Es ist nicht alles Sonnenschein und rosarot

12von12_Juni1411

Ich werde immer wieder gefragt, ob es bei mir auch schlechte Zeiten gibt, ob ich mal genervt bin von meinen Kindern, ob ich auch schimpfe. Ja, auch ich bin nur ein Mensch. Und ja: Hier auf diesem Blog gibt es viele Bilder von schönen Wochenenden, von tollen Freizeitaktivitäten und unsere Wohnbereiche sind auf Bildern aufgeräumt. Aber es gibt auch bei uns Wollmäuse und Schmutz unterm Küchentisch. Es gibt Tage, an denen habe ich schlechte Laune oder bin genervt, weil meine Kinder zum xten Mal dieselbe Frage stellen oder seit 15 Minuten Wörter für verschiedene Ausscheidungen durch die Gegend schreien (und der Sohn beherrscht mit 20 Monaten diverse solcher Wörter von Scheiße über Pipi, Piss bis Kacke). Und auch ich schreie mal, wenn ich es einfach nicht anders mehr hin bekomme. Das ist nicht schön und oft schäme ich mich danach dafür. Ich entschuldige mich bei meinen Kindern, wenn ich ungerecht war oder sie nach meinen Maßstäben schlecht behandelt habe.

Hier im Blog geht es oft um die schönen Seiten vom Leben mit Kindern, aber auch um Schlafprobleme, um Ammenmärchen, um Verluste. Ich bin bemüht, all diese Dinge auch zu zeigen. Aber sehr viel zeige ich die schönen Seiten. Nicht, weil es nur diese gibt oder weil ich mich als Supermutter hervor tun möchte, die ich nicht bin. Ich zeige diese Dinge als Anreiz, als Idee und auch für mich selber als Richtschnur. Ich kann mir meine Beiträge ansehen und denken, dass es hier und da immer wieder schöne Geschichten im Alltag gibt. Wer nicht blogt, dem ich habe einmal empfohlen, sich die Schönheiten des Alltags auf kleine Zettelchen zu schreiben. Gerade in anstrengenden Zeiten ist es gut, sich diese Zettelchen hervor zu holen und zu sehen: Ich habe auch ganz, ganz viele schöne Zeiten mit meinen Kindern und meiner Familie und für mich.

Wir alle sind nicht perfekt und das ist gut so. Aber wir können uns Ziele setzen. Wir können darüber nachdenken, wenn wir ungerecht oder schlecht gelaunt sind. Wir müssen nicht permanent wunderbar, liebevoll und zuckersüß sein. Aber wir können uns am Abend hinsetzen und denken, dass vielleicht ein paar Dinge anders hätten laufen können. Dass wir vielleicht hier und da einfach mehr Luft hätten holen können statt zu schreien. Und wir können auf dieser Ebene Pläne schmieden, wie wir es zukünftig anders machen wollen. Denn das Leben mit Kindern ist vor allem eins: beständiger Wechsel und Mitwachsen. Wir verändern uns mit unseren Kindern, passen uns an, heben uns ab, damit wir dann wieder zueinander finden.

Zunächst einmal müssen wir uns von dem Gedanken befreien, dass es sie wirklich gibt, die perfekten Eltern. Warum es gut ist, dass wir nicht perfekt sind, habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben. Trotzdem sitzt der Gedanke bei vielen Eltern fest: „Bevor ich Kinder hatte, dachte ich, es sei alles einfach und schön. Und jetzt ist es nicht so, also habe ich versagt.“ Doch hierin finden sich schon viele falsche Annahmen, denn: Ja, es ist in Ordnung, vorher Elternschaft zu romantisieren. Schließlich kennen wir heute kaum realistische Vorbilder und sind wir ehrlich: Ganz ohne romantische Vorstellungen vom Kinderhaben würden wir es vielleicht auch einfach sein lassen? Es ist also in Ordnung, vorher zu träumen und sich Dinge auszumalen. Und dann kommt die Realität und es läuft vielleicht doch nicht so, wie man es sich dachte. Oder man hat bei all den romantsichen Vorstellungen bestimmte Aspekte ganz vergessen, z.B. dass Babywindeln nunmal alle paar Stunden gewechselt werden müssen oder Babys Bäuerchen gerne auf der Bluse landet. Hat man eben einfach nicht dran gedacht. Es kommt vielleicht ein kleiner Realitätsschock. Aber hat man deswegen versagt? Nein, das hat man nicht. Im Leben ist es immer so, dass wir Erwartungen haben. An jeden neuen Tag. Mit Kindern oder ohne. Und an manchen Tagen müssen wir diese Erwartungen korrigieren. So ist es auch mit dem Kinderhaben.

Eltern versagen nicht, weil das Leben mit Kindern nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt haben. Und sie versagen auch nicht, weil sie Dinge anders tun, als andere oder als sie es selbst gern täten. Und vor allem versagen sie nicht, weil andere es anscheinend besser können – bzw. sie denken, dass andere es besser könnten.

Elternschaft bringt uns immer wieder an unsere Grenzen. Es bringt uns in Kontakt mit der Kindheit, die wir selbst erfahren haben. Damit, was wir an unserer Kindheit besonders schön oder aber überhaupt nicht schön empfunden haben. Elternsein ist vor allem immer eins: neu. Sogar beim zweiten Kind, denn man ist Elternteil eines Geschwisterverbundes. Bei jedem neuen Kind ist auch die Elternschaft wieder neu. Ständig müssen wir uns, unsere Rolle und unsere Richtung neu bestimmen. Elternschaft ist ein hoch komplexer Vorgang, abhängig von vielen unbekannten Variablen.

Und so ist es in der Natur der Sache, dass unser Leben nicht immer rosarot ist, dass es auch dunkle Tage gibt und schmutzige Ecken. Aber solange wir darüber nachdenken, solange wir reflektieren, sind wir gute Eltern. Weil wir uns nämlich bemühen. Darauf kommt es an. Wenn ein Tag schlecht lief, wird der nächste wieder besser werden. Merkt Euch das, liebe Eltern und geht mit Euch selbst weniger hart ins Gericht.

 

8 Kommentare

  1. Ich sag dazu nur mit den Worten aus „Anne auf Green Gables“: ‚ Es gibt immer ein Morgen- frei von Fehlern!‘

  2. Viele Mütter glauben sie müssten perfekt sein, alles mit Links erledigen und sie dürften dabei nie eine Miene verziehen oder dabei auch nur angestrengt seufsen. Niemand redet darüber WIE anstrengend der Tag mit den Kindern war. Die Gesellschaft verlangt es von einem immer stark und gut gelaunt zu sein. Gerade Mütter, die in ihrem Umfeld Leute haben, die genau das auch von einem verlangen(und das auch äußern), setzt sie noch mehr unter Druck. Nicht selten für dieser Perfektionismus zum Burn Out und damit zu einer ernsthaften Depression. Viele Mütter überhören die Signale ihres Körpers, weil sie „funktionieren“ müssen und es sich nicht erlauben dürfen Schwäche zu zeigen. Es wird ein langer harter steiniger Weg den man beschreitet, wenn man sich dazu entschließt eben nicht mehr nach Außen die perfekte Mutter zu sein.

    Ja, die Wohnung sie mal heute nicht aus wie aus einem Katalog. Ja, der Tisch ist nach dem Mittagessen immer noch nicht abgeräumt. Ja, da liegt mal eine dreckige Windel herum. Nein, das Waschbecken ist heute noch nicht geputzt worden, da sind noch Wasserflecken dran. Ja, ich renne hier immer noch im Nachthermd herum, bin noch nicht dazu gekommen zu duschen oder mich anzuziehen. Ich hab keine Ahnung wie ich die Kleine noch weiter beruhigen soll, Ich habe alles ausprobiert, was mir eingefallen ist. Ja ich weiß, dass der Wäscheberg wächst, ich kam noch nicht dazu, die Wäsche zu sortieren. Ja, ich bin müde und nein ich habe heute auch nichts gekocht, sondern Fertigzeug gemacht, weil mir die Zeit fehlte.

    Ja wir sind alle nicht perfekt und das ist auch gut so!

  3. Oh ja, danke für diesen Beitrag! Ich versuche, jeden Tag einen Schnappschuss eines besonderen Moments (und einen Moment gibts fast an jedem Tag) mit dem Smartphone von meinen beiden Kids zu machen und sortiere diese in ein „Foto des Tages-Album“ direkt auf dem Handy. In harten Zeiten da mal durch zu scrollen gibt total Kraft, weil man sich damit ganz kurz nur an die schönen, schrägen, witzigen, verträumten, eisverschmierten …. Momente erinnert!

  4. Vielen Dank für diesen Beitrag! Er kommt genau zur rechten Zeit: Heute war ich die schlimmste Mutter seit Monaten. Bis mittags habe ich schon so viel rumgeschrieen, wie die letzten 3 Monate zusammen. Auf jedes Essenschmeißen, Nicht-an-der-Ampel-gucken oder Pippikacke-Wort konnte ich nur mit Anherrschen, Brüllen oder genervten Vorträgen reagieren, die man eventuell seinem Partner, nicht aber einem 5- bzw. einem 2,5-Jährigen halten sollte. Ich konnte mich heute nicht ausstehen, und meine beiden Wilden irgendwie auch nicht 🙁 Über solche Tage verteilt schleicht sich dann mehr und mehr die Traurigkeit ein: meine Kinder sind das allerallertollste, das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist – und doch gibt es diese Tage, an denen ich denke: Ich kann einfach keine gute Mutter sein. Vor allem keine Alleinerziehende. Zum Glück folgt auf einen schlechten meist ein guter Tag!

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