Hilfe, mein Kind beißt! – Der liebevolle Weg durch eine schwere Zeit

Jedes Kind hat ein eigenes Temperament und einen eigenen Ausdruck. Manche Kinder sind ruhiger, andere wilder. Manche entdeckungsfreudiger, andere eher zurückhaltend. Manche sind laut, manche leise und einige sind irgendwo dazwischen. Genau so wie in allen anderen Bereichen, bringen Kinder auch ihren Ausdruck von Liebe oder Wut unterschiedlich zum Ausdruck. Sie herzen, kuscheln und küssen oder schreien, stampfen auf den Boden, rollen sich umher. Oder sie beißen: aus Wut oder auch aus Zuneigung.

Jedes Kind ist anders

Seit 8 Jahren befinde ich mich im Thema Autonomie mit Kindern und seit 7 Jahren ist immer eines meiner drei Kinder in der Phase, die oft als „Trotzphase“ bezeichnet wird. Darüber, warum der Begriff „Trotzphase“ irreführend ist, habe ich bereits einige Male geschrieben. Jedes meiner Kinder und jedes Kind, das ich kenne, bringt seine Bedürfnisse ein wenig anders zum Ausdruck. Es gibt dabei verschiedene Typen: das sich auf den Boden werfende Kind, das stampfende Kind, das beißende Kind – aber jedes ist auch immer wieder individuell. Nachdem ich ein Kind hatte, das sich ein einziges Mal auf den Boden warf, hatte ich auch ein Kind, das besonders laut war und eines, dass manchmal gerne biss.

Beißen beruht nicht auf elterlichem Versagen

Ein beißendes Kind ist uns als Eltern unangenehm. Denn nicht selten wird das Verhalten des Kindes auf die Eltern zurück geführt. Und auch, wenn wir natürlich durch unseren Erziehungsstil viel Einfluss auf unsere Kinder ausüben, ist das Temperament des Kindes nun einmal angeboren und variiert über die Zeit nur gering. Wenn sich das Kind also vor Wut auf den Boden wirft in aller Öffentlichkeit und wild mit Armen und Beinen rudert, oder aus Empörung in das Bein des nächsten Elternteil beißt, hat das nur bedingt etwas mit uns Eltern zu tun. Wir haben als Eltern nicht versagt, wir haben unser Kind nicht „verzogen“, nur weil es eine bestimmte Form hat, seine Verärgerung zum Ausdruck zu bringen. Wichtig ist nun, dass wir genau zuhören und hinsehen, um mögliche Ursachen und Abhilfen zu ergründen.

Warum Kinder beißen

Es gibt Kinder, die beim Zahnen beißen und denen es anscheinend Linderung verschafft, ihren Kiefer am Körper eines anderen zu reiben. Über die beißenden Stillkinder hat Hebamme Anja beispielsweise hier geschrieben. Andere Kinder beißen aus positiven oder negativen Emotionen heraus: Sie werden von ihren Gefühlen geradezu überschwemmt, aber das Gehirn kann sie noch nicht so beantworten wie wir Erwachsenen, weil es dafür noch nicht die richtigen Strukturen entwickelt hat. Reagieren kann es nur reflexhaft mit ganz einfachen Handlungen, die auch schon kleine Kinder ausführen können wie wegrennen, hauen, beißen. Sie können die Welle an Gefühlen nicht kontrollieren und als Kleinkinder nicht anders handeln, als sie es tun. Kleinkinder beißen nicht mit böser Absicht und dem Gedanken, einem anderen Menschen unbedingt weh tun zu wollen. Sie beißen aus Unvermögen und Mangel an alternativem Ausdruck. Oftmals verstehen sie auch unsere Reaktion nicht und wissen nicht, dass sie uns verletzt haben – auch dann nicht, wenn wir es sagen. Nicht selten lachen Kleinkinder über den erschrockenen Gesichtsausdruck des gebissenen Elternteils – weil sie nicht wissen, dass dieser gerade Schmerz gespürt hat, sondern nur die ungewohnte Grimasse bestaunen.

Was Du bei einem beißenden Kind NICHT tun solltest

Ein beißendes Baby oder Kleinkind beißt nicht mit der Absicht, den anderen zu verletzen. Es kann sich in die Gefühle des gegenüber noch nicht hinein versetzen. Deswegen sind auch Erziehungsmethoden wie „Beiß zurück, damit es merkt, dass es weh tut!“ vollkommen unangebracht. Das Kind wird durch den Schmerz nicht verstehen, dass es diesen Schmerz auch jemand anderem zugefügt hat. Es versteht nur, dass ihm von einer Bindungsperson Schmerz zugefügt wird. Ebenso sind andere schmerzvolle Erziehungmethoden unangebracht: Kinder sollten für das Beißen weder geschlagen noch emotional verletzt werden. Sie sollten auch nicht allein gelassen oder ausgegrenzt werden. All diese „Erziehungsmittel“ führen am Bedürfnis des Kindes vorbei.

Der liebevolle Weg durch die Beißphase

Die Zeit des Beißens ist eine Phase, die bei vielen Kindern endet, wenn sie sich sprachlich besser ausdrücken können und ihr emotionales Erleben gut mitteilen können. Die Lust am Zubeißen aus Liebe endet genau so wie das Beißen aus Frustration und Wut. Auf dem Weg dorthin müssen wir als Eltern unsere Kinder allerdings begleiten und ihnen durch diese – auch für sie schwere – Zeit hindurch helfen.

Im Zusammensein mit anderen Erwachsenen und besonders mit anderen Kindern kann es manchmal schwer sein, ein beißendes Kind zu haben. Hier gibt es einen Erfahrungsbericht von einer Mutter eines beißenden Kindes. Als Elternteil eines beißenden Kindes ist es unsere Aufgabe, andere vor Verletzungen zu schützen. Dies bedeutet, dass wir andere über die Phase aufklären und dabei auch benennen, dass unser Kind eben gerade nicht anders handeln kann. Oft ist es notwendig, das Kind in dieser Zeit nah zu begleiten beim Spiel mit anderen zu Hause oder auf dem Spielplatz, um bei Beißsituationen einzugreifen oder ihnen sogar vorzubeugen. Wichtig ist dies auch, damit das Kind in einer Gruppe, in der es sich öfter bewegt, nicht langfristig ausgegrenzt wird, was zu noch mehr Frustration führen kann.

Manche Kinder gehen auch auf Alternativen ein und beißen in Kissen oder Kuscheltiere statt in Haut. Andere lernen, ihr Verhalten umzuformen und statt zuzubeißen in ein Kissen zu boxen oder auf dem Boden zu stampfen. Zahnende Kinder beißen manchmal gerne auf Veilchenwurzeln, um dem Bedürfnis nachkommen zu können. Bei Kindern hingegen, die Beißen als Ausdruck bzw. Kommunikationsmittel nutzen, ist wichtig, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihre Bedürfnisse zu verstehen und zu begleiten. Einige Kinder beginnen vergleichsweise spät mit dem Sprechen und nutzen das Beißen als Ausdruck: Sie wollen auf den Arm genommen werden und wenn wir dieses Bedürfnis übersehen, beißen sie ins Bein. Sie wollen etwas vom Tisch haben, an das sie selbst nicht kommen, und beißen in den Arm der Bezugsperson. Hier kann es hilfreich sein, besonders auf die Signale des Kindes zu achten und frühzeitig einzugreifen. Hilfreich kann manchmal auch Babyzeichensprache sein, wenn die Kinder noch nicht sprechen, aber schon Gesten für einzelne Wörter bilden können. So können sie ihre Bedürfnisse besser ausdrücken und werden eher verstanden.

Der Weg durch diese Phase führt nicht über Bestrafung, Nachahmung oder Ausgrenzung des Kindes. Nach dem Wahrnehmen müssen wir das Bedürfnis des Kindes verstehen. In einem nächsten Schritt sollten wir annehmen, dass dieses Verhalten nun da ist und uns wahrscheinlich eine Weile begleiten wird und wir uns nicht schämen müssen, denn es sagt nichts über uns als Eltern aus oder über die zukünftige Entwicklung unseres Kindes. Es ist ein Weg des Kindes den wir begleiten. Es ist wichtig, hier einen sanften Weg* zu finden, dem Kind immer wieder zu sagen, dass das Beißen schmerzt (je nach Alter aber nicht unbedingt Verständnis erwarten), es dabei nicht zu bestrafen durch Kontaktverbot und zu versuchen, mögliche Beißsituationen zu umgehen. Und für uns Eltern ist es wichtig, uns immer wieder klar zu machen, dass es eine Phase ist und wir mit unseren Kindern gemeinsam hindurch gehen müssen.

Eure

 

*“sanfter Weg“ bedeutet nicht, dass man nicht vor Schmerz aufschreien kann. Es bedeutet, dass wir in unserer überlegten Handlung sanft sind und das Kind nach der ersten Reaktion nicht weiter anschreien, zurück beißen oder es in ein anderes Zimmer sperren.

16 Kommentare

  1. Liebe Susanne,

    Mein Sohn ist 10 Monate alt und beißt (vorwiegend mich) seit einigen Wochen. Angefangen hat es beim stillen (sehr schmerzhaft) und ich kann gar nicht anders als laut aufzuschreien.
    Das Beißen ist in den letzten Tagen sogar intensiver geworden und nun beißt er mich bei zahlreichen Gelegenheiten: Wenn er sich besonders freut, wenn er müde ist, wenn er Zahnschmerzen hat, wenn er mit stillen fertig ist etc.
    Er beißt mich in die Brust, in den Arm oder in den Brustkorb. Das Ganze geht so weit dass ich ihn manchmal gar nicht hochnehmen möchte bzw. mich unwillkürlich verkrampfe weil ich schon Angst vor dem nächsten Biss habe.
    Natürlich ist mir klar, dass er mich nicht beißt weil er mir weh tun möchte. Im Affekt habe ich aber schon ein paar mal recht klar und böse gesagt dass ich das nicht möchte und dass es mir weh tut. Jetzt hab ich aber auch noch Schuldgefühle weil ich ihn geschimpft habe. Ich weiß nicht wie ich mir hier helfen kann. Hast Du einen Tipp für mich?
    Liebe Grüße
    Tina

    • Liebe Tina,
      Dein Verhalten ist absolut verständlich und ich kenne das wirklich gut, dieses Beißen eines Babys. Wichtig ist zu verstehen, dass Dein Baby Deine Reaktion unglaublich spannend findet und versucht, zu reproduzieren. Oft ist es ja so, dass das Baby beißt und selbst wenn man schimpft oder ein erschrockenes Gesicht macht, das Baby lacht oder noch einmal zubeißt. Dieses Beißen ist oft ein anderes als das des Kleinkindes. Hier ist wichtig, die „Freude“ an dem Spiel zu nehmen, d.h. zu versuchen, wirklich neutral zu bleiben in der Ablehnung des Beißens, wodurch das „Spiel“ dann langweilig wird.

  2. Karoline

    Hm aber wie schaffe ich die Situation bei einen 10 Wochen alten Baby das von seinen Bruder 3 Jahre gebissen wird, ohne vorherige Anzeichen?

    • ja, das ist manchmal wirklich schwierig, bis man neue Verhaltensweisen gut eingebettet hat. Wichtig ist eben immer, wirklich ganz nah das Kidn zu begleiten und in den möglichen Situationen schon vorher einzugreifen, abzulenken, umzulenken.

  3. Steinmädchen

    Hey! Bei uns fing das beißen auch relativ früh an ich glaube auch vor dem 1. Geburtstag. Es war anfangs nicht nur beißen sondern auch ein ins Gesicht langen und zukneifen … beides sehr schmerzhaft! Zuerst kam es nur zu Hause vor dann auch im Kindergarten … mit 1,5 wurde es massiv, so dass wir mehrere Gespräche im Kindergarten führen mussten. Wir waren verzweifelt, die Erzieher überfordert. Ich bin selbst Diplom-Pädagogin und Beraterin doch trotz all meinem fachlichen Wissen war die Situation für mich nur schwer auszuhalten … jeden Tag in der Abholsitustion zu hören „heute hat er wieder viel gebissen“ zum Teil sogar blutig! Mir tat es so leid für ihn … für die anderen Kinder und auch für mich! Die Mama des „Beißers“! Ich habe der Kita Literatur zur Verfügung gestellt, einen Elternbrief empfohlen um die gesamte Elternschaft zu informieren und wir haben gemeinsam mit den Erziehern versucht enge Spielbegleitung zu gewährleisten (also wir zu Hause und sie in der Kita) Das hieß bei jedem Playdate mit auf dem Boden zu sitzen während die anderen Mamis am Kaffeetisch saßen, um die Situationen mitzuerleben, Bedürfnisse wahrzunehmen, der Gefühlswelt meines Kleinen Worte zu geben. Er hat sowohl vor lauter Wonne als auch als Konfliktlösestrategie gebissen … oftmals musste ich mir anhören er hätte aus heiterem Himmel gebissen, einfach so ohne ersichtlichen Grund! Und ihm sei auch egal gewesen wenn man geschimpft hätte, er würde das einfach nicht verstehen! … puuhhh es war wirklich eine aufreibende und anstrengende Zeit mit Phasen der Verzweiflung und auch Wut … jetzt ist er 2 Jahre und 9 Monate, kann sich sehr gut mitteilen und es passiert nur noch selten. Entweder wenn es ihm mit Worten nicht gelingt sich durchzusetzen oder wenn er sehr müde und deshalb überdreht ist vor lauter Wonne! Unser Kleiner ist so toll und so sensibel und so lustig und so süß und so liebevoll und eben auch so temperamentvoll und dann ist es nochimmer schwer die Impulse zu kontrollieren … bald kommt er „nach oben“ zu den Großen in die Ü3 Gruppe … ich bin wirklich gespannt und auch ein wenig besorgt … mehr Kinder, größere Kinder … wie wird sich das auswirken? Mein Kind darf geborgen wachsen … so wie er ist! Ich begleite ihn liebevoll (aber auch authentisch) durch all seine Phasen! Mama sein ist das Schönste, dass ich je erlebt habe und gleichzeitig das Anstrengendste!

  4. Mein Sohn ist 3 1/2 und beißt andere Kinder. Seit ungefähr ein halben Jahr geht er zur Logopädin. Das klappt super. Leider erfahre ich dann von anderen Müttern,das er wieder gebissen hat. Das stimmt mich so traurig, ich weiß nicht weiter. Bei den Entwicklungsgespräch kam auch nix positives. Mir ist einfach nur zum heulen zumute. Erzieherin aus der Kita die speziell ausgebildet ist,meinte er ist so steif in den Schultern und sollte zur Ergotherapie, Kinderärztin meinte er ist dann Verhaltensauffällig,gehen sie zum SPZ. Darauf hin habe ich mit der Amtsärztin telefoniert und die meinte ,weil er kinder schubst und Haut,ich sollte erstmal das Entwicklungsgespräch abwarten. Möchte nicht das er irgendwie abgestempelt wird,nur weil er sich so verhält.Die Logopädin ist der Meinung daß es daher kommt,weil er mit der Sprache noch etwas zurück ist. Bei ihr in Einzeltherapie ist er nie auffâllig.Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen, weiß gar nicht mehr weiter

    • Oje, da wirst Du aber gerade sehr von allen Seiten belastet und auch im Stich gelassen. Ich verstehe, dass das sehr belastend für Dich ist. Viele Kinder nutzen wirklich das Beißen, wenn sie noch nicht gut sprechen können, um sich auszudrücken. Die Logopädin bestätigt dies ja auch bei Euch. Wichtig ist natürlich, dass Dein Kind in der Kita gut und nah begleitet wird, um vorzubeugen und auch, um Alternativen aufzuzeigen und es eben nicht abzustempeln und negativ zu beurteilen. Ich denke, hier ist noch einmal ein Gespräch mit der Kita wichtig, um auch positive Seiten Deines Kindes hervor zu heben. Wenn er nur negativ betrachtet wird, ist es vielleicht nicht der richtige Ort für ihn und er wäre bei Erzieher*innen, die ihn positiver betrachten, besser aufgehoben.

  5. Meine Tochter ist 7 Monate Alt und beißt mich des Öfteren beim stillen mal zart mal hart , es kommt und geht, manchmal reagiere ich gar nicht mehr. Wenn ich deutlich nein sage, dann lacht sie. Sie spielt auch gerne uns in die Nase zu beißen, dem kann ich aber leichter entkommen. Heute biss sie so doll, als hätte sie versuchen wollen meine Brustwarze abzubeißen. Ich muss ehrlich gestehen, sie aus lauter Schreck und auch Ärger leicht ins Bein gekniffen zu haben (ein Tipp von meiner eigenen Mutter – na vielen Dank auch) – woraufhin sie unglaublich schrie. Ich habe jetzt deinen Artikel gelesen und verstehe die Situation besser …und fühle mich furchtbar wie ein Monster. Wie kann ich den richtigen Abstand gewinnen in solchen Situationen? Vielen Dank für deinen Blog !

    • Fühl Dich nicht wie ein Monster. Das ist schon manchmal erschreckend, dass man sich gegen solche erlernten oder anders eingetrichterten Reaktionen nicht schützen kann und in einem solchen Schreckmoment kommen dann ganz ungefiltert diese Reaktionen. Nicht optimal gelaufen, aber Du weißt es jetzt und kannst versuchen, es anders zu machen: Denk dir mögliche andere Handlungsmuster aus, gehe neutral auf Abstand. Mit 7 Monaten ist es schwer, weil da ja auch die Zähne kommen und viele Kinder beißen oder kauen bzw. reiben den Kiefer gerne an etwas. Nichtaus böser Absicht, sondern weil es für sie angenehm ist und natürlich versteht sie nicht, dass das für dich anders ist. Hier hilt nur die Zeit und auch ein wenig Erfahrung: Manchmal erahnt man schon: jetzt wird es gleich passieren und kann vorzeitig eingreifen, die Brust entziehen und sagen, dass man das nicht möchte.

  6. Hallo ich bin verzweifelt ich weiß nicht mehr weiter mein Sohn ist jetzt 2 Jahre und er beißt ziemlich arg in der kita mich als Mutter auch. Immer als Kurzschluss reagtion er weiß auch das es falsch war aber er macht es immer wieder in der kita wissen die Erzieher auch nicht weiter jetzt wird er in ein Zimmer gesetzt wenn er es gemacht hat aber iCh finde es auch nicht richtig ich denke auch das die auch die Kinder es provozieren und die Erzieher es dann gleich auf meinen kleinen schieben und ihn schimpfen ich geb ihn ungern mehr in die kita weil ich nicht weiß ob er ungerecht behandelt wird.

    • Liebe Jenni,
      wie ja oben beschrieben, ist es wichtig, beißende Kinder wirklich nah zu begleiten und mit 2 Jahren verfolgt Dein Sohn wirklich keine böse Absicht udn er weiß auch noch nicht wirklich, was er da genau tut, denn er kann sich in andere noch nicht hinein versetzen. Manchmal lernen die Kinder, dass sie auf ihre Handlung dann reagieren sollen mit Sätzen wie „das ist nicht gut“ „ich soll das nicht“, aber sie haben dennoch keine richtige Einsicht. Ihn pauschal auszugrenzen in der Kita geht wirklich gar nicht. Es ist ja die Aufgabe der Kita, sich darum zu kümmern und Wege zu finden. Ich denke, Du solltest noch einmal das Gespräch mit der Erzieherin suchen oder gar die Kita wechseln.

  7. Hallo,
    meine Tochter ist 31 Monate alt und seit einigen Wochen ist es wieder schlimmer geworden mit dem beißen. Sie macht es in Konflikt- und auch in freudigen Situationen. Sie spricht erst jetzt immer mehr, seit August geht sie in die Kita, sie war vorher in keiner Betreuung. In der Kita ist es 2 mal in Konfliktsituationen vorgekommen. Und seit Wochen jetzt schon nichts mehr. Auf dem Spielplatz und beim turnen jedoch schon. Oft ohne ersichtlichen Grund, sie geht auf das klettergerüst, ein anderes Kind steht nur da oder kommt auch dahin und sie beißt in die Hand. Heute beim Turnen war es ein neues Mädchen, sie waren unter einer Art Spielzelt und ich konnte so schnell gar nicht reagieren, da ich erst darunter krabbeln musste und zu dem hochschwanger bin. Auf dem Spielplatz kann ich auch nicht immer und überall eingreifen. Ich nehme sie dann zu mir und sage ihr immer und immer wieder, dass es dem anderen Kind weh tut und ich versuche ihr Alternativen aufzuzeigen. Die letzten beide Male (also auch heute) hatte sie keinen Mittagsschlaf gemacht, und ich vermute es ist dann auch noch die Übermüdung. Das werde ich mal weiter beobachten. Aber was wäre dann die Alternative, zu Hause bleiben? Dann nicht auf den Spielplatz oder zum turnen? Eine Idee ist noch, das die Kita für sie einen geschützten Raum darstellt, sie kennt die Kinder und alles und macht es deswegen nicht mehr dort. Auf dem Spielplatz sind immer andere Kinder und andere Situationen. Evtl. Irritiert sie das sehr. Zudem ist sie wohl bereits auch in der Autonomiephase, da sie sehr oft „Meine“ sagt, zu allem, zur Schaukel, zu Spielzeug von anderen Kindern,….ist das so? Und das auf dem Spielplatz dann jemand in ihren spielbereich kommt und sie deswegen einfach so zu beißt? Ich hoffe das es bald besser wird mit der Zunahme des Sprachgebrauchs.

  8. Hallo,
    Vielen Dank für den tollen Artikel. Ich habe ihn sehr gerne gelesen.
    Unser Sohn ist 16 Monate alt. Bei uns ist es nicht das beißen, sondern das kneifen und kratzen. Vorzugsweise mit beiden Händen in meine Wangen. Ich sehe schon aus wie nach einem Kampf mit einer Katze. Momentan gibt es mehrmals täglich solche Attacken. Manchmal nachvollziehbar, wenn ich ihm etwas wegnehmen muss, er nicht das bekommt was er will, manchmal urplötzlich beim kuscheln. Ich versuche ihm dann ruhig zu begegnen (erkläre, dass das weh tut, versuche ihn aus der Situation herauszuholen, bleibe bei ihm) aber er versteht ja gar nicht, dass er zu doll gekuschelt hat oder er seinen Frust anders zeigen soll. Wenn schon manch Erwachsener seine Impulse nicht steuern kann, wie soll es so ein kleines Wesen schaffen? Er spricht noch nicht und wir versuchen fleißig zu erraten was er uns gebärdet.

    Unser kleiner ist sehr willensstark. Was ja grundsätzlich toll ist, mich aber zur Zeit total an meine Grenzen bringt. Es geht einfach nicht alles was er will.
    Hinzu kommt akuter Schlafmangel, da er nach wie vor mehrmals nachts aufwacht und nur schwer wieder einschläft, auch wenn er neben uns liegt. Auch ihm merkt man natürlich den fehlenden Schlaf an. In diesen Situationen ist er besonders schnell frustriert.

    Was mir zusetzt ist die Frage, ob er zuviel Aufmerksamkeit bekommen hat, ich ihm nicht beigebracht habe abzuwarten und das Gefühl der Hilflosigkeit. Ich habe Angst,dass es unsere gute Beziehung sehr belastet, wenn es noch sehr lange so weitergehen sollte.

    • Aus der Ferne ist das natürlich schwer zu beurteilen, aber es klingt alles verständlich: Noch nicht reden können, körperlich Wut oder Zuneigung ausdrücken, auch körperlich werdenden Erschöpfung und Müdigkeit und natürlich der Umstand, die eigenen Gefühle noch nicht wie Erwachsene verarbeiten zukönnen,sondern ebenimpulsiv. Schau mal hier imInhaltsverzeichnis unter Autonomiephase/Trotzphase, da gibt es noch mehr Artikel.

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