Nachts abstillen – Wie die Stillbeziehung mit Kleinkind weiter geführt werden kann ohne nächtliches Stillen

Das Einschlafstillen und nächtliche Stillen hat viele Vorteile, insbesondere im ersten Lebensjahr. Wer lange stillt, kommt aber oft irgendwann im Laufe der Stillbeziehung an einen Punkt, an dem das nächtliche Stillen von Seiten der Mutter nicht mehr gewünscht ist. Natürlich kann die Stillbeziehung auch außerhalb des nächtlichen Stillens fortgeführt werden und es ist möglich, das Kind ausschließlich in der Nacht nicht mehr zu stillen und tagsüber weiterhin nach Bedarf die Brust zu geben.

Einschlafstillen und nächtliches Stillen – darum ist es gut

Wer ein kleines Baby hat, bemerkt schon bald die Wirkung, die das Stillen auf das Baby oft hat: Einschlafstillen wirkt so zuverlässig wie eine Narkose, schreibt Hebamme Anja und hat damit Recht, denn das Stillen bietet dem Kind viele Dinge, die es sich zum Einschlafen wünscht (siehe unten) und dazu unterstützen auch die Hormone, die beim Stillen ausgeschüttet werden, das Einschlafen: Die Zusammensetzung der Muttermilch folgt dem Tagesrhythmus und die nächtliche Milch enthält mehr Tryptophan, das zu Melatonin verstoffwechselt wird, wie auch mehr schlaffördernde Nukleotide. Auch das Bindungshormon Oxytocin und Sättigungshormone erleichtern das Einschlafen.

Hilfreich: Von Anfang an Alternativen zum Einschlafen angewöhnen

Dass Babys also an der Brust einschlafen, ist ganz normal und oft auch eine hilfreiche Möglichkeit der Beruhigung. Dennoch ist es praktisch, wenn Babys von Anfang an auch die Möglichkeit haben, auf andere Weise in den Schlaf zu finden. Für das Einschlafen ist es für viele Kinder wichtig (und dies auch oft noch nach der Babyzeit), dass sie sich sicher fühlen. Grundvoraussetzungen dafür sind, dass sie müde sind, dass sie satt sind, eine angenehme Temperatur vorherrscht (weder schwitzen noch frieren), dass sie sich geschützt fühlen und im Notfall eine schützende Person anwesend ist. Diese Rahmenbedingungen werden insbesondere in der Nähe der Eltern geboten, bei stillenden Müttern besonders bei diesen. Aber auch dicht an eine Bezugsperson gekuschelt oder getragen in Tragehilfe oder Tuch können diese Voraussetzungen erfüllt sein. Es ist gut, wenn Babys nicht nur direkt an der Brust einschlafen, sondern immer mal wieder auch andere Übergänge in den Schlaf finden und merken, dass sie auch ohne das Trinken an der Brust einschlafen können. Diese anderen Momente werden dann, wenn das Stillen nicht mehr zum Ein- oder Weiterschlafen dienen soll, ausgebaut und als Übergänge verwendet. Ein sanftes Abstillen später bereiten wir deswegen schon am Anfang vor, wenn wir dem Kind ermöglichen, auch andere Brücken in den Schlaf kennenzulernen.

Die große Sorge: Stillen und Karies

Als häufiger Grund gegen das nächtliche Stillen (und das lange Stillen überhaupt) wird die Kariesgefahr angeführt: Kinderärzt*innen und Zahnärzt*innen warnen nicht selten davor, dass Karies durch langes/häufiges/nächtliches Stillen entstehen könnte. Mittlerweile gibt es viel Fachliteratur, die gegen die Annahme spricht, dass Muttermilch Karies verursachen könnte. Im Gegenteil wird der Muttermilch häufig sogar ein produktiver Nutzen zugesprochen im ersten Lebensjahr. In Bezug auf gestillte Kleinkinder ist die Datenlage jedoch uneinheitlich und es scheint, dass bei einer entsprechenden Veranlagung (!) das nächtliche Stillen Karies begünstigen könnte. Hier sind weitere Untersuchungen notwendig. Ausführliche Informationen dazu (ggf. auch zur Vorlage bei Ärzt*innen) finden sich hier.

Brauchen Kinder nach dem ersten Geburtstag nachts Nahrung?

Ob und wie viel Nahrung Kleinkinder nachts benötigen, ist nicht pauschal zu beurteilen und hängt von dem individuellen Ernährungsstand des Kindes ab und der Menge und Art der Beikost und Still- oder Flaschenmahlzeiten, die es zu sich nimmt. Schon im ersten Jahr zeigt sich, dass der Bedarf an Nahrung zwischen den einzelnen Kindern für eine gesunde Entwicklung sehr unterschiedlich sein kann: Manche Kinder nehmen wesentlich mehr Nahrung zu sich als andere. In den ersten Jahren benötigt das stark wachsende Gehirn des Kindes Energie und diese Energiezufuhr findet bei vielen Kindern auch noch nachts statt, weshalb es durchaus möglich ist, dass ein Kind auch nach dem ersten Geburtstag nachts noch Hunger hat. In diesem Fall bietet sich oft an, eine Mahlzeit dann noch einmal zu ermöglichen, wenn die Eltern selber schlafen gehen und bei dem Wunsch, nachts nicht mehr zu stillen, die Ernährung und das Stillen am Tag genau zu betrachten und darauf zu achten, dass das Kind genügend gesättigt ist zur Schlafenszeit.

Nächtliches Abstillen – Ursachen und Hintergründe

Wann Kinder durchschlafen, ist höchst unterschiedlich. In unserer Kultur gehen wir davon aus, Kinder würden schon mit einem halb Jahr durchschlafen können, während beispielsweise in Indien vom kindlichen Durchschlafen mit 5 Jahren ausgegangen wird. Unsere Erwartungen spielen in unser elterliches Handeln oft hinein und führen zu Unzufriedenheit und

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Unverständnis. Unabhängig davon kann jedoch ein stündliches Aufwachen auch sehr viel Energie nehmen und irgendwann sind die Ressourcen von Eltern aufgebraucht – besonders dann, wenn tagsüber wenig Zeit ist, um sich zu erholen und/oder die nächtliche Versorgung des Kindes an einer Person allein hängt. Auch wenn das nächtliche Abstillen keine Garantie dafür ist, dass das Kind nun länger schläft, wird das Abstillen häufig als Versuch genutzt, um das Kind zu einem längeren Schlafen zu bewegen. Manchmal ist dies erfolgreich, manchmal nicht. Dennoch muss das nächtliche Abstillen nicht mit einem generellen Abstillen einher gehen: Kleinkinder können weiterhin auch tagsüber gestillt werden, auch wenn nachts das Stillen eingestellt wird.

Vorgehen – So kann ich mein Kleinkind nachts abstillen

Das Abstillen mit einem Kleinkind ist eine bewusste Auseinandersetzung mit einem Menschen um ein Thema: Kleinkinder drücken oft sehr deutlich aus, was sie wollen und nicht wollen. Die lieb gewordene Angewohnheit, durch die Brust in den Schlaf zu finden, geben wenige Kinder daher ganz entspannt auf. Dennoch ist es – auch trotz des Protestes des Kindes – das Recht der Mutter, nun auch die Stillbeziehung zu verändern, wenn sie darunter leidet und sich unwohl fühlt. Stillen ist nicht einseitig und es müssen sich alle Beteiligten dabei wohl fühlen.

Abruptes Abstillen?

Um dem Konflikt aus dem Weg zu gehen, wird oft empfohlen, das Stillen abrupt zu beenden: Ein Urlaub für die Mutter, einige Nächte in einem anderen Zimmer verbringen. Doch dieses Vorgehen ist für beide Seiten oft schwierig: Für die Mutter, die die körperlichen Anstrengungen des abrupten Abstillen tragen muss und vielleicht das Weinen im Nachbarzimmer hört, wie auch für das Kind, das sowohl die gewohnte Zuwendung als auch die Nahrung auf einmal nicht mehr bekommt. Sofern es anders möglich ist, empfiehlt sich immer ein „Abstillen in Beziehung“: Dem Kind wird der Wunsch der Mutter mitgeteilt und es wird dabei begleitet, andere Wege in den Schlaf zu finden. Natürlich kann auch der andere Elternteil die Umstellung begleiten und den Übergang zu neuen Einschlafritualen ermöglichen.

Abstillen in Beziehung

Gut ist es, wenn das Kind die Erfahrung gemacht hat, auch anders in den Schlaf zu finden und daran angeknüpft werden kann durch Übernahme bestimmter Handlungen. Sinnvoll ist aber immer, die neuen Schlafübergänge so zu wählen, dass sie nachts nicht noch mehr Aufwachen und Arbeit für die Eltern bedeuten, denn letztlich sollen die Nächte erholsamer werden. Aufwändige Rituale sind daher nicht zielführend. Hat das Kind gelernt, unabhängig von der Brust beispielsweise in der Trage einzuschlafen, kann es sinnvoll sein, das weinende Kleinkind nachts kurz auf den Arm zu nehmen und zu wiegen und dieses Wiegen dann in den weiteren Nächten in ein sanftes Schuckeln mit der Hand auf dem Bauch überzuführen.

Je nach Temperament des Kindes protestieren einige Kinder stärker gegen die Umgewöhnung als andere oder auch über einen längeren Zeitraum. Dies ist kein Zeichen dafür, dass Eltern etwas falsch machen würden. Es ist aber richtig und wichtig, dass das Kind sein Missbehagen und seine Wut ausdrücken darf. Es ist für ein Kleinkind nicht ersichtlich, dass die Mutter ein anderes Bedürfnis hat und nun das nächtliche Stillen einfach einstellt.

Eine häufig empfohlene Methode ist das nächtliche Abstillen nach Gordon: Eine Methode, bei der das Nicht-Stillen eines Zeitraums von 7 Stunden angepeilt wird: Außerhalb des festgelegten Zeitraums wird weiterhin gestillt wie immer, innerhalb des Zeitfensters wird das Kind durch reden, kuscheln und anfangs (in den ersten 7 Tagen) hochnehmen beruhigt.

10 Tipps zum nächtlichen Abstillen in Beziehung

1. Sprich mit Deinem Kind über das Vorhaben.
2. Wenn Du unsicher bist: Hol Dir Beratung/Begleitung bei einer Hebamme/Stillberaterin/IBCLC.
3. Nutze Brücken zum Schlaf, die es schon kennt.
4. Kleide dich „stillunfreundlich“
5. Lass Dein Kind nicht allein.
Es braucht eine liebevolle Begleitung für den Übergang von einer Bindungsperson.
6. Hunger/Durst wahrnehmen: Nachts Wasser anbieten, tagsüber eventuell die Ernährung so umstellen, dass das Kind abends ausreichend satt ist für eine längere Phase.
7. Eine Umstellung ist anstrengend – für alle Beteiligten. Sorge gut auch für Dich, damit Du Kraft hast, die Umstellung gut zu begleiten.
8. Wenn Du Hilfe brauchst, nimm Hilfe an. Sowohl nachts, wenn ihr Euch abwechseln müsst, als auch tagsüber Unterstützung, wenn Du mal ruhen möchtest.
9. Gib Deinem Kind Zeit – und Dir.
10. Deine Bedürfnisse sind wichtig. Wenn Du nachts nicht mehr stillen möchtest, ist das in Ordnung.

Jedes Abstillen ist anders

Ich habe drei Kinder nachts abgestillt und anschließend noch weiter gestillt. Ein Kind ist auch nach dem vollständigen Abstillen weiterhin oft aufgewacht. Ein Kind hatte von Anfang an nachts nur wenige Aufwachphasen und das Abstillen nachts war sehr einfach. Ein Kind hat nach dem nächtlichen Abstillen wesentlich länger am Stück geschlafen. Alle meine drei Kinder waren in dieser (und vielen anderen Sachen) sehr unterschiedlich. Wie so oft, gibt es nicht den einen richtigen Weg. Aber wichtig ist es immer, die Bedürfnisse zu berücksichtigen und als Elternteil auch für sich selbst zu sorgen. Andere Berichte über das (nächtliche) Abstillen von Kleinkindern könnt Ihr auch hier lesen bei Piepmadame, MamaskindNestlingDie kleine BotinStillzwerg oder miniandme, die sich dann doch dagegen entschieden hat.

Habt Ihr auch irendwann nachts abgestillt oder habt Ihr es vor?
Eure

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