Kategorie: Kleinkind

Wie Kinder lernen, Dinge zu teilen

Das Teilen ist ein positiver Wert, den viele Eltern in ihren Kindern verinnerlichen wollen. Dieser Wert erscheint so wichtig, dass Eltern manchmal beschämt sind, wenn das eigene Kind jetzt gerade nicht teilen möchte. So wird das Kind dazu gedrängt, “jetzt doch mal was abzugeben” oder “auch nett zum anderen Kind” zu sein. Es wird sich beim Gegenüber entschuldigt, wenn das Kind trotz Druck einfach nicht zum Teilen bewegt werden kann. Manchmal wird sogar in oder nach der erfolglosen Teil-Situation mit dem Kind geschimpft. Aber ist das ein guter Weg, um Kinder zum Teilen zu bringen?

Teilen ist weiterhin wichtig für Menschen

Das Teilen ist ein wichtiger Bestandteil unseres menschlichen Seins, da sich unser Mensch-Sein im Miteinander und gegenseitiger Unterstützung ausgebildet hat: Erst durch das Zusammenarbeiten von Menschen und gegenseitige Unterstützung ist es dem Menschen gelungen, sich über die ganze Welt auszubreiten und Regeln für das Zusammenleben zu gestalten, die eine Gemeinschaft stützen und schützen. Dass wir also auch weiterhin das Teilen und Kooperation als wichtige Werte einschätzen, die an die folgende Generation weitergeben werden sollen, ist verständlich. Doch der Weg dorthin führt nicht über Strenge und das Einfordern von Freundlichkeit, sondern über empathische Zuwendung und Vorbild.

Soziales Verhalten entwickelt sich über die Zeit und wird mit zunehmendem Alter komplexer. Etwa im zweiten Lebensjahr zeigen Kinder bereits ein erstes soziales Verhalten, wie verschiedene Studien zeigen, indem sie anderen helfen, andere unterstützen, teilen und kooperieren – allerdings ist dieses noch recht spezifisch ausgerichtet und nicht allgemein. Für die Ausbildung eines umfassend sozialen Verhaltens sind vielfältige soziale und emotionale Erfahrungen wichtig.

Kein Druck, sondern Einfühlung

Wesentlich für das Teilen ist die Entwicklung von Empathie. Kinder brauchen ihre nahen Bezugspersonen, um sie mit der Gefühlswelt des Gegenüber vertraut zu machen. Das bedeutet, zusammen mit dem Kind darüber zu sprechen: “Wie fühlt sich das andere Kind?”, “Wie fühlt es sich, wenn du mit dem Kind teilst?” Auch Kinderbücher können eine gute Möglichkeit sein, um über Gefühl und gegenseitige Unterstützung zu sprechen “Was fühlt das Kind im Buch? Warum fühlt es sich so?” In zwei Untersuchungen mit kleiner Stichprobengröße an Kleinkindern und ihren Eltern konnte gezeigt werden, dass Kleinkinder sich sozialer verhielten, wenn Eltern mit ihnen über die Gefühle der Personen in Kinderbüchern sprachen und sie anregten, selbst über die Gefühle anderer nachzudenken.

Auch in sozialen Alltagssituationen ist es bedeutsam, Kindern nicht nur zu erklären, wie andere sich fühlen, sondern sie zur Reflexion anzuregen: Wie fühlen sich andere Menschen? Woran erkennt das Kind, dass der andere Mensch so fühlt? Wie lässt sich dieses Empfinden verändern?

Vorbild sein

Neben aller Begleitung und Anregung kommt es auch bei der Entwicklung sozialen Verhaltens und des Teilens darauf an, wie sich die nahen Bezugspersonen selbst verhalten und welches Vorbildverhalten sie zeigen: Wann kann das Kind die Bezugspersonen beim Teilen beobachten? Wie reagieren die Erwachsenen darauf, wenn von ihnen das Teilen eingefordert wird durch andere, beispielsweise am Familientisch oder in der Öffentlichkeit? Wie verhalten sich die Eltern untereinander, aber auch gegenüber den eigenen Kindern in Bezug auf das Teilen? Gibt es Rituale des Teilens, die das Kind bei den Erwachsenen erlebt, beispielsweise wenn Kleidung gespendet wird oder wird thematisiert, dass die Familie an gemeinnützige Einrichtungen spendet?

Wie in allen anderen Bereichen der kindlichen Entwicklung sollte auch bei der Entwicklung des Sozialverhaltens und des Teilens nicht mit Druck und Strafen gearbeitet werden. Vielmehr sollte die emotionale Entwicklung unterstützt werden durch Gespräche über die eigenen und fremde Gefühle, sowie ein gutes Vorbildverhalten.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Geschützt: Eltern fragen, Susanne antwortet: Es fällt mir so schwer, gefährliche Situationen mit meinem Kind zu begleiten. Wie reagiere ich richtig?

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Wie Kinder lernen, respektvoll eigene Grenzen zu benennen

Zunächst vorab, damit deine Erwartungen nicht zu hoch sind: Es dauert JAHRE den Umgang mit Gefühlen zu erlernen und gesellschaftsverträgliche Umgangsformen damit zu entwickeln. Gerade deswegen ist es aber wichtig, dass wir unsere Kinder Schritt für Schritt darin begleiten – angepasst an ihren Entwicklungsstand. Je jünger Kinder sind, desto schwerer fällt es ihnen, ihre Grenzen sprachlich aufzuzeigen statt körperlich, frühzeitig zu erkennen, dass eine andere Person dabei ist, die Grenzen zu überschreiten (und dementsprechend früh einzugreifen) und dann überlegt, statt impulsiv zu handeln. Dies hängt auch damit zusammen, dass das Gehirn in der Kleinkindzeit diese Aufgaben noch gar nicht bewältigen kann. Die Reifung dauert viele Jahre. Wichtig ist es, dass nahe Bezugspersonen diese Reifung begleiten und Impulse geben, wie gut mit schwierigen Situationen umgegangen werden kann. Denn: Wie wir bestimmte Dinge ausdrücken, wird zu großen Teilen erlernt.

Wertschätzen, dass Grenzen erkannt werden

Wenn Kinder eigene Grenzen aufzeigen, dann tun sie das oft unmittelbar „Lass mich!“, „Ich will das nicht!“, „Fass mich nicht an!“, „Lass mich in Ruhe!“, „Du bist so kacke!“, „Ich hasse dich!“ – Es ist gut, dass Kinder ihre Grenzen kennen und aufzeigen, dass hier eine Grenze in Gefahr ist. Das Wissen um ihre eigenen Grenzen hilft ihnen, ein Bild von sich auszubilden und stärkt das sich entwickelnde Selbstbild, weil sie lernen, dass sie als Mensch wichtig sind und ihre Integrität schützenswert ist. Dies ist für unser gesamtes weiteres Leben bedeutsam: Wir sollten verinnerlicht haben, dass andere Menschen unsere Grenzen nicht überschreiten dürfen und wie wir dann selbst vorgehen können und wo wir uns Hilfe suchen sollten. Deswegen ist es gut, Kindern das Feedback zu geben: „Hier ist deine Grenze erreicht. Gut, dass Du sie kennst und das mitteilst!“

Ursache verstehen

Wichtig ist auch, dass wir verstehen, worum es eigentlich geht. Gerade wenn das Kind nur aufschreit oder schimpft, müssen wir versuchen, die Ursache zu verstehen, um dem Kind andere Strategien aufzuzeigen. Deswegen ist es gut, nachzufragen oder (wenn man sicher ist) es auszusprechen: „Oh, hier ist deine körperliche Grenze erreicht, du möchtest nicht, dass dich das Kind anfasst!“ Oder „Findest du das gerade doof von mir, weil du das eigentlich selber machen wolltest und dich jetzt eingeschränkt fühlst?” – Wir versuchen, als Bezugspersonen zu verstehen, was der Anlass für die Reaktion des Kindes ist und geben dem Kind gleichzeitig durch das Benennen Worte und stärken die Selbstwahrnehmung.

Anderes Beispiel nennen

Kinder lernen die Umgangsformen ihrer Umgebung nach und nach. Dazu brauchen sie uns als Vorbilder. Natürlich sehen sie, wie ihre Bezugspersonen mit ihren eigenen Grenzen umgehen: Wie wir sie benennen, wie wir darauf achten, dass sie gewahrt werden. Unter anderem deswegen ist es auch so wichtig, dass wir unsere persönlichen Grenzen auch gegenüber unseren Kindern klar formulieren und darauf achten, dass sie eingehalten werden – emotionale wie körperliche Grenzen. In den den Situationen, in denen das Kind nun eine Grenze von sich wahren möchte, aber dies noch wenig respektvoll und feinfühlig tut, können wir Beispiele für alternatives Verhalten benennen: „Ich habe verstanden, dass du das hier selber machen wolltest. Du kannst das auch genau so sagen: ‚Ich möchte das lieber alleine machen, Papa!“, „Das war zu nah für dich. Statt das Kind wegzuschubsen, kannst du sagen: ‚Stopp, das will ich nicht!“

Gemeinsam ausprobieren

In manchen Situationen kann diese Alternative dann gleich noch einmal ausprobiert und damit eingeübt werden. Wir können das Kind dazu anregen, noch die eigene Grenze nocheinmal anders zu formulieren und klar zu machen, worum es gerade ging: „Jetzt habt ihr euch beide beruhigt, du kannst dem anderen Kind nochmal sagen, dass du das nicht möchtest, dass es deine Haarspangen anfasst.“

Geduld haben

Es muss noch einmal betont werden: Es dauert viele Jahre, bis das Gehirn nicht mehr impulsiv reagiert, sondern wir bedacht mit Situationen umgehen können. Auch dauert es, bis das Kind Handlungen anderer schon früh einschätzen und vorausschauend Grenzen aufzeigen kann. Viele Eltern erwarten tatsächlich zu viel von ihren Kindern im Kleinkind-, Vorschul- und Schulalter, wenn sie denken, dass das Kind souverän mit Konfliktsituationen umgehen können sollte. Auch ein “Aber ich habe Dir doch schon tausendmal gesagt, du sollst vorher bescheid sagen, wenn…” können wir uns sparen, denn wir müssen tausendmal und mehr immer wieder Beispiel sein, wiederholen, unterstützen. Hilfreich kann zudem sein, gut gelöste Situationen noch einmal wertschätzend zu benennen: „Ich hab gesehen, dass ihr das Problem gut zusammen gelöst habt!“ So lernen Kinder nach und nach, Sprache wertschätzend und respektvoll einzusetzen.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Zahnfee, Elfen, Wichtel und Co. – Schaden Fantasiefiguren meinem Kind und unserer Beziehung?

Kinder treffen an vielen Stellen auf magische Figuren: in Kinderbüchern, in Filmen, in der gelebten Kultur, wenn Weihnachtsmann, Christkind oder Osterhase Geschenke bringen, aber auch immer mehr außerhalb von Feierlichkeiten auf Figuren wie die Zahnfee oder Wichtel, die besonders zur Weihnachtszeit in vielen Wohnungen einziehen. Manche Eltern fragen sich, wie sie mit diesen Fantasiefiguren umgehen sollen: Soll die Zahnfee auch bei uns kommen? Wollen wir (Weihnachts-)Wichtel in der Wohnung haben? Sind solche Fantasiefiguren nicht eine Lüge? Und was passiert, wenn das Kind eines Tages herausfindet, dass es sie doch nicht gibt? Leidet darunter unsere Beziehung?

Magisches Denken und magische Phase bei Kindern

Besonders in der so genannten “magischen Phase” sind Kinder zugänglich für all die Fantasiewesen, Monster und magische Zusammenhänge im Denken und Handeln: Von der Kleinkindzeit bis ins Vorschulalter (und manchmal auch in die Schulzeit) können sich Fantasie und Realität vermengen. Es wird mehr für möglich gehalten, als tatsächlich stattfinden kann. Manchmal gibt es nicht nur Monster unter dem Bett, sondern auch unsichtbare Fantasiefreundschaften oder -haustiere und Zusammenhänge, die eigentlich nicht in Verbindung stehen, werden zusammengedacht: “Wenn ich nicht aufesse, wird es regnen.”, “Papa hat sich das Bein gebrochen, weil ich meiner Freundin die Bonbons geklaut habe.” – Erlebnisse werden so über eine magische Logik erklärt. Jetzt gerade sprechen Kinder besonders auf Fantasiefiguren wie Elfen, Einhörner und Monster an, sind aber auch besonders empfänglich in Bezug darauf, wenn diese Figuren oder magische Zusammenhänge als Erziehungsmethoden genutzt werden: Aufessen, damit die Sonne scheint, aufräumen, damit der Weihnachtsmann Geschenke bringt.

Und genau hier liegt der Knackpunkt der magischen Figuren und Denkweise: Sie werden schnell als Druckmittel eingesetzt, um das Kind zu beeinflussen. Eltern sollten ihre Erziehungsverantwortung allerdings nicht an magische Figuren abgeben. Kinder brauchen das Gegenüber der Bezugspersonen – auch in den Situationen, die anstrengend für Eltern sind und es so angenehm wäre, wenn man sie einfach lösen könnte durch die Abgabe von Verantwortung.

Die Auswirkungen der Weihnachtsmann-Lüge werden in der Forschung unterschiedlich bewertet: Es gibt durchaus Studien, die belegen, dass die Lüge der Eltern in Bezug auf den Weihnachtsmann der Eltern-Kind-Beziehung und dem Kind schaden kann. Gleichzeitig werden auch positive Auswirkungen berichtet.

Magisches Denken: nicht nur bei Kindern

Ganze Religionen und Weltanschauungen beinhalten auch heute noch magisches Denken: Der Glaube an Übernatürliches ist nicht nur bei Kindern zu finden. In einer Umfrage aus dem Jahr 2000 gaben 43 Prozent der befragten erwachsenen Personen beispielsweise an, dass ein vierblättriges Kleeblatt Gutes bedeute (Pdf). Und auch sonst glauben viele Menschen an Glücksbringer, Maskottchen und anderes. Animist*innen glauben an die Allbeseeltheit der Natur: Menschen, Tiere, Pflanzen, Felsen, Quellen etc. haben nach diesem Glauben eine Seele.

Wichtig: Wie Erwachsene damit umgehen

Kinder müssen nicht mit Fantasiefiguren aufwachsen. Wenn sie es aber tun, ist es wichtig, wie Eltern mit ihnen umgehen. Sie können die Fantasie in der magischen Phase begleiten. Im Sinne prosozialer Lügen kann das Aufgreifen der Fantasie des Kindes den Alltag etwas zauberhafter machen und Gemeinschaft unterstützen. Werden Fantasiefiguren allerdings als Druckmittel genutzt, beispielsweise wenn erklärt wird, dass die Zahnfee natürlich nur kommt, wenn alle Zähne gesund sind, der Nikolaus eine Rute bringt bei schlechtem Verhalten und sich der Weihnachtsmann genau jedes Fehlverhalten notiert oder sogar damit gedroht wird, die Monster unter dem Bett heute nicht zu verscheuchen, weil das Kind nicht artig genug gewesen sei, können die Fantasiefiguren negativ wirken, verängstigen und ungesunden Druck ausüben.

Der Fantasiezeit entwachsen

Wenn sich Eltern dazu entschließen, Fantasiefiguren in den Alltag zu integrieren, sollten sie damit der Entwicklung der Kinder folgen und die Entwicklung des Kindes annehmen. Fantasiefiguren sollten nicht dogmatisch bestehen, sondern der Raum für das Vielleicht geöffnet bleiben. Auch hier gibt das Kind das Tempo vor und Eltern sollten nicht darauf insistieren, dass es die Fantasiefiguren doch gibt, sondern das Kind in seiner eigenen Wahrnehmung bestärken und die vom Kind gewollte Loslösung unterstützen. Stellt das Kind die Fantasiefiguren in Frage, kann mit den Fragen offen und ehrlich umgegangen werden. Wir können erklären, warum wir die Geschichte um die Fantasiefigur mitgetragen haben, wie sie zu unserem Leben und vielleicht der in unserer Gemeinschaft gelebten Kultur gehört, und warum die Geschichte eine Verbindung zwischen Menschen herstellt. Vielleicht schließt sich daran eine Diskussion über Lügen und Wahrheit mit dem Kind an – auch das müssen wir als Eltern mit unseren Kindern diskutieren, die uns vielleicht öfter beim Lügen beobachten, als wir denken (beispielsweise wenn es darum geht, anderen Menschen davon zu berichten, wo und wie lange unsere Kinder schlafen, wieviel Medienzeit sie haben oder wieviele Süßigkeiten sie konsumieren).

Gerade dann, wenn in der magischen Phase des Kindes Fantasiefiguren als ängstigend wahrgenommen werden, ist ein respektvoller Umgang der Eltern damit wichtig: Hat das Kind Angst vor Monstern unter dem Bett, hilft es nicht, dem Kind zu erklären, dass es diese nicht geben würde. Hilfreicher ist es, sich auf die Gedankenwelt des Kindes einzulassen und diese Monster zu verscheuchen oder dem Kind auf andere Weise das Gefühl von Sicherheit und Schutz zu geben.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

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Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Freundschaften sind wichtig für Kinder

Freund*innen sind uns wichtig. Eine Studie an Erwachsenen im Jahr 2022 ergab, dass für 84 Prozent der befragten Personen gute Freunde und enge Beziehungen zu anderen Menschen der wichtigste Aspekt in ihrem Leben sind. Freundschaften beeinflussen u.a. unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und die Lebenserwartung. Obwohl wir als erwachsene Menschen um die Bedeutung von Freundschaften wissen, messen wir ihnen bei Kindern oft einen geringeren Wert bei. Wir betrachten zwar generell den Einfluss der Gleichaltrigen auf unsere Kinder, aber die Bedeutung individueller Freundschaften in der Kindheit ist oft weniger im Fokus.

Erwachsene geben den Raum für Freundschaften

Zwar kommunizieren und interagieren schon Babys miteinander, aber dies kann noch nicht als Freundschaft betrachtet werden. Erst in der Kleinkindzeit wird das Nebeneinander des Spiels nach und nach zu einem Miteinander und die Spielpartner*innen werden bedeutsamer. Für die Regulation von starken Gefühlen und Konflikten brauchen Kleinkinder ihre Bezugspersonen – im Alltag ebenso wie im Spiel mit anderen. Durchaus gibt es auch Probleme, bei denen man den Kindern die Möglichkeit geben sollte, eigene Lösungen zu finden – auch im Miteinander -, aber wenn dies nicht gelingt oder nicht fair stattfindet, ist noch eine Begleitung durch ältere Bezugspersonen notwendig, damit Kinder lernen, wie Konflikte gut und fair gelöst werden können. Für das Erlernen von Werten, Sozialkompetenzen und auch Empathie ist das Miteinander mit anderen Kindern (und Erwachsenen) sehr bedeutsam.

Empathie muss gelernt werden, und die Rahmenbedingungen von Kindheit sind hierfür ausschlaggebend. Verinselung und Entfremdung vom Umsorgen können sich negativ auf die Empathiefähigkeit unserer Gesellschaft auswirken

Susanne Mierau (2023): Füreinander sorgen, S.134

Auch für das Aufrechterhalten von Kontakten sind Kinder auf ihre Bezugspersonen angewiesen: Freundschaften brauchen Zeit, um sich zu intensivieren. Da Kinder über ihre Zeit und Beschäftigungen nicht frei verfügen können, sind sie darauf angewiesen, dass die Bezugspersonen das Bedürfnis nach sozialem Miteinander wahrnehmen und diesem Raum geben, indem Spielverabredungen getroffen werden oder Plätze aufgesucht werden, an denen sich Freund*innen befinden. So entwickeln sich im Laufe der Kindheit nach und nach feste Beziehungen zu anderen Kindern und im Vorschulalter bzw. beginnendem Grundschulalter gibt es oft bereits feste Freund*innenschaften.

Freund*innenschaften sind Räume für Erfahrungen und Gefühle

Innerhalb einer Freund*innenschaft wird soziales Miteinander gelernt, Diskursfähigkeit geübt und Freund*innen können sich gegenseitig in verschiedenen Entwicklungsbereichen zur Weiterentwicklung anregen: Vielleicht kann das eine Kind besser klettern und zeigt dem anderen seine Tricks dafür, während das andere vielleicht schon Armbänder knüpfen kann etc. Auch wenn Kinder sehr viel Zeit in homogenen Altersgruppen verbringen, weil unsere Strukturen in der außerfamiliären Betreuung und in der Schule das so vorgeben, profitieren sie sehr von Altersmischungen: hier können jüngere von älteren Kindern Kompetenzen erwerben und ältere Kinder Rücksichtnahme erproben. Auch in emotionalen Themen werden Freund*innen im Laufe der Zeit immer bedeutsamer für einen Austausch über Gefühle und gegenseitige Unterstützung.

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist sowohl für uns Erwachsene wichtig, als auch für Kinder. Ausschluss aus dem Gruppengeschehen schmerzt: Auch wenn es keine körperliche Verletzung ist, kann sozialer Ausschluss ein reales Schmerzgefühl hervorrufen. Kinder weinen, wenn sie “nicht mehr die Freundin von xy” sind oder ihnen gesagt wird, dass yz nie wieder mit dem Kind spielen will, weil genau das tatsächliche Schmerzen in ihnen hervorruft. Ein “Jetzt stell dich nicht so an” ist hier nicht hilfreich. Auch ein “Na warte mal ab, das wird schon wieder” kann kleinen Kindern, die noch nicht über ein gutes Zeitgefühl verfügen, nicht helfen. Hilfreicher ist es, den Schmerz des Kindes erst einmal anzunehmen, sich die Situation erzählen zu lassen und dann (mit Kind) zu überlegen, wie die Kinder wieder zueinander geführt werden können. Manchmal enden Freundschaften auch in der Kindheit: Weil sich die Wege durch einen Umzug trennen oder die Kinder durch die Entwicklung unterschiedlicher Interessen immer weniger Zeit miteinander verbringen und an Gemeinsamkeit verlieren. Ist dies für ein Kind schmerzhaft, braucht auch dieser Schmerz Anerkennung und Trost. Freundschaften sind nicht einfach so austauschbar und ein Abbruch oder langsames Ende einer Freundschaft ist für Kinder oft eine emotionale Herausforderung.

Freundschaften sind wichtig für Kinder. Um sie aber auszubilden und aufrecht zu erhalten, sind Kinder einige Jahre auf ihre nahen Bezugspersonen angewiesen. Diese Berücksichtigung des Bedürfnisses nach sozialen Miteinander ist ebenso wichtig wie andere Bedürfnisbereiche, bekommt aber von Erwachsenen leider oft nicht den Stellenwert zugeschrieben, den es eigentlich benötigt. Wir sollten mehr darauf achten, mit wem unsere Kinder gern Zeit verbringen und verbringen wollen und wie dieser Wunsch umgesetzt werden kann, wenn auch das Gegenüber ein Interesse daran hat. Ebenso sollten wir feinfühliger mit emotionalem Schmerz durch Streit unter Freund*innen umgehen und den Erhalt der so wichtigen Freundschaften unterstützen.

Eure

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Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

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Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Die Kooperationsbereitschaft von Kindern wahrnehmen

Als Menschen sind wir soziale Wesen. Wir sind sogar in unserem Innersten, in unserem Hormonhaushalt und über unser Motivationssystem auf das Miteinander und Füreinander eingestellt – und das von Anfang an. Kooperation ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Handelns und prägt schon das Handeln unserer Kinder: Sie wollen mitmachen, ausprobieren, helfen. Verschiedene Studien belegen, wie sehr schon Kleinkinder kooperieren und auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten.

Das Bindungssystem ist wesentlich mitverantwortlich für diese Kooperationsbereitschaft, denn der Umstand, dass sich ein Kind an eine Bezugsperson bindet, verspricht Sicherheit und Versorgung durch diese Bezugsperson. Kinder sind deswegen darauf ausgerichtet in ihrem Handeln, die Versorgung durch die Bezugsperson nicht zu gefährden. Sie passen sich deswegen auf vielfältige Weise an.

Kinder kooperieren viel – auch wenn wir manchmal nicht das Gefühl haben

Manchmal haben Erwachsene zwar das Gefühl, dass Kinder einfach nicht kooperieren wollen und stur ihre eigenen Ziele verfolgen, was aber daran liegt, dass das Kooperationssystem aus Sicht des Kindes gedacht werden muss. Kooperation bedeutet nicht zwangsweise, dass das Kind die Erwartungen des Erwachsenen uneingeschränkt übernimmt – und auch nicht immer. Neben dem Bestreben nach Kooperation haben Kinder auch das Bedürfnis nach Entwicklung und Lernen – manche Erwartungen und Wünsche von Erwachsenen widersprechen diesem Drang nach Lernerfahrungen, beispielsweise wenn das Kind morgens unbedingt die Jacke selbst anziehen will, der Elternteil dafür aber keine Zeit hat. Der Versuch, das Kind selbst anzuziehen, steht dann gegenüber dem Bedürfnis des Kindes. Es kommt zu einer Auseinandersetzung und das Verhalten des Kindes wird dahingehend interpretiert, dass es nicht kooperieren würde. Eigentlich wollte es das aber – nur eben mit der gewünschten Selbständigkeit.

Auch Müdigkeit, Hunger, Durst oder andere unerfüllte Grundbedürfnisse können die Kooperationsfähigkeit eines Kindes einschränken, sowie Überforderung mit einer Aufgabe oder Erwartungshaltung oder auch unklare Botschaften durch die Bezugsperson (beispielsweise solange Kinder noch keine Ironie verstehen). Jenseits hiervon kooperieren Kinder jedoch jeden Tag an vielen Stellen mit ihren Bezugspersonen. Oft passiert das unbewusst und es lohnt sich, am Ende des Tages einmal zu überlegen, an wie vielen Stellen tatsächlich Kooperation stattgefunden hat – das kann Eltern einen neuen, wertschätzenden Blick auf das Kind ermöglichen.

Wichtig: Kooperation darf nicht auf Kosten der Integrität erfolgen

Der Wunsch des Kindes nach Zugehörigkeit und Verbindung mit der Bindungsperson ist so groß, dass es diese Zugehörigkeit und Verbindung nicht riskieren will. Im obigen Beispiel des Jackeanziehens wird das Kind das Schimpfen der Bezugsperson ertragen, vielleicht wütend sein, kurz noch weniger kooperieren, vielleicht auch weinen. Danach aber wird es wieder in Verbindung gehen zu der Bezugsperson. Das Bindungssystem ist so bedeutsam für ein Kind, dass es dies nicht gefährdet und immer wieder eine Verbindung herstellt. Es bezieht Probleme und Fehler auf sich selbst und stellt in den jungen Jahren nicht die Bezugsperson infrage. Deswegen ist es so wichtig, dass Eltern und andere nahestehenden Personen auf die Integrität des Kindes achten und sich fragen: Habe ich in dieser Konfliktsituation die persönlichen Grenzen des Kindes überschritten?

Jeden Tag sind wir selbst, aber auch unsere Kinder, in einem beständigen Bemühen der Balance zwischen Integrität und Kooperation. Wenn wir merken, dass die Grenzen unseres Gegenüber übertreten oder verletzt wurden, können wir gemeinsam darüber sprechen, für das nächste Mal andere Lösungen überlegen und um Entschuldigung bitten – und damit wieder zur Kooperation zurück gelangen.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

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Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Kinder brauchen klare Ansprachen

Kommunikation ist ein wesentlicher Teil unseres Miteinanders und gleichzeitig fällt es uns manchmal so schwer, miteinander zu sprechen: unsere Wünsche und Erwartungen auszudrücken, uns durch Sprache abzugrenzen oder durch Sprache auf unsere Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Während viele Kinder recht klar in ihrem Ausdruck sind, haben wir Erwachsene oft viel größere Schwierigkeiten. Manchmal aus der Angst heraus, als Elternteil unfreundlich oder nicht ausreichend rücksichtsvoll zu sein oder auch aus dem Wunsch heraus, Probleme zu umschiffen. Für unsere Kinder aber ist es wichtig, dass wir klar ausdrücken, was wir uns für uns oder von ihnen wünschen.

Erwartungen und Wünsche klar formulieren

“Könntest du vielleicht bitte den Tisch abräumen?”, “Möchtest du jetzt die Socken wegräumen?” – Was in unseren Erwachsenenohren freundlich und zugewandt klingt, ist für kleine Kinder manchmal nicht eindeutig genug. Sie können unsere Absicht nicht herausfiltern aus der Frage. Deswegen ist es wichtig, dass wir Aufforderungen und Wünsche klar formulieren. Das bedeutet nicht, dass wir deswegen unfreundlich sein müssen: Mit einer zugewandten Körperhaltung, einem netten Tonfall und freundlicher Mimik können wir klar formulieren: “Bitte räum jetzt den Tisch ab.” oder “Bitte räum die Socken jetzt weg.”

Keine doppelten Botschaften, kein Sarkasmus

Doppelte Botschaften sind für Kinder (und oft Erwachsene) ein großes Kommunikationsproblem: Hier wird eine inhaltliche Aussage mit einer anderen, widersprechenden Botschaft kombiniert: “Ich helfe dir gerne, aber das machst du alleine!”, “Sag mir, was du gemacht hast, ich bin nicht böse!” mit bösem Gesichtsausdruck und/oder drohender Körperhaltung sagen. Sarkasmus können Kinder in der Regel in der Kleinkind- und Vorschulzeit noch nicht gut verstehen und reagieren daher falsch (aber aus ihrer Perspektive richtig) auf sarkastische Äußerungen.

Keine Fragen, wenn es eigentlich keine Optionen gibt

“Was soll ich heute zum Abendessen machen?” kann eine lieb gemeinte Frage sein. Wenn das Kind aber ehrlich mit “Pommes und Burger” darauf antwortet und diese Wahl aber eigentlich keine Option ist, kann das zu Konflikten führen. Sinnvoller ist es deswegen, wenn nur dann eine offene Frage gestellt wird, wenn die Antwort des Kindes auch tatsächlich eine Option ist. Kleinkinder können zudem von offenen Fragen und zu viel Entscheidungsfreiheit überfordert sein. Hilfreicher ist dann eine Frage wie: “Möchtest du zum Abendessen Brot oder die Nudeln vom Mittagessen?”

Ein typisches anderes Feld, in dem oft Fragen gestellt werden, obwohl eigentlich eine Aufforderung gemeint ist, ist das Aufräumen: “Möchtest du jetzt dein Zimmer aufräumen?”, “Kannst du jetzt dein Zimmer aufräumen?” Auch hier ist es hilfreich, eine klare Aussage zu treffen, anstatt eine Frage zu formulieren. Der Anspruch, dass ein Kleinkind allein selbständig aufräumen kann, ist oft zu hoch gegriffen. Sinnvoller ist eine klare Aussage wie “Wir räumen jetzt gemeinsam auf. Du sammelst alle Kuscheltiere ein und ich alle Bausteine.”

Uneindeutige Äußerungen führen zu Problemen

Wir wollen unsere Kinder liebevoll und respektvoll begleiten. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nicht eindeutig mit ihnen sprechen können. Wir schaffen es auch nicht, durch liebevolle Ansprachen Konflikte zu umschiffen, die sich daraus ergeben, dass das Kind vielleicht von unserem Wunsch oder unserer Aussage nicht begeistert ist. Im Gegenteil: Uneindeutige Äußerungen von Erwachsenen können zu größeren Konflikten führen, weil das Kind sie nicht richtig versteht, die erwachsene Person deswegen verärgert ist und es dann zum Streit kommt, weil das Verhalten des Kindes als Angriff auf der Beziehungsebene verstanden wird (“Das ist ein Machtspiel!”, “Du willst mich nicht verstehen!”) anstatt auf der Inhaltsebene (Das Kind will gerade nicht aufräumen).

Deswegen: Bedürfnisorientiertes und respektvolles Begleiten von Kindern und eine klare, eindeutige Ansprache schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Sie kann dazu beitragen, offen und lösungsorientiert über Probleme und Bedürfnisse zu sprechen.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

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Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Beschütze mich – warum es für Kinder wichtig ist, hinter ihnen zu stehen

Eigentlich ist es klar, dass wir als Elternteil hinter unseren Kindern stehen, sie beschützen und umsorgen. Und dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen es uns schwerfällt, wirklich für das Kind einzustehen. Insbesondere dann, wenn andere Personen unser Verhalten oder das des Kindes bewerten oder ein bestimmtes Verhalten vom Kind einfordern. Auf einmal verschwinden unsere Vorsätze und Forderungen oder Verhaltensweisen, die wir eigentlich nicht zulassen wollen, werden doch erlaubt. Vielleicht denken wir, dass sich das nur auf die Beziehung des Kindes zu dieser anderen Person auswirkt, aber als Bezugsperson sind wir auch hier involviert.

Das Bindungssystem ist ein Schutzsystem

Das Bindungssystem ist aus Sicht des Kindes ein Schutzsystem: Es dient dazu, dass die Bedürfnisse des Kindes, das sich noch nicht selbst versorgen kann, erfüllt werden. Durch diese Bedürfniserfüllung bildet das Kind ein Vertrauen aus in andere Menschen und erlebt sich als wirksam und wertvoll, weil auf seine Signale und Bedürfnisse entsprechend eingegangen wird. Dieses Vertrauen in sich und andere legt einen Grundstein dafür, wie das Kind auch zukünftig mit der Umwelt und sich umgeht. Zu den Bedürfnissen gehören dabei nicht nur beispielsweise Nahrung und Schlaf, sondern auch das Bedürfnis nach Sicherheit und der Schutz vor Gewalt in ihren verschiedenen Formen. Die Bezugspersonen sind dafür zuständig, diesen Schutz zu bieten.

Wann Bezugspersonen schützen und begleiten sollten

Wenn das Kind eine Situation erlebt, in der es Schutz beansprucht, weil es sich beispielsweise ängstigt, sollte daher eine Bezugsperson zur Seite stehen und diesen Schutz anbieten. – Und zwar unabhängig davon, ob die erwachsene Person diese Situation selbst als bedrohlich oder ängstigend empfindet.

Die Bewertung der erwachsenen Person kann sich durchaus auf das Kind auswirken: Allein durch die Körpersprache vermitteln wir, ob wir eine Situation ebenfalls als bedrohlich wahrnehmen, oder nicht. Das Kind nimmt diese Signale wahr und reagiert auf unsere Einschätzung der Situation. Negativ ist allerdings, wenn wir dem Kind die Angst oder das Schutzbedürfnis absprechen: “Jetzt stell dich aber mal nicht so an!” oder sogar über die Angst des Kindes lachen “Haha, der will doch nur spielen!”

Es ist hilfreich, die Angst des Kindes in einer Situation, in der sie nicht begründet ist, anzunehmen und dem Kind zu vermitteln, dass es sich nicht sorgen muss. Dies aber zunächst auf dem Boden der Annahme: “Ich merke, dass du Angst hast, ich gehe mal voran.” oder “Du möchtest nicht, dass der Hund so nah an dich herankommt, ich nehm dich auf den Arm und er darf an meiner Hand schnuppern.”

Auch in Bezug auf das übergriffige Verhalten anderer Personen ist es wichtig, dass wir gegenüber dem Kind die für die Beziehung so wichtige Schutzposition einnehmen: Wenn das Kind nicht gekitzelt werden möchte, dies der anderen Person klarmachen. Das Kind vor Körperkontakt schützen, den es nicht will wie “Küsschen geben” oder Händeschütteln. Und auch vor psychischer Gewalt verdient das Kind Schutz, wenn andere Menschen übergriffig sind, es beispielsweise als “Heulsuse” bezeichnen oder “Angsthasen“.

Schutz kostet manchmal Überwindung

Es ist manchmal nicht einfach, diesen Schutzauftrag zu erfüllen, der für die Beziehung so wichtig ist. Dies insbesondere dann, wenn wir als Bezugsperson selber einer unseren Bezugspersonen gegenüberstehen, die wir als Instanz erlebt haben: eigene Eltern, ältere Familienangehörige und wir uns nun, obwohl es immer eine Hierarchie gab, in der ihre Entscheidungen über unseren standen, nun entgegentreten müssen. Auch in anderen sozialen Kontexten in der Öffentlichkeit erscheint es manchmal schwer, die eigene Haltung zu vertreten und das Kind zu schützen: Zu groß ist die Angst, als schlechtes Elternteil bewertet zu werden, das in den Augen der anderen falsch erzieht. Schließlich ist das Gefühl, zur Gemeinschaft zu gehören, so wichtig für Menschen.

Dennoch: Als Bezugsperson müssen wir diese Schamgrenzen überwinden und für das Kind einstehen. Es braucht uns als sicheren Hafen, als Schutzinstanz, aus deren Sicherheit heraus es die Welt entdecken kann. Es muss darauf Vertrauen können, dass wir für dieses Kind einstehen – denn wer sollte es sonst, wenn nicht die nahen Bezugspersonen?

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Kinder bestärken – Die richtige Art, zu loben

Das Loben von Kindern wird immer wieder diskutiert: Ist es nun richtig oder falsch und wenn gelobt werden soll, dann wie? Um das Problem um das Loben zu verstehen, sollten wir Erwachsene einen Moment die Kinderperspektive einnehmen: Wenn wir etwas tun und darin erfolgreich sind, dann bestärkt uns dieses Erfolgserlebnis selbst: Wir erfahren uns als wirksam und gehen vielleicht durch diesen Erfolg auch auf die nächste Herausforderung offen zu. Wenn wir regelmäßig spüren, dass wir in dieser Weise die Welt selbst beeinflussen können, verinnerlicht sich das Gefühl, Einfluss nehmen zu können und Situationen nicht ausgeliefert zu sein. Das Kind geht durch diese Erfahrung freudig und neugierig auf neue Situationen zu und hat Spaß am Tun. Lernen macht Spaß, die Welt erfahren macht Spaß. Es geht nicht primär um ein bestimmtes Ziel, sondern das Tun und Ausprobieren ist eine Freude und Motivation.

Dieses Gefühl und die innere Überzeugung, dass das Ergebnis einer Handlung eine unmittelbare Konsequenz aus dem eigenen Tun ist, können Eltern unterstützen, indem sie das Tun des Kindes wertschätzen. Im Feedback an das Kind geht es nicht um das konkrete Ergebnis und auch nicht darum, ob das Kind das besser/schöner/schneller gemacht hat als andere Kinder. Es geht vielmehr darum, den Prozess und die Anstrengung des Kindes zu würdigen. Statt “Das hast du toll gemacht!” können wir erklären “Ich habe gesehen, dass das auch ganz schön anstrengend war, da rauf zu kommen.” oder “Ich glaube, du hattest wirklich Spaß beim Gestalten!”. Hilfreich kann es auch sein, das, was das Kind getan hat, mit Worten zu beschreiben “Du hast ganz viele Farben benutzt und vermischt!” oder “Alle diese Steine hast du allein gesucht und getragen.” Durch diese Art des Feedbacks wird der Fokus auf den Weg und das Tun gelenkt und die Herangehensweise des Kindes bestärkt, statt nur ein Ergebnis zu betrachten.

Wir sind es als Erwachsene gewohnt, dass Lob auf ein bestimmtes Ergebnis fokussiert ist und eine Bewertung in gut/schlecht vorgenommen wird. Aber wir können aus diesem Denken aussteigen und es bei unseren Kindern anders machen. Wenn wir einen kleinen Moment darüber nachdenken und in uns selbst hineinspüren, können wir überlegen: Was würde mich mehr motivieren? Ein einfaches “Hast du toll gemacht!”, das ich vielleicht immer wieder in der gleichen Art höre, oder ein auf mein Tun gerichtetes Feedback? Wir alle wollen gesehen werden, statt nur nebenher gelobt. Und dann können wir das Feedback nicht nur gegenüber unseren Kindern verändern, sondern auch gegenüber uns selbst und anderen nahen Bezugspersonen.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Weinende Kleinkinder brauchen Unterstützung

Manchmal wissen wir nicht einmal den Grund für das scheinbar untröstliche Weinen des Kindes: Auf einmal steht es vor uns, ruft und weint. Das Weinen eines Babys oder Kleinkindes signalisiert uns, dass eine Not vorhanden ist. Aber manchmal fällt es Eltern gar nicht so leicht, angemessen zu reagieren: Soll ich trösten oder verwöhne ich es damit nur? Ist das nicht gerade völlig übertrieben vom Kind? Sollte es nicht besser lernen, allein mit dem Weinen aufhören zu können?

Weinen ist ein Signal, auf das wir reagieren sollten

Gerade bei Babys ist das Weinen ein spätes Warnsignal, beispielsweise wenn das Baby Hunger hat und die früheren Signale wie die Suchbewegungen des Kopfes oder das Saugen an der Faust nicht wahrgenommen und/oder beantwortet wurden. Auch im späteren Alter ist das Weinen ein Signal und Ausdruck für ein Empfinden und/oder eine Not und löst in uns Bezugspersonen ein entsprechendes Verhalten aus. Das angemessene Verhalten der Bezugsperson beim Weinen des Kindes ist die Co-Regulation: “Ich (als erwachsene Person mit einem reichen Erfahrungswissen) helfe dir, mit deinem Empfinden zurechtzukommen. Ich biete dir Schutz und Hilfsstrategien, um mit deinen Gefühlen umzugehen. Ich weiß, dass kindliches Weinen aus einer Not heraus erfolgt und nicht, um mich zu ärgern.” Allerdings haben viele Erwachsene die Erfahrung gemacht, selbst als Kind nicht ausreichend getröstet worden zu sein und der eigentlich in uns angelegte Impuls, das Kind zu trösten und zu begleiten, kann durch eine Abwehrhaltung überdeckt werden.

Ist das jetzt nicht etwas viel Geweine?

Haben wir selbst negative Erfahrungen gemacht mit dem Getröstetwerden, kann es uns schwerfallen, den Bedarf des Kindes nachzuempfinden. Zudem haben wir Menschen auch in Bezug auf Schmerzwahrnehmung, Reizschwellen und Tröstbarkeit unterschiedliche Ausprägungen: Was mir weh tut, muss einer anderen Person keinen Schmerz bereiten, der die Tränen in die Augen treibt. Und nur weil eine Person sich leicht mit einer Berührung beruhigen lässt, gilt das nicht für alle Menschen gleichermaßen: einige Kinder brauchen wesentlich länger Zuwendung und Trost als andere.

Wenn wir das kindliche Weinen abwerten und erklären, das Kind würde nun aber (wieder einmal) übertreiben, wird das Kind zunächst sein Signal verstärken, damit wir vielleicht doch erkennen, dass es wirklich Hilfe braucht. Wird weiterhin darauf nicht reagiert mit der eigentlich im Kleinkindalter noch benötigten Co-Regulation, hat das Kind auch keine Chance, geeignete Beruhigungsstrategien zu erlernen, die es später ggf. selber anwenden kann. Es ist in einem Zustand der Angst/Sorge/Schmerz und hat keine Unterstützung. Langfristig kann sich das negativ auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirken und auch auf das kindliche Selbstbild, da es beständig eine Zurückweisung erfährt in Situationen, in denen es eigentlich Schutz und Nähe sucht.

Wichtig ist daher, dass die Bezugspersonen das Weinen des Kindes nicht bewerten und nicht von ihren eigenen Empfindungen ausgehen, sondern sich wirklich fragen, wie es dem Kind jetzt gerade geht, welche Signale es sendet und diese dann bedarfsgerecht beantworten.

Co-Regulation stärkt die Beziehung

Wenn die Bezugspersonen hingegen auf das Weinen des Kindes reagieren, wird damit signalisiert: “Ich nehme deine Signale wahr, ich reagiere darauf. Als Bezugsperson schütze ich dich und stehe mit meinem Wissen zur Verfügung, um dir zu helfen. Du kannst auf mich vertrauen.” Durch diese Signale an das Kind wird der Aufbau einer guten Beziehung gestärkt.

Auch wenn es manchmal anstrengend ist, ist es also durchaus sinnvoll, auf das Weinen des Kindes nicht abwehrend zu reagieren. Durch die aktive Zuwendung vermindern wir das Leid des Kindes. Manchmal braucht das Trösten Zeit – weil die Tröstbarkeit unterschiedlich ist zwischen den Menschen, aber auch, weil durch das Weinen Spannung abgebaut wird.

Und manchmal brauchen auch die Eltern später Trost, weil das Trösten ihnen viel Kraft abverlangt und sie mit alten Wunden konfrontiert, denen sie sich nicht gewahr waren. Emotionsarbeit kann Eltern viel Kraft abverlangen.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de