Kategorie: Babyschlaf

Schläft das Kind denn noch nicht? Über die richtige Zubettgehzeit für Kinder

Am letzten Abend unseres Urlaubs waren wir als Familie noch lange wach und saßen mit alkoholfreien Cocktails zusammen, redeten über den Urlaub, lachten und genossen die Zeit, die dahin flog. Irgendwann kam ein Paar vorbei, die Frau wandte sich uns zu und sagte: „Na die sind ja lange wach, die Kinder. Und sogar das kleine!?“ Ja, unsere Kinder sind manchmal lange wach. Manchmal nicht. Denn sie gehen dann schlafen, wenn sie müde sind.

Die Geschichte des Schlafes ist wohl bei jedem meiner Kinder eine andere. Das eine Kind schief immer problemlos ein, nicht zu nah an einen Erwachsenen gekuschelt, aber in der Nähe. Es hatte keine festen Schlafzeiten, aber zeigte deutlich die Müdigkeit an, wenn sie denn kam und bekam schlagartig schlechte Laune. Das andere Kind brauchte zum Einschlafen die gleichen Räume, den gleichen Ablauf und viel Körperkontakt. Wenn es zu spät wurde am Abend, wurde es sehr übellaunig und es braucht bis heute die Ruhe am Abend und viel Schlaf. Und eines der Kinder ist wenig anspruchsvoll und schläft dann ein, wenn es müde ist und einen Erwachsenen hat, an den es sich ankuscheln kann – wo auch immer und zu welcher Zeit.

Was allen Kindern gemeinsam ist: Jedes hat seine Art, zu schlafen. Und jedes hat seine Menge an Schlaf, die es braucht. Und ein jedes hat seine Zeit, zu der es in etwa müde ist. Das sind die Gemeinsamkeiten zum Schlaf der Kinder. Und dazwischen sind die individuellen Bedürfnisse eines jeden. Nicht nur hier, bei diesen drei Kindern, sondern über alle Kinder hinweg: Jedes Kind hat seine eigene Art, seine eigenen Bedürfnisse.

Kinderschlaf ist individuell

Wie viel Schlaf Kinder brauchen ist ganz verschieden. Nora Imlau und Herbert Renz-Polster* halten fest: Babys brauchen am Tag durchschnittlich 14,5 Stunden Schlaf – manche mehr, manche weniger. Im Alter von 2 Jahren sind es zwischen 10 und 14 Stunden und mit 5 Jahren 9 bis 14 Stunden. Manche Kinder machen noch lange einen Mittagsschlaf, andere verzichten schon mit drei Jahren darauf.

Unabhängig von der Schlafdauer gibt es auch noch die Schlaftypen, grob unterteilt in Eule und Lerche: Die Lerchen, die früh aufstehen und früh schlafen gehen und die Eulen, die spät aufstehen und spät schlafen gehen. Dazwischen gibt es anscheinend noch weitere Unterteilungen. Alles zusammen deutet jedoch auf einen Fakt hin: Schlaf ist höchst individuell und manche Menschen gehen gerne früher schlafen und andere später.

MÜSSEN Kinder feste Schlafenszeiten haben?

Wenn wir diese Unterschiede betrachten, wird sehr schnell klar: Es kann keine für alle Kinder geltende feste Einschlafzeit geben. „Nach dem Sandmännchen ins Bett“ galt in meiner Kindheit als feste Zubettgehzeit – heute sehen es viele Familien anders. Denn klar wird auch: Feste Zeiten passen vielleicht nicht zum Kind und Konflikte sind vorprogrammiert, wenn man versucht, ein Kind, das nicht müde ist, ins Bett zu bringen. Neben anderen Faktoren wie Wärme, Nähe, ein Gefühl der Sicherheit und Sättigung ist eine ganz wichtige Zutat für das Schlafen eben der Umstand, dass das Kind auch wirklich müde ist. Ist es das nicht, wird die Zubettbringzeit schwierig und das Kind wehrt sich gegen den Versuch der Eltern, die Eltern sind genervt und es entsteht ein ungünstiger Kreislauf, der für keine der beteiligten Personen angenehm ist.

Keine festen Zeiten, aber ritualisierte Abläufe der Ruhe

Feste Schlafenzeiten sind für die meisten Kinder deswegen unpassend – einige werden früher müde, andere später. Und auch von der Tagesform ist es abhängig, wann das Kind schlafen geht: Hat es sich an einem Tag viel bewegt, hat es wenig mittags geschlafen, ist es vielleicht krank – all dies kann ein frühes Einschlafen begünstigen. Hat es einen späten Mittagsschlafgemacht oder vielleicht einen Faulenzertag zu Hause erlebt, ist es vielleicht erst später müde. Auch in den Zeiten, in denen sich gerade der Mittagsschlaf umstellt und an einigen Tagen dennoch wieder mittags geschlafen wird, kann sich das Schlafen hinauszögern. Es ist gut, auch hier das Kind zu beobachten und weniger nach einem Zeitplan zu gehen, sondern viel mehr nach den Bedürfnissen des Kindes.

Unabhängig vom konkreten Zeitplan ist es aber für viele Kinder angnehm, wenn die Rituale rund um das Schlafengehen ähnlich ablaufen. So ist das Kind vorbereitet auf die kommenden Schritte und kann bewusst daran teilnehmen: Das Zähneputzen, Anziehen des Schlafanzugs, vielleicht das Vorlesen einer Geschichte oder Singen eines Liedes. Immer ähnliche Rituale führen das Kind langsam über in die Zeit des Ausruhens.

Kinder brauchen keine festen Zubettgehzeiten

Wir sehen also: Kinder müssen nicht Punkt acht Uhr im Bett liegen. Es ist in Ordnung, wenn sie früher oder später schlafen gehen und es sagt nichts über die Erziehung oder die Qualität der elterlichen Fürsorge aus, wenn Kinder länger wach bleiben, wenn das ihr Bedürfnis ist und es in den Tagesplan passt, so dass es keine Konflikte mit Terminen am nächsten Morgen gibt.

Auch wenn Kinder keine festen Zeiten brauchen und sich oft auch gar nicht danach richten können, brauchen aber Eltern manchmal verlässliche Zeiten und der Wunsch, dass die Kinder nun endlich um acht im Bett sind, damit man Zeit für sich hat, ist manchmal groß. Letztlich führt das Arbeiten gegen die innere kindliche Uhr jedoch nur zu Konflikten, weshalb es wichtig ist, dass Eltern sich unabhängig von den Schlafgewohnheiten des Kindes eine schöne Zeit machen können, um die Kraftreserven aufzufüllen.  Manche lesen, während das Kind neben ihnen spielt, bis es eben müde wird, manche arbeiten noch und wieder andere sitzen eben als Paar zusammen, reden und trinken einen alkoholfreien Cocktail, während die Kinder langsam müder werden und ganz sicher auch irgendwann einschlafen.

Eure

Weiterführende Literatur:
*Renz-Polster, Herbert/Imlau, Nora (2016): Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten. – München: GU.
Lüpold, Sybille (2014): Ich will bei Euch schlafen! – Freiburg: Herder.
Mierau, Susanne (2016): Geborgen wachsen. Wie Kinder glücklich groß werden und Eltern entspannt bleiben. – München: Kösel.

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Schlaflos

Noch eine weitere Runde gehe ich mit Dir durch die Nacht. Eng an mich geschmiegt trage ich Dich durch das Dunkel der Wohnung, immer wieder die gleichen Kreise abschreitend. Die Schatten der Nacht sind mir bekannt. Am Fenster halte ich kurz an und schaue hinaus auf die anderen Häuser. Die meisten Lichter sind erloschen, nur hier und da ist noch ein Lichtschein zu sehen. Es ist spät in der Nacht. Ich drehe mich um und gehe wieder zurück durch die Wohnung, um bald wieder vor dem Fenster zu stehen. Noch weniger erleuchtete Fenster, noch weiter voran geschritten ist die Zeit.

Sind es die Zähne? Oder vielleicht wirst Du krank? Oder es ist doch die Überraschung über all das, was Du schon kannst? Nur schlafen kannst Du gerade nicht. Eigentlich ist die Ursache auch jetzt gerade nicht wichtig, denn sie wird nichts ändern an dem Umstand, dass Du auf meinem Arm getragen werden möchtest.

Schritt für Schritt wiege ich Dich. Streiche über Deine Wange, halte Deine kleine Hand. Ich singe zum zwanzigsten Mal das Schlaflied, das Du so magst und denke daran, dass jedes Kind sein eigenes Lied hat, das es beruhigt. Ich bin bei Dir und lasse Dich nicht allein mit Deinem Kummer. Auch dann nicht, als kein Lied mehr über meine Lippen kommt. Ich spüre, wie schwer meine Augen sind und wie erschöpft mein Arm von der Last, die ich schon so lange Trage. Wie gerne würde ich schlafen und noch lieber wissen, dass Du beruhigt einschlafen kannst. Wie unwichtig manch andere Dinge werden, wenn man ein Kind auf dem Arm trägt.

Irgendwann spüre ich, wie Dein kleiner Körper weicher wird und schwer, warm und sanft in meinem Arm liegt. Ich höre Deinen gleichmäßigen Atem und sehe Deine geschlossenen Augenlider. Ich atme tief durch vor Erleichterung für mich und Dich und uns. In wenigen Minuten werde ich eingeschlafen sein, so müde bin ich. Und doch werde ich Dich immer wieder wiegen und tragen, wenn du es brauchst.

Einschlafen

Da liegst Du nun in meinem Arm. In einem Moment noch so munter, streckst Deine Arme hoch und möchtest mir noch von der Welt erzählen. Auch Deine kleinen Beine sind noch nicht zur Ruhe gekommen und hüpfen noch unter der Decke hin und her. Im nächsten Moment sehe ich, wie sich Deine Augen langsam schließen. Schnell öffnest du sie wieder: Nichts verpassen. Und nachsehen, ob ich noch da bin. Ganz nah liege ich bei Dir. Ich spüre Deinen Atem auf meiner Wange. Erst noch unruhig, dann immer gleichmäßiger. Die Augen gehen auf und wieder zu. Du bist schon ein wenig in Deiner Traumwelt eingetaucht, siehst auf der anderen Seite schon eine Geschichte. Dann sind die Augen wieder weit auf, Deine kleine Hand sucht meine. Ja, ich bin noch immer hier bei Dir. Deine Augen schließen sich wieder. Ich sehe, wie sie sich unter Deinen zarten Augenliedern bewegen und ein Lächeln huscht über Dein Gesicht mit einem kleinen Glucksen. Noch eine ganze Weile liegen wir so dort, nebeneinander, aneinander. Deine kleine Hand umfasst einige meiner Finger und langsam, ganz langsam wird der Druck immer weniger. Deine Augen bewegen sich nicht mehr hinter den Lidern, Dein Atem ist gleichmäßig und lang. Du bist eingeschlafen, ganz sanft. Nicht langsam, es hat schon eine Weile gedauert, aber Du bist ruhig über gegangen zu diesem wunderbaren Ort des Schlafes, an dem Du Dich nun von all den Dingen des Tages erholen kannst. Du kannst es genießen, das Schlafen und Kraft schöpfen für einen neuen Tag voller Eindrücke und Erlebnisse. Ein Tag, an dem Du Dir sicher sein kannst, dass Du am Ende ebenfalls wieder in meinen Armen schlafen kannst.

Wenn wir uns fragen, wie unsere Kinder einschlafen sollen, müssen wir uns die Frage erlauben, wie wir selbst einschlafen wollen. Niemand möchte von einer geliebten Person in einem dunklen Raum allein zurück gelassen werden ohne die wärmende Nähe eines anderen, vertrauten Menschen. Ohne das Wissen, wann man wieder aus dieser Einsamkeit befreit wird und ob es dort ohne andere Menschen sicher ist. Es bedarf nicht viel für das Einschlafen: Wir brauchen keine Nachtlichter, keine extra Musik, keine aufregenden Aktivitäten. Wir brauchen einen ruhigen, weichen, warmen, sicheren Ort, an dem wir ruhen können. Unsere Kinder wünschen sich das, was auch uns gut tut: geborgenes Einschlafen mit der Sicherheit, dass ein liebender Mensch über sie wacht.

Eure

Susanne_clear Kopie

 

5 Ammenmärchen über den Babyschlaf

Im Laufe der Jahre habe ich viel erfahren über das Schlafverhalten anderer Babys und Kinder und auch meine eigenen drei Kinder sind ganz verschiedene Schläfer: Da gibt es das Kind, das von Anfang an nachts wunderbar schlief, aber kaum am Tage. Dann gab es das Kind, das nachts lange (und zwar Jahre!) schlecht schlief und dafür den Mittagsschlaf liebte. Und es gibt das Kind, das irgendwo so in der Mitte ist und gerade erst den Tag-Nacht-Rhythmus für sich entdeckt hat. 3 Kinder in einer Familie, 3 verschiedene Schlafgeschichten. Babys und Kinder schlafen unterschiedlich und doch gibt es eines, was ganz sicher gilt: Es gibt viel zu viele Ammenmärchen über den Schlaf unserer Kleinsten. Weiterlesen

Ein Blick in Familienbetten – Die geborgen wachsen Familienbettgalerie

Schon bevor unsere Tochter 2009 geboren wurde, stand für uns fest, dass sie mit uns zusammen in einem Bett schlafen wird. Als unser Sohn 2012 geboren wurde, musste das Bett vergrößert werden und für unser drittes Kind sind wir nun auf zwei Ebenen ausgewichen. Das Familienbett ist aber nicht nur in unserer Familie Tradition, sondern kommt viel häufiger vor als wir es manchmal denken. Kinder suchen für einen sicheren und geborgenen Schlaf oft die Nähe der Erwachsenen auf. Noch immer halten sich einige Ammenmärchen gegen Familienbetten hartnäckig, doch zeigen Gespräche mit Eltern immer wieder: Dass die Kinder entweder gleich bei ihren Eltern schlafen oder nachts mit ins Bett schlüpfen, ist weit verbreitet. Gerade bei Kindern, die auch nach dem 1. Geburtstag noch nicht durchschlafen, ist das oft hilfreich. Weiterlesen

So schlafen wir in Familienbetten!

Nachdem ich vor einiger Zeit hier auf dem Blog gezeigt habe, wie wir unsere Familienbetten gebaut haben, habe ich einige Rückmeldungen bekommen, dass unsere Betten nachgebaut wurden. Einige haben mir auch Fotos geschickt von ihren Familienbettlösungen. Diese Bilder und Blogbeiträge möchte ich gerne nun sammeln und als großen Familienbettbeitrag mit vielen verschiedenen Beispielen veröffentlichen. So können wir zeigen: Familienbetten sind gar nicht so selten und es gibt viele Wege, um als Familie gemeinsam gut Schlaf zu finden.

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Wer also die Familienbettlandschaft bereichern möchte, kann mir gerne ein Foto senden vom Familienbett mit ein paar Angaben: Wieviele Personen schlafen darin? Seit wann habt Ihr das Bett so und wie praktisch ist es für Euch im Alltag? Dazu gerne Euren Vornamen und Euer Alter. Wenn Ihr einen eigenen Blog habt, dann schickt mir doch gerne den Link zu Eurem Familienbettartikel und ein Beitragsbild.

Lasst uns gemeinsam eine riesige Sammlung an Familienbettbeispielen anlegen und Inspiration sein für viele andere!

Ich freue mich auf Eure Links und Fotos,
Eure
Susanne_clear Kopie

Guten Abend, gute Nacht – Über das Zubettgehen

Schlafen

Wenn über das Schlafen gesprochen wird, kommt irgendwann auch das Thema Einschlafrituale auf den Tisch. Denn eines ist klar: Kinder lieben Rituale und gerade auch beim Einschlafen können sie eine schöne Hilfe sein. Warum? Weil sie Struktur geben. Weil sie dem Kind klar machen: Es ist ein immer gleicher Ablauf und Du weißt, was als nächstes passiert. Doch nicht nur für Kinder sind sie eine gute Unterstützung, auch Eltern helfen die kleinen Rituale am Abend, um sich an immer gleichen Handlungen zu orientieren. Gerade am Anfang des Elterndaseins ist es hilfreich, sich mit Ritualen den Tag zu strukturieren. Im Laufe der Jahre hatten wir verschiedene Einschlafrituale, denn je nach dem Alter des Kindes und dem Bedarf bzw. auch der Familienzusammensetzung haben sich die Rituale verändert. Heute gebe ich Euch einen kleinen Einblick in unsere Einschlafrituale der letzten 5 Jahre.

Gute Nacht, mein Baby!

Als unsere Tochter geboren war, war das Elternsein erst einmal neu für uns und ich fand es gut, mir mit Ritualen den Tag zu strukturieren. Schließlich war ich vorher noch nie einfach so zu Hause für lange Zeit ohne gerade zu arbeiten oder zu studieren. Was für den Tag galt, galt auch für den Abend: Ein Ablauf sollte her, der die Abendplanung unterstützen sollte. Wir entschieden uns, unsere Tochter abends mit einer entspannenden Massage zu beruhigen. Massiert wurde auf dem Wickeltisch im Bad, mal von Mama, mal von Papa. Es gibt spezielle beruhigende Massagegriffe. Grob gesagt sind es besonders alle Massagebewegungen, die vom Körper weg gehen, die entspannen, lösen und beruhigen. Also strichen wir Abend für Abend ihren Körper aus, was sie sehr genoss. Zusammen mit der Massage war auch die restliche Körperpflege verbunden: Sie bekam eine frische Windel und ab dem 4. Monat, als ihre ersten beiden Zähne erschienen, wurden die Zähne geputzt. Dann legte ich mich mit ihr auf der Brust auf das Sofa, stillte sie bis sie einschlief und las dann noch etwas, wenn ich nicht selbst dabei einschlummerte. Irgendwann, wenn mein Mann dann schlafen ging, weckte er mich und brachte uns ins Bett.

Als sie größer wurde, massierten wir sie ab und zu im Bett. Papa sagte dann gute Nacht und ich stillte sie im Bett bis sie einschlief. Es gab und gibt bei uns keine festen Zubettgehzeiten. Wir essen immer in etwa zur gleichen Zeit zu Abend, manchmal früher, manchmal später und daran schließt sich das Zubettgehen mit der Abendpflege an. Wenn wir merken, dass die Kinder besonders müde sind, beeilene wir uns mit dem Abendessen oder machen nur ein kleines Essen.

Gute Nacht, mein Kleinkind!

Als die Tochter größer wurde, blieb das Zubettgehen zunächst wie gehabt. Ich stillte sie bis zu ihrem 2. Geburtstag zum Einschlafen. Vorher schauten wir uns oft noch ein Bilderbuch gemeinsam an. Das Abstillen am Abend war eine große Änderung in unserem Abendablauf und zunächst brachte es viel durcheinander. Das Stillen wurde durch das Kuscheln ersetzt. Nach dem Abendessen ging es ins Bad, Zahnseide wurde benutzt, die Tochter durfte selbst putzen und wir putzten noch einmal die Zähne nach. Danach wurde im Bett ein Buch vorgelesen, meist ein kleines Pixi-Buch aus ihrer Sammlung. Bevor wir zu den großen Vorlesebüchern übergingen, durfte sie auch zwei Geschichten auswählen. Ich blieb bei ihr, bis sie eingeschlafen war. Dann genoss ich den Abend mit meinem Mann oder arbeitete noch etwas, bevor ich mich wieder ins Familienbett zu ihr legte.

Gute Nacht, große Schwester und kleiner Bruder!

Als dann der Sohn geboren wurde, war die Tochter 3,5 Jahre alt. Wie sollte ich sie weiter ins Bett bringen, wo doch jetzt das Baby da war? Wie macht man das mit dem Familienbett? Sind wie am Ende des Familienbetts angekommen? Diese Fragen stellten wir uns, und dann ging es doch einfacher, als wir dachten. Nach dem Abendessen wurden beide Kinder bettfertig gemacht. Die Tochter wie gewohnt mit Zahnseide und Zähneputzen, der Sohn bekam eine frische Windel. Da es keinen Raum für die Abendmassage beim Sohn gab, wurde er einfach morgens oder tagsüber massiert. Eine Weile aber forderte die Tochter mehr Massageeinheiten am Abend ein und ich massierte sie im Bett nach dem Zähneputzen. Wir gingen alle zusammen ins Bett: Mutter, Vater und zwei Kinder. So tun wir es auch heute noch. Der Mann liest ein Kapitel aus einem Vorlesebuch vor. Die Tochter lauscht, der Sohn hört etwas zu oder spielt ein wenig vor sich hin oder wird gestillt oder schaut parallel ein Bilderbuch an. Im Anschluss an das Vorlesen kann die Tochter sich aussuchen, ob sie noch ein Hörspiel auf ihrer Hochebene im Spielzimmer hören möchte bei Sternenlicht oder sie im Wohnzimmer auf dem Sofa liegen möchte, wo ihr Papa ihr noch ein Lied vorsingt. In der Zwischenzeit stille ich den Sohn im Familienbett, wo er auch schon bald einschläft. Die Tochter schläft dann auf der Hochebene oder auf dem Sofa meistens ein und wird dann wieder ins Bett zurück getragen.

So also laufen die Abende im Hause Mierau ab. Wichtig ist mir immer wieder, dass es zwar gleichbleibende Abläufe gibt, aber keine starren Regeln. Es muss nie etwas zu exakt einer bestimmten Uhrzeit passieren. Wir orientieren uns immer an den Kindern. Sind sie müde, wird alles etwas vor verlegt. Sind sie noch nicht müde, dürfen sie länger spielen und wir dehnen den Ablauf aus. So ersparen wir uns immer wieder Frust am Abend. Denn kaum etwas ist schlimmer, als Kinder, die nicht schlafen wollen und Eltern, die davon genervt sind. Ich kann deswegen nur allen Eltern raten: Schaut auf Eure Kinder und geht es ganz locker an. Wer müde ist, der wird auch schlafen – und das gilt auch für müde Eltern.

Und wie sind Eure Einschlafrituale?

Wiegenlieder – sanft in den Schlaf begleiten

Schlafen ist wohl eines der wichtigsten Themen für Eltern im ersten Lebensjahr. Nichts berührt so sehr, nichts ist so anstrengend wie fehlender Schlaf. Oft sind es schon die Rahmenbedingungen, die das Schlafen erleichtern können. Rituale sind für Kinder und Eltern wunderbar, um den Abend und das Schlafen einzuleiten. Sie geben dem Tag einen Rahmen und schon kleine Babys und Kinder lernen durch Rituale Abläufe kennen und erfahren Strukturen. Wie ein Abendritual aussieht, kann sehr unterschiedlich sein: Für die einen ist es das abendliche Waschen und die Babymassage, für andere  ist es ein Rundgang durch die Wohnung, bei dem allen Dingen Gute Nacht gesagt wird. Oft sind Abendrituale für Babys und Kinder mit Gesang verbunden. Wiegenlieder sind es, die sanft in die Nacht begleiten.

“Geborgenheit ist es, was wir einem Kind geben möchten, das einschlafen will und soll” schreibt Prof. Dr. Christoph Bührer bereits in seinem Nachwort zum Liederbuch “Wiegenlieder: Texte und Melodien mit Harmonien. Mit CD zum Mitsingen“ (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel), das 2009 im Rahmen des Liederprojektes erschienen ist. Und es stimmt, dass das Wiegenlied genau die Geborgenheit nachbildet, die dem Kind so vertraut aus dem Mutterleib ist: das sanfte Schaukeln, das sie bei den Bewegungen der Mutter spürten, der Rhythmus, der dem Schlagen des Herzens ähnelt. Wiegenlieder sind deswegen seit langer Zeit ein wunderbares Ritual, um Kinder in den Schlaf zu begleiten. Sie wirken nicht nur auf das Kind beruhigend, sondern auch auf den Elternteil, der liebevoll singt und so auch sich selbst beruhigen kann.

Doch Musik bewirkt noch mehr außer uns ggf. an unsere frühesten Wahrnehmungen zu erinnern: Untersuchungen haben gezeigt, dass Musik das körpereigene Belohnungssystem stimuliert. Für uns angenehme Musik bewirkt sogar, dass Gehirnstrukturen, die für Ängste und Aversionen zuständig sind, weniger aktiviert werden können. Das kann man ganz einfach selber an sich feststellen: Wer gerne singt oder pfeift, wenn er in einen dunklen Keller geht, tut das, um sich selbst zu beruhigen (vgl. Spitzer 2002, S. 188f.). Musik ist deswegen gut geeignet, um auch Kindern die Angst vor der Dunkelheit und dem Einschlafen zu nehmen.

Ganz besonders wichtig an dem Singen für und mit Kindern ist natürlich auch das Soziale: Gemeinsames Singen symbolisiert Zusammengehörigkeit, das Singen für einen anderen zeigt: Ich möchte Dir etwas Gutes tun, ich bin für Dich da.

Wiegenlieder sind daher überall auf der Welt zu finden. Bereits 2009 erschien durch das Liederprojekt eine Sammlung von 42 deutschen Wiegenliedern. Nun ist ein neuer Band des Liederprojektes heraus gekommen: Wiegenlieder aus aller Welt (Amazon* | Buch 7* | Buchhandel). 51 Wiegenlieder sind hierin versammelt, in Sprachen von Arabisch bis Zulu. Sie erzählen von den täglichen Erfahrungen der Kinder, vom Stillen, vom Alltag, manchmal auch von ernsten Themen. Die Melodien sind zum Teil vertraut, manche auch orientalisch neu. Jedes Lied ist nicht nur in seiner Originalsprache aufgeführt, sondern auch in deutscher Übersetzung. Wie immer befindet sich eine CD zum Mitsingen dabei. Wer bislang nur „Guten Abend, gute Nacht“ und „Schlaf Kindlein, schlaf“ in seinem Repertoire hatte, findet hier eine breite Auswahl an den unterschiedlichst klingenden Wiegenliedern. Auch die passende CD „Wiegenlieder aus aller Welt“ ist einen Ausflug in die Kulturen der Welt wert.

Illustriert ist das Buch mit wunderbaren Fotos aus verschiedenen Kulturen, die unterschiedliche Schlafsituationen abbilden. Bilder und Lieder zeigen: Überall auf der Welt wollen Eltern ihre Kinder sanft in den Schlaf begleiten. – Und auch das ist schon tröstlich, wenn man abends weiß: Überall auf der Welt ist das Einschlafen manchmal nicht leicht.

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Familienschlaf – darauf kann ich achten, um mit Baby Schlaf zu finden

 

Schlaf ist wohl eines der wichtigsten Themen im ersten Lebensjahr. Nichts zehrt so sehr an jungen Familien wie Schlafmangel. Ganze Regalbretter in Buchhandlungen sind voll mit Ratgebern zu diesem Thema: vom Schreienlassen bis hin zum Akzeptieren. Doch wie kann es sein, dass gerade das Schlafen, eines unserer Grundbedürfnisse, in der ersten Zeit mit dem Baby so schwierig sein soll? Was ist es, was uns tatsächlich am Schlaf hindert und was können wir tun, um unserem Grundbedürfnis nachkommen zu können?

Schlafen – wie funktioniert das eigentlich?

Niemand schläft die ganze Nacht über durch ohne aufzuwachen. Das ist für viele Eltern erst einmal eine neue Information: Babys und Kinder schlafen nicht durch? Erwachsene auch nicht? Nein. Menschen werden nachts mehrmals wach. Nur schlafen wir Erwachsenen sehr schnell wieder ein. So schnell, dass wir uns am Morgen vielleicht gar nicht daran erinnern, dass wir nachts wach geworden werden sind. Babys und Kleinkinder haben diese Fähigkeit, schnell wieder in den Schlaf zu finden, meistens jedoch noch nicht.

Wie kommt es dazu, dass wir nachts aufwachen? Schlaf ist nicht einheitlich. Er besteht vielmehr aus verschiedenen Komponenten: oberflächlichem Schlaf und tiefem Schlaf. Werden wir müde, kommt es meistens zu typischen Anzeichen wie Gähnen und/oder Augenjucken. Begeben wir uns dann zum Schlafen, nimmt unsere Wahrnehmungsfähigkeit langsam ab und wir gelangen in den Tiefschlaf. Darin sind wir sehr entspannt und atmen regelmäßig. Von dort aus wechseln wir wieder in den oberflächlichen Schlaf mit unregelmäßiger Atmung und gelegentlichen Bewegungen. Wegen der schnellen Augenbewegungen, die hier stattfinden, wird er auch als REM-Schlaf (Radip Eye Movements) bezeichnet. In dieser Phase wird am meisten geträumt. Im Anschluss hieran werden wir wieder wach, um dann erneut in den Tiefschlaf zu kommen. Beim Neugeborenen dauert ein solcher Schlafzyklus etwa 50 Minuten – danach wacht er auf. Hat er einen solchen Zyklus drei bis viermal durchlaufen, bleibt er für längere Zeit wach. Beide Phasen des Schlafes sind für Babys von großer Bedeutung: Im Tiefschlaf erholt sich das Baby und das Nervensystem regeneriert sich, im oberflächlichen Schlaf entwickelt sich das Gehirn. Mit der Zeit dehnt sich dann der Schlafzyklus aus. Bei Erwachsenen beträgt er etwa 90 bis 120 Minuten. Der Schlafzyklus von Eltern und Baby ist also unterschiedlich. Wenn aber Mutter und Kind zusammen schlafen, gleichen sich die Schlafphasen einander an und so können die Eltern nach dem Aufwachen auch schneller wieder in den Schlaf finden, weil sie vom Kind nicht aus dem Tiefschlaf gerissen werden. Das gemeinsame Schlafen in einem Raum bzw. in einem Bett (ggf. mit Beistellbett) kann also dem Schlaf förderlich sein. Dieser 50-Minuten-Rhythmus gilt übrigens auch tagsüber: Etwa alle 50 Minuten gelangt das Baby von einer aktiven in eine ruhigere Phase, von der aus es dann in den Schlaf übergehen kann. Nimmt man die Signale des Kindes wahr und reagiert darauf, ist das schon eine gute Basis für den Schlaf.

Neben diesem Schlafrhythmus gibt es auch einen zirkadianen Rhythmus der Schlaf-Wach-Phasen: Schlafen und Wachen ist in etwa dem 24-Stunden-Tagesrhythmus angepasst. „In etwa“ bedeutet, dass es meistens nicht genau 24 Stunden sind, an denen wir uns orientieren. Nur die wenigstens Menschen sind am Abend immer zur gleichen Zeit müde und stehen morgens zur gleichen Zeit auf. Die meisten Menschen verfügen über einen Rhythmus, der länger als 24 Stunden ist: Dadurch bleiben diese Nachtmenschen gern abends länger wach und möchten morgens eigentlich lieber länger schlafen. Bei den Frühaufstehern ist es andersherum: Ihr Rhythmus beträgt weniger als 24 Stunden, weshalb sie abends früh müde werden und dann morgens früh und gern aufstehen. Dieser zirkadiane Rhythmus bildet sich in den ersten Lebensjahren aus. Natürlich kann es sein, dass Eltern und Kinder einfach unterschiedliche Rhythmen haben – daran kann man nichts ändern, sondern muss für den Tagesablauf Kompromisse finden.

Wie lange Babys insgesamt schlafen, ist sehr unterschiedlich. Es macht also keinen Sinn, Babys in Bezug auf die Anzahl der Stunden, die sie schlafen, zu vergleichen. Im Laufe der Zeit ist es auch unterschiedlich, wie lange Kinder Mittagsschlaf machen oder ob sie schon in jungen Jahren damit aufhören. Allgemein kann nur gesagt werden, dass die Gesamtschlafdauer mit zunehmendem Alter abnimmt. Auch der zirkadiane Rhythmus hat übrigens keinen Einfluss darauf, wie viele Stunden Schlaf tatsächlich benötigt werden.

Rahmenbedingungen für guten Nachtschlaf

Auch als Erwachsene haben wir ganz bestimmte Rahmenbedingungen, die eingehalten werden sollen, damit wir gut in den Schlaf finden. Für manche Erwachsene muss das Zimmer dunkel sein oder sie schlafen gar mit einer Schlafmaske, manche hören Musik, manche benötigen Stille. Anders als aber oft angenommen wird, benötigen Babys nicht eine reizarme und stille Umgebung, um in den Schlaf zu finden. Aus dem Mutterleib sind sie die beruhigenden Geräusche des mütterlichen Körpers gewohnt. Hintergrundgeräusche sind daher für die meisten Kinder kein Problem. Nur plötzliche und unerwartete Geräusche lassen sie aufschrecken – wie uns auch.

Wir alle haben bestimmte Vorraussetzungen für den Schlaf – Rituale. Auch für Kinder und Babys trifft dies zu. Auch für sie sind Rituale und gleiche Abläufe oft wichtig. Was dabei als Ritual gilt, kann sehr unterschiedlich sein: Es kommt nicht unbedingt darauf an, dass das Kind immer um die gleiche Uhrzeit ins Bett geht oder mit einem festgelegten Ablauf von Massage-Windelwechsel-Stillen-Schlafen. Viele Babys schlafen auch dann gut, wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten abends einschlafen oder keine sehr festen Abläufe haben. Dennoch lassen sich bei genauem Hinsehen oft Kleinigkeiten ausmachen, die wichtig für sie sind und die sie gerne einfordern – sei es „nur“ die Anwesenheit einer seiner Bindungspersonen. Wird das Kind dann größer, festigen sich Erwartungen an gleich bleibende Rituale zunehmend.

Auch die innere Haltung ist wichtig

Gut ist es, wenn wir uns nicht an bestimmten Abläufen zwangsweise festhalten, sondern insgesamt eine ruhige Abendgestaltung planen ohne besonders aufregende Ereignisse zum Abend hin: ein langsames Abgleiten in immer ruhigere Zeiten, bis sich das Kind schließlich ausruhen darf im Bett. „Ausruhen darf“ ist dabei ein guter Gedanke, den wir verinnerlichen können als Eltern: mit Zwang und Druck ist auch hier wenig geholfen. Schlafen ist erholsam und eine Wohltat für das Kind (und uns) und es ist ein schöner Moment, sich ausruhen zu können. Diese Grundhaltung kann wesentlich zur Entspannung des Abendablaufs beitragen.

Ist das Baby müde?

Doch noch bevor bestimmte Rituale erlernt und gleiche Abläufe eingefordert werden, gibt es auch ganz gleichbleibende und über alle Menschen hinweg gültige Vorraussetzungen, die erfüllt sein wollen: Wie wir bereits erfahren haben, gibt es einen Schlafrhythmus: Kommt das Kind in eine ruhigere Phase und zeigt es Müdigkeitssymptome, fällt es ihm leichter, dann auch in den Schlaf zu finden. Eltern müssen jedoch diese Müdigkeitssymptome erkennen können. Auch hier ist die Bandbreite groß: Neben Gähnen und Augenreiben gibt es noch viele andere individuelle Signale. Manch ein Kind massiert sich dei Ohren, manch eines macht rhythmische Bewegungen mit Armen oder Beinen. Eltern lernen, wenn sie den Raum haben, um genau hin zu sehen, über die Zeit die individuellen Signale ihres Babys. Müdigkeit ist aber insgesamt eine wichtige Voraussetzung für das Schlafen: Ist das Baby nicht müde und wollen wir es nur ins Bett bringen, weil wir denken, dass es nun aber langsam Zeit wäre, ist das Vorhaben wenig Erfolg versprechend.

Andere Grundbedürfnisse, die erfüllt sein wollen

Damit das müde Kind dann problemlos schlafen kann, müssen zuvor auch seine Grundbedürfnisse befriedigt sein: Es soll weder durstig noch hungrig sein, es soll sich wohl, entspannt und geborgen fühlen. Wir alle wissen, dass man mit Hunger, Durst, zu vollem Magen, bei Kälte oder zu starker Hitze schwer einschlafen kann. Das gilt auch für Babys und Kinder. Gerade die Raumtemperatur ist ein wichtiger Bestandteil des guten Schlafes: Zu warme Schlafräume und -arrangements behindern einen guten Schlaf und werden sogar als Ursache für den Plötzlichen Kindstod mit aufgeführt.

Für Babys ist es zudem wichtig, dass sie die Anwesenheit eines Erwachsenen spüren – auch dies zählt zur Erfüllung der Grundbedürfnisse. Denn nur dann fühlt es sich ganz sicher und kann sicher sein, dass jemand über es wacht, während es schläft. So kommt es auch, dass viele Kinder die Nähe der Eltern im Familienbett bevorzugen. Was auf keinen Fall geeignet ist, um den Schlafrhythmus des Kindes auszudehnen oder das selbständige Durchschlafen zu fördern, ist das „(kontrollierte) Schreienlassen„. Auch wenn Kinder durch diese Methode nachts weniger aufwachen, hat sie schwerwiegende psychische und allgemein gesundheitliche Nachteile.

Schlafen und Stillen

Eines der Grundbedürfnisse, die erfüllt sein wollen, ist es also, dass das Kind satt ist. Demnach stehen Stillen und Schlafen in einem Zusammenhang bzw. auch das Stillen des Hungerbedürfnisses durch künstliche Säuglingsnahrung, wenn nicht gestillt wird. In vielen Ratgebern wird davor gewarnt, Babys im Bett zu stillen oder sie gar an der Brust einschlafen zu lassen. Warum aber? Das Einschlafen an der mütterlichen Brust bietet dem Baby schließlich die Erfüllung vieler Grundbedürfnisse auf einem Mal: Es hört den vertrauten Herzschlag der Mutter, es ist warm, es besteht Körperkontakt und es wird dabei auch noch satt. Eine Traumvorstellung für ein Baby! Es spricht daher nichts dagegen, das Baby an der Brust einschlafen zu lassen. Doch wie schon ausgeführt wurde, erwarten Babys dieses Ritual dann auch beim nächtlichen Aufwachen. Es ist also eine ganz normale Grundsatzentscheidung, die Eltern hier fällen müssen: Soll das unser Ritual sein oder nicht? Wenn sich alle Beteiligten damit wohl fühlen, gibt es nichts, was dagegen sprechen würde. Wenn nicht, wird es ein anderes Ritual geben. Leider wird noch immer an vielen Stellen von Zahnärzten behauptet, das nächtliche Stillen würde Karies verursachen. Glücklicherweise gibt es hierzu Studien und, die gegen dieses weit verbreitete Ammenmärchen sprechen.

Auch die Milchproduktion unterliegt einem  zirkadianen Rhythmus. Gerade in Phasen von Entwicklungsschüben ist dies vielen Müttern bekannt: Ist das Kind tagsüber mit dem Ausprobieren einer neuen Fertigkeit beschäftigt, trinkt es weniger und möchte dann nachts diesen Bedarf wieder auffüllen. Vormittags ist der Bedarf meist geringer und steigt am Nachmittag mit einem 2-Stunden-Rhythmus des Stillens wieder an. Holt das Baby nachts Mahlzeiten nach, kann auf verschiedene Weise eingewirkt werden: Das Baby kann tagsüber die Brust häufiger angeboten bekommen, um seinen Bedarf zu stillen und die Mutter kann auch nachts die so genannte „11-Uhr-Stillmahlzeit“ anbieten: Geht die Mutter zum Schlafen ins Bett, bietet sie dem Baby die Brust an, um dann erst einmal den Bedarf zu stillen und eine längere Stillpause zu haben, in der sie auch Schlaf bekommt.

Kleine Hilfen zur Entspannung

Zunächst ist es wichtig, sich in Bezug auf das Schlafen eines klar zu machen: Säuglinge, Babys und selbst Kleinkinder schlafen in den seltensten Fällen die Nacht durch. Auch wenn in Ratgebern wie „Das Durchschlafbuch“ von Anna Wahlgren behauptet wird, dass Babys durchschlafen müssten und sich der als chronisch bezeichnete, aber eigentlich normale Schlafmangel negativ auf das Gehirn auswirken würde – es ist nicht richtig. Das nächtliche Aufwachen hat, wie wir gesehen haben, einen Sinn und Zweck. Wird man sich dessen bewusst und kann man daher auf die Frage, ob der sechs Monate alte Säugling denn nun endlich durchschlafen würde, ganz gelassen antworten, dass er das nicht tut, ist für die elterliche Entspannung schon einiges getan. Nicht-Durchschlafen ist nämlich kein Zeichen dafür, dass das Kind zu sehr verwöhnt wird und auch nicht für elterliches Versagen. Es ist schlichtweg normal.

Doch natürlich kann zu wenig Schlaf (und das ständige Nachfragen von Familienangehörigen und Verwandten nach dem Durchschlaffortschritten des Nachwuchses) an unseren Nerven zehren. Gerade wenn wir ganz besonders wünschen, dass das Kind nun doch einschlafen möge, weil wir unsere Lieblingsserie im Fernsehen sehen möchten, gelingt das Zu-Bett-Bringen besonders oft nicht. Woran das liegen kann? Wir selbst müssen entspannt sein, um Entspannung zu vermitteln. Nimmt das Baby oder Kleinkind den schnelleren Herzschlag der Mutter, die schnellere Atmung oder die Körperspannung durch die Aufregung oder Verärgerung wahr, kann es erst Recht nicht einschlafen. Auch das ist ganz sinnvolles und normales Verhalten des Babys: „Mama ist beunruhigt, ich weiß nicht warum, aber irgendwas wird nicht stimmen. Dann bleib ich lieber wach.“ Ruhig durchatmen, heißt es dann. Vielleicht sind ja noch einige Atem- oder Entspannungstechniken aus der Geburtsvorbereitung bekannt, die zur Lockerung führen können. Erst wenn der Körper wieder beruhigt ist, kann auch das Baby schlafen. Wenn das nicht möglich ist, kann man sich vielleicht mit dem Partner abwechseln.

Die wohl wichtigste Hilfe, damit alle Beteiligten einen guten Schlaf finden ist, dass sie auch wirklich schlafen gehen. Während wir darauf bestehen, dass unsere Babys und Kinder ausreichend Schlaf erhalten, gehen wir nämlich mit uns selbst meistens nicht so wohlwollend um: Statt sich mit dem Säugling gemeinsam ins Bett zu legen und auch dort zu bleiben, stehen wir wieder auf, um noch auf der Couch einen Film zu sehen, aufzuräumen oder zu arbeiten. So vertun wir die Stunden, die wir nach unserem ganz persönlichen Schlafbedarf benötigen (der ja, wie gezeigt wurde, bei jedem anders ist), mit Wachsein und kommen automatisch zu wenig Schlaf. Selbstverständlich benötigen wir auch ab und zu einen Abend mit dem Partner oder doch mal die Zeit für die Steuererklärung. Verabredungen und Termine können dann nützlich sein. Und an den restlichen Abenden gilt: Einfach mal alles andere sein lassen und gemeinsam mit dem Kind den Schlaf genießen.

Eure

 

 

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik), Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

 

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Wenn Babys schreien gelassen werden – was passiert in Babys Körper?

Obwohl das „Kontrollierte Schreienlassen“, auch „Ferbern“ genannt (nach dem Erfinder des Schlafprogramms Dr. Richard Ferber, bei uns durch das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ verbreitet), heute leider noch weit verbreitet ist, gibt es zahlreiche Artikel und Berichte darüber, dass das Schreienlassen negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Babys hat. Während es verschiedene Ausführungen darüber gibt, wie sich diese Methode negativ auf das Verhalten des Babys und die Entwicklung seiner Selbstwirksamkeit auswirkt, ist vielen Eltern unbekannt, was tatsächlich im Körper eines Babys geschieht, wenn sein Weinen und Schreien nicht berücksichtigt werden. An dieser Stelle soll nun einmal ausführlich darauf eingegangen werden, welche Prozesse durch das Schreienlassen ausgelöst werden und welche Langzeitfolgen neben psychischen und sozialen Problemen auf der medizinischen Ebene auftreten können.
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