Kategorie: freiundunverbogen

Über die Scham, etwas falsch gemacht zu haben als Elternteil

Wir kennen ihn wohl alle, den Gedanken: „Das wollte ich nicht!“ oder „Oje, ich mache es immer wieder falsch!“ oder sogar „Ich bin einfach eine schlechte Mutter/ein schlechter Vater!“. Was es ist, das dieses Gefühl auslöst, kann ganz unterschiedlich sein: Während es bei einem Elternteil entsteht, weil es wirklich zu viel schreit, kann ein anderes Elternteil dieses Gefühl haben, weil das Kind sich das Knie schlimm aufgeschlagen hat, während man selbst gerade abgelenkt war. Jetzt, in diesem Artikel, soll es nicht um eine Bewertung dessen gehen, welche Situation dieses Gefühl konkret auslöst, sondern um unseren Umgang mit der Scham über Fehlerhaftigkeit im Familienalltag.

Fehler gehören in gewissem Grad dazu

Ja, wir machen Fehler. Wir alle. Jeden Tag und manchmal mehrmals am Tag. Wie schwer sie wiegen, ist ganz unterschiedlich. Und wie oft wir sie machen, ebenfalls. Dies hängt auch mit anderen äußeren Umständen zusammen: Haben wir gerade generell viel Stress, sind deswegen weniger feinfühlig und das Kind bringt mit seinem (vielleicht ganz normalem kindlichen Verhalten) das Stressfass zum Überlaufen?

Wir brauchen dringend eine größere Fehlertoleranz und eine Fehleroffenheit, von der aus es möglich wird, neu zu starten. Denn wir alle machen Fehler, jeden Tag. Viele davon verlaufen sich ohnehin im sonst liebevollen Alltag, andere können wir aufrichtig entschuldigen, und bei den dritten brauchen wir Hilfe – aber ohne Abwertung.

S. Mierau „Frei und unverbogen“ S.175

Ein gewisses Maß an Fehlern tolerieren unsere Kinder in ihrer Entwicklung. Nicht mit allen Fehlern schaden wir langfristig der Bindungsbeziehung. Es ist aber wichtig, dass wir über die Zeit hinweg und in der Mehrheit der Situationen unseren Kindern zeigen, dass sie sich auf uns verlassen können, dass wir sie schützen, dass wir sie lieben und respektieren.

Natürlich gibt es Dinge, die wir unbedingt vermeiden sollten: psychische und physische Gewalt. Wenn wir merken, dass uns dies schwer fällt, brauchen wir Unterstützung von professioneller Seite.

Die Scham-Falle

Scham allerdings kann uns schnell in einem Kreislauf gefangen halten, der die Veränderung behindert: Wir denken nur daran, dass wir gerade und immer wieder schlechte Eltern sind und dieses Denken behindert uns daran, uns den Ursachen zuzuwenden. Wir sind gefangen in der Scham. Nicht selten ist sie es auch, die uns daran behindert, uns Hilfe zu holen: im kleinen bei Freunde und Familie oder auch im großen bei Beratungsstellen. Denn wir denken „Andere bekommen das ja auch hin!“ oder „Dann denken/wissen auch die anderen, dass ich ein schlechtes Elternteil bin!“

Der Weg heraus aus der Schamfalle führt darüber, dass wir wirklich verinnerlichen, dass Elternschaft eben auch bedeutet, dass wir selbst noch lernen: Wir lernen dieses Kind kennen, das da so neu zu uns gekommen ist mit einem eigenen Temperament und Bedürfnissen, die manchmal mit unseren eigenen Bedürfnissen in Konflikt stehen. Wir lernen, uns als Eltern in dieser Gesellschaft zu bewegen und ecken hier und da an, müssen uns erst einmal unseren Weg suchen. Manchmal haben wir nicht sofort eine Antwort auf Fragen des Elternseins – auch das ist okay.

Hilfreich ist es auch, wenn wir einen Kreis von Menschen um uns haben, dem wir uns wirklich öffnen können. In dem wir gegenseitig von unseren Fehlern und Problemen berichten können. Mit der Toleranz gegenüber Fehlern können wir zudem selber gegenüber anderen anfangen: In unseren Köpfen, wenn wir das nächste Mal denken, dass diese Eltern auf dem Spielplatz ja scheinbar alles falsch machen und uns selbst innerlich korrigieren damit, dass dies, was wir gerade sehen, ein kleiner Ausschnitt ist aus einem anderen Leben. Oder auch im Internet, wenn wir kurz überlegen, einer fremden Person zu schreiben, dass das ja wohl völlig daneben ist, können wir kurz innehalten, nachdenken und einen Angriff in eine Unterstützung oder wirklich wohlgesonnene Frage umwandeln.

Steigen wir aus aus der Scham-Falle und überwinden wir sie auch gemeinsam durch eine neue Fehlertoleranz uns selbst und anderen gegenüber.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgenwachsen.de

Fürsorge(-arbeit) – Über die Arbeit, die Eltern heute leisten für ein gutes Aufwachsen von Kindern

Das Bindungssystem ist in erster Linie ein Schutzsystem des Kindes. Es sorgt dafür, dass Kinder umsorgt und geschützt werden, mit all dem versorgt werden, was sie zum Wachsen benötigen: das beinhaltet sowohl die äußeren Faktoren wie Nahrung und Sicherheit in Verhütung von Gefahren, als auch die inneren Faktoren, die wir dem Kind angedeihen lassen, damit es sich gut entwickeln kann und im besten Fall mit einem guten Bild von sich selbst aufwächst, das es in den vielen weiteren Jahren stützt in der Auseinandersetzung mit der Umwelt.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat sich daher das Bindungssystem ausgebildet: Ein Verhaltenssystem, das dafür sorgt, dass Kinder sich in den ersten Jahren an mindestens eine schutzgebende Person binden und mit ihrem Verhalten dafür sorgen, dass sich diese Person um sie kümmert. […] Das Bindungssystem ist so wichtig für das Kind, dass es allen anderen (Entwicklungs-)aufgaben vorgelagert wird.

S. Mierau (2021): Frei und unverbogen, S. 30.

Fürsorge meint, dass ich für das Kind so sorge, wie es das braucht

Unsere Aufgabe als Eltern ist daher vor allem die Fürsorge: das Sorgen für das Kind. Und dieser Begriff der Fürsorge zeigt uns bereits einen sehr wichtigen Aspekt der wichtig ist für die Haltung, die wir als Eltern gegenüber unserem Kind einnehmen sollten: Die Ausrichtung auf das Kind und dessen Wesen und Bedürfnis. Wir sorgen dafür, dass dieses Kind individuell gesehen und begleitet wird.

Fürsorge meint nicht, dass wir das Kind hineinpressen in unsere Vorstellungen, dass es sich unseren Vorstellungen anpassen muss davon, wie es ist, was es mag und welche Eigenschaften es mit sich bringt. Sondern dass wir es genau so annehmen, wie es ist und dafür sorgen, dass es sich auf seinem ganz individuellem Weg optimal entfalten kann. Wir tragen Sorge dafür, dass es dem Kind jetzt und zukünftig gut geht. – Natürlich ist es dabei auch wichtig, auf sich selbst zu achten und die eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick zu verlieren.

Fürsorge ist auch Arbeit

Dieses Erkennen und Begleiten eines Kindes ist nicht immer einfach. Weil das Kind vielleicht mit einem Temperament zu uns kommt, das für uns schwierig ist und sich von unserem unterscheidet oder in besonderer Weise herausfordernd ist. Es ist nicht immer einfach, weil es Aufmerksamkeit verlangt dafür, dass wir die Signale des Kindes wahrnehmen, richtig interpretieren und – je nach Alter prompt – beantworten. Und diese Signale ändern sich im Laufe der Zeit und manchmal fällt es schwer, die neuen Signale beispielsweise nach einem Entwicklungssprung wahrzunehmen und zu interpretieren. Und manchmal bedeutet diese Fürsorge auch, dass wir den ganzen Tag einem Kind hinterrennen müssen, dass die Autonomie entdeckt und am Ende nicht nur von der emotionalen Begleitung erschöpft sind, sondern auch von den tausenden Handgriffen, die sie erfordern.

Neues Erziehungsdenken gestalten ist auch Arbeit an sich selbst

Fürsorgearbeit ist es auch da, wo wir merken, dass wir uns von eigenen Erfahrungen trennen wollen und andere Wege gehen möchten als die, die wir selbst als Kind erfahren haben. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung und dies umfasst sowohl das Recht darauf, vor körperlicher als auch psychischer Gewalt geschützt zu werden. Das Umsetzen dieses Rechts fällt aber noch immer vielen Eltern schwer. Je nach eigenem Rucksack, den wir tragen, ist es schwierig, sich von den verinnerlichten Mustern zu trennen: sie zunächst als falsch erkennen, sie im Alltag zu bemerken und schließlich zu lernen, ganz bewusst anders zu handeln. Das erfordert sehr viel Kraft und Arbeit an uns selbst. Und dennoch ist es besonders lohnenswert, wenn wir alte Muster aufbrechen, um Verletzungen nicht mehr weiterzugeben oder entstehen zu lassen, sondern Kindern die Chance geben, psychisch gesund aufzuwachsen, um im späteren Leben nicht durch diese Erfahrungen belastet zu werden.

Kraft, Kinder im Alltag zu schützen

Und auch auf einer weiteren Ebene bedeutet diese Art der Fürsorge Arbeit: Weil wir nicht nur an unseren eigenen Mustern arbeiten und uns damit auseinander setzen müssen, sondern unsere Kinder auch da schützen, wo sie anderen Ansichten ausgesetzt sind. Weil wir Familienmitgliedern erklären müssen, dass Kinder nicht ein Küsschen zur Begrüßung geben, wenn sie das nicht wollen. Weil wir im Supermarkt die hochgezogenen Augenbrauen entweder ignorieren oder erklären, warum wir nicht „den Po versohlen“ wenn das Kind wütend ist. Weil wir uns vielleicht in der Kita dafür einsetzen müssen, dass wir eine andere Art der Eingewöhnung brauchen, weil das Kind es in dem gesteckten Zeitfenster noch nicht schafft, sich an eine neue Bezugsperson zu wenden, oder weil wir alte Erziehungsmethoden dort in Frage stellen. All das kostet ebenfalls Energie. Es ist anstrengend, nicht nur in sich selbst, sondern in der Gesellschaft eine Offenheit und Akzeptanz für einen neuen Weg der Begleitung von Kindern zu etablieren.

Gesellschaft verändern

Die Arbeit, die wir täglich leisten – an uns selbst, für unsere Kinder und gegenüber der Gesellschaft – ist umfassend. Viel zu oft wird übersehen, welch enorme Anstrengungen Eltern und andere Personen in der Begleitung von Kindern jeden Tag leisten, gerade auch wenn sie neue, respektvolle und gewaltfreie Wege mit Kindern gehen. Wie sie die Gesellschaft durch die Fürsorgearbeit, die sie so ungesehen vollbringen, verändern. Und über die Fürsorgearbeit jene Werte, die über bindungs- und bedürfnisorientiertes Leben transportiert werden (Werte wie Achtsamkeit, Empathie, Gleichheit, Gerechtigkeit, Toleranz, Hilfsbereitschaft, Nachhaltigkeit und Weitsicht) in der Gesellschaft verankern.

Fürsorgearbeit bzw. Carearbeit sind auch Arbeit. Auch wenn wir unsere Kinder lieben und gerne begleiten. Diese Arbeit verdient Respekt und Wertschätzung an jedem einzelnen Tag gegenüber den Personen, die sie leisten.

Eure

Der #equalcareday macht auch in diesem Jahr wieder aufmerksam auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Carearbeit. Mehr dazu findet ihr hier.

Wer sich damit auseinandersetzen möchte, wie wir Erziehung heute neu denken und bindungs- und bedürfnisorientiertes Familienleben gestalten können, findet hier eine ausführliche Leseprobe von „Frei und unverbogen“.

Foto: Ronja Jung für geborgenwachsen.de

Mein Kind ist ganz anders als andere! – Kinder individuell begleiten

Viele Eltern starten mit einem Bild von „dem Kind“ in die Elternschaft: alle Babys sind süß und schlafen viel, alle Kleinkinder sind „trotzig“, alle Schulkinder machen nicht gern Hausaufgaben… So sind vielleicht die Vorstellungen davon, wie Kinder sich grob entwickeln. Schon im ersten Babyjahr merken aber viele Eltern dann: Irgendwie ist es so doch nicht, mein Kind beginnt früher/später zu krabbeln als andere oder früher/später zu sprechen und während einige Kinder richtige Abenteurer:innen sind, sind andere von Anfang an eher abwartend und beobachtend. Diese Feststellung und Abweichung von der eigentlichen Erwartungshaltung kann verunsichern: „Ist es eigentlich normal, dass…?“

Von Anfang an verschieden

Tatsächlich sind Kinder von Anfang an sehr unterschiedlich und kommen mit unterschiedlichen Temperamenten zu uns, die sich im Laufe der ersten Jahre zu Persönlichkeitseigenschaften ausbauen – auch in Abhängigkeit davon, wie die Umwelt (und ganz besonders die nahen Bezugspersonen) mit dem Kind und seiner jeweiligen Art umgehen. Kinder unterscheiden sich in ihrer Erregbarkeit, Tröstbarkeit, in ihrer Ablenkbarkeit und in ihrem Gefühlsausdruck. Sie unterscheiden sich in dem Ausmaß ihrer Aktivität und anderem Verhalten. All das wird zum Teil schon vor der Geburt wesentlich in unseren Kindern geprägt. Kommen sie auf die Welt, sind sie Menschen mit persönlichen Eigenschaften: beispielsweise manche ruhiger, manche aggressiver.

Probleme durch Pauschalisierungen bei Eltern und Kindern

Wenn wir ein pauschales „Bild vom Kind“ auf das eigene Kind projizieren, führt das nicht selten zu Problemen auf verschiedenen Ebenen: Als Eltern nehmen wir die Abweichung von der scheinbaren Norm kritisch wahr und fragen uns oft, was wir als Eltern falsch gemacht hätten: „Warum nur ist das Kind nicht…?“, „Warum nur macht es…?“, „Aber ich habe doch immer…“ Viele Eltern beziehen die kindliche Abweichung von der Norm zunächst auf ihr eigenes Verhalten, suchen bei sich selbst nach Fehlern. Gerade bei besonders zurückhaltenden oder besonders aggressiven Kindern wird oft „das Problem“ im elterlichen Verhalten gesucht und schnell steht die These im Raum, die Bindungsbeziehung wäre schlecht.

Bei der Fokussierung auf das vermeintliche elterliche Fehlverhalten geraten nicht selten die Kinder mit ihren Eigenschaften aus dem Blick: Der Gedanke kreist darum, was mit den Kindern falsch gemacht wird, anstatt darauf zu blicken, wie das Kind ist und was es braucht, so wie es ist. Natürlich kann es Unstimmigkeiten in der Begleitung des Kindes mit seinem jeweiligen Temperament geben, die sich dann weiter nachteilig auf das Kind und die Interaktion auswirken: Beispielsweise brauchen gerade aggressive Kinder eine liebevolle und zugewandte Begleitung, um zu lernen, mit ihrem Temperament gut umzugehen. Da in unserer Gesellschaft aber weiterhin der Gedanke vorherrscht, dass dieses Verhalten immer durch ein falsches Elternverhalten hervorgebracht wird und mit Strenge behandelt werden muss, kann sich hier ein negativer Kreislauf entwickeln.

Die eigenen Prägungen und gesellschaftlichen Erwartungen an „das Verhalten von Kindern“ trüben den Blick auf die Vielfalt kindlichen Verhaltens und dem Bedarf an individueller Begleitung. Menschen sind nicht alle gleich, auch nicht am Anfang. Natürlich kann ein ungünstiges Erziehungsverhalten, gerade Erziehung mit Druck und Zwang und Gewalt, sich negativ auf das kindliche Verhalten auswirken und bestimmte Verhaltensweisen befördern. Aber es können ebenso bestimmte Aspekte im Kind angelegt sein. Oft ist es das Verbiegen des Kindes in die ein oder andere Richtung, die es uns schwer machen: Weil Kinder sich nicht verbiegen wollen und dieser Gegenwille zu Stress und Streit führt, sie auch gar nicht verbogen werden sollen, damit sie ein gutes Bild von sich ausbauen können mit psychischer Widerstandskraft – und wir für unsere Gesellschaft Menschen in ihrer Vielfalt brauchen.

Erst das Kind wirklich wahrnehmen

Wenn wir uns fragen, was mit unserem Kind „los ist“, sollte der Blick nicht sofort auf uns gerichtet sein, sondern zunächst einmal auf das Kind: Wir können uns fragen: Wer ist dieses Kind eigentlich? Was sind die Eigenschaften dieses Kindes? Wie war es früher, wie ist es jetzt – und gibt es Veränderungen oder war es schon immer eher so wie heute? Und dann, wenn wir dieses Kind in seinem eigenen Wesen erfasst haben, können wir auf uns, auf die Familie und den Umgang mit diesem Kind blicken.

Eure

Mehr zu diesem Thema könnt ihr ab 10. Februar 2021 in meinem neuen Buch
„Frei und unverbogen:
Kinder ohne Druck begleiten und bedingungslos annehmen“
lesen. Darin erfahrt ihr, wie unterschiedlich Kinder von Anfang an sind, warum es Eltern oft schwer fällt, mit dieser Unterschiedlichkeit umzugehen, wie und warum wir alte Erziehungsmethoden überwinden müssen und können und warum das für die individuelle Entwicklung so wichtig ist, aber auch für die Entwicklung unserer gesamten Gesellschaft.
Das Buch ist bereits jetzt vorbestellbar: am besten in eurer Buchhandlung vor Ort, aber auch bei Buch7*, Amazon* oder direkt beim Beltz Verlag


Foto: Ronja Jung für geborgenwachsen.de

* Transparenz:
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Amazon und Buch7, durch die Geborgen Wachsen im Falle einer Bestellung eine Provision erhält, ohne dass für Euch Mehrkosten anfallen. Wir empfehlen dennoch, den lokalen Buchhandel durch das Einkaufen vor Ort zu unterstützen. Viele Bücher gibt es darüber hinaus zum Ausleihen in den öffentlichen Bibliotheken. Hier kann beispielsweise nach Büchern in den Bibliotheken in Berlin-Brandenburg gesucht werden.

Zahnfee, Weihnachtsmann, Nikolaus – Gib die Elternverantwortung nicht an Fantasiefiguren ab!

„Wenn du nicht die Zähne putzt, dann kommt nicht die Zahnfee!“, „Wenn du nicht lieb bist, dann notiert der Weihnachtsmann das in seinem Buch und du bekommst kein Geschenk!“, „Wenn du deinen Bruder immer ärgerst, bringt der Nikolaus eine Rute statt Süßigkeiten!“ – Neben dem Umstand, dass all diese Drohungen generell ungünstige Erziehungsmittel sind, weil sie auf Strafen beruhen und diese nicht, wie Eltern oft hoffen, zu einer nachhaltig guten Verhaltensänderung führen, sondern eher Aggressivität und Lügen befördern, sind sie auch auf einer weiteren Ebene des Beziehungsaspekts ungünstig: Die Erziehungsverantwortung wird abgegeben an eine Fantasiefigur.

In der magischen Phase sind Fantasiewesen besonders beeindruckend

Manchmal ist der Alltag mit Kindern ganz schön anstrengend. Besonders die vielen Diskussionen und Verhandlungen mit Kindern können Kraft rauben: Da wird zum fünften Mal darum gebeten, dass das Kind nun den Schlafanzug anziehen soll oder zum dritten Mal, dass das Kind doch bitte mal vom Gemüse probieren soll. Und gerade wenn die Kraft gerade gering ist, der Alltagsstress hoch, wünschen sich Eltern eine Lösung und sind versucht, in die Trickkiste zu greifen. Gerade in der Zeit des magischen Denkens sind Kinder besonders beeindruckbar mit den Fantasiefiguren, die wahlweise etwas herbeizaubern oder auch ängstigen können. Es ist verlockend, da mit einem dieser Magiewesen zu drohen oder zu locken.

Sollten Fantasiewesen eine bedeutsamere Autorität sein als Eltern?

Was aber passiert, wenn wir Zahnfee, das Monster unter dem Bett, die Fee, den Weihnachtsmann, Krampus oder Nikolaus vorschieben, ist, dass wir unsere elterliche Verantwortung und unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse abgeben und hinter einer anderen Person verstecken. Wir erklären nicht mehr, dass wir als Eltern dieses oder jenes wünschen oder dieses oder jenes notwendig ist für die gesunde Entwicklung, sondern verbergen dies, weil es zunächst auf dem fantasievollen Weg einfacher erscheint oder uns die Fantasiefigur als größere Autorität erscheint als wir selber.

Damit sind wir bei einem wesentlichen Punkt der Eltern-Kind-Beziehung: der Autorität. Viele Eltern haben heute Schwierigkeiten mit dem Begriff der Autorität, da das Vorangehen und Begleiten von Kindern durch die Kindheit in den vergangenen Jahrzehnten oft mit Druck, Zwang und Strafen erfolgte. Heute wollen es Eltern anders machen, als sie es selbst erfahren fahren haben – aber passende Vorbilder fehlen. Es mag auch den Anschein erwecken, dass man selbst ja gar nicht straft, denn schließlich ist dann der Nikolaus schuld oder die Zahnfee bringt nichts für kaputte Zähne. Letztlich aber ist dieser Weg dennoch ein Weg der Strafe und zugleich der fehlenden elterlichen Begleitung.

Kinder brauchen Stabilität und einfühlsame, liebevolle Autorität

Kinder brauchen uns Eltern als Begleitpersonen auf ihrem Weg. Sie brauchen Bezugspersonen, die größer, weiser und gütig sind und ihnen vorleben, sich im Leben und in der Gesellschaft zu bewegen. Sie brauchen Bezugspersonen, die sie auf dem Weg, dies selbständig leben zu können, unterstützen. Und auch wenn es anstrengend ist, einem Kind zu sagen „Ich will das nicht!“ oder „Das geht so nicht!“ oder sich immer wieder (wie beim Zähneputzen) neue Wege und Alternativen auszudenken, ist das die Aufgabe von uns Eltern. Wir müssen präsent sein, ansprechbar, verlässlich. Wir zeigen den Weg, wir begleiten auf dem Weg. Und dies gibt Kindern Sicherheit.

In der konkreten Konfliktsituation bedeutet das: Schieben wir nicht irgendein Fantasiewesen vor, um das Kind zu etwas zu bewegen. Seien wir ehrlich und erklären, warum etwas geht oder nicht geht. Und erklären wir ehrlich, wie wir uns fühlen. Und ja: Manchmal müssen wir dann die Gefühlsstürme der Kinder aushalten, auch das gehört dazu. Und manchmal können wir auch einfach ein Auge zudrücken, statt auf etwas zu beharren und von uns aus als Eltern erklären: Ach komm, wir machen es heute einfach so wie du es willst. Das geht vielleicht nicht immer und bei allen Dingen, aber sicherlich ab und zu im Alltag. Und ist eine bessere Methode für die Beziehung, als mit Druck und Fantasiefiguren* zu arbeiten.

Eure

* Das bedeutet nicht, dass es Weihnachtsmann, Nikolaus, Christkind und Zahnfee nicht geben darf – aber sie sollten eben kein Druckmittel sein bzw. keine Stellvertreter:innen für unsere eigenen Wünsche.

10 einfache Bewegungsspiele für Kinder Zuhause

Bewegung ist eines unserer Grundbedürfnisse. An Kindern sehen wir oft sehr gut, wie wichtig Bewegung eigentlich wirklich ist – während es uns mit der Zeit (unter anderem durch unsere Lebensbedingungen) aberzogen wird und wir Erwachsene oft mehr und mehr Zeit sitzend an einem Schreibtisch verbringen. Aber bei unseren Kindern ist es noch viele Jahre anders. Manchmal wundern wir uns darüber, wie groß ihr Bewegungsdrang ist, weil sie beständig hüpfen, statt zu gehen rennen, weil sie auch zu Hause wie ein kleiner Gummiball Bewegung einfordern. Und wir, die schon daran gewöhnt sind, uns zu wenig zu bewegen, reagieren verwundert bis hin verärgert und versuchen nicht selten, die Bewegung der Kinder einzuschränken mit einem „Jetzt hör aber mal auf hier umherzurennen!“ oder „Aber die Nachbarn!“ oder „Jetzt bleib doch endlich mal still sitzen!“.

Wir versuchen zu oft, Kinder von Bewegung abzuhalten

Anstatt das Bedürfnis des Kindes nach Bewegung zu sehen und passend darauf zu reagieren, versuchen viele Eltern genau das Gegenteil: Das Kind zu mehr Ruhe und Stillsitzen aufzufordern oder mit entsprechenden Tätigkeiten daran zu binden: fernsehen, Spiele am Tisch sitzend, Computerspiele oder Spiele an einer Konsole oder einem Pad. Während diese Tätigkeiten durchaus ihren Raum haben können im Kinderalltag, sollten sie aber dem Bewegungsdrang des Kindes nicht entgegenwirken und an dessen Stelle gesetzt werden. Durch die Bewegung baut das Kind die eigenen Fertigkeiten aus, erprobt sich und lernt neue Zusammenhänge. Auch für das spätere Lernen ist es wichtig, dass das Kind nicht nur in den frühen Jahren ausreichend Bewegung erfahren durfte und Bewegungsfertigkeiten richtig ausbilden konnte, sondern auch später eine ausgewogene Balance zwischen ruhiger Anregung zum Lernen und Bewegung/Aktivität auf der anderen Seite erfährt.

10 Anregungen für einfache Bewegungsspiele

Auch wenn unsere Wohnumgebungen scheinbar wenig Bewegung zulassen, können wir dennoch Ausschau halten nach Möglichkeiten, um den Bedürfnissen von Kindern nachzukommen. Wir müssen ein wenig umdenken und unsere Wohnung aus der Perspektive des Kindes sehen und denken: als Entdeckungsraum, Spielraum, Abenteuer.

Einen Hindernisparcour aufbauen
Für einen Hindernisparcours braucht es nicht viel und wir finden alles, was wir brauchen, in der Wohnung. Legen wir einen Startpunkt und ein Ziel fest, vielleicht quer durch die Wohnung, von einem Zimmer ins andere oder durch ein Zimmer. Entweder darf der Boden dabei berührt werden und es geht darum, Hindernisse zu überwinden, oder der Boden darf nicht berührt werden und die Route läuft über Stühle und Tische bis hin zum Sofa oder Bett.

Topfschlagen
Wir alle kennen Topfschlagen von Kindergeburstagen, dabei ist es auch eine tolle Anregung für den Alltag, wenn auf allen Vieren durch die Wohnung gekrabbelt werden muss, um unter einem Topf etwas zu finden.

Laserlabyrinth aus Schnüren
Beim Laserlabyrinth aus Schnüren geht es um Beweglichkeit: Die Wolle eines Wollknäuels läuft Kreuz und Quer durch das Zimmer und wird an Schubladen, Stühlen, Tischbeinen befestigt. Ziel ist es, den Raum zu durchqueren, ohne an den Schnüren hängen zu bleiben. Mit einer Aufgabe verbunden (einsammeln von Gegenständen) kann es so auch eine ganze Weile hin und her gehen.

Kissenrennstrecke
Gibt es eine längere freie Stecke in der Wohnung? Dann kann sie zur Rennstrecke mit Kissen werden. Wer mag, kann mit Washi-Tape die Strecke markieren. Jede teilnehmende Person bekommt ein kleines Kissen, auf die sie sich setzen kann und dann mit den Händen vorwärts rutscht bis zum Ziel.

Schnitzeljagd durch die Wohnung
Achtung: Geheimauftrag! Es muss der geheime Gegenstand (vielleicht ein Buch, zum entspannten Vorlesen nach der Bewegung) gefunden werden. Überall in der Wohnung gibt es kleine Hinweise, und es wird von Hinweis-Versteck zu Hinweis-Versteck geführt entweder mit Rätselfragen oder mit Bildern bis der geheime Gegenstand schließlich gefunden wird.

Feuer, Wasser, Erde, Sturm
Wer kennt es nicht aus der eigenen Kindheit? Wird von der anleitenden Person „Feuer“ gerufen, müssen sich alle an die Wand stellen, bei „Wasser“ auf etwas hinaufstellen, bei „Erde“ flach auf den Boden liegen und bei „Sturm“ an etwas festhalten.

Luftballon-Volleyball
Mit richtigen Bällen ist es in der Wohnung oft gar nicht so einfach. Mit Luftballons hingegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas zu Bruch geht, geringer. Beim Luftballon-Volleyball geht es darum, dass der Luftballon nicht die Erde berühren darf und immer weiter in der Luft bewegt werden soll.

Stopp-Tanz
Musik an und tanzen. Wenn die Musik stoppt, müssen alle einfrieren in der Bewegung oder wahlweise das tun, das die anleitende Person ihnen zuruft: „Kriech wie ein Krokodil!“, „Lauf wie eine Giraffe!“

Betten-Trampolin
Betten sind zum Ausruhen da, das stimmt. Aber wenn sonst gerade Bewegung fehlt und Eltern merken, dass das Kind ganz dringend wildes Hopsen braucht, ist das Betten-Trampolin eine gute Alternative, vielleicht sogar verbunden mit einer gemeinsamen Kissenschlacht.

Yoga mit Kindern
Ein wenig ruhiger, aber dennoch in Bewegung ist das Kind beim angeleiteten Yoga. Für Kinder sollte Yoga anders als für Erwachsene sein und als Spiel dienen. Wer Tierfiguren in den einzelnen Yogaübungen nachstellt, kann Kindern auf einfache Weise Yoga näher bringen. Wie das geht, steht u.a. in einem der Bücher hier.

Noch mehr Ideen für Spiele und Tätigkeiten Zuhause findet Ihr hier.

Welche Grenzen gibt es in unserer Familie?

Um das Thema der Grenzen in Familien gibt es immer wieder Diskussionen: Wieviele und welche Grenzen sind notwendig? Sind sie es überhaupt? Oder brauchen Kinder dringend Grenzen? Müssen Eltern sogar ganz bewusst Grenzen setzen, um dem Kind zu zeigen, dass sie sich unterzuordnen haben und nicht zu sehr verwöhnt werden?

Feststehende Grenzen

Grenzen ergeben sich in vielen Themenbereichen ganz natürlich im Alltag aus bestimmten Gegebenheiten: Das Kind darf nicht auf die Straße rennen oder mit Stricknadeln in die Steckdose pieken oder andere Dinge tun, die andere oder es selbst gefährden. Ebenso erstrecken sich solche natürlichen Grenzen auch auf bestimmte soziale Aspekte des Miteinanders: Wie beispielsweise miteinander oder mit anderen gesprochen werden kann, ohne dass diese sich respektlos behandelt fühlen. Diese Art von wichtigen Grenzen, die das Kind für das eigene Wohlergehen erlernen muss, auch in Hinblick auf seine Position im sozialen Miteinander, stehen fest.

Das Kind rührt durch sein normales, kindgerechtes Verhalten an diesen Grenzen: Es eckt hier und da an und bekommt erklärt, dass es sich hier um eine unverschiebbare Grenze handelt. Dass es nicht beim ersten Mal sofort diese Grenze verinnerlicht, ist normal. Als Elternteil müssen solche Grenzen deswegen immer wieder aufgezeigt und erklärt werden, bis das Kind diese Grenze verinnerlicht hat. Die Verantwortung liegt dabei lange bei den Eltern: Nicht das Kleinkind ist schuld, weil man doch schon x-mal gesagt hat, es soll nicht zu nah an die Straße gehen, sondern die Eltern müssen vorausschauend planen und entsprechend eingreifen. Dies beispielsweise auch, wenn sie wissen, dass das Kind eine Phase hat, in der es besonders viel beißt oder schlägt und deswegen eine nahe Begleitung braucht, um andere Kinder nicht zu verletzen.

Individuelle Grenzen

Neben diesen Grenzen gibt es individuelle Grenzen von Menschen, die das individuelle Zusammenleben festschreiben. Das sind Dinge, die für eine Person „nicht gehen“ und können von Person zu Person unterschiedliche sein. Sie sind eine Form feststehender individueller Grenzen, beispielsweise wenn ein Elternteil es absolut nicht ertragen kann, wenn das Kind beim Einschlafen an der Haut des Erwachsenen gnibbelt. Vielleicht mag das für einige Eltern in Ordnung sein, für dieses Elternteil aber geht es nicht. Auch ganz bestimmte Umgangsformen können darunter fallen. Ebenso wie bei den feststehenden Grenzen oben lernt das Kind hier durch Zusammenleben und Wiederholung, dass dies eine nicht überschreitbare Grenze dieser Person ist. Eltern sind dabei in der Verantwortung, zu überprüfen, wie viele solcher persönlichen Grenzen sie haben und ggf. auch zu sehen, woher sie kommen und ob und wie sie mit dem Alltag vereinbar sind. Bestehen sehr viele individuelle Grenzen, kann das die Interaktion erschweren.

Variable Grenzen

Es gibt Grenzen, die im Familienalltag auch variabel auftreten können: Was heute so gemacht werden musste wegen der Rahmenbedingungen, ist am anderen Tag mit anderen Rahmenbedingungen anders: Heute gab es ein Eis auf dem Weg nach Hause, weil die Stimmung schlecht war und alle Lust auf Eis hatten, deswegen gibt es nicht jeden Tag ein Eis. Variable Grenzen setzen sich aus den Möglichkeiten und Ressourcen der Familienmitglieder zusammen. Nicht nur die Eltern haben dabei das Recht, Grenzen zu verschieben, sondern auch Kinder können sich mit ihren Wünschen und Argumenten einbringen. Es entsteht ein demokratischer Aushandlungsprozess, der das Familienleben gestaltet. Auch in einer Familienkonferenz kann über bestimmte Regelungen in der Familie diskutiert werden. Eltern verlieren dadurch keinen Respekt ihrer Kinder: Im Gegenteil zeigt es Respekt auf beiden Seiten, sich bei verschiedenen Themen näher zu kommen und Möglichkeiten auszuhandeln.

Grenzen setzen, um nicht zu verziehen?

Die Kinder erleben also natürlicherweise Grenzen in ihrem Alltag. Viele stehen fest und ergeben sich aus unserem sozialen Miteinander und der Fürsorge füreinander. Andere können verhandelt werden. Zusätzliche Grenzen im Sinne von „Jetzt zeig ich dir, wer hier das Sagen hat und du darfst das aus Prinzip nicht“ ergeben für Kinder keinen Sinn: Die Zusammenhänge sind oft nicht erkennbar, zumal das Kind nicht weiß, dass der Erwachsene im Verhalten des Kindes ein Machtspiel sieht, da das nicht die Intention des Kindes ist. Willkürlich gesetzte Grenzen behindern die Verbindung, das Sicherheitsgefühl des Kindes und wirken sich langfristig nachteilig auf die Beziehung aus. Die Grenzen, die das Kind aus oben genannten Gründer erfährt, reichen völlig aus, damit es sich in der Welt gut orientieren kann. Dabei wird es verständnisvoll von den Bezugspersonen begleitet, erinnert und motiviert, so dass diese Grenzen als Regeln nach und nach verinnerlicht werden.

Eure

Foto: Ronja Jung für geborgenwachsen.de

Lass uns über Gefühle reden…

Wann hast du heute mit deinem Kind über Gefühle gesprochen? Wann hast du konkret nachgefragt, wie es sich fühlt? Über welche Art von Gefühlen habt ihr gesprochen und welche Worte habt ihr dafür genutzt? Unser Alltag besteht jeden Tag aus vielen Gefühlen – die Palette reicht von traurig über wütend bis zu fröhlich, aber auch dazwischen gibt es viele Abstufungen: Wir können traurig sein, weil wir enttäuscht sind von jemandem, verletzt, allein, bekümmert von etwas oder auch mutlos. Und ebenso sind wir nicht „einfach“ fröhlich, sondern können euphorisch sein oder beglückt, vielleicht auch erleichtert.

Ich erkläre dir, wie ich mich fühle – und mir selbst

Worte können ein Werkzeug sein, um Gefühle anderen gegenüber auszudrücken, sich zu erklären, aber gleichzeitig auch, um sie für sich selbst zu sortieren und zu reflektieren. Wenn wir einem Gefühl genauer nachgehen, setzen wir es in Verbindung zu unseren Erlebnissen und Beziehungen. So können Worte helfen, ein besseres Verständnis für sich und die Umwelt zu entwickeln. Je detaillierter wir selbst daher mit Worten umgehen, desto mehr lenken wir den Fokus auf den Facettenreichtum der Gefühlswelt.

Über ALLE Gefühle reden mit allen Kindern

Oft lenken wir unseren Fokus allerdings erst dann auf die Gefühle, wenn das Kind wütend oder traurig ist: Wir spiegeln das Kind, erklären „Du bist gerade ganz schön wütend!“ oder fragen nach „Warum bist du so traurig?“. Das ist wichtig, aber gleichzeitig können wir auch detaillierter ins Gespräch kommen mit unserem Kind und offen fragen „Wie fühlst du dich gerade?“ Oder, wenn das Kind erklärt, dass es wütend über das Verhalten eines Freundes ist, dem weiter nachgehen und gemeinsam ergründen, ob das Kind enttäuscht ist oder verärgert. Vor allem aber können wir im Alltag nicht nur dann den Fokus auf Gefühle legen, wenn das Kind wütend oder traurig ist, sondern auch bei Freude und Glück über das Gefühl sprechen und auch hier ein wenig detaillierter einzelne Aspekte der Gefühlswelt erfragen.

Und dies gilt für alle Kinder: Denn Jungen wie Mädchen können wütend, traurig, fröhlich, ängstlich sein. Während früher besonders von Jungen erwartet wurde, dass sie Angst und Trauer nicht zeigen oder schnell überwinden müssen, wissen wir heute, dass es für die psychische Gesundheit und weitere Entwicklung nicht günstig ist, bestimmte Gefühle ausklammern zu müssen. Im Gegenteil: Es ist für alle Kinder gut und wichtig, dass sie alle Arten von Gefühlen haben dürfen und darin begleitet werden. Wie schnell und auf welche Art ein Kind beispielsweise tröstbar ist, unterscheidet sich oft schon von Anfang an und ist eine Frage des Temperaments. Wenn wir von einem schwer tröstbaren Kind erwarten, dass es seine Gefühle allein überwinden soll, „weil es ein Junge ist“, helfen wir dem Kind nicht weiter. Wenn wir dem Kind aber durch aktive Unterstützung zeigen, wie es sich beruhigen kann und dass ein Elternteil als Unterstützung immer zur Verfügung steht, kann es daraus auch Handlungsmöglichkeiten für zukünftige Situationen erwerben. Ebenso gilt beispielsweise auch für Mädchen, dass sie mutig sein dürfen und dieses Gefühl nicht mit einem „Aber du bist doch ein Mädchen und Mädchen machen nicht xy…“ unterbunden werden sollte.

Ein Kind ist ein Kind und lernt in den Jahren der Kindheit die Welt kennen, lernt Beziehungen und soziale Interaktion. Es lernt die eigenen Gefühle kennen und die der anderen Menschen. Je offener und detaillierter wir mit unseren Kindern über Gefühle sprechen, desto mehr lernen sie, die Welt und sich selbst zu verstehen.

Eure

„Kack-Mama! Kack-Papa“ – Wie Eltern mit Beschimpfung umgehen können

Welches Elternteil hat den Satz „Du bist eine Kack-Mama!“ oder „Du bist ein Kack-Papa!“ noch nie gehört? Und obwohl nahezu alle Eltern im Laufe der Kindheit diesen oder ähnliche Sätze hören, sind die meisten Eltern von einem solchen Ausspruch ihres Kindes beschämt: Habe ich alles falsch gemacht? Warum spricht mein Kind so mit mir? Das ist doch wohl die Höhe! Also das kann ich nun wirklich nicht durchgehen lassen. – Es sind viele Gedanken, die Eltern in solchen Situationen durch den Kopf gehen können. Die meisten der Gedanken sind darauf fokussiert, was die anderen Menschen denken könnten oder ob man selbst etwas falsch gemacht hat. Aber bevor die eigenen Gefühle und Versagensängste in den Blick geraten, lohnt sich ein Blick auf das Kind und die Situation.

Warum macht das Kind das eigentlich?

Vor der eigenen Scham und Schuldgefühlen verlieren wir oft aus dem Blick, worum es hier wirklich geht: Da steht ein kleines Kind, das vielleicht irgendwo ein Schimpfwort aufgefangen hat und nun damit experimentiert: Wie spricht man es aus? Wie reagieren die anderen darauf? Wie fühlt es sich an, das zu sagen?

Und selbst wenn es kein fremdes, neues Wort ist, sondern ein wohl bekanntes wie „Kack…“, ist der Blick auf das Kind gerade jetzt wichtig. Da steht es, vielleicht 1/3 so groß wie wir selbst und schreit und schimpft und fühlt sich ungerecht behandelt, eingeschränkt, unverstanden und sucht nach einem Kanal, nach einem Wort, um dieses riesige Gefühl der Wut und Frustration loszulassen. Ein Wort, mit dem es all das ausdrücken kann. Und das ist es dann: Kack-Mama, Kack-Papa.

Mit Schimpfwörtern umgehen

Was also können wir tun? Wir kennen all die Sätze, die Eltern eben zu ihren Kindern sagen: „Das sagt man aber nicht!“, „Solche Worte gehören nicht in unsere Familie!“, „Sowas kannst Du vielleicht zu deinen Freunden sagen, aber nicht zu mir!“, „Also ich als Kind hätte…, wenn…“, „Das will ich aber nie wieder hören!“ Helfen diese Sätze? Nein. Weil sie nicht mit dem Problem des Kindes umgehen. Weil sie weiterhin beschneiden und belehren wollen, oft noch in einer Situation, in der das Kind so in Wut ist, dass es gerade eben nicht belehrbar ist.

Auch ein Ignorieren hilft nicht, denn das Kind möchte mit seinem Wort ja etwas an uns transportieren, sagt etwas über die Wut und Verzweiflung. Wenn wir dies ignorieren, ignorieren wir auch die eigentliche Botschaft, die hinter dem steht.

Es geht also um ein Verständnis des Kindes und der Gefühle des Kindes. Wir sollten transportieren: Ich höre, dass du sauer bist, du darfst sauer sein, aber bitte verletze mich nicht. Und hier können wir überlegen, welche Alternativen es gibt: Wie kann dieses Kind die Wut hinauslassen, die es gerade spürt? Was kann es rufen, wo kann es rauftrampeln? Und gibt es überhaupt einen anderen Kanal als die Worte (und muss es ihn geben?). Manchmal mag es einem Kind helfen, ihm zu sagen: Wenn du unbedingt ein Schimpfwort nutzen möchtest, dann schrei es in deinem Zimmer hinaus. Oft aber funktioniert diese Technik nur begrenzt – und beispielsweise unterwegs nicht.

Natürlich sind wir Eltern Vorbilder, eben so wie Geschwister, Freunde, Bekannte, Verwandte. Worte wer den an vielen Stellen auf gegriffen, insbesondere so emotionsgeladene. Es ist nicht schlimm, dass unsere Kinder auch die Wörter benutzen, die in ihrer Umgebung benutzt werden. Mit einem Schimpfwort, so lernt das Kind, kann ein negativer Superlativ ausgedrückt werden.

S. Mierau (2020): Geborgene Kindheit

Das eigentliche Problem

Womit wir uns aber eigentlich befassen müssen, ist die Frage danach, warum genau wir Schimpfworte so schlimm finden. Denn wenn wir ehrlich sind, benutzen wir sie fast alle. Natürlich gibt es gefühlte Unterschiede zwischen „Mist“ und „Scheiße“ oder „Scheibenkleister“. Aber letztlich nutzen wir welches Wort auch immer, um ein ganz starkes Gefühl zu beschreiben und herauszulassen in einem Moment.

Wir können lange Zeit beeinflussen, welche Worte unsere Kinder nutzen, aber weniger, dass sie Schimpfworte nutzen. Im Grundschulalter können wir durchaus mit ihnen Worte festlegen, die nicht (oder zu Hause nicht) genutzt werden und erklären, warum wir das nicht tun. Ob sie sich auch außerhalb unserer Ohren daran halten, können wir nicht beeinflussen. Aber wenn wir ihnen den Raum geben, ihren Emotionen auch mit Worten Ausdruck zu verleihen und ihnen Worte an die Hand geben, die sie nutzen können, helfen wir ihnen mehr als durch Verbote.

Denn tatsächlich ist das eigentliche Problem, welchem wir uns bei Schimpfworten oft stellen müssen, das Gefühl, dass wir als Eltern in irgendeiner Weise versagt hätten, dass wir falsch erziehen würden und andere Menschen uns dafür verurteilen. Aber dieses Gefühl werden wir nicht los, indem wir unsere Kinder bestrafen oder ihnen etwas verbieten. Dieses Gefühl können wir nur in uns selbst bearbeiten und mit dem Wissen, dass die Nutzung von Schimpfworten wie Kack-Mama oder Kack-Papa eben nicht in erster Linie unsere elterlichen Qualifikationen in Frage stellt. Und manchmal sogar genau das Gegenteil ist, wenn wir nämlich dieses Gefühl in uns geklärt haben und unserem Kind den Raum geben können, so etwas zu sagen, ohne es sofort auf uns selbst zu beziehen.

Eure

Erwartungsanpassung

„Meine Güte, warum kannst du denn nicht einmal ruhig am Tisch sitzen bleiben!“, „Du darfst nicht so dicht an die Straße rennen, wie oft soll ich das noch sagen?!“, „Du isst jetzt bitte auf, was auf deinem Teller liegt!“ Wie oft haben Eltern diese oder ähnliche Erwartungen an ihre Kleinkinder und werden darin enttäuscht? Oft nicht nur einmal, sondern immer wieder. Und immer wieder taucht der Streit auf, warum das Kind denn nun nicht macht, was man doch schon x Mal besprochen hat, was man vom Kind erwartet. – Anstatt zu überlegen: Wenn das hier immer schief läuft, dann ist vielleicht nicht das Kind „das Problem“, sondern meine Erwartung?

Wir erwarten oft zu viel

Was können Kinder in welchem Alter überhaupt umsetzen? Diese Frage ist für viele Eltern gar nicht so einfach zu beantworten. Auch, da Referenzwerte fehlen: Im Alltag sind wir wenig mit Kindern unterschiedlicher Altersgruppen zusammen und an unser eigenes Können und Tun in der frühen Kindheit können wir uns oft nur gering oder verzerrt erinnern. Wir gehen daher oft von Erwartungen aus, von denen wir annehmen, dass sie für ein Kind einfach zu erfüllen wären: Schließlich kann das Kind doch auf unsere Worte hören, wenn es sie versteht? Wenn es weiß, was „Stopp“ heißt, dann kann es doch an der Straße auch stoppen? Und es ist doch auch nicht zu viel verlangt, einfach am Tisch mal eine halbe Stunde ruhig zu bleiben und zu entspannen? das klingt doch alles ganz logisch und nachvollziehbar und irgendwie auch einfach.

Aber das ist es nicht. Kleinkinder denken anders als wir. In vielen Situationen übernimmt das emotionale Gehirn die Führung. Und auch ihr Einfühlungsvermögen ist noch anders als bei uns. Zudem haben sie vielleicht noch nicht passende Arten gelernt, um mit ihrem Temperament gesellschaftskonform umzugehen (bspw. wie man Wut in einer sozialen Gruppe ausdrücken kann ohne andere körperlich zu verletzen). Und unsere Erwartungshaltung schränkt in vielen Punkten ihre Neugier ein, die aber ein Motor der Entwicklung ist. Vielleicht erwarten wir auch gerade dann etwas, wenn das Kind sich schon sehr viel am Tag angepasst hat und gegen Nachmittag/Abend nicht mehr bereit oder fähig ist, noch weitere Anpassungen zu leisten. Kurz: Wir können uns oft nicht in das kindliche Denken und Fühlen hineinversetzen und setzen eher erwachsene Verhaltens- und Denkweisen voraus.

Der große Krach

Der große Streit entsteht oft dann, wenn das Kind den elterlichen Erwartungen (natürlicherweise) nicht entspricht und es entweder harsch abgehalten wird vom Tun oder nach dem aus Elternsicht falschen Verhalten noch angeschimpft/bestraft wird. So ergeben sich Konfliktfelder, die immer wieder auftreten und sich oft über die Zeit zuspitzen durch ein „Ich hab doch schon tausendmal gesagt, dass du…“

Statt Erwartungen: Nachdenken & Verantwortung übernehmen

Ein Kleinkind ist keine erwachsene Person. Es kann und muss noch nicht verantwortungsbewusst handeln. Es kann noch nicht alles überblicken, abwägen und immer richtige Entscheidungen treffen. Es kann vielleicht nicht über einen längeren Zeitraum ruhig am Tisch sitzen, kann nicht die Verantwortung dafür übernehmen, im Straßenverkehr richtig zu handeln und Risiken richtig einzuschätzen und es kann oft nicht die Mengen abschätzen, die es essen kann. Ein Kleinkind ist ein Kleinkind.

Wenn wir merken, dass wir immer wieder in Streitsituationen kommen, lohnt sich ein Blick auf diese Situation und eine der ersten Fragen kann immer sein: Sind meine Erwartungen an das kindliche Verhalten vielleicht zu hoch? Und zwar nicht nur in Bezug auf das Alter, sondern in Bezug auf dieses individuelle Kind mit seinem persönlichen Temperament und Entwicklungsprofil. Wenn wir feststellen, dass dies so ist, müssen wir die Verantwortung übernehmen. Das bedeutet, dass wir nicht erwarten, dass das Kind still sitzt, nicht auf die Straße rennt und sich die passende Menge auftut, sondern dass wir Rahmenbedingungen schaffen, die dem Kind angepasst sind.

Solche Rahmenbedingungen sind beispielsweise, dass wir das Kind im Straßenverkehr schützen und die Verantwortung nicht abgeben. Dass wir Mahlzeiten so gestalten, dass wir in Ruhe essen können bis wir satt sind, aber das Kind vielleicht früher aufstehen kann oder am Tisch etwas anderes machen kann. Oder dass wir vielleicht kleine Schöpfkellen nutzen und die Mahlzeit so gestalten, dass immer kleine Portionen genommen werden und nachgenommen wird, wenn mehr gebraucht wird.

Vor allem müssen wir verstehen lernen, dass es nichts bringt, ein Kind auszuschimpfen oder zu bestrafen, weil es unsere zu hohen Erwartungen nicht erfüllt. Denn das qüält das Kind, uns selbst und unsere Beziehung.

Eure

Autorität haben oder sein? – Die Rolle der Eltern

Kinder brauchen Bezugspersonen, die größer, stärker, weise und gütig sind. Sie brauchen Schutz und Liebe. Auf dieser Basis gewinnen sie Vertrauen und Sicherheit, können eine sichere Beziehung zu ihren Bezugspersonen aufbauen. Wie genau sich Eltern dabei verhalten sollen, ist allerdings für viele Eltern unklar: Gebe ich einen Rahmen vor? Wie begleite ich? Wieviel gebe ich vor und wo lasse ich mich auf das Kind ein? Soll ich eine Autorität sein für mein Kind und wenn ja, wie bin ich das? Es ist nicht so einfach, den eigenen Platz und Weg zu finden. Auch, da der Begriff „Autorität“ in uns oft negative Empfindungen freisetzt, denn wir denken dabei an Macht und Herrschaft – an unangenehme Beziehungen und Druck. Aber das ist lediglich EINE Art, wie Autorität zum Ausdruck kommen kann.

Autorität haben

Wir können Autorität HABEN durch die Verwendung von Druck und Macht, die wir dazu nutzen, dass sich das Kind nach uns richtet. Wir sind größer, wir sind auf vielen ebenen mächtiger: haben finanzielle Macht, körperliche Macht, mehr Erfahrungen – all dies können wir einsetzen, damit das Kind sich nach uns richten muss. Und diese Macht kommt in vielen verschiedenen Gestalten zu uns: durch Strafen, Beschämung, Drohungen. Manchmal ist sie auch wenig erkenntlich, wenn wir scheinbar Kompromisse anbieten, aber auch der Kompromiss nur eine von unserer Regel abweichende und von uns selbst vorgeschlagene Alternative ist, bei der sich das Kind nur entscheiden kann zwischen zwei Wegen, die es eigentlich beide nicht will und nicht vorgeschlagen hat.

Diese Art der Macht und Autorität können wir eine ganze Weile über unsere Kinder ausüben – bis sich das Machtgefällt langsam ändert und die Kinder weniger abhängig in der Bedürfniserfüllung von uns sind. Natürlich führt diese Art des Umgangs immer wieder auch zu größeren Problemen, denn das Kind bäumt sich nicht selten gegen die vielen Fremdbestimmungen auf. Dennoch aber funktioniert es eine ganze Weile so. Bis zu dem Punkt, an dem Kinder Dinge heimlich machen können, wenn die Konsequenzen sie nicht mehr schrecken oder sie ihnen aus dem Weg gehen können.

Autorität sein

Oder wir SIND eine Autorität für unsere Kinder. Nicht durch Macht(missbrauch), sondern durch Vorbild, Einfühlungsvermögen, Charisma. Das geht nicht? Doch, denn Kinder sind von Anfang an kooperativ. Studien haben gezeigt: Kinder, die respektvoll aufwachsen mit einem sensiblen, toleranten Umgang zwischen Eltern und Kindern, kommen viel eher elterlichen Anweisungen nach.

Es ist ein Umdenken für jene Eltern, die selbst in Machtstrukturen und mit Eltern aufgewachsen sind, die Macht mittels bestimmter Erziehungsmethoden ausgeübt haben. Es scheint zunächst befremdlich: Können wir wirklich auf Druck und Unterwerfung verzichten und folgen uns unsere Kinder dennoch? Sind sie gar keine unzuverlässigen, wilden, eigennützigen Wesen, sondern sind sie wirklich von sich aus schon sozial und wollen dazugehören? Das Bindungssystem gibt uns eigentlich bereits Aufschluss über diese Fragen: Ja, Kinder wollen dazu gehören, wollen in ihrer Gruppe aktive Mitglieder sein, wollen respektiert werden und sind gleichsam auf ihre Bezugspersonen so ausgerichtet, dass sie sich den Schutz und die Sicherheit dieser Personen durch Kooperation sichern.

Natürlich hat die Kooperationsfähigkeit eines kleinen Kindes Grenzen. Es kann sich jeden Tag nur in einer bestimmten Menge den Rahmenbedingungen anpassen und eigene Bedürfnisse wie Neugier und Entdeckungsdrang zurückstellen, die es häufig sind, die Eltern dazu verleiten, Druck und Strafen anzusetzen. Dies müssen wir berücksichtigen in unseren Handlungen und der Alltagsgestaltung. Und ja: Manchmal schaffen wir es vielleicht wirklich nicht auf Augenhöhe durch den Tag, denn es gibt Situationen, die es einfach nicht hergeben. Aber im Großen und Ganzen sollte es unser Ziel sein, nicht Autorität zu haben, sondern Autorität zu sein – aus unserer liebevollen, verständisvollen Haltung heraus.

Lassen wir das Denken hinter uns, dass Eltern Bestimmer*innen sind und mit Druck, Strafe und Unterwerfung arbeiten müssten und entwickeln wir ein Bild von uns als Eltern, die mit Güte, Liebe und Verständnis unsere Kinder begleiten, ihnen Schutz geben, ihnen als Vorbild im Handeln und Denken dienen und auf diese Weise eine natürliche, liebevolle Autorität bilden, an der sie sich orientieren können.

Eure

Mehr dazu lesen in:
Kohn, Alfie (2015): Liebe und Eigenständigkeit. Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung. – 4. Aufl. Freiburg: Arbor
Omer, Haim/von Schlippe, Arist (2010): Stärke statt Macht. Neue Autorität in Familie, Schule und Gemeinde. 3. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
Omer, Haim/von Schlippe, Arist (2016): Autorität durch Beziehung. Die Praxis des gewaltlosen Widerstands in der Erziehung. Göttingen: Vandenhoeck & Rupprecht
Powell, Bert/ Cooper, Glen/ Hoffmann, Kent/Marvin, Bob (2015): Der Kreis der Sicherheit. Die klinische Nutzung der Bindungstheorie. – Lichtenau: G.P. Probst Verlag