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Weniger Stress im Familienalltag an Schlechtelaunetagen

Manche Tage sind einfach sehr anstrengend, wenn die Vorstellungen von Kindern und Erwachsenen auseinander gehen, gerade große Entwicklungssprünge anstehen oder sich die Geschwister nicht verstehen. Manche Tage sind so, dass man am Ende des Tages, wenn die Kinder im Bett liegen, tief durchatmen muss und froh ist, dass endlich Ruhe eingekehrt ist. Und an manchen Tagen sitze ich abends dort neben den Kindern, denke an den Tag und frage mich, warum es überhaupt so kommen musste. Denn an den meisten Tagen, die genau so laufen, habe ich die Warnsignale zuvor überhört und der Tag eskalierte vor sich hin von einem Chaos zum nächsten. Weiterlesen

Yoga für Familien – Tipps von Yoga-Lehrerin Stephanie

Der Familienalltag ist nicht immer einfach, findet auch Stephanie Schönberger. Doch es reicht meist nicht, “nur” ein paar Yogabewegungen zu machen, um dem Stress zu entkommen. Für wirkliche Entspannung braucht es ein Umdenken – und genau das bietet das Yoga: “Die Idee, dass in uns, dass in jedem natürlichen Wesen Eigenschaften sind, die unsere Sichtweise beeinflussen, die unser Fühlen, Denken und Handeln maßgeblich bestimmen, kann helfen, unser eigenes emotionales Auf und Ab besser einzuordnen.” (Schönberger 2017, S. 132) Besonders im trubeligen Familienleben kann Yoga eine Unterstützung sein, findet Stephanie. Mir hat die Autorin von “Das Karma, meine Familie und ich” einige Fragen zum Thema Yoga und Familie beantwortet:

1. Stephanie, Du praktizierst Yoga, unterrichtest und hast auch ein Buch darüber geschrieben. Wie bist Du zum Yoga gekommen?

Während meiner ersten Schwangerschaft vor elf Jahren. Bis dahin hatte ich mit Yoga relativ wenig am Hut. Tatsächlich fand ich es sogar suspekt. Ich arbeitete damals als Ressortleiterin bei einer großen Frauenzeitschrift und viele meiner Kolleginnen begannen zu der Zeit mit Yoga. Wirkten deshalb aber nicht signifikant entspannter. Ich verstand den ganzen Hype darum nicht wirklich. Dann wurde ich also schwanger und mein Leben in der Redaktion gefühlt deutlich unlustiger, denn schwangere Frauen und Mütter waren als Inventar nicht vorgesehen. Zumindest empfand ich das so, auch, als man mir zu verstehen gab, dass ich nach der Geburt nicht mit einer Halbtagsstelle rechnen könne. Ich war unglücklich und hatte plötzlich Angst vor der Zukunft. Eine Kollegin überredete mich dann zu einem Yoga-Kurs für Schwangere. Das war, wenn man so will, die Initialzündung. Denn das, was ich dort mit simplen Übungen in meiner ersten Stunde erlebte, war eine ganz große innere Heiterkeit und Gelassenheit, die lange anhielt. Das Feuer oder die Begeisterung für Yoga ist seitdem nie wieder erloschen. Diese erste Yoga-Stunde hat mein Leben tatsächlich komplett verändert, denn ohne sie würde ich heute wahrscheinlich nicht hauptberuflich als Yoga-Lehrerin arbeiten. Und hätte mir das damals jemand prophezeit, ich hätte ihn ausgelacht.

2. Was nimmst Du aus dem Yoga für den Alltag mit, was hat sich dadurch besonders verändert?
Mein Denken und ich hoffe auch mein Handeln haben sich durch Yoga verändert. Was weniger an den Körperübungen, den Asanas, liegt als an der Yoga-Philosophie, die ich als absolut befreiend und frei machend erlebe und erfahre. Sie sagt, ganz salopp: „Du musst Deinen inneren Frieden finden, dann kannst Du andere in Ruhe lassen.“ Womit dem Frieden in der Familie und der Welt schon mal sehr geholfen wäre. Der Yoga zeigt uns auch, wie wir diesen inneren Frieden finden können, übrigens, ohne, dass wir uns dabei auf den Kopf stellen oder sonst irgendwie verrenken müssen. Es geht darum, seinen Blickwinkel zu verändern, zu erkennen, was uns wirklich handeln lässt, nämlich unsere Sehnsucht nach einem guten Gefühl. Es geht auch darum zu bemerken, wie stark wir durch unsere Erziehung, unsere Erfahrungen, unser soziales und kulturelles Umfeld im Denken und Handeln geprägt sind. Was ja nicht schlimm sein muss, aber oft doch zu sehr festgefahrenen Strukturen führt. Bei Sätzen wie zum Beispiel „Das hat man schon immer so gemacht“ sollten wir uns erlauben, genauer hinzufühlen, ob das für mich noch stimmt.

Yoga ist eine der ältesten Psychoanalysen der Welt und die Yogis erklären uns, warum wir ticken, wie wir ticken und warum wir manchmal austicken. Und sie geben uns Mittel und Methoden in die Hand, wie wir das Austicken vermeiden können. Yoga ist Selbststudium und sagt du musst dich verändern, wenn Du ein entspannteres Leben führen möchtest. Denn an deinem Stress, deiner Unzufriedenheit sind nicht deine Kinder oder dein Partner Schuld, sondern deine festgefahrene Sichtweise auf dich und die Welt.

Insgesamt hat mich Yoga im Alltag nicht nur sehr viel entspannter gegenüber mir selbst sondern auch gegenüber anderen Menschen werden lassen. Wir bemühen uns schließlich alle.

3. Dein Buch ist ein Yoga-Buch für Familien. Warum kann gerade Yoga für Familien hilfreich sein?
Weil die Ideen der Yoga-Philosophie, um die es in dem Buch geht, so alltags- und familientauglich sind. Finde ich zumindest. Sie sagen, mach dir bewusst, dass wir alle wirklich nur das eine möchten, nämlich uns gut fühlen. Darum essen, darum trinken wir, darum arbeiten wir bis zum Umfallen, turnen auf der Yogamatte, geben Geld für Handtaschen, Schuhe, Smartphones oder was auch immer aus, darum zanken unsere Kinder um Bauklötzchen und anderes Spielzeug, darum kommen sie nachts in unser Bett, darum, schreien wir, so paradox das klingt, unsere Kinder oder unsere Lebenspartner an. Wir hoffen, und sind uns dessen oft gar nicht bewusst, dass es uns dann besser geht. Die Yogis sagen, wir greifen bei unserer Suche nach dem guten Gefühl leider oft zu den falschen Mitteln. Also habe Mitgefühl und Verständnis, für dich und das Verhalten der Menschen um dich herum. Verurteile sie nicht, denn sie wissen, wie übrigens du selbst auch, oft nicht, warum sie etwas tun. Versuche Gewalt in Gedanken, Worten und Taten zu vermeiden, bleib wahrhaftig, sei zufrieden mit dem, was du hast, beobachte dich und dein Verhalten und akzeptiere, dass du nicht alles unter Kontrolle hast, aber alles den Weg gehen wird, den es gehen soll.

Mir hilft das in anstrengenden Situationen, zum Beispiel morgens, wenn  alle irgendwie pünktlich aus dem Haus müssen und sich permanent im Weg stehen und alle zunehmend gereizter reagieren sehr. Dann sage ich mir, wir wollen uns alle nur gut fühlen, sind aber auf dem besten Weg, ins Gegenteil hineinzuschlittern, weil wir so unbewusst und reaktiv handeln. Das macht mich umgehend milder. Und dadurch auch ruhiger, was hilft, gelassener und mitfühlender auf den Trubel zu reagieren.

Und die Yoga-Philosophie hat mir auch geholfen, meine Sichtweise auf die Erziehung zu verändern. Meine Yoga-Lehrerin sagte einmal zu mir: „Deine Aufgabe als Mutter ist es, dafür zu sorgen, dass Du deinen Kindern den Raum und den Rahmen gibst, innerhalb dem sie ihr Potential entfalten und in die Welt bringen können.“ Diese yogische Idee finde ich eine sehr schöne. Sie sagt auch, erlaube Deinen Kindern ihr eigenes Leben zu leben, aber sorge dafür, dass sie tiefes Vertrauen haben in sich und in dich, dass sie heranwachsen zu Menschen, die sich und ihrer Mitwelt nicht absichtsvoll schaden, die ein friedliches Bewusstsein entwickeln und lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und sie auch ohne Angst auszudrücken dürfen. Und die Kinder und in der Natur sein dürfen, dem Ort, wo sie natürliche Erfahrungen machen. Ich erlebe meine Kinder als sehr entspannte kleine Menschen mit großem Herz – ohne, dass ich mit ihnen Yoga-Übungen mache. Mein Sohn  spielt lieber Fußball und meine Tochter voltigiert. Aber ich glaube tatsächlich, alle Kinder sind von Natur aus erstmal mitfühlend. Man sollte sie darin bestärken.

4. Kannst Dur mir ein konkretes Ritual nennen, das einfach im Alltag integriert werden kann und das Familien mehr Entspannung bringt?
Eines meiner Rituale ist, mir nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen zu überlegen, mit welcher inneren Haltung ich in Tag gehen will. Im Yoga nennt man das Bhavana, die innere Einstellung. Das hilft mir, mir eine Ausrichtung zu geben. Außerdem lohnt es sich, sich in der früh gleich mal anzulächeln, das hellt die Stimmung auf, denn Lächeln, selbst wenn es grundlos ist, entspannt. Haben Studien gezeigt.
Unser Ritual am Abend ist, dass jeder zwei Dinge sagen darf, die am heutigen Tag nicht so toll waren und dann drei Dinge sagen muss, die wirklich schön waren. Das macht alle entspannter  und lässt alle friedlicher einschlafen und besser träumen.

Sieh Dein Kind mit dem Herzen an

Da liegt dieser kleine Mensch in Deinen Armen, so warm und weich und klein und wunderbar. Nichts auf der Welt ist an diesem Kind, das verärgernd oder böse ist. Es ist so klein und rein und voller Vertrauen und Liebe. Wenn es größer wird, treten manchmal andere Dinge in den Vordergrund: Das Kind will etwas anderes als wir, es macht aus Versehen etwas kaputt oder schimpft oder wirft mit Sand oder beißt oder haut oder ist laut und schreit wenn es uns gerade nicht passt…

Es ist eben ein Kind mit seinen eigenen Bedürfnissen, seiner Entwicklung, seinen Herausforderungen. Und unser Blick bleibt so manches Mal nicht mehr an dem hängen, was wir in der Babyzeit gesehen haben, sondern an den Dingen, die sich davor schieben in unserem Alltag. Es fällt schwer, wertschätzend zu bleiben, wenn der Stress zu viel wird. Es gibt Zeiten, in denen sind die Dinge so groß und andauernd, dass wir kaum noch das sehen, was sich dahinter verbirgt. Der Alltag mit Kindern kann anstrengend sein und Wutanfälle, Streit, Alltäglichkeit und Anforderungen können unseren Blick behindern. Sorgen und Ängste können ihn verschleiern.

Doch hinter all diesen Problemen, hinter dem, was wir gerade jetzt eigentlich gar nicht wünschen oder wollen oder was uns anstrengt, ist noch immer dieses Kind, das wir als Baby betrachtet haben. Es ist genau so da wie es immer da war. Es ist genau das Kind, das wir lieben. Manchmal müssen wir die Hindernisse beiseite schieben, um wieder genau das sehen zu können. Oder wir schließen einen Augenblick die Augen und erinnern uns an diesen Moment, als wir diesen kleinen Menschen in den Armen hielten, die warme Haut spürten und den süßen Babyduft in uns aufnahmen. Genau dieser kleine Mensch steht noch immer dort und hat noch immer diesen liebevollen Blick von uns verdient. Unser Kind ist unser Kind, auch wenn sich die Welt gerade zu schnell dreht.

Wenn Du wieder einmal nicht mehr weiter weißt, wenn Du verärgert bist und Deine Sicht von Problemen verstellt ist, schließe die Augen und denke an diesen Moment. Denke an das Gefühl und übertrage es auf das Hier und Jetzt.

Deine

Mit 2 Jahren

Wenn man von den 2jährigen spricht, dann kommt schnell das Thema “Trotzalter” auf. Es wird davon berichtet, wie anstrengend Kinder in diesem Alter seien, wie große Konflikte es geben würde und wie schwer sich manchmal der Alltag gestalten ließe. Ich habe schon einmal darüber geschrieben, dass es meiner Meinung nach kein Trotzen gibt, sondern eher den Willen des Kindes, es einfach selbst zu tun. Kinder mit 2 Jahren wollen sich erproben, sie wollen die Welt begreifen mit allen Sinnen, wollen Dinge erfahren, Neues ausprobieren. Sie wollen sich ein Bild machen von dem, was sie umgibt und dazu müssen sie ihre Umgebung verstehen. Weiterlesen

Das letzte Mal – Achten auf die kleinen Dinge mit Kindern im Alltag

Als ich am Artikel über das Abstillen schrieb, floss aus mir der Satz “Es ist komisch, dass man bei manchen Dingen nicht weiß, wann es das letzte Mal ist.” Ein Satz meines Vaters, an den ich oft denke. Denn gerade in Hinblick auf unsere Kinder ist er so wahr, wachsen sie doch jeden Tag, lernen etwas Neues. Jeden Tag verändert sich ein klein wenig. Und immer wissen wir heute nicht, was morgen anders sein wird.

Dieses letzte Stillen ohne zu wissen, dass es das letzte Mal ist, ist eines dieser Dinge. Oder das Anlegen der letzten Windel. Das letzte Mal füttern. Aber sind auch so viele kleine Dinge im Alltag. Wann hat der Sohn zum letzten Mal den Body angehabt, den er nach der Geburt trug? Wann hat meine Tochter eigentlich das letzte Mal “Gummelstiefel” statt “Gummistiefel” gesagt? Wann hat mein Sohn zum letzten Mal Anschwunghilfe gebraucht beim Schaukeln? Wann stand ich das letzte Mal bang neben dem Klettergerüst, bereit zum Auffangen eines Kindes? Wann habe ich das letzte Mal mein großes Kind zur Schule gebracht? Und wann kommen die anderen letzten Male: Zum letzten Mal das Kind im Bett zudecken, zum letzten Mal Hand in Hand gehen?

An jedem Tag werden sie größer, jede Minute. Es sind viele kleine Abschiede für uns auf dem Weg des Elternseins und für sie auf dem Weg des Großwerdens. Oft sehen wir nur nach vorn, sehen auf das, was wir uns für die Zukunft wünschen, was sich ändern soll. Natürlich gibt es die Dinge und Momente, an denen wir denken: “Wann sind sie endlich groß genug, dass…” oder “Wann muss ich endlich nicht mehr…” Auch das gehört zum Elternsein dazu. Aber auf der anderen Seite gibt es eben auch die vielen kleinen Abschiede. Und manchmal – auch das weiß ich bereits – das Vermissen von Dingen, von denen man glaubte, sie nie zu vermissen.

Die Zeit fliegt in den ersten Jahren dahin. Es gibt viele erste Male und viele letzte. Genießen wir also die vielen kleinen Dinge. Sehen wir mit Nachsicht auf so manche nervige Angewohnheit und den Umstand, dass das Kind bestimmte Wörter noch immer nicht richtig ausspricht. Nehmen wir diese Dinge in unser Herz auf oder notieren wir sie in einem kleinen Buch der Erinnerungen. Betrachten wir diese Besonderheiten, von denen wir eines Tages feststellen, dass wir sie vermissen, weil sie uns zeigten, wie klein unsere Kinder noch waren und wir auf einmal feststellen, wie groß sie nun sind und wie schnell all die Zeit vergangen ist.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie “Geborgen Wachsen” ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  


Wenn meine Küche berichten würde…

Heute habe ich sicher den halben Tag in der Küche verbracht. Doch es geht nicht wirklich darum, was ICH in der Küche getan habe, sondern was WIR in der Küche tun, die ganze Familie. Was wir IMMER in der Küche tun, denn die Küche ist auf ihre Weise das Zentrum unseres Lebens. Wir frühstücken, essen zu Mittag, nehmen die Obstmahlzeit am Nachmittag ein, essen Abendbrot. Weiterlesen

An manchen Tagen fühle ich mich nicht als gute Mutter

An manchen Tagen, da möchte ich nichts mehr hören. Da wünsche ich mir, dass ich mit einer Fernbedienung einfach einmal die Lautstärke der Kinder zurück drehen könnte – so ziemlich gegen 0. Da möchte ich nicht zum zwanzigsten Mal hören, dass der Sohn aber morgens einen Löffel mehr Müsli bekommen hat als die Tochter und das ungerecht sei. Oder dass die Tochter ihrem Bruder immer wieder seinen Kinderakkuschrauber weg nimmt und er deswegen zehnmal hintereinander zu mir gerannt kommt. An solchen Tagen, da habe ich einfach die Nase voll.

An manchen Tagen, da zweifle ich an meiner Kompetenz. Da schlage ich den Kindern etwas vor und es geht schief. Das gekochte Essen brennt an oder schmeckt einfach nicht. Beim Brot habe ich die Hefe vergessen und es geht nicht auf. Ich bügle einen großen Flicken auf die kaputte Hose der Tochter und vergesse, das Plastikspielzeug darunter wegzulegen. An diesen Tagen, da bin ich auch nicht diplomatisch und meine Erziehungskompetenz ist nicht vorhanden. Statt liebevoll Alternativen anzubieten, ertappe ich mich bei “wenn… dann”-Sätzen. An solchen Tagen, da würde ich gerne ganz allein im Bett bleiben.

An manchen Tagen, da würde ich mich als Mutter nicht lieben. Da höre ich nicht gut zu, da bin ich ungeduldig. Ich habe keine Zeit und keine Laune dafür, dass wir 15 Minuten Zeit brauchen, um in den dritten Stock zu kommen, weil der Sohn unbedingt ganz langsam allein laufen möchte und die Tochter zwischendrin eine Pause braucht, weil angeblich ihr Fuß schmerzt. Da sage ich meinen Kindern, dass ich jetzt wirklich eine Lust mehr habe und einfach mal ein paar Minuten nichts hören möchte. Da denke ich mir, dass es meine Kinder bei jeder anderen Mutter der Welt besser hätten und ich ganz furchtbar bin. An solchen Tagen entschuldige ich mich bei meinen Kindern und kann doch nichts dran ändern.

Es gibt diese Tage. An solchen Tagen, wenn sie kommen, sitze ich am Abend am Bett neben meinen Kindern. Ich streichle über ihre Haare, nehme ihre kleinen Hände in meine. Manchmal huscht ein kleines Lächeln über ihre Mundwinkel im Schlaf. Oder sie greifen nach meiner Hand, ziehen sie näher zu sich heran und kuscheln sich an. Sie sind da, ganz nah. Ich spüre die Wärme ihrer kleinen Körper, ihre kleinen, unbeholfenen Hände. Und ich weiß, dass sie all das nicht tun, um mich zu ärgern. Sie sind, wie sie sind, weil sie einfach Kinder sind. Weil das Leben manchmal laut ist und manchmal leise. Weil sie manchmal an Grenzen stoßen und manchmal ins Weite rennen wollen. Und manchmal haben wir das Pech, dass ihre und meine Bewegungen nicht zusammen passen, dass es für mich leise sein soll und für sie laut. Tage, an denen wir nicht auf einer Wellenlänge sind, nicht harmonieren. Doch über Nacht gleichen sich unsere Muster wieder an. “Es tut mir leid”, flüstere ich in ihr Ohr. “Morgen wird es besser.” Und das wird es. Jeder Tag ist wieder ein neuer Anfang. Ein neuer Anfang, um es sich schön zu machen.

 

Als der Sohn Sternschnuppen blies

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Heute berichte ich einmal von einem ganz normalen Samstagsfrühstück. Oft werde ich gefragt, ob es bei uns immer so schön und harmonisch ist, wie es manchmal wirkt. Und oft sage ich nein – und schreibe sogar, dass es nicht so ist. Heute gibt es daher auch mal wieder einen kleinen Einblick in unseren Familienalltag.

Da wir gerade unser Haus auf dem Land renovieren, schlafen wir mit den Kindern auf zwei großen Matratzen im Kinderzimmer, welches der einzige Ort ist, an dem die Renovierungen bislang vorbei gegangen sind. Die Geschichte beginnt also heute morgen irgendwo auf dem Land in einem Kinderzimmer, in dem 4 Personen auf 2 Matratzen auf dem Fußboden schlafen. Es ist ungewöhnlich spät für das Aufstehen, schon kurz vor 8 Uhr, als mir im Bett unbehaglich wird. Ein müdes Auge öffnend begreife ich auch recht schnell den Grund dafür: Eine Wollüberhose mitsamt Sohn befindet sich auf Gesichtshöhe neben mir. Auf der anderen Seite, zwischen den Mann und mich gelegt, hat sich die Tochter wieder ins Bett geschlichen, nachdem sie wohl schon im Bad war, sich gewaschen hat und nun ihre kalten Füße wieder wärmen möchte. “Mama, ich habe Hunger!” ertönt ihre vorwurfsvolle Stimme. Sie ist der Auslöser dafür, dass sich der Sohn blitzschnell umdreht und in mein Gesicht schreit “Mama, Hunger!”, denn Geschwister halten in diesen Situationen immer zusammen und der Sohn hat zudem die Eigenart, besonders wichtige Dinge immer ganz nah vor meinem Gesicht vorzutragen. Gerne nimmt er mein Gesicht dazu auch in seine zwei weichen (und meist schmutzigen) Kinderhände und schreit dann ziemlich laut seinen jeweiligen Wunsch hinein.

Ich blicke den Mann an, denn es ist seine Aufgabe, am Wochenende für die Brötchen zu sorgen und das Einkaufen selbiger zu koordinieren. denn dies ist keine leichte Aufgabe: Die Tochter möchte seit einigen Wochen allein Brötchen beim Bäcker einkaufen gehen. Der erste Einkaufsversuch ist damals etwas… misslungen.

Mittlerweile funktioniert das wesentlich besser mit einer Einkaufsliste und dem Umstand, dass der Mann in einiger Entfernung hinter her geht. Der Sohn allerdings hat den dringenden Wunsch, auch einkaufen zu gehen. “Brötchi holen, ich!!!” wird wieder in mein Gesicht geschrien, als Tochter und Mann sich bereit machen. ich erkläre dem verstimmten Sohn, dass das heute leider nicht ginge, er mir aber sehr gerne beim Tischdecken helfen kann. damit kann ich ihn etwas beruhigen. Tochter und Mann gehen samt Einkaufsbeutel, Liste und Geldbeutel los. Gestern lief das Tischdecken nicht ganz so gut und schon bevor ich am Tisch saß, gab es erste Unfälle:  

Heute allerdings geht es schon wieder besser und wir sitzen alle gemeinsam am wohl gedeckten Frühstückstisch. Bis zu dem Moment, als das Thema wieder auf die Sternschnuppen zu sprechen kommt. Denn in dieser Woche war der Tag, an dem die meisten Sternschnuppen erwartet wurden. Leider sind die Kinder aber eingeschlafen, bevor welche am Himmel zu sehen waren und unser Sternschnuppenfest ist daher recht kurz geworden. Natürlich haben die Kinder diese große Attraktion aber nicht vergessen. Der Sohn jedenfalls nahm sich eine der kleinen Snacktomaten, biss sie an, blies kräftig hinein und verteilte den Tomateninhalt sorgsam über den Frühstückstisch. “Sternschnuppen blasen hab ich!” schreit er mich vom Stuhl rechts neben mir an und strahlt.

Und so, Ihr Lieben, hat mein Wochenende angefangen. Und Eures?

Alles Liebe,

Susanne_smooth Kopie

Es gibt ihn nicht, den EINEN richtigen Weg

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Kürzlich hatte ich eine Beratung bei einer Mutter, die Fragen zu “Elimination Communication” (EC) hatte: Sie wollte gerne ohne Windeln  bzw. mit wenigen Windeln durch die Babyzeit kommen, hatte aber große Probleme damit, die Signale bei ihrem Baby zu erkennen. Es stellte sich heraus, dass sie besonders deswegen EC machen wollte, weil sie ihr Baby schon nicht stillen konnte. Nach einer schwierigen Geburt hatte es mit dem Stillen einfach nicht funktioniert. Sie dachte, dass sie dadurch ihrem Baby viel weniger Nähe geben könnte als andere Mütter und wollte deswegen wenigstens “alles andere richtig machen”: Familienbett, Tragen, EC. Aber wie es sich zeigte, funktionierte das nicht so richtig und sie war völlig verunsichert, verzweifelt und hatte Schuldgefühle. Tatsächlich dachte sie, dass sie ihrem Baby keinen guten Start ins Leben geben würde.

Natürlich stimmt das nicht. Denn es gibt ihn nicht, den einen richtigen Weg. Nur allzu oft bekommen wir den Eindruck vermittelt, dass man Kinder eben nur selbstbestimmt gebären, stillen, tragen und mit ihnen im Familienbett schlafen müsse und dann würde alles gut werden. Und wer diese Dinge nicht macht, der hat schon versagt, der gibt seinem Kind keinen guten Start ins Leben. Ein harter Druck, der auf den Eltern lastet. Denn wer kann schon etwas dafür, wenn die Geburt anders verläuft, als man sich das gewünscht hat oder wenn es an Beratungsmöglichkeiten zum Stillen oder Tragen mangelt? Und selbst, wenn es nicht an Unterstützung mangelt, sondern sich die Familie aus ganz persönlichen Gründen dafür entscheidet, bestimmte Dinge zu tun oder sein zu lassen, die man allgemein schon als Babystandard ansieht, bedeutet das noch nicht, dass man einen schlechten Weg gewählt hat. Da schiebt eine Frau ihr Kind im Buggy mit Gesicht nach vorn? Uiui, ganz schlechte Zukunftsprognose für das Kind, so scheint es mittlerweile oft aus vieler Munde zu klingen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeite ich nun mit Eltern. Ich habe Mütter begleitet, die Kinder getragen haben, die Kinderwagen genutzt haben, die mit ihren Kindern in einem Bett schlafen oder auch nicht, die Brei geben oder BLW praktizieren, die Stoffwindeln nutzen oder abhalten oder Wegwerfwindeln haben. Und ich habe selber zwei Kinder bekommen und begleite sie auf ihren ganz unterschiedlichen Wegen. Aus diesen Erfahrungen heraus kann ich sagen: Es gibt ihn nicht, den EINEN Weg.

Der EINE Weg sieht nämlich bei jeder Familie und jedem Kind anders aus. Die einen Eltern können die Signale ihres Kindes problemlos lesen und halten ihr Baby ab, stillen zur passenden Zeit und finden den richtigen Zeitpunkt, um das Baby in den Schlaf zu begleiten. Ein anderes Kind hat durch sein Temperament Schwierigkeiten, in den Schlaf zu finden und braucht von seinen Bezugspersonen Hilfe dabei, muss beruhigt werden, braucht vielleicht mehr Ruhe als ein Kind, das jederzeit an jedem Ort einschlafen kann. Wieder ein anderes Kind ist besonders empfindsam über die Haut und kann durch Kleinigkeiten wie Etiketten in Kleidung nicht zur Ruhe kommen oder wird unruhig, wenn es in der Trage zu stark schwitzt. Und auch auf Seiten der Eltern gibt es immer wieder so viele verschiedene Eigenschaften, Temperamente, persönliche Erfahrungen und Geschichten, dass es niemals den nur einen richtigen Weg geben kann, der für alle gültig ist.

Bindungsorientierte Erziehung, das bedeutet, dass wir den Weg suchen, der für uns und unser Kind richtig ist. Wir schauen auf die Bedürfnisse unseres eigenen Kindes und auch auf unsere persönlichen Bedürfnisse und gehen diesen nach. Wir wollen das Beste für uns und für unser Kind. Das muss nicht das sein, was bei den Nachbarn das Beste ist und selbst bei Geschwisterkindern muss es nicht das sein, was beim ersten Kind gut und richtig war. Natürlich gibt es Grundsätze, die immer und bei allen Kindern gleich sind: Dass sie nicht geschlagen werden dürfen, dass ihnen keine psychische Gewalt angetan werden darf – dazu zählt auch, dass sie in ihren Grundbedürfnissen wahr genommen werden und beispielsweise nicht schreien gelassen werden. Doch darüber hinaus sind die Wege so vielfältig, so einzigartig. Lassen wir uns nicht von den Wegen der anderen verunsichern und schauen wir auch nicht streng und strikt auf pauschale Schlagworte wie antiautoritär Erziehung oder Attachement Parenting. Einzelne Wege lassen sich nur schwer in Konzepte hinein passen. Einzelne Wege sind einzelne Wege. Und sie passen nunmal zu jedem Kind und zu jedem Elternteil ganz nach Bedarf. Bindungsorientierte Erziehung ist wie ein Maßanzug, gefertigt aus dem feinsten Stoff, den unsere persönliche Haut tragen mag nach dem Schnittmuster der individuellen Persönlichkeit unseres Kindes.