Selbständigkeit ermöglichen – Wie mein Kind im Bad an der Pflege teilhaben kann

Babys und Kleinkinder können oft mehr als wir ihnen zutrauen. Das betrifft nicht nur das Spiel und den Umgang mit Materialien, sondern ganz besonders auch die Handlungen des Alltags. Sie sehen uns täglich als Vorbild und wollen uns nachahmen. Aber gerade in Situationen wie der Pflege im Bad oder beim Essen lassen wir das oft nicht zu. Warum? Weil wir denken, dass es anders schneller geht, weil weniger gekleckert wird, weil wir denken, es gründlicher zu machen. Doch nur durch die Nachahmung kann das Kind auch lernen, seine Fertigkeiten verbessern und somit das Ziel erreichen, das wir uns wünschen: selbständiges Essen, Waschen, Anziehen.

Schon die kleinsten Babys kann man an der Pflege teilhaben lassen, wenn man mit ruhiger Stimme zu ihnen spricht, ihnen die Handlungen ankündigt und wartet, ob und wie sie reagieren. Liebevolle und achtsame Hände können abwarten, dass das Kind in seinem Rahmen an der Körperpflege teilhaben kann. Das fängt bei der Beachtung der Kindesbewegungen an und führt bis dahin, dass dem Kind selbst der Lappen oder ein Tuch gereicht werden kann, damit es selber auch waschen darf in seinem Rahmen. Emmi Pikler und Anna Tardos beschreiben die Möglichkeiten achtsamer Pflege sehr schön in dem Buch „Miteinander vertraut werden“.

Der Sohn ist nun schon so groß, dass er nicht mehr auf dem Wickeltisch gewaschen werden muss. Er fordert durch unser Beispiel und das der großen Schwester auch vehement ein, dass er selber teilhaben kann. Damit das möglich ist, ist es gut, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass er selbst wirksam sein kann. Was bei Babys ein passender Wickeltisch, nach Möglichkeit mit Gitter zum Festhalten, ist nun die Möglichkeit einer kleinen Treppe, damit er selbst am Waschbecken stehen kann.

Aus zwei Stufenhockern lässt sich schnell eine Treppe bauen, die er selbst erklimmen kann. Auf der obersten Ebene stehend kann er mit 14 Monaten dann selbst am Waschbecken stehen und die Hände reichen bis zum Wasserstrahl des Hahns. Die selbst erklommene Höhe kann er gut einschätzen und steht beim Waschen sicher. Was er für die Pflege selbst benutzen möchte, wird vorher in erreichbare Nähe gestellt: Seife, Waschlappen, Bürste, Handtuch. Zur Zahnputzzeit kommen auch Zahnbürste, Zahnputzbecher und Zahnpasta dazu. So ist es möglich, dass er selbst seine Hände wäscht, sich das Gesicht reinigt. Und natürlich spielt er auch etwas mit dem Wasser. Aber Spiel ist Lernen und weiterer Kompetenzerwerb – und schließlich hängt das Handtuch gleich daneben.

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2 Kommentare

  1. Du hast einen Wickeltisch mit Gitter angesprochen, damit auch Babys schon bei der Pflege helfen können.
    Ich kann mir da leider gar nichts drunter vorstellen, finde aber den a Gedanken gut. Wie sieht denn Dias bei unter einjährigen Kindern aus, können die ausser Windel halten schon etwas tun? Und wider kriege ich so einen Wickeltisch?

  2. Facebook User

    Danke für den schönen und wahren Artikel. Besonders wenn es darum geht, die Kleinsten an der Pflege teilhaben zu lassen, indem man abwartet und Ihnen erklärt, was wir gerade mit ihnen tun.

    Gut finde ich es auch, den etwas größeren unter den Kleinen ein Tuch in die Hand zu geben, wenn wir sie im Windelbereich putzen. So haben sie Gelegenheit von Anfang an aktiv dabei zu sein. Denn auch wenn sie den Po nicht erreichen, so sind sie doch mit dabei.

    Zum Wickeltisch mit Gitter: Ich weiß nicht ob das gemeint ist, aber Emmi Pickler hat Wickeltische mit Gitter eingesetzt, wenn man danach sucht, findet man einige Bilder

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