Mein Baby schläft nicht allein – Über die Sicherheit des Schlafens

„Dein Kind wird nie allein einschlafen!“ wie oft ich diesen Satz innerhalb der letzten 8 Jahre hörte bei jedem meiner Kinder. Wie oft ich diesen Satz schon gelesen oder gehört habe in Bezug auf andere. Wie oft er ausgesprochen wird, wenn Kinder seelig lächelnd am Körper der Eltern liegen und ruhen. Ein Bild, das solch eine Ruhe ausstrahlt. Geborgenheit. Betrachten wir ein Kind, das in den Armen eines liebenden Elternteils eingeschlafen ist, sehen wir Wohlgefühl auf diesem kleinen Gesicht. Und dennoch wird diese Ruhe noch immer kritisch beäugt.

Doch blicken wir genau in diese kleinen Gesichter, die sich an unsere Körper schmiegen: Wir sehen einen Menschen, der aus einer Welt zu uns gekommen ist, die ganz anders ist als die jetzigen. Gerüche, Geräusche, Lichtreize, Gefühle auf dem und im Körper – alles ist anders. Haltlos ist diese Welt so manches Mal, verglichen mit dem, wo wir her kommen. Das Baby, das seine Arme streckt, seine Beine anwinkelt, das nach uns ruft und dessen Schreckbewegungen eine Umklammerung ausführen – alles an ihm sagt uns: Halte mich, umhülle mich, nimm mich auf deinen Arm und lass mich die Welt aus Deiner Sicherheit heraus kennen lernen. Auch der Schlaf ist anders und neu. Nicht mehr sicher umhüllt und gewiegt, sondern eine neue Herausforderung, vielleicht ängstigend, vielleicht erschöpfend, wenn nach vielen Eindrücken der Weg nicht richtig gefunden werden kann. Schlafen ist wunderbar, ist Ruhe und Entspannung – doch das Baby hat es so manches Mal schwer, dies zu verstehen und den Weg von der Aufregung zur Ruhe zu gehen. Es braucht uns, die ihm dies erklären.

Schwere Wege wollen begleitet werden. Wie immer in der Kindheit und wie immer im Leben. Unsere Nähe sagt dem Baby: „Schlafen ist wunderbar, ich wache über Dich.“ Unser Körper sagt dem Baby: „Hörst Du meinen Herzschlag? Du kennst einen solchen Rhythmus und der begleitet Dich in aller Ruhe. Ich bin bei Dir, Du brauchst dich nicht ängstigen. Der Schlaf ist etwas, was Du nun neu lernst in dieser Welt und ich helfe Dir, diesen Weg zu gehen.“ Wir hüllen das Baby ein, wir wiegen es sanft und begleiten es. Wir stützen und halten und ebnen einen Weg für das Verständnis und das Begreifen des Kindes: „Ja, schlafen ist wunderbar und ja, ich kann darauf vertrauen, dass mir im Schlaf kein Unheil geschieht.“

Wir halten und wiegen und stillen und schuckeln. Bis eines Tages das Kind verinnerlicht hat: „Ich finde den Weg in den erholsamen Schlaf, ich muss mich nicht fürchten.“ Dies hat es gelernt, weil es dies jeden Tag erfahren hat. Eines Tages hat es gelernt, dass der Schlaf ein Teil ist, dass der Schlaf behütet ist und dass der Weg dahin ein Weg ist, den es gehen kann. Gelernt, weil wir einfach beständig da waren.

Ein jedes meiner drei Kinder hat gelernt, den Weg in den Schlaf zu gehen. Ein jedes habe ich lange gestillt zum Einschlafen und jedes von ihnen schlief irgendwann auch ohne das Stillen ein. Manches brauchte andere Schlafübergänge nach dem Stillen, manches nicht.  So wie andere Kinder nicht stillen zum Einschlafen, sondern an Stoff knibbeln oder mit den Füßen zappeln oder vor sich hin brummen. Manches kuschelte lieber mit Papa, manches mit Mama – und beides wechselte über die Zeit. Jedes auf seine Weise. Aber ein jedes, weil es gelernt hat, dass Schlaf wunderbar ist und eine Zeit der Erholung, weil jemand es solange begleitet hat, bis es diesen Weg allein finden konnte.

Dein Kind wird irgendwann allein einschlafen, weil es sich sicher weiß, weil Du und/oder sein anderer Elternteil es zuvor begleitet hast.

Eure

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7 Kommentare

  1. Liebe Susanne,
    wir sind derzeit als Eltern-Team von der Einschlafbegleitung etwas entkräftet und so fand ich deinen Artikel ziemlich aufmunternd – dass es irgendwann besser wird. Darf ich dich etwas fragen? WIn welchem Alter hast du deine Mäuse beim Einschlafen „abgestillt“ und welche anderen Schlafübergänge hast du gewählt? Ging der Übergang sanft von statten? Und wie hast du das gemacht, wenn du abends mal nicht zu Hause warst?

    Ich freue mich von dir zu hören ?

    Ganz liebe Grüße
    Christin aus Hamburg

  2. Liebe Susanne,
    wir sind derzeit als Eltern-Team von der Einschlafbegleitung etwas entkräftet und so fand ich deinen Artikel ziemlich aufmunternd – dass es irgendwann besser wird. Darf ich dich etwas fragen? WIn welchem Alter hast du deine Mäuse beim Einschlafen „abgestillt“ und welche anderen Schlafübergänge hast du gewählt? Ging der Übergang sanft von statten? Und wie hast du das gemacht, wenn du abends mal nicht zu Hause warst?

    Ich freue mich von dir zu hören ?

    Ganz liebe Grüße
    Christin aus Hamburg

  3. Sylvia Doering

    Hallo Susanne! Ein super Artikel! Ich liebe es, wenn mein kleiner Sohn neben mir liegt, sich an mich kusvhelr und seelig einschläft… Ein unbeschreibliches Glücksgefühl und für mich ein Teil vom Sinn des Lebens!!
    Sylvia

  4. Katharina

    „Eltern fragen nicht nach dem Sinn des Lebens…. Sie sehen ihm Nachts beim Schlafen zu“

    Einen sehr schönen Text hast du hier verfasst.
    Ich habe gerade meinen schlafenden, 3 Monate alten Sohn im Arm. Eigentlich wollte ich was für mich machen, aber der Kleine Mann braucht mich. (Papa war keine annehmbare Option)
    Im Zimmer neben an liegt seine Schwester und schläft im eigenen Bett, bis sie, wie bisher jede Nacht, aufwacht und zu uns ins Bett krabbelt oder sich ihren Papa ins Bett holt. Die absolut hinreißende Situation wenn die Tochter (3,5J.) am Elternbett steht und verschlafen nuschelt „Papa kommst du mit in mein Bett, ich brauche deinen Arm zum schlafen“ Da geht einem das Herz auf. Und verwehren kann man es diesem kleinen Kinder natürlich auch nicht. Es kommt die Zeit da brauchen oder wollen sie uns nicht mehr so viel um sich haben. Bis dahin genießen wir es einfach. Oder?
    Grüße Katharina

  5. Drei von vier schlafen jetzt alleine… Natürlich unser ältester ist 12 der jüngste 6 Monate. Alle werden und wurden gestillt. Und alle schliefen in meinem, oder Papas Armen, behütet ein. Manche Nacht waren wir mehr als erschöpft, bei Krankheit gar verzweifelt weil wir selber total erschöpft waren. Aber sie schliefen alle irgendwann alleine und irgendwann war ich auch erleichtert und traurig dass die Zeit dann auch vorbei war, denn dieses Gefühl ist mehr als besonders wenn dein Kind geborgen und friedlich in deinen Armen schläft. LG Sandra

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