Schlagwort: Gesundheit

Selbständigkeit ermöglichen – Wie mein Kind im Bad an der Pflege teilhaben kann

Babys und Kleinkinder können oft mehr als wir ihnen zutrauen. Das betrifft nicht nur das Spiel und den Umgang mit Materialien, sondern ganz besonders auch die Handlungen des Alltags. Sie sehen uns täglich als Vorbild und wollen uns nachahmen. Aber gerade in Situationen wie der Pflege im Bad oder beim Essen lassen wir das oft nicht zu. Warum? Weil wir denken, dass es anders schneller geht, weil weniger gekleckert wird, weil wir denken, es gründlicher zu machen. Doch nur durch die Nachahmung kann das Kind auch lernen, seine Fertigkeiten verbessern und somit das Ziel erreichen, das wir uns wünschen: selbständiges Essen, Waschen, Anziehen.

Schon die kleinsten Babys kann man an der Pflege teilhaben lassen, wenn man mit ruhiger Stimme zu ihnen spricht, ihnen die Handlungen ankündigt und wartet, ob und wie sie reagieren. Liebevolle und achtsame Hände können abwarten, dass das Kind in seinem Rahmen an der Körperpflege teilhaben kann. Das fängt bei der Beachtung der Kindesbewegungen an und führt bis dahin, dass dem Kind selbst der Lappen oder ein Tuch gereicht werden kann, damit es selber auch waschen darf in seinem Rahmen. Emmi Pikler und Anna Tardos beschreiben die Möglichkeiten achtsamer Pflege sehr schön in dem Buch „Miteinander vertraut werden“.

Der Sohn ist nun schon so groß, dass er nicht mehr auf dem Wickeltisch gewaschen werden muss. Er fordert durch unser Beispiel und das der großen Schwester auch vehement ein, dass er selber teilhaben kann. Damit das möglich ist, ist es gut, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass er selbst wirksam sein kann. Was bei Babys ein passender Wickeltisch, nach Möglichkeit mit Gitter zum Festhalten, ist nun die Möglichkeit einer kleinen Treppe, damit er selbst am Waschbecken stehen kann.

Aus zwei Stufenhockern lässt sich schnell eine Treppe bauen, die er selbst erklimmen kann. Auf der obersten Ebene stehend kann er mit 14 Monaten dann selbst am Waschbecken stehen und die Hände reichen bis zum Wasserstrahl des Hahns. Die selbst erklommene Höhe kann er gut einschätzen und steht beim Waschen sicher. Was er für die Pflege selbst benutzen möchte, wird vorher in erreichbare Nähe gestellt: Seife, Waschlappen, Bürste, Handtuch. Zur Zahnputzzeit kommen auch Zahnbürste, Zahnputzbecher und Zahnpasta dazu. So ist es möglich, dass er selbst seine Hände wäscht, sich das Gesicht reinigt. Und natürlich spielt er auch etwas mit dem Wasser. Aber Spiel ist Lernen und weiterer Kompetenzerwerb – und schließlich hängt das Handtuch gleich daneben.

Bad_Pflege3

Bad_Pflege1

Bad_Pflege2

Bad_Pflege4

Bad_Pflege6

Bad_Pflege7

Bad_Pflege8

 

Ich kauf im Kiez: Frau Mieraus Kaffeekonsum

Ich trinke gerne Kaffee. Sogar sehr gerne. Man könnte sogar sagen, ich bin ein Kaffeehipser, wie Ada Blitzkrieg es beschreibt. Ich liebe guten Cappuccino. Und ohne einen guten Cappuccino am Morgen kann der Tag für mich nicht gut beginnen. Am Nachmittag gönne ich mir immer einen zweiten leckeren Cappuccino und das war es dann für einen Tag. Weiterlesen

9 Monate Windelfrei – eine Bilanz

Töpfchen

Kürzlich hat Franzi von „Einfach klein“ eine Bilanz von 18 Monaten windelfrei gezogen und zu weiteren Berichten aufgefordert. Dem möchte ich hier gerne nachkommen und über unsere bisherige „windelfrei“-Zeit berichten. An anderer Stelle hatte ich ja bereits davon berichtet, wie wir zu windelfrei kamen: Vor vielen Jahren hatte ich einmal das Buch „Es geht auch ohne Windeln!“ gelesen und mir dann, nach der Geburt der Tochter gedacht, dass es aber gut auch mit Windeln geht. Dann kam einige Jahre später der Sohn in unser Leben. Und er war so völlig anders als die Tochter mit einem ganz anderen Temperament und anderen Bedürfnissen. Es dauerte einige Monate – 5 an der Zahl – bis ich merkte, dass sein häufiges Weinen mit seinem Ausscheidungsbedürfnis zusammen hing. Er wollte einfach nicht in seinen nassen Stoffwindeln sein! Und so nahm ich den Gedanken des „windelfrei“ also doch noch einmal auf und begann, ihn abzuhalten.

Obwohl man manchmal liest, dass es schwierig ist, mit „älteren“ Kindern zu beginnen, hatten wir keine wirklichen Startschwierigkeiten. Es schien so, dass der Sohn nur darauf gewartet hätte, dass bei mir endlich der Groschen fällt: „Endlich verstehst Du mein Signal!“, schien er mir zu sagen. Er war beglückt, dass ich ihn abhielt. Die englische Bezeichnung „elimination communication“ passt meiner Meinung nach hervorragend für die natürliche Säuglingspflege. Denn bei der Bezeichnung „windelfrei“ könnte man irrtümlicherweise annehmen, auf Windeln würde ganz verzichtet werden. Natürlich klappte es nicht immer. Das lag meist daran, dass ich mit anderen Dingen beschäftigt war und sein Signal einfach nicht wahrnahm, während ich mit der Tochter (die in dieser Zeit anfangs noch nicht in den Kindergarten ging) in eine Sache vertieft war oder gerade etwas im Haushalt machte. Oder unterwegs war und ihn nicht abhalten konnte, weil es zu kalt war, wir gerade im Auto saßen oder oder…

Dann kam der Sommer und damit eine einfache windelfrei-Zeit. Draußen Abhalten war durch angenehme Temperaturen möglich (auch wenn ich trotzdem weiterhin Stoffwindeln verwendete und ihn auch dort hinein machen ließ, wenn es nicht anders ging) und auch in der Wohnung konnte er nackt herumtollen. Natürlich ging auch mal was daneben. Auch mal öfter. Besonders in Zeiten von Umbrüchen (Entwicklungsschübe, Zahnen, Krankheit) änderten sich die Signale. Da ich das Windelflies nicht mehr benötigte, weil er seinen Stuhlgang sehr genau anzeigte und das so gut wie nie in die Windel gemacht wurde, entdeckte ich, dass Windelflies ideal ist, um damit Urin aufzuwischen und sauber zu machen, weil es so schön reißfest ist und später trotzdem mit den Stoffwindeln mitgewaschen werden kann. Der Mann war weiterhin etwas skeptisch und fragte manchmal, ob es in unserer Wohnung noch Orte geben würde, an denen noch kein Kind eine Pfütze hinterlassen hätte. Doch ich machte weiter.

Als der Sohn anfing, selbständig in den freien Sitz zu kommen mit etwa 8 Monaten, kaufte ich ein Töpfchen und setzte ihn, als er gut allein sitzen konnte, für das „große Geschäft“ auf das Töpfchen. Zunächst war es ungewohnt für ihn, weil er das Abhalten gewöhnt war. Dann aber, als er uns als Vorbilder sah und verstand, benutze er das Töpfchen zunehmend, irgendwann auch für Urin. Er veränderte seine Ansagen und machte nicht mehr mit Blicken oder Geräuschen auf sein Bedürfnis aufmerksam, sondern fasste gelegentlich demonstrativ an die Windel, um mir klar zu machen, dass er musste. Natürlich gab es auch weiterhin viele Situationen, in denen auch die Windel nass wurde. Gerade  während der Eingewöhnungszeit der Tochter im Kindergarten war es nicht möglich, dort richtig auf seine Signale zu achten bzw. darauf einzugehen. Wenn ich aber merkte, dass er musste und ich ihn nicht abhalten konnte, erklärte ich ihm, dass er nun leider in die Windel machen müsse und ich sie ihm dafür schnell wechseln würde. Ich bin mir sicher, dass er mich verstand.

Allerdings war und ist er in Sachen Abhalten sehr wählerisch: Er möchte nur auf sein eigenes Töpfchen gehen und bevorzugt auch unser Waschbecken und unsere Toilette. An anderen Orten tut er sich schwer damit. Er wartet und schüttelt den Kopf. Oft nimmt er dann doch lieber den Weg, in die Windel zu machen.

Um den 10. Monat kamen die ersten Wörter und um den 13 Monaten kamen auch „pullern“ und „Kacka“ in den Sprachgebrauch. Dabei ist „Kacka“ oft für Stuhl und Urin im Gebrauch und bedeutet so viel wie „auf Toilette gehen“. Damit wird windelfrei nun noch einfacher, weil er tatsächlich oft einfach ansagt, dass er auf Toilette muss oder zumindest, wenn er gerade in die Windel gemacht hat. An Tagen, an denen ich die Möglichkeit habe, gut auf seine Signale zu achten, kann ich ihn vollständig abhalten. Stuhlgang erledigt er ausnahmslos in sein Töpfchen.

9 Monate leben wir nun „elimination communication“. Und auch, wenn der Mann anfangs und zwischendurch immer wieder ziemlich skeptisch war, findet er es gut, wie es jetzt beim Sohn funktioniert und dass auch er ihn nun problemlos abhalten kann. Die Kommunikation um die Ausscheidungsbedürfnisse hat tatsächlich auch an unserer Beziehung oder vielmehr an meinem Bild vom Kind  verändert: Babys sind unglaublich kompetente, kleine Wesen. So, wie sie ihren Hunger, ihr Bedürfnis nach Nähe oder den Wunsch nach Unterhaltung ausdrücken, zeigen sie auch, wann und ob sie auf Toilette gehen müssen. Es ist nicht notwenig, ihnen beizubringen, ihr Bedürfnis in eine Windel zu verrichten, um es ihnen später wieder abzutrainieren. Wenn wir genau hinsehen, können wir ihr Signal tatsächlich deutlich wahrnehmen. In Kombination mit Stoffwindeln kann man zusätzlich auch einen guten Beitrag für die Umwelt leisten, in dem man Wegwerfwindelberge nicht weiter ansteigen lässt. Und es hat den großen Vorteil (sowohl bei windelfrei als auch bei der Verwendung von Stoffwindeln), dass die Haut im empfindlichen Windelbereich viel besser versorgt wird. Kein einziges Mal hatte der Sohn bislang eine Windeldermatitis. Für uns war und ist es der richtige Weg, „elimination communication“ zu betreiben, auch wenn ich mir das anfangs nicht hätte denken können. Aber auch wenn ich all diese positiven Wirkungen sehe, halte ich weiter auch daran fest: Natürlich geht es auch mit Windeln, und man ist trotzdem kein schlechte Mutter und kann eine gute, tiefgehende Beziehung mit seinem Kind haben! Kein Dogma, aber einen Versuch ist es wert, oder?

 

 

Bettruhe – Was tun, wenn ein Kind im Bett bleiben sollte, aber nicht will

Wochenende_09_09

Es ist Erkältungszeit und so manche Familie hat es schon erwischt. Manchmal mit Fieber, manchmal ohne. Auf jeden Fall aber sind Erkältungs- oder Kinderkrankheiten anstrengend. Besonders dann, wenn Kinder im Bett bleiben sollen. Oder, um es mit Astrid Lindgren zu sagen:

 „Jetzt halte ich es nicht mehr aus“, sagte eines Tages, kurz vor Weihnachten, die Mutter von Gunnar und Gunilla. „ich auch nicht“, sagte der Vater. Gunnar und Gunilla lagen im Kinderzimmer und hörten alles. Sie wußten ganz gut, was ihre Eltern nicht mehr aushielten. Sie hielten es nicht mehr mit Gunnar und Gunilla aus. Denn Gunnar und Gunilla waren schon seit vier Wochen krank. Nicht sehr gefährlich krank, nur gerade so viel, daß sie in ihren Betten lagen – und nach Mutter riefen.

Oft reicht es ja vollkommen aus, sie zu Hause ruhig spielen zu lassen, aber manchmal muss es eben doch die Bettruhe sein. Zum Beispiel nach einer Gehirnerschütterung, wie die Tochter sie letztens hatte. Nicht nur, dass man sich um die Kinder sorgt, oft ist man selbst auch ganz schön erschöpft von den kranken Kindern, wenn man neben allen anderen Dingen eigentlich am Krankenbett bleiben soll und vielleicht auch möchte. Aber was sollen Kinder im Bett auch machen, wenn sie krank sind, aber nicht so sehr, dass sie nur schlafen? Hier kommen unsere Lieblingsideen fürs Krankenbett:

1. Vorlesen

Natürlich. Der Klassiker beim Kranksein. Vielleicht auch eine passende Geschichte, in der auch ein Kind krank ist, wie zum Beispiel in der obigen Geschichte von Astrid Lindgren „Kuckuck Lustig“.

2. Hörspiel

Es soll eine Geschichte sein, aber Mama oder Papa müssen gerade Tee oder Suppe kochen oder etwas anderes erledigen? Dann passt vielleicht ein Hörspiel. Wie wäre es mit „Peter und der Wolf“? Mein Favorit ist ja die Version, in der Romy Schneider die Geschichte erzählt.

3. Streichelmassage

Berührung ist Balsam für die Seele. Babymassage ist wunderbar für kleine Kinder, unterstützt die Bindung, verbessert die Durchblutung etc. Gerade auch größere, kranke Kinder profitieren von einer Massage (wenn medizinisch nichts dagegen spricht). Im Bett kann das Kind gut wie ein Pizzateig geknetet und mit verschiedenen Sachen „belegt“ werden. Oder es streicht der Wind über den Rücken, es fallen ein paar Regentropfen hinauf… Mit etwas Phantasie lassen sich schöne Geschichten auf dem Rücken erzählen.

4. Spieleklassiker

Was lässt sich einfach ohne Brett im Bett spielen? Spiele wie „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ oder „Grün, grün, grün sind alle meine Dinge. Wer sieht mehr? Es ist gar nicht schwer?“ Und dann alles aufzählen, was man an grünen Sachen sehen kann.

5. Ruhig Kreativ

Nachdem einmal die Wand mit Filzstiften angemalt wurde und auch das Bettzeug in einem unbeobachteten Moment nicht verschont blieb („Das sieht jetzt so schön aus!“), sind Filzstifte im Bett bei uns verboten. Lieber schöne Wachsmalblöcke nutzen oder Buntstifte. Und weil es im Bett mit dem Malen nicht so einfach ist, haben wir ein extra Maltablett, das als Unterlage dient.
Wer es möchte oder wenn die Kinder mal länger krank sind, kann etwas Variation hinein gebracht werden: Stempelbilder oder Glitzerstiftbilder (Achtung: dabei bleiben!), Bleistiftrubbelbilder (bei denen man z.B. eine Münze oder ein Blatt unter das Papier legt und dann mit dem Stift darüber rubbelt). Und unsere absolute Lieblingsentdeckung für Momente, in denen einfaches Papier und Stifte nicht mehr reichen: Die Krikel-Krakel-Reihe von Oetinger. Hier gibt es Aufkleber zum Anmalen, Postkarten zum Weintermalen und sogar ein Quartett zum Selberbemalen, das man danach dann zusammen spielen kann.
Für das Malen müssen die Kinder allerdings schon in einer besseren Verfassung sein als beim Zuhören von Geschichten.

Großes Haus und Eltern auf anderer Etage?

So sehr wir auch am Krankenbett unserer Kinder sitzen wollen, müssen wir uns auch manchmal losreißen, um anderes zu erledigen. Wer in einem großen Haus wohnt, kann ein Walkie-Talkie benutzen, um mit dem Kind in Verbindung zu bleiben. Ich hatte als Kind ein kleines Glöckchen an meinem Bett stehen, mit dem ich meine Mutter rufen konnte, wenn ich heiser war.

 

Und was sind Eure Tipps an Bettruhtagen?

Wochenende in Bildern

Also dieses Wochenende… Ja, wie soll ich das kurz beschreiben? Es war ziemlich schlimm. Wir mussten ins Krankenhaus und wir mussten da auch bleiben. Beide Kinder und ich. Und wir haben Erfahrungen gemacht, die nicht schön waren. So war es:

Wochenende_09_01

Am Freitag hatte sich die Tochter den Kopf sehr stark gestoßen an ihrer Hochebene. Ich kühlte und schmierte Arnika auf die Stelle am Kopf, aber sie hatte Kopfschmerzen und schlief schlecht. Um Mitternacht erwachte sie und erbrach sich ins Bett. Gehirnerschütterung, dachten wir uns sofort und machten uns auf den Weg ins Krankenhaus: Tochter, Sohn, Mann und ich. Wir fuhren ins St. Joseph. Dort gibt es eine Erste Hilfe für Kinder. Angemeldet und in den Wartebereich gegangen, in dem viele Kinder waren und Tüten verstreut lagen, falls Kinder sich erbrechen müssen. Während die Bildschirme in diesem Wartebereich der Kinder zwar ausgeschaltet waren, konnte man jedoch sehr gut die Bildschirme des Erwachsenenwartebereichs erkennen. Dort lief zu dieser späten Stunde ein Krimi, auf dem zweimal versuchte Morde und eine Vergewaltigung zu sehen waren. Nachdem wir unsere Kinder zwei Stunden versuchten, von den Fernsehbildern fern zu halten und nicht aufgerufen wurden für eine erste Begutachtung (Wir hatten uns mit Verdahct auf Schädel-Hirn-Trauma angemeldet!), nahmen wir die Kinder und fuhren nach Hause. Die Eltern, die dort noch warteten, waren schon 1,5 Stunden vor uns dort gewesen und ebenfalls noch nicht dran gekommen.

Wochenende_09_02

Wir fuhren zu einer kleinen Pause nach Hause und morgens ging es dann weiter ins Sana Klinikum Lichtenberg. 15 Minuten Wartezeit und die Tochter sollte sofort stationär aufgenommen werden. Es gab nur ein Problem: Ich wollte meine Tochter auf jeden Fall begleiten. Und wenn ich bei der Tochter bin, muss auch der Sohn mit dabei sein. „Warum?“ fragte die Krankenschwester in der Aufnahme. „Weil er 13 Monate alt ist und noch gestillt wird.“ „Mit 13 Monaten???“ Dann müsse ich die Unterbringung aber selber bezahlen. Gut, mache ich.

Wochenende_09_03

Tochter wird am Überwachungsmonitor angeschlossen. Aufstehen nur zur Toilette. Aber sie hat so starke Kopfschmerzen und ist so schlapp, dass sie auch gar nicht möchte.

Wochenende_09_04

Kleines, wirkungsvolles Aufmunterungsgeschenk vom Waldorfbasar: Mimi-Püppchen in Wiege.

Wochenende_09_06

Und während es eigentlich um die Tochter geht, wird der Sohn auf einmal ganz heiß. Mit 40,3°C wird er nun auch offiziell als Patient mit aufgenommen.

Wochenende_09_05

Familienbett nach Krankenhausart: Der fiebernde Sohn schläft mit mir in einem Bett, das Bett der Tochter ist an meins dicht drangeschoben.  In der Nacht kommt in unser Zimmer noch ein Kind in Begleitung seiner großen Schwester.

Wochenende_09_07

Der nächste Tag. Sonntag. Der Tochter geht es schon viel besser. Der Sohn fiebert weiter. Mal höher, mal niedriger. Außer rotem Hals keine weiteren Symptome.

Wochenende_09_08

Warum ich mich u.a. immer wieder für Breifrei entscheiden würde? Würdet Ihr das essen wollen? Das ist die Mahlzeit, die für den Sohn vorgesehen war: Kartoffelbrei, püriertes Gemüse, püriertes Fleisch. Appetitlich? Nein. Warum sollten Kinder es dann essen?

Wochenende_09_09

Was tun bei Bettruhe? Demnächst schreibe ich einen Artikel mit unseren Tipps für kranke Kinder mit Bettruhe.

Wochenende_09_10

Das sieht nicht nach Frau Mierau aus? Stimmt. Ist auch nicht von uns, sondern von dem kleinen dreijährigen Kind, das in der Nacht mit seiner großen Schwester in unser Zimmer kam. Vormittags kam der Vater mit zwei weiteren Schwestern zu Besuch. Die ganze Familie ging dann aber mittags und ließ den Kleinen einfach zurück. Allein. Mit 3 Jahren allein im Krankenhaus. Es kam niemand wieder. Die Schwestern sagen, da sei er kein Einzelfall. Und während ich mich nun um drei Kinder kümmerte, fragte er, ob er mich jetzt auch Mama nennen könne.

Deswegen schließe ich hiermit: Kinder brauchen uns. Besonders, wenn sie krank sind. Und geborgene Familie geht sogar im Krankenhaus – wenn man sich einfach durchsetzt.

 

Natur, Natur und einfach spielen lassen – Wie Kinder heute wachsen sollten

Wie_Kinder_heute_wachsen

Schon lange liegt das neue Buch von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther auf meinem Schreibtisch. Ich bin lange nicht dazu gekommen, es gründlich zu lesen, denn ich habe meine Tochter im Kindergarten eingewöhnt. Nach wirklich langer Suche (und nachdem wir sie aus einem schlechten Kindergarten hinaus genommen haben), haben wir einen wunderbaren Platz für sie gefunden. Einen Kindergarten, in dem täglich hinaus gegangen wird bei jedem Wetter, bei dem einmal in der Woche ein Waldbesuch ansteht und einmal wöchentlich der Bauernhof aufgesucht wird. Dort wird mit Pflanzen Stoff gefärbt, Kinder klettern auf Bäume und bauen sich kleine Hütten im Wald. Noch nie zuvor kam meine Tochter mit so vielen Schürfwunden oder blauen Flecken nach Hause. Aber sie ist auch sehr glücklich dort. Und das mitten in Berlin.

In meinem Umfeld höre ich oft, dass Familien aufs Land oder zumindest an den Stadtrand ziehen wollen, weil die Kinder in der Stadt keine Natur erleben könnten und die Kindheit hier so eingeschränkt sei. Und nun kommen wir zum Buch von Renz-Polster/Hüther. Stimmt nicht, sagen die nämlich. Es kommt nämlich nicht nur auf den Raum an, sondern eben auch auf unsere Einstellung, unsere innere Haltung zu dem, was uns wichtig ist und zu dem, was wir denken, dass unsere Kinder „lernen“ müssen. Im Frühförderwahn denken wir zu oft, dass Lernspiele, Apps und Wissensbücher den Kindern alles Wichtige vermitteln. Doch Kinder lernen nicht auf diese Weise. Sie lernen durch das Tun. Renz-Polster und Hüther beschreiben das so wunderbar mit dem folgenden Bild:

Bäume brauchen Wurzeln, das weiß jedes Kind. Und ein kleiner Baum kann umso besser wachsen und gedeihen, je kräftiger seine Wurzeln sind, mit denen er sich im Erdreich verankert und seine Nährstoffe aufnimmt. Nur wenn es einem kleinen Baum gelingt, tief reichende und weitverzweigte Wurzeln auszubilden, wird er später auch Wind und Wetter, ja sogar Stürme aushalten.

Auch Kinder brauchen feste Wurzeln. Offenbar wissen das nicht alle Eltern, auch nicht alle Erzieher oder gar alle Bildungspolitiker. Sie halten das, was man an jedem Baum sehen, messen und zählen kann, also die Äste oder die Blätter oder auch nur die Früchte, für wichtiger als die verborgenen Wurzeln.

Kinder können im freien Spiel in der Natur Grundkompetenzen erwerben, die die Basis für alles andere sind. Diese Grundkompetenzen wie Selbstwirksamkeit, Hingabe, Mitgefühl, Geduld und Verbundenheit sind nichts, was man ihnen in einem Lehrplan beibringen könnte. Sie lernen durch sich und dem Zusammensein mit anderen. Sie erproben, machen Fehler, korrigieren, lernen. Und sie lernen dort auch ein Gut kennen, das wir in unserer hektischen Zeit kaum noch vermitteln können: Langsamkeit.

Renz-Polster und Hüther gehen sehr anschaulich vor und zeigen sanft auf, was es ist, was Kinder wirklich benötigen. Dabei werden diese Bedürfnisse auch noch durch wissenschaftiche Fakten aus der Hirnforschung untermalt. Auf diese Weise entsteht ein neues Bild vom Kind. Ein realistisches Bild, dem wir uns wieder annähern sollten. Sie nehmen Eltern die Angst, Zeitfenster der Entwicklung zu verpassen und Kinder möglichst früh möglichst optimal zu fördern. Und sie machen auch klar: Ja, Kinder können sich im freien Spiel verletzen und es ist auch immer ein wenig gefährlich in der Natur. Aber nur ein wenig. Und Kinder lernen durch die Auseinandersetzung mit der Natur auch einen besseren Umgang mit ihr. Dabei wird nicht aus dem Blick gelassen, dass heute nunmal heute ist und es auch Fernseher und Computer gibt. Wie sie selber schreiben ist „Medienbashing“ zu einfach. Computer und Co. sind nicht per se schlecht. – Auch das lässt Eltern wieder aufatmen, denn hört man heute zur Genüge, wie schädlich der Einfluss der Medien sein soll. Auf die Dosis und die Art kommt es an.

Es geht also gar nicht so sehr nur um die Natur und darum, dass Kinder mit Stöckchen und Eicheln spielen sollten. Es geht darum, dass Kinder Kinder sein sollen. Dass sie im freien Spiel in der Natur Dinge erlernen, die wir ihnen nicht beibringen können, die sie aber benötigen. Um Mitgefühl und Einfühlungsvermögen zu entwickeln, gibt es keine Apps oder Computerspiele. Das ist etwas, was man nur im Zusammensein mit anderen lernen kann und in der Auseinandersetzung mit dem Leben. Gerade diese beiden Eigenschaften sind es jedoch, die nach und nach verloren gehen in unserer Welt, die so sehr auf den Einzelnen fokussiert. In der wir uns mit Ellenbogen nach vorn bewegen wollen – oder zumindest unsere Kinder dies tun sollen. Wir wollen ja schließlich nur ihr Bestes.

Doch wenn wir dies wirklich wollen, müssen wir unsere Einstellung überdenken. Wir als Eltern, aber auch alle Erzieher und Lehrer. Wir müssen hinterfragen, wohin wir mit unseren Lehrplänen eigentlich wollen und wie die Zukunft gestaltet werden soll. Es ist ein Umdenken notwenig in unserer Gesellschaft, wenn wir uns eine schöne und gesunde Zukunft für unsere Kinder wünschen. Ein Umdenken, das viele Ebenen anspricht und viele Menschen. Das Buch von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther kann ein erster Anstoß sein für Eltern. Und nach der Lektüre fühlt man sich geradezu verpflichtet, mehr in die Wege zu leiten.

Daher: Wer es noch nicht gelesen haben sollte, sollte es sich vom Nikolaus in den Schuh stecken lassen. Es gibt viele Dinge, über die man an langen Winterabenden nachdenken kann.

 

Wohin mit Kind in Berlin? Seele baumeln lassen und entspannen im Hamam

An einigen Stellen habe ich ja bereits davon berichtet: Ich gehe sehr gerne ins Hamam.  „Hamam“ ist türkisch und bedeutet „wärmen“. Doch der Ort bietet noch mehr als nur Wärme: Das türkische Bad für Frauen ist ein Ort zur Reinigung und Pflege von Körper und Seele. Weiterlesen

Die Sache mit dem Impfen – Fragen, die man sich und dem Arzt in Sachen Impfung stellen sollte

Spritze

Das Impfen ist eines der am stärksten kontrovers diskutierten Themen unter den Eltern. Impfbefürworter und Impfgegner stehen sich oft wutentbrannt gegenüber. Ein Thema, das die Gemüter erregt. Es gibt Argumente dafür und dagegen – aus rein medizinischer Sicht und aus persönlicher sowieso. Hier soll es aber einmal nicht um medizinische Fakten gehen und um einzelne Impfstoffe, sondern einfach nur um einige Fragen, die man sich im Vorfeld des Impfens stellen kann. Fragen, die einem helfen, für sich einen guten Weg zu finden und die bei der Aufklärung helfen können.

1. Werde ich gut von meinem Kinderarzt beraten?

Ein guter Kinderarzt ist das A und O. Nicht nur in Sachen Impfungen, sondern auch generell. Kinderärzte sind für viele Jahre Begleiter der Eltern. Ihr Einfluss auf Eltern ist enorm: Schon oft habe ich gehört, dass fragwürdige Schlaflernprogramme von Eltern deswegen durchgeführt wurden, weil der Kinderarzt dies empfohlen hat. Aber nicht nur in Sachen Schlafen werden Ärzte um Rat gefragt, auch das Stillen und die Stilldauer kann von ihren Empfehlungen abhängen. Daher sollten Eltern am Besten schon vor der Geburt nach einem wirklich guten Kinderarzt Ausschau halten. Über andere Eltern erfährt man meistens viel. Auch Hebammen können bei der Suche helfen. Wichtig ist, dass der Arzt sich fortlaufend weiter bildet. Gut ist es auch, wenn er vernetzt ist und Fragen an andere Fachpersonen weiter gibt, denn schließlich sind Kinderärzte beispielsweise keine Stillberater und verfügen oft nur über Grundlagenwissen in Hinblick auf das Stillen.

In Sachen Impfungen ist ein guter Kinderarzt deswegen wichtig, weil es eine Aufklärungspflicht über Impfungen gibt: Eltern müssen vom Arzt aufgeklärt werden. Die Ständige Impfkomission (STIKO) gibt hierzu folgenden Hinweis:

Die Aufklärung sollte umfassen: Informationen über die zu verhütende Krankheit und den Nutzen der Impfung, die Kontraindikationen, Durchführung der Impfung, den Beginn und die Dauer des Impfschutzes, das Verhalten nach der Impfung, mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Impfkomplikationen […] sowie die Notwendigkeit und die Termine von Folge- und Auffrischungsimpfungen.

Diese Aufklärung kann und sollte man vom Arzt einfordern. Es ist wichtig, dass Eltern wirklich aufgeklärt sind über den Impfvorgang und eventuelle Folgen und Risiken. Das Deutsche Ärzteblatt verdeutlicht die Bedeutung der Aufklärung aus juristischer Sicht nochmals folgendermaßen:

Die höchstrichterliche Rechtsprechung hält daran fest, daß jeder Eingriff in die körperliche oder gesundheitliche Befindlichkeit des Patienten – sei er behandlungsfehlerhaft oder frei von einem Behandlungsfehler – als Verletzung des Behandlungsvertrages und als rechtswidrige Körperverletzung zu werten ist, wenn er sich nicht im konkreten Fall durch eine wirksame Zustimmung des Patienten gerechtfertigt erweist […]. Der Umfang und der Genauigkeitsgrad der Aufklärung sind umgekehrt proportional zur Dringlichkeit des Eingriffs […]. Dies besagt: Je weniger dringlich sich der Eingriff in zeitlicher und sachlicher Hinsicht für den Patienten darstellt, desto weitergehend ist das Maß und der Genauigkeitsgrad der Aufklärungspflicht.

Der Arzt sollte dabei objektiv alle wichtigen Punkte behandeln und ergebnisoffen sein: Letztlich muss die Entscheidung bei den Eltern liegen. Allerdings ist es nach einem guten Beratungsgespräch durchaus möglich, einen alternativen Impfplan auszuhandeln: Auch unter Ärzten wird diskutiert, Kinder erst im Kleinkindalter zu impfen, da Gehirn und Immunsystem besser ausgereift sind. Auch muss nicht unbedingt auf die großen Mehrfachimpfungen zurück gegriffen werden; viele Impfstoffe gibt es auch einzeln oder in kleineren Zusammenstellungen. Stellt sich beim Beratungsgespräch heraus, dass Eltern und Arzt nicht auf einer „Wellenlänge“ sind oder die Beratung ist nicht umfassend genug, sollten Eltern in Ruhe eine Zweitmeinung einholen, bevor sie sich abschließend entscheiden. Wer sich nach einer Aufklärung gegen eine Impfung entscheiden sollte, muss dies oft schriftlich beim Arzt bestätigen. Aber immer gilt: Eine gründliche Aufklärung ist Pflicht! Gut ist es, Beratung und Impfung getrennt voneinander zu vereinbaren. So kann man das Gehörte noch einmal überdenken, eben eine Nacht drüber schlafen und sich vielleicht auch mit dem Partner in Ruhe ohne Anwesenheit des Arztes austauschen.

Entscheidet man sich gegen die Impfung, braucht man einen Kinderarzt, der im Krankheitsfall behandelt  und der Erfahrungen mit der Behandlung hat. Entscheidet man sich beispielsweise gegen eine Masern-Impfung, benötigt man im Krankheitsfall dringend einen fachkundigen Arzt – und zwar einen, der schon einmal die Erkrankung behandelt hat. Auch diese Frage sollte also im Beratungsgespräch geklärt werden.

Wer sich für die Impfung entscheidet, sollte sich vom Arzt den Beipackzettel und die Impfampulle des Impfstoffes mitgeben lassen: Im Beipackzettel sind unerwünschte Arzneiwirkungen aufgeführt, die nach der Impfung auftreten können. Das ist eine gute Richtlinie, um eventuelle Komplikationen einordnen zu können. Allerdings gibt es in Sachen Langzeitfolgen bisher keine einheitliche Datenlage und es können durchaus auch Symptome auftreten, die auf dem Beipackzettel nicht erwähnt sind. Die Impfampulle enthält die Chargennummer. Diese sollte auch im Impfausweis vom Arzt aufgeführt werden. Sollte es doch eine Komplikation geben, kann dies für anschließende gerichtliche Auseinandersetzungen sehr wichtig sein.

 

2. Welche Rahmenbedingungen müssen wir erfüllen in Sachen Impfen/nicht Impfen?

Wer sich mit den medizinischen Fakten auseinander gesetzt hat, Pro und Contra abgewogen hat und gut beraten wurde, kann auch noch ganz persönliche Fragen in die Entscheidung mit einbinden:

Wie gesund ist mein Kind?

Die Fälle, in denen Kinder geimpft wurden und in denen (zum teil schwerwiegende bis tödliche) Nebenwirkungen aufgetreten sind, zeigen, dass Nebenwirkungen möglich sind. Allerdings ist es bislang unklar, welche Faktoren besonders auslösend sind, d.h. warum einige Kinder durch eine Impfung schwere Hirnschäden davon tragen und andere nicht. Auf jeden Fall sollte das Kind vor einer Impfentscheidung ganz betrachtet werden: Ist mein Kind generell gesund? Hat es ein gutes Immunsystem? Ist es viel verschiedenen Erregern ausgesetzt, zum Beispiel durch den Besuch eines Kindergartens?

Leidet ein Kind unter Allergien gegen Inhaltsstoffe der Impfstoofe wie z.B. Hühnereiweiß, Thiomersal oder Antibiotika, ist ebenfalls Vorsicht geboten: In diesem Fall sollte auf einen Impfstoff ohne diese Inhaltsstoffe zurück gegriffen werden oder die Impfung ganz vermieden werden. Treten in der Familie besonders häufig Allergien auf und ist nicht bekannt, ob das Kind auch allergisch auf einen der Zusatzstoffe reagieren könnte, muss ebenfalls genau mit dem Arzt abgewogen werden.

Noch vor einigen Jahren war der Begriff „Hochsensibilität“ für viele Menschen völlig fremd. Heute können immerhin einige Menschen mit diesem Begriff mehr anfangen. Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sollen hochsensibel sein: Ihre Großhirnrinde ist leichter erregbar als bei anderen Menschen und es werden mehr Außenreize als bedeutsam eingestuft als bei nicht-hochsensiblen Menschen. Hochsensible Menschen reagieren oft stärker auf Therapien und haben häufiger mit Nebenwirkungen von Medikamenten zu kämpfen, da ihr gesamter Körper, aber insbesondere das Nervensystem, Informationen anders aufnimmt und verarbeitet. Dies trifft natürlich auch bei Impfungen zu. Wer ein hochsensibles Kind hat, sollte unter diesem Gesichtspunkt mit dem Arzt über die Impfung und mögliche Probleme sprechen.

Was mache ich mit meinem Kind im Krankheitsfall?

Wie oben bereits beschrieben, ist es wichtig, einen Arzt zu haben, der auch die Krankheiten behandelt und behandeln kann, die heute durch Impfungen kaum noch auftreten. Darüber hinaus stellt sich jedoch noch eine andere wichtige Frage: Kann ich im Krankheitsfall die Versorgung meines Kindes gewährleisten? Erkrankt ein Kind an einer Kinderkrankheit, ist dies oft ein langwieriger Prozess. Wer sich gegen eine Impfung entscheidet, sollte einen Notfallplan dafür haben, dass das Kind eventuell über einen langen Zeitraum zu Hause bleiben muss. Vorab können Eltern sich fragen: Kann ich lange von meiner Arbeit fern bleiben? Haben wir andere Angehörige oder Freunde, die sich um unser krankes Kind kümmern könnten?

 

3. Wann ist das Impfen generell nicht angeraten?

Wie schon erwähnt, ist bei Allergie oder Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe ggf. von einer Impfung abzusehen. Darüber hinaus gibt es aber auch Gründe, um Impfungen zu verschieben: Ist das Kind krank oder kränkelt es leicht (und es ist zu erwarten, dass es in den nächsten Tagen krank wird), sollte nicht geimpft werden. Auch, wenn im nahen Umfeld gerade viele Menschen krank sind und nicht ausgeschlossen ist, dass das Kind sich gerade angesteckt hat (Inkubationszeit), ist eine Impfung nicht anzuraten. Sind gerade Zähne am Durchbrechen (wobei viele Kinder besonders infektanfällig sind), sollte ebenfalls eher abgewartet werden, wie auch generell in Umbruchzeiten, in denen das Kind stark gestresst ist (zum Beispiel in der Kitaeingewöhnungsphase). Hat das Kind schon einmal eine starke Impfreaktion gezeigt oder einen Schaden durch eine Impfung erlitten, muss vor einer weiteren Impfung genau die Ursache geklärt werden, um weitere unerwünschte Reaktionen zu vermeiden.

Liest man diese Liste der Empfehlungen, wann eine Impfung lieber verschoben werden sollte, werden sich manche Eltern vielleicht fragen, wann im ersten Jahr überhaupt geimpft werden soll, da die meisten Kinder in einem fort Entwicklungsschübe, Erkältungskrankheiten oder Zahnungsprobleme haben und die Zeitfenster, in denen tatsächlich gar nichts ansteht, wirklich sehr gering sind. Tatsächlich ist es in solchen Fällen mit dem Arzt zu besprechen, wann ein guter Zeitpunkt ist und ob eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt sinnvoll ist.

Wie geschrieben, ist jede Familie und jedes Kind anders. Eine Pauschallösung gibt es nicht. Aber es gibt Fragen, die Denkanstöße geben  und durch das Chaos an Informationen helfen können. So, dass Eltern nicht nur aus Angst keine oder aber aus Angst jede Impfung machen lassen, ohne genau informiert und aufgeklärt zu sein. Lasst Euch von Ärzten also nicht abwimmeln, sondern besteht auf Euer Recht und ihre Pflicht. Schließlich geht es um die Gesundheit der Kinder – welche Entscheidung man letztlich auch trifft.

 

Weiterführende Literatur zur medizinischen Vertiefung:

Hirte, Martin (2008): Impfen. Pro & Contra. Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung. – München: Knaur.

Susanna Boldi-Labusga (2010): Impfungen auf dem Prüfstand. In: Natur & Heilen. 11/2010

Epidemiologisches Bulletin des RKI

Der Herbst ist da: Die besten Hausmittel für Kinder in der Erkältungszeit

Hausmittel

Der Herbst ist da. Tage und Nächte werden kühler. Wind weht eisig. Das Sitzen im Sandkasten auf kaltem Stein ist längst keine Freude mehr. Und natürlich sind sie schon unter uns: die ersten Schniefnasen. Rote Kindernasen, laufende Babynäschen, mit gelbem Rotz verschmiert. Wir sind froh, wenn es uns (noch) nicht erwischt hat und denken voll Sehnsucht an die herrlichen Sommertage zurück, die frei von verstopften Nasen und nächtlichen Hustenattacken waren. Und auch wenn man sich nicht ganz davor bewahren kann, gibt es doch ein paar Hausmittel und Tricks, die den Herbst und Winter besser überstehen lassen.

Auf die Kleidung kommt es an

Natürlich ist an Muttis Rat was dran, im Winter die guten Wollunterhosen anzuziehen. Es muss nicht kratzig sein und auch nicht hässlich, aber passende Kleidung ist das A und O in der kalten Jahreszeit. Dünne Baumwollhemdchen gehören in den Sommer. Im Winter werden die kleinen Kinderkörper am Besten von Wolle und Wolle/Seide gewärmt. Wolle hat nämlich verschiedene Eigenschaften, die für Bekleidung im Herbst und Winter sehr praktisch sind: Sie kann die Temperatur angemessen regulieren, indem sie die Körperwärme speichert. Auch Wasserdampf wird von ihr aufgenommen und dies zu großen Mengen ohne dass sich die Wolle feucht anfühlt. Das sind ideale Eigenschaften vor allem für Socken, damit die Füße warm bleiben. Wollsocken sind deswegen wirklich die beste Fußbekleidung in den kalten Jahreszeiten. Doch nicht nur der Fuß profitiert von diesen Eigenschaften: Wenn Kinder draußen toben und schwitzen, brauchen sie genau diese Fähigkeiten der Wolle. Bleiben sie nämlich nass, kühlt der Körper aus. Darüber hinaus nimmt das Naturprodukt auch Schmutz und Gerüche wenig an – ein weiterer großer Pluspunkt, um als Kinderkleidung in Betracht zu kommen. Um Erkältungen also vorzubeugen, sollte man durchaus ein paar Wollteile mit in den Kleiderschrank aufnehmen. Da sie Schweiß bindet und unangenehme Gerüche wieder an die Luft abgegeben werden, müssen die Wollteile auch nicht ständig gewaschen werden. Man braucht also nicht so viele verschiedene Teilchen, aber ein paar sollten es schon sein. Sind Füße und Körper gut eingepackt, sollte es auch am Kopf nicht mangeln. Das Kindchenschema, durch das wir Babys und Kinder so niedlich finden, basiert u.a. auf einem relativ großen Kopf im Vergleich zum restlichen Körper. Körperwärme wird daher über diesen großen Körperteil nach außen abgegeben. Eine Kopfbedeckung sollte deswegen in der kühleren Zeit nicht fehlen.

Die richtige Nahrung

Unserem Körper kann es nur gut gehen, wenn er alle Nährstoffe bekommt, die er benötigt. Bei Kindern, die noch wachsen, ist das besonders wichtig. Ebenso auch in Zeiten, die sehr zehrend sind, wie lange, kalte Winter. Mit der richtigen Nahrung können wir gezielt das Immunsystem unterstützen. Das fängt schon bei den Babys an: Der nahende Winter ist für das Abstillen keine gute Zeit. Gerade jetzt brauchen Babys und Kinder jede Unterstützung des Immunsystems, die sie bekommen können. Wer stillt, kann seinem Kind über die Muttermilch Immunglobuline geben, die bei der spezifischen Abwehr von Krankheitserregern helfen. Wenn möglich, sollte das Abstillen deswegen auf eine weniger krankheitsintensive Jahreszeit verlegt werden. Doch auch unabhängig vom Stillen kann mit Nahrung gut unterstützt werden. Dazu ist ausgewogene und vielfältige Nahrung wichtig: Getreideprodukte mit hohem Anteil von Vollkornprodukten, täglich frisches Obst und Gemüse. Und wenn Kinder Obst gerade nicht pur essen wollen, ist ein selbstgemachter Smoothie vielleicht eine gute Alternative. Wer sich und seine Kinder vegetarisch oder vegan ernährt, sollte besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten und darauf, dass alle wichtigen Nahrungsinhaltsstoffe tatsächlich dem Körper zugeführt werden. Kraftsuppen können in der kalten Jahreszeit gut unterstützen und gleichzeitig viel gesundes Gemüse enthalten – aufgehübscht mit lustigen Buchstaben- oder Figurennudeln. Süßigkeiten sind natürlich möglich, aber in Maßen. Auch die Trinkgewohnheiten sind in Sachen Ernährung wichtig: Kinder sollten laut DGE fast 1l Flüssigkeit zu sich nehmen – bevorzugt Wasser oder ungesüßten Tee.

Bewegung trägt zur Gesunderhaltung bei

Kinder brauchen Bewegung. Oder besser gesagt: sie brauchen ein ausgeglichenes Verhältnis von Ruhe und Bewegung. Natürlich sind auch Ruhephasen wichtig und das entspannte Zuhause sein bei Tee und Vorlesegeschichte. Doch gerade im Herbst und Winter neigen wir dazu, unseren Kindern zu wenig Bewegung zu ermöglichen. Durch die Bewegung wird die Durchblutung gefördert und somit die Sauerstoffversorgung. Ganz besonders gut ist die Bewegung draußen auch im Winter. Kinder benötigen Sonnenlicht: Es regt den Stoffwechsel an und dient der Bildung von Vitamin D. Auch im Winter sollten Kinder deswegen täglich die Möglichkeit haben, mindestens eine Stunde draußen zu spielen und sich dabei ausgiebig bewegen zu können. Manche Kindergärten gehen täglich mit den Kindern raus. Ist dies nicht der Fall, sollten Eltern das auf jeden Fall am Nachmittag nachholen. Auch wenn es draußen nass und kalt. Die richtige Kleidung schützt das Kind vor Kälte und Nässe und im Anschluss kann ein warmes Fußbad und ein warmer Tee wieder Wärme geben und zum Ausruhen einladen.

Wenn sich die Erkältung doch eingeschlichen hat

Und wenn all das nicht geholfen hat? Kinder müssen ihr Immunsystem erst aufbauen und ein Infekt pro Monat wird durchaus als normal betrachtet. Erst im Grundschulalter wird die Infektanfälligkeit meist geringer. Wenn also die Erkältung da ist, wird schnell auf bewährte Hausmittel zurück gegriffen. Die Klassiker aus der Familie Mierau sind: Brustwickel bei Husten, selbstgemachter Hustensaft aus Zwiebeln oder schwarzem Rettich, Dampfbäder bei Erkältung, Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen, Zwiebelsocken bei Erkältungen, Gurgeln mit Salbeitee oder anderen guten Dingen bei Halssschmerzen.

Brustwickel bei Husten

Seit vielen Jahren haben wir nun immer Bienenwachswickel für den Notfall zu Hause. Die Kinder mögen sie gerne und sie helfen wirklich. Angewärmt werden kann das Bienenwachs mit einem Fön. Wir zu Hause haben aber unsere ganz spezielle Art: Mama oder Papa wärmen die Kompresse erst einmal an der eigenen Haut an unter dem Pullover. Mit „Mamawärme“ oder „Papawärme“ aufgeladen, hilft der Bienenwachswickel nämlich gleich noch besser. Mit einem Wickelset oder einem warmen Tuch umhüllt, bleibt das Bienenwachs lange warm und weich auf der Brust des Kindes und kann auch eine ganze Nacht lang wirken. Geht auch schon bei den ganz Kleinen!

Hustensaft aus Zwiebeln oder schwarzem Rettich

Auch schon beliebt bi der großen Tochter ist der selbst gemachte Hustensaft mit Honig. Entweder wird ein schwarzer Rettich ausgehöhlt und darin wird Honig eingefüllt, der über Nacht ziehen gelassen wird. Am Morgen wird der Saft in ein Glas umgeggossen  und es gibt 3x täglich einen Esslöffel davon. Alternativ – wenn kein Rettich zur Hand – nehmen wir auch Zwiebeln und lassen sie mit Honig ziehen. Aber Achtung: Honig ist natürlich nicht für Babys geeignet wegen der Botulismusgefahr.

Dampfbäder

Eingeatmet kann heißer Dampf die erkrankten Schleimhäute befeuchten, abschwellend wirken und die Entzündung hemmen. Mit einem Inhaliergerät aus der Apotheke ist das gut möglich, aber auch ein Dampfbad über einer dampfenden Wasserschüssel mit Handtuch über dem Kopf kann reichen. Achtung aber vor Verbrühungen! Kinder dürfen niemals allein gelassen werden mit heißem Wasser. Sind die Kinder noch klein, kann das Dampfbad auch gemeinsam unter einem mit einer Decke verhangenen Tisch eingenommen werden – einer dampfenden Räuberhöhle! Zum Wasser kann entweder Salz oder Kamille gegeben werden oder auch Thymian.

Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen

Es ist DAS Hausmittel bei Ohrenschmerzen: Zwiebel klein schneiden, auf einem umgedrehten Kochtopfdeckel über  heißem Wasser erwärmen, in eine Socke oder eine Ohrkompresse geben und auf das schmerzende Ohr legen.

Zwiebelsocken bei Erkältungen

Und auch generell bei Erkältungen etwas größerer Kinder sind Zwiebeln eine gute Idee. Ebenso erwärmt wie bei den Ohrkompressen kann die Zwiebel auch in einem Beutelchen auf die Füße gegeben werden und dann ab damit ins warme Bett!

Gurgeln

Größeren Kindern ab etwa 3 Jahren kann gurgeln wirklich Spaß machen. Wenn Salbeitee noch vom Geschmack zu intensiv ist, kann das Gurgeln auch mit Aloevera probiert werden.

Die Zwiebel ist also erst einmal oft das Hausmittel Nummer 1 bei uns und kann bei vielen Dingen eingesetzt werden. Ab Herbst haben wir daher immer einen gefüllten Zwiebeltopf zu Hause. Natürlich gibt es daneben noch allerhand andere Dinge, die wir machen. Viele Tees und verschiedene Teemischungen kommen oft zum Einsatz oder auch das ein oder andere Fußbad mit Senfmehl oder anderen guten Zusätzen. Oft können diese einfachen „Hausmittel“ schon große Linderung verschaffen. Aber natürlich gilt immer: Wenn man sich unsicher ist, das Kind sehr schlapp ist, man ein ungutes Gefühl hat oder auch Fieber lange andauert oder sehr hoch ist, sollte man unbedingt den Arzt kontaktieren. Übrigens gibt es mittlerweile einen Antibiotika-Pass, den man für sich und das Kind auf jeden Fall besorgen sollte, um im Blick zu behalten, wann welche Medikamente gegeben wurden.

Hausmittel2

Noch mehr Hausmittel?

Mittlerweile gibt es auch viele gute Bücher zum Thema „Hausmittel für Kinder“. Meine drei Favoriten sind: „Wickel, Tees & Mutterliebe: Die besten Hausmittel für kranke Kinder“ von Petra Kunze und Vivian Weigert, „Meine sanfte Medizin für Kinder – Mit Hausmitteln natürlich behandeln und heilen“ von Dr. med Franziska Rubin und „Wickel und Co: Bärenstarke Hausmittel für Kinder“ von Ursula Uhlemayr.

Wickel, Tees & Mutterliebe: Die besten Hausmittel für kranke Kinder“ bietet einen schönen und guten Überblick über die bekanntesten Erkrankungen im Kindesalter. Der Schwerpunkt liegt hier tatsächlich, wie auch schon im Titel erkennbar, auf Teezubereitungen – ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, denn die wunderbare Pflanzenheilkunde kommt in vielen Büchern zu kurz und ist gerade für Kinder ein sehr guter Begleiter durch die Krankheitszeit. Sehr einfach erklärt, handlich und übersichtlich aufgebaut und deswegen für jede Familie gut geeignet.

Meine sanfte Medizin für Kinder – Mit Hausmitteln natürlich behandeln und heilen“ ist etwas ausführlicher und gibt einen umfassenden Überblick auf 200 Seiten. Tees kommen auch hier zum Einsatz, jedoch nicht schwerpunktmäßig. Dafür werden Ratschläge aus der gesamten Bandbreite der Naturheilkunde gegeben und Empfehlungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin oder dem Ayurveda fließen mit ein. Eine großartige Zusammenstellung! Ganz wunderbar wird dabei gerade auch auf die Kleinsten eingegangen mit einem extra Kapitel über „Häufige Krankheiten bei Babys“, in dem es beispielsweise auch heißt:

Soll das Kind nachts im eigenen Bettchen oder im Bett der Eltern schlafen? Die Frage stellen sich viele Eltern. Finden Sie Ihre individuelle Lösung. In jedem Fall soll das Baby die Nähe der Eltern deutlich spüren.

Wickel und Co: Bärenstarke Hausmittel für Kinder“ ist der Klassiker unter den Hausmittelbüchern. Hier gibt es besonders viele Hinweise zu heilsamen Wickeln. Mittlerweile hat sich daraus eine ganze Produktlinie und ein eigenes Fortbildungsangebot entwickelt.

 

Wer mehr zum Thema „Hausmittel für Kinder“ erfahren möchte, kann einen meiner Workshops dazu besuchen:

02.11.2013 von 11:00 bis 13:00 Uhr im Hug & Grow in Tiergarten

09.11.2013 von 15:30 bis 17:30 Uhr in der Villa Rund & Bunt in Steglitz

18.01.2013 von 11:00 bis 13:00 Uhr im Hug & Grow in Tiergarten