Dem Baby einen geborgenen Raum geben

Da liegt es im Arm, das kleine Baby, und schmiegt sich ein. Fast hat man das Gefühl, es würde wieder mit einem verschmelzen wollen, so passt es sich ganz dem Körper an, auf dem es liegt. Warm und weich kuschelt es sich ein, will sich umhüllt und geborgen wissen. Immer wieder begehrt es auf, genau diesen Kontakt herzustellen. Ein kleiner Mensch, der mit all den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten signalisiert: Ich brauche Dich jetzt.

In der Welt, aus der es kommt, war es all dies: Umgeben von Wärme, immer genährt, immer getragen und sanft bewegt. Immer im Körperkontakt und immer von einer schützenden Hülle umgeben, die dem Leben einen Halt gibt, die eine Grenze um den eigenen Körper zieht. Eine Hülle, die bekannt ist und Sicherheit gibt. Mit dem Beginn dieses neuen Lebens ist diese Hülle aufgehoben und es strebt danach, den alt bekannten Zustand wieder herzustellen. Noch nicht reif für dieses Leben*, noch in Ruhe nachreifen wollend zu den Bedingungen, die so wohlig-warm waren, so verwöhnend und rundum vertraut.

Dem Baby einen geborgenen Raum geben zum Nachreifen bedeutet, diesem Bedürfnis nachzuspüren. Zu verstehen, woher die Bedürfnisse des kleinen Kindes am Anfang kommen und zu sehen, wie wir sie umsetzen können: Das Bedürfnis nach der Versorgung mit Nahrung nach Bedarf durch Stillen nach Bedarf erfüllen bzw. Ernährung mit künstlicher Säuglingsnahrung nach Bedarf. Auch dann, wenn das Baby manchmal Phasen hat, in denen es ganz besonders viel trinken muss – es ist gewöhnt, genau das zu erhalten und sich satt und zufrieden zu fühlen. Das Bedürfnis nach Wärme und Nähe und Gewiegtwerden durch Körperkontakt und Tragen einräumen. Das Bedürfnis nach einer schützenden Hülle geben durch die Kleidung oder durch Halt in einem Tuch oder einer Tragehilfe.

Diese Bedürfnisse sind es, die wir immer wieder ansehen können in unserem Alltag mit Baby: Wenn es sich auf einmal unwohl fühlt, wenn es allein im Bett liegt, vermisst es vielleicht die Körperwärme und Bewegung. Wenn es hungrig wird, ist das ein zunächst fremdes und bedrohlich-schmerzhaftes Gefühl, das in dieser Weise unbekannt ist. Wenn es entkleidet wird, fühlt es die Kühle der Umgebung und vermisst die Begrenzung. Um ein entspanntes Ankommen zu ermöglichen, können wir daher in jeder Situation und das gesamte Wochenbett über bedenken, wie wir dem kleinen Baby einen geborgenen Raum schaffen. Einen Raum, der dem ähnelt, den es kennt. Wir können die Rahmenbedingungen nicht identisch herstellen, aber wir können uns dem annähern. Wenn wir unsere Augen und Gedanken dafür öffnen, wie das Leben vor der Geburt war und welch enorme Umstellung die Geburt mit sich bringt.

Eure

*nach dem Konzept der physiologischen Frühgeburt von Portmann

 

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Stillberaterin, Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Elternblogs über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

4 Kommentare

  1. Carmen baumann

    Ich würde so gerne 2 Bücher kaufen jedoch lieferst du nicht in die Schweiz.das macht mich sehr traurig.ich lese deine Beiträge immer sehr gerne.

  2. Liebe Susanne,
    So schöne Worte, die du immer findest. Ich kann all die Bedürfnisse meiner Tochter viel besser verstehen und darauf eingehen.

    Danke!
    CJ

  3. Liebe Susanne! Danke für deinen Blog, danke für deine Ratschläge und deine Gedanken!!! Ich bin seit September Mama von 4 Kindern (unsere September Babies sind Zwillinge), die „große“ 7, der mittlere fast 4. Ich bin wirklich froh deinen Blog entdeckt zu haben und freue mich auf weitere Beiträge ☺️
    LG aus Österreich, Birgit

  4. Sehr schöner Beitrag! Erinnert mich an die Zeit nach der Geburt. Da war es eigentlich noch das schönste, wenn man Strampler und so ganz weg gelassen hat und den kleinen Körper unter einen Decke auf der eigenen Haut hatte. Ist irgendwie doch ein ganz besonderes Gefühl, dass man kaum beschreiben kann.

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