Monat: Oktober 2019

Müssen Kinder spielen lernen?

„Eltern bringen ihren Kindern nicht mehr bei zu spielen oder sich sinnvoll zu beschäftigen“ zitierte gerade die Tagesschau in Bezug auf Mediennutzung von Kindern. Aber ist es wirklich Aufgabe von Eltern, Kindern das Spielen beizubringen? Können Kinder von sich aus nicht spielen? Liegt es im Verantwortungsbereich der Eltern, Kinder dazu anzuleiten?

Wie Kinder spielen

Betrachten wir also im ersten Schritt das Spiel der Kinder: Bei spielenden Kindern denken wir zumeist an Puppenhäuser, Lego, an Kaufmannsladen und Puppenküche. Wir denken an das Rollenspiel, an nachahmendes Spiel und Bauklötze, die aufeinander gestapelt werden. Damit denken wir an ein bestimmtes Zeitfenster, mit dem wir Spiel verbinden: Kleinkinder spielen. Das Spiel beginnt aber eigentlich schon wesentlich früher, nämlich schon während der Babyzeit. Ist das Baby nach der Geburt in der Familie angekommen, beginnt es mit seinen Sinnen die Umwelt zu erfahren: Es beobachtet die Schatten und Licht an den Wänden, erfreut sich an Berührungen und Geräuschen. Mit sechs bis acht Wochen nach der Geburt beginnt das Baby mit dem sozialen Lächeln. Es tritt mit den Bezugspersonen in Interaktion und es ergeben sich im Alltag Spielsituationen: Das Elternteil lächelt das Baby an, das Baby lächelt zurück – ein einfaches Spiel, das dennoch Spiel ist. Beginnt das Baby zu greifen und Dinge zum Mund zu führen, spielt es mit ihnen und erkundet neugierig, was das ist. Die erste Beikost ist Spiel anstatt Nahrung: Das Baby weiß noch nicht, dass diese Nahrung sättigt und erkundet spielerisch mit Händen und Mund. Die gesamte Welt lernt das Kind durch das Spiel kennen: Es setzt sich mit ihr auseinander, berührt, erkundet. Das Kind spielt und lernt gleichermaßen. Spielen ist lernen und lernen ist spielen. Die Erfahrungswelt besteht aus der spielerischen Auseinandersetzung mit all dem, was das Kind umgibt: die Dinge, die Lebewesen. Auch die Interaktion, die sozialen Regeln, das Miteinander wird über das Spiel erfahren.

Wo Kinder spielen

Das Spiel findet immer in einem bestimmten Setting statt, in einer Umgebung, in der Auseinandersetzung mit bestimmten Themen. Es ist bestimmt durch die Fähigkeiten des Kindes und baut sie weiter aus: Hat das Kind zu laufen begonnen, wird es spielerisch mit den Feinheiten der Fortbewegung experimentieren und irgendwann beginnen, zu balancieren, zu schleichen, zu hüpfen. Das, was Kinder spielen wollen, ist ihrem aktuellen Entwicklungsstand angepasst: Im Spiel bauen sie ihre Fertigkeiten aus und sind deswegen daran orientiert, das umzusetzen, was ihnen neue Erfahrungen bringt.

Nicht immer stimmt das mit den Vorstellungen der Erwachsenen überein. Nicht selten bringt das Spiel, die Neugierde, der Entwicklungsimpuls sie in Konflikt mit den Normen und Vorstellungen der Gesellschaft oder den familiären Regeln. Es ist so spannend, Neues zu erfahren, Dinge auszuprobieren: Materialien wollen erkundet, Zusammenhänge verstanden werden. Manchmal gehen dabei Dinge zu Bruch oder die Vorstellungen des Kindes weichen einfach von denen der Eltern ab. Auch das ist etwas, was Kinder lernen durch aktive Auseinandersetzung

Bildungsauftrag: Spiel mit Deinem Kind!

Wir sehen also: Kinder spielen von alleine die ganze Zeit. Neugierde ist der Motor ihrer Entwicklung und über diesen lernen sie, setzen sich aktiv auseinander. Das Spiel ist dabei auf der einen Seite ein Spiel, um Fertigkeiten auszubauen, je größer die Kinder werden, desto bedeutsamer wird dabei aber auch das soziale Spiel, der Austausch mit anderen. In diesem Spiel lernen sie die Regeln des Miteinander. Sie brauchen für viele Spiele ein Gegenüber. Gut ist es, wenn sie die Möglichkeit haben, mit verschiedenen Menschen zu interagieren in unterschiedlichem Alter, unterschiedlichen Temperamenten, unterschiedlichen Situationen – so bauen sie ein Bild über Vielfalt aus. Je größer sie werden, desto wichtiger wird die Gruppe der Gleichaltrigen, in der sie sich bewegen. Sie wachsen hinein in ihre neue soziale Gruppe, in das Leben, die Zukunft und nehmen dabei die Erfahrungen mit, die sie im Laufe der vergangenen Zeit sammeln konnten, die Werte und Regeln, die sie mitbekommen haben auf dem Weg.

In diesem Sinne hat das Spiel mit den Erwachsenen immer auch einen bestimmten Bildungsauftrag, trägt sie hinein in die Gesellschaft und vermittelt wichtige Impulse für Gegenwart und Zukunft. Dass aber Eltern ihren Kindern das Spiel beibringen müssten, stimmt nicht. Sie vermitteln Kindern über die Interaktion wesentliche Inhalte, aber das Spiel bringen die Kinder in das Leben ein. Sie setzen die Impulse, mit denen wir umgehen, die wir beantworten – oder eben auch manchmal nicht. Eltern müssen sich nicht in kleine Puppenküchen setzen und Kindern beibringen, wie Puppen versorgt werden, wie gespielt wird. Eltern können manchmal Spielpartner sein im Spiel der Kinder und Kinder fordern dies ganz besonders dann ein, wenn sie sonst keine Partner wie andere Kinder haben, um soziale Interaktionen im Spiel zu verarbeiten und in der Auseinandersetzung zu lernen. Aber das Spiel geht grundsätzlich von ihnen und ihren Entwicklungsimpulsen aus.

Was wir tun können, anstatt Spiel zu trainieren

Anstatt das Spiel zu trainieren, müssen wir Eltern Kindern den Raum geben, spielen zu können und sich mit der Umwelt aktiv auseinander zu setzen: Kinder brauchen Räume, in denen sie sich bewegen können. Sie brauchen drinnen und draußen die Chance, gemäß ihren körperlichen Entwicklungsmöglichkeiten sich selbst zu erproben, sich und die eigenen Fähigkeiten zu spüren. Sie brauchen die Möglichkeit, Sprache auszuprobieren, Feinmotorik, Grobmotorik und soziale Interaktion. Sie brauchen den Raum, dass wie Erwachsene geduldig sind mit ihren Versuchen und sie ausprobieren lassen. Sie brauchen keine Anleitung, sondern die Möglichkeit, selbst auszuprobieren, selbst wirksam zu sein. Manchmal scheitern sie dabei. Und brauchen die Sicherheit, dass wir sie aus diesem Scheitern auch lernen lassen und dort auffangen, wo sie es (emotional) dann brauchen. Sie brauchen die Chance, zu verstehen, dass auch Fehler dazu gehören und gemacht werden dürfen.

In unserer Gesellschaft ist es an vielen Stellen nicht so leicht, dass Kinder die Spielimpulse umsetzen können, die sie wollen und für ihre Entwicklung brauchen. An vielen Stellen werden sie eingeschränkt: Von Schildern, die verbieten, auf dem Rasen zu spielen und auf Bäume zu klettern. Von Verboten, an bestimmten Orten zu rennen. Von unseren Ängsten, die sie ermahnen, die sie einschränken in ihrem Aktionsradius, in ihrer Fantasie. Von unseren Regeln zu Hause und Sorgen um unsere sorgsam eingerichtete, saubere Wohnung. Aber Kinder brauchen die Möglichkeiten, Erfahrungen zu machen. Ungefiltert von unseren erwachsenen Gedanken und Vorstellungen. Sie brauchen im wahrsten Sinne des Wortes einen Entwicklungs-Spielraum, der nicht zu eng sein darf, damit sie sich darin nach ihrem Tempo und Bedürfnis entwickeln können.

All das ist sinnvolles Spiel. Geben wir unseren Kindern doch die Möglichkeit, durch das Spiel aktiv die Welt selbst zu erfahren, anstatt sie ihnen durch unsere Augen mit erwachsenem Spiel vor die Nase zu setzen.
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Atme wohl, kleine Schnupfnase! {Werbung}

Da ist er wieder, der Herbst mit der beginnenden Erkältungszeit. Oft ist es gar nicht so einfach, vom sonnig-warmen Sommer auf den kühl-nassen Herbst umzuschwenken: Die Kinder wollen lieber weiterhin in der gewohnten Kleidung durch Pfützen hüpfen und kurzärmlig durch das Herbstwetter rennen. Ist das Immunsystem durch Kälte geschwächt, hat es der Körper schwer, sich gegen Viren zur Wehr zu setzen. Kommt dazu noch, dass die Schleimhäute austrocknen durch trockene Raumluft, ist die Erkältung recht wahrscheinlich vorprogrammiert.

Erkältungen vorbeugen

Erkältungen lassen sich gerade bei Kindern in den kühleren Monaten meistens nicht ausschließen, aber wir können einiges dafür tun, um die Wahrscheinlichkeit zu senken: Die Sommerkleidung im Schrank gegen wärmende Sachen austauschen, aus denen sich das Kind dann bedienen kann. Die Durchblutung anregen durch ausreichend Bewegung, Fußbäder nach dem Heimkommen. Zu Hause können wir darauf achten, dass die Raumluft nicht zu trocken ist durch regelmäßiges lüften und Luftbefeuchtung. Auch sollte nicht zu wenig getrunken werden – ein warmer Tee mit etwas Vitamin C wie in Sanddorn oder Hagebutte kann zusätzlich unterstützen.

Wenn die Erkältung dann doch da ist

Letztlich können wir aber nicht alle Erkältungen verhindern. Läuft die Nase oder hustet das Kind, kann eine leichte Erkältung gut mit Zuwendung, Wickeln und ätherischen Ölen begleitet werden*. Wichtig ist: Nicht jedes ätherische Öl, das für Erwachsene genutzt werden kann, gehört auch auf Kinderhaut. Im Primavera „Atme wohl Baby- und Kinderbalsam bio“ sind nur ätherische Öle verwendet, die auch auf Kinderhaut kommen dürfen: Thymian, Myrte und Cajeput unterstützen bei Husten und Schnupfen, regen die Durchatmung an und beruhigen. Zusammen mit Bienenwachs und Mandelöl ergeben sie einen wohl duftenden Balsam, der von warmen Händen auf Brust und Rücken des Kindes einmassiert werden kann. Mit sanften Streichbewegungen von der Brustmitte seitwärts zu den Schultern wird dabei auch der Brustraum noch entspannt und geweitet und die tiefe Atmung noch unterstützt. Um die wärmende Wirkung dieser kleinen Massage noch zu unterstützen, dann ein Bienenwachswickel auf den massierten Bereich gelegt werden, der die Körperwärme wieder zurück gibt. Ein Kirschkernkissen kann noch einmal von Außen sanfte Wärme spenden und beruhigen.


Öle und ihre Wirkung

Thymian
Ätherisches Thymianöl gibt es in unterschiedlichen Chemotypen. Für Kinder ist das milde Thymian Linalool zu verwenden, das entkrampfend, beruhigend und antiviral wirkt.

Myrte
Die vitalisierend duftende Myrte wirkt entkrampfend.

Cajeput
Das ätherische Öl dieser Pflanze duftet eukalyptusartig, ist aber milder und wirkt u.a. schleimlösend.


Ein warmer Kuschelfreund für Erkältungstage

Ein Kirschkernkissen kann übrigens in Wunschform und -größe ganz einfach selbst gemacht werden – das geht auch ohne große Nähkenntnisse: Die gewünschte Form (z.B. Herz, Bär, oder wie hier bei uns: Elefant) zwei Mal auf Filzstoff aufmalen, ausschneiden und bis auf eine kleine Öffnung zusammennähen. In diese dann die Kirschkerne einfüllen und schließlich mit Nadel und Faden schließen. Die Kirschkern-Filzfreunde können dann im Ofen kurz erwärmt werden und sind im Anschluss kuschelig-warme Begleiter.

Und nun: Gute Besserung!

*Hausmittel können eine gute und oft auch schnelle Hilfe sein, um bei leichten Erkrankungen Linderung zu verschaffen. Wichtig ist, die Kinderärztin/den Kinderarzt hinzu zu ziehen, wenn Verdacht auf eine Kinderkrankheit besteht, Symptome nicht eindeutig eingeordnet werden können, Eltern unsicher sind, ein Fieber andauert oder Beschwerden nicht innerhalb von drei Tagen besser werden. Auch bei schneller Verschlechterung des Wohlbefindens muss ggf. schnell Arzt/Ärztin hinzugezogen werden, daher ist es wichtig, kranke Kinder gut im Auge zu behalten. Hat ein Baby unter drei Monaten eine Temperatur über 38°C, sollte Kinderärztin/Kinderarzt kontaktiert werden, ebenfalls bei einem älteren Baby über 39°C. Außerhalb der Öffnungszeiten der eigenen Kinderärztin kann auch der Kinderärztliche Bereitschaftsdienst in Anspruch genommen werden bzw. Notdienstpraxen. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen muss natürlich umgehend der Rettungsdienst der Feuerwehr gerufen werden.

Wie Babys schlafen

Der Schlaf von Babys und Kindern ist eines der großen Themen in den ersten Jahren. Wir lesen davon, dass „Kinder schlafen lernen“ müssen, dass Schlaf wichtig sei für die Entwicklung und zu wenig Schlaf ungesund, wir stellen uns Fragen darüber, ob nun Mittagsschlaf wirklich wichtig ist, wenn wir abends doch gerne ein wenig Zeit für uns hätten ohne Kind. Wie also ist es nun mit dem Schlaf? Können oder müssen Kinder das lernen oder machen sie das von ganz allein? Und wie verändert sich das Schlafen im Laufe der Zeit?

Die gute Nachricht ist: Babys müssen nicht schlafen lernen, sie schlafen schon ganz selbständig von Anfang an. Die von vielen Erwachsenen allerdings als schlecht wahrgenommene Nachricht ist: Sie schlafen anders als wir. Und genau das bringt uns manchmal in eine Zwickmühle. Nach der Geburt hat das Baby erst einmal keinen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus: Schlafen und Wachen wechseln sich ab. Wie bei uns Erwachsenen ist auch schon für die Kleinsten der Schlaf wichtig, u.a. für das Gehirn und die Lernprozesse. Daher haben sie auch einen anderen Schlafrhythmus und eine andere Verteilung der Schlafphasen. Noch im Uterus besteht der Schlaf des ungeborenen Babys zu nahezu 100% aus REM-Schlafphasen, bei neugeborenen Kindern aus etwa 70%. Diese Schlafphase, in der die Augen sich unter den Lidern schnell bewegen (REM = Rapid Eye Movement) dient dem Gehirn zum Sortieren und Verarbeiten von Eindrücken – wir lernen, insbesondere auch emotionale Erlebnisse verfestigen sich hier.

Das Baby lässt sich nicht ablegen!

Vom Wachzustand geht das Baby zunächst in den REM-Schlaf über und dann in den Tiefschlaf: Viele Eltern wissen, dass sich das Baby, obwohl es doch gerade eingeschlafen scheint, nicht gleich ablegen lässt. Es erwacht sofort, wenn wir es ablegen, wenn es eine Diele knarzen hört oder sich die Situation in einer anderen Art für das Baby spürbar ändert. Und auch wenn uns Erwachsenen das oft als unpraktisch für uns selbst erscheint, ist es dieses Schlafverhalten für das Baby durchaus sinnvoll: Während dieser ersten Schlafphase ist es noch aktiv genug, um zu überprüfen, ob die Rahmenbedingungen für einen Schlaf wirklich gut sind, oder ob es nicht doch vorher noch einmal versorgt werden muss oder andere Rahmenbedingungen braucht, beispielsweise weil es zu kühl oder zu warm bekleidet ist, weil es spürt, dass es allein ist und dieses Gefühl seinem Bedürfnis nach Sicherheit widerspricht.

Das Baby wacht nachts auf!

Nach etwa 20 Minuten REM-Schlaf geht das Baby dann in den Tiefschlaf über: Nun lässt es sich ablegen. Nach einem Schlafzyklus von etwa 50 Minuten erwacht das Baby mehr oder weniger kurz, häufig zur Nahrungsaufnahme. Zudem überprüft es nun wieder, ob die Rahmenbedingungen weiterhin gut sind. Fühlt es sich beispielsweise schutzlos, wird es erwachen und weinen, um die Bezugspersonen zu sich zu holen. Auch bei einem Ausscheidungsbedürfnis erwachen die Babys oder werden unruhig. Wer das Baby abhält, merkt, dass es nach dem Ausscheiden wieder gut einschlafen kann.

Auch ältere Kinder und sogar wir Erwachsene wachen nachts auf – allerdings können wir selbständig wieder einschlafen und müssen (meistens) nicht durch eine andere Person wieder in den Schlaf begleitet werden, weil wir genug Erfahrungen im Laufe der Zeit gesammelt haben und wissen, dass wir an unserem Schlafort sicher sind. Auch verlängern sich im Laufe des Lebens die Schlafzyklen: Bei einem Erwachsenen dauern sie 90 bis 120 Minuten an – wir wachen also in späteren Jahren seltener auf pro Nacht.

Babys schlafen nicht durch – oder doch?

Dass Babys nicht in dem Sinne durchschlafen, wie wir von durchschlafen denken, ist also ganz normal. Die Gesamtschlafdauer bei Babys variiert stark: Neugeborene schlafen zwischen 11 und 20 Stunden am Tag, 6 Monate alte Babys zwischen 9 und 17 Stunden. Und auch nach der Babyzeit ist der Schlafbedarf noch unterschiedlich und einige Kinder brauchen noch länger einen Mittagsschlaf und andere hören früher damit auf. Mit „durchschlafen“ wird in der Regel ein Zeitfenster von 5 Stunden bezeichnet. Im ersten Jahr wachen viele Babys noch drei Mal und mehr nachts auf. Und selbst nach dem ersten Geburtstag schlafen Kinder noch nicht in dem Sinne durch, wie wir es uns oft wünschen würden.

Mit dem Babyschlaf umgehen

Dass Babys also so schlafen, wie sie schlafen, ist richtig und normal. Leider kollidiert es dennoch mit unseren erwachsenen Schlafgewohnheiten – und unseren Erwartungen hierzulande. Während in Costa Rica davon ausgegangen wird, dass Kinder etwa mit 3,5 Jahren durchschlafen, erwarten dies in Indien Eltern erst von 5jährigen. Zudem gibt es selbst in der voranschreitenden Entwicklung immer wieder mal Rückschritte in Phasen, in denen das Baby besondere neue Entwicklungen durchläuft und daher unruhiger schläft oder wenn es beispielsweise einen Infekt hat oder Zähne bekommt.

Wichtig ist daher: Den Schlaf des Babys so annehmen, wie er ist. Babys brauchen einfühlsame Begleitung und keine Schlaftrainings. Wichtig ist es dennoch, dass auch wir Erwachsene auf unsere Schlafbedürfnisse achten. Daher ist es gut, wenn sich Eltern abwechseln können, damit beide ausreichend Schlaf bekommen. Praktisch für ein gutes Schlafgefühl ist auch der so genannte „Ammenschlaf“: Schlafen Mutter und Baby in körperlicher Nähe (das Baby beispielsweise im Familienbett oder Beistellbett), nähern sich die Schlafphasen von Mutter und Kind an, wodurch die erwachsene Bezugsperson nicht aus dem Tiefschlaf gerissen wird durch das erwachte Baby, sondern oft kurz vor dem Baby erwacht, schnell auf die Bedürfnisse eingehen kann und dann selbst wieder schnell in den Schlaf findet. der Schlaf kann so erholsamer sein beim Co-Sleeping als bei räumlicher Trennung.

Wie geht es Euch mit dem Schlaf Eures Babys?
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Passende Bücher zum Thema:
Mierau, Susanne (2016): Geborgen wachsen. Wie Kinder glücklich groß werden. – München: Kösel.
Mierau, Susanne (2019): Mutter.Sein. Von der Last eines Ideals und dem Glück des eigenen Wegs. – Weinheim: Beltz.
Lüpold, Sibylle (2014): Ich will bei Euch schlafen! (Ein-)Schlafen lernen mit Co-Sleeping. – Freiburg: Urania Verlag.
Renz-Polster, Herbert/Imlau, Nora (2016): Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. – München: GU.
Schwarz, Diana/Ludwig, Frauke (2018): Baby Basics. Alles, was ihr über euer Baby wissen solltet. – München: Kösel.

Kürbiszimtschnecken und andere Kürbisleckereien

Der Herbst ist da und damit Zeit für leckere Backwerke neben einem warmen Getränk. In diesen Tagen kommt Kürbis hier häufig auf den Tisch – in ganz verschiedenen Varianten von salzig bis süß. Vom Hokkaido-Kürbis kann die gesamte Frucht verwendet werden von der Schale bis zu den Kernen und wird zu: Kürbissuppe, Kürbisbrötchen, Ofengemüse-Kürbis, Kürbisgnocci, Kürbiswaffeln, Kürbis-Flammkuchen, Kürbiskern-Snack, Kürbiskuchen, Kürbisdonuts – und diese leckeren Kürbis-Zimtschnecken.

Für etwa 10 Zimtschnecken benötigst Du:

250g Mehl
50g Rohrzucker
1/2 Päckchen frische Hefe
1/2 TL Salz
50g geschmolzene Butter
125 ml Milch
100g Hokkaido-Kürbispüree

50g weiche Butter
50g Zucker
2 TL Zimt
1/2 TL Kardamompulver

Und so werden Zimtschnecken daraus:

Für das Kürbispüree wird der Hokkaido-Kürbis gewaschen, der Stiel entfernt, Kerne ausgeschabt (diese können gekocht, im Ofen mit Gewürzen bestreut geröstet und dann als Snack gegessen werden). Der restliche Kürbis wird in Stücke geschnitten und bei 180°C im Backofen weich gegart. Der abgekühlte Kürbis wird dann püriert und die entsprechende Menge für die Zimtschnecken abgenommen. Reste können zu Suppe, für Pizzateig etc. weiter verarbeitet werden.

Mehl in eine Rührschüssel geben, Zucker zugeben, die geschmolzene Butter mit der Milch auffüllen und beides gemeinsam zum Mehl-Zucker-Gemisch geben, Hefe unterkneten und das Kürbispüree unterkneten. Der Teig sollte nicht zu klebrig sein, ggf. Mehl zugeben. Den Teig abgedeckt an einem warmen Ort etwa 60 Minuten gehen lassen bis er sich verdoppelt hat.
Dann rechteckig ausrollen. Butter Zucker, Zimt und Kardamom verrühren und diese Mischung auf dem ausgerollten Teig verstreichen. Den Teig von der Unterkante zu einer Schnecke recht fest aufrollen. Von der Rolle ca. 2cm breite Scheiben abschneiden, auf das mit Backpapier belegte Blech geben und noch, als 30 Minuten gehen lassen und dann im vorgeheizten Ofen bei 180°C 10 Minuten backen.

Abschließend können die Zimtschnecken noch mit Zuckerguss oder Hagelzucker versüßt werden.

Die Atmosphäre am Familientisch

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Gerade bei unseren Kindern sehen wir, wie wichtig die gesamte Atmosphäre am Esstisch und rund um die Nahrungsmittel ist, damit dieses Alltagsritual entspannt und bedürfnisorientiert ablaufen kann. Dies bezieht sich nicht nur auf die Familienmahlzeiten größerer Kinder, sondern hat seine Bedeutung von Anfang an, wenn schon kleine Babys mit am Tisch sitzen oder liegen und später mit dem Probieren der Beikost beginnen. Eine entspannte Atmosphäre ohne Druck, Zwang, die Selbständigkeit und Teilhabe ermöglicht, ist ein wesentlicher Baustein der Ernährung.

Freude am Essen von Anfang an Erleben

Schon das Baby beobachtet uns bei den Mahlzeiten: Es nimmt wahr, ob wir entspannt und ruhig mit Genuss essen oder hektisch. Auch durch unser Vorbild entwickelt sich beim Kind nach und nach ein Interesse an den Nahrungsmitteln, die das Kind bei uns sieht. Dieses Interesse an Nahrungsmitteln wird später zu einem der Beikostreifezeichen unter mehreren. Noch bevor es selbst die erste Beikost zu sich nimmt, lernt es am Familientisch schon von der Atmosphäre etwas über Nahrungsaufnahme. Es ist gut, wenn Kinder diesen Ort der Nahrungsaufnahme von Anfang an kennen lernen, das Ritual des Essens erleben und später dann, wenn sie selber richtig am Tisch sitzen, diesen Ort ganz selbstverständlich mit dem gemeinsamen Essen verbinden.

Die Fürsorge für uns, uns selbst eine gute Mahlzeit zuzubereiten und entspannt zu essen, wird so auch zum Vorbild für das Kind. Ernährung ist eines unserer Grundbedürfnisse, das wir auch mit kleinem Baby nicht vernachlässigen sollten – auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, viele Dinge im Alltag wären gerade jetzt wichtiger. Aber wie auch der Schlaf ist eine regelmäßige und gesunde Ernährung für Eltern wichtig, um auch dem oft trubeligen Babyalltag entspannter begegnen zu können.

Beikost entspannt gestalten

Viele Eltern fiebern dem Beikostbeginn aufgeregt entgegen – um dann festzustellen, dass es gar nicht so aufregend ist, weil viele Babys anfangs nur sehr wenig der angebotenen Beikost zu sich nehmen und viel weniger daran interessiert sind, als die Eltern es vielleicht erwartet haben. Schließlich ist es genau das, was der Name auch besagt: Bei-Kost. Wichtig ist – trotz aller Gläschenmengenangaben – sich dies immer wieder vor Augen zu führen und entspannt zu bleiben. Denn das Kind sollte die ersten (und auch zweiten, dritten,…) Erfahrungen mit der Beikost so ruhig und entspannt machen können, dass die Freude an diesem Spiel erhalten bleibt. Noch lange Zeit versteht das Baby dieses Essen nämlich besonders als Spiel: Es weiß noch nicht, dass es auch so gesättigt wird und probiert Gerüche, Geschmäcker und Konsistenzen aus. Es lernt, Nahrungsmittel im Mund zu bewegen, den Speisebrei mit Speichel zu durchmischen für eine bessere Verdauung. Nebenher lernt es am Familientisch neue Worte für Farben, Lebensmittel und Teller etc., die das Essen begleiten. Es ist eine aufregende, neue Zeit voller Eindrücke, die verarbeitet werden wollen.

Vertrauen und Stressreduktion für entspannte Mahlzeiten

Was in dieser Zeit für eine entspannte und anregungsreiche Atmosphäre am Tisch wichtig ist: Vertrauen und Entspannung der Eltern. Beikosteinführung braucht Zeit und es gibt immer wieder mal Rückschritte und Kinder essen weniger oder nur bestimmte Nahrungsmittel. Manchmal sind Kinder mäklig, manchmal essen sie mehr. Begegnen wir diesen Wellen der neuen Ernährung mit Nachsicht, üben wir keinen Druck aus mit einem Zwang zu Probierhäppchen, Nachtischverweigerung oder anderen Übergriffen in die Selbstbestimmung des Kindes. Akzeptieren wir ein Wegdrehen oder Kopfschütteln als Zeichen und setzen wir es in Sprache um: „Du schüttelst den Kopf, du magst nicht mehr essen.“ Hier lernen Kinder, ihren Körper und seine Signale zu verstehen und angemessen zu reagieren. Übergehen wir diese Signale nicht, sondern lassen wir den Kindern auch diesen Erfahrungs- und Lernraum.

Und noch ein anderer Faktor ist wichtig für diese Zeit: So wenig Zubereitungs- und Aufräumstress wie möglich. Natürlich frustriert es Eltern, wenn das sorgsam zubereitete Mahl nicht angerührt wird. Oder wenn das Essen vor lauter Freude am Fühlen in die Tischplatte einmassiert wird oder die noch ungeschickten Hände mehr fallen lassen, als in den Mund stecken. Diesem Stress können wir begegnen, indem wir unsere Erwartungen nicht zu hoch ansetzen und keine schwierigen Mahlzeiten kreieren, sondern einfach etwas unserer gedünsteten Familienkost für das Kind abzweigen und entweder zu Brei pürieren oder in handlichen Stücken anbieten – so bleiben der Zubereitungsaufwand und auch die Kosten gering.

Begegnen wir unserem Kind respektvoll, übergehen wir die Grenzen des Kindes nicht aus Angst, das Kind würde zu wenig essen. Und auch nicht die Angst, das Kind könnte zu viel essen: Lassen wir das Kind die Signale geben, wann es wieviel aus einem gesunden Nahrungsangebot auswählen möchte. Reflektieren wir unsere Ängste und ihre Ursprünge, wenn wir sie spüren. So können wir eine entspannte Atmosphäre am Familientisch schaffen, die die Basis legt für viele weitere Jahre.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Raus in den Wald mit Kindern

Eigentlich ist jede Jahreszeit im Wald mit Kindern toll: Im Frühling erwacht der Wald neu, im Sommer spenden die Bäume Schatten und es ist angenehm kühl. Im Herbst nun können zahlreiche Schätze gesammelt werden, die den Winter über als Bastelmaterialien dienen und daneben gibt es nun auch noch einmal Tiere zu beobachten und Pilze zu suchen. Mit der richtigen Ausrüstung können so halbe oder ganze Tage im Wald verbracht werden.

Ausrüstung für lange Waldabenteuer

Für ein langes Waldabenteuer wird erst einmal der Rucksack gepackt. Er sollte bequem sein und nicht von der Schulter rutschen, weshalb ein Rucksack mit Brustgurt besonders praktisch ist. Sinnvoll ist es auch, im Rucksack eine herausnehmbare Sitzmatte zu haben wie im Waldfuchs von Deuter (Amazon* | Hersteller) oder unserem – leider nicht mehr produziertem – Waldi von Affenzahn. Neben Trinkflasche mit Wasser und gefüllter Brotdose kommen in den Rucksack Beutel für Schätze, meistens bei den größeren Kindern ein Seil und Karabinerhaken, Notizheft und Stifte, manchmal ein Naturbuch und dazu natürlich ein Kindertaschenmesser, wir benutzen schon seit Jahren die Kindermesser von Opinel (Amazon* | Hersteller) .

Den Wald kennenlernen – Bücher, die begleiten

Seit kurzer Zeit haben wir ein neues, tolles Buch in unserem Naturbücherregal: „Pilze – Verrückte Fakten über Fliegenpilz, Hefe und Co.“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) neben dem Pilzführer für den Waldspaziergang gibt dieses Buch für Kinder viele tolle Impulse und Informationen rund um die Mykobiota. Kinder erfahren, welche verschiedenen Arten es gibt, welche gegessen werden können und welche giftig sind, wie sie über den Winter aufbewahrt werden können, was daraus gekocht oder gebacken werden kann. Der größte Pilz der Welt und überhaupt flächenmäßig größte Organismus auf der Erde ist übrigens ein 8,9 Quadratkilometer großer Pilz in Oregon. Dies und viele andere Informationen finden sich in dem schönen Buch.

Eine tolle Vorbereitung auf Waldabenteuer bietet auch Buch + CD „Wer grunzt denn da?“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel). Die CD hat Christoph Biemann, bekannt aus „Sendung mit der Maus“ besprochen. Darauf finden sich die nach Jahreszeit unterteilt Tiergeräusche, für den Herbst beispielsweise Eichhörnchen, Eichelhäher, Wildschwein, Reh und Rothirsch. Im Begleitbüchlein finden sich noch einmal kurze Fakten zu den 25 häufigsten Waldtieren, die hier vorgestellt werden. Ein schönes Buch + CD, um Ausflüge vor- und nachzubereiten.

Wer sich lieber den Bäumen widmen möchte, findet in der Kartensammlung „50 heimische Bäume“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel) kurz und knapp alle Informationen über Bäume, ihre Blätter und besondere Eigenschaften. Die Blätter sind so abgebildet, dass gesammelte Blätter später den Bäumen zugeordnet werden können oder im Wald eine Bestimmung erfolgen kann.

Wer noch neu ist im Bereich Waldausflüge ist, kann sich als Begleitung für die ersten Ausflüge auch ein kleines Waldquis mitnehmen wie „Peter & Piet – Mein großes Waldquiz“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel). Damit kann im Wald gemeinsam alles angesehen werden, es kann gemeinsam einigen Fragen nachgegangen werden und die ersten Ausflüge haben damit einige Anhaltspunkte. Später ergeben sich von den Kindern oft eigene Ideen und Spielanlässe, wenn sie mit dem Spiel in der Natur ohne „Spielzeug“ vertrauter sind.

Habt Ihr noch Tipps und Ideen für Waldausflüge? Dann schreibt sie hier gerne in die Kommentare.
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Amazon und Buch7, durch die ich im Falle einer Bestellung eine Provision erhalte ohne dass für Euch Mehrkosten anfallen. Die vorgestellten Bücher, Karten und Messer haben wir selbst gekauft .

In Beziehung von Anfang an – der nicht gebärende Elternteil und der Beziehungsaufbau zum Kind

Auf einmal ist da dieser kleine Mensch neu im Leben, der kennengelernt werden möchte. Aber nicht nur das: Neben dem Kennenlernen muss er auch versorgt werden, denn für die Befriedigung vieler Bedürfnisse sind Kinder einige Jahre auf Erwachsene angewiesen. Glücklicherweise sind Bedürfnisbefriedigung und Kennenlernen eng miteinander verbunden: Während wir das Kind in den Schlaf begleiten, erfahren wir, ob es lieber im engen Hautkontakt liegt oder etwas mehr Raum braucht. Wir erfahren im Spiel und Alltagsroutinen, welches Temperament es mit sich bringt. Wir erfahren im Alltag, ob es sich sicherer fühlt in engem Körperkontakt oder auch ohne diesen ruhig liegen und die Welt wahrnehmen kann. All diese vielen Routinen und Situationen ermöglichen, das Kind wahrzunehmen, zu verstehen und auf die Bedürfnisse angemessen zu reagieren. Wir bekommen einen Eindruck von diesem Kind und dieser ermöglicht uns, zukünftig leichter auf Bedürfnisse eingehen zu können. Wir beginnen, zu verstehen, wie dieses Kind „tickt“, was es wirklich mag und was nicht.

Es bildet sich eine Beziehung aus über das feinfühlige Wahrnehmen des Kindes. Wichtig dafür ist, dass wir es in diesen Alltagssituationen begleiten. Nur wenn wir wirklich verstanden haben, wer dieser neue Mensch wirklich ist, können wir Bedürfnisse angemessen beantworten oder zumindest begleiten. Daher ist es wichtig, Zeit für das Kennenlernen zu haben.

„Aber ich kenne es gar nicht!“

Gerade der nicht gebärende Elternteil ist manchmal anfangs etwas zurückgezogen: Das Gefühl, das Kind weniger zu kennen, weil es nicht in einem selbst herangewachsen ist, kann zum Hindernis werden. Dabei muss auch die Gebärende das Kind nach der Geburt erst einmal neu kennenlernen und sich mit ihm vertraut machen: Nur weil es 10 Monate im Körper der einen Person herangewachsen ist, bedeutet es nicht, dass diese von Anfang an alles „richtig“ machen und wissen würde. Eltern stehen oft gleichermaßen vor einem Neustart mit dem Baby im Arm und brauchen beide eine Zeit des Eingewöhnens, Kennen- und Liebenlernens.

Gemeinsame Zeit

Es ist nicht schlimm, wenn anfangs nicht jeder Handgriff sitzt. Hebamme, Kinderarzt/Kinderärztin, Familienpfleger*in können hier hilfreich zur Seite stehen. Wichtig für den Aufbau der Beziehung ist es, diese vielen Alltagsroutinen mit dem Kind überhaupt erst einmal anzugehen – für beide Elternteile. Gemeinsam das Baby beobachten, es wickeln, beruhigen, tragen, in den Schlaf bringen – dass diese Aufgaben bringen uns dem Kind näher und lassen das Kind erfahren, dass Bedürfnisse sicher von mehreren Personen beantwortet werden können.

„Männer werden […] durch die Schwangerschaft der Partnerin auch hormonell beeinflusst und auf das Umsorgungsverhalten vorbereitet. Wichtig ist allerdings, dass die Väter sich auch einbringen dürfen, die Mütter also eine positive Einstellung gegenüber der Kompetenz des Vaters haben.“

S. Mierau „Mutter.Sein“ (2019), S. 52

Diese Bedürfnisbefriedigung ist wichtig: Im Laufe der Zeit bildet das Kind eine Art Hierarchie aus in Bezug auf die Personen, von denen es die Befriedigung von Bedürfnissen einfordert. Jene Personen, die besonders häufig und zuverlässig Bedürfnisse befriedigen, werden bevorzugt, wenn sie anwesend sind. Gelingt es beiden Eltern von Anfang an, sich aktiv einzubringen und gleichwertig als Bezugsperson zur Verfügung zu stehen, sind die Anforderungen des Kindes ausgewogen. Andernfalls entsteht häufig nach einer Zeit ein Ungleichgewicht: Das „verlässlichere“ Elternteil wird eher angefragt und gewünscht, die Versorgungslast liegt eher bei einem Elternteil. Das kann den Effekt verstärken, dass sich der andere Elternteil weiter zurückzieht und die Versorgungslast immer mehr beim anderen liegt.

„Treffen bedürfnisorientierter Erziehungsstil und autoritärer Erziehungsstil zusammen, führt das langfristig zu Konflikten nicht nur in Bezug auf die Erziehung der Kinder, sondern auch zu Konflikten zwischen den Eltern. Kinder bevorzugen dann den bedürfnisorientierten Elternteil, die Aufgabenteilung gerät in eine Schieflage, weil das Kind natürlicherweise einen Partner mehr beansprucht.“

S. Mierau „Mutter.Sein“ (2019), S. 194

Beziehungsaufbau konkret: Was kann ich von Anfang an tun?

Nahezu alle Interaktionen rund um das Baby können von beiden Eltern gleichermaßen wahrgenommen werden und sollten es auch. Nicht nur, um der Gebärenden im Wochenbett Lasten abzunehmen und sie nach der Geburt zu unterstützen, sondern ganz konkret für den Beziehungsaufbau und die Wahrnehmung der elterlichen Aufgaben. Gerade Pflegesituationen sind wunderbare Momente, um mit dem Baby in Kontakt zu kommen und im Austausch zu sein: Hier können die Signale des Babys ungestört beobachtet und beantwortet werden. Wird das Baby in Tragetuch oder Tragehilfe getragen, kann ebenso der Kontakt intensiviert werden und es ist leichter, schon kleine Signale des Babys wahrzunehmen.

Gerade am Anfang gemeinsam Elternzeit zu nehmen bedeutet daher mehr, als „nur“ zur „Unterstützung“ zu Hause zu bleiben. Es bildet den Boden für die Ausbildung der Beziehung von Anfang an. Es gibt die Möglichkeit, das eigene Kind wirklich kennen zu lernen und willkommen zu heißen in der Familie. Und es ermöglicht, schneller und tiefer in das Elterngefühl hinein zu wachsen und damit vertraut zu werden und auch zukünftig eine tragfähige Beziehung zum Kind zu haben.

Weiterer positiver Effekt: Wertschätzung

Und noch ein anderer, positiver Nebeneffekt tritt durch das gleich verteilte Umsorgen des Kindes auf: Die Aufgaben rund um die Kinderversorgung werden transparenter und es fällt leichter, diese Tätigkeiten wert zu schätzen. Das Wissen darum, wie schwierig es wirklich manchmal ist, ein Baby in den Schlaf zu bringen oder zu wickeln oder sich im Babyalltag nicht selbst zu vergessen, gibt eine Wertschätzung gegenüber derjenigen Person, die dies gerade leistet – egal welche dies nun ist.

Gerade in Bezug auf den Aufbau der Beziehung und dem Kennenlernen des Kindes spricht also vieles dafür, das Umsorgen des Kindes von Anfang an zwischen den Eltern – sofern beide verfügbar sind – aufzuteilen.
Wie habt Ihr das gemacht?

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Basteln mit Blättern

Der Herbst ist da. Und überall fliegen gerade nun die bunten Blätter umher. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch eine wunderbare, überall verfügbare, variable und preiswerte Bastelzutat.

Füchse aus Ahornblättern

Blätterfüchse

Mit etwas Deckweiß, etwas schwarzer Deckkastenfarbe, einem Pinsel und ein wenig Fantasie werden aus Ahornblättern ganz schnell kleine Füchse, die am Fenster oder an der Wand den Herbst in die Wohnung bringen. Beim Anmalen einfach den Blattlinien folgen, dabei ergibt sich ganz von allein der weiße Bart des Fuchses und die schwarze Nase.

Zutaten für Ginkgo-Elfen

Ginkgo-Elfen

Ein paar Mal sind wir schon herumgeschlichen um die uns bekannten Ginkgo-Bäume in der Stadt und haben darauf gewartet, dass die Blätter endlich gelb werden und abfallen. Denn wie jedes Jahr werden die Blätter gesammelt, gepresst und dann mit Holzperlen und etwas Farbe verwandelt. In goldene Farbe getaucht mit etwas Märchenwolle werden so aus Blättern zauberhafte Engel für den Weihnachtsbaum wie hier. Wer noch nicht in Weihnachtsstimmung ist, kann aber auch mit Holzperle, Stoffresten und etwas Farbe kleine Herbst-Elfen basteln, die am Fenster oder über dem Jahreszeitentisch schweben können.

Fertige Ginkgo-Elfen

Blatt-Abdrücke

Für die kleinsten Kinderhände sind getrocknete Gingko-Blätter allerdings noch schwierig in der Handhabung. Aber auch sie können schon gestalterisch mit den bunten Blättern umgehen: Indem die Blätter einfach unter Papier gelegt und dann mit einem Wachsmalblock durchgepaust werden beispielsweise.

So einfach, aber schön für die Kleinsten

Und wenn Ihr noch mehr Ideen sucht für das Basteln mit Blättern: Hier wurde ein lustiges Insekt aus Blättern gebastelt. Oder es kann auch Konfetti aus getrockneten Blättern ausgestanzt werden wie hier. Ganz besonders schon ist auch eine solche Blätterlaterne aus Birkenlaub.

Und was macht Ihr so mit Blättern?
Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

Was ist das Klima? Ein Waldspaziergang mit Zeugen erklärt Kindern das Klima

Klima. Alle reden davon, die Erwachsenen machen sich Sorgen, Schüler gehen auf Demonstrationen. Doch was ist das eigentlich: Das Klima? 

Vielleicht eine Frage, die auch eure Kinder schon gestellt haben. Und es war vielleicht gar nicht so einfach, sie kindgerecht zu erklären? Jedenfalls geht es mir oft so. Zwar werden von meiner Tochter noch keine direkten Fragen zum Klima gestellt, aber unsere (nachhaltigen) Handlungen werden alle kritisch hinterfragt. Was das jetzt bringe, wenn sie den Müll aufhebt, den sie runtergeworfen hat. Warum ich kein Würstchen möchte und was eine pupsende Kuh damit zu tun hat. Warum wir laufen, wo doch Auto viel bequemer wäre. Warum ich zur Oma mit dem Zug fahren möchte und nicht mehr fliegen möchte.  Die Zusammenhänge sind denke ich noch unklar für meine Dreijährige. Dennoch versuche ich, jede Antwort so ehrlich wie möglich, und so einfach wie nötig zu beantworten. 

Am eindrücklichsten sind Erklärungen „zum Anfassen“. Um zu erklären, was das Klima ist, begeben wir uns darum auf den Weg nach draußen in die Natur. Dafür eignet sich beispielsweise der (Stadt-)Wald, beziehungsweise jeder Spazierweg, der an einem Baumstumpf oder gefällten Baumstämmen entlang führt. Mit euren Kindern könnt ihr ein Spiel spielen, und euch vorstellen, ihr wäret Wissenschaftler auf der Suche nach dem Klima. Es ist schwierig, das Klima wirklich greifbar zu machen. Anders als das Wetter, dass sich jetzt im beginnenden Herbst bei einem Regenfall mit Pfützenspielen wunderbar erleben lässt, versteckt sich das Klima. Während nach dem Regen die Sonne wieder scheint und der Wechsel des Wetters direkt sichtbar ist, kann man das Klima nicht sofort sehen. 

Klima ist, wenn Mama und Papa jeden Herbst die Pfützen aufgemalt und aufgeschrieben hätten und fast ihr ganzes Leben lang die Temperatur gemessen hätten. Denn das Wetter, was über einen Zeitraum von 30 Jahren an einem Ort herrscht, wird als Klima bezeichnet. Als Klima-Experiment braucht es also Daten über einen längeren Zeitraum hinweg. Doch wie ist das auf einem Waldspaziergang möglich? 

Im Wald warten Klimazeugen auf die Befragung durch junge Wissenschaftler

Stellt euch vor, wir sind Wissenschaftler auf der Suche nach dem Klima. Wir machen einen Spaziergang in den Tropen. Dort treffen wir auf einen Baumstumpf. Was würde er uns sagen? Ich verrate es euch: Vermutlich gar nichts. In den Tropen ist es das ganze Jahr warm und feucht. Ein Tropenbaum wächst sein Leben lang mit immer der gleichen Beständigkeit. Ich nehme jedoch an, dass die meisten Leserinnen und Leser hier bei einem Waldspaziergang auf Fichten, Buchen, Kiefern oder ähnliche Baumarten treffen würden. Und deren gefällte Baumstämme oder Baumstümpfe lassen uns einen direkten Blick auf das Klima werfen. Die Jahresringe verraten uns, wie alt ein Baum ist. Sie verraten uns noch mehr, denn als Wissenschaftler wollen wir mehr über das Klima wissen, in welchem dieser Baum gelebt hat. 

Breite und helle Jahresringe verraten uns, das der Baum in warmen, feuchten Wetter an Wachstum zugelegt hat. Schmale und dunkle Jahresringe dagegen zeigen trockenes und kühles Wetter an. So lässt sich an dem Baumstamm das Wetter ablesen: In dicken, hellen Jahresringen handelte es sich um milde Frühlinge mit ausreichend Regen, an den dünnen, schwarzen Ringen lassen sich trockene Sommer und ein kühler Herbst ablesen. Durch den Wechsel beider entstehen die Jahresringe. Lassen sich über die Baumscheibe hinweg Unterschiede in den Jahresringen ablesen, können die kleinen Wissenschaftler schlussfolgern, dass sich das Klima verändert hat. Der Baum erzählt uns davon. Er tritt als Klimazeuge auf und wir können ihn dazu befragen. Was erzählt er euch über das Klima in eurem Wald? 

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Dein geschützter Raum für die Geburt

Auch wenn wir es manchmal anders lesen: Es gibt nicht den einen perfekten Raum für die Geburt. Dafür sind wir alle zu unterschiedlich, unsere Lebensbedingungen unterscheiden sich, unsere Bedürfnisse unterscheiden sich. Was mir persönlich wichtig ist, damit ich mich sicher und wohl fühle, kann etwas ganz anderes sein als das, womit du dich wohl und sicher fühlst. Und noch mehr: Es kann sich auch von Geburt zu Geburt bei einer Person verändern.

Wohl und sicher

„Wohl und sicher“ sind genau die Rahmenbedingungen, die wir brauchen. Gebärende sollten sich bei der Geburt wohl und sicher fühlen. Welche Faktoren dabei Wohlbefinden oder ein Gefühl von Sicherheit auslösen, ist unterschiedlich: Während Sicherheit für einige darin besteht, ein Netzwerk an moderner Medizin im Hintergrund zu wissen, ist es für andere ausreichend, auf das Können der Hebamme zu vertrauen. Für wieder andere Gebärende kann der Sicherheitsbegriff noch einmal anders gefasst sein und es ist von noch größerer Bedeutung, nur vertraute Personen um sich zu haben und genaue Absprachen in Bezug auf Eingriffe zu treffen.

Wir alle bringen unsere eigene Geschichte, unsere eigenen Erfahrungen zur Geburt mit und für jede Gebärende können die Rahmenbedingungen daher variieren, die das Gefühl von Sicherheit herstellen. Auch wie wir mit Schmerz umgehen, wie wir Schmerz wahrnehmen, unterscheidet sich – und somit auch der Umstand, wie wir bei der Geburt eventuell damit umgehen oder unterstützt werden (müssen). Unsere eigene Vergangenheit beeinflusst uns auch unter der Geburt und bei manchen Gebärenden kann die Angst vor dem Schmerz oder Geburt auch so groß sein, dass Sicherheit für sie bedeutet, sich diesen Gefühlen nicht auszuliefern. Als Außenstehende können wir nicht beurteilen, was sich für einen anderen Menschen wie anfühlen sollte. Wir sollten akzeptieren, dass jeder Mensch anders ist, anders fühlen kann, Bedürfnisse in einer anderen Ausprägung hat.

Wichtig in Bezug auf Wohlbefinden und Sicherheit sind auch die Menschen, die die Geburt begleiten: Der französische Gynäkologe Michel Odent spricht in seinem Buch „Die Natur des Orgasmus“ sogar davon, dass Angstgefühle übertragen werden können und Menschen mit einem hohen Adrenalinspiegel in der Nähe einer Gebärenden dazu führen, dass auch bei ihr der Adrenalinspiegel ansteigen kann. – Wir müssen uns sicher fühlen bei der Geburt und in guten Händen.

Fühlen wir uns sicher und geschützt bei der Geburt, wird auch das Hormon Oxytozin ausgeschüttet, das nicht nur die Kontraktionen der Gebärmutter verursacht, sondern auch die Schmerzgrenze hebt und Mut gibt. Es entsteht also ein Kreislauf der Unterstützung, wenn wir uns sicher fühlen. Positiv auf die Ausschüttung dieses Hormons wirken sich auch Wärme, Ruhe und Abgeschiedenheit aus.

Den geschützen Raum herstellen

Wärme, Ruhe, Abgeschiedenheit, Vertrauen – diese Rahmenbedingungen sind in der aktuellen Situation um die Geburtshilfe schwer zu finden. Die außerklinische Geburtshilfe ist stark zurück gegangen, in den Kliniken unterliegen Geburten ebenfalls Personalmangel (insbesondere Hebammenmangel) und Klinikroutinen. Gebärende benötigen aber dennoch den geschützten Raum der Geburt, um Problemen vorzubeugen, die als traumatisch erlebte Geburten nach sich ziehen. Aktuell setzen sich dafür Vereine wie motherhood e.V. ein und auch der Roses Revolution Day macht jedes Jahr aufmerksam darauf, woran es aktuell mangelt. Und dennoch besteht dieser Mangel weiterhin und wir können nur versuchen, in diesem Mangel es so angenehm wie möglich zu machen.

Zunächst einmal ist daher wichtig, für sich selbst zu bestimmen: Was bedeutet für mich Sicherheit und Wohlbefinden? Welche Faktoren müssen für mich erfüllt werden? Dabei ist es nicht wichtig, welche Entscheidungen andere Gebärende aus Familie, Freundeskreis oder Geburtsvorbereitungskurs getroffen haben, sondern was ganz individuell ein Gefühl von Sicherheit gibt: Wer sich für eine außerklinische Geburt entscheidet, nur weil das andere gemacht haben, sich dabei aber nicht wohl fühlt, tut sich selbst keinen Gefallen – und andersrum. Nur du kannst entscheiden, ob du dich wohl fühlst zu Hause, im Geburtshaus, in einer „normalen“ Geburtsklinik oder einer Klinik mit Perinatalzentrum. Einfluss auf die Entscheidung nehmen natürlich auch Schwangerschaftsverlauf und eventuelle Diagnosen.

Nachdem die grundlegenden Fragen nach dem individuellen Sicherheits- und Wohlbefindensgefühl geklärt sind, kann dann im zweiten Schritt betrachtet werden, wie an dem ausgewählten Ort in besonderer Weise dafür gesorgt werden kann: Eine außerklinische Geburt wird von einer freien Hebamme begleitet. Wie sieht es aber in der Klinik aus: Gibt es Beleg-Hebammen? Wie ist die Versorgungssituation vor Ort: Brauche ich vielleicht neben Geburtspartner*in noch eine weitere vertraute Person, die vor Ort ist, damit sich diese privaten Geburtsbegleiter*innen abwechseln können und die Gebärende nicht allein ist? Das Verlassenheitsgefühl ist es oft, das Gebärende als sehr belastend unter der Geburt erleben. Welche sonstigen Rahmenbedingungen können für ein persönliches Sicherheitsgefühl und Wohlbefinden sorgen: Gibt es Musik, Kuschelkissen, Kuscheldecken, Düfte, Teesorten, Essen,… die sich positiv auswirken könnten? Es erscheint uns rational vielleicht absurd, zur Geburt mit solchen Dingen zu kommen, aber hier, an diesem Tag und zu dieser Zeit zählt, dass sich die Gebärende wirklich wohl und sicher fühlt. Und wenn dafür der alte Kuschelteddy dabei sein muss, dann ist das so. Unbedingt von Vorteil ist auch, wenn die begleitende(n) Person(en) sicher sind: gut informiert über die Geburt, weil sie selbst an einem Geburtsvorberitungskurs teilgenommen haben, gut selbst versorgt mit Nahrungsmitteln und darum wissend, dass auch sie mal eine Pause brauchen und sich nehmen können. Wir können auch schon vorsorgen für die Zeit nach der Geburt: Zu Hause das Nest einrichten, in dem sich die Familie finden kann. Familie und Freunde informieren, womit sie uns nach Geburt unterstützen dürfen: vom Bekochen/Bebacken über Aufräumhilfe bis Babysitting von Geschwisterkindern. Sollte es Probleme mit dem Stillen geben, schon vorab die Liste an Stillberaterinnen zur Verfügung haben, die in der Nähe sind. Wissen, ob Kinderarzt/Kinderärztin die erste U-Untersuchung auch zu Hause durchführt. – Auch solche Vorarbeiten können Sicherheit vermitteln.

Mit diesen Überlegungen können wir versuchen, einen guten Raum für die Geburt herzustellen. Nicht immer beugen diese Rahmenbedingungen Eingriffen vor oder können die so genannte Interventionskaskade verhindern. Es liegt nicht alles in unserer Hand – auch das sollten wir vorab wissen. Wenn es anders läuft, ist das nicht deine Schuld. Manchmal verläuft die Geburt ganz anders als geplant. Manchmal ist der Start ins Elternleben anders als geplant – und dennoch kann auf so viele verschiedenen Arten eine gute, sichere Beziehung zwischen Eltern und Kind hergestellt werden. Aber es gibt nicht per se ein „besser“ oder „schlechter“ in Bezug auf den Geburtsort. Richtig ist zunächst das, wo du dich ganz persönlich geschützt, begleitet und umsorgt fühlst in qualifizierten Händen und unter Berücksichtigung deiner individuellen Bedürfnisse.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.