Keine Gewalt gegen Kinder – nicht körperlich, nicht seelisch

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„Mama, kannst Du einen Artikel darüber schreiben, dass Kinder nicht gehauen werden dürfen, damit alle Menschen das wissen?“ So endet ein Gespräch mit einem meiner Kinder, das wir kürzlich geführt haben. Der traurige Anlass hier für war, dass das Kind gesehen hat, wie ein Erwachsener ein Kind ins Gesicht schlug. Wir haben lange gesprochen über die Rechte der Kinder, über Gewalt und warum manche Eltern das tun. Und ich habe versprochen, diesen Artikel zu schreiben.

Die Rechte von Kindern in der Kinderrechtskonvention

In Deutschland wurde die UN-Kinderrechtskonvention im November 1989 unterschieben und trat im Frühjahr 1992 in Kraft. Wunderbar übersichtlich erklärt finden sich die Kinderrechte in einer Broschüre des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das ist nun schon lange her und viele Situationen haben sich in Deutschland für Kinder gebessert, aber nicht alle. Die Kinderrechte sind nicht im Grundgesetz aufgenommen, obwohl es zahlreiche Bestrebungen dazu gibt. Ihre Verankerung dort würde bewirken, dass Gesetze und Gerichtsentscheidungen im Interesse des Kindeswohls getroffen werden müssen. Zudem wäre es ein deutliches Zeichen an die Gesellschaft über die Bedeutung der Kinderrechte und könnte mehr zu ihrer Einhaltung und Berücksichtigung beitragen.

Gewaltfreie Erziehung ist verankert

Es gibt viele Rechte der Kinder, die wir einhalten sollen und die wir im Alltag bedenken sollten. Insbesondere möchte ich jedoch auf das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung hinweisen. Seit dem Jahr 2000 steht im Erziehungsrecht: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.“ Das beinhaltet auch die früher noch als „Mittel der Erziehung“ betrachtete Ohrfeige und den „Klaps“  auf den Po. Kinder dürfen nicht geschlagen werden und ihnen darf auch sonst keine Gewalt angetan werden. In der UN-Kinderrechtskonvention heißt es dazu:

Artikel 19 [Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung]
(1) Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenzufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut.

(2) Diese Schutzmaßnahmen sollen je nach den Gegebenheiten wirksame Verfahren zur Aufstellung von Sozialprogrammen enthalten, die dem Kind und denen, die es betreuen, die erforderliche Unterstützung gewähren und andere Formen der Vorbeugung vorsehen sowie Maßnahmen zur Aufdeckung, Meldung, Weiterverweisung, Untersuchung, Behandlung und Nachbetreuung in den in Absatz 1 beschriebenen Fällen schlechter Behandlung von Kindern und gegebenenfalls für das Einschreiten der Gerichte.

„Hat mir doch auch nicht geschadet“ – „Und wie soll ich sonst erziehen?“

Kinder dürfen nicht geschlagen werden und ihnen darf auch keine seelische Gewalt zugefügt werden. Wenn man dies sagt, wird man oft mit dem Satz „Ja, das hat mir doch auch nicht geschadet“ oder „Das verweichlicht doch nur“ konfrontiert. Besonders mit ersterem Satz fühlen sich Menschen, die Gewalt gegen Kinder ausüben, auf der sicheren Seite, Aber es hat ihnen geschadet, denn schon allein durch diesen Satz ist klar, dass sie Empathie verloren haben, die Fähigkeit, sich in andere Menschen und besonders in kleine Kinder hinein zu versetzen. Was muss ein Kind fühlen, dessen Bindungsperson, auf die es angewiesen ist und bei der es Hilfe und Schutz sucht, diesem Kind Gewalt antut? Wie furchtbar muss der Vertrauensbruch für dieses Kind sein, das all seine Liebe und all sein Vertrauen diesem Menschen entgegen bringt? In dem Buch „klein“ hat Stina Wirsén (Affiliate Link) in Bilder gefasst, wie es sich für ein Kind anfühlen muss. Und es klärt darüber auf, dass Kinder sich an andere Menschen wenden können und sollen, wenn sie Gewalt erleben, um Schutz zu bekommen.

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Was bedeutet es für die zukünftige Entwicklung des Kindes, wenn es so sehr in seinem Vertrauen gebrochen wurde von der nahestehendsten Person? Gewalt gegen Kinder richtet immer Schaden an, immer. Es ist ein Schutzmechanismus von vielen Erwachsenen, sich nicht einzugestehen, dass sie selbst darunter gelitten haben und noch heute leiden, indem sie ihre Vergangenheit verklären. Aber diese Verklärung sollte nicht dazu führen, dass die Fehler in die nächste Generation weiter getragen werden.

Verweichlichen oder verwöhnen wir unsere Kinder, wenn wir sie nicht körperlich oder seelisch bestrafen? Nein. Kinder können durch normale Liebe und Fürsorge nicht verwöhnt werden. Forschungsergebnisse zeigen, dass sicher gebundene Kinder intelligenter, empathischer und aufgeschlossener sind. Für die Zukunft, die wir als Gesellschaft heute anstreben, brauchen wir solche Kinder, die Einfühlungsvermögen haben, die respektvoll mit allen anderen Menschen und mit Ressourcen sinnvoll und nachhaltig umgehen. Wir verweichlichen Kinder nicht durch eine sichere Bindung und einen liebevollen Umgang. Wir geben ihnen das, was sie brauchen.

Das Leben mit Kindern ist nicht immer einfach. „Erziehung“ ist manchmal schwierig. Insbesondere, wenn sie in uns die Geister der eigenen Vergangenheit herauf beschwört und man den Impuls hat, sein Kind zu schlagen. Für diesen Impuls müssen Eltern sich nicht schämen, denn es ist das, was viele von uns als Kind erlernt haben. Doch wir dürfen diesem Impuls nicht nachgeben. Wir dürfen unseren Kindern gegenüber keine körperliche oder seelische Gewalt anwenden. Unsere Kinder stehen unter unserem Schutz, sie brauchen unseren Schutz. Und wir sind die Erwachsenen, die unsere Impulse kontrollieren müssen. Wenn dies schwer fällt, müssen wir uns Hilfen holen. Wir können Kurse besuchen, die uns darin helfen, mit unseren Impulsen besser umzugehen, wir können eine Therapie machen oder Beratungsstellen kontaktieren. Es gibt viele Möglichkeiten – wir müssen sie nur wahrnehmen.

Bitte beachtet die Rechte Eurer Kinder.
Eure

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