„Spiel mit mir!“ – Was tun, wenn Eltern nicht mitspielen wollen?

„Spiel mit mir!“ ruft das Kind und wünscht sich, in der Puppenküche einen dankbaren Abnehmer zu haben oder beim Bauen von einer Architektin für ausgefallene Plastikhäuser begleitet zu werden. Und manchmal haben Eltern auch wirklich Freude daran, ihre Kinder beim Spiel zu begleiten, sich dazu zu setzen und mit zu spielen. Aber manchmal auch nicht.

Gemeinsam spielen

Wir sind soziale Wesen, unsere Kinder sind soziale Wesen. Wir haben oft die Vorstellung von Kinderzimmern, in denen unsere Kinder sitzen und sich ganz allein über Stunden mit Spielsachen beschäftigen. Tatsächlich tun die das auch irgendwann, aber das Spiel entwickelt und verändert sich im Laufe der Entwicklung des Kindes. Viele Jahre spielen Kinder vor allem im Zusammensein mit Menschen: Im ersten Jahr sind die nächsten Bezugspersonen ihr liebstes „Spielzeug“. Dann beginnen sie, im Spiel nachzuahmen was sie sehen und auch hierfür braucht es vor allem das soziale Miteinander, das sie dann nachspielen: das Rühren im Topf, das Werken mit dem Hammer, das Tragen und Umsorgen der Puppen und Teddys. Sie spielen nach und dann mehr und mehr auch im gemeinsamen Spiel mit anderen wechselseitig, erfinden gemeinsame Spielideen. Spiel hat viel mit der Imitation oder dem Leben von Gemeinschaft zu tun.

Der Gedanke ist verführerisch: Ein Zimmer für alle Kinderdinge, die dort bleiben, und die Wohnung drumherum bleibt so, wie sie schon vor den Kindern war. Zahlreiche Familien werden aber bestätigen: Auch wenn man mit dieser Hoffnung in das Familienleben gestartet ist, erfüllt sie sich nur in den seltensten Fällen. Denn Kinder sind soziale Wesen. Sie wollen meist nicht über längere Zeit allein in einem Zimmer sitzen. je kleiner sie sind, desto häufiger suchen sie unsere Nähe und möchten sich mit den anderen Familienmitgliedern austauschen.

aus: „Einfach Familie leben“ S.52

Kinder spielen gerne mit anderen Kindern. Anfangs noch nicht im wechselseitigen Austausch, aber dennoch gemeinsam. Sie sehen anderen beim Spiel zu, sehen, was andere mit Dingen machen, wollen auch das Objekt haben, das gerade von anderen bespielt wird. Aber Spiel muss nicht oder nicht nur mit anderen Kindern stattfinden. Kinder spielen auch mit anderen Menschen, mit älteren Menschen, wenn sich diese auf das kindliche Spiel einlassen.

Es tut gut, wenn Erwachsene mit dem Kind die Aufmerksamkeit teilen in Bezug auf ein Spiel, eine Spielidee. Es zeigt dem Kind, dass wir Interesse an ihm und den Ideen des Kindes haben. Wir hören zu, tauchen ein, nehmen wahr: Was spielt das Kind? Was sind gerade die Themen des Kindes? Was beschäftigt es? Das bereitet auch den Boden für Vertrauen und Anteilnahme: Sich gesehen fühlen. Zu wissen, dass es einen Menschen gibt, der sich wirklich interessiert. Eine wichtige Basis für viele Jahre.

Wir müssen nicht immer mitspielen oder bespielen

Diese Momente des Teilens von Aufmerksamkeit sind wertvoll und gut. Dennoch müssen wir aber nicht beständig mit unseren Kindern mitspielen. Und vor allem müssen wir sie nicht bespielen. Spielideen dürfen von unseren Kindern ausgehen. Wir müssen nicht beständig neue Ideen vorbringen, damit keine Langeweile aufkommt. Wir müssen nicht hektisch von einem Spiel zum nächsten kommen, das Kind immer in Beschäftigung sehen. Langeweile ist in Ordnung. In Momenten der Langeweile werden bereits gemachte Erfahrungen im Gehirn vertieft. Langeweile tut auch gut.

Statt mitspielen

Manchmal ist es für uns Erwachsene auch zu anstrengend, lange in der Puppenküche zu sitzen. Manchmal macht es uns nicht über längere Zeit hinweg Freude, Autos auf dem Spielteppich hin und her zu schieben. Bevor wir vom Spiel echte Laune bekommen und frustriert sind, sollten wir aussteigen. Das bedeutet nicht, dass wir nicht mit unseren Kindern zusammen sein können oder Zeit mit ihnen verbringen können oder sollten. Aber wir müssen nicht zwangsweise das Spiel der Kinder nachahmen oder begleiten. Und vor allem müssen wir auch kein schlechtes Gewissen haben, dass wir so fühlen und nicht immer spielen wollen. Es ist einfach normal.

Stattdessen können wir unsere Kinder in unseren Alltag einladen: Lassen wir sie teilhaben an den (für sie) spannenden Dingen, die wir jeden Tag erledigen: Lassen wir sie das Essen mit vorbereiten, das Staubsaugerrohr halten, den Putzlappen nass im Bad schwingen, zusammen Wäsche aufhängen und sortieren. Laden wir Kinder in den echten Alltag ein, lassen wir sie im Kleinkindalter nicht den Alltag nur nachspielen, sondern aktiv uns im realen Alltag imitieren mit den echten Dingen. Auch das ist für sie Spiel und sie können Gemeinschaft mit uns erleben. Und daneben kann es Momente dessen geben, was wir Erwachsene als Spiel verstehen. Und eben auch die Momente der kindlichen Langeweile, in der wir Erwachsene unsere Dinge tun und „nur“ anwesend sind, aber keine Spielpartner*innen.

Vor allem sollte es den Raum geben, das Leben und den Alltag als Spiel zu verstehen, in dem die Welt begriffen werden kann. Im eigenen Handeln und in Auseinandersetzung mit anderen Menschen – anderen Kindern unterschiedlichen Alters, aber auch anderen Erwachsenen.

Eure

9 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Artikel.
    Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es manchmal auch reicht, einfach nur da zu sein. So kann ich am Tisch sitzen und Wäsche zusammen falten, während die 2jährige auf dem Boden sitzt und ihre Tiere oder Puppen füttert. Ab und zu sage ich dann sowas wie: „Die Kuh hatte aber großen Hunger!“ oder „Bekommt der Teddy auch etwas zu essen?“ Das gibt ihr Bestätigung oder neue Impulse.
    Und meist kommt sie irgendwann zu mir, sagt „Auch Wässe legen“ und stülpt sich die Socken über den Arm, wie sie es bei mir gesehen hat.
    LG von TAC

  2. Hallo! Danke für den Text! unser Sohn wird bald 4 und erwartet eigentlich den ganzen Tag, nach der kita und an den Wochenenden, dass man ihn beschäftigt. mit ihm spielt, dass, was er sich ausdenkt, in die Tat umsetzt und auch für ihn baut und er schaut zu. wenn man sagt, man möchte etwas anderes tun oder z.b. im haushalt etwas tun möchte, wird er ungemütlich, macht Quatsch, ist laut und quengelig und es ist kaum möglich etwas anderes zu tun…das ist sehr belastend für alle und anstrengend für uns und für ihn…hat da jemand einen Tipp?

    • Liebe Katha,
      natürlich möchte er – besonders auch nach der Kita – Zeit mit Euch zusammen und Aufmerksamkeit. Zu sagen: Spiel mal alleine, ich mach das andere, kommt dem Bedürfnis nicht nach und er versucht, die Aufmerksamkeit dann dennoch auf dich zu ziehen. Hilfreich kann es sein, ihn einzubinden in Deine Tätigkeiten auf spielerische Art. Komm, wie spielen zusammen Sockenmemory und suchen die zusammen passenden Socken aus der Wäsche heraus. Komm, wir planschen mit Wasser und wischen zusammen. Komm, Du malst mit Fenstermalstift etwas an das Fenster und ich putze es dann sauber…

    • Liebe Katha, leider habe ich keinen Rat, aber es ist als ob du von meinem Sohn sprichst.. er ist etwas über drei Jahre alt, und den Alltag mir ihm zu meistern fällt mir oft sehr schwer. Ich lese mit ob du Tipps bekommst- kann ich ebenso brauchen 🙂

  3. FrauHolle

    Liebe Susanne, ich lese diesen Blog noch nicht lange, aber jeder Artikel, den ich las, war wertvoll. Ich danke dir von Herzen für deine Arbeit. Dieser Artikel gefällt mir besonders gut. Denn oft hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich aus dem Spiel ausgestiegen bin. Du bestätigst aber meine Vermutung, dass ich besser nur bei ihr (Tochter, wird 4) bin, statt mit ihr zu spielen, wenn ich schlechte Laune bekomme. Gemeinsame Zeit sollte beiden Seiten Spaß machen. Natürlich spiele ich auch mal mit ihr, auch wenn ich nicht soooo große Lust habe 🙂 doch meistens macht es mir auch sehr viel Spaß und Freude!!
    Danke danke danke ♡

  4. Maria Waldmann

    Vielen Dank für die tollen Berichte in Ihrem Blog. Die Themen bestätigen mein Handeln und ermutigen mich immer wieder in meinem Miteinander mit meinem fast 2jährigen Sohn.
    Es ist mir wichtig, mir Zeit zu nehmen, die Phasen seines Spiels über den Tag hinweg zu beobachten und darauf zu reagieren. Es gibt Phasen, in denen er ganz versunken alleine spielt, da greife ich keinesfalls ein, damit ich ihn in seiner Fantasie nicht störe. Manchmal gehen seine Spielsachen „kaputt“ oder er trägt etwas zu mir…das heisst, spiel mit mir…am meisten geniesse ich es auch, ihn beim Spiel einfach zu beobachten…da lerne ich so viel über ihn.
    Schlimm finde ich es, wenn sich Erwachsene gar nicht auf die Kleinkindebene begeben, keine Zeit haben oder nur erhaben am Kaffeetisch sitzen und zum Kind sagen, wenn dies versucht zu interagieren, du hast eh sooooo viele Spielsachen…spiel alleine. Traurig.

    • Danke für diesen Artikel. Ich habe auch nicht immer Lust mitzuspielen und jetzt nach drei Wochen Ferien, in denen wir sehr viel zusammen gespielt haben, möchte ich gerne eine Spielpause. Was aber natürlich schwierig ist, denn besonders jetzt möchte mein Dreijähriger mit mir spielen, wenn ich ihn aus dem Kindergarten abhole. Ich bin platt von der Arbeit, muss viel nacharbeiten und habe wenig Geduld. Da fühle ich mich wirklich schlecht. Aber es macht mir nicht immer Spaß, auf dem Teppich zu sitzen und mit Autos oder Eisenbahn zu spielen.

  5. Eigentlich spiele ich so gerne mit meinem Kind, aber zur Zeit kommen wir überhaupt nicht hin. Minni möchte ausschließlich Rollenspiele spielen, mit mir vorgegebenen Texten und Handlungen. Dabei werden Hörbücher und Filme nachgespielt – auch fünf mal hintereinander… da bekomme ich wirklich Laune und werde richtig wütend… alle meine Versuche, Begeisterung für andere Dinge zu wecken (wie z.B. die bis dahin geliebten Bausteine) scheitern…selbst dabei kommt irgendwann „ich bin der, und du bist der und du hast gesagt dass,…“ ist das eine Phase und ich muss da einfach durch, oder habt ihr Ideen? Im Alltag helfen und einbeziehen klappt sehr gut, aber wir können ja nicht nur putzen…?

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