. Denn nur er schaffte es, die spurlos verlorenen Vermissten zu finden, die Verbrecher aufzuspüren sowie scheinbar unklärbaren Kriminalfällen zu lösen.

Im Südosten der USA gründete er schließlich eine Schule „The Trackerschool“, mit der er den Grundstein einer weltumgreifenden Bewegung legte. Seinen Schüler Jon Young leitete er auf die gleiche Weise wie Stalking Wolf einst ihn selbst zum Scout an. Young ist der dritte im Bunde, dem wir heute diese Bewegung zu verdanken haben. Er hat die Wildnispädagogik schließlich gesellschaftskonform werden lassen. Sein Handbuch „Mit dem Coyote-Guide zu einer tieferen Verbindung zur Natur“ enthält die notwendigen Grundlagen der Wildnispädagogik und ist das Standardwerk für alle, die sich mit diesem Thema näher beschäftigen wollen.  

Uraltes Naturwissen in die heutige Gesellschaft einbringen

Wichtig ist aber, dass die Wildnispädagogik nicht zum Ziel hat, Kinder und Erwachsene zu wilden Wesen werden zu lassen, die fernab der Zivilisation im Untergrund leben. In den zahlreichen Wildnisschulen, von denen es in Deutschland mit die größte Bewegung in Europa gibt, wird lediglich an das alte Wissen angeknüpft. Es werden nicht nur Überlebenstechniken gelehrt, sondern vor allem die Vermittlung eines ökologischen Bewusstseins; eine Weltanschauung, die Respekt und Ehrfurcht vor der Natur bewahrt und ein Leben mit der Erde lehrt.

Mit ihrer Arbeit sorgen sie dafür, dass Eltern und Erziehungsberechtigte das an die Hand bekommen, was abhanden gekommen ist. Ein Gefühl und ein Gespür, wie die Natur ein Bestandteil der Beziehung zu den Kindern sein sollte. Damit die Wertschätzung für alles Lebendige, für unseren Planeten, weitergetragen werden kann. Von unseren Kindern, für unsere Enkel.

„Deshalb war der Einfluss der Natur, der die jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.“

Ich blicke mich um in dieser Gesellschaft und sehe, dass die Natur kein selbstverständlicher Teil der Erziehung/Beziehung zu den Kindern mehr ist. Ich blicke auf mich selbst und meine Familie und sehe, dass auch hier bei uns die Natur noch keinen genügenden Platz in unserem Familienleben hat. Ich lese viel, bilde mich fort, eigne mir theoretisches Wissen an. Doch in der Praxis, im alltäglichen Leben, fällt es mir schwer, dieses Wissen umzusetzen und an mein Kind weiterzugeben. So kam es zu meiner Recherche über Wildnisschulen. Ich suche nach einem Ort, an dem wir alle, groß und klein, Erfahrungen machen dürfen. Wo wir unseren Weg finden dürfen, um eine noch stärkere Verbindung zur Natur zu erleben.

Ich glaube, dieser Sommer führt uns in eine Wildnisschule. Um zu lernen, was die Natur für uns bereithält und wie wir sie in unseren Alltag und in die Beziehung mit unserem Kind noch besser mit einbinden können.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit Wildnisschulen gemacht? Welche Programme haben euch gut gefallen, was würdet ihr weiterempfehlen?

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Zauberwelt der Knospen – Auf Entdeckungsreise mit den Kindern

Der Winter in Deutschland kann ganz schön lang sein. Gerade dann, wenn der Spaß mit
Schnee und Eis vorüber ist und der Frühling trotzdem noch so lange auf sich warten lässt. Von vielen Eltern habe ich in den letzten Tagen Nachrichten gelesen, dass die Kinder gerade so ungern nach draußen gehen. Gleichzeitig tut es der Familie gut, wenn sich die Kinder an der frischen Luft austoben können und alle einmal tief durchatmen können.
In der Wildnispädagogik gibt es den Ansatz, jeden Tag eine Frage mit nach draußen zu nehmen. Diese Frage bildet den Kern des Naturaufenthalts und soll dazu anregen, die Aufmerksamkeit bei jedem Mal auf unterschiedliche Aspekte der Natur zu lenken. Auch in dieser scheinbar unspektakulären Zwischen-Jahreszeit im Februar und März, in der der kalte Winter schon vorüber ist, aber der Frühling noch auf sich warten lässt, gibt es einige Fragen, denen man nachgehen kann. In der Natur gibt es nämlich schon einiges zu entdecken.

Schlafen Knospen im Familienbett oder alleine?

Die heutige Frage, der dieser Artikel nachforscht, lautet: Was machen die Blätter und Blüten der Bäume im Winter?
Wer die Äste der Bäume genauer ansieht, entdeckt sie: Sie halten Winterschlaf, sind dick
eingemuckelt und fest eingepackt, damit Kälte und Frost ihnen keinen Schaden zufügen.
Ihre Betten sind mal lang und schmal, mal kurz und knollig. Die Einen schlafen zu mehreren in gewissen Abstand nebeneinander, andere drängen sich dicht an dicht und wärmen sich wie Pinguine in einer Kolonie. Andere schlafen lieber alleine, brauchen mehr Platz und teilen nicht gerne.

Knospen drängen sich nicht auf. Sie zu entdecken vermag nur der, der mit offenen Augen durch die Natur läuft. Erst wenn die Blätter austreiben und ihr Knospenbett verlassen, bemerken die meisten Menschen: Oh, der Frühling ist da! Eure Kinder können dieses Jahr einen Schritt voraus sein. Mit eurer Anleitung können sie die Zauberwelt der Knospen entdecken und kennenlernen. Denn zauberhaft ist die Welt der Blätter und Blüten im Winterschlaf wirklich. Ihr wisst bestimmt, wie groß so ein Kastanienblatt im Sommer mal sein wird, oder? Und vielleicht habt ihr auch ein Bild von den riesigen weißen Blütenständen der Kastanie vor Augen, an denen sich im Sommer die Hummeln und Bienen tummeln. All das ist in den Knospen bereits vorbereitet. Jetzt ist eine Kastanienknospe nicht unbedingt die kleinste aller Knospen. Aber dennoch finde ich es so erstaunlich und be-wunder-nswert, dass all diese Anlagen bereits in den vielen Schuppen der Knospe vorhanden sind und ihren Winterschlaf halten, bis ihre Zeit gekommen ist.

Äste zum Sammeln schneiden

Auf Knospen-suche zu gehen bedarf keiner besonderen Vorbereitung. Dort, wo es Laubbäume gibt, gibt es auch Knospen. Ihr könnt also eure ganz gewöhnliche Spazierroute wählen und sie neu entdecken. Geht mit den Kindern los und erzählt ihnen vorher eine kurze Geschichte über den Winterschlaf der Blätter. Wie sie sich warm eingepackt in ihre Betten gekuschelt haben, um auf den Frühling zu warten. Und wie jede Baumart ein anderes Bettchen für seine Blätter vorbereitet hat.

Mit einer Gartenschere ausgerüstet, könnt ihr verschiedene Äste sammeln. Mit solchen Aussagen bin ich vorsichtig, denn als studierte Naturschützerin (ihr schmunzelt vielleicht, aber das kann man tatsächlich studieren), weiß ich natürlich, dass das Ausreißen von Pflanzen und Pflanzenteilen in vielen Fällen nicht erlaubt ist. Ich bin aber der Meinung, dass Natur für Kinder etwas be-greifbares sein muss. Sie müssen durch einen Wald laufen dürfen, um zu begreifen, was ein Wald ist. Sie müssen einen Ast fühlen, anfassen, auch damit auf den Boden schlagen dürfen, die Rinde abpulen und ihn schnitzen dürfen, um ihn zu be-greifen. Man kann nur dann eine Verbindung mit der Natur aufbauen, wenn man sie begreifen darf. Deshalb denke ich, es ist viel mehr gewonnen, wenn ihr ein paar Äste abschneidet und sie zum Sammeln mit nach Hause nehmt, als wenn die Kinder einmal auf den Ast schauen und beim zweiten schon gelangweilt nach Hause wollen. Sammeln ist immer eine gute Idee mit Kindern; und wir brauchen die Äste für unsere Nachbereitung der Knospenwelt zu Hause.

Welche Knospen zu welchen Tieren?

Die gesammelten Äste (ihr braucht pro Baumart eigentlich nur einen) werden zuhause nebeneinander auf dem Tisch ausgebreitet. So nebeneinander aufgereiht sieht man die
Unterschiede der verschiedenen Knospen besonders gut. Je nach Altersgruppe kann mit unterschiedlichen Ansätzen an die Knospen herangegangen werden.

Kleine Kinder können die Knospen mit Tiergruppen vergleichen, so wie ich es oben getan habe. Beispiele: Die Knospen der Kirschen stehen so dicht gedrängt wie Pinguine in einer Kolonie. Die Kastanienknospe schläft lieber alleine, sie thront groß am Ende des Zweiges und ist furchtbar klebrig. Da kann man sich die Frage stellen, warum sie so klebrig ist: Weil sie Besucher damit abschrecken will? Oder weil sie eigentlich gar nicht so gerne alleine schläft und gerne jemanden bei sich hätte?

Eine andere Idee ist das Lesen von Emotionen und Gesichtern in den Knospen. So sehen
die Knospen von Walnuss und Esche wie breit grinsende Gesichter aus. Der Essigbaum ist dicht behaart, sein Ast fühlt sich an wie von einem dichten Winterfell überzogen. Seine Knospenbetten sind besonders kuschelig. Für den Anfang ist es nicht wichtig, welcher Ast zu welcher Baumart gehört. Einen spielerischer Zugang zu ermöglichen, macht den Kindern viel mehr Freude an der Sache. Und für die, die es genauer wissen wollen, gibt es jede Menge Bestimmungsliteratur im Netz.

Die gesammelten Materialien zum Basteln und Lernen verwenden

Außerdem können die Äste nach dem Begutachten noch für weitere Aktivitäten genutzt werden: Auf Papier dienen sie als Schablonen beim Malen. Die Kinder können dann auf dem Bild den Frühling bereits willkommen heißen und Blüten und Blätter an die Äste malen.
Und wer wissen will, was er sich da alles ins Haus geholt hat, stellt die Äste ins Wasser auf die Fensterbank. Jetzt habt ihr ein kleines Forschungslabor im Wohnzimmer. Innerhalb der nächsten Tage und Wochen können die Knospen beobachtet werden: Welche Schuppenschicht öffnet sich zuerst, welches Blatt spitzt heraus? Zusammen mit den Blättern lassen sich dann auch die Baumarten leichter bestimmen.

Wer den Kindern Materialien zur Verfügung stellt, mit ihnen in die Bibliothek zum Ausleihen von (kindgerechten) Naturführern geht oder im Internet die ein oder andere Quelle bereit stellt, gibt ihnen die Möglichkeit ihre Neugierde zu vertiefen. Als ersten Schritt jedoch müssen sie gepackt werden von den kleinen Wundern der Natur. Denn mit der vielen möglichen Ablenkung heutzutage durch die neuen Medien, die scheinbar viel größere Wunder am laufenden Band liefern, hat die Natur einen schweren Stand.

Es liegt an uns Eltern, den Kindern die kleinen Wunder des wahren Lebens zu zeigen.
Dafür müssen wir selbst sie wieder sehen lernen. Dieser Frühlingsbeginn ist ein guter
Zeitpunkt dafür.

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Stadtkinder entdecken das Wunderland Natur vor der Haustür

„Aber wie mache ich das denn konkret, mit der Natur in der Stadt?!“, fragte mich eine Leserin vor kurzem. „Wenn die Spielplätze voller Dreck sind, wenn man die Kinder wegen viel befahrener Straßen draußen nicht alleine rennen lassen kann?“ Sie klang ein bisschen verzweifelt und auch ein bisschen verärgert. So, als wäre mein Aufruf, Kindern mehr Erlebnisse in der Natur zu ermöglichen, eine absurde Idee. Ich dachte an die asphaltierten Straßen in der Stadt, an die hohen Häuserwände und die viel zu eng betonierten Straßenbäume und musste erstmal zwei Tage darüber nachdenken, was diese konkrete Natur in der Stadt für mich eigentlich ist.

Was ist „Natur“ in einer Großstadt?

Das, nach dem die Mutter andeutungsweise suchte, waren Grünflächen, ein kleiner Wald. In manchen Städten gibt es das, in anderen nicht. Aber nicht nur das ist Natur. In Berlin gibt es neben 3,5 Millionen Menschen auch 53 Säugetierarten und 180 Vogelarten. Die Stadt ist voller Leben, voller „Natur“, wenn man so will.

Auch in Wohnsiedlungen, in denen kein Park gleich um die Ecke ist, kann man Natur finden. Es ist dann keine Natur, in der man über Grünflächen rennen kann und auf Bäume klettern kann (wobei – das klettern funktioniert vielleicht trotzdem). Man muss genauer hinsehen, doch wenn man das schafft, eröffnet sich einem eine nicht minder spannende und schöne Seite der Natur.

Und das ist die Natur, die für mich auch die Stadt als Naturraum ausmacht. Es sind kleine Wunder, die man mit Kindern vor der Haustür entdecken kann. Kleine Wunder, die aber großes bewirken können. Kinder sind noch viel offener für Wunder und fasziniert von den Farben, Formen, Gerüchen und Objekten, die die Natur hervorbringt. Mit den richtigen Fragen wird die Faszination vergrößert und die Kinder bekommen Lust, sich mit der Natur zu beschäftigen. Fragen entfachen das Interesse, Antworten müssen wir ihnen keine geben.

Naturwunder in der Großstadt

Die Wunder in der Stadt können die nachfolgenden Beispiele sein. Ich habe zu jedem Beispiel ein paar Fragen gesammelt, mit denen das Interesse geweckt wird und Lust gemacht wird, die Natur weiter zu entd

ecken. Man lässt sich quasi treiben, von einem Thema zum nächsten, von einer Frage zu einer anderen. Am Ende des Tages kann man das Erlebte in Büchern nachschlagen, ein Bild dazu malen oder die gesammelten Objekte an einem besonderen Ort aufbewahren.

Vogelfedern

Vogelfedern  findet man auch in der Stadt oft, vor allem im Spätsommer und Herbst, wenn die Zeit der Mauser ist. Aber auch das ganze Jahr über verlieren Vögel Teile ihres Federkleids. Die Federn können gesammelt werden, als kostbare Schätze aufbewahrt werden und Lust machen, die Welt der Vögel zu entdecken.

Fragen dazu können sein:
Wie groß ist wohl der Vogel, zu dem die Feder gehört? Gehört sie zum Unterkleid oder ist es eine Flugfeder? Warum denkst du, dass es eine Feder vom Unterkleid/eine Flugfeder ist?
Was muss die Feder in ihrer Eigenschaft machen/können? Muss sie wärmen/stabil sein/schwimmen können? Wie viele Federn hat so ein Vogel? Wie sieht der Vogel wohl aus, zu dem diese Feder gehört? Wie hört er sich wohl an?

Der Vogel kann in einem Bestimmungsbuch gesucht werden und seine Stimme danach im Internet nachgehört werden. Anschließend kann wieder nach draußen gegangen werden: Auf Stimmensuche, oder mit einem Fernglas, um den Vogel zu beobachten.

Ritzenbewohner

Kaum tut sich irgendwo ein Stückchen Erde auf, steht schon ein Pflänzchen darauf. Ist es nicht ein Wunder, dass in jeder kleinen Ritze etwas wächst? Ob in der Dachrinne im fünften Stock oder am viel betretenen Bürgersteig.

Über dieses Wunder schauen (und laufen) wir tagtäglich hinweg. Doch es lohnt sich die Frage an uns und an unsere kindliche Begleiter zu stellen: Wie geht das eigentlich? Wie kommen die Samen in die Dachrinne? Wie halten die Pflanzen die Tritte am Bürgersteigt aus? (Wachsen sie hoch oder niedrig?) Wie sehen wohl ihre Wurzeln aus?

Ackerkratzdisteln beispielsweise, die sich gerne dort ansiedeln, wo jede andere Pflanze nur angewidert den Kopf schütteln würde, bilden 2,80 m (!) lange Pfahlwurzeln aus. Löwenzahn hat immerhin 1 m lange Wurzen. Wie lange sind 2,80 m? Wie viele Kinder müssten sich übereinander stellen, um zu sehen wie lange die Wurzeln sind? Und wie sieht diese Ackerkratzdistel aus? Wie der Löwenzahn?

Eichhörnchen

sind Mitbewohner in Städten, die auch Erwachsene in der Hast des Alltags kurz staunen lassen. Wie machen die das nur, dass sie so flink und wendig von Ast zu Ast hüpfen können? Wo finden sie Nahrung? Begebt euch auf Eichhörnchen-Niveau: Wo könnte man hier wohl eine Nuss verstecken?

Eine lustige Anekdote ist, dass sich Eichhörnchen gar nicht merken, wo sie ihre Nüsse verstecken. Sie suchen einfach dort, wo man als Eichhörnchen gerne Vorräte hält: Am Fuß von Bäumen, in Lücken unter Wurzeln, in Baumhöhlen. Dass sie mit ihren Nasen so gut riechen können, wie sie mit ihren Beinen springen können, ist auch von Vorteil.

Nadelbäume

Gerade jetzt im Winter, taucht sie häufiger auf: Die Frage nach dem Nadelbaum im Winter und dem Unterschied zum Laubbaum. Nadelbäume können ihre Nadeln im Winter behalten. Sie haben gelernt, mit der Durststrecke der kalten Jahreszeit zu leben. Aber wodurch unterscheiden sich seine Nadeln von den Blätter der Laubbäume? Gibt es einen Nadelbaum in eurer Nachbarschaft? Was fällt auf, wenn man sich die Nadeln ganz genau ansieht? Welche anderen Pflanzen gibt es, die im Winter ihre Blätter behalten? Findet ihr solche Pflanzen auch bei euch in der Nachbarschaft? (Bspw. Buchs oder Stechpalme. Sie alle schützen ihre Blätter bzw. Nadeln mit einer dicken Wachsschicht)

Diese Aufzählung an Naturwundern in der Stadt lässt sich endlos erweitern. Wir müssen unseren Blick wieder ein bisschen besser schulen. Dann merken wir, “Natur“ ist nicht eine bestimmte Sache. Sie bezieht sich nicht nur aufs freie Rumlaufen draußen. Natur umgibt uns im Kleinen immer noch.

Mit „Natur erleben“ ist „Wunder erfahren“ gemeint

Natur erfahren bedeutet, sich faszinieren zu lassen. Fragen zu stellen. Nach Antworten zu suchen. Das können Spuren im Matsch sein, das können aber auch Vogelfedern, Kastanienmännchen und Bärtierchen im Moos an der Hauswand sein. Um aufmerksamer zu werden für diese kleinen Wunder der Natur, die die Stadt – und natürlich auf die Natur auf dem Land – für uns bereithält, gibt es hier noch eine kleine Achtsamkeitsübung.

Dabei müsst ihr “einfach” mehrmals am Tag kurz innehalten und euch die Frage stellen:

„Was entgeht mir hier gerade, genau jetzt?“

Durch diese Frage nehmen wir unsere Umwelt automatisch aufmerksamer wahr. Wir schalten vom Autopiloten, durch den wir gedankenversunken altbekannte Wege abschreiten, in einen Modus der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit.
Auch hier ist es eine Mischung aus Wahrnehmen und auf die verschiedenen Sinneseindrücke achten und der Aufgabe, sich selbst Fragen zu den Beobachtungen stellen. Natürlich kann diese Übung auch zu zweit oder mit Kind(ern) gemacht werden.

  • Was entgeht mir gerade genau jetzt?
  • Höre ich Vogelstimmen? Wie viele?
  • Auf welchem Untergrund laufe ich? Wie fühlt sich das an? Spüre ich das Moos zwischen den Pflastersteinen, wenn ich bedacht laufe?
  • Welche Tiere krabbeln in der Mauer neben mir? Was tun sie? Wohin laufen sie?
  • Welche Spuren finde ich am Boden?
  • Welcher Baum wächst neben mir? Hat er schon Knospen ausgebildet? Ist er belaubt oder nicht?

Mehrmals am Tag auf die unmittelbare Umwelt zu achten, fördert nicht nur die Verbundenheit mit der Natur. Es lädt auch dazu ein, sich mehr mit den Prozessen und Vorgänge der lebendigen Welt zu beschäftigt. Und ganz nebenbei lässt es uns auch für einen kurzen Moment zur Ruhe kommen. Diese Übung schafft Achtsamkeit in mehreren Bereichen. Sie lässt uns verschnaufen.

Mit der Luft, die wir einatmen und uns der Natur um uns herum bewusst werden, halten wir einen Moment inne und entschleunigen unseren Alltag. Eine einfache Frage, die es vermag, so viel miteinander zu verbinden, was wir uns oft im Alltag wünschen: Entschleunigung, Achtsamkeit, Selbstfürsorge, Naturverbundenheit.

Was entgeht dir, genau jetzt?

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.