Schlagwort: Schlafen

Schlaf gut: Von Traumfängern und Monsterspray

Kürzlich schrieb ich über das Schlafen und darüber, dass auch Kleinkinder oder Kindergartenkinder noch nicht unbedingt durchschlafen. Gerade bei den größeren Kindern treten in einem bestimmten Alter auch immer wieder Ängste auf: Vor der Dunkelheit an sich oder vor Monstern oder wilden Tieren, die sich im Zimmer verstecken könnten. Ich habe schon von einigen Freundinnen gehört, dass sie Monsterspray verwenden: Etwas Wasser mit berühigendem Lavendelöl in einer Sprühflasche, das die Kinder bei Bedarf einfach im Raum versprühen dürfen. Weiterlesen

Schlaf schön und träum was Süßes! – Warum Kinder auch nach dem 1. Geburtstag noch nicht durchschlafen

Immer wieder werde ich von Eltern von Kleinkindern um Hilfe gebeten, weil die Kinder  Schlafwandeln, einen Nachtschreck haben oder eben einfach nicht durchschlafen. Es erscheint vielen Menschen ungewöhnlich, wenn Kleinkinder oder Kindergartenkinder noch nicht vollständig von abends mit morgens durchschlafen. Tatsächlich aber ist es ganz normal – weder Babys müssen durchschlafen noch Kleinkinder oder Kindergartenkinder. Und auch wir Erwachsenen wachen in der Nacht immer wieder auf – nur finden wir meist leichter in den Schlaf als die Kinder. Weiterlesen

Das Kind schläft nicht ein – über Mütterbedürfnisse

Dies ist einer dieser Abende: Ein Abend, an dem gebadet, eine lange Geschichte vorgelesen, gesungen und gestillt wurde. Und dennoch: das Kind schläft nicht. Vorbei ist die Zeit, in der das Stillen in den Schlaf hinein führte wie ein sanfter Schlummertrunk. Auch die immer gleichen Rituale und Abläufe, sie wirken an manchen Tagen nicht. Weiterlesen

Von der Angst im Dunkeln

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Wir alle sind schon einmal in den niedlichen kleinen Kindergeschäften an Sprühflaschen vorbei gelaufen, die die Aufschrift „Monsterspray“ tragen. Vielleicht erinnern wir uns sogar selbst noch daran, wie wir als Kinder Angst vor dem Krokodil unterm Bett hatten oder den Schatten der im Wind tanzenden Blätter. Alleinsein im Dunkeln, das ist für Kinder eine Herausforderung – und damit auch immer wieder für Eltern. Weiterlesen

Aus dem Bücherregal im Mai

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Nun ist der Mai schon vergangen. Im April habe ich Euch die aktuellen Bücher zum Thema „Natur“ gezeigt, die bei uns gerade gelesen wurden. Heute zeige ich Euch die Lieblingsbücher des Sohns, die wir im Mai gelesen haben. Fast alle Bücher in unserem Bücherregal des Sohns sind noch von der Tochter. Aber es ist spannend, wie unterschiedlich die Kinder in ihren Favoriten sind. Während die Tochter „Die kleine Spinne spinnt und schweigt“ nicht besonders häufig vorgelesen bekommen wollte, zählt dieses Buch zu den absoluten Lieblingsbüchern des Sohns und wir können es täglich ansehen. Überhaupt sind alle Bücher mit Tieren gerade besonders toll und spannend. Und hier sind sie, die derzeitigen Lieblingsbücher:

Die Bücher von Eric Carle sind ja Klassiker, insbesondere die kleine Raupe Nimmersatt. Dem Sohn hat es „Die kleine Spinne spinnt und schweigt“ aber besonders angetan. Er liebt es, meinen Tiergeräuschen zu lauschen, wenn ich sie nachmache. Und er weiß schon, welches Tier auf der nächsten Seite kommt. In diesem Buch ist die Spinne, der Faden, den sie webt und die Fliege, die sie fängt, erhaben, so dass diese Dinge mit dem Finger nachgespürt werden können. Der Sohn fährt immer wild über das Spinnennetz und findet es ganz großartig.

Auch ein Mitmachbuch ist „Pusten, trösten, Pflaster drauf!„. Hier geht es in Gedichtform um fünf Tiere, die sich alle irgendwie verletzt haben und nun ein Pflaster brauchen. Der Elefant ist sich beispielsweise aus Versehen auf den Rüssel gestiegen und braucht nun die Versorgung. Das Tolle: Die Pflaster sind im Buch und das Kind kann sie selbst jedem Tier aufkleben. So bekommen alle Tiere das zu ihnen passende Pflaster und werden liebevoll umsorgt. Zum Schluss werden die Pflaster wieder nach ihren Farben auf die Anfangsseite zurück sortiert. Ein ganz großer Spaß und macht sogar noch mit der großen Schwester Freude!

Und dann gibt es noch das liebste Einschlafbuch des Sohns. Das hat er schon seit einigen Monaten und wird es einfach nicht über. Immer wieder schauen wir gemeinsam die Geschichte „Gute Nacht, Gorilla!“ an. Immer wieder betrachten wir die Geschichte vom Gorilla, suchen den rosa Luftballon und die kleine Maus und lachen über die erschrockenen Augen der Frau im Bett. Und ganz nebenbei schleicht sich dem Vorleser der Gedanke ein: Geht es hier eigentlich um Familienbetten und darum, dass Kinder nunmal nicht gerne allein schlafen?

Und welche Bücher lieben Eure Kinder gerade?

Was Du alles nicht brauchst für ein Baby ODER: Warum Babys gar nicht so teuer sind

Marken

Man hört ja immer wieder wie teuer Babys sind, was man alles kaufen müsse und dass schon ein Kinderwagen heutzutage fast ein Monatseinkommen kosten würde. Ja, man kann tatsächlich heutzutage allerhand (teure) Dinge für Babys kaufen. Muss man aber nicht. Denn eigentlich brauchen Babys gar nicht so viel und schon gar nicht so teure Sachen. Ich gebe es ja zu: Auch ich kaufe gerne ab und zu teuren Schnickschnack und gerne auch mal teure Kinderkleidung. Aber müssen tue ich es nicht. Und deswegen ist es auch etwas ganz Besonderes. Was also kann man sich alles sparen?

Kinderwagen – geht es auch preiswerter?

Fangen wir also mit dem an, was meistens als die teuerste Ausgabe für das erste Jahr betrachtet wird: der Kinderwagen. Die Preisspannen sind riesig und man kann locker 1000 Euro für einen Kinderwagen ausgeben. Dabei gibt es auch noch viel zu beachten: Die Fahrtrichtung des Babys sollte zum Beispiel auch bei einem Umbau zum Buggy noch mit Blick zum schiebenden Elternteil möglich sein und die Testergebnisse von Stiftung Warentest tragen auch zu offenen Augen bei der Auswahl bei. Wer unbelastet unterwegs sein möchte, schaut gerne in Richtung Naturkind-Kinderwagen, die preislich um die 1000 Euro liegen. Doch eigentlich braucht man den teuren und eventuell auch noch belasteten fahrbaren Untersatz nicht unbedingt. Ein Tragetuch oder eine geeignete Tragehilfe kostet vielleicht 1/10 des Kinderwagenpreises (in gebrauchtem Zustand sogar noch weniger), hält lange und ist gesundheitlich unbedenklich – sofern man richtig trägt.

Familienbett spart Geld und Energie

Babys benötigen generell kein eigenes Kinderzimmer. Besser als allein in einem eigenen Raum sind sie im Schlafzimmer der Eltern untergebracht. Hier können sie in einem eigenen Bett liegen, in einem Beistellbett oder gleich im Bett der Eltern. Letzteres ist die preiswerteste Variante und zudem auch noch sehr praktisch. Im Familienbett kann nämlich problemlos nachts gestillt werden. Kein Aufstehen ist nötig, was für die stillende Mutter vorteilhaft ist, aber auch weitere positive Aspekte mit sich bringt.

Sich von der Werbung nicht beirren lassen: Stillende Mütter brauchen keine „Stillhilfsmittel“

Und da sind wir auch gleich bei der Ernährung des Kindes. Muttermilch ist die normale und gesunde Form der Ernährung für ein Baby. Wer also stillen kann, darin unterstützt wird und dem Stillen gegenüber generell positiv eingestellt ist, benötigt keine anderen Hilfsmittel. Natürlich kann es sein, dass das Stillen (oft durch fehlende Unterstützung und Anleitung durch das medizinische Personal in der Klinik) einfach nicht klappt und man auf künstliche Säuglingsnahrung angewiesen ist – darüber muss an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Aber wenn alles gut läuft, benötigt man zu Hause keine Fläschchen, kein Flaschendesinfektionsgerät, keine Spülbürsten für Flaschen. Gerade der Markt an so genannten „Stillhilfsmitteln“ ist riesig: Flaschen aus Glas oder Plastik mit den verschiedensten Saugern, Hygieneartikel zur Reinigung und und und. Wer von Anfang an stillen möchte, braucht sich diese Dinge nicht „für den Notfall“ zulegen. Denn im wirklichen Notfall bekommt man auch eine Flasche und Säuglingsnahrung in einer Apotheke, von der Hebamme oder im Krankenhaus. Man muss nicht für jeden Notfall vorab planen und muss sich auch nicht eine Notfall-Säuglingsnahrung in den Küchenschrank stellen. Wenn wirklich ein Notfall eintreten sollte, bekommt man die Nahrung auch. Und ansonsten vergammelt sie im Schrank oder wird in irgendeinem Moment doch genutzt, wenn man zweifelt, ob man wirklich genug Milch hat (oft um den 3. Monat herum) und dann ist der Abstillweg schon eingeleitet. Diesen Weg jedenfalls habe ich schon oft in der Beratung gesehen. Daher: Nein, stillende Mütter benötigen keine Fläschchen und Säuglingsnahrung zu Hause, wenn sie nicht abpumpen müssen, weil sie arbeiten gehen oder andere Gründe für die Flaschennahrung haben. Regine Grensens, IBCLC, beschreibt sogar, dass Stillkissen nach ihren Erfahrungen überflüssig sindHebamme Christine Rothenbücher beziffert die Ersparnis bei Familien, die im ersten Jahr stillen und selbst kochen auf 800 Euro. Die Kostenersparnis für das Gesundheitswesen durch das Stillen werden hier aufgelistet. Und auch bei der Beikost geht es mit dem Sparen weiter. Babys benötigen nämlich keine teuren Gläschen, Babytiefkühlprodukte, spezielles Kinderwasser oder andere Dinge. Beikost kann ab dem 6. Lebensmonat einfach vom normalen Familientisch abgezweigt werden. entweder in Form von Baby-Led Weaning oder in Form von Brei, den man aus dem Familienessen anrührt.

Wer auf dem Boden gewickelt wird, der kann nicht fallen

Und wo wir gerade bei der Nahrungsaufnahme sind, können wir auch die Ausscheidung in den Blick nehmen. Das beginnt beim Wickeltisch, denn eigentlich wird ein Wickeltisch nicht benötigt. Wer auf dem Boden wickelt, dem kann das Kind nicht vom Tisch fallen. Preiswerter als komplette Wickeltische können noch Aufsätze für Waschmaschinen sein. Einen solchen haben wir selbst seit 5 Jahren in unserem Bad und ich kann ihn nur empfehlen. Möglich ist es auch, einen solchen Aufsatz einfach selbst zu bauen. Für die Babypflege werden ebenfalls nicht die teuren Kinderprodukte benötigt, die man in der Drogerie in Massen sieht: Vom Babyshampoo über -duschgel, -seife, Badefarben, Pflegeöle bis hin zur Bodylotion. Werden Babys gebadet, benötigt man zunächst nur Wasser. Erst wenn sie sich wirklich draußen schmutzig machen, kann man zusätzlich ein Shampoo/Duschgel benutzen. Ein mildes Pflanzenöl wie Jojobaöl oder Mandelöl kann zur Hautpflege der Hautfalten und zur Massage genutzt werden. Auf einen wunden Po (sofern er vorkommt, was aber bei Stoffwindeln selten der Fall ist, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen) kann man Muttermilch geben und für den Notfall noch eine Wundcreme bereit halten. Puder und Co. haben auf der Babyhaut nichts verloren. Stoffwindeln sind dabei nicht nur für die Haut besser und ökologischer, sie sparen auch Geld. Thu von schickgewickelt.de spricht von einer Kostenersparnis von ca. 675 Euro über die gesamte Wickelzeit hinweg. Wer Elimination Communication betreibt, spart noch etwas mehr. Unterwegs müssen keine gekauften Feuchttücher, die manchmal fragliche Inhaltsstoffe haben, verwendet werden, sondern Taschentücher/Windelflies oder wiederverwendbare Waschlappen (die man unterwegs anfeuchtet oder feucht in einer Tüte mitnimmt). Wer mag, kann Feuchttücher auch einfach selber herstellen, wie hier von liebste-windeln.de gezeigt wird:

 

Es muss nicht immer Prada sein

Und dann gibt es noch den großen Posten der Kinderkleidung. Ja, es gibt bezaubernde Kleidung für Kinder. Doch nur allzu oft haben wir mehr als wir brauchen. Wer das Glück hat, andere Familien im Freundeskreis zu haben, kann sich bei der Geburt zumeist über viele Kisten voll gebrauchter Babykleidung freuen. Wer nicht so viele Unterstützer hat, kann Babykleidung sehr gut gebraucht erwerben. In Berlin gehe ich gerne zu den Kleidermärkten im Hug & Grow oder im Kurz & Klein, wo ich schon viele tolle gebrauchte (auch öko) Lieblingsstücke erworben habe. Gut ist es auch, wenn man sich zur Geburt nicht nur Anziehsachen für sofort in Größe 56/62 schenken lässt, sondern auch ein paar Teile für später, damit man nicht anfangs einen Berg und später zu wenig hat. Auch Online-Flohmärkte wie Mamikreisel sind sehr beliebt.

Eltern und Alltagsdinge sind die schönsten Spielsachen

Einer der beeindruckendsten Märkte ist neben der Kinderkleidung wohl auch der der Spielsachen für Babys. Da gibt es Rasseln in allen Größen und Variationen, mit und ohne Blinklicht oder Musik. Und auch hier gilt wie so oft: weniger ist mehr. Das betrifft sowohl die Menge an Spielzeug als auch die Art des Spielzeugs. Babys brauchen keine große Auswahl an verschiedensten Greiflingen. Sie spielen gerne mit Stofftüchern, später mit Alltagsgegenständen wie Löffel, Schneebesen, Bechern und Schüsseln. Sie lieben es, wenn sie selbst bei einer Sache herausfinden können wie Ursache und Wirkung zusammen hängen, zum Beispiel wenn sie ein kleines Glöckchen im inneren eines Balls selbst sehen. Und es stimmt, was man so oft liest: Das schönste Spielzeug für lange Zeit sind ganz einfach die Bindungspersonen selbst.

Wir können uns mehr sparen als wir denken

Ihr seht: Ein Baby muss nicht teuer sein. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Kinder nur in verwaschenen, ausgeblichenen Secondhandsachen durch die Gegend tragen müssen in gebrauchten Stoffwindeln und mit einem Schneebesen in der Hand. Aber wenn wir wieder einmal denken, dass Kinder teuer sind, können wir etwas länger darüber nachdenken und uns daran erinnern, dass wir selbst es vielleicht ab und zu teuer wollen, dass wir uns gerne Luxus für uns oder unsere Kinder gönnen wollen. Aber wir müssen es nicht, denn es geht auch viel preiswerter. Und wisst Ihr was? Wenn wir diese Sachen, die kostengünstiger sind, nutzen, dann geben wir unseren Kindern auch automatisch viele andere guten Dinge mit auf dem Weg: Wer stillen kann und es tut, spart  nicht nur, sondern gibt dem Kind durch Muttermilch einen gesunden Start. Wer das Baby im Familienbett schlafen lässt und im Tuch oder einer Tragehilfe trägt, spart nicht nur Geld, sondern fördert die Bindungsbeziehung. Da haben wir es nämlich wieder: Manchmal ist weniger einfach mehr.

 

Kostenersparnis aus dem Text im Überblick:

kein Kinderwagen, aber Tuch = ca. 900 Euro

kein Kinderbett, kein Beistellbett, aber Familienbett = ca. 150 Euro

kein Fläschchen und keine künstl. Säuglingsnahrung, aber Stillen = ca. 800 Euro

keine Wegwerfwindeln, sondern Stoffwindeln = ca. 675 Euro

 

Habt Ihr noch andere Tipps. worauf man gut verzichten kann im ersten Jahr oder auch danach? 

 

 

 

Guten Abend, gute Nacht – Über das Zubettgehen

Schlafen

Wenn über das Schlafen gesprochen wird, kommt irgendwann auch das Thema Einschlafrituale auf den Tisch. Denn eines ist klar: Kinder lieben Rituale und gerade auch beim Einschlafen können sie eine schöne Hilfe sein. Warum? Weil sie Struktur geben. Weil sie dem Kind klar machen: Es ist ein immer gleicher Ablauf und Du weißt, was als nächstes passiert. Doch nicht nur für Kinder sind sie eine gute Unterstützung, auch Eltern helfen die kleinen Rituale am Abend, um sich an immer gleichen Handlungen zu orientieren. Gerade am Anfang des Elterndaseins ist es hilfreich, sich mit Ritualen den Tag zu strukturieren. Im Laufe der Jahre hatten wir verschiedene Einschlafrituale, denn je nach dem Alter des Kindes und dem Bedarf bzw. auch der Familienzusammensetzung haben sich die Rituale verändert. Heute gebe ich Euch einen kleinen Einblick in unsere Einschlafrituale der letzten 5 Jahre.

Gute Nacht, mein Baby!

Als unsere Tochter geboren war, war das Elternsein erst einmal neu für uns und ich fand es gut, mir mit Ritualen den Tag zu strukturieren. Schließlich war ich vorher noch nie einfach so zu Hause für lange Zeit ohne gerade zu arbeiten oder zu studieren. Was für den Tag galt, galt auch für den Abend: Ein Ablauf sollte her, der die Abendplanung unterstützen sollte. Wir entschieden uns, unsere Tochter abends mit einer entspannenden Massage zu beruhigen. Massiert wurde auf dem Wickeltisch im Bad, mal von Mama, mal von Papa. Es gibt spezielle beruhigende Massagegriffe. Grob gesagt sind es besonders alle Massagebewegungen, die vom Körper weg gehen, die entspannen, lösen und beruhigen. Also strichen wir Abend für Abend ihren Körper aus, was sie sehr genoss. Zusammen mit der Massage war auch die restliche Körperpflege verbunden: Sie bekam eine frische Windel und ab dem 4. Monat, als ihre ersten beiden Zähne erschienen, wurden die Zähne geputzt. Dann legte ich mich mit ihr auf der Brust auf das Sofa, stillte sie bis sie einschlief und las dann noch etwas, wenn ich nicht selbst dabei einschlummerte. Irgendwann, wenn mein Mann dann schlafen ging, weckte er mich und brachte uns ins Bett.

Als sie größer wurde, massierten wir sie ab und zu im Bett. Papa sagte dann gute Nacht und ich stillte sie im Bett bis sie einschlief. Es gab und gibt bei uns keine festen Zubettgehzeiten. Wir essen immer in etwa zur gleichen Zeit zu Abend, manchmal früher, manchmal später und daran schließt sich das Zubettgehen mit der Abendpflege an. Wenn wir merken, dass die Kinder besonders müde sind, beeilene wir uns mit dem Abendessen oder machen nur ein kleines Essen.

Gute Nacht, mein Kleinkind!

Als die Tochter größer wurde, blieb das Zubettgehen zunächst wie gehabt. Ich stillte sie bis zu ihrem 2. Geburtstag zum Einschlafen. Vorher schauten wir uns oft noch ein Bilderbuch gemeinsam an. Das Abstillen am Abend war eine große Änderung in unserem Abendablauf und zunächst brachte es viel durcheinander. Das Stillen wurde durch das Kuscheln ersetzt. Nach dem Abendessen ging es ins Bad, Zahnseide wurde benutzt, die Tochter durfte selbst putzen und wir putzten noch einmal die Zähne nach. Danach wurde im Bett ein Buch vorgelesen, meist ein kleines Pixi-Buch aus ihrer Sammlung. Bevor wir zu den großen Vorlesebüchern übergingen, durfte sie auch zwei Geschichten auswählen. Ich blieb bei ihr, bis sie eingeschlafen war. Dann genoss ich den Abend mit meinem Mann oder arbeitete noch etwas, bevor ich mich wieder ins Familienbett zu ihr legte.

Gute Nacht, große Schwester und kleiner Bruder!

Als dann der Sohn geboren wurde, war die Tochter 3,5 Jahre alt. Wie sollte ich sie weiter ins Bett bringen, wo doch jetzt das Baby da war? Wie macht man das mit dem Familienbett? Sind wie am Ende des Familienbetts angekommen? Diese Fragen stellten wir uns, und dann ging es doch einfacher, als wir dachten. Nach dem Abendessen wurden beide Kinder bettfertig gemacht. Die Tochter wie gewohnt mit Zahnseide und Zähneputzen, der Sohn bekam eine frische Windel. Da es keinen Raum für die Abendmassage beim Sohn gab, wurde er einfach morgens oder tagsüber massiert. Eine Weile aber forderte die Tochter mehr Massageeinheiten am Abend ein und ich massierte sie im Bett nach dem Zähneputzen. Wir gingen alle zusammen ins Bett: Mutter, Vater und zwei Kinder. So tun wir es auch heute noch. Der Mann liest ein Kapitel aus einem Vorlesebuch vor. Die Tochter lauscht, der Sohn hört etwas zu oder spielt ein wenig vor sich hin oder wird gestillt oder schaut parallel ein Bilderbuch an. Im Anschluss an das Vorlesen kann die Tochter sich aussuchen, ob sie noch ein Hörspiel auf ihrer Hochebene im Spielzimmer hören möchte bei Sternenlicht oder sie im Wohnzimmer auf dem Sofa liegen möchte, wo ihr Papa ihr noch ein Lied vorsingt. In der Zwischenzeit stille ich den Sohn im Familienbett, wo er auch schon bald einschläft. Die Tochter schläft dann auf der Hochebene oder auf dem Sofa meistens ein und wird dann wieder ins Bett zurück getragen.

So also laufen die Abende im Hause Mierau ab. Wichtig ist mir immer wieder, dass es zwar gleichbleibende Abläufe gibt, aber keine starren Regeln. Es muss nie etwas zu exakt einer bestimmten Uhrzeit passieren. Wir orientieren uns immer an den Kindern. Sind sie müde, wird alles etwas vor verlegt. Sind sie noch nicht müde, dürfen sie länger spielen und wir dehnen den Ablauf aus. So ersparen wir uns immer wieder Frust am Abend. Denn kaum etwas ist schlimmer, als Kinder, die nicht schlafen wollen und Eltern, die davon genervt sind. Ich kann deswegen nur allen Eltern raten: Schaut auf Eure Kinder und geht es ganz locker an. Wer müde ist, der wird auch schlafen – und das gilt auch für müde Eltern.

Und wie sind Eure Einschlafrituale?

Gastbeitrag von Nora Imlau: Was ich von Annette Kast-Zahn übers Ferbern gelernt habe

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Nachdem ich meinen kritischen Blogbeitrag zum Interview mit Frau Kast-Zahn veröffentlicht habe, hatte ich einen Austausch mit Nora Imlau über dieses Thema. Generell finde ich Nora Imlaus Artikel toll und immer sehr geborgenheitsorientiert. Nur die Form in der Zeitschrift fand ich unpassend. Jedenfalls habe ich Nora Imlau angeboten, Ihre Sicht noch einmal klar darzulegen auf meinem Blog. Heute hat sie mir daher angeboten, ihren neuen Artikel hier direkt als Gastbeitrag einzubinden. Vielen Dank an Nora Imlau für dieses Statement:

Was ich von Annette Kast-Zahn übers Ferbern gelernt habe

Ich bin seit sieben Jahren Mutter. Und seit sieben Jahren Journalistin und Autorin, die sich für einen liebevollen, bedürfnisorientierten Umgang mit Kindern stark macht. Dazu gehört, dass ich mich dafür ausspreche, feinfühlig auf die Signale unserer Babys zu reagieren und ihnen die Nähe zu geben, die sie brauchen: Beim Stillen oder beim liebevollen Füttern mit der Flasche. Beim Tragen, beim Kuscheln, beim Wiegen, und beim Einschlafen sowieso. Ich beziehe Position gegen das furchtbare Bild vom Kind als kleinen Haustyrannen, das durch Konsequenz und Strenge auf den rechten Weg gemacht werden muss, und ermutige Eltern, die Angst vor dem Verwöhnen einfach über Bord zu werfen und darauf zu vertrauen, dass ihr Kind gerade dann groß und stark und selbstständig wird, wenn es auch klein und schwach und schutzbedürftig sein darf.

Menschenkinder, davon bin ich überzeugt, kommen mit der inneren Erwartung zur Welt, geborgen und geliebt groß werden zu dürfen. Tun sie das, kommt alles andere von ganz allein: Das Abnabeln, das Großwerden, das Hinausziehen in die Welt in dem tiefen Vertrauen, dass es da einen sicheren Hafen gibt, in den sie immer zurückkehren können.

In den sieben Jahren, die ich nun Mutter und Journalistin bin, habe ich mich immer wieder intensiv mit so genannten Schlaflernprogrammen auseinander gesetzt. Mein Mutterherz hat sie schon immer abgelehnt. Ich fand die Vorstellung einfach widerwärtig, ein kleines Baby, das nach Nähe ruft, zu ignorieren und ihm die Geborgenheit, die es zum Einschlafen braucht, zu verwehren. Wenn eine Schlafsituation so verfahren ist, dass sich etwas ändern muss, so denke ich, gibt es mindestens in 99,99 Prozent der Fälle eine andere, liebevollere, sanftere Lösung, sie so zu verändern, dass sie für alle Familienmitglieder wieder tragbar ist. Als Autorin und Journalistin war es mir ein Anliegen, diese intuitive innere Abwehr gegen Schlaflernprogramme auf fundierte, sachliche Füße zu stellen. Und so führte ich in den vergangenen Jahren viele Interviews mit Experten, die mir erklärten, warum sie gegen Schlaflernprogramme sind. Auszüge aus diesen Interviews sind – gemeinsam mit Statements anderer Experten – heute in der Broschüre von Sibylle Lüpold mit dem schönen Titel „Kinder brauchen uns auch nachts“ versammelt.

Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Interview zum Thema, mit Prof. Jürgen Zulley, einem so renommierten Experten in Sachen Schlaf, dass er in den Medien gern „der deutsche Schlaf-Papst“ genannt wird. Vor dem Gespräch wusste ich nicht, wie er zu Schlaflernprogrammen steht, und so schlug mir bei der Frage danach das Herz bis zum Hals. Und dann sagte Zulley: „Viele Babys und Kleinkinder können nicht alleine einschlafen, sie brauchen dazu die Nähe der Eltern – ich halte es für falsch, ihnen dieses gesunde Bedürfnis abtrainieren zu wollen.“ Ich jubilierte – endlich hatte ich einen Kronzeugen für meine Überzeugung. In den folgenden Jahren interviewte ich Prof. Gerald Hüther, der mir erklärte, warum Kinder unter Stress nichts lernen können, und schlafen schon gar nicht, sowie den wunderbaren Kinderarzt und Buchautor Dr. Herbert Renz-Polster, der mir darlegte, dass kleine Kinder noch heute nach denselben Schutzbedingungen streben, wie sie für Babys vor vielen tausend Jahren wichtig waren. Alleine einzuschlafen war zu dieser Zeit nichts anderes als lebensgefährlich – kein Wunder, dass sich noch heute die meisten Babys mit aller Macht dagegen wehren.

Jahre gingen ins Land, ich schrieb viele Artikel zum Thema Schlafen und außerdem zwei Bücher, in denen ich auf die vielen Vorteile des Familienbetts verweise, für liebevolles Einschlafbegleiten plädiere und Schlaflernprogramme scharf verurteile. Auch in der Zeitschrift ELTERN, für die ich als freie Redakteurin arbeite, war nun immer häufiger von sanften Schlaflösungen die Rede, die die Bedürfnisse aller Familienmitglieder berücksichtigen. Familienbetten und Beistellbettchen kamen ganz selbstverständlich in jeder Schlaf-Geschichte vor, es wurde auf das angeborene Bedürfnis nach Nähe verwiesen und vom Schreienlassen abgeraten. Vieles war in Bewegung gekommen, nur eins war noch nicht passiert: Ich hatte noch nie das direkte Gespräch mit der Frau gesucht, deren Namen mit dem Thema Schlaflernprogramme im deutschsprachigen Raum untrennbar verbunden ist: Annette Kast-Zahn, Diplompsychologin und Autorin von „Jedes Kind kann schlafen lernen“.

Als dann auch noch eine Petition gegen die Neuauflage ihres Schlaflernbuchs durchs Internet rauschte und binnen kürzester Zeit über 5000 Unterschriften gegen die Veröffentlichung des Werks zusammen kamen, befanden wir von der ELTERN, nun sei es wirklich mal Zeit für ein persönliches, kritisches Interview mit der Autorin des umstrittenen Schlaflernbuchs. Und ich sollte es führen. Ich war sehr aufgeregt im Vorfeld, und bereitete mich akribisch vor. Ich hatte alles dabei: Herbert Renz-Polsters „Kinder verstehen“ und Margot Sunderlands „Die neue Elternschule“, in der die Leiterin des Centre for Child Mental Health, London, eindringlich vor Schlaflernprogrammen warnt und erklärt welche dramatischen Auswirkungen diese auf die noch unreifen Gehirnstrukturen kleiner Kinder haben können. Zitate von Schlafforschern, Hirnforschern, Psychologen und Psychiatern, die sich gegen Schlaftrainings aussprechen.

Und dann unterhielten wir uns, Frau Kast-Zahn und ich, in ihrer liebevoll eingerichteten Praxis bei Tee und Keksen, und ich merkte: Über Schlaflernprogramme zu diskutieren ist noch viel schwieriger, als ich mir das je erträumt hätte. Denn natürlich hatte auch Frau Kast-Zahn sich vorbereitet und hatte Studien dabei, die genau das Gegenteil von meiner Überzeugung belegen sollten: Dass Schlaflernprogramme ein adäquates Mittel seien im Umgang mit Kindern, die auch im Alter von einem halben Jahr noch nicht alleine ein- und durchschlafen. Und seit sie und ich unsere Argumente ausgetauscht haben, denke ich tatsächlich etwas anders über Schlaflernprogramme als vorher.

Denn: Wer die Argumente von Frau Kast-Zahn und anderen Schlaflernprogramm-Befürwortern einfach wegwischt mit der Begründung, dass diese doch schon längst wissenschaftlich widerlegt seien, macht es sich zu leicht. Denn auch wenn es Schlaflernprogramm-Kritikern wie mir und vielen meiner Leserinnen und Leser nicht gefallen mag, in diesem Punkt hatte Frau Kast-Zahn schlicht recht: Es keine einzige Studie gibt, die nachteilige Langzeitwirkungen von Schlaflernprogrammen auf die kindliche Psyche oder die Eltern-Kind-Bindung nachweisen würden. Ich schwöre: Ich habe mir die Finger wund gesucht danach. Es gibt sie nicht. Es gibt keinen Beweis, dass Schlaflernprogramme schaden. Auch wenn man im Internet immer wieder Gegenteiliges liest.

Was es gibt, das sind Wissenschaftler, die aus guten Gründen davon abraten. Pädagogen, Psychologen, Kinderärzte, Hirnforscher, Bindungsforscher, die aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit heraus ableiten, dass Schlaflernprogramme nicht kindgerecht und potentiell schädlich sind. Sie sind wertvolle Kronzeugen, keine Frage. Aber: Auch die Aussage eines Professor Zulley oder eines Dr. Herbert Renz-Polster sind kein wissenschaftlicher Beleg.

Denn, so traurig das auch sein mag: Es wäre ein Leichtes für Schlafprogramm-Befürworter, eine ähnliche Broschüre wie Sibylle Lüpolds „Kinder brauchen uns auch nachts“, nur andersrum herauszubringen. 20 Statements von Kinderärzten, Hebammen, Psychologen und Schlafforschern, die sich für Schlaflerntrainings aussprechen? Kein Problem, wenn ich wollte, hätte ich die binnen einer Woche zusammen. Und alleine diese Tatsache zeigt: Es ist gut und wertvoll und wichtig, dass es solche Broschüren gibt. Aber ein Beweis für die Schädlichkeit von Schlaflernprogrammen sind sie nicht.

Viele meiner Leserinnen und Leser haben in den vergangenen Tagen nach dem Erscheinen des Interview in der ELTERN nun argumentiert, dass die Forderung von Frau Kast-Zahn nach Studien, die die Schädlichkeit von Schlaflernprogrammen belegen, völlig widersinning sei – weil schließlich keine Ethikkommission der Welt eine Studie zulassen würde, in der fünftausend Babys schreien gelassen werden und fünftausend nicht, und am Ende guckt man, ob die fünftausend geferberten Babys Schäden davon getragen haben oder nicht. Doch auch wenn es sicher richtig ist, dass solche Studien zum Glück nicht durchgeführt werden dürfen, gibt es sehr wohl wissenschaftliche und auch in anerkannten Fachmagazinen veröffentlichte Studien, die sich mit den Auswirkungen des Ferberns beschäftigen. Denn auch wenn man keine Babys extra für eine Studie schreien lässt, ist es ja nicht so schwierig, im Nachhinein eine geeignet große Gruppe von Kindern zu finden, die als Babys geferbert wurden – und diese mit einer Gruppe von Kindern zu vergleichen, die nicht geferbert worden sind. Genau das ist in einer US-amerikanischen Studie von Prica, Wake et al passiert, und das Ergebnis war, dass schlaftrainierte Kinder sich weder in ihrem Bindungs- noch in ihrem Sozialverhalten von nicht schlaftrainierten Kindern unterscheiden. Ja, es gibt sogar eine Studie, die einen positiven Effekt von Schlaftrainings auf die Mutter-Kind-Interaktion nachgewiesen hat.

Natürlich könnten wir uns jetzt hinstellen und sagen: Das glaube ich nicht. Und damit genau das tun, was viele Schlaftrainings-Kritiker den Befürwortern vorwerfen: Wissenschaftliche Erkenntnisse einfach zu ignorieren und stur weiter die eigene Überzeugung zu vertreten. Aus meiner Sicht ist das kein zielführender Weg. Stattdessen habe ich, als Mutter und Journalistin, im Gespräch mit Frau Kast-Zahn vor allem eins gelernt: Es gibt Themen, da führen uns wissenschaftliche Argumente nicht weiter. Weil es eigentlich um eine ethische Frage geht, und die lautet: Kann es okay sein, ein hilfloses, von mir zu 100 Prozent abhängiges Wesen weinen zu lassen, wenn ich ihm ganz leicht helfen könnte?

Klar werden Schlaftraining-Fans auch diese Beschreibung anzweifeln und argumentieren, das Kleine sei doch gar nicht wirklich allein, und auch nicht wirklich verzweifelt. Aber wie sich ein Baby fühlt, das alleine in seinem Bettchen liegt, das kann keine Studie der Welt herausfinden. Zum Glück, könnte man sogar sagen, denn so kann niemand auch nur versuchen, zu widerlegen, was für tausende Mütter und Väter auf der Welt schlicht unverhandelbar ist: Dass aus dem Schreien eines Babys, das alleine in seinem Bettchen liegt, die Angst und Verzweiflung der ganzen Welt zum Ausdruck zu kommen scheint. So durchdringend, so tiefgehend, so existenziell hilfesuchend klingt dieses Schreien. Jeder, der ein Herz im Leib hat, spürt angesichts dieses Weinens den Impuls, das Kleine da sofort raus und auf den Arm zu nehmen. Und unzählige Eltern, die sich bereits an so genannten Schlaftrainings versucht haben, werden bestätigen, dass es sie innerlich beinahe zerrissen hat bei dem Versuch, diesem Impuls nicht nachzugeben, sondern ihr Baby für eine bestimmte Minutenzahl alleine weinen zu lassen.

Was ich aus meinem Gespräch mit Frau Kast-Zahn also vor allem gelernt habe, ist das hier: Schlaflernprogramm-Befürworter sind von der Richtigkeit ihrer Argumente genauso überzeugt wie Schlaflernprogramm-Kritiker. Auf der Ebene von Studien lässt sich die Frage, was nun in Sachen Schlaflernprogramme richtig und was falsch ist, deshalb nicht wirklich beantworten – all der prominenten Schlafprogramm-Gegner und ihrer guten Argumente zum Trotz. Anstatt Müttern und Vätern, die mit einem Schlaflernprogramm liebäugeln, also die schrecklichen Folgeschäden entgegen zu schmettern, von denen wir im Internet gelesen haben, sagen wir ihnen also doch lieber den wahren Grund, warum Schlaflernprogramme für uns nie in Frage kämen:

Weil sie suggerieren, es wäre eine gute Sache, nicht auf die Signale unseres Babys zu reagieren. Weil sie uns dazu zwingen, unser Kind, das sich zu 100 Prozent auf uns verlässt, in einer Stresssituation immer wieder alleine zu lassen. Weil Eltern während eines Schlaflernprogramms sehen, wie schlecht es ihrem Kind gerade geht – und kein Mitleid zulassen dürfen, um nicht den Erfolg des Programms zu gefährden. Kurz: Selbst wenn tausend Studien die Unbedenklichkeit von Schlaflernprogrammen belegen würden, es bliebe trotzdem ganz großer Mist, sie anzuwenden – außer in jenen wirklich seltenen Situationen, in denen Eltern kurz davor stehen, ihre Kinder an die Wand zu klatschen von lauter Wut und Frust über die eigene Schlafsituation.

In solchen Momenten gilt das „Pest oder Cholera?“-Prinzip: Wo es keine gute Lösung mehr gibt, weil die Situation schon so verfahren ist, kann auch eine ganz und gar nicht gute Lösung noch die bestmögliche Lösung sein.

Vor allem aber können alle, die Schlaflernprogrammen kritisch gegenüberstehen, sich seit der Veröffentlichung meines Interviews mit Frau Kast-Zahn freuen, dass sie mit dieser Haltung nicht alleine sind, sondern dass sich auch die Redaktion der größten deutschsprachigen Elternzeitschrift klar gegen Schlaflernprogramme positioniert. Denn der wichtigste Satz dieses Interviews ist aus meiner ganz persönlichen Sicht dieser hier:

„Wir von der ELTERN-Redaktion haben unsere Meinung zu Schlaflernprogrammen in den vergangenen Jahren geändert: Wir haben sie früher durchaus als Rettungsanker für übermüdete Eltern empfohlen, heute raten wir, einen Kompromiss zwischen den Schlafbedürfnissen aller Familienmitglieder zu finden – ohne dem Baby den Stress eines Schlaflernprogramms zuzumuten.“

„In den Schlaf gewiegt zu werden ist Gewohnheit“ – Gedanken zum Interview mit Annette Kast-Zahn

Schlaf

Als ich die aktuelle Ausgabe der ELTERN-Zeitschrift aufblättere, trifft es mich wie ein Schlag: Ein Interview mit Annette Kast-Zahn, Mit-Autorin des umstrittenen Buches „Jedes Kind kann schlafen lernen“. Erst kürzlich ging durch alle Socialmediakanäle der Aufruf, eine Petition zum „Verbot“ des Buches zu unterzeichnen. Gerade erst gab es eine Neuauflage dieses Buches im GU Verlag. Die Petition, die von etwa 5000 Menschen unterzeichnet wurde, hatte nichts bewirkt. Und nun bietet die ELTERN-Zeitschrift der Autorin eine Plattform, um die Neuauflage zu bewerben.

Frau Kast-Zahn bezieht Stellung zu ihren Ansätzen und dem Protest. Etwas ungehalten wirkt sie schon in dem Interview, es ist keine angenehme Ausdrucksform, die sie gewählt hat, um von ihrem Projekt zu sprechen. Was sie aber auf jeden Fall ist: Überzeugt von sich und ihrer Theorie, das „kontrollierte“ Schreienlassen wäre ein legitimes Mittel, um Kindern das Schlafen beizubringen. Auf die Frage nach der Petition und möglichen Folgen kann sie behaupten:

Nähme ein Verlag mein Buch aus dem Programm, ginge ich mit meinem Manuskript eben zum nächsten.

Recht hat sie damit wahrscheinlich, denn nur weil ein Verlag ein Buch heraus bringt, bedeutet das nicht, dass dessen Inhalt auch gut und richtig ist. Es ist ein Millionengeschäft – und das gerade, wenn es um ein so heikles Thema geht wie die Ängste und Sorgen von Eltern. Dass sie von ihrer Arbeit aber auch überzeugt ist, führt sie weiter damit aus, dass sie in all den Jahren noch nie einen negativen Leserbrief bekommen hätte:

Erstaunlicherweise habe ich – im Gegensatz zu Ihnen – in den vergangenen 18 Jahren nicht einen einzigen solchen Brief bekommen.

Das finde ich persönlich in der Tat erstaunlich. Denn auch ich kenne aus meiner Arbeit viele Eltern, die zu mir kamen mit Schlafproblemen ihrer Kinder und berichteten, dass sie das Schlafprogramm ausprobiert und abgebrochen haben, weil sie es nicht aushielten. Wenn es also solche Eltern weiterhin gibt, können Sie sich hier direkt an Frau Kast-Zahn wenden. Vielleicht gibt sie ja dann im nächsten Interview an, dass es doch den ein oder anderen negativen Brief gegeben hätte – oder sie verschließt weiterhin die Augen vor diesem Umstand. Das übrigens tut sie gerne, wenn es um Belege dafür geht, dass das Schreienlassen negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung hat. Hinweise darauf kommentiert sie nämlich folgendermaßen:

Da möchte ich nun aber gerne eine Studie sehen, die das belegt. das ist doch nichts anderes als eine Behauptung, eine persönliche Meinung, eine Überzeugung! Seit Jahren bitte ich die Kritiker meines Buches, mir doch einmal wissenschaftliche Quellen für ihre Unterstellungen zukommen zu lassen.

Andere Fachleute scheint Frau Kast-Zahn nämlich abzustreiten bzw. hält sie sich im Kompetenzgerangel wohl für weit überlegen, wenn sie andere Ansichten abtut mit:

Aufsätze aus der Bindungstheorie oder ein Interview mit einer Stillberaterin, die für Co-Sleeping plädiert.

An dieser Stelle möchte ich gerne sagen: Liebe Frau Kast-Zahn, ich selber bin Diplom-Pädagogin mit diversen Zusatzausbildungen. Möchten Sie mir die Kompetenz, mich zu diesem Thema zu äußern, auch absprechen? Sind alle Menschen, die ihre Kinder nicht wie Sie selbst hinter einer Tür schreien lassen (denn Frau Kast-Zahn hat ihr Schlafprogramm natürlich bei ihrer Tochter selbst ausprobiert), nicht qualifiziert sich dazu zu äußern? Und denken Sie tatsächlich, dass Ihre Qualifikation höher zu betrachten ist als beispielsweise die eines Dr. Karl Heinz Brisch, Autor zahlreicher Bücher über Bindung und Bindungsstörungen, der zu eben solchen Schlafprogrammen sagt (2010, S.99):

Wenn das Baby weint, fühlt es sich hilflos und alleine. Wenn niemand kommt, ist der Stress sehr groß, aus dem es sich allein nicht befreien kann. Es macht hierbei die Erfahrung, dass es sich in Situationen von Angst und Alleinsein nicht darauf verlassen kann, dass seine Bindungspersonen ihm Schutz und Sicherheit geben. Diese emotionale Erfahrung verinnerlicht es schon sehr früh und für den Rest seines Lebens, so dass es sich eventuell auch später in angstvollen Situationen keine Hilfe mehr holen wird. Man stelle sich einmal vor, dass man als erwachsener Patient im Krankenhaus läge, in der Nacht große Schmerzen hätte und nach der Krankenschwester klingelte, aber niemand käme. Um wieviel verlorener muss sich ein Baby in der Nacht fühlen?

An dieser Stelle möchte ich nicht noch einmal auf die Auswirkungen des Schreienlassens auf das Kind eingehen, denn das habe ich an anderer Stelle ausführlich getan. Zur besseren Verdeutlichung des Zitats von Karl Heinz Brisch möchte ich jedoch noch auf dieses Video von Nestling verweisen:

 

Ich hoffe, dass Frau Kast-Zahn mit ihrer Meinung „Ich bin überzeugt, dass es weinenden Babys nicht schadet, kurz allein zu sein“ mehr und mehr allein dasteht und Eltern verstehen, dass Schreienlassen keine gute Idee ist, um Kindern Selbständigkeit anzuerziehen. Und dass sich zudem das Verständnis dafür durchsetzt, dass das nächtliche Aufwachen des Babys normal ist und  Frau Kast-Zahns Aussage „Wenn ein Baby auch im zweiten Lebenshalbjahr noch mindestens zweimal pro nacht wach wird und irgendwas von den Eltern braucht, hat es nach Definition der Schlafforschung eine Schlafstörung.“ bald der Vergangenheit angehört.

Nachtrag vom 17.01.2014 11:19 Uhr:
Ich habe nun von verschiedenen Stellen noch einmal den Hinweis bekommen, dass in dem Artikel auch folgendes Statement der ELTERN zu finden ist:

Wir von der ELTERN-Redaktion haben unsere Meinung zu Schlaflernprogrammen in den vergangenen Jahren geändert: Wir haben sie früher durchaus als Rettungsanker für übermüdete Eltern empfohlen, heute raten wir, einen Kompromiss zwischen Schlafbedürfnissen aller Familienmitglieder zu finden – ohne dem Babys den Stress eines Schlaflernprogramms zuzumuten.

Ja, das ist richtig. Doch dieser Artikel hier beschäftigt sich mit einer kritischen Auseinandersetzung mit den Antworten von Frau Kast-Zahn. Zudem ist trotz dieser Anmerkung nicht klar, warum überhaupt Frau Kast-Zahn einen solchen Raum für ihre Ausführungen erhält. Wäre nicht ein kritischer Artikel dazu sinnvoller gewesen? Oder ein Interview zusätzlich mit einem Autor wie dem oben genannten Karl Heinz Brisch, der die Angaben von Frau Kast-Zahn relativieren bzw. sogar umwerfen kann?

 

 

Wiegenlieder – sanft in den Schlaf begleiten

Wiegenlieder

Schlafen ist wohl eines der wichtigsten Themen für Eltern im ersten Lebensjahr. Nichts berührt so sehr, nichts ist so anstrengend wie fehlender Schlaf. Massen von Schlafratgebern gibt es auf dem Markt – viele davon schlecht und mehr oder weniger das Schreien lassen empfehlend. Doch oft sind es schon die Rahmenbedingungen, die das Schlafen erleichtern können. Rituale sind für Kinder und Eltern wunderbar, um den Abend und das Schlafen einzuleiten. Sie geben dem Tag einen Rahmen und schon kleine Babys und Kinder lernen durch Rituale Abläufe kennen und erfahren Strukturen. Wie ein Abendritual aussieht, kann sehr unterschiedlich sein: Für die einen ist es das abendliche Waschen und die Babymassage, für andere  ist es ein Rundgang durch die Wohnung, bei dem allen Dingen Gute Nacht gesagt wird. Oft sind Abendrituale für Babys und Kinder mit Gesang verbunden. Wiegenlieder sind es, die sanft in die Nacht begleiten.
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