Sonntagssüß – Kinder und Süßigkeiten

Süßigkeiten. Ein Thema, an dem Eltern irgendwann nicht vorbei kommen. Denn wenn das Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat, beginnt das Zustecken: Die nette Frau aus der Postfiliale verteilt gerne Gummibärchen, in der Reinigung gibt es Karamellbonbons, beim Bäcker ungefragt ein Schoko-Quarkbrötchen. Eine große Einkaufrunde am Nachmittag wird so schnell zu einer Art Halloween-Umzug, bei dem das Kind mit süßigkeitgefüllten Taschen nach Hause kommt. Eltern werden dabei gern übersehen. Oder die Süßigkeit wird vor die Nase des Kindes gehalten und erst dann gefragt: „Kann die Kleine schon einen Lutscher haben?“ Ich weiß nicht, welche der beiden Arten des Zusteckens mir mehr missfällt: Gar nicht erst gefragt werden oder ganz offen die Rolle des Spielverderbers übernehmen. Denn das bin ich: der Spielverderber. Süßigkeiten, die einfach so von irgendwem mitgegeben werden beim Einkaufen, die gibt es bei uns nicht.
Ja, Kinder dürfen auch Süßigkeiten haben. Natürlich. Aber alles in Maßen. Und das Maß der Süßigkeitenmenge wird heute leider immer mehr vergrößert. Würden meine Kinder die Mengen Süßigkeiten essen, die sie ständig angeboten bekommen, wäre das für ihren Körper einfach zu viel. Es geht dabei nicht nur einfach darum, dass Süßigkeiten munter machen und Kinder davon aufdrehen – obwohl auch das an sich schon ein Umstand ist, bei dem man sich ernsthaft fragen kann, warum man Kindern diesen künstlich herbeigeführten überdrehten Bewusstseinszustand zumutet. Ganz besonders gelungen ist das natürlich in jenen Situationen, wenn das Kind ohnehin schon quengelig ist und dann versucht wird, durch ein Eis, etwas Schokolade oder einen Lutscher Ruhe herbei zu führen. Klappt einen kurzen Moment, bis sich das Problem verschlimmert. Denn: Süßigkeiten beruhigen nicht.

Zucker hat viele negative Eigenschaften. Erst einmal das, was wir alle wissen: Zucker wird durch Bakterien im Mund zu organischen Säuren vergärt, wodurch erst der Zahnschmelz und dann das Zahnbein geschädigt werden. Deswegen ist Mundhygiene so wichtig und Kinder sollten nicht andauernd süße bzw. kohlehydrathaltige Lebensmittel im Mund haben. Längerfristig führt ein starker Zuckerkonsum zu einer einseitigen Ernährung. Verdauungsprozesse werden negativ beeinflusst und normale Nahrung kann schwieriger verdaut werden. Und natürlich gibt es die verheerende Auswirkung auf die Bauchspeicheldrüse in deren Folge Diabetes entstehen kann. Das sind nur einige der „Nebenwirkungen“ eines starken Zuckerkonsums. Warum also sollte ich das alles meinen Kindern zumuten dafür, dass sie sich kurz an einer Tüte Gummibärchen erfreuen?

Zurück also zu der Art, wie sinnvoller Umgang mit Süßigkeiten gefördert werden kan. In Schweden gibt es das Lördagsgodis („das Samstagsgute“), wo Kinder am Samstag ihre Süßigkeitentüte bekommen und diese an dem Tag komplett leeren dürfen. Das wurde wohl eingeführt zur Kariesbekämpfung. Wir haben ein ähnliches Ritual für unsere Familie gefunden: das Sonntagssüß. Jeden Sonntag kann sich die Tochter (der Sohn ist ja noch im ersten Jahr und bekommt keine Süßigkeiten) eine süße Besonderheit aussuchen. Das kann Eisessen sein, Waffeln backen, Kuchen oder eine Süßigkeit, die sie unter der Woche geschenkt bekommen hat. Es gab auch schon einmal einen riesigen Lutscher. Was auch immer: Die Tochter kann es sich aussuchen. Natürlich gibt es auch ab und zu einmal eine Ausnahme –  diese sind dann ganz besonders schön und werden sehr genossen, weil sie eben Ausnahmen sind.

Weil es so ein schönes Ritual ist und die Planung auch viel Freude macht, möchte ich Euch ab jetzt an unserem Sonntagssüß teilhaben lassen. Daher stelle ich Euch hier das Sonntagssüß des letzten Sonntags vor: Zimtwecken wie in Bullerbü.

Zimtwecken

In Astrid Lindgrens Kinderbüchern sind Zimtwecken allgegenwärtig. Besonders in Bullerbü gibt es sie sehr oft. Und da die Tochter die Die Kinder aus Bullerbü sehr liebt, lag es nahe, auch einmal herrliche Zimtwecken zu machen. Und das geht so:

1/2 Päckchen frische Hefe in 250 ml lauwarmer (nicht heißer!) Milch auflösen. Ein Ei hinzu fügen und 75g Butter. 450g Mehl und 75g Zucker in eine Schüssel geben und die Hefe-Ei-Milch dazu gießen und zu einem geschmeidigen Teig verkneten, der sich gut von der Schüssel löst und nicht zu stark klebt. Den Teig 30 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen. In dieser Zeit  75g weiche Butter, 50g Zucker, 2 TL Zimt verrühren. Wer mag, kann auch 4 EL Pflaumenmus hinzu geben, um leckere Pflaumen-Zimt-Wecken zu backen, passend zur Jahreszeit. Dann den gegangenen Teig hervor holen und in zwei Teile teilen. Jedes Teil etwa quadratisch ausrollen und dann mit der Butter-Zimt-Füllung gleichmäßig bestreichen. Den Teig von einer Seite her einrollen, so dass zwei lange Würste entstehen. Davon etwas 2cm breite Stücke abschneiden und in eine gefettete und gemehlte Springform setzen und leicht andrücken. Nochmals 30 Minuten gegen lassen. Dann mit einem verquirlten Ei bestreichen und Hagelzucker darauf verteilen. 15 Minuten auf mittlerer Schiene bei 200°C backen. Warm schmecken die Wecken am Besten!

 

5 Kommentare

  1. Daniela Schramm

    Hmmm, lecker, das sind auch unsere „Lieblingsbackwaren“ – besonders weil sie beim Backen auch so herrlich duften 🙂 Wir bekommen das mit dem Einschränken in der Woche allerdings nie hin. Das liegt aber auch größtenteils daran, dass ich als Kind zwar auch limitiert in meinem Konsum war, das aber auch am Angebot gelegen hat, das uns zur Verfügung stand. Da hat man unbewusst weniger gegessen, aber etwas war es immer, eine Kleinigkeit. Ich denke, wenn man um die Eigenschaften und Wirkungen des Zuckers weiss, und Kindern diese nicht permanent offen vor die Nase stellt, ist es auch in Ordnung, wenn sie ab und zu etwas naschen dürfen. Bei uns wird aber grundsätzlich vorher vernünftig gegessen, dann gibt es quasi den süßen Nachtisch auch in Form von Gummibärchen oder ähnlichem…

  2. Pingback: Gespräche mit einer Vierjährigen Nr.2 | Geborgen Wachsen

  3. Bei uns gab es auch kaum mal was Süßes, als ich klein war. Das lag daran, dass mein Bruder Neurodermitis hat(te) und Zucker zu Asthmaanfällen führte. (Das hat er heute zum Glück überstanden. 🙂 ) Das führte vorallem dazu, das wir ganz wild auf Süßigkeiten waren und diese mit Begeisetrung verschlangen, wenn es irgendwo welche gab. ( Dieses Phänomen habe ich auch bei Kindern im Bekanntenkreis gesehen, die nur selten etwas Süßes dürfen). Bei uns gibt es (fast) jeden Tag etwas Süßes. Das muss nicht immer ein „Stück Zucker“ sein. 🙂 Die beiden Großen sind 5 und 7. Die Regel lautet bei uns: Süßigkeiten erst nach dem Mittagessen (also nicht vormittags) und nach den Hausaufgaben.
    Inzwischen hat sich das so eingespielt, dass es „zum Kaffee“ etwas gibt, z.B. Milchbrötchen, ein Riegel Schokolade, etwas Gebackenes (Kuchen, Teilchen. o.ä.) aber auch mal einfach „nur“ Obst. Die Kinder lernen, wo überall Zucker drin ist und auch wieviel (Lutscher und Bonbons- also puren Zucker- gibt es hier nur in absoluten Ausnahmefällen) und wie man die Lust auf was Süßes mit wenig zuckerhaltigen Dingen auch befriedigen kann. Das funktioniert ganz gut und Sie rennen nicht jeder Süßigkeit hinterher.
    Meine große Angst ist dass Kinder, die jede Süßigkeit in sich hineinschlingen auch leichter zu verführen sind, wenn auf dem Schulhof etwas angeboten wird. – Und DAS will ich unbedingt vermeiden.

  4. Pingback: Zimtwecken reloaded | mutterblock

  5. Michael Simons

    Wir handhaben das etwas anderes: Nach der Hauptmahlzeit gerne einen Nachtisch. Außerdem, da ich selber „mein“ Süß nicht in die Nacht verschieben möchte, auch dann eine Kleinigkeit, wenn meine Frau oder ich uns etwas gönnen.

    Bis jetzt haben wir für uns damit gute Erfahrungen gemacht, beide Kinder haben selten Heißhunger auf Süßes und Gequengel gerade im Supermarkt ist mir bis jetzt erspart geblieben. Aber wie gesagt, das gilt für uns.

    Gegen das zugesteckte Süße – insbesondere das der lieben Nachbarn, die das – wie Du richtig beobachtest – ganz oft so machen, dass man selber der Spielverderber ist – gehe ich mittlerweile auch vor. Da bin ich dann halt der Spielverderber.

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