Monat: Juni 2014

Kinder dürfen Fehler machen

 

Kürzlich, an einem besonders warmen Tag, nahm der Sohn heimlich mein Deo aus der Schublade, untersuchte es auf seine Weise und ließ es dann auf die Fliesen fallen. Es zerbrach. Von dem Aufprall alarmiert, ging ich schnell zu ihm, sah die zersplitterte Flasche und schaute ihn an. Glücklicherweise hatte er die Scherben nicht angefasst. Ich schaute ihn an, er zeigte auf die Glasscherben und sagte „Putt macht, das!“ Ich war verärgert, weil es ein warmer Tag werden würde, ich kein Deo mehr im Haus hatte, dies meine Lieblingsmarke war und ich hier auf dem Land weit und breit keinen Ersatz kaufen konnte auf die Schnelle. Schon tausendmal hatte ich gesagt, dass der Sohn nicht an diese Schublade gehen sollte… Als ich die Scherben aufgesammelt hatte, brachte ich sie in die Küche und legte sie auf die Anrichte. Dort lag schon eine kaputte Tasse, die mir zuvor kaputt gegangen war. Eine ganz alte Tasse aus einem Geschirr, dass ich nicht mehr nachkaufen konnte. Eine Tasse von acht, aus denen ich besonders gerne den Kaffee morgens trinke.

Da lagen sie nun nebeneinander: Die Scherben eines Deos und die einer alten Tasse. Und ich fragte mich, warum ich verärgert war über den Sohn und seine Entdeckungsfreude, die im Zerbrechen des Deos endete. Denn eigentlich ist es nicht schlimm. Ja, es ist ein bisschen blöd. Aber die zersprungene alte Tasse, die ich kaputt gemacht hatte, war nicht zu ersetzen. Innerlich war ich über das Deo verärgerter als über die Tasse gewesen. Ich war mit meinem Kind innerlich härter zu Gericht gegangen als mit mir.

Dinge passieren: Sachen gehen kaputt, volle Gläser fallen am Tisch um, es gibt Flecken auf Lieblingskleidungsstücken und manchmal geht auch richtig etwas zu Bruch. Das ist das Leben. Es ist nicht schön, dass das passiert, aber es passiert. An manchen Tagen haben wir viel Kraft und gute Laune, um darüber hinweg zu sehen, an anderen Tagen sind wir verärgert. Sind nicht wir selbst es, denen ein Missgeschick widerfährt, sind wir vielleicht besonders verärgert an einem solchen Tag.

Doch eigentlich gibt es dafür keinen Grund. Denn wie wir selbst machen die Kinder nichts, um uns zu ärgern. Sie beschmieren nicht den Teppich mit Zahnpasta und werfen auch nicht das Deo herunter, um uns zu ärgern. Die fordern uns nicht heraus, um uns zur Weißglut zu bringen. Warum sollten sie das auch tun? Sie lieben uns, sie sind unsere Kinder. Sie wünschen sich auf keinen Fall, dass mit ihnen geschimpft wird, dass wir laut sind oder sie böse ansehen. Der Satz „Das macht er nur, um Dich zu testen.“ stimmt in den meisten Fällen nicht. Ja, Kinder suchen Grenzen. Körperliche (Wie hoch kann ich klettern? Was schaffe ich?) und auch soziale (Was wird Mama sagen?), aber sie machen dies nicht, um uns zu ärgern. Sie machen es, um Erkenntnisse für sich selbst zu gewinnen, um das Leben zu verstehen.

Es ist wichtig, dass wir uns das immer wieder vor Augen führen: Kinder wollen uns mit ihrem Verhalten nicht ärgern oder herausfordern. Sie fordern sich selbst heraus, um zu erfahren, wie die Welt ist, in der sie leben. Es ist nur ein kleiner Unterschied in der Sichtweise, der doch so viel ausmacht. Aus einem verärgerten Blick wird ein liebevolles Ansehen des Kindes. Und es wächst die Erkenntnis in uns: Wir müssen unseren Kindern mindestens so viel zugestehen wie uns, auch an Fehlern und Missgeschicken. Mehr noch: Denn natürlich sind Missgeschicke gerade ihnen erlaubt, weil sie noch so klein sind, ihre kleinen Hände noch nicht so fest greifen wie unsere und ihre kleinen Füße leichter stolpern als unsere erprobten großen. Kinder müssen Fehler machen, um die Welt zu verstehen. Und wir stehen an ihrer Seite. Achten darauf, dass sich ihre kleinen Hände an den Glasscherben nicht verletzten, sagen ihnen, dass sie es bitte nicht wieder tun, streichen ihnen über den Kopf und sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Ein Liebesbrief

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Heute bin ich 9 Jahre mit Dir zusammen. 9 ganze Jahre. Wo ist nur die Zeit geblieben? Wenn ich in den Spiegel sehe, dann merke ich, dass sie wohl vergangen ist. Denn es blicken mich nicht mehr die Augen einer 25jährigen an. Viele kleine Fältchen sitzen um meine Augen. Die meisten davon sind wohl vom Lachen gekommen – daran kann ich in vielen Fällen Dir die Schuld geben.

Gemeinsam haben wir in diesen 9 Jahren viel erlebt. Du hast meine Hand gehalten, als meine Großmutter so langsam aus dem Leben ging. Den Anzug, den Du bei ihrer Beerdigung trugst, hast Du im selben Jahr noch einmal getragen – bei unserer Hochzeit. Wenn auch erst befremdlich, hat auch dieser Umstand einige der Fältchen um meine Augen befördert. Gemeinsam in Venedig sind wir mit der Gondel zum Standesamt gefahren und als Ehepaar heraus getreten. Ich erinnere mich an betrunkene Kellner, ein rosa Hochzeitskleid und ein kleines Kind, das mir lachend auf dem Marcusplatz entgegen rannte wie bei Sissi.

Wir haben eine Mitbewohnerin in unserer Wohnung gehabt, haben in diesen Wänden, in denen wir noch heute wohnen, mit vielen Freunden gefeiert und auch getrauert. Wir haben Abschied genommen von unserer lieben Nachbarin, haben andere tolle Nachbarinnen dazu bekommen. Wir haben Steine vor dem Fenster fliegen sehen und mussten nachts aus dem Haus rennen, weil es brannte. Die Wände unserer Wohnung könnten viele Geschichten erzählen von den letzten 9 Jahren.

Wir haben zwei Kinder bekommen und jedes Mal warst Du an meiner Seite, hast Dir Deine Hände fast zerdrücken lassen und die Nabelschnur Deiner Tochter und Deines Sohns durchtrennt. Du hast zwei Mal ruhig ausgeharrt und mich mit der Plazenta machen lassen, was ich wollte. Leben und Tod standen immer nah beieinander. Wir haben weitere Menschen verloren: Mein Großvater starb, meine andere Großmutter, Deine Großmutter und ein Freund nahm sich das Leben. Wir standen aneinandergelehnt, Seite an Seite, stützten uns. Manchmal musste sich einer mehr anlehnen und der andere mehr tragen, dann wechselten sich die Positionen.

Wir haben gemeinsam schlaflose Nächte verbracht, haben Kinder in Krankenhäuser gefahren und wieder zurück. Wir haben uns Sorgen gemacht, gelacht, geflucht und würden doch niemals unsere Erinnerungen eintauschen wollen. Am Abend sitzen wir beieinander und erzählen uns, was wir am Tag erlebt haben. Seit 9 Jahren teilen wir unsere Erlebnisse, unsere Geschichten und unser Leben miteinander. 9 Jahre voller Lachen, Tränen, wunderbarer Momente. Du weißt, dass ich die liebsten Sachen immer zuerst esse und nichts aufschiebe. Ich weiß, dass Du es umgekehrt machst. So viele Eigenheiten tolerierst Du bei mir und lächelst über Dinge, die sich bei mir eingeschliffen haben. Ich lasse Dich TShirts mit Aufdruck tragen und von 3D-Druckern schwärmen.

Wir sind beide ganz verschiedene Menschen und haben uns doch gefunden. Irgendwo in der Mitte. Mal mehr auf Deiner Seite, mal mehr auf meiner. Immer wieder in Bewegung, nie stillstehend, aber umeinander kreisend. In guten wie in schlechten Zeiten.

Ich danke Dir für die schönsten 9 Jahre meines Lebens und jede kleine Falte um meine Augen, an der Du mit Schuld bist.

Kinder und Medien – Kompetenz fürs Leben erwerben

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Ich bin gerne draußen im Garten, am See, bei einem Spaziergang im Wald. Ich liebe es, dabei meine Kinder zu beobachten und ihr Spiel anzusehen. In der Natur können sie sich ganz frei bewegen, erfinden Spiele: Stöcke werden zu Schippen, zu Angeln, zu Gabeln. Sie werden zum Schnitzen oder Wandern benutzt. In der Natur können Kinder ihrem ganz persönlichem Impuls folgen, das Leben zu erkunden, selbständig und auf ihre Art. Sie kommen auf Ideen, die sie mit vorgefertigten Spielmaterialien nicht bekommen. Doch neben all diesen wunderschönen Naturerfahrungen gibt es auch eine ganz andere Seite, die meine Kinder kennen lernen und meiner Meinung nach auch kennenlernen müssen: moderne Medien wie Telefon/Handy, Computer, Fernsehen. – Ist das ein Gegensatz? Passt das nicht zu meiner Art des Familienlebens? Oder ist es nur der fortgeführte Grundgedanke?

Eltern als Vorbilder

Ich arbeite jeden Tag am Laptop. Zwar bin ich darum bemüht, in den Zeiten, in denen ich mit den Kindern zusammen bin, so wenig wie möglich am Handy oder Laptop herumzudrücken, doch sind beide im Alltag da und werden gelegentlich benutzt: Einen Anruf entgegen nehmen, einen Tweet senden, eine Email lesen – all diese Dinge passieren auch bei mir im Alltag, weil ich keine festen Arbeitszeiten außerhalb der Familie habe, sondern zu Hause arbeite auch wenn eines meiner Kinder nicht in einen Kindergarten geht. Und so sehen meine Kinder auch, dass ich Computer und Handy benutze. Der Sohn hat längst ein eigenes kleinen Smartphone aus Holz, das er gerne mit sich herum trägt und gelegentlich hinein sagt „Hallo, Susanne Mierau!?“ oder es in die Höhe hält und sagt „Foto!“. Die Tochter hört ihre Lieblingsgeschichten auf dem Ipad und hat schon vor vielen Jahren einen OLPC bekommen. Sie hat mit ihrer Freundin schon über Skype telefoniert und mit ihrem Vater über mein Handy Videotelefonate gemacht. Moderne Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Selbst wenn wir auf dem Land sind und im Wald bin ich froh darüber, im Notfall eine Landkarte auf meinem Handy aufrufen zu können oder die BfR-App Vergilftungsunfälle bei Kindern gespeichert zu haben.

Fortschritt gab es auch schon bei uns

Man könnte sagen, die Zeiten haben sich geändert – aber haben sie das überhaupt? Sind Ipad und Handy heute nicht das, was für mich in meiner Kindheit ein Walkman (oder gar ein tragbarer CD-Player!) und ein GameBoy waren? Gesellschaftliche Entwicklungen schreiten voran. Nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt. Der schon erwähnte OLPC ist dafür nur ein Beispiel, dass längst nicht mehr nur in westlichen Industriegesellschaften Kinder an Computer heran geführt werden. Neue Medien sind überall um uns herum. Wir nutzen sie im Alltag und unsere Kinder müssen ebenfalls lernen, sie zu nutzen. So, wie wir früher lernten, dass S-Bahnen nicht mehr mechanisch mit Schiebemechanismus geöffnet werden sondern fortan indem man auf das kleine blinkende runde Feld drückt. Das Leben um uns herum entwickelt sich weiter.

Schritt für Schritt

Wenn wir unsere Kinder auf das Leben in unserer Gesellschaft vorbereiten wollen, müssen wir ihnen auch die Möglichkeit geben, dieses Leben zu erlernen. Natürlich müssen sie zunächst lernen, sich selbst zu verstehen, ihren Körper einzusetzen, zu greifen, zu laufen, zu sprechen. Sie müssen lernen, mit sich selbst umzugehen, um dann zu verstehen, wie man mit anderen Dingen umgeht. Sie müssen natürliche Kompetenzen erwerben,damit sie diese dann einsetzen, um Spielzeuge oder Dinge zu benutzen. Deswegen macht es erst Sinn, ihnen bestimmte Spielmaterialien oder Medien anzubieten, wenn sie diese Grundfähigkeiten ausgebildet haben.

Wie sieht also Medienpädagogik bei uns aus? Die Tochter hat erst recht spät angefangen, auf dem Fernseher bestimmte Inhalte zu sehen. Sie war etwa 3 Jahre alt, als wir begannen, mit ihr ausgewählte Clips auf Youtube zu sehen wie Elmo, Sendung mit der Maus oder Ernie und Bert. Der Sohn hingegen als zweites Kind wurde viel früher damit vertraut gemacht, weil eben die große Schwester es schon vorleben konnte. Heute sehen wir sonntags gemeinsam eine ausgewählte Serie zusammen.

Damit die Tochter aber auch versteht, wie Filme eigentlich gemacht werden und dass sie auch nur aus vielen verschiedenen Fotos bestehen, hat der Mann kürzlich mit ihr ein kleines Video selbst gedreht mit Stop Motion Studio. Meine Spiegelreflexkamera kann sie schon sehr gut bedienen und auch mit dem Handy macht sie schon eigene Fotos, bittet darum, bestimmte Dinge fotografiert zu bekommen, wenn sie sie unterwegs sieht und für sich aufheben möchte. Fotos von Freunden hängen an der Wand. Denn auch das gehört zur Medienerziehung dazu. Neben dem Speicher auf meinem Laptop und Handy gibt es aber auch ein ganz altmodisches Fotoalbum (oder besser: viele Alben), die die Bilder noch so aufbewahren, wie es in meiner Kindheit passierte.

Wer das am Handy nicht machen möchte, kann mit seinem Kind aber auch ganz einfach ein Daumenkino basteln, um zu zeigen, wie aus vielen einzelnen Bildern ein Film wird.

Was für mich früher der Kassettenrekorder war, ist für die Tochter heute der CD-Player, auf dem sie nach Absprache ihre Lieblingscd’s hören kann. Für mich ist es, als ob ich in meine Kindheit zurück versetzt werden würde, denn sie hört die CDs, die ich als Kind als Kassetten im Regal stehen hatte. Unterwegs gibt es diese Aufnahmen auch auf dem IPad zu hören, das sie schon erstaunlich gut selber bedienen kann, wie ich es schon erlebt habe, als sie heimlich darauf andere Dinge suchte. Daher gilt im Umgang damit: Nicht allein lassen, sondern immer dabei bleiben.

Auf dem OLPC hat sie mit ihrem Vater schon erste ganz einfache Spiele gespielt. Auch diese nie allein, sondern immer in Begleitung. Nun wollen wir die ersten Apps ausprobieren mit ihr und sehen, wie sie damit umgeht und ob es ihr gefällt. Für das Projekt „Kinder und Medien – Meine ersten Apps“ habe ich von Microsoft ein Surface 2 zur Verfügung gestellt bekommen und werde demnächst davon berichten, wie die Tochter die Spiele fand, welche ihr gefallen haben und warum und wie sie mir gefallen haben.

 

 

Es geht vorbei – Kinder werden größer. Von Wurzeln und Flügeln

An Tagen wie heute liege ich abends im Bett neben meinen Kindern und blicke meine Tochter an. Ist sie wirklich schon 5 Jahre alt? Wo ist die Zeit nur geblieben? Ich sehe ein großes Mädchen, das gerne und sehr laut lacht. Ihr Lachen ist oft ansteckend. Ich sehe ein selbstbewusstes Mädchen, dass mir gerne auf meine Wünsche nach einem anderen Verhalten entgegnet „Ich bestimme über mich!“ und ich sehe ein Mädchen, dass laut und wild mit anderen Kindern spielt. Manchmal sogar zu laut und zu wild für meinen Geschmack. Weiterlesen

Kinderzimmerlampe schnell und einfach selbst gemacht

 Heute möchte ich Euch zeigen, wie man mit ganz einfachen Mitteln preiswert eine schöne (Kinderzimmer-)Lampe selber machen kann, ganz individuell. Ich selber benutze Serviettentechnik sehr gerne, zum Beispiel zur Verschönerung von Geburtstagsgeschenken oder für die Geschenketütchen bei Kindergeburtstagen. Für die Lampe braucht es nicht viel: Weiterlesen

Es ist nicht alles Sonnenschein und rosarot

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Ich werde immer wieder gefragt, ob es bei mir auch schlechte Zeiten gibt, ob ich mal genervt bin von meinen Kindern, ob ich auch schimpfe. Ja, auch ich bin nur ein Mensch. Und ja: Hier auf diesem Blog gibt es viele Bilder von schönen Wochenenden, von tollen Freizeitaktivitäten und unsere Wohnbereiche sind auf Bildern aufgeräumt. Aber es gibt auch bei uns Wollmäuse und Schmutz unterm Küchentisch. Es gibt Tage, an denen habe ich schlechte Laune oder bin genervt, weil meine Kinder zum xten Mal dieselbe Frage stellen oder seit 15 Minuten Wörter für verschiedene Ausscheidungen durch die Gegend schreien (und der Sohn beherrscht mit 20 Monaten diverse solcher Wörter von Scheiße über Pipi, Piss bis Kacke). Und auch ich schreie mal, wenn ich es einfach nicht anders mehr hin bekomme. Das ist nicht schön und oft schäme ich mich danach dafür. Ich entschuldige mich bei meinen Kindern, wenn ich ungerecht war oder sie nach meinen Maßstäben schlecht behandelt habe.

Hier im Blog geht es oft um die schönen Seiten vom Leben mit Kindern, aber auch um Schlafprobleme, um Ammenmärchen, um Verluste. Ich bin bemüht, all diese Dinge auch zu zeigen. Aber sehr viel zeige ich die schönen Seiten. Nicht, weil es nur diese gibt oder weil ich mich als Supermutter hervor tun möchte, die ich nicht bin. Ich zeige diese Dinge als Anreiz, als Idee und auch für mich selber als Richtschnur. Ich kann mir meine Beiträge ansehen und denken, dass es hier und da immer wieder schöne Geschichten im Alltag gibt. Wer nicht blogt, dem ich habe einmal empfohlen, sich die Schönheiten des Alltags auf kleine Zettelchen zu schreiben. Gerade in anstrengenden Zeiten ist es gut, sich diese Zettelchen hervor zu holen und zu sehen: Ich habe auch ganz, ganz viele schöne Zeiten mit meinen Kindern und meiner Familie und für mich.

Wir alle sind nicht perfekt und das ist gut so. Aber wir können uns Ziele setzen. Wir können darüber nachdenken, wenn wir ungerecht oder schlecht gelaunt sind. Wir müssen nicht permanent wunderbar, liebevoll und zuckersüß sein. Aber wir können uns am Abend hinsetzen und denken, dass vielleicht ein paar Dinge anders hätten laufen können. Dass wir vielleicht hier und da einfach mehr Luft hätten holen können statt zu schreien. Und wir können auf dieser Ebene Pläne schmieden, wie wir es zukünftig anders machen wollen. Denn das Leben mit Kindern ist vor allem eins: beständiger Wechsel und Mitwachsen. Wir verändern uns mit unseren Kindern, passen uns an, heben uns ab, damit wir dann wieder zueinander finden.

Zunächst einmal müssen wir uns von dem Gedanken befreien, dass es sie wirklich gibt, die perfekten Eltern. Warum es gut ist, dass wir nicht perfekt sind, habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben. Trotzdem sitzt der Gedanke bei vielen Eltern fest: „Bevor ich Kinder hatte, dachte ich, es sei alles einfach und schön. Und jetzt ist es nicht so, also habe ich versagt.“ Doch hierin finden sich schon viele falsche Annahmen, denn: Ja, es ist in Ordnung, vorher Elternschaft zu romantisieren. Schließlich kennen wir heute kaum realistische Vorbilder und sind wir ehrlich: Ganz ohne romantische Vorstellungen vom Kinderhaben würden wir es vielleicht auch einfach sein lassen? Es ist also in Ordnung, vorher zu träumen und sich Dinge auszumalen. Und dann kommt die Realität und es läuft vielleicht doch nicht so, wie man es sich dachte. Oder man hat bei all den romantsichen Vorstellungen bestimmte Aspekte ganz vergessen, z.B. dass Babywindeln nunmal alle paar Stunden gewechselt werden müssen oder Babys Bäuerchen gerne auf der Bluse landet. Hat man eben einfach nicht dran gedacht. Es kommt vielleicht ein kleiner Realitätsschock. Aber hat man deswegen versagt? Nein, das hat man nicht. Im Leben ist es immer so, dass wir Erwartungen haben. An jeden neuen Tag. Mit Kindern oder ohne. Und an manchen Tagen müssen wir diese Erwartungen korrigieren. So ist es auch mit dem Kinderhaben.

Eltern versagen nicht, weil das Leben mit Kindern nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt haben. Und sie versagen auch nicht, weil sie Dinge anders tun, als andere oder als sie es selbst gern täten. Und vor allem versagen sie nicht, weil andere es anscheinend besser können – bzw. sie denken, dass andere es besser könnten.

Elternschaft bringt uns immer wieder an unsere Grenzen. Es bringt uns in Kontakt mit der Kindheit, die wir selbst erfahren haben. Damit, was wir an unserer Kindheit besonders schön oder aber überhaupt nicht schön empfunden haben. Elternsein ist vor allem immer eins: neu. Sogar beim zweiten Kind, denn man ist Elternteil eines Geschwisterverbundes. Bei jedem neuen Kind ist auch die Elternschaft wieder neu. Ständig müssen wir uns, unsere Rolle und unsere Richtung neu bestimmen. Elternschaft ist ein hoch komplexer Vorgang, abhängig von vielen unbekannten Variablen.

Und so ist es in der Natur der Sache, dass unser Leben nicht immer rosarot ist, dass es auch dunkle Tage gibt und schmutzige Ecken. Aber solange wir darüber nachdenken, solange wir reflektieren, sind wir gute Eltern. Weil wir uns nämlich bemühen. Darauf kommt es an. Wenn ein Tag schlecht lief, wird der nächste wieder besser werden. Merkt Euch das, liebe Eltern und geht mit Euch selbst weniger hart ins Gericht.

 

Im Gespräch mit Frau Mierau

Foto

Heute habe ich mal etwas Anderes als sonst für Euch: Eine Podcastfolge mit mir. Eingeladen war ich als Gast bei Leitmotiv und dort habe ich mich unterhalten über den Online-Eltern-Clan, worüber ich ja auch schon auf der re:publica sprach, über Fotos von Kindern im Internet. Ich gebe einen Einblick in meine Arbeit, besonders meine frühere Tätigkeit und mein Studium und das Veröffentlichen von Ebooks m Selbstverlag. Außerdem geht es auch um falsch herum getragene Babys und eine ganz persönliche Geschichte aus meinem Leben.

Hier geht es also zum Leitmotiv mit Frau Mierau.

 

Sonntagssüß: Kandierte Gänseblümchen

Nun war es in Sachen Sonntagssüß eine ganze Weile still hier. Das lag nicht daran, dass es bei uns keine Sonntagssüße gab, sondern an dem Umstand, dass sich die Kinder momentan ausschließlich Eis als Süßes wünschen – und zwar am liebsten beim Eisladen mit bunten Streuseln. Damit wir aber auch mal wieder eine kleine  Selbstmachidee haben, die sehr gut zum Eis passt, haben wir an diesem Wochenende kandierte Gänseblümchen gemacht. Weiterlesen

Der richtige Sonnenschutz für mein Kind

Sonne

Die Temperaturen steigen gerade an, das gute Wetter und die Hitze locken hinaus zu gehen. Gerade mit Kindern denkt man: Es ist so heiß, wir gehen auf den Wasserspielplatz oder an den See. Doch gerade dort ist es oft sehr sonnig und auf Spielplätzen und am freien Wasser findet sich nicht immer viel Schatten. Sonnenschutz ist aber gerade für Kinder besonders wichtig. Was also ist nun der beste Schutz für diese Zeit?

Kinderhaut braucht besonderen Schutz

Die Haut von Kindern ist noch sehr dünn und noch nicht wie die von Erwachsenen in der Lage, schnell und ausreichend viel Melanin zu produzieren. Dazu kommt noch, dass auch die Reparaturmechanismen der Haut noch nicht ausreichend ausgebildet sind, so dass die Haut durch einen Sonnenbrand erheblich geschädigt wird.

Der beste Schutz: Nicht in die Sonne gehen!

Es ist ganz klar: Der beste Sonnenschutz ist es, nicht in die Sonne zu gehen. Das gilt besonders für die Zeiten, in denen die Sonne besonders stark über uns steht und direkt auf uns hinunter strahlt. Was in anderen Ländern gemacht wird, ist daher auch für uns angeraten: Siesta von 11 bis 15 Uhr! In dieser Zeit sollten Kinder am Besten nicht hinaus gehen. Das mag uns manchmal schwer fallen, wenn die Kinder gerade keinen Mittagsschlaf machen wollen, aber auch diese Zeit lässt sich Drinnen gut überbrücken: Eine kleine Wanne mit Wasser kann auch in der Wohnung aufgebaut werden. Große Kinder können am Waschbecken spielen. Eine andere Idee sind Holzkisten, in denen Kinder mit etwas Sand spielen können. Säuglinge sollten generell nicht der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Das heißt, dass Kinder unter einem Jahr nicht ohne Schatten spielen sollten, auch nicht auf Spielplätzen.

Sonnenkleidung als Schutz?

Wer der Freiluft nicht trotzen kann, ist mit Schatten am Besten beraten und auch die Bekleidung hat einen wichtigen Einfluss: Je dichter gewebt ein Material ist, desto mehr Sonnenschutz bietet es. Generell bestimmen Dichte, Material und Farbe, wie stark der Stoff vor der Sonne schützt: Je dunkler und dichter gewebt, desto höher der Sonnenschutz. Ein einfaches weißes Baumwollshirt lässt 10% der Sonnenstrahlung durch, hat also einen USF (UV-Schutzfaktor) von 10. Geringer wird dieser Wert beispielsweise durch das Nasswerden der Textilien;hierdurch wird mehr UV-Strahlung durch das Gewebe gelassen. Ein hervorragender Schutz besteht nach Europäischem Standard, wenn mehr als 97,5% der UV-Strahlung abgeblockt werden. Es gibt mittlerweile spezielle Sonnenschutzkleidung. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass diese Kleidung nach UV-Standrad 801 getestet wurde. Bei Kleidung wird ein Schutzfaktor (UPF = Ultraviolett Protection Factor) von40 empfohlen. Für Kinder gilt ansonsten: In der Sonne (und auch im Schatten) sollten Sonnenhüte getragen werden, die auch Ohren und Nacken bedecken. Die Kleidung sollte nicht zu eng anliegen und möglichst viel Körperfläche bedecken. Sandalen sind zwar schön, aber besser ist es, wenn auch der Fußrücken bedeckt ist, denn gerade hier entstehen oft Sonnenbrände, wenn der Fußrücken beim Eincremen vergessen wird oder keine Socken getragen werden. Wer mit Kindern baden geht, sollte besonders auf spezielle Sonnenschutzkleidung achten. Idealerweise sollte die Badekleidung auch die Schultern bedecken.

Sonnencreme

Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl verschiedener Sonnenschutzmittel: Cremes, Lotionen, Sprays und Öle. Unterschieden wird zudem noch in Chemische UV-Filter und solche Cremes mit mineralischen Filtern. Was auf den ersten Blick unüberschaubar wirkt, lässt sich allerdings kurz zusammen fassen: Für Kinder sind ausschließlich Cremes mit mineralischen Filtern aus zertifizierter Naturkosmetik zu gebrauchen. Chemische UV-Filter sind schon seit langer Zeit in der Kritik aufgrund ihrer hormonellen Wirkung, die sogar in der Muttermilch nachgewiesen werden konnte. Demnach empfehlen sich solche Sonnenschutzmittel auch nicht für die Mütter (und eigentlich für überhaupt niemanden). Auch Erdölprodukte, die die Haut schädigen, sind in Naturkosmetika nicht zu finden, weshalb diese die erste Wahl sein sollten. Aber selbst wenn in der Naturkosmetik keine bedenklichen Stoffe zu finden sind, sind diese Cremes nicht bedenkenlos aufzutragen. Auch sie verstopfen die Haut und trocknen längerfristig die Haut aus. Daher ist der beste Schutz weiterhin gute Kleidung und der Verbleib im Schatten oder im Haus in der sonnenintensiven Zeit.

Wer aber Sonnenschutzcreme verwendet, sollte bei Kindern zumindest einen Lichtschutzfaktor 30 verwenden, bei empfindlicher Haut noch deutlich mehr. Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viel länger man sich mit dem Sonnenschutzmittel in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Dabei kann jedes Mittel bei verschiedenen Personen unterschiedliche Zeiträume ergeben je nach Hauttyp der Personen. Um eine Schutzwirkung zu erzielen, muss die Creme wirklich intensiv aufgetragen werden, d.h. es sollte nicht daran gespart werden. 30 bis 40ml für den gesamten Körper werden vom Bundesamt für Strahlenschutz empfohlen. Bei mineralischen Cremes sieht man deutlich die weiße Creme auf der Haut. Nachcremen empfiehlt sich beim Baden, doch wird die Schutzdauer von Sonnencreme durch das Nachcremen niemals verlängert! Wenn die Zeit abgelaufen ist, muss der Mensch unbedingt aus der Sonne, um Folgeschäden zu vermeiden.

Deswegen: Schützt Eure Kinder gut vor der Sonne, am Besten durch Vermeidung intensiver Sonneneinstrahlung und angemessene Kleidung. Der beste Schutz ist, nicht in die Sonne zu gehen!

50 Alltagstipps für geborgenes Aufwachsen

Ich werde oft gefragt, wie es denn nun geht, dieses „geborgene aufwachsen“ oder „Attachment Parenting“ oder „achtsames Elternsein“. Und jedes Mal finde ich wieder, dass es zugleich ganz einfach und doch auch schwer zu erklären ist. Deswegen gebe ich Euch heute eine Liste, was es für mich heißt, mit meinen Kindern geborgen zu wachsen – denn auch ich wachse mit ihnen:

  • Nimm Dein Kind ernst.
  • Tröste Dein Kind, wenn es weint. Immer.
  • Sage nicht, dass etwas nicht schlimm sei, wenn Dein Kind weint.
  • Trage Dein Kind, wenn Du es kannst. Es wird Deine Nähe lieben und genießen.
  • Stille Dein Kind, wenn Du es kannst und willst. Wenn es nicht geht, mach es anders. Nehmt Euch Zeit füreinander. Das Kind nähren ist mehr als Nahrung.
  • Lass Dir nicht einreden, stillen dürfe man nur für eine bestimmte Zeit. Lass Dir die Zeit, die Ihr braucht.
  • Lass Dein Kind Kind sein.
  • Gib Deinem Kind die Möglichkeit, sich selbst kennen zu lernen, sich auszuprobieren und sich nach seinem Tempo zu entwickeln.
  • Versuche, auf Dein Herz zu hören und lass Dich nicht von anderen von Deinem Weg abbringen.
  • Gib Deinem Kind Zeit. Und Dir.

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  • Lass Dein Kind mit den Händen das Gras fühlen und mit den Füßen im Matsch strampeln.
  • Puste mit Deinem Kind gemeinsam Pusteblumen.
  • Lass Dein Kind auf Bäume klettern.
  • Geht gemeinsam barfuß über das Gras.
  • Begib Dich ab und zu auf die Höhe Deines Kindes und sieh die Welt aus seinen Augen.
  • Probiere aus, wie sinnlich es ist, eine Mahlzeit mit den Fingern einzunehmen.
  • Bastelt Gänseblümchenketten.
  • Lach mit Deinem Kind.
  • Lies Deinem Kind vor.
  • Hör Deinem Kind zu.

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  • Lass Dein Kind mit einem Problem nicht allein.
  • Lass Dein Kind bei Dir schlafen, wenn es das braucht.
  • Lass es auch fünf Kuscheltiere mit ins Bett bringen, wenn sie ihm gerade wichtig sind.
  • Lass Dein Kind auf Deinen großen Füßen laufen.
  • Tanze mit Deinem Kind.
  • Wenn Du keine Kraft hast oder einen schlechten Tag, dann sag es Deinem Kind einfach.
  • Macht zusammen Musik.
  • Ermögliche Deinem Kind, an das Magische zu glauben, so lange es das tut. Lass es an Wunder glauben.
  • Lass Dir die Welt von Deinem Kind erklären.
  • Lass Dein Kind träumen.

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  • Sei ehrlich zu Deinem Kind.
  • Verabschiede Dich immer, bevor Du gehst.
  • Sag „Bitte“ und „Danke“ zu Deinem Kind.
  • Lasst zusammen Seifenblasen fliegen und fangt sie ein.
  • Zeige Deinem Kind, dass man zu anderen Menschen freundlich ist.
  • Geh zur Teeparty mit allen Puppen und Teddybären.
  • Bereitet zusammen das Essen zu.
  • Sing mit Deinem Kind.
  • Lach über die Witze Deines Kindes.
  • Verzeih Deinem Kind, wenn es etwas angestellt hat.

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  • Entschuldige Dich bei ihm, wenn Du etwas angestellt hast.
  • Vergib Dir selbst, wenn Du nicht perfekt bist. Niemand ist das.
  • Erkläre Deinem Kind, dass Menschen nicht perfekt sein müssen. Auch Ihr beide nicht.
  • Nimm Dein Kind in den Arm und gebe ihm einen Kuss. Einfach so.
  • Wenn Dein Kind in den Kindergarten kommt: Hör auf Dein Bauchgefühl und das Deines Kindes.
  • Macht zusammen Stockbrot am Lagerfeuer.
  • Erzähle aus Deiner Kindheit.
  • Sag Deinem Kind, dass es heute ein schöner Tag mit ihm war.
  • Spiel mit Deinem Kind.
  • Lebe Deinem Kind vor, was Du wünschst, das es lernen soll.

Umfüllspiele

Auf einen Punkt gebracht: Liebe Dein Kind.

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