9 Monate Windelfrei – eine Bilanz

Töpfchen

Kürzlich hat Franzi von „Einfach klein“ eine Bilanz von 18 Monaten windelfrei gezogen und zu weiteren Berichten aufgefordert. Dem möchte ich hier gerne nachkommen und über unsere bisherige „windelfrei“-Zeit berichten. An anderer Stelle hatte ich ja bereits davon berichtet, wie wir zu windelfrei kamen: Vor vielen Jahren hatte ich einmal das Buch „Es geht auch ohne Windeln!“ gelesen und mir dann, nach der Geburt der Tochter gedacht, dass es aber gut auch mit Windeln geht. Dann kam einige Jahre später der Sohn in unser Leben. Und er war so völlig anders als die Tochter mit einem ganz anderen Temperament und anderen Bedürfnissen. Es dauerte einige Monate – 5 an der Zahl – bis ich merkte, dass sein häufiges Weinen mit seinem Ausscheidungsbedürfnis zusammen hing. Er wollte einfach nicht in seinen nassen Stoffwindeln sein! Und so nahm ich den Gedanken des „windelfrei“ also doch noch einmal auf und begann, ihn abzuhalten.

Obwohl man manchmal liest, dass es schwierig ist, mit „älteren“ Kindern zu beginnen, hatten wir keine wirklichen Startschwierigkeiten. Es schien so, dass der Sohn nur darauf gewartet hätte, dass bei mir endlich der Groschen fällt: „Endlich verstehst Du mein Signal!“, schien er mir zu sagen. Er war beglückt, dass ich ihn abhielt. Die englische Bezeichnung „elimination communication“ passt meiner Meinung nach hervorragend für die natürliche Säuglingspflege. Denn bei der Bezeichnung „windelfrei“ könnte man irrtümlicherweise annehmen, auf Windeln würde ganz verzichtet werden. Natürlich klappte es nicht immer. Das lag meist daran, dass ich mit anderen Dingen beschäftigt war und sein Signal einfach nicht wahrnahm, während ich mit der Tochter (die in dieser Zeit anfangs noch nicht in den Kindergarten ging) in eine Sache vertieft war oder gerade etwas im Haushalt machte. Oder unterwegs war und ihn nicht abhalten konnte, weil es zu kalt war, wir gerade im Auto saßen oder oder…

Dann kam der Sommer und damit eine einfache windelfrei-Zeit. Draußen Abhalten war durch angenehme Temperaturen möglich (auch wenn ich trotzdem weiterhin Stoffwindeln verwendete und ihn auch dort hinein machen ließ, wenn es nicht anders ging) und auch in der Wohnung konnte er nackt herumtollen. Natürlich ging auch mal was daneben. Auch mal öfter. Besonders in Zeiten von Umbrüchen (Entwicklungsschübe, Zahnen, Krankheit) änderten sich die Signale. Da ich das Windelflies nicht mehr benötigte, weil er seinen Stuhlgang sehr genau anzeigte und das so gut wie nie in die Windel gemacht wurde, entdeckte ich, dass Windelflies ideal ist, um damit Urin aufzuwischen und sauber zu machen, weil es so schön reißfest ist und später trotzdem mit den Stoffwindeln mitgewaschen werden kann. Der Mann war weiterhin etwas skeptisch und fragte manchmal, ob es in unserer Wohnung noch Orte geben würde, an denen noch kein Kind eine Pfütze hinterlassen hätte. Doch ich machte weiter.

Als der Sohn anfing, selbständig in den freien Sitz zu kommen mit etwa 8 Monaten, kaufte ich ein Töpfchen und setzte ihn, als er gut allein sitzen konnte, für das „große Geschäft“ auf das Töpfchen. Zunächst war es ungewohnt für ihn, weil er das Abhalten gewöhnt war. Dann aber, als er uns als Vorbilder sah und verstand, benutze er das Töpfchen zunehmend, irgendwann auch für Urin. Er veränderte seine Ansagen und machte nicht mehr mit Blicken oder Geräuschen auf sein Bedürfnis aufmerksam, sondern fasste gelegentlich demonstrativ an die Windel, um mir klar zu machen, dass er musste. Natürlich gab es auch weiterhin viele Situationen, in denen auch die Windel nass wurde. Gerade  während der Eingewöhnungszeit der Tochter im Kindergarten war es nicht möglich, dort richtig auf seine Signale zu achten bzw. darauf einzugehen. Wenn ich aber merkte, dass er musste und ich ihn nicht abhalten konnte, erklärte ich ihm, dass er nun leider in die Windel machen müsse und ich sie ihm dafür schnell wechseln würde. Ich bin mir sicher, dass er mich verstand.

Allerdings war und ist er in Sachen Abhalten sehr wählerisch: Er möchte nur auf sein eigenes Töpfchen gehen und bevorzugt auch unser Waschbecken und unsere Toilette. An anderen Orten tut er sich schwer damit. Er wartet und schüttelt den Kopf. Oft nimmt er dann doch lieber den Weg, in die Windel zu machen.

Um den 10. Monat kamen die ersten Wörter und um den 13 Monaten kamen auch „pullern“ und „Kacka“ in den Sprachgebrauch. Dabei ist „Kacka“ oft für Stuhl und Urin im Gebrauch und bedeutet so viel wie „auf Toilette gehen“. Damit wird windelfrei nun noch einfacher, weil er tatsächlich oft einfach ansagt, dass er auf Toilette muss oder zumindest, wenn er gerade in die Windel gemacht hat. An Tagen, an denen ich die Möglichkeit habe, gut auf seine Signale zu achten, kann ich ihn vollständig abhalten. Stuhlgang erledigt er ausnahmslos in sein Töpfchen.

9 Monate leben wir nun „elimination communication“. Und auch, wenn der Mann anfangs und zwischendurch immer wieder ziemlich skeptisch war, findet er es gut, wie es jetzt beim Sohn funktioniert und dass auch er ihn nun problemlos abhalten kann. Die Kommunikation um die Ausscheidungsbedürfnisse hat tatsächlich auch an unserer Beziehung oder vielmehr an meinem Bild vom Kind  verändert: Babys sind unglaublich kompetente, kleine Wesen. So, wie sie ihren Hunger, ihr Bedürfnis nach Nähe oder den Wunsch nach Unterhaltung ausdrücken, zeigen sie auch, wann und ob sie auf Toilette gehen müssen. Es ist nicht notwenig, ihnen beizubringen, ihr Bedürfnis in eine Windel zu verrichten, um es ihnen später wieder abzutrainieren. Wenn wir genau hinsehen, können wir ihr Signal tatsächlich deutlich wahrnehmen. In Kombination mit Stoffwindeln kann man zusätzlich auch einen guten Beitrag für die Umwelt leisten, in dem man Wegwerfwindelberge nicht weiter ansteigen lässt. Und es hat den großen Vorteil (sowohl bei windelfrei als auch bei der Verwendung von Stoffwindeln), dass die Haut im empfindlichen Windelbereich viel besser versorgt wird. Kein einziges Mal hatte der Sohn bislang eine Windeldermatitis. Für uns war und ist es der richtige Weg, „elimination communication“ zu betreiben, auch wenn ich mir das anfangs nicht hätte denken können. Aber auch wenn ich all diese positiven Wirkungen sehe, halte ich weiter auch daran fest: Natürlich geht es auch mit Windeln, und man ist trotzdem kein schlechte Mutter und kann eine gute, tiefgehende Beziehung mit seinem Kind haben! Kein Dogma, aber einen Versuch ist es wert, oder?

 

 

8 Kommentare

  1. Sehr schöner Bericht Susanne, danke!
    NATÜRLICH geht es auch mit Windeln, sehr gut sogar! Über die Qualität als Mutter sagt das reingar nichts aus. Es ist einfach, wie du schon sagst, eine tolle Möglichkeit, mit dem Kind zu kommunizieren. Und zu bewundern, WIE schlau und kompetent sie doch sind.
    Und hey, jedes große Geschäft, was ich nicht aus der Windel holen muss ist für mich ein Gewinn allererster Güte! Toll zu lesen, wie es bei euch klappt, ich freu mich!

    Franzi

  2. Meine Tochter ist nun schon 15 Monate und bevor ich sie bekam, dachte ich, windelfrei sei nur etwas für Freaks. Leider hatte sie über sechs Monate Bauchbeschwerden, die vom Arzt bagatellisiert wurden. Babys schreien nunmal.
    Gerade beim Stuhlgang wusste ich sehr bald, wann sie musste uns fand heraus, dass ihr eine bestimmte Haltung helfen konnte.
    Heute denke ich, es wäre perfekt für windelfrei gewesen! Aber ich habe ja auch erst mit meiner Tochter gelernt, dass ich Langzeitstillen und Cosleeping gut finde. Sollte ich das Glück haben und noch ein Kind bekommen, möchte ich es auf jeden Fall versuchen.
    Solche Berichte bestätigen das. Danke!
    Liebe Grüße
    Julia mit Pauline

  3. Wow! Wunderbar wie das bei Euch läuft.
    Ich habe schon viel über windelfrei gelesen. Schon bei der Tochter, es da aber damals gar nicht probiert, alles war so neu 🙂
    Beim Sohn wollte ich es gern probieren, aber ich nahm keine Signale wahr. Ich hielt ihn ganz am Anfang ab und zu mal ab. 2-3 Mal klappte es, aber auch nur wenn wir z.Bsp. von draußen kamen und die Windel trocken war. Oft stand ich aber auch 5-10 Minuten mit ihm über der Badewanne und nix passierte. (3 Minuten später dann auf der Wickeldecke *argh*)
    Er wurde im Januar 2013 geboren. Im Sommer, lies ich ihn fast immer nackt zu Hause umherwuseln. Es ging immer daneben. Täglich wusch ich Wickeldecke und Handtücher. Ich nahm einfach keine Signale wahr 🙁 Er robbte weg und unter ihm war ne Pfütze. Ich hatte nichts bemerkt.
    Auch heute kann ich nicht sagen wann er ausscheidet. Ich finde das so schade. Wir arbeiten mit Zeichensprache und ich hoffe, dass er eventuell so wenigstens irgendwann einmal anzeigt dass er gemacht hat oder muss.

    Eure Geschichte klingt so traumhaft, dass ich direkt wieder motiviert bin mehr auf ihn und seine Signale zu achten und beim nächsten Kind es wieder von Anfang an mit windelfrei zu versuchen.

    Danke für Deinen Bericht!

    • Ich glaube, es hing beim Sohn auch wirklich mit seiner eigenen Art zusammen. Und die Stoffwindeln zeigen auch viel deutlicher an, dass man nass ist, als es papierwindeln tun, die ich noch bei der Tochter verwendet habe. Wir machen es wirklich gar nicht dogmatisch. Einfach so, wie es kommt. Und man kann sich immer auch gut an Rahmenbedingungen orientieren. zum Beispiel nach dem Schlafen abzuhalten oder nach (oder beim) Stillen. So hat es angefangen und sich ausgedehnt.
      Probier es einfach aus, wenn es passt. Ansonsten: Viel Erfolg beim nächsten Mal 🙂

      • Danke Dir.
        Wir benutzen ja auch Stoffwindeln, dennoch… .
        Ich muss mir da echt mal Zeit für nehmen ihn zu beobachten. Ich freu mich vor allem schon auf die wärmere Jahreszeit, wenn alles wieder etwas einfacher ist.
        Die Tochter war ja, trotz Wegwerfwindeln, recht früh trocken. Mit 1 3/4 etwas tags und nachts. Das war super.

        Liebe Grüße

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