Kategorie: Gastartikel

Starke Kinder – Resilienz und die innere Stimme

„Wie wir zu unseren Kindern sprechen, wird ihre innere Stimme.“

Das ist nicht nur ein schönes Sprichwort, sondern sehr wahr. Wie oft hört ihr die Stimme eurer Eltern in euren Köpfen? Manchmal vielleicht tadelnd, manchmal ermutigend. Ich höre ein „Tschakka! Du schaffst das!“ wenn ich vor schwierigen Situationen stehe. Auch wenn meine eigene Mutter schon viele Jahre nicht mehr bei mir ist, hallen diese Worte in mir nach. Geben mir Kraft, geben mir Mut. 
Genau das möchte ich auch für meine eigenen Kinder – eine innere, positive Stimme die sie in ihrem Leben begleitet. Sie durch Krisen trägt, sie stärkt, sie an sich selbst glauben lässt.
Aber mal von vorne:

Was ist Resilienz?

Kurz und knapp: Resilienz, das ist das Immunsystem unserer Seele. Es beschreibt eine innere Einstellung und Haltung, die Menschen durch Niederlagen, Misserfolgen oder Lebenskrisen trägt. Während der eine an Stolpersteinen in seinem Leben verzweifelt, abrutscht, nicht weiter kommt – schafft der andere es dort aus eigener Kraft heraus. Ein wichtiger Punkt darin ist die Resilienz. Und das wundervolle ist: wir können diese Resilienz wie einen Muskel trainieren. Nicht nur bei uns selbst, sondern auch bei unseren Kindern. Wir können ihnen diese Grundhaltung mit auf den Weg geben und sie damit stark für ihr weiteres Leben, was auch immer sie erwartet, machen. 

Resilienz bei Kindern

Jedes Kind kommt mir seiner individuellen Art und Persönlichkeit zu uns. Das eine ist eher mutig und laut, das andere schüchtern und ruhig. Es fängt ganz einfach hier an – indem wir unsere Kinder lieben und akzeptieren, wie sie sind. Das klingt erst mal einfach, aber in so vielen Momenten unseres Alltags denken wir Eltern ja doch mal: „Jetzt trau dich doch mal!“ Oder „Warum bist du nur so ängstlich / verhalten / störrisch / wütend.“ Das zu hinterfragen ist wichtig – wichtig ist aber auch, eine bedingungslose Liebe und Akzeptanz gegenüber unseren Kindern mitzubringen. 
Jedes Kind ist richtig und wichtig. Kinder sind keine unfertigen Erwachsenen, sondern eigenständige Persönlichkeiten. Man muss ihnen nicht das Leben beibringen. Sie werden es selbst erobern und meistern. Jedes Kind in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Art.

Die Familie – ein besonderer Ort

Um gut zu wachsen braucht jede Pflanze einen soliden Boden. Einen, in dem sie gut wurzeln kann. Der nährt, Beständigkeit und Sicherheit bietet. Diesen Boden möchten wir als Familie unseren Kindern bieten. Einen Ort, an dem man bedingungslos geliebt, akzeptiert und verstanden wird. Bei dem man sein kann, wer man ist, ohne Angst vor Konsequenzen oder Ablehnung. 
Jede Pflanze braucht eine andere Beschaffenheit des Bodens – und so wollen auch wir unseren Kindern die jeweilige Grundlage bieten. 

Die innere Stimme

Ihr seht also, es kommt vor allem auf eure Haltung als Eltern an. Wie ihr zu euren Kindern steht, wie ihr eure Kinder seht. Aus dieser Grundeinstellung heraus, kann die Resilienz von Kindern gefördert werden. Die folgenden Sätze sind nicht nur Phrasen – sie können von Herzen kommend, aufrichtig so viel in einem Kind verändern. Sie können die innere Stimme eurer Kinder sein, wenn ihr schon lange nicht mehr da oder gerade verfügbar seid. 


„Ich bin gern bei dir“ – „Wie schön, dass du bei uns bist.“

Zugehörigkeit – manche suchen ihr Leben lang danach. Gerade in den Teenager Jahren, fühlt man sich als würde man nirgendwo so recht hinein passen. Man fühlt sich unverstanden und haltlos. Ich denke es ist daher umso wichtiger, unseren Kindern von einem sehr frühen Alter an klar zu vermitteln, dass ihr Platz in der Familie kompromisslos sicher ist. Angenommen und geliebt werden, frei von Wertung. 

„Du hast Recht.“

Na, mal Hand aufs Herz – wie oft sagt man das, wenn man eher das Gefühl hat das ein Wutausbruch den nächsten jagt und das Verhalten des Kinder nicht wirklich, naja, rational scheint? Jemand anderen Recht zu geben, stürzt uns selbst oft ins Unrecht. Und als Eltern wollen wir leiten, den Weg vorgeben und zugegeben – Recht haben. 
Das wundervolle daran: Ich muss gar nicht immer Recht haben. Ich darf mich irren. Und ich darf das auch vor meinen Kindern zugeben, ohne das Gesicht oder meine Autorität (wenn man das so will) zu verlieren. Wenn also meine Dreijährige ihren Satz mit „Aber du hast doch gesagt…“ startet, dann darf ich inne halten. Darüber nachdenken und vielleicht etwas wie „Du hast Recht. Es tut mir leid, daran habe ich gerade nicht gedacht.“ antworten. Unseren Kindern Selbstkompetenz und Eigenwirksamkeit zuzusprechen, macht uns nicht kleiner. Ganz im Gegenteil: Mit dieser Selbstreflexion bieten wir unseren Kindern ein wunderbares Vorbild. Eins das sie definitiv imitieren und dessen sie sich ihr Leben lang bedienen werden. 

„Das machst du super!“

Loben oder nicht Loben ist ein sehr komplexes Thema. Ich für mich und meine Familie habe entschieden das ein authentisches, aus dem Herzen kommendes Lob absolut richtig ist. In einer Situation in der ich es aus tiefsten inneren spüre und stolz bin, kommuniziere ich das genau so meinen Kindern. 
Aber auch hierbei finde ich das „Sehen und nicht nur ansehen“ unglaublich wichtig. So schön eine  allgemeine Bestätigung auch ist, so oberflächlich ist sie auch. Schaut hin und seht genau, was eure Kinder gut können. Was euch besonders gefällt. Vor kurzem auf dem Spielplatz verteidigte meine Älteste ihrem einjährigen Bruder vor einem anderen Kind, das ihm das Sandspielzeug weg nahm. Es war nur eine ganz kurze Situation aber ich hörte sie sagen: „Das Spielzeug gehört allen Kindern hier! Hör auf meinen Bruder zu schubsen.“ Als sie zu meinem Mann kam, um ihn von dem Vorkommnis zu berichten sagte dieser gleich zu ihr: „Ich finde es wundervoll, wie du dich für deinen Bruder eingesetzt hast. Das war ganz große klasse.“ 

Entspannte Elternschaft mit Resilenz

Ihr seht also – man kann so viel bewirken, so viel Verändern wenn man nur seine eigene Haltung und seine Worte aufrichtig und achtsam wählt. Vielleicht fällt es euch gerade noch schwer so eine Haltung einzunehmen, vielleicht denkt ihr schon lange so. Wo auch immer ihr gerade steht, ist ein guter Ausgangspunkt anzufangen. Resilienz ist immer ein Weg, ein Entwicklungsprozess und nichts davon muss von heute auf morgen umgesetzt und ausgesprochen werden. 
Es ist ein Gedankengang, auf den Handlung und Worte folgen. Ein lebenslanger Prozess von reifen, verstehen und Reflexion. Und schlussfolgernd eine Wohltat für die eigene wie auch die Seele eurer Kinder. 

Franzi ist 27 Jahre alt und Mutter von 2 Kindern (3 Jahre + 1 Jahr), eigentlich Touristikerin und hat durch Instagram ein kreatives Ventil gefunden, wo sie nicht nur besondere Bilder, sondern auch Alltagsleben, bewegende Themen und Gedanken teilt. Mehr von ihr hier bei franzisaidwhat auf Instagram

Sprechen lernen in Indien

Unsere Tochter ist nun 2,5 Jahre alt und überrascht uns jeden Tag mit neuen Worten und Sätzen. Sie lernt, wie jedes Kind, ganz von selbst zu sprechen. Ohne, dass jemand sie korrigieren oder sie irgendetwas lehren müsste. Sie braucht keinerlei Hilfsmittel dazu und keinerlei Ansporn von außen. Jeden Tag freue ich mich, auch bei der Sprachentwicklung zu sehen wie das Leben sich aus sich heraus entfaltet und ich dabei zusehen darf.

Sprachenvielfalt in Indien

Die Besonderheit ist allerdings, dass unsere Tochter hier in Indien mit vielen Sprachen aufwächst: Wir sprechen zu Hause deutsch. Sobald aber andere Menschen dabei sind, sprechen wir englisch. Auch Bilderbücher, die wir hier gekauft haben, sind meist auf englisch. Unsere Hausangestellte spricht Telugu, die lokale Sprache. Eine Nachbarsfamilie, mit der wir viel Zeit verbringen, spricht Hindi, die Frau zum Teil auch Punjabi. Unserer Fahrer spricht Urdu, wie die meisten Muslime es hier tun. Und dann gibt es noch die Menschen aus anderen Ländern, die hier leben, und mit denen wir auch hin und wieder im Kontakt sind.

Dass die Situation so komplex werden würde, hatte ich nicht erwartet. Bevor wir nach Indien zogen, sagte man mir, Telugu sei die am meisten gesprochene Sprache bei uns. Da dies sehr schwer zu lernen ist und ich davon ausging, dass die meisten Menschen Englisch sprechen würden, entschied ich mich gegen das Lernen dieser Sprache. Hätte ich allerdings gewusst, dass Englisch nur bei den gut gebildeten, bei den meisten Menschen hingegen nur rudimentär oder auch gar nicht vorhanden ist, hätte ich mich wohl anders entschieden. Auch war mir nicht bewusst, dass viele Menschen einigermaßen Hindi verstehen, selbst wenn sie es selbst nicht sprechen. Im Nachhinein hätte Hindi zu lernen Sinn gemacht.

Ich habe, wenn ich gefragt wurde, Menschen immer eingeladen, in ihrer Muttersprache mit unserer Tochter zu sprechen. In der eigenen Sprache scheint es mir am einfachsten, auch Gefühle voll zum Ausdruck zu bringen und spürbar zu sein. Sowieso schien es mir, solange das Mädchen nicht sprechen konnte, mehr um Tonfall und Stimme zu gehen als um Inhalt. Unsere Tochter hat also von Anfang an viele verschiedene Sprachmelodien gehört.

Ein Sprache pro Person

Viele Sprachen gleichzeitig zu sprechen ist für indische Kinder nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Es gibt sehr viele, zum Teil nur regional verbreitete Sprachen hier. Die Kinder lernen die in der Familie gesprochenen Sprachen. Sofern sie zur Schule gehen lernen sie dort auch Englisch und Hindi sowie je nach Klassenstufe Sanskrit und weitere Sprachen.

Den Eltern wird meist empfohlen, pro Person jeweils nur eine Sprache mit dem Kind zu sprechen. Das Kind erlebe es am Anfang sowieso so, als ob jeder Mensch eine eigene Sprache spräche, sagte mir eine Montessori-Lehrerin. Ich mag diesen Gedanken. Und es stimmt ja auch irgendwie, dass jeder Mensch seine eigene Sprache hat.

Kinder erfinden Sprachen 

Da mein Mann und ich beide deutsch als Muttersprache haben, machte ich mir nicht viele Gedanken. Umso überraschter bin ich nun, dass das Mädchen überwiegend englisch spricht und nur einzelne Worte auf deutsch. Sie versteht deutsch, antwortet aber auf englisch. Da scheinen sich die Kontakte mit anderen Menschen bemerkbar zu machen. Denn dort braucht sie englisch, um sich zu verständigen. In unserer Familiensprache vermischen sich nun zunehmend deutsch und englisch.

Am schönsten aber ist für mich, das Mädchen mit ihrem kleinen Freund sprechen zu hören. Die beiden spielen nun seit gut einem Jahr fast täglich zusammen, am Anfang ohne sich verbal zu verständigen. Jetzt aber haben sie ihre ganz eigene Sprache geschaffen, eine Mischung aus Englisch, Deutsch und Hindi. Sie greifen beide Worte aus der jeweils anderen Sprache auf und haben einen eigenen Code entwickelt. So kommt es, dass ich nun manchmal die Nachbarn fragen muss, wenn meine Tochter Worte gebraucht, die ich nicht kenne. Es zeigt wieder einmal, wie kompetent unsere Kinder sind. Und nebenbei lerne ich jetzt doch noch ein wenig Hindi.  

Verständigung durch Körpersprache

Gerade in den letzten Tagen als wir innerhalb Indiens auf Reisen waren fiel mir auf, wie sehr unsere Tochter Körpersprache nutzt, wenn sie auf Kinder trifft, die sie noch nicht kennt. Sie bewegt sich auf das andere Kind zu, wartet, ob es eine Reaktion zeigt. Wenn das Kind gerade eine spielerische Handlung ausführt, hüpfen oder springen zum Beispiel, ahmt sie dies für einen Moment nach und wartet wieder, was das andere Kind tut. Je nach Resonanz beim anderen Kind entsteht so ein körpersprachlicher Dialog, über den die Kinder, die sich eben noch nicht kannten und die keine gemeinsame Sprache haben, innerhalb weniger Minuten in ein Spiel finden können. Das klappt nicht immer, aber manchmal. Machen Eure Kinder das auch so? 

Anka Falk hat einen Magister in Rhetorik und Pädagogik und ist Körperpsychotherapeutin, Coach und Dozentin. Von 2007-2017 arbeitete sie in Lehre und Forschung an einem experimentellen Design Institut in der Schweiz. Sie ist im Alter von 37 Jahren mit ihrem Mann nach Indien gegangen. Ihr Kind hat sie in Deutschland geboren, ist dann aber zurück gegangen nach Indien und berichtet von ihrem Alltag dort. Zudem bloggt sie auf ljuno.de und gibt einen Einblick in ihr Alltagsleben in Indien hier auf Instagram 

Wildnispädagogik – Altes Naturwissen neu entdeckt

„Die Alten wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet,
hart wird.
Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht, Wertschätzung von allem Lebendigen und allem,
was da wächst, bald auch die Ehrfurcht und Wertschätzung vor den Menschen absterben
lässt.
Deshalb war der Einfluss der Natur, der die jungen Menschen feinfühlig machte, ein
wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.“

Luther Standing Bear, Lakota, 1868 – 1939

Die Natur als wichtiger Bestandteil der Erziehung – ist sie das auch heute noch? Werfen wir einen Blick auf die Gesellschaft von heute, so scheint das nicht mehr der Fall zu sein. Und das „einen Blick darauf werfen“ ist bereits ein Indiz dafür. In den Pisa-Wunderländern in Asien sind über 90% der Kinder kurzsichtig. Das ist kein Zufall. Sie sind im Schnitt weniger als eine halbe Stunde draußen. Und draußen, im Sonnenlicht passiert etwas mit den Augen der Kinder, was wie eine Bremse für Kurzsichtigkeit wirkt: Intensives Licht wirkt dem Wachstum des Auges entgegen. Das kindliche Auge braucht pro Tag mehr als 2 bis 3 Stunden helles Licht (kein helles Tablet-Licht, sondern natürliches, helles Licht!), damit es sich nicht in die Länge streckt und weiterhin in die Ferne scharf sehen kann. Das scharfe Auge gehört zu einem Leben draußen in der Natur dazu. Und schlechtere Augen sind nur eine von vielen gesundheitlichen und psychischen Auswirkungen, die eine Abkehr von der Natur zur Folge hat.

Altes Wissen zugänglich gemacht

Doch es gibt eine Bewegung, die immer größer wird und die die Natur als Bestandteil der Erziehung wieder entdeckt: Die Wildnispädagogik.

Wildnispädagogik tauchte als Begriff erstmals 2002 auf und ist immer noch relativ unbekannt. Mit ihren Inhalten beschäftigen sich jedoch immer mehr Wildnisschulen, die Seminare und Camps anbieten, um das Wissen und die Zusammenhänge der Natur weiterzutragen.

Sie alle orientieren sich an den traditionellen Lehrmethoden der nordamerikanischen Ureinwohner. Die Linie der Wildnispädagogik lässt sich direkt zu einem der letzten Scouts der nordamerikanischen Ureinwohner zurückverfolgen. Es waren drei Männer, die mit der Wildnispädagogik von heute das Wissen und die Kenntnisse der Ureinwohner von damals einer breiteren Masse zugänglich machten.

Einer der drei war der wohl letzte nordamerikanische Ureinwohner, der ein Leben in völliger Freiheit außerhalb der Reservate des »Weißen Mannes« lebte. Er tat dies noch Jahrzehnte nachdem die Bundesbehörden den Tod des „letzten“ frei lebenden Ureinwohners – Ishi, dem letzten Überlebenden der Yana – 1916 beklagt hatten. Sein Name war Stalking Wolf. Er lebte ein Leben abseits der Zivilisation und war dennoch nah dran. Er beobachtete die Weißen, wusste um ihren Lebensstil, beherrschte alle möglichen Überlebenstechniken, und hatte ein umfassendes Wissen um die verschiedensten amerikanischen Ökosysteme, weshalb er in keinerlei Weise auf die Zivilisation angewiesen war.

Stalking Wolf war in seinen 70er Jahren, als er auf seinen Schüler und geistigen Erben Tom Brown jr. traf. Tom war gerade am Fluss spielen und suchte nach uralten Versteinerungen, als Stalking Wolf in sein Leben trat. Er war zu diesem Zeitpunkt ein Junge von sieben Jahren, und die Verkörperung einer Vision, die Stalking Wolf über seinen legitimen Erben viele, viele Jahre vorher, erschienen war. Tom und ein verwandter Junge von Stalking Wolf im gleichen Alter wie er, erhielten in den folgenden zehn Jahren eine umfassende Ausbildung zum Scout, wie sie seit Jahrhunderten viele Kinder dieser Erde erhielten.

Sie hatten wohl Glück, dass ihre Eltern ihr Tun draußen nicht als „Unsinn“ abtaten und sie gewähren ließen. Tom Brown wurde ein junger Wilder. Nach seiner zehnjährigen Lehre bei Stalking Wolf wanderte er weitere zehn Jahre durch Amerika – fernab von dem Hamsterrad und den Zwängen der amerikanischen Zivilisation des späten 20. Jahrhunderts. Schließlich wurde er zum besten Freund der Polizei. Denn nur er schaffte es, die spurlos verlorenen Vermissten zu finden, die Verbrecher aufzuspüren sowie scheinbar unklärbaren Kriminalfällen zu lösen.

Im Südosten der USA gründete er schließlich eine Schule „The Trackerschool“, mit der er den Grundstein einer weltumgreifenden Bewegung legte. Seinen Schüler Jon Young leitete er auf die gleiche Weise wie Stalking Wolf einst ihn selbst zum Scout an. Young ist der dritte im Bunde, dem wir heute diese Bewegung zu verdanken haben. Er hat die Wildnispädagogik schließlich gesellschaftskonform werden lassen. Sein Handbuch „Mit dem Coyote-Guide zu einer tieferen Verbindung zur Natur“ enthält die notwendigen Grundlagen der Wildnispädagogik und ist das Standardwerk für alle, die sich mit diesem Thema näher beschäftigen wollen.  

Uraltes Naturwissen in die heutige Gesellschaft einbringen

Wichtig ist aber, dass die Wildnispädagogik nicht zum Ziel hat, Kinder und Erwachsene zu wilden Wesen werden zu lassen, die fernab der Zivilisation im Untergrund leben. In den zahlreichen Wildnisschulen, von denen es in Deutschland mit die größte Bewegung in Europa gibt, wird lediglich an das alte Wissen angeknüpft. Es werden nicht nur Überlebenstechniken gelehrt, sondern vor allem die Vermittlung eines ökologischen Bewusstseins; eine Weltanschauung, die Respekt und Ehrfurcht vor der Natur bewahrt und ein Leben mit der Erde lehrt.

Mit ihrer Arbeit sorgen sie dafür, dass Eltern und Erziehungsberechtigte das an die Hand bekommen, was abhanden gekommen ist. Ein Gefühl und ein Gespür, wie die Natur ein Bestandteil der Beziehung zu den Kindern sein sollte. Damit die Wertschätzung für alles Lebendige, für unseren Planeten, weitergetragen werden kann. Von unseren Kindern, für unsere Enkel.

„Deshalb war der Einfluss der Natur, der die jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.“

Ich blicke mich um in dieser Gesellschaft und sehe, dass die Natur kein selbstverständlicher Teil der Erziehung/Beziehung zu den Kindern mehr ist. Ich blicke auf mich selbst und meine Familie und sehe, dass auch hier bei uns die Natur noch keinen genügenden Platz in unserem Familienleben hat. Ich lese viel, bilde mich fort, eigne mir theoretisches Wissen an. Doch in der Praxis, im alltäglichen Leben, fällt es mir schwer, dieses Wissen umzusetzen und an mein Kind weiterzugeben. So kam es zu meiner Recherche über Wildnisschulen. Ich suche nach einem Ort, an dem wir alle, groß und klein, Erfahrungen machen dürfen. Wo wir unseren Weg finden dürfen, um eine noch stärkere Verbindung zur Natur zu erleben.

Ich glaube, dieser Sommer führt uns in eine Wildnisschule. Um zu lernen, was die Natur für uns bereithält und wie wir sie in unseren Alltag und in die Beziehung mit unserem Kind noch besser mit einbinden können.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit Wildnisschulen gemacht? Welche Programme haben euch gut gefallen, was würdet ihr weiterempfehlen?

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Achtsame Elternschaft

Früher oder später kommt wahrscheinlich bei allen Eltern irgendwann eine Phase, in der es uns irgendwie alles über den Kopf wächst. Das Baby meldet starke Bedürfnisse an, der Haushalt sieht aus als hätte eine Bombe eingeschlagen und wir bräuchten eigentlich ganz dringend mal eine Dusche. Die Schwiegermutter fragt nach, ob das Kind denn jetzt endlich abgestillt ist und das Nachbarskind kann ja seit letzter Woche auch schon an den Händen geführt laufen. Da fällt es manchmal schwer, sich auf sich selbst und das eigene Kind zu besinnen. Achtsam Eltern sein – das ist manchmal leichter gedacht als getan.

Wir selbst entscheiden, was zu uns passt

Aber was gehört denn dazu zur achtsamen Elternschaft? Für mich bedeutet es zuallererst, dass ich die vielen Meinungen der anderen versuche auszublenden. Niemand – abgesehen von meinem Mann – kennt mein Kind so gut wie ich selbst. Also können wir auch am besten einschätzen, was in unsere Familie passt. Wenn ich mein Kind gern in den Schlaf stille, geht das nur uns allein etwas an. Wenn es einfach keinen Brei essen mag, finden wir für uns eine Lösung. Natürlich bin ich auch ab und zu sehr gespannt, wie es wohl bei anderen läuft – aber ich lasse nicht zu, dass mir jemand einfach seine Meinung aufdrückt, ohne genau hinzuschauen.

Achtsam Eltern zu sein bedeutet für mich, nicht immer gedanklich von Entwicklungsschritt zu Entwicklungsschritt zu springen, sondern einfach mein Baby zu beobachten. Und so wichtig ich den Kontakt zu anderen Eltern finde – zur Bildung des „Dorfes“, das es braucht, um ein Kind groß zu ziehen – so wichtig finde ich eben auch die Abgrenzung. In fast jeder Krabbelgruppe sind Eltern dabei, die sich mit den Fähigkeiten ihres Babys brüsten, als würden sie über seine Aufnahme in der Eliteuniversität entscheiden. Die sämtliche pädagogische Konzepte kennen und bereits einen genauen Plan zur besten Förderung ihres Sprosses erarbeitet haben. Was als harmlose Gesprächseinleitung beginnt, artet da manchmal in Wettkämpfe aus. Alles wird verglichen. Kann er rollen? Hat sie schon mit Beikost angefangen? Schläft er durch? Und wir hören zu und nicken und fragen uns insgeheim, ob wir nicht doch zu wenig mit dem Baby machen. Könnte es jetzt vielleicht schon krabbeln, wenn wir nur die richtigen Turnübungen mit ihm machen? Manchmal ist es schwer, sich nicht verunsichern zu lassen, wenn das eigene Baby noch nicht „so weit“ ist.

Babys haben ihren eigenen Plan

Doch Babys entwickeln sich nach ihrem ganz eigenen Plan. Sie probieren sich unermüdlich aus, bis sie es schaffen, auf wackeligen Beinen das erste Mal aufrecht zu stehen. Sie fallen hin und stehen wieder auf und lassen sich nicht entmutigen. Alles in ihrer eigenen Geschwindigkeit. Meine drei Kinder haben sich alle ganz unterschiedlich entwickelt (und der Jüngste ist im motorischen Bereich für meinen Geschmack eigentlich sogar viel zu schnell – wird es doch mein letztes Baby sein).

Aber egal ob schnell, langsamer oder durchschnittlich – Kinder lernen jeden Tag etwas Neues. Manches ist nur für uns Eltern nicht gleich sichtbar.

Unsere Babys kümmern sich nicht darum, was die anderen schon können – für sie zählt nur, dass wir sie sehen. Und dafür müssen wir nur den Blick von den anderen abwenden, um unser eigenes Kind genau zu sehen. Vielleicht ist es motorisch eher langsamer, fängt vielleicht sehr früh an zu brabbeln. Vielleicht spricht es zwei Jahren noch kaum, ist vielleicht unheimlich empathisch und kann sich in andere hineinversetzen. Letztendlich werden alle gesunden Kinder irgendwann laufen und sprechen und einen Purzelbaum machen können. Wann genau sie das gelernt haben, spielt irgendwann keine Rolle mehr. Alle Kinder sind auf ihre Weise ganz besonders. Wenn wir nur auf das Äußere achten, verpassen wir die wunderbaren Eigenschaften unserer Kinder, die sie so einzigartig machen.

Wir Eltern wachsen an unseren Kindern

Diese innere Ruhe, mich nicht von der Entwicklung anderer Kinder und den Meinungen anderer Eltern verrückt machen zu lassen, habe ich allerdings erst beim zweiten Kind entwickelt. Und auch wenn ich deswegen manchmal ein schlechtes Gewissen habe, so weiß ich doch, dass ich immer mein Bestes gegeben habe. Ich habe immer all meine Liebe gegeben. Und wir haben eben auch eine ganze Menge richtig gemacht. Es ist wichtig, auch das zu sehen, denn auch das bedeutet achtsame Elternschaft.

Ich glaube, es fiel mir beim ersten Kind so schwer, im Moment zu leben, weil ich anfangs noch versucht habe, das Kind in meinen hastigen, leistungsorientierten Alltag mitzunehmen. Jetzt passe ich mich an den Rhythmus meiner Kinder an. Ich plane meine Arbeitszeiten in den Schlafenszeiten, bzw. wenn mein Mann gerade die Kinder übernimmt (allerdings müssen wir deswegen fast immer abends noch etwas schaffen). Ich plane meinen Teil des Haushalts zu der Tageszeit, in denen er so gut drauf ist, dass er sich ein bisschen selbst beschäftigen kann (und ansonsten kommt er in die Trage – ohne könnte ich nicht!). Ich genieße die gemütlichen Stillpausen ohne Gewissensbisse. Mein Handy lege ich am Nachmittag meistens einfach ganz weg, denn keine Benachrichtigung ist so wichtig wie die Zeit mit meinen Kindern. Ich beobachte, wie sie sich entwickeln, ohne mich zu fragen, wann wohl die nächste Stufe kommen wird. Und mit einem Blick auf die Sechsjährige, die auch schon mal ganze Nachmittage bei ihren Freundinnen verbringt, weiß ich auch, dass unsere Kinder uns nicht immer so viel brauchen werden.

Die Zeit für mich wird wiederkommen

Ich habe gerade nicht so Zeit für mich wie früher. Oder für meinen Mann. Meine Me-Time ist die halbe Stunde, bevor ich die Mädchen vom Kindergarten abhole und in der er meistens schläft (und ansonsten nehme ich alles an ruhigen Momenten mit, die sich irgendwie ergeben). Meine Paarzeit besteht daraus, manchmal abends noch auf dem Sofa gemeinsam Harry Potter zu schauen, weil wir beide dann einfach zu nichts anderem mehr in der Lage sind (und aus der halben Stunde morgens am Wochenende, wenn das Baby schläft und die großen Kinder am Tablet spielen ;)).

Mein Alltag dreht sich zu einem großen Teil um die Kinder. Und ja, ich finde das völlig in Ordnung. Denn im Rückblick wird die Zeit wie im Fluge vergehen und hinterher werde ich wehmütig daran denken, wie es war, als die Kinder noch klein waren. Und deswegen versuche ich, alles in mich hinein zu saugen. Das Baby voll und ganz zu sehen, anstatt es nur durch eine Kameralinse oder einen Handydisplay zu beobachten. Und mich immer wieder zu fragen: Was brauchen wir genau jetzt als Familie?

Achtsame Elternschaft bedeutet, den Blick auf uns zu richten

Das Stillen nach Bedarf, Stoffwindeln und/oder windelfrei, Baby-led weaning und Co-Sleeping, all das sind für uns wertvolle Tools, die zu uns passen. Aber am Wichtigsten ist es für mich immer, den Blick auf unser Kind zu richten, auf unsere Familie und auf uns selbst. Das ist es, was für mich achtsame Elternschaft ausmacht.

Anna ist Mutter von drei Kindern. Sie hat Neurowissenschaften und kognitive Psychologie studiert und ist Trageberaterin. Mehr von ihr könnt Ihr auf Instagram lesen unter @langsam.achtsam.echt . Hier auf geborgen-wachsen.de hat sie über „Slow pregnancy“ geschrieben und berichtet nun über die achtsame Babyzeit.  

Windelfrei in Indien

Auf das Windelfrei-Konzept stieß ich während meiner Schwangerschaft zum ersten Mal. Ich hatte davon noch niemals gehört und war sehr überrascht und begeistert. Da ich mir aber nicht sicher war, ob das auch immer und überall klappen würde, wollte ich mich zunächst mit Stoffwindeln eindecken. Für 500 Jahre einen Plastikmüllberg von über einer Tonne zu hinterlassen kam für mich nicht in Frage. Klar war aber auch, dass es im tropischen Klima leichter sein würde, das Baby ohne Windeln zu lassen.

Wir begannen vom ersten Tag an mit dem Abhalten, hatten aber immer auch Windeln als Backup. Einige in meinem Umfeld in Deutschland schüttelten den Kopf. Andere waren begeistert, so wie auch wir. Es ist so unfassbar schön, wenn man auch diese Bedürfnisse des Babys erkennt und darauf reagieren kann! Mein Mann und ich hatten beide das Gefühl, dass dies die Bindung und Beziehung zu unserer Tochter positiv verstärkte.

Der Mythos: In Indien machen alle windelfrei

In der Windelfrei-Literatur wird Indien gerne als Beispiel dafür herangezogen, dass an vielen Orten der Welt windelfrei der Normalfall ist und nicht die Ausnahme. Wie also sieht die Realität aus? Wie immer wenn ich aus unserem Leben in Indien erzähle gilt, dass ich natürlich nur einen winzigen Ausschnitt erlebe. Einige Frauen in meinem Umfeld habe ich auf das Thema angesprochen:

Eine sagte mir, sie ziehe den Kindern nur dann Windeln an, wenn sie das Haus verlasse. Und sie verwende Stoffwindeln. Welcher Art konnte sie mir nicht recht erklären, denn sie sprach nur wenig Englisch und ich kein Telugu (die bei uns übliche Sprache). Eine andere hielt ihr erstes Kind ab, benutzte beim zweiten aber teilweise Windeln, weil es mit zwei Kindern nicht mehr möglich schien, komplett abzuhalten. Ein Vater, mit dem ich sprach, benutzte keine Windeln, beklagte sich aber, dass sein Kind überall hin pinkeln würde. Viele Mütter der oberen Mittelschicht habe ich ausschließlich Plastikwindeln verwenden sehen. Arme Kinder sieht man oft vom Nabel abwärts unbekleidet auf der Straße. 

Es gibt also alles! Die Darstellung Indiens in der Literatur erscheint mir im Nachhinein ein wenig romantisiert.

Töpfchentraining“ ohne Töpfchen und Wickeln im Kindergarten

Viele beginnen hier mit dem sogenannten „toilet training“ schon mit sechs Monaten, wie mir eine Mutter erzählte. Töpfchen und Kloverkleinerungen sind dabei nicht so verbreitet. Es braucht eben oft gar nicht so viele Dinge…
Und es gibt auch Kindergärten, die Windelfrei praktizieren. Vom ersten Tag an kommen die Zweijährigen dort ohne Windel. Andere Einrichtungen wiederum handhaben das flexibler. Was aber anders ist, ist dass hier zum Teil nicht die Erzieherinnen wickeln, sondern Frauen, die auch für die Sauberkeit der Räume zuständig sind. Das hängt mit dem indischen Verständnis von Hierarchie zusammen. Wer saubermacht ist weiter unten in der Hierarchie. Wickeln für die Erzieherinnen wäre daher nicht angemessen. Das ist für uns seltsam, aber zu respektieren. Die Frauen die wickeln, sind die ganze Zeit anwesend, denn sie kümmern sich während des gesamten Kita-Tages, fegen zum Beispiel nach dem Frühstück oder dem Spiel im Sandkasten. Die Kinder nennen sie „Auntie“, also Tante. 

Windeln in Indien kaufen

Pampers und Co gibt es hier inzwischen überall. Das sah vor 10-15 Jahren noch anders aus. Plastikwindeln waren lange sehr teuer hier und sind es für große Bevölkerungsteile weiterhin. Es gibt auch Feuchttücher, aber da hier sowieso überall kleine Krüge mit Wasser vorhanden sind werden auch Kinderpopos meist direkt mit Wasser gereinigt. Servietten, Toilettenpapier, Taschentücher und ähnliche Papierprodukte sind hier insgesamt sehr viel weniger verbreitet. Damit entsteht auch weniger Müll. 

Heute kann man über amazon auch hier hübsche und praktische Stoffwindeln beziehen. Als wir vor fast vier Jahren hier ankamen sah das noch anders aus. Ich brachte die Stoffwindeln aus Deutschland mit als ich zur Geburt dort war. Ich finde amazon furchtbar, hier ist es allerdings oft die einzige Möglichkeit, an viele Dinge überhaupt irgendwie zu kommen. 

Inzwischen findet man online sogar Papierwindeln! Die habe ich für den Notfall und für Reisen zu Hause. Bei den langen Flugreisen und endlosen Reisetagen nach Deutschland erwiesen sich Stoffwindeln nicht als praktikabel. Wenn ich längere Zeit blieb, schleppte ich meine Stoffwindeln aber immer mit. Und abgehalten habe ich überall auf unseren Reisen.

Lange Reisen können sich aufs Abhalten auswirken

Von anderen Familien, die auch in sehr unterschiedlichen Kulturen leben, wurde mir mehrfach das Folgende berichtet: Kinder, die abgehalten wurden, „vergaßen“ nach einer langen Reise in die andere Welt plötzlich, Signale zu geben. Von einem Tag auf den anderen war die Elimination Communication einfach weg, als hätte man es nie probiert. Manchmal wurde das Abhalten wieder möglich, manchmal nicht.

Für mich ist das nachvollziehbar. Ich vergesse nämlich auch oft Geheimzahlen, Passwörter und ähnliches, wenn ich gerade wieder von der einen Kultur in die andere gereist bin. Es kann ganz schön herausfordernd sein, zwischen den Welten zu wechseln. Und gerade die ganz kleinen Menschen meistern das oft erstaunlich gut.

Anka Falk hat einen Magister in Rhetorik und Pädagogik und ist Körperpsychotherapeutin, Coach und Dozentin. Von 2007-2017 arbeitete sie in Lehre und Forschung an einem experimentellen Design Institut in der Schweiz. Sie ist im Alter von 37 Jahren mit ihrem Mann nach Indien gegangen. Ihr Kind hat sie in Deutschland geboren, ist dann aber zurück gegangen nach Indien und berichtet von ihrem Alltag dort. Zudem bloggt sie auf ljuno.de und gibt einen Einblick in ihr Alltagsleben in Indien hier auf Instagram 

Zauberwelt der Knospen – Auf Entdeckungsreise mit den Kindern

Der Winter in Deutschland kann ganz schön lang sein. Gerade dann, wenn der Spaß mit
Schnee und Eis vorüber ist und der Frühling trotzdem noch so lange auf sich warten lässt. Von vielen Eltern habe ich in den letzten Tagen Nachrichten gelesen, dass die Kinder gerade so ungern nach draußen gehen. Gleichzeitig tut es der Familie gut, wenn sich die Kinder an der frischen Luft austoben können und alle einmal tief durchatmen können.
In der Wildnispädagogik gibt es den Ansatz, jeden Tag eine Frage mit nach draußen zu nehmen. Diese Frage bildet den Kern des Naturaufenthalts und soll dazu anregen, die Aufmerksamkeit bei jedem Mal auf unterschiedliche Aspekte der Natur zu lenken. Auch in dieser scheinbar unspektakulären Zwischen-Jahreszeit im Februar und März, in der der kalte Winter schon vorüber ist, aber der Frühling noch auf sich warten lässt, gibt es einige Fragen, denen man nachgehen kann. In der Natur gibt es nämlich schon einiges zu entdecken.

Schlafen Knospen im Familienbett oder alleine?

Die heutige Frage, der dieser Artikel nachforscht, lautet: Was machen die Blätter und Blüten der Bäume im Winter?
Wer die Äste der Bäume genauer ansieht, entdeckt sie: Sie halten Winterschlaf, sind dick
eingemuckelt und fest eingepackt, damit Kälte und Frost ihnen keinen Schaden zufügen.
Ihre Betten sind mal lang und schmal, mal kurz und knollig. Die Einen schlafen zu mehreren in gewissen Abstand nebeneinander, andere drängen sich dicht an dicht und wärmen sich wie Pinguine in einer Kolonie. Andere schlafen lieber alleine, brauchen mehr Platz und teilen nicht gerne.

Knospen drängen sich nicht auf. Sie zu entdecken vermag nur der, der mit offenen Augen durch die Natur läuft. Erst wenn die Blätter austreiben und ihr Knospenbett verlassen, bemerken die meisten Menschen: Oh, der Frühling ist da! Eure Kinder können dieses Jahr einen Schritt voraus sein. Mit eurer Anleitung können sie die Zauberwelt der Knospen entdecken und kennenlernen. Denn zauberhaft ist die Welt der Blätter und Blüten im Winterschlaf wirklich. Ihr wisst bestimmt, wie groß so ein Kastanienblatt im Sommer mal sein wird, oder? Und vielleicht habt ihr auch ein Bild von den riesigen weißen Blütenständen der Kastanie vor Augen, an denen sich im Sommer die Hummeln und Bienen tummeln. All das ist in den Knospen bereits vorbereitet. Jetzt ist eine Kastanienknospe nicht unbedingt die kleinste aller Knospen. Aber dennoch finde ich es so erstaunlich und be-wunder-nswert, dass all diese Anlagen bereits in den vielen Schuppen der Knospe vorhanden sind und ihren Winterschlaf halten, bis ihre Zeit gekommen ist.

Äste zum Sammeln schneiden

Auf Knospen-suche zu gehen bedarf keiner besonderen Vorbereitung. Dort, wo es Laubbäume gibt, gibt es auch Knospen. Ihr könnt also eure ganz gewöhnliche Spazierroute wählen und sie neu entdecken. Geht mit den Kindern los und erzählt ihnen vorher eine kurze Geschichte über den Winterschlaf der Blätter. Wie sie sich warm eingepackt in ihre Betten gekuschelt haben, um auf den Frühling zu warten. Und wie jede Baumart ein anderes Bettchen für seine Blätter vorbereitet hat.

Mit einer Gartenschere ausgerüstet, könnt ihr verschiedene Äste sammeln. Mit solchen Aussagen bin ich vorsichtig, denn als studierte Naturschützerin (ihr schmunzelt vielleicht, aber das kann man tatsächlich studieren), weiß ich natürlich, dass das Ausreißen von Pflanzen und Pflanzenteilen in vielen Fällen nicht erlaubt ist. Ich bin aber der Meinung, dass Natur für Kinder etwas be-greifbares sein muss. Sie müssen durch einen Wald laufen dürfen, um zu begreifen, was ein Wald ist. Sie müssen einen Ast fühlen, anfassen, auch damit auf den Boden schlagen dürfen, die Rinde abpulen und ihn schnitzen dürfen, um ihn zu be-greifen. Man kann nur dann eine Verbindung mit der Natur aufbauen, wenn man sie begreifen darf. Deshalb denke ich, es ist viel mehr gewonnen, wenn ihr ein paar Äste abschneidet und sie zum Sammeln mit nach Hause nehmt, als wenn die Kinder einmal auf den Ast schauen und beim zweiten schon gelangweilt nach Hause wollen. Sammeln ist immer eine gute Idee mit Kindern; und wir brauchen die Äste für unsere Nachbereitung der Knospenwelt zu Hause.

Welche Knospen zu welchen Tieren?

Die gesammelten Äste (ihr braucht pro Baumart eigentlich nur einen) werden zuhause nebeneinander auf dem Tisch ausgebreitet. So nebeneinander aufgereiht sieht man die
Unterschiede der verschiedenen Knospen besonders gut. Je nach Altersgruppe kann mit unterschiedlichen Ansätzen an die Knospen herangegangen werden.

Kleine Kinder können die Knospen mit Tiergruppen vergleichen, so wie ich es oben getan habe. Beispiele: Die Knospen der Kirschen stehen so dicht gedrängt wie Pinguine in einer Kolonie. Die Kastanienknospe schläft lieber alleine, sie thront groß am Ende des Zweiges und ist furchtbar klebrig. Da kann man sich die Frage stellen, warum sie so klebrig ist: Weil sie Besucher damit abschrecken will? Oder weil sie eigentlich gar nicht so gerne alleine schläft und gerne jemanden bei sich hätte?

Eine andere Idee ist das Lesen von Emotionen und Gesichtern in den Knospen. So sehen
die Knospen von Walnuss und Esche wie breit grinsende Gesichter aus. Der Essigbaum ist dicht behaart, sein Ast fühlt sich an wie von einem dichten Winterfell überzogen. Seine Knospenbetten sind besonders kuschelig. Für den Anfang ist es nicht wichtig, welcher Ast zu welcher Baumart gehört. Einen spielerischer Zugang zu ermöglichen, macht den Kindern viel mehr Freude an der Sache. Und für die, die es genauer wissen wollen, gibt es jede Menge Bestimmungsliteratur im Netz.

Die gesammelten Materialien zum Basteln und Lernen verwenden

Außerdem können die Äste nach dem Begutachten noch für weitere Aktivitäten genutzt werden: Auf Papier dienen sie als Schablonen beim Malen. Die Kinder können dann auf dem Bild den Frühling bereits willkommen heißen und Blüten und Blätter an die Äste malen.
Und wer wissen will, was er sich da alles ins Haus geholt hat, stellt die Äste ins Wasser auf die Fensterbank. Jetzt habt ihr ein kleines Forschungslabor im Wohnzimmer. Innerhalb der nächsten Tage und Wochen können die Knospen beobachtet werden: Welche Schuppenschicht öffnet sich zuerst, welches Blatt spitzt heraus? Zusammen mit den Blättern lassen sich dann auch die Baumarten leichter bestimmen.

Wer den Kindern Materialien zur Verfügung stellt, mit ihnen in die Bibliothek zum Ausleihen von (kindgerechten) Naturführern geht oder im Internet die ein oder andere Quelle bereit stellt, gibt ihnen die Möglichkeit ihre Neugierde zu vertiefen. Als ersten Schritt jedoch müssen sie gepackt werden von den kleinen Wundern der Natur. Denn mit der vielen möglichen Ablenkung heutzutage durch die neuen Medien, die scheinbar viel größere Wunder am laufenden Band liefern, hat die Natur einen schweren Stand.

Es liegt an uns Eltern, den Kindern die kleinen Wunder des wahren Lebens zu zeigen.
Dafür müssen wir selbst sie wieder sehen lernen. Dieser Frühlingsbeginn ist ein guter
Zeitpunkt dafür.

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Ob in der Stadt oder auf dem Land: Naturerlebnisse warten vor jeder Haustür

Wehende Blätter im Wind, knorrige Äste und wuselnde Ameisen auf dem Boden. Dazwischen sitzt ein Kind, versunken in der Welt des Begreifens. Die Fingernägel sind schwarz von der Erde, in der es gewühlt hat. Die Hose ist schmutzig, in den Schuhen drücken kleine Steinchen. Die Mütze ist über die Ohren gerutscht und die Backen sind rot. Vor Aufregung? Vor Konzentration? Oder doch vor Kälte? Das Kind fragt nicht. Es spielt und lernt. Es pult Rinde von einem Ast ab und taucht dadurch in den Aufbau der Pflanzen ein. Es beobachtet eine Ameisenstraße und nimmt Teil am Leben der Insekten.

Wo ist dieser Ort, an dem ein Kind in und mit der Natur lernen kann?

Er ist vor der Tür.
In unserer Vorstellung ist diese Tür vielleicht irgendwo auf dem Land. Denn auf den ersten Blick erscheint die Natur für Kinder, die auf dem Land aufwachsen, viel greifbarer, viel realer. Mit einem Wald vor der Tür und dem Bachlauf hinterm Haus. Tatsächlich ist das aber ein veraltetes, romantisches Bild vom Landleben. Heute ist das Landleben in vielen Landkreisen durch die ausgeräumte Agrarlandschaft sogar weniger natürlich, als es die Umgebung in der Stadt durch grüne Parks und wilde Brachen ist. Und der Weg zum nächsten natürlichen Wald ist von beiden Orten eine Autofahrt entfernt. Die Haustür, vor der die Kinder spielt, ist laut einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung immer häufiger in einer Stadt. Denn immer mehr Kinder wachsen im städtischen Raum auf. Die Stadt ist Lebensraum für viele Familien. Zugleich ist sie ein Naturraum und stellt einen wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar, dient dem Klimaschutz und der Sicherung von Lebensqualität.

Naturspiele für alle

Damit Kinder Natur erleben können, ist es unwichtig, ob die Haustür in der Stadt oder auf dem Land ist. Damit ihr seht, das sich Natur überall finden lässt, stelle ich euch heute vier kleine Naturspiele vor, die sich vor jeder Haustür durchführen lassen und die je nach Alter der Kinder in ihrem Schwierigkeitsgrad angepasst werden können:

  1. ein Naturmandala gestalten
  2. ein Pflanzenmemory spielen
  3. einen Baumfreund finden
  4. einen Wetterort festlegen

1. Ein Naturmandala aus allerlei Materialen legen

große und kleine Steine für die äußere Umrandung,
Blätter und Samen,
eine Feder als besonderer Schmuck,
Stöcke,
Beeren und Früchte,
oder auch all das, was sich sonst so finden lässt: ein Flaschendeckel, der danach im Müll entsorgt wird (und durch den das Thema „Müll“ und „Umweltverschmutzung“ angeschnitten werden kann), ein gefundenes Schild oder anderer Müll.

2. Ein Pflanzenmemory,

bei dem Sie Äste, Früchte, Samen oder Blätter vom Boden sammeln und zu einem „Bild“ anordnen.
Die Kinder haben dann eine Minute Zeit, um sich die Materialien und ihre Anordnung einzuprägen. Danach werden die Materialien mit einem Tuch verdeckt.
Die Kinder können jetzt (je nach Alter der Kinder mit unterschiedlich vielen/schwereren Anforderungen) nach den Materialien suchen. (Sie sollten dabei die Möglichkeit haben, diese, wie Sie, am Boden zu finden. Bitte machen Sie sie darauf aufmerksam, keine Pflanzen auszureißen).
Mit den gesammelten Objekten fertigen die Kinder dann eine Kopie des Bilder an.
Danach wird das Tuch gelüftet und die Kopien mit dem Original verglichen. Es kann besprochen werden oder in Bestimmungsliteratur, die auch schon für Kinder eingängig ist, nachgeschlagen werden, welche Pflanzen gefunden wurden. Die Kinder können reflektieren: Was hat geholfen, um die Pflanzen zu finden? Welche Sinne wurden benutzt?

3. Suchen Sie mit den Kindern einen persönlichen Baumfreund aus.

Er sollte nah an ihrer Haustür sein, sodass sie ihn jeden Tag besuchen können und er zu einem Begleiter durch die Jahreszeiten wird.
Jetzt im Herbst lässt sich beobachten, wie die Blätter ihre Farbe wechseln und wie der Baumfreund schließlich die Blätter abwirft.
Im Winter werden die Knospen genau betrachtet – und mit anderen Knospen verglichen. Sind sie groß, oder klein? Haarig oder glatt? Stehen sie dicht gedrängt wie Pinguine einer Kolonie (wie bei den Kirschen) oder einzeln und kräftig (wie beim Berg-Ahorn) oder sind sie klebrig wie Kaugummi (wie bei den Kastanien)?
Im Frühjahr dann treibt der Baumfreund aus. Jetzt erwacht er aus seiner Winterruhe. Meistens verpassen wir diesen Moment. Uns fällt dann plötzlich auf, dass alles grün ist. Aber mit unserem Baumfreund sehen wir die langsame Veränderung und können das Erwachen des Frühlings bewusst miterleben.
Im Sommer spendet er uns Schatten, und wir spenden ihm eine Gießkanne Wasser. Wir beobachten, wer alles mit unserem Baumfreund befreundet ist. Welche Tiere kommen herbei, welche Blüten gibt es zu bestäuben? Welche Früchte gibt es zu ernten?

4. Ein Wetterort, der sich je nach Witterung verändert.

Auch dieser Ort sollte nah am Wohnort liegen. Er bietet den Kindern das wichtige Erleben von Regen, Kälte, Wärme und Sonne. Hier können sie das Wetter kennenlernen und mit allen Sinnen aufnehmen.
Dafür braucht es einen Ort, der regelmäßig aufgesucht wird, beispielsweise ein Spielplatz, oder eine Grünanlage.
Ab jetzt gibt es kein schlechtes Wetter mehr: Denn ihr solltet diesen Ort auch dann besuchen, wenn es das nächste Mal aus Eimern schüttet. Ihr solltet ihn besuchen, wenn es im Winter schneit, und auch, wenn die Sonne dann wieder scheint und der Schnee taut und alles matschig wird.
Euer Wetterort ist ein immer gleicher Ort, der durch die Witterung und die Jahreszeiten doch jedes Mal ganz anders ist.
Fragt die Kinder: Was verändert sich? Wie gehen die Pflanzen und Tiere damit um? Woran sehen wir, dass sich dieser Ort verändert? Was lässt sich dort finden? (Im Regen die Regenwürmer, in der Sonne die Insekten.) Und fragt die Kinder warum sie denken, dass es mal die Insekten und mal die Schnecken sind, die sich doch an diesem immer gleichen Ort abwechselnd zeigen…. Welche Lebensgewohnheiten haben diese Tiere oder auch Pflanzen?

Natur ist überall

Ihr seht, Natur ist überall. Sie ist über uns, in den Baumkronen. Sie ist unter uns, auf der Erde, auf der wir stehen. Sie ist in uns, durch die Bakterien, ohne die wir nicht lebensfähig wären. Wir Menschen sind ein Teil der Natur. Allerdings fühlen wir uns durch die moderne Welt, in der wir in geheizten Wohnungen leben und mit klimatisierten Autos umher fahren, nicht mehr wie ein Teil dieser Natur. Es ist aber wichtig, dass wir wieder zu mehr Natur zurückkehren.

Denn für unsere Kinder ist Natur zum Wachsen elementar. Und uns tut sie gut. Wir sollten ihr also trotz aller Bequemlichkeiten unserer Welt wieder vermehrt Einlass gewähren. Weit müssen wir dafür nicht gehen: Vor unserer Haustür (auch in der Stadt) können wir mit unseren Kinder Natur erleben. Auf einem gut gewählten Sitzplatz können wir morgendlichen Vogelkonzerten lauschen. Abends können wir in Decken gehüllt auf dem Balkon sitzen und auf den Fuchs oder den Waschbär warten, der nachts in Städten gerne die Mülltonnen plündert.

Klingt das nicht nach einem spannenden Abenteuer für eine Übernachtung unter Stadtkindern?

Eure

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.

Mit Baby in Indien leben – unsere Erfahrungen

Anka ist 37 Jahre alt, als sie mit ihrem Mann, der als Wissenschaftler dort forscht, nach Indien zieht und ein neues Leben beginnt in einer anderen Kultur. In einem früheren Artikel erzählte Anka hier wie es war, in Indien schwanger zu werden und hier über ihr Wochenbett in Deutschland und Indien. Über ihre Wahrnehmung von Mutterschaft und dem Bild vom Kind in Indien erzählt sie folgendes:

Unsere Tochter war 10 Wochen alt, als wir nach Indien zurückkehrten. Als Mutter mit Baby erlebte ich Indien auf einmal anders. Ich wurde jetzt „Amma“ genannt, was Mutter bedeutet. Mein Baby wurde mit unglaublich viel Liebe und Herzlichkeit begrüßt, gerne auch getätschelt oder in die Wange gekniffen. Diese körperliche Art, Zuneigung auszudrücken kann schnell mal zu viel werden, aber im Tragetuch konnte ich das kleine Mädchen gut schützen.

In der Kantine, wo wir oft mittags essen, hielt man mir die Tür auf, trug mir das Tablett. Plötzlich begegnete man mir mir anderem Respekt. Oft bot man mir Hilfe an, ließ mich vor, wo andere warten mussten. In den Flughäfen wurde ich an langen Schlangen vorbei gewunken, meine Taschen wurden getragen.

Mütter erfahren hier viel Wertschätzung

Mütter sind in Indien viel angesehener als kinderlose Frauen. Und sie erfahren sehr viel mehr Wertschätzung als ich das in Deutschland erlebt habe. Indien selbst wird als Mother India genannt. Man stellt sich Indien als eine Muttergöttin vor, die die Nation geboren hat. Weibliche Gottheiten gibt es in Indien ja jede Menge.

So gefährdet und benachteiligt Frauen und Mädchen in Indien oft sind, so mächtig sind oftmals die Mütter. Auch wenn äußerliche patriarchale Strukturen dominieren, so sind es in traditionellen Familien in den Häusern oft die Mütter, die die meiste Macht innehaben.

In kleinen Mädchen wird das Göttliche verehrt

Aber nicht nur ich als Mutter, auch mein Baby wurde behandelt wie eine kleine Göttin. Und tatsächlich werden kleine Mädchen verehrt als Wesen, in denen das Göttliche wohnt. Gerade erst wurde das Fest einer mächtigen weiblichen Gottheit hier gefeiert. Zu diesem Anlass war unser Mädchen bei einer Nachbarsfamilie eingeladen. Der Mann des Hauses wusch ihr liebevoll die Füße, führte die Hände vor dem Herzen zusammen in der für Indien so typischen Geste, die ausdrückt: Ich verneige mich vor dem Göttlichen in Dir. Dann bekam sie als erste, vor allen anderen ein Festessen zum Frühstück: würzige Kichererbsen, Halva aus Grieß mit Rosinen und Mandeln und in Fett ausgebackenes Fladenbrot.

Dass dennoch schrecklich viele Mädchen abgetrieben werden gehört zu den Widersprüchlichkeiten dieser Kultur: Einerseits werden Kinder geliebt und gerade Mädchen oft besonders innig. Dennoch werden Eltern zum Teil bedauert, wenn sie ein Mädchen bekommen. Die Jungen werden bevorzugt, das ist in Indien seit Jahrtausenden so. Sie werden häufiger gestillt, sie bekommen das bessere Essen. In traditionellen Familien bleibt der Sohn der Familie erhalten, die Tochter hingegen zieht zu den Schwiegereltern. Dafür muss oft eine hohe Mitgift bezahlt werden. Manch indische Familie verschuldet sich auf Lebenszeit, um eine solche Hochzeit zu finanzieren. Dies betrifft nicht nur die Armen, sondern gerade jetzt auch die Mittelschicht. Die Mittelschicht ist es, die im Moment vom wirtschaftlichen Aufschwung in Indien profitiert. Das weckt jedoch auch eine große materielle Gier und die äußert sich in nicht selten absurden Mitgiftforderungen. Deshalb werden Mädchen abgetrieben. Obwohl es verboten ist. In indische Krankenhäusern hängen große Plakate an den Wänden, auf denen davon die Rede ist: Wer versucht, das Geschlecht seines Kindes zu erfahren, muss mit hohen Strafen bis zu hin zu Gefängnis rechnen. 

Kinder stören hier nie

Dennoch gibt es eine grundsätzlich liebevolle Haltung hier gegenüber Kindern, die mich immer wieder überrascht und berührt. Kinder werden nicht als störend empfunden. Vor allem, wenn ich mich in Gruppen bewege, spüre ich das. Dann fühlt es sich an, als werde das Kind von der Gruppe getragen, als hänge das Wohlbefinden des kleinen Menschen von allen ab. Als seien alle zuständig, nicht nur ich. Das erlebe ich in Deutschland anders. Viel schneller habe ich dort Angst, mein Kind könnte stören. Viel öfter habe ich das Gefühl, dass Kinder nicht erwünscht sind. Ich habe sowohl hier als auch im deutschsprachigen Raum mit Baby an Hochschulen gearbeitet, Workshops gegeben und Vorträge gehalten. Ich habe viel Wohlwollen erlebt, trotzdem gibt es da einen Unterschied, jenseits von Worten. Hier habe ich darüber ausführlicher geschrieben. 

In diesen Tagen denke ich viel darüber nach, wie sehr Kinder, Eltern, und wahrscheinlich die meisten Menschen überhaupt ein Bedürfnis danach haben, eingebunden zu sein. Wir wollen als Menschen in Beziehungsgeflechten zu leben, die gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung ermöglichen. Susanne hat über die Bedeutung von Unterstützung im Zusammenhang mit der Diskussion um die Elternschule gerade erst geschrieben.

In Indien erlebe ich, dass Kinder vom Kollektiv mitgetragen werden. Dass alle um ihr Wohl bemüht sind. Real sind wir als Eltern natürlich trotzdem zuständig. Und trotzdem sind es manchmal kleine Gesten, die einen Unterschied machen. Fragen, die uns gestellt werden, wie das Kind isst und schläft. Das spontane liebevolle Lächeln, das sich auf den Gesichtern zeigt. Die Art, wie sich Menschen meinem Kind hier zuwenden, sich über das Wunder freuen, das jedes Kind ist.

Dennoch sind Kinder extrem gefährdet

Natürlich ist Indien kein Paradies, was Kinder angeht. Vielmehr ist das Leben vieler Kinder hier auf grausamste Art gefährdet und bedroht, durch Kinderarbeit, Hunger, Umweltverschmutzung, Missbrauch und Gewalt. Indien ist widersprüchlich und sehr schwer zu beschreiben. Der Ausschnitt, den ich erlebe, ist winzig klein. Denn Indien ist riesig und ungeheuer vielfältig. Ich lebe in einer recht privilegierten Situation und habe zu vielen Lebenswelten wenig Zugang. Ich bin zudem nur zu Gast und meine Beobachtungen sind dementsprechend nicht verallgemeinerbar.  Zu allem, was ich erzähle, könnte man auch das Gegenteil berichten. Unsere Nachbar zum Beispiel haben sich sehnlichst eine Tochter gewünscht und waren eher enttäuscht, als sie einen zweiten Jungen bekamen. Im Nordosten und Südwesten Indiens gibt es zudem noch Matriarchat, in dem die Geburt von Mädchen stärker begrüßt wird. Doch da wir über Indien in Deutschland oft nur die Negativschlagzeilen lesen, finde ich es wichtig, auch das Gute zu beschreiben. Und zum Guten gehört, wie Kinder hier oft im Kollektiv geborgen und gehalten sind. Etwas, das wir uns in Deutschland ja oft wünschen. 

Was ich hier erlebe macht mich nachdenklich: Wie können wir Eltern und Kindern an möglichst vielen Orten signalisieren, dass sie willkommen sind? Wie können wir auch in ganz alltäglichen Situationen mitteilen, dass uns das Wohl aller am Herzen liegt? Und wie setzen wir das konkret um?

 

Anka schreibt auch auf ljuno über ihren Alltag in Indien mit ihrem Kind, wo sie jetzt seit 3 Jahren leben. Bilder aus ihrem Alltag findest Du auch auf Instagram hier

Frag Dich: Was hätte ich gebraucht? – Eigene Kindheitserfahrungen als Ressource nutzen

Manchmal sind Eltern unsicher, wie sie sich gegenüber ihren Kindern verhalten sollen. Oder sie befinden sich in Schwierigkeiten in der Beziehung zu den Kindern oder dem Kind. Die Unsicherheit wird zur Sorge oder gar zur Selbstabwertung: Ich bin keine gute Mutter! Ich bin kein guter Vater!

Ein Beispiel

Ivonne N. zum Beispiel war immer gut mit ihrer Tochter Daniela zurechtgekommen. Doch nun ist die Tochter sieben und in der Schule und irgendwie wird alles anders. Die Tochter verändert sich. Sie hat nicht mehr so viel Interesse an der Mutter (so kommt es zumindest der Mutter vor) und zieht sich mehr zurück. Sie spielt mehr mit Freundinnen. Sie erzählt nicht mehr alles, was sie am Tag erlebt hat. Wenn die Mutter sie zur Schule bringt und ihr ein Abschiedsküsschen geben möchte, dann ist das ihrer Tochter peinlich …

Solche Veränderungen der Kinder geschehen häufig und in unterschiedlichen Altersphasen. Manchmal kommen wir Eltern dabei nicht mit. Es verunsichert uns und kann zu Selbstzweifeln oder Selbstabwertungen führen.

Wie war das bei mir?

Mein Vorschlag ist dann: Fragen Sie sich, wie es Ihnen in dem Alter erging, in dem sich jetzt Ihr Kind befindet. Danielas Mutter fragte sich: Wie ging es mir eigentlich, als ich sieben war und zur Schule ging? Sie erinnerte sich, dass sie einerseits selbst sehr unsicher war und andererseits ihr ganz wichtig war, dass sie guten Kontakt in der Schulklasse fand. Sie wollte dazugehören. Das war jetzt am wichtigsten. Wichtiger noch als die Begegnungen mit der Mutter oder dem Vater. Die waren ihr ja sicher. Das war selbstverständlich. Aber mit den anderen Kindern in der Schulklasse, das war neu und das war aufregend.

Als Danielas Mutter dies klar wurde, hatte sie gleich mehr Verständnis für ihre Tochter. Sie merkte, dass diese sich nicht von ihr abwandte, sondern anderen zuwandte, und dass diese Veränderung anscheinend nun angestand und notwendig ist.

Und nun stellte sie sich die zweite Frage: Was hätte ich damals gebraucht?

Was hätte ich gebraucht?

Diese Frage war für sie schwieriger zu beantworten. Denn ihre eigene Mutter, Danielas Großmutter, war damals über längere Zeit krank und dies beanspruchte alle Energien in der Familie. Und doch fragte sie sich: Was hätte ich gebraucht? Ihr fiel ein: in jedem Fall hätte sie gebraucht, dass sie an der „langen Leine“ sein dürfte. Sie brauchte nicht das ständige Nachfragen, wie es denn in der Schule gewesen sei und wie sie mit diesem oder jenem Kind oder der Lehrerin zurechtgekommen sei. Das war doch ihre Sache. Da hätte sie ihren Freiraum gebraucht. Sie hätte sich gewünscht, dass die Eltern weniger fragen, sondern mehr tun, zum Beispiel mal einige Kinder aus der Klasse einladen. Da müsste man doch nicht bis zum Geburtstag warten. Das geht doch auch mal so… . Als Danielas Mutter dies deutlich wurde, machte sie ihrer Tochter den Vorschlag, die Klasse oder einen Teil der Klasse einzuladen. Danielas Familie hatte einen großen Garten und der wäre doch geeignet für ein kleines Sommer- oder Herbstfest … Sie fragte ihre Tochter. Die zögerte erst und antwortete dann: „Warten wir noch ein paar Wochen und dann machen wir das!“ Und sie lächelte. Die Tochter wollte selbst bestimmen, wie das Fest ablief, aber sie nahm den Rat und die Unterstützung der Eltern an.

Unsere eigene Kindheit als Ressource

Wir Eltern lernen mit unseren Kindern viel Neues. Und wir müssen lernen. Doch wir haben schon Erfahrungen mit Eltern- und mit dem Kind-Sein. Unsere eigene Kindheit ist eine Ressource. Wir können sie nutzen. Wir können uns erinnern, was uns gut getan hat und was wir gerne gemacht haben, allein oder mit unseren Eltern. Und wir können uns erinnern, was wir damals gebraucht hätten. Deswegen sind die beiden Fragen eine wichtige Hilfe:

Wie ging es mir damals, als ich so alt war, wie mein Kind jetzt ist?
Was hätte ich damals gebraucht?

Nutzen Sie sie.

Dr. Udo Baer ist Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL und u.a. Vorsitzender der Stiftung Würde. Auf Geborgen Wachsen schreibt er über die (Gefühls-)Welt der Kinder, ihre Gedanken und die sich ergebenden Herausforderungen. Mehr über dieses Thema findet sich in seinem neuen Buch „Die Weisheit der Kinder

Ein Naturkind begleiten – So wirst Du Naturmentor*in für Dein Kind

„Buphthanum sanif… wie heißt das nochmal?“, frage ich zum zehnten Mal. „Buph-thal-mum salici-folium“, antwortet mein Papa und spricht die Silben überdeutlich aus. Immer wieder wiederhole ich das schwerste Wort der Welt. Ja nicht vergessen, fest verwurzeln soll es sich in meinem Kopf. Und am Ende der Wanderung klappt es: „Mama, wir haben Buphthalmum salicifolium, das Ochsenauge gefunden!“, rufe ich begeistert. Und damit war ich verzaubert von der Magie botanischer Pflanzennamen.

Gesucht: Mentoren mit Liebe statt Wissen

Mein Vater war der erste Mentor auf meinem Weg zum Naturkind. Danach folgten weitere. Jetzt ist mein Mann mein Mentor, denn Naturmentoren braucht man auch als Erwachsene immer wieder. Sie alle demonstrierten ihre Wertschätzung für die Natur nicht nur in Worten, sondern in ihrem Auftreten der Natur gegenüber.

Mein Vater zum Beispiel hielt immer wieder inne. Er machte uns auf den besonders schönen Gesang einer Nachtigall, auf die versteckten Honigblätter der Hahnenfüße oder auf die Hüpffähigkeiten eines Schnellkäfers aufmerksam. Und das mit völliger Verzückung und Staunen. Er staunte über die Wunder der Natur. Durch diese Fähigkeit – und nicht etwa durch seine Artenkenntnis – Nein, durch die Gabe, die Natur zu bestaunen, war er ein wunderbarer Mentor.

Kinder lernen durch Begeisterung. Laufen die Bezugspersonen mit dem Handy vor der Nase durch den Wald und fühlen sich fehl am Platz, wird das Kind die Wunder des Waldes kaum wahrnehmen. Wer Kindern die Liebe zur Natur mit auf ihren Lebensweg geben möchte, muss selbst anfangen, sich mit der Natur verbunden zu fühlen.

Die Verbundenheit mit der Natur liegt in unseren Genen. Bis die Menschen in Mittel- und Nordeuropa vor 4.000 bis 5.000 Jahren sesshaft wurden, lebten wir Menschen in und mit der Natur. Vieles davon haben wir vergessen. Die Natur ist nicht mehr ein selbstverständlicher Teil unseres Alltag. Die Naturverbundenheit in uns schlummert und wir müssen sie wecken, um zu guten Mentoren für unsere Naturkinder zu werden.

Zielloses Herumstrolchen als Weg zur Natur

Um Kinder draußen spielen zu lassen, müssen wir Erwachsenen lernen, uns in der Natur wohlzufühlen. Wir müssen wissen, was dort draußen lebt, um angstfrei loslassen zu können. Wir müssen uns das Unbekannte bekannt machen. Das kleine Wäldchen am Stadtrand kennenlernen. Im Park die „unordentlichen“, wilden Ecken erkunden. Rausgehen, jeden Tag. Das Minimalziel sollte drei bis fünfmal die Woche sein. Es braucht ein ganzheitliches und immer wiederkehrendes Erleben, um die Natur kennen zu lernen. Es braucht mehr, als einmal wöchentlich in den Park zu gehen, um eine wahre Verbundenheit mit der Natur zu schaffen.

Die Grundwerkzeuge zum Naturmentor

Und was machen wir als Mentoren draußen? Naturspiele? Bestimmungsliteratur wälzen? Nein, ganz im Gegenteil! Wir strolchen herum. Ziellos und zeitlos. Weichen vom Weg ab, wenn wir es wollen und können (außer wir sind in einem Naturschutzgebiet). Wir bewegen uns langsam, schärfen unsere Sinne. Wir lauschen Vogelstimmen (wie viele verschiedene sind es?) und lassen uns von mysteriösen Fährten, von sternförmig gewachsenen Moosen und runzlig geformten Baumrinden ablenken. Wir sind das, wonach wir im Alltagstrubel streben und häufig doch versagen: Achtsam. Das Kind ist natürlich an unserer Seite, entdeckt mit uns und wird uns höchstwahrscheinlich auf viel mehr aufmerksam machen, als wir für uns selbst wahrgenommen hätten. Es wird Fragen stellen. Und wir werden versuchen, keine Antworten zu liefern.

Keine Antworten? Richtig, selbst wenn wir die Antwort kennen. Denn eine Frage mit einer Antwort zu beantworten, erstickt das Interesse des Kindes oftmals im Keim. Obwohl es für uns vielleicht nicht eingängig ist, versuchen Kinder mit einer Frage mehr unser Interesse für einen Austausch zu wecken, als eine Antwort zu erhalten. Sie hoffen, dass ihre Aufmerksamkeit zu unserer Aufmerksamkeit wird. Indem wir die Frage offen lassen und mit einer weiterführenden Frage an sie zurückreichen, lassen wir sie an der Lösung des Mysteriums teilhaben.

Die Fährte zu den Antworten aufnehmen

Nehmen wir zum Beispiel eine Fährte, die gefunden wurde. Das Kind möchte wissen, von welchem Tier die Pfotenabdrücke im Waldboden stammen. Es sind Hasenspuren. Die zwei Hinterpfoten haben hintereinander zwei Abdrücke in den Boden gedrückt. Die zwei Vorderpfoten sind etwas weiter nach vorne versetzt und zeigen zwei Abdrücke nebeneinander. Anstatt zu sagen: „Das war ein Hase“, wird das Kind vom Mentor mit einfachen Fragen zur Antwort geleitet: „Sind alle Pfotenabdrücke gleich?“ oder „Die Vorder- und die Hinterpfoten sehen verschieden aus. Kannst du das nachmachen?“.

Das Kind wird aufgefordert, die Spur nicht nur genau zu betrachten, sondern zu erleben: „Wie müsste sich das Tier bewegen, damit das Muster bleibt?“. Gehen oder Schleichen wird nicht funktionieren, das Kind wird hüpfen und schnell auf die Antwort kommen, dass das ein Hase war. Es hätte die von uns gegebene Antwort vielleicht schnell wieder vergessen. Mit den Gegenfragen wurde aus einer einfach Frage ein Naturerlebnis. Als Bonus gibt es einen Selbstvertrauens-Booster, weil die Antwort selbst herausgefunden wurde.

Mit einem kleinen Ritual wird der Besuch in der Natur abgerundet. Von den Streifzügen können kleine Naturfunde mitgenommen werden, die Zuhause in eine Schachtel gelegt werden oder auf einem kleinen Tischchen dekoriert werden. Beim Abendessen wird zusammen überlegt, was erlebt wurde: „Was ist heute draußen passiert?“, oder „Was war das tollste, was du gefunden hast?“, animiert die Kinder zum Antworten. Die Erlebnisse des Tages können in ein kleines Büchlein gemalt werden oder die schönsten und aufregendsten Erfahrungen mit einem kleinen Satz beschrieben werden. Das Büchlein wird nach und nach mit wertvollen Erlebnissen gefüllt und ist so auch später eine wunderbare Erinnerung an die Zeit als Naturkind.

Rausgehen, Fragen stellen und Geschichten aufnehmen

 

Die wichtigsten Handwerkszeuge für Mentoren sind:

– Täglich Zeit draußen verbringen
– Zeitlos und Ziellos herumwandern und sich von den Wundern der Natur leiten lassen
– Fragen stellen, statt Antworten geben
– Das Erlebte am Ende des Tages festhalten

Das Codewort zum Naturmentor lautet nicht Buphtalmum salicifolium. Es ist ein Rezept: Geht mit Kindern in die Natur, lasst sie die Magie des Morgentau auf Spinnweben entdecken und das Mysterium von Tierspuren auf den Grund gehen. Gebt einen großen Löffel Liebe für unsere Natur dazu und einen der Verbundenheit dazu. Seid für die Kinder da, wenn sie nach Hause kommen. Stellt gute Fragen und dokumentiert ihre Antworten.

Mit diesem einfachen Rezept werdet ihr zu wunderbaren Naturmentoren.
Eure

Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.