Einschlafbegleitung mit großen Kindern

„Aber in dem Alter muss das Kind noch nun wirklich alleine schlafen können!“ habe ich kürzlich bei einem Gespräch von Schuleltern gehört. Sehr wahrscheinlich kann das Kind auch im Schulalter allein einschlafen, wenn es das Gefühl erworben hat, sicher zu sein an diesem Schlafort und bei Bedarf bei den Eltern das Bedürfnis nach Schutz und Nähe einfordern kann. Und dennoch gibt es auch darüber hinaus Gründe, warum das Kind in den Schlaf begleitet werden kann. Denn nur weil es etwas kann, bedeutet es nicht, dass es das muss.

Vielleicht war der Tag voll und anstrengend. Vielleicht gab es nach der Schule noch eine Verabredung oder einen Termin oder Hausaufgaben oder es musste unbedingt in Ruhe gespielt werden… Und dann ist auch schon der Abend da und es war viel zu wenig Zeit, um vom Tag zu berichten, um die Ereignisse des Tages los zu lassen. Und genau jetzt, am Abend, tut das noch einmal so gut: Sich den Tag von der Seele zu reden. Sagen, was heute besonders schön war und was blöd erlebt wurde. Einen Blick zurück werfen auf den Tag. Nicht allein, sondern gemeinsam. Das Gefühl, dazu zu gehören, mit allen Gedanken aufgehoben zu sein.

Viele Kinder können und wollen mit 6,7,8… Jahren allein in einem Bett einschlafen und dort die Nacht verbringen. Manche Kinder brauchen aber auch noch Nähe oder nachts eine andere Person an der Seite, wenn sie aus dem Schlaf hochschrecken. Und viele Kinder brauchen einfach noch lange eine Begleitung am Abend, gerade dann, wenn die Zeiten unruhig sind. Ob uns das besorgen sollte? Denken wir einen Moment an uns selbst und unsere eigenen Bedürfnisse. Denken wir daran, dass gerade abends Menschen dazu neigen, zu grübeln und Gedanken hin und her zu wälzen und dann gerne einmal mit der/dem Partner/in darüber sprechen. Vielleicht sogar aus dem Halbschlaf hochschrecken und sagen: „Weißt du was, ich muss dir dringend noch erzählen, dass…“ Wahrscheinlich kennen wir alle diese Momente. Und auch Kinder haben sie. Auch sie müssen abends manchmal noch ihre Gedanken aussprechen, um dann beruhigt in die Nacht zu finden. Und auch bei Kindern ist das in Ordnung – warum auch nicht?

Manchmal sind es auch keine Worte, die wir am Abend nach einem anstrengenden Tag brauchen – und anstrengende Tage gibt es gerade zum Schulbeginn oft -, sondern das Gefühl, gehalten zu werden. Einfach im Arm eines anderen Menschen liegen, die Nähe genießen, das wohlige Gefühl des Vertrauens und die Beruhigung, die durch das Oxytocin in unseren Körper strömt. Manchmal braucht es das an Tagen, an denen so viel neu ist, an denen sich ein Kind vielleicht in der neuen Schule ausgegrenzt gefühlt hat oder das schmerzende Gefühl hat, nicht dazu zu gehören.

Wenn unsere großen Kinder in den Schlaf begleitet werden wollen, ist das meist kein Zeichen eines Mangels an Regulationsfähigkeit, sondern ein Zeichen für einen Bedarf. Bedarf nach Nähe, Vertrautheit, Zuwendung. Und mit der kleinen Geste der Zuwendung am Abend, mit dem Zuhören im Bett, mit einem um die Schultern gelegten Arm können wir ihnen am Ende des Tages das wohlige Gefühl geben, in dieser aufregenden Welt einen sicheren Ort zu haben, an dem sie den Tag loslassen können. Was für ein wunderbares Gefühl muss das sein.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

6 Kommentare

  1. genau so ist es. die großen kinder, gerade, wenn geschwister da sind, werden da oft übersehen. und tatsächlich reichen zehn minuten ganze aufmerksamkeit in ruhe, um vieles wieder ins lot zu bringen. klingt einfach, wenn da nur nicht so oft gerade zu der zeit der abendwahnsinn mit kleineren geschwistern herrschen würde….;)

  2. Hallo

    unsere drei Kinder schlafen alle noch im Familienbett (wir haben ein grosses, dass 3 Meter 20 breit ist). Sie sind jetzt 8, 6 und 3 Jahre und keines möchte alleine schlafen.
    Bei uns ist vorallem das Thema Angst vor der Dunkelheit momentan gross und es gibt viel Sicherheit, wenn sie nicht alleine sind.

    Liebe Grüsse Eva

  3. Ich kann dem Artikel voll zustimmen. Ich denke auch, dass es so wichtig für Kinder ist friedlich und geborgen einschlafen zu können. Wenn Sie die Nähe und Streicheleinheiten einfordern, dann ist das bestimmt gut, wenn sie diese auch bekommen. Und ja, ich finde als Eltern gibt es ja auch nichts schöneres zu erleben, als wenn die eigenen Kinder am Ende des Tages friedlich und in Ruhe einschlafen. Mir kommt es bei den vielen Kommentareren, auch auf Facebook, zum Artikel aber so vor, als ob ihr alle ganz brave und willige Kinder habt, die immer ohne Theater schlafen gehen. Bei mir sieht die Realität etwas anders aus. Ich habe zwei ganz aufgeweckte Kinder (4,5 und 2,5 Jahre), die sich gerne vor dem ins Bett gehen sträuben. Nach friedlicher Abendroutine mit Gute-Nacht-Geschichte, Kuscheln und Beten werden sie plötzlich wieder hell wach und haben allen möglichen Quatsch im Kopf. Da muss ich sagen, bin ich schon oft an meine Grenzen gekommen und es geht dann manchmal auch nicht mehr so harmonisch und friedlich zu. Gibt es noch andere vielleicht hier, denen es ähnlich geht? Was macht ihr, wenn eure Kinder nicht schlafen wollen und im Bett noch rumturnen und laut sind (obwohl sie offensichtlich eigentlich müde sind und den Schlaf brauchen)?

  4. Anja Moßmann

    Ein toller Beitrag. Meine Buben waren auch ähnlich. Der jüngste (heute 22) hat 8.5 Jahre bei mir in meinem Bett geschlafen.
    Nun haben wir einen Nachzügler unsere Tochter ist acht Jahre alt und schläft seit 6 Jahren bei uns im Bett.
    Vor 6 Jahren haben wir unseren ältesten Sohn verloren mit gerade knapp 20 Jahren. Gut aufgestellt bin ich nun. Habe Trauer Therapie t es gehört in mein Leben .
    Wir haben unsere tochter von Anfang an wenn sie ins Bett geht bei uns im Bett. Sie will nicht in ihr Zimmer sie will bei uns sein.
    Ich glaube und hoffe tief in mir. …das auch sie bald in ihrem Zimmer schlafen möchte. Vielleicht hat doch jemand einen guten Rat den wir umsetzen können.
    Wobei wenn wir das Thema haben. ..leidet sie Tage an Bauchweh.
    LG Anja

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