Kategorie: Interview

Wenn das Leben intensiv beginnt – Hilfe für Eltern mit Babys auf der Intensivstation

Manchmal kommt es ganz anders als geplant. Susanne Bürger hat genau dies erlebt: Die Geburt ihres zweiten Kindes verlief anders als gedacht und nach kurzer Zeit haben sie sich auf der Intensivstation wiedergefunden und es standen Operationen an. Im Interview berichtet sie, was an Kliniken fehlt, wie Familien in einer solchen Situation unterstützt werden sollten und warum sie ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat.

1. Susanne, Du hast das Buch „Wenn das Leben intensiv beginnt“ geschrieben, ein Elternbegleitbuch für die Zeit in der Kinderklinik. Wie kam es dazu?

Ratgeber und Fachbücher begleiten mein eigenes Leben immer schon. Fehlendes Wissen oder Lösungsideen bei eigenen Themen habe ich mir immer aus Fachbüchern/Ratgebern geholt. Ich lese selbst unheimlich gerne und viel und meine Regale sind schon immer gut gefüllt. Für mich war das immer eine Ressource, wenn gerade im Gespräch keine Person mit Rat zu Seite stehen konnte. Mir selbst  gab das immer ein gutes Gefühl. So war es auch schon in meiner ersten Schwangerschaft, daß ich zwei Stillbücher hatte, anschliessend Bücher zu gesunder Beikost, Bücher zu kindlichen Entwicklungsschritten,etc.. Besonders interessierten mich immer schon die Themen Beziehung und Bindung, da ich selbst in der Generation geboren wurde, in der man die Babys noch in Säuglingszimmer legte und alle 4 Stunden der Mama zum Fläschchen geben brachte. In der 2. Schwangerschaft wollte ich mich noch etwas besser auf die Geburt vorbereiten und habe mit Hilfe der „Hypnobirthing-CD“ und des Buches eine schöne Geburt erlebt. Relativ schnell stellte man bei unserem Sohn in der Klinik jedoch fest, dass er zur weiteren Behandlung in eine Kinderklinik verlegt werden musste. 48 Stunden nach der Geburt fanden wir uns morgens um 6 in einem kleinen Zimmer mit der diensthabenden Ärztin wieder, die uns erklärte, dass unser Sohn schon auf dem Weg in den OP sei. Sie wollte jetzt noch schnell die Formalitäten klären. Ich war einfach auf „ sowas“ nicht vorbereitet. Es gab in den Untersuchungen in der Schwangerschaft keine Anzeichen einer Erkrankung. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet, daß ein Kind, das scheinbar gesund mit einem guten Apkar-Wert geboren wird, trotzdem schwerwiegende Erkrankungen haben und bekommen kann. Aus heutiger Sicht kann ich nicht mehr sagen, warum ich so naiv dachte. Da uns aber nun drei längere Klinikaufenthalte mit drei großen Operationen bevorstanden, hat mich das komplett aus der Bahn geworfen und es dauerte ein paar Tage bis ich außer Weinen wieder etwas denken konnte. Eltern schalten dann in eine Art „ Funktionsmodus“. Mein Mantra war nur noch: Ich mache das hier, aber ich will es bestmöglichst tun!“ Aber wie geht dieses „ Bestmögliche“? Da wir kein Einzelfall waren, da es ja mehrere Kinderkliniken in Deutschland gibt und um uns herum ja auch andere Eltern saßen, musste es ja auch wie zu allem Bücher dazu geben. Fehlanzeige…Ich fand das nochmal erneut schlimm nicht auf meine alte Ressource zurückgreifen zu können. Viele Frauen haben sowieso Schuldgefühle und isolieren sich mit Schamgefühlen. Es gibt viel Bücher darüber, warum Bonding direkt nach der Geburt so wichtig ist, über die Vorteile des Stillens und vor allem aber der Bedeutung der Nähe zum Baby. Das natürlichste Grundbedürfnis von Nähe und Elternsein wird in Kliniken aus medizinischen Gründen allein nicht immer möglich sein. Aber was können Mütter in Kliniken tun, die vom ersten Tag an, nur Milch abpumpen dürfen, vielleicht gerade nicht bei ihrem Baby schlafen können, teilweise nicht mal in den Arm nehmen dürfen…Was können diese Mütter trotzdem tun und was macht Sinn, wenn man es nicht kennt und selbst gerade nicht richtig nachdenken kann….Ein Jahr nachdem bei uns die emotionalen Wunden dieser Zeit immer besser heilten, habe ich beschlossen, dass ich es weiterhin nicht richtig finde, dass es kein einziges Buch für Eltern gibt, dass mehrere Themenbereiche in einem kleinen Kompendium abdeckt. Das Wissen um Selbstcoachingmethoden, wie ich mir selbst Kraft geben kann und meine Ressourcen stärke, ist kein Wissen, daß in der Breite vorhanden ist. Da ich selbst viel Energie daraus gezogen habe, meine mir bekannten Coachingmethoden für mich anzuwenden, ist es mir ein großes anliegen, das Wissen auch anderen zugänglich zu machen. Ich habe viele betroffene Eltern interviewt und viele Fachleute befragt, was sie Eltern aus ihrem Fachbereich empfehlen würden und tara…das Buch war endlich geboren! 

2. Die Geburt Deines zweiten Sohnes und der anschließend lange Klinikaufenthalt waren eine schwere Zeit für Dich. In Deinem Buch schreibst Du, dass die medizinische Versorgung oft sehr gut ist in Kliniken, aber es fehlt an anderen Dingen. Was ist Dir persönlich und im Gespräch mit anderen aufgefallen: Woran mangelt es besonders in der Begleitung von Familien in dieser Situation?

Ja das ist so, wir haben eine wunderbare medizinische Versorgung in Deutschland. Auch wir hatten das Glück von einem großartigen Kinderchirurgen die Operationen durchführen zu lassen. Ich möchte auch ausdrücklich dafür werben, sich dies bei allen Missständen und der Diskussion zum Thema Pflegenotstand und Notstände in Kliniken in den Medien trotzdem vor Augen zu halten. Viele Eltern von (Extremst-)Frühchen oder Babys, die schon früh operiert werden müssen, werden das bestätigen. Es ist unglaublich, was medizinisch möglich ist. Jeder Arzt und jede Pflegekraft tut jeden Tag ihr Bestes zum Wohle der Allerkleinsten. Die andere Seite ist, dass heute Kinder sehr gute Lebenschancen haben, die noch vor 20 Jahren eine geringe bis keine Erwartung gehabt hätten. Allerdings ist es auch so, dass so individuell jedes Kind und sein Start ins Leben verläuft, so individuell sind auch die Persönlichkeiten der Eltern. Eltern, die in Kinderkliniken neben den Betten von verkabelten Babys sitzen, denen mehrere Infusionsschläuche gelegt wurden und bei denen immer irgendein Gerät piept, müssen aus meiner Sicht psychosozial aufgefangen werden. Es gibt Kliniken, die in dem Bereich vorbildlich unterwegs sind. Aber das sind noch nicht alle und ich würde mir eine flächendeckende Unterstützung für die Eltern wünschen. 

Die meisten dieser Eltern haben längere Fahrtzeiten zu einer spezialisierten Kinderklinik, was dazu führt, dass oft die Mutter unter der Woche komplett alleine beim Baby auf der Station sitzt. Ohne soziales Umfeld in der Nähe, den Partner und weitere eventuelle Kinder entfernt. Die zusätzliche Trennung zu der Kliniksituation ist sehr belastend. Ich habe keine einzige Mutter kennengelernt, die nicht in tiefer Sorge und Verzweiflung am Bettchen sitzt. Ich habe im Rahmen des Buches mit einigen Pflegekräften gesprochen, die gerne alle mehr Zeit für die Mütter hätten. Aber die auch ehrlicherweise sagen, dass der Job auf der Neonatalen Intensivstation eine so hohe Konzentration erfordert und ein Teil der Arbeit, den die Patienteneltern gar nicht mitbekommen (die rechtliche Dokumentationspflicht) einen nicht zu unterschätzenden Anteil ihrer Arbeitszeit einnimmt. Zeiten, die sie lieber für längere Gespräche mit den Eltern nutzen würden. Dazu kommt ebenso, dass Pflegekräfte hochspezialisiert ausgebildet sind, aber nicht für den Bereich der psychosozialen Hilfestellung. Mütter, die tiefe Traurigkeit, Schuldgefühle oder/und Scham fühlen, brauchen eine professionelle Begleitung. Während unserer Aufenthalte gab es einen katholischen Seelsorger, den man ansprechen konnte. Aber was ist, wenn ich zur Kirche keinen Zugang habe? Mit einem Mann nicht sprechen möchte oder kann? Oder durch meine Religion habe ich zur katholischen Kirche keinen Zugang? Ich hatte wie viele Frauen nach Geburten zum Beispiel auch das verlangen so etwas wie ein „Wochenbett“ zu erleben. Gerne hätte ich einfach mal nur die Beine hochgelegt, um mich von der Geburt zu erholen. Es gab Gartenstühle, die man leicht zurückklappen konnte. Frauen nach Kaiserschnitten dient das nicht unbedingt zur körperlichen Genesung, wie ich in vielen Fällen miterleben konnte. Wenn aber in reinen Kinderkliniken, medizinische Höchstleistung für die Allerkleinsten vollbracht wird, ist für die Mütter wenig Raum. Das ist besonders bei einer Verlegung in eine reine Kinderklinik zu spüren, die nicht mit der Geburtsklinik zusammenhängt. Viele der interviewten Mütter hätten sich vor allem gewünscht, daß sie einen Ansprechpartner haben, mit dem sie Ängste, Sorgen und Nöte hätten besprechen können und der ihnen vielleicht auch in eher sachlich/medizinisch geprägten Gesprächen mit dem Arzt zur Seite steht oder auch danach nochmal zur Verfügung steht. 

3. Wie sieht für Dich eine optimale Versorgung aus, wenn Kinder in die Klinik müssen? 

An erster Stelle steht natürlich die medizinische optimale Versorgung der Allerkleinsten. Alle Kliniken sind zwar daran interessier einen bindungsorientierten Aufenthalt vor allem zur Mutter zu ermöglichen, aber räumliche Möglichkeiten allein sind nicht überall gleich. Hier gibt es es noch Optimierungsbedarf. In meiner Klinik der Zukunft müsste Müttern überall die Möglichkeit zur Unterbringung in Nähe der Babys gewährleistet werden. Auf der Neointensiv sind Übernachtungen nicht möglich. Ich betone auch ausdrücklich, dass in der Kliniksituation der eigene Schlaf auch extrem wichtig ist und man sich diese Ruhephasen auch gönnen soll. Ich würde mir aber wünschen, dass es grundsätzlich mehr Unterbringungsmöglichkeiten in Elternzimmern in der Klinik oder in der fußläufigen Nähe geben sollte. Nähe ist zum Gesunden so wichtig für das Kind und entstresst sowohl Kinder als auch Mütter. Es ist unnötig seine Fahrtzeit zur Klinik wegen fehlender Betten auf der Autobahn jeden morgen zu verbringen. Zeit, in der man besser beim Kind sein könnte. Eltern werden heute überall in die Versorgungs- und Pflegezeiten mit eingebunden und sind kein Fremdkörper auf Station. Das begrüße ich sehr, da gerade diese Zeiten mit dem Baby nicht einfach nur eine „Wickelzeit“ oder „abgepumpte Milch sondieren“ ist, sondern ebenso in den Bindungsaufbau fällt wie ausserhalb der Klinik und daher extrem wichtig ist! 

Psychosoziale Hilfsangebote für Eltern müssten vielfältiger sein. Elternrunden, in denen man sich zusammenfinden kann, die geleitet sind, können genauso ein Ansatz sein, wie Elternberater auf den Stationen. Mehr Menschen, die Mut machen, und mit denen man über Sorgen, Ängste Nöte reden kann. Anleitungen wie man Kraft tankt im Klinikalltag und wie man seine Ressourcen aktiviert, die jeder hat. Von all dem wünsche ich mir in Zukunft viel mehr. 

Es bedarf mehr Personen, die ausschliesslich diesen Bereich abdecken und das wäre meine Vision für die moderne zukunftsorientierte Kinderklinik. Ein immer noch großes Tabuthema spreche ich im Buch auch an: Hospiz- und Sterbebegleitung. Wer bereitet Eltern darauf vor, wenn ihr Baby vielleicht nicht überleben wird. Trauer- oder Hospizbegleiter müssten mit jeder Kinderklinik in engem Austausch stehen und ebenso auf Abruf da sein.

4. Was können wir als Gesellschaft bzw. jede*r einzelne tun, wenn eine Familie im Familien- oder Freundeskreis in eine solche Notsituation kommt? Gibt es Hilfen, die auch Außenstehende anbieten können?

Da sein! Im Rahmen der eigenen Kompetenzen und Möglichkeiten seinen Teil anbieten. Das sozial funktionierende Netz ist überlebenswichtig. Eltern sollte ermöglicht werden, jede freie Minute beim Baby zu sein. Das heißt für alle drum herum, jede Kleinigkeit bewirkt in der Summe das Große. Wenn ich zu weit weg wohne, kann ich durch Telefonate und motivierende Gespräche, die Eltern stärken. Wenn ich NachbarIn bin, kann ich Einkäufe mit übernehmen, Wäsche, Geschwisterkinder betreuen, alles was an lästigen Alltagsdingen anfällt. Manchmal ist es die mit gekochte Mahlzeit. All dies sind Dinge, zu denen oft die letzte Kraft fehlt. Mir brachte eine Mutter aus der Kita Blumen in die Klinik in der Mittagspause, habe mich da sehr gefreut! Sollte ich warum auch immer, zu weit weg wohnen und nicht aktiv unterstützen können. Selbst ein Gutschein für eine Putzfee, Massage, Essengehen und was einem gut tut, kann der Familie in dem Fall helfen. Selbst Tankgutscheine können bei der Fahrerei zur Klinik und zurück für viele eine große Entlastung sein. Man sollte die Eltern vor allem mit seinen eigenen Themen und Sorgen nicht weiter schwächen. Damit meine ich eher die Personen, die enger dran sind. Eltern sind in diesen Situationen nicht in ihrer Kraft. Es ist der falsche Zeitpunkt darüber zu sprechen, wann sie gedenken, dass Baby taufen zu lassen. (Berichtete mir eine Mutter)   Eltern brauchen Menschen, die sie stärken, die ihnen gut zu reden und ihnen immer wieder aufs Neue versichern, daß sie die Kraft haben das zu schaffen. Wenn man sich im Krankenhaus um eine aufgelöste Freundin oder Mutter/Schwiegermutter kümmern muß, entzieht das den Eltern Kraft, die sie für das Baby benötigen. Aus eigener Erfahrung ist mir hier etwas Persönliches noch wichtig. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und schaffen Alles und sind es oft gar nicht mehr gewöhnt um Hilfe bitten zu müssen. Es ist uns unangenehm und viele haben es verlernt das soziale Netz um Hilfe zu bitten. Gerade Frauen, die jobmässig so geprägt sind, könnte es nicht leicht fallen um Hilfe zu bitten. Frauen die dann in solche Notsituationen geraten, sollte man vielleicht nochmal fragen, wenn man auf die erste Frage, wie man helfen kann, nicht direkt eine konkrete Antwort erhält. 

Susanne Bürger arbeitet seit 2011 selbständig als systemisch ausgebildeter Coach und wingwave-Coach. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes und den anschließenden Krankenhausaufenthalten hat sie das Elternbegleitbuch „Wenn das Leben intensiv beginnt“ geschrieben.

Gelassen durch die Jahre 5 bis 10 – Interview mit Katja Seide über „tyrannische Kinder“

Artikel enthält Affiliate Link*

Am 26. März habe ich mit Katja Seide eine öffentliche Diskussion zu ihrem neuen Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Gelassen durch die Jahre 5 bis 10“ geführt und sie zum Inhalt ihres neuen Buches und die Begleitung in der „Wackelzahnpubertät“ befragt. Hier könnt ihr das Interview nun in zwei Teilen nachlesen: Weiterlesen

„Eigentlich habe ich nicht geplant diese Mama zu werden“ – Sara Kulkas Weg zu Attachement Parenting

Noch vor einigen Jahren waren Familienbetten und langes Stillen nichts, das man in den breiten Medien vorgefunden hat – schon gar nicht positiv beschrieben. Mittlerweile ist bindungsorientierte Elternschaft im Mainstream angekommen und hat einen Platz gefunden in Elternmagazinen und immer öfter auch in anderen Medien. Auch prominente Frauen tragen dazu bei, indem sie öffentlich ihre Elternschaft leben und davon berichten, wie sie bindungsorientiert mit ihren Kindern leben. Sara Kulka hat in den letzten Jahren besonders dazu beigetragen, in Deutschland als Modell mit Kindern für langes Stillen und Familienbetten einzutreten. Bei FreeFamily4Real in München habe ich sie zum ersten Mal persönlich getroffen mit einem ihrer Kinder. Heute berichtet sie von ihrem Weg zur bindungsorientierten Elternschaft:

Sara, Du bist 27 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Du bist in Polen zunächst bei deinen Großeltern aufgewachsen und mit 6 zu Deiner Mutter nach Deutschland gekommen. Wie bist Du zur bindungsorientierten Elternschaft gekommen bei Deinen Kindern? Gibt es viel aus Deiner eigenen Kindheit, das Du mitgenommen hast oder lebst Du Elternschaft heute ganz anders?
Genau bis zu meinem sechsten Lebensjahr bin ich bei meinen Großeltern in Polen aufgewachsen und im Vergleich was ich zu Deutschland, bei meiner Mutter erlebt habe, kann man diese 6 Jahre, die ich in Polen gelebt habe, schon bindungsorientiert bezeichnen.

Eigentlich habe ich nicht geplant diese Mama zu werden, die ich heute bin. Und hätte mir jemand irgendetwas von bindungsorientierter Elternschaft erzählt oder vom Langzeitstillen, den hätte ich wohl leider als verrückt erklärt.
So wie mich heute die stark Erziehende Gesellschaft auch einschätzt.
Bis zur Geburt meiner Tochter hatte ich den Plan von einer perfekten Mutter und ja als ich meine Tochter das erste Mal in den Armen hielt, war mir mein Plan total egal. Ab da lernte ich wieder mehr auf mein Bauchgefühl zu hören und meinen Mutterinstinkt.

Bei uns in der Familie ist das Familienbett absolut normal, ich schlief bei meiner Oma im Bett und mein kleiner Bruder später bei mir aber dennoch wollte ich eigentlich, dass meine Kinder von Anfang an in ihren Betten schlafen, aber meine Meinung änderte sich schnell, zum Glück.
Ansonsten nehme ich aus meiner Kindheit so gut wie gar nichts mit, in de heutigen Umgang zu meinen Kindern.

Gab es etwas, das Dir besonders geholfen hat, Elternschaft so zu leben, wie Du es heute tust? Was ist Dein Tipp für andere Eltern?
Ich habe instinktiv schon immer AP gelebt, ohne das ich überhaupt wusste, dass es diese Bezeichnung gibt. Irgendwann lernte ich in einer Langzeitstill Gruppe, auf Facebook, meine heutige beste Freundin kennen. Die mich sehr unterstützt und mich noch mehr mit AP und Menschen wie dir bekannt gemacht hat. Und es immer noch tut.

Mein Tip für andere Eltern, verlasst euch auf eure Bauchgefühl und auf euren Elterninstinkt, es gibt keinen bessern Ratgeber, als das eigene Gefühl.

Als Model stehst Du viel im Rampenlicht und damit auch die Art, wie Du Elternschaft lebst. Wie ist es, als prominente Frau AP öffentlich zu leben? Was sind die Chancen, was ist schwierig?
Am Anfang war der Aufschrei groß in den Medien, die Kritik laut und die Verachtung da.
Aber mittlerweile habe ich gelernt, dass Kindererziehung ein extrem wunder Punkt bei Eltern ist und leider sich viele durch andere Meinung oder andere Leben, in ihrem angegriffen fühlen.
Manchmal habe ich auch überlegt zurück zu rudern, aber mein Umfeld hat mich sehr bestärkt, auch die Menschen, die mir auf Social Media folgen.
Mittlerweile erreichen mich täglich Nachrichten, von Müttern, die mir dankbar sind sie zum Umdenken gebracht zu haben, oder einfach nur dankbar, dass ich gewisse Themen anspreche.
Und das motiviert mich.
Aber ich merke, Deutschland wird offener AP gegenüber, vor zwei Tagen habe ich erst für die BILD ein Artikel über das Familienbett gedreht, morgen drehe ich mit RTL ebenfalls über das Familienbett und Sat 1 möchte für Freitag mit mir über die Alternative Kindererziehung sprechen.
Und ich bin einfach nur unwahrscheinlich dankbar für das Interesse aber natürlich auch dankbar Geld mit etwas zu verdienen, was mich glücklich macht und die Zeit mit meinen Kindern verbinden lässt.

Wie gelingt es Dir, Deinen beruflichen Alltag mit Deiner Art der Elternschaft zu vereinbaren? Hast Du familiäre Unterstützung, ein Dorf, nimmst Du Deine Kinder viel mit?Nur durch die Hilfe meiner Familie, insbesondere Mann, Schwiegereltern und meiner Mutter, kann ich so arbeiten und Bindung und mein Bedürfnis nach Arbeit vereinbaren. Fremdbetreuung kommt für mich momentan nicht in Frage.
Natürlich ist es auch nicht immer leicht, denn es gibt auch viele Jobs die ich absagen muss, aufgrund von zu langer getrennter Zeit von den Kindern, oder weil die Produktion die Gesichter meiner Kinder veröffentlichen möchten.

Was wünschst Du Dir zukünftig für Familien?
Für Alle Familien dieser Welt, wünsche ich mir mehr Bauchgefühl und vertrauen  auf den Elterninstinkt.
Mehr Horizont, Toleranz, Hinterfragen und ganz viel Liebe.

Wo können wir mehr über Deine Art Elternschaft zu leben sehen oder von Dir hören?
Ich bin sehr aktiv auf meinen Social Media Accounts, auf Facebook und besonders aber auf Instagram, außerdem bin ich auch immer wieder im TV oder Print und online Medien.
Google hilft da gerne 😅

Am 13. Oktober hält Sara die Eröffnungsrede auf dem Attachment Parenting Kongress in Hamburg.

Yoga für Familien – Tipps von Yoga-Lehrerin Stephanie

Der Familienalltag ist nicht immer einfach, findet auch Stephanie Schönberger. Doch es reicht meist nicht, „nur“ ein paar Yogabewegungen zu machen, um dem Stress zu entkommen. Für wirkliche Entspannung braucht es ein Umdenken – und genau das bietet das Yoga: „Die Idee, dass in uns, dass in jedem natürlichen Wesen Eigenschaften sind, die unsere Sichtweise beeinflussen, die unser Fühlen, Denken und Handeln maßgeblich bestimmen, kann helfen, unser eigenes emotionales Auf und Ab besser einzuordnen.“ (Schönberger 2017, S. 132) Besonders im trubeligen Familienleben kann Yoga eine Unterstützung sein, findet Stephanie. Mir hat die Autorin von „Das Karma, meine Familie und ich“ einige Fragen zum Thema Yoga und Familie beantwortet:

1. Stephanie, Du praktizierst Yoga, unterrichtest und hast auch ein Buch darüber geschrieben. Wie bist Du zum Yoga gekommen?

Während meiner ersten Schwangerschaft vor elf Jahren. Bis dahin hatte ich mit Yoga relativ wenig am Hut. Tatsächlich fand ich es sogar suspekt. Ich arbeitete damals als Ressortleiterin bei einer großen Frauenzeitschrift und viele meiner Kolleginnen begannen zu der Zeit mit Yoga. Wirkten deshalb aber nicht signifikant entspannter. Ich verstand den ganzen Hype darum nicht wirklich. Dann wurde ich also schwanger und mein Leben in der Redaktion gefühlt deutlich unlustiger, denn schwangere Frauen und Mütter waren als Inventar nicht vorgesehen. Zumindest empfand ich das so, auch, als man mir zu verstehen gab, dass ich nach der Geburt nicht mit einer Halbtagsstelle rechnen könne. Ich war unglücklich und hatte plötzlich Angst vor der Zukunft. Eine Kollegin überredete mich dann zu einem Yoga-Kurs für Schwangere. Das war, wenn man so will, die Initialzündung. Denn das, was ich dort mit simplen Übungen in meiner ersten Stunde erlebte, war eine ganz große innere Heiterkeit und Gelassenheit, die lange anhielt. Das Feuer oder die Begeisterung für Yoga ist seitdem nie wieder erloschen. Diese erste Yoga-Stunde hat mein Leben tatsächlich komplett verändert, denn ohne sie würde ich heute wahrscheinlich nicht hauptberuflich als Yoga-Lehrerin arbeiten. Und hätte mir das damals jemand prophezeit, ich hätte ihn ausgelacht.

2. Was nimmst Du aus dem Yoga für den Alltag mit, was hat sich dadurch besonders verändert?
Mein Denken und ich hoffe auch mein Handeln haben sich durch Yoga verändert. Was weniger an den Körperübungen, den Asanas, liegt als an der Yoga-Philosophie, die ich als absolut befreiend und frei machend erlebe und erfahre. Sie sagt, ganz salopp: „Du musst Deinen inneren Frieden finden, dann kannst Du andere in Ruhe lassen.“ Womit dem Frieden in der Familie und der Welt schon mal sehr geholfen wäre. Der Yoga zeigt uns auch, wie wir diesen inneren Frieden finden können, übrigens, ohne, dass wir uns dabei auf den Kopf stellen oder sonst irgendwie verrenken müssen. Es geht darum, seinen Blickwinkel zu verändern, zu erkennen, was uns wirklich handeln lässt, nämlich unsere Sehnsucht nach einem guten Gefühl. Es geht auch darum zu bemerken, wie stark wir durch unsere Erziehung, unsere Erfahrungen, unser soziales und kulturelles Umfeld im Denken und Handeln geprägt sind. Was ja nicht schlimm sein muss, aber oft doch zu sehr festgefahrenen Strukturen führt. Bei Sätzen wie zum Beispiel „Das hat man schon immer so gemacht“ sollten wir uns erlauben, genauer hinzufühlen, ob das für mich noch stimmt.

Yoga ist eine der ältesten Psychoanalysen der Welt und die Yogis erklären uns, warum wir ticken, wie wir ticken und warum wir manchmal austicken. Und sie geben uns Mittel und Methoden in die Hand, wie wir das Austicken vermeiden können. Yoga ist Selbststudium und sagt du musst dich verändern, wenn Du ein entspannteres Leben führen möchtest. Denn an deinem Stress, deiner Unzufriedenheit sind nicht deine Kinder oder dein Partner Schuld, sondern deine festgefahrene Sichtweise auf dich und die Welt.

Insgesamt hat mich Yoga im Alltag nicht nur sehr viel entspannter gegenüber mir selbst sondern auch gegenüber anderen Menschen werden lassen. Wir bemühen uns schließlich alle.

3. Dein Buch ist ein Yoga-Buch für Familien. Warum kann gerade Yoga für Familien hilfreich sein?
Weil die Ideen der Yoga-Philosophie, um die es in dem Buch geht, so alltags- und familientauglich sind. Finde ich zumindest. Sie sagen, mach dir bewusst, dass wir alle wirklich nur das eine möchten, nämlich uns gut fühlen. Darum essen, darum trinken wir, darum arbeiten wir bis zum Umfallen, turnen auf der Yogamatte, geben Geld für Handtaschen, Schuhe, Smartphones oder was auch immer aus, darum zanken unsere Kinder um Bauklötzchen und anderes Spielzeug, darum kommen sie nachts in unser Bett, darum, schreien wir, so paradox das klingt, unsere Kinder oder unsere Lebenspartner an. Wir hoffen, und sind uns dessen oft gar nicht bewusst, dass es uns dann besser geht. Die Yogis sagen, wir greifen bei unserer Suche nach dem guten Gefühl leider oft zu den falschen Mitteln. Also habe Mitgefühl und Verständnis, für dich und das Verhalten der Menschen um dich herum. Verurteile sie nicht, denn sie wissen, wie übrigens du selbst auch, oft nicht, warum sie etwas tun. Versuche Gewalt in Gedanken, Worten und Taten zu vermeiden, bleib wahrhaftig, sei zufrieden mit dem, was du hast, beobachte dich und dein Verhalten und akzeptiere, dass du nicht alles unter Kontrolle hast, aber alles den Weg gehen wird, den es gehen soll.

Mir hilft das in anstrengenden Situationen, zum Beispiel morgens, wenn  alle irgendwie pünktlich aus dem Haus müssen und sich permanent im Weg stehen und alle zunehmend gereizter reagieren sehr. Dann sage ich mir, wir wollen uns alle nur gut fühlen, sind aber auf dem besten Weg, ins Gegenteil hineinzuschlittern, weil wir so unbewusst und reaktiv handeln. Das macht mich umgehend milder. Und dadurch auch ruhiger, was hilft, gelassener und mitfühlender auf den Trubel zu reagieren.

Und die Yoga-Philosophie hat mir auch geholfen, meine Sichtweise auf die Erziehung zu verändern. Meine Yoga-Lehrerin sagte einmal zu mir: „Deine Aufgabe als Mutter ist es, dafür zu sorgen, dass Du deinen Kindern den Raum und den Rahmen gibst, innerhalb dem sie ihr Potential entfalten und in die Welt bringen können.“ Diese yogische Idee finde ich eine sehr schöne. Sie sagt auch, erlaube Deinen Kindern ihr eigenes Leben zu leben, aber sorge dafür, dass sie tiefes Vertrauen haben in sich und in dich, dass sie heranwachsen zu Menschen, die sich und ihrer Mitwelt nicht absichtsvoll schaden, die ein friedliches Bewusstsein entwickeln und lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und sie auch ohne Angst auszudrücken dürfen. Und die Kinder und in der Natur sein dürfen, dem Ort, wo sie natürliche Erfahrungen machen. Ich erlebe meine Kinder als sehr entspannte kleine Menschen mit großem Herz – ohne, dass ich mit ihnen Yoga-Übungen mache. Mein Sohn  spielt lieber Fußball und meine Tochter voltigiert. Aber ich glaube tatsächlich, alle Kinder sind von Natur aus erstmal mitfühlend. Man sollte sie darin bestärken.

4. Kannst Dur mir ein konkretes Ritual nennen, das einfach im Alltag integriert werden kann und das Familien mehr Entspannung bringt?
Eines meiner Rituale ist, mir nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen zu überlegen, mit welcher inneren Haltung ich in Tag gehen will. Im Yoga nennt man das Bhavana, die innere Einstellung. Das hilft mir, mir eine Ausrichtung zu geben. Außerdem lohnt es sich, sich in der früh gleich mal anzulächeln, das hellt die Stimmung auf, denn Lächeln, selbst wenn es grundlos ist, entspannt. Haben Studien gezeigt.
Unser Ritual am Abend ist, dass jeder zwei Dinge sagen darf, die am heutigen Tag nicht so toll waren und dann drei Dinge sagen muss, die wirklich schön waren. Das macht alle entspannter  und lässt alle friedlicher einschlafen und besser träumen.

Geborgen anderswo: Anne mit Familie in San Diego

Anne ist Ende 2015 mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter nach Kalifornien ausgewandert – ohne große Pläne. Mittlerweile haben sie sich dort eingelebt und ihren eigenen Weg gefunden. Auf ihrem Blog Little Steps berichtet sie von ihrem Leben dort. Hier erzählt sie heute von ihrem Weg, Geborgenheit in San Diego zu leben: „Es dauerte, bis ich begriff und fühlte, dass Geborgenheit unabhängig vom Wohnort ist, sondern in der eigenen Familie geschaffen wird.“ Weiterlesen