Monat: Mai 2014

Upcycling: Einen individuellen, zauberhaften Kaufmannsladen für die Kinder gestalten

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Wie Ihr aus meinen Wochenenden in Bildern wisst, liebe ich es, auf Flohmärkten zu stöbern und finde dort gerne schöne Dinge für die Kinder zum Spielen. – Oder Dinge, die einmal schön werden können. Auch bei Ebay Kleinanzeigen suche ich gerne mal nach Dingen oder lasse mich inspirieren für ein neues Projekt. Hier habe ich vor einiger Zeit einen alten Kaufmannsladen erworben, den ich nun endlich aufgearbeitet habe, wie ich es schon lange vorhatte.

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Hier ist der Urzustand des Kaufmannsladens. Es gibt einiges zu reparieren und auszubessern.

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An einigen Stellen wurde er vom Vorbesitzer bestempelt, angemalt und ein paar Stellen müssen neu verleimt werden.

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Zunächst wird das Holz abgeschliffen. So werden Unebenheiten und unschöne Stellen beseitigt.

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Dann trage ich mit einem Pinsel gleichmäßig dünn weiße Holzfarbe auf, ein Farbrest.

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Für den Kaufmannsladen habe ich mir eine kleine Besonderheit überlegt: Er soll ein Apfel-Logo bekommen, dass sich auf dem Kaufmannsladen, auf den kleinen Baumwoll-Einkaufstüten und auch auf kleinen Papiertüten wieder findet.

Auf den Einkaufsladen mache ich einen Apfeldruck mit einem aufgeschnittenen Apfel: Einfach die gewünschte Farbe drauf verteilen und dann aufdrucken. Ich habe vorher ein paar Drucke auf Papier geübt.

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Und so sieht es dann auf Holz aus. Der Apfel ziert die Spitze des Kaufmannsladens.

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Für die Stoff- und Papiertüten habe ich mir extra einen kleinen Stempel anfertigen lassen über den Dawanda-Shop AvieArt „Leckerbissen & Köstlichkeiten“ steht darauf, zusammen mit dem Apfel-Logo. Den Stempel können die Kinder dann auch direkt im Kaufmannsladen benutzen.

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Stofftasche mit Apfeldruck und Stempel

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Aufgehangen werden können die drei Beutel an kleinen blauen Keramikknäufen, die ich extra dafür angebracht habe.

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Auch am Verkaufstisch ist ein solcher Knauf angebracht, an dem die bestempelten Papiertüten für Obst und Gemüse hängen (10 Papiertüten für 0,65€, z.B. bei Modulor).

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Und dann gibt es noch den Inhalt des Kaufmannsladens: Hier gibt es viele Glasflaschen (Bügelverschlussgläser habe ich neu gekauft für 1,50€ hier) mit verschiedenen Inhalten aus dem Garten und der Küche: Nudeln, Kräuter, Steine. Noch mehr Anregungen für die Bestückung des Kaufmannsladens findet Ihr hier.

 

Unaufhaltsam

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Der Sohn ist nun 19 Monate alt. Er erkennt sich und andere auf Fotos, benennt seine Körperteile und die anderer Menschen. Er spricht in 3-Wort-Sätzen und spielt wunderbar phantastische Spiele. Im Spielkreis hat er in dieser Woche Stühle zusammen geschoben und sagte „Schiff baut! Springt runter!“ und hat sich von den Stühlen fallen lassen. Nachdem seine Schwester am letzten Wochenende drei Treppenstufen hinunter gesprungen ist, wollte er es ihr gleich tun und landete dabei auf der Nase. Überhaut ist alles, was die große Schwester tut, ganz wunderbar und nachahmenswert. Daher beherrscht er auch die Worte „Kacke“, „Scheiße“ und „Eierloch“, die er sehr gerne in für mich unpassenden Situationen hervor bringt. Beispielsweise in einer langen Schlange bei der Post, wenn er schreit „Warten! Kacke!“ Ich distanziere mich dann gerne ausdrücklich von den Worten und versuche mit einem Lächeln über mein errötetes Gesicht hinweg zu täuschen. Aber natürlich lernt er nicht nur Unsinn von der großen Schwester, sondern hat durch die ein besonderes Interesse an Zahlen und Buchstaben und versucht, Treppenstufen zu zählen und schreit mir gerne ins Ohr, wenn er auf der Straße etwas Geschriebenes entdeckt („Schrieben, Mama, schrieben!“).

Ebenso wie die Wörter mit jedem Tag mehr werden und auch das Spiel phantasievoller und variabler, wächst der Sohn unaufhaltsam. Im ersten Lebensjahr war er ziemlich klein und dünn, etwas unterdurchschnittlich in Größe und Gewicht. Nun aber hat er auf einmal quasi über Nacht einen Sprung gemacht. Die 74/80 passte ganz plötzlich nicht mehr. Neue Bodys, neue Hosen und neue Schuhe mussten her. Seinen absoluten Lieblingsbody haben wir bei me&i gefunden: grün mit Zebras. Der Sohn liebt die Zebras, die er Pferde nennt, denn schließlich liebt ja die große Schwester Pferde und er darf sie jedes Wochenende zum Reiten begleiten.

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Und auch wenn er schon über das erste Jahr hinaus gewachsen ist, kann man noch immer von Entwicklungsschüben sprechen. Ich würde sogar bei meiner großen Tochter mit 5 Jahren noch von Entwicklungsschüben sprechen. Wie als kleines Baby sind es Zeiten, in denen er besonders anhänglich ist, besonders viel stillen möchte, viel auf den Arm will. Manchmal lässt er dann auch Dinge, die er schon konnte, wieder weg. Und auf einmal ist sie da, die neue Fähigkeit, das Hüpfen, das Pfeifen. Bei der Tochter ist es nicht mehr so sehr die Anhänglichkeit, wenn der Entwicklungsschub kommt, sondern eher das Gegenteil davon: Das Reiben an Regeln und Normen, die Auseinandersetzung. Oft auch die Zerrissenheit zwischen Autonomie und Anhänglichkeit. Mit 5 Jahren wackelt die Welt, vieles steht auf dem Prüfstand und fügt sich neu zusammen. So ist es für beide Kinder gerade eine aufregende, sich und sie verändernde Zeit.

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Gewinnspiel: Gewinne einen Zebrabody von me&i

Vielleicht ist es bei Euch auch so, dass Eure Kinder quasi über Nacht aus ihrer zuletzt getragenen Größe heraus gewachsen sind? Wenn ja, dann könnt Ihr hier nun den tollen Zebrabody von me&i in Größe 86/92 für Euer Kind gewinnen – vom schwedischen Modelabel direkt für Euch zur Verfügung gestellt.

Wie das geht:

  1. Werde Fan von geborgen-wachsen auf Facebook
  2. Teile das Foto zum Gewinnspiel und schreibe einen Kommentar zum Foto, wie Eure Entwicklungsschübe so aussehen.
  3. Die Verlosung endet am 31.05.2014 um 18 Uhr unter allen volljährigen Fans, die das Bild geteilt und kommentiert haben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang mit Facebook. Verantwortlich ist geborgen-wachsen.de (Impressum: http://geborgen-wachsen.de/impressum/).

Warum kein Berufsstand Hebammen ersetzen kann – Ein Erfahrungsbericht

Gerade ist es wieder etwas leiser geworden um den Hebammenprotest, obwohl die Situation noch immer brenzlig ist und keine Lösung bislang gefunden wurde. Doch gerade vor ein paar Wochen wurde mir bei der Arbeit wieder vor Augen geführt, wie wichtig die Arbeit der Hebammen ist:

Ich hatte einen Termin zur Schlafberatung bei einer Mutter mit einem sieben Wochen alten Baby. Telefonisch sagte sie mir vorab, dass ihr Baby erhebliche Schlafprobleme hätte, besonders Probleme mit dem Einschlafen, aber auch die Nächte schlimm seien. Ich fragte nach, erzählte, dass Schlafen eben erst einen Rhythmus finden müsste, dass Aufwachen normal sei, aber sie versicherte, dass ihre Probleme  über das normale Maß hinaus gingen und sie am Ende ihrer Kräfte sei. Bei dem Hausbesuch traf ich tatsächlich eine Frau an, der es nicht gut ging, die schlecht aussah und erschöpft war. Und ein unruhiges Baby. Als ich es betrachtete, hatte ich schon eine Idee, hörte mir aber erst die Geschichte der Mutter an. Neben ihrem Bericht über die aktuelle Lage kamen wir auch schnell auf die Geburt zu sprechen. Sie berichtete, dass das Baby in der 38. Woche geboren wurde. Eine anstrengende Geburt im Kaiserschnitt mit vielen Eingriffen. Sie war emotional noch nicht darauf vorbereitet, dass das Baby schon kommt. Aber es war völlig gesund. Dadurch, dass es früher kam, gab es aber terminliche Probleme bei der Nachsorge: Die Hebamme, die die Nachsorge eigentlich machen sollte, hatte einen Bandscheibenvorfall und konnte sie nicht mehr versorgen. Sie fand auf die schnelle keine neue Nachsorgehebamme. Im Krankenhaus wurde ihr gesagt, sie solle dann einfach zur Frauenärztin gehen und dort nach dem Rechten schauen lassen, ob sich alles gut zurück bilden würde, das sei kein Problem. Sie hatte Stillprobleme von Anfang an, im Krankenhaus wurde ihr auf der Wöchnerinnenstation das Anlegen gezeigt, aber es klappte nicht so recht, die Brustwarzen wurden wund, besonders auf einer Seite, und ihr wurde gesagt, sie müsse zufüttern. Später würde der Kinderarzt weiter beraten und sehen, ob das Kind genügend zunehmen würde. Zu Hause klappte es mit dem Stillen nicht, der Kinderarzt riet zur künstlichen Säuglingsnahrung, da das Kind nicht genügend zunehmen würde. In der zweiten Woche nach der Geburt wurde die Schlafsituation auch immer schlimmer, denn es hatte erhebliche Einschlafschwierigkeiten, schrie viel, ließ sich auch schwer tragen. Sie hielt lange aus, ging immer wieder zum Kinderarzt und vermutete Blähungen, aber es konnte keine Besserung hervor gerufen werden. Sie war am Ende ihrer Kräfte.

Ohne Hebamme – Hilfe kommt fast zu spät

Die Frau hat nichts, nicht die geringste Kleinigkeit „falsch“ gemacht. Sie hat alles gegeben, was sie konnte. Das Problem war: Sie hatte keine Nachsorgehebamme. Die Hebamme hätte sich während eines Hausbesuches zur Nachsorge Zeit genommen, sich das Stillen in Ruhe anzusehen, hätten den Bericht zur Geburt in Ruhe gehört und sich das Kind angesehen. Sie hätte gesehen, dass dieses Kind bei einer Physiotherapie/Osteopathie gut aufgehoben wäre, da es sehr wahrscheinlich eine Blockade hat, die das Stillen behindert und auch Schmerzen in anderen Positionen hervor ruft. Sie hätte ihr früh helfen können, wodurch sie wahrscheinlich nicht mit dem Stillen hätte aufhören müssen und nicht völlig verzweifelt wäre. Aber es war keine Hebamme da, weshalb sie erst sehr spät Hilfe bekommen hat, als sie schon ganz am Ende ihrer Kräfte war.

Hebammen sind durch keinen anderen Berufsstand zu ersetzen

Ja, natürlich gibt es viele andere Berufszweige, die ähnliche Arbeiten verrichten wie Hebammen oder ähnliches Wissen haben wie Hebammen. Aber Hebammen sind die, die zuerst auf die Frau blicken können, die weiterhelfen und erst dann, wenn sie eine zweite Meinung brauchen, weiter verweisen. Und sie sind auch diejenigen, deren Arbeit von den Krankenkassen bezahlt wird (zu gering, aber für die Familien ist es wichtig, dass es jemanden gibt, der nicht privat bezahlt werden muss). Ich habe Kolleginnen, die als Doula arbeiten: Sie können Hebammen nicht ersetzen bei der Geburt. Sie arbeiten mit den Hebammen Hand in Hand, unterstützen sie, aber vor allem die Gebärende in den vielen Kleinigkeiten, für die die Hebamme vielleicht nicht die Zeit oder die Möglichkeit hat – besonders im Krankenhaus. Ich habe Kolleginnen, die als Stillberaterinnen arbeiten und wie ich auch von Hebammen angerufen werden, wenn sie bei Stillschwierigkeiten eine zweite Meinung benötigen oder einen anderen Blick. Früher habe ich im Geburtshaus Friedrichshain, das bereits 2012 schließen musste, für die Hebammen bei Bedarf Hausbesuche zur Stillberatung gemacht und Kurse zur Geburtsvorbereitung gegeben, weil sie einen anderen Schwerpunkt in der Kursarbeit wünschten als klassische Geburtsvorbereitung. Hebammen können Eltern auch einführen in die Möglichkeit, das Kind in einem Tragetuch zu tragen oder an entsprechende Trageberaterinnen weiter verweisen, wenn es den Bedarf gibt oder wenn es spezielle Situationen gibt, die eine besondere Trageberatung erfordern. Hebammen besuchen Frauen im Wochenbett und sehen und erfahren in dieser Zeit alles, was wichtig ist und sind die ersten Ansprechpartnerinnen für alle Belange. Es gibt einfach keinen Beruf, der dies auffangen kann, denn die vielen einzelnen Berufssparten, die sich drum herum gruppieren mit ihrem Fachwissen wie Stillberaterinnen, Trageberaterinnen, Babykursleiterinnen, Osteopathen, Familienbegleiterinnen, Mütterpflegerinnen etc. sind die zweite Anlaufstelle, die aber nicht den ersten Blick ersetzt. Und sie sind meistens privat zu bezahlen – was für viele Familien nicht möglich ist. Es ist wie bei einem Arzt, wenn wir zum Allgemeinarzt gehen und zu einem Spezialisten überwiesen werden. Hebammen sind nicht ersetzbar.

Mit der Hebamme an der Seite bekommen Mütter die Hilfe, die sie brauchen

Glücklicherweise konnte der Mutter und dem Kind geholfen werden. Es schläft nicht durch, aber es schläft besser und weint weniger. Es lässt sich besser in einer Babytrage tragen und auch beruhigen. Der Mutter geht es besser. Nicht super, aber besser. Sie selber muss noch verstehen, dass sie alles getan hat, was sie konnte und es nicht ihre Schuld war, dass ihr Start so schwierig war. Denn so war es. Es ist traurig, dass der Beginn dieser Eltern-Kind-Beziehung ganz anders hätte sein können, wenn die Rahmenbedingungen anders gewesen wären. Und zwar nur eine klitzekleine Änderung wäre nötig gewesen: Eine Nachsorgehebamme, die mit ihrem Fachwissen sofort erkannt hätte, was zu tun ist.

Deswegen: Setzt Euch bitte weiter für den Berufsstand der Hebammen ein. Sie haben es verdient, aber vor allem habt Ihr es verdient, die Hilfe zu bekommen, die ihr benötigt! Bevor Ihr am Ende Eurer Kräfte seid. 

Neue Wege – Mütter und ihre Jobs: Eva Ella Hartmann von ringelmiez

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Ich liebe hübsche Kinderkleidung. Und das ganz besonders, wenn sie für mich nachvollziehbar hergestellt wurde und ich sogar ein Gesicht dazu kenne. Eva Ella Hartmann von ringelmiez.de ist ein solches Gesicht hinter selbstgenähten Dingen. Und nicht nur das: Sie verbreitet Ihr Wissen um das Nähen auch in Büchern. Aber wie ist man selbständige Autorin, stellt schöne Dinge her und regelt gleichzeitig den Alltag mit 3 Kindern? Hier ist ihr Weg:

1. Was hast Du früher gemacht/wo hast Du früher gearbeitet?
Ich habe Philosophie, Geschichte und Deutsch auf Gymnasiallehramt studiert. Etwa Nach der Hälfte der Studienzeit, kurz nach dem Praxissemester, wurde mir klar, dass ich eigentlich keine Lehrerin werden möchte – zumindest nicht an einer staatlichen Schule. Der Kontakt mit den SchülerInnen hat mir großen Spaß bereitet; das Interesse und die geschlossene Begeisterung selbst schwieriger Klassen wecken zu können, war ein wunderbares Erfolgserlebnis. Aber das dann alles in vorgegebene Bahnen lenken zu müssen, einem Lehrplan unterordnen zu müssen, dessen Sinn ich nur begrenzt nachvollziehen konnte, und dabei von allen Seiten unter Druck gesetzt zu werden – das war mir zuwider. Da es für eine plötzliche Kursänderung seitens meiner Eltern aber kein Verständnis gegeben hätte, arbeitete ich auf das erfolgreiche Ende meines Studiums hin. Bis ich dann kurz vor dem Examenstermin schwanger wurde und meinen Abschluss wegen schwangerschaftsbedingter körperlicher Probleme aufschieben musste.

2. Warum wolltest Du nach der Geburt/Elternzeit einen neuen Weg gehen?
Durch die Geburt meines ersten Kindes haben sich meine Prioritäten grundlegend verlagert. Der Wunsch, meinem Kind eine gute Mutter sein zu wollen, hat es mir ermöglicht, mich von den Erwartungen meiner Eltern an mich frei zu machen. Als mein Sohn vier Monate alt war, beschloss ich, mein Studium nicht zu beenden. Das gab einen ziemlichen Knall, aber es war die richtige Entscheidung. Ich wäre in diesem Beruf nicht glücklich geworden.
Stattdessen fasste ich bald den Beschluss, mich selbstständig zu machen mit dem, was mich immer schon begeistert hat: Nähen! Damals find der DIY- und Crafting- Boom in Deutschland gerade an, so richtig loszulegen, ich gründete mit ringelmiez mein eigenes kleines Label. Recht erfolgreich verkaufte ich handgemachte Taschen, Milchütenhüllen und Stricknadelrollen in meinem Dawanda- Shop und nähte darüber hinaus Quilts und Stoffpuppen nach Waldorfart auf Kundenbestellung.
Das war so aber nur möglich weil das Gehalt meines Mannes ausreichte, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir sind – oder waren es damals, mit nur einem Kind, das nicht viele Kosten verursachte – nicht auf zwei Gehälter angewiesen. Ich hatte keinen Druck, mit ringelmiez unbedingt eine bestimmte Summe verdienen zu müssen. Eine sehr komfortable Situation.
Mit dem zweiten Kind wurde es schon schwieriger einen fruchtbaren Arbeitsalltag zu etablieren. Ich überlegte viel herum, wie ich ringelmiez umgestalten könnte, dachte über das Schreiben und Verkaufen von Anleitungen, über Nähkurse und eClasses nach. Mitten in diesen Überlegungen bekam ich das Angebot, ein Buch beim Christophorusverlag zu machen. Der Christophorusverlag zählt zu den führenden Buchverlagen im Kreativbereich und vertreibt seine Bücher in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ich habe sofort zugesagt und für mein erstes Buch gegrübelt, entworfen, genäht und geschrieben, während ich mit unserem dritten Kind schwanger war. Es erschien kurz nach der Geburt unserer Tochter. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich schon wieder am zweiten Buch, das nun vor zwei Monaten erschienen ist. Und auch das wird nicht das letzte sein. Ich bin nun freie Autorin bei OZcreativ.

3. Erkläre kurz, was Dir an der Arbeit als freie Autorin von Handarbeitsbüchern besonders gefällt.
In meiner gegenwärtigen Lebenssituation ist es der perfekte Job für mich. Ich habe während eines Buchprojekts mit vielen verschiedenen Menschen zu tun, mit denen ich mich konstruktiv und kreativ austauschen kann. So banal es klingt, aber in einem Alltag, in dem mein einziger erwachsener Gesprächspartner sonst oft die Kassiererin im Supermarkt ist, ist ein solch anregender Austausch oft eine große Wohltat. Mein Kopf bekommt eine Menge Input, ich kann meinen Ideen eine Richtung geben. Bis auf ein paar Meetings, die im Verlagshaus stattfinden, kann ich mir meine Arbeitszeit völlig frei einteilen: Es ist ein sehr familienfreundlicher Job. Und natürlich ist es jedes Mal ein wunderbares Gefühl, wenn das Buch endlich fertig ist, ich es in der Hand halten und durchblättern kann und es dann irgendwann endlich in die Läden geht. Der Erfolg, mit dem sich meine Bücher bisher verkauft haben, macht mich glücklich und stolz.

4. Wie gestaltest Du jetzt Deinen Alltag mit dem Job und Deiner Familie?
Ich versuche, jede freie Minute zum arbeiten zu nutzen – und das sind mit drei Kindern nicht mehr allzu viele. Hinzu kommt, dass unsere Tochter mit einer genetisch bedingten Entwicklungsstörung zur Welt kam, weswegen sie deutlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit Bedarf, als ein gleichaltriges gesundes Kind. Vormittags kann ich nur sehr eingeschränkt arbeiten, weil wir jede Woche alleine drei feste, regelmäßige Therapietermine mit ihr haben. Oft kommt noch ein Arzttermin hinzu, oder es geht ein Vormittag für Organisatorisches rund um ihre Einschränkungen drauf. Also arbeite ich hauptsächlich Abends. Oft übernimmt mein Mann die Kinder am Wochenende und verschafft mir so zusätzliche Arbeitszeit. Auch ist er meist derjenige, der die Jungs zum Kindergarten bringt und wieder abholt, Das verschafft mir jeden Tag eine gute Stunde mehr Zeit, mich um meine aktuellen Buchprojekte zu kümmern. Und er ist es auch, der den Löwenanteil der Hausarbeit übernimmt. Er wäscht die Wäsche, er putzt die Bäder, er kümmert sich um den Müll, er räumt auf und wischt die Böden. Alles Dinge, die ich zugunsten meiner Arbeitszeit meist sausen lasse, weil der Ausgleich, den mir dieser Job bietet, wirklich wichtig ist für meine Zufriedenheit und mein Seelenheil.

5. Würdest Du Deinen neuen Job anderen Müttern empfehlen? Wenn ja, warum?
Um mit meinem Job so etwas wie ein richtiges Gehalt verdienen zu können, muss man auch nach einem langen, anstrengenden Tag noch in der Lage sein, abends konzentriert kreativ arbeiten zu können. Man braucht Disziplin. Eine weitere  Grundvoraussetzung ist das Vorhandensein von dem, was ich gern „Ideentourette“ nenne; also von einem irrsinnigen Output an kreativen Ideen, die irgendwo untergebracht werden wollen. Wenn das gegeben ist, würde ich meinen Job sofort anderen Müttern (und warum nicht auch Vätern) empfehlen, denn er ist wirklich sehr familienfreundlich. Abgesehen von der frei einteilbaren Arbeitszeit enthält die Arbeit an einem solchen Buch auch viele Schritte, die sich gut mit den Kindern zusammen machen lassen. Ich kann mich beispielsweise mit ihnen an den Tisch setzen und meine Modellskizzen entwerfen, während sie malen. Das ergibt sogar oft eine sehr schöne kreative Stimmung; wir haben so schon viele regnerische Nachmittage ganz vertieft in unsere Bilder verbracht. Ähnlich ist es bei Buchprojekten, bei denen z.B. viel Stickerei vorkommt. Da kann ich sticken, während sie Perlen auffädeln oder Klebebilder basteln, oder während wir zusammen Bücher angucken. Oft wirken meine Kinder auch sehr inspirierend auf mich und bringen mich auf Ideen für weitere Bücher.
Ich bin gespannt, auf welche Wege mich dieser Job noch führen wird, vor allem dann, wenn die Kinder langsam größer und meine Arbeitszeit leichter organisierbar wird.

Vielen Dank an Eva für das Interview. In der nächsten Woche findet Ihr hier das Interview mit der Doula und Familienbegleiterin Denise Wilk, die Mutter von 6 Kindern istHast Du auch einen Job, den Du hier vorstellen möchtest? Dann schreib mir an [email protected]

Bisher in dieser Reihe erschienen sind Interviews mit Bettina M. Kreissl Lonfant von der Agence PhilosophiqueAnna Luz de León von BerlinMitteMomRamona Weyde-Ferch von jademond.de,Stephanie Oppitz von der Windelmanufaktur, und Simone Janke als me&i-Beraterin.

Auch Elke Peetz hat sich des Themas angenommen und zeigt hier 100 Probleme und 100 Lösungen von FrauenAlex Kahl ruft zu einer Blogparade zum Thema familienfreundliche Arbeitgeber auf.

Von #aufschrei und #schauhin in Kinderbüchern

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Es gibt Bücher, die ich nicht kaufe, wenn ich sie im Bücherladen sehe. Conny ist so ein Beispiel. Mein Mann hat darüber einmal ausführlich geschrieben. Und dann gibt es Bücher, die sogar dieses flaue Gefühl im Magen noch übertreffen und auf der Liste der nicht-vorlesbaren Bücher landen. Dabei meine ich gar nicht mal die Bücher, von denen eigentlich heute klar sein sollte, dass sie eben keine Kinderbücher sind wie „Struwwelpeter“ oder „Max und Moritz“. Ich meine Bücher, die oft auch etwas subtiler Dinge vermitteln, die Kinder nicht vermittelt bekommen sollten. In meiner Vorlesegeschichte als Mutter bin ich dabei bisher auf diese Bücher gestoßen, die ich mit #aufschrei und/oder #schauhin markieren würde:

Hugh Lofting „Doktor Dolittle und seine Tiere“, erstmals 1920 erschienen, derzeit in der 6. Auflage (2011) im Dressler Verlag, worin es u.a. heißt:

Aber Du musst diesen Neger weiß machen. Denk dir was aus, denk gründlich nach. Du hst doch noch viel Medizin in deiner Tasche. Er tut alles für dich, wenn Du seine Farbe änderst. […]

An diesem Abend kam Bumpo heimlich zum Doktor ins Gefängnis und sagte: „Weißer Mann, ich bin ein unglücklicher Prinz. Vor Jahren bin ich auf die Suche nach Dornröschen gegangen, von der ich in einem Buch gelesen hatte. Als ich viele Tage durch die Welt gereist war, habe ich sie endlich gefunden und sehr sanft geküsst, um sie aufzuwecken – wie man es nach dem Buch tun soll. Si eist tatsächlich aufgewacht. Aber als sie mein gesicht gesehen hat, da schrie sie: ‚Ach, der ist ja schwarz!‘ Und sie ist weggerannt und wollte mich nicht heiraten, sondern hat sich irgendwo anders wieder schlafen gelegt. […] Wenn Du mich weiß machst, damit ich zu Dornröschen zurückkehren kann, sollst du die Hälfte meines Königsreiches erhalten und außerdem alles, was du dir wünschst.

Im Nachwort führt Elke Heidenreich zu dieser Stelle auf:

Später im Buch begegnen wir noch dem schwarzen Prinzen Bumpo, der unbedingt weiß werden will, und warum? Weil er Dornröschen wachgeküsst hat, und die dumme Gans hat erschrocken aufgeschrien, als sie sein schwarzes Gesicht sah. Rassistisch? Ja, vielleicht allenfalls dem dämlichen Dornröschen gegenüber, aber als der Doktor eine Salbe anrührt, die sich Prinz Bumpo aufs Gesicht schmiert und von der er tatsächlich hellhäutig wird, sagt Dolittle betrübt: ‚Ich finde, früher hat er besser ausgesehen.‘

Eine komisch-kindliche Darstellung von Schwarz und Weiß kann ich nicht als rassendiskriminierend empfinden.

Also ich schon. Und deswegen haben wir das Buch nicht vorgelesen. In Pipi Langstrumpf (Oetinger Verlag) hingegen wurden alle rassischsten Bezeichnungen entfernt und angepasst, so dass dort heute von „Südseekönig“ und Taka-Tuka-Sprache gesprochen wird. Schade, dass das im Dressler Verlag anscheinend anders gesehen wird.

Weitaus jüngeren Datum sind „Die schönsten Kindermärchen“ von Sophie Reinheimer (1985), indem ich u.a. diese #aufschrei-Stelle fand:

„Er hat recht“, dachte der Sonnenstrahl, „Hochzeit machen ist wunderschön, das allerschönste! Ich werde jetzt auch Hochzeit machen, ich werde mir jetzt auch eine Frau suchen. […]

An demselben Strauche, auf einem grünen Blatte, sah er eine blinkende Tautropfenperle liegen. Die gefiel ihm gleich sehr gut. Als er sie näher betrachtete, funkelte sie in allen Regenbogenfarben – rot, grün, gelb, blau und lila. Das gefiel ihm noch besser.

„Willst Du meine liebe kleine Frau sein?“ fragte er sie. Die Tautropfenperle antwortete nicht, sie zitterte nur ein wenig. Da dachte der Sonnenstrahl: „Das heißt gewiß ‚Ja‘ bei ihr“ und gab ihr gleich einen Kuß. Und dann noch einen – und noch einen…

Ach – du lieber Gott – was war denn das? Bei jedem Kusse wurde die Tautropfenperle ja kleiner. Es war schon fast gar nichts mehr von ihr übrig. Na – da bekam der Sonnenstrahl einen kleinen Schreck“ „Gott bewahre mich!“ dachte er – „eine Frau, die noch nicht mal einen Kuß vertragen kann – nein, die taugt nicht für mich.“

Und dieses Buch taugt nicht für mein Kind, dem ich nicht beiläufig vermitteln möchte, dass sich irgendjemand liebe kleine Frauen sucht, ihre Signale gewiss fehlinterpretiert werden können und ihnen dann auch noch die Schuld gegeben wird.

 

Jüngere Literatur – subtilerer Sexismus/Rassismus

Jüngeren Datums, aber deswegen auch nicht ganz frei von subtilem Sexismus/Rassismus sind die beiden folgenden Bücher:

Paul Maars Bücher sind allseits bekannt, besonders das „Sams“. Sehr schön geschrieben ist auch die Reihe um „Herrn Bello“. Das zweite Buch „Neues von Herrn Bello“, 2006 bei Oetinger erschienen, weist jedoch auch eine befremdliche Stelle über den typischen Franzosen auf, über die wir beim Vorlesen gestolpert sind:

„Wir haben Zeit. Onkel Astor steht bestimmt nicht vor zehn Uhr auf. In unserem Französischbuch gibt es einen Monsieur Dupont, der steht auch erst um zehn Uhr auf. Da ist es allerdings Sonntagmorgen. Aber vielleicht machen das die Franzosen auch werktags.“

Ich persönlich bin großer Fan von A.A. Milnes „Pu der Bär“. Freudig haben wir dann auch David Benedictus „Pu der Bär – Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald“ gekauft, das 2009 bei Dressler erschienen ist. Darin gesellt sich zu der lustigen Truppe von Christopher Robin, Pu, Ferkel und I-Ah die Otterfrau Lotti als erste weibliche Gestalt in der Gruppe:

Dann eines Tages, von dem einige sagten, er wäre bisher der heißeste, und andere, er wäre überhaupt der heißeste, kam etwas Langes und Schlängeliges und Pelziges und Schnurrbärtiges aus dem, was einst ein Fluss gewesen und was nun kaum mehr eine schlammige Stelle war. „Was“, sagte das braunseidene schlängelige Ding, setzte sich kerzengrade auf und sah sich mit wachen Augen um, „soll denn wohl eine Otterfrau, die auf sich hält, anstellen, wenn sie kein Bad nehmen kann? Und“, fügte sie hochnäsig hinzu, „wenn sie nichts zu essen hat? Oh, là, là?“ […] „Ich heiße Lotti“, verkündete sie. „Seht ihr meinen feinen Pelz, der die Farbe von Silber hat, wenn die Sonne darauf scheint, und von Zinn, wenn der Himmel bedeckt ist? Und seht ihr“, fügte sie hinzu, „meine goldenen Augen und meinen langen Schwanz, den ich „mein Ruder“ nenne? Er wird weithin wegen seiner Länge und Biegsamkeit bewundert. Und hütet Euch“, schloss sie, „vor meiner roten Zunge und meinen weißen Zähnen. Sie sind scharf genug, das kann ich euch versprechen, wenn sie scharf sein sollen.“

Schade, dass ein solches Bild der Frau in ein an ein so schönes Werk anknüpfendes Buch geschrieben wird. Warum muss die Otterdame ausgerechnet diese Eigenschaften haben? Aus den „Pu der Bär“-Büchern ist bekannt, dass die Eigenschaften der Tiere gerne mit Persönlichkeitsstörungen verbunden werden. Doch was möchte der neue Autor uns mit dem neuen Charakter der Otterdame sagen? Frausein als Persönlichkeitsstörung?

 

Buchwahl mit Bedacht

An dieser Stelle ende ich diesen Artikel, obwohl es noch zahlreiche weitere Beispiele gibt. Wählt Bücher für Eure Kinder mit Bedacht aus und überlegt, welche Dinge ihr ihnen übermittelt und mit welchen Geschichten sie groß werden sollen. Denn all diese Geschichten und Charaktere prägen ihr Aufwachsen. Sie sind wichtig für Eure Kinder.

Wenn ich in mir bisher unbekannten Geschichten solche Passagen lese, überspringe ich sie oder gestalte sie um. Bei Dr. Doolittle haben wir aber der Tochter erklärt, dass wir das Buch nicht mehr weiter lesen, weil wir mit der Geschichte nicht überein stimmen.

Vielleicht seht Ihr das anders? Oder fallen Euch weitere Geschichten mit ähnlichen Inhalten ein? Euer Feedback interessiert mich!

„Die machen ja gar nicht ‚Quak‘!“ – Über die Bedeutung von Naturerfahrungen für Kinder

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Heute war die gesamte Familie im Wald spazieren. Wir haben und Pflanzen angesehen, die Tochter ist einen Hochstand hinauf geklettert, wir haben Nacktschnecken und Mistkäfer bewundert. Ein Laubfrosch hüpfte uns über den Weg. Und dann gab es diesen Moment, als wir laute Geräusche hörten. Wir entdeckten einen kleinen See und darin quakten lautstark die Frösche. Die Tochter war begeistert und lauschte andächtig. „Komm, wir gehen weiter!“ sagte ich nach einiger Zeit zu ihr. Aber sie hielt inne und sagte: „ich möchte den Fröschen noch etwas zuhören!“ Am Abend im Bett fragten wir sie wie jeden Tag, was heute das Schönste für sie war. „Grillen, ein Eis… Und die Frösche! Die Frösche im Wald. Frösche machen nämlich gar nicht ‚Quak‘. Die machen ganz anders. Und ich habe sie gehört und weiß jetzt, wie sie wirklich klingen.“

Dieses kurze Gespräch verdeutlichte mir einmal mehr, wie wichtig es ist, dass Kinder elementare Erfahrungen machen dürfen. Kräuter schmecken, Gänseblümchen pflücken und die Blütenblätter essen, Tiere streicheln, die Füße ins kalte Seewasser tauchen, mit den Händen im Matsch wühlen, den Tieren zuhören und ihre Sprache kennen lernen. Kinder verstehen die Welt, wenn wir sie zuhören lassen. Wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, die Welt mit allen Sinnen zu begreifen – im wahrsten Sinne des Wortes. Kinder brauchen diese Möglichkeiten, um sich ein Bild von der Welt machen zu können, in der sie leben. Und damit auch zu verstehen, wie wichtig diese Welt ist und wie erhaltenswert, wundersam und schön.

Deswegen: Lasst Eure Kinder den Fröschen, Hähnen und Katzen lauschen. Lasst sie Erde in den Händen zerreiben und Blumen am Wegrand pflücken. Gebt ihnen die Möglichkeit, die ganze Natur in ihrer Schönheit und Einzigartigkeit zu bewundern. Dann lernen sie nicht nur, dass Frösche gar nicht „Quak“ machen, sondern auch, wie bezaubernd diese Welt ist, in der sie leben. Auf dass sie hoffentlich in der Zukunft damit gut umgehen und nicht verlernen, welchen Zauber sie für sie bereithält.

Kräuterspirale für den Garten selbst anlegen

Das Wochenende steht mit gutem Wetter vor der Tür. Bei gutem Wetter sind wir gerne im Garten und im Sommer ist am Samstag immer unser Grilltag. Für dieses Wochenende zeige ich Euch deswegen heute eine schöne DiY-Idee, die recht schnell geht, mit Kindern Spaß macht und dazu noch das Grillfest oder Eure Küche bereichtert: das Anlegen einer Kräuterspirale. Weiterlesen

Neue Wege – Mütter und ihre Jobs: Bettina M. Kreissl Lonfat von der Agence Philosophique

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Bettina Kreissl Lonfant hat Philosophie studiert. Etwas, womit man „alles oder nichts“ machen kann. Zuerst an der Universität, hat sie diese Arbeit aber mit Kindern nicht mehr machen können – es entsprach nicht ihren Vorstellungen über das Leben mit Kindern. Der Versuch, alles zu managen hat sie bis zum Burnout gebracht und schließlich dazu, einen ganz neuen Weg zu gehen: die Agence Philosophique zu gründen.

1. Was hast Du früher gemacht/wo hast Du früher gearbeitet?

Bevor ich 2010 das erste Mal schwanger wurde, war ich schon ein paar Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin und Forscherin am Institut für Mittelalterliche Philosophie an der Universität Genf und davor an der Uni Fribourg. Dann musste ich wegen mangelnden Forschungsgeldern und fehlendem ‘Markt’ für meine Forschung und kritischen Texteditionen, umsatteln. Ich wurde also Persönliche Assistentin und Administratorin in einem komplett anderen Forschungsgebiet. Und schnell kam wieder die Philosophie ins Spiel und ich begann umzusatteln und mich im Ethikdiskurs rund um die Forschung an Mumien an der Universität Zürich einzubringen.

2. Warum wolltest Du nach der Geburt/Elternzeit einen neuen Weg gehen?

Das war ein völlig organischer Prozess und es schlichen sich so gewisse innere Überzeugungen ein, über die ich mich vorher nicht direkt reflektiert hatte.
Als ich mit meiner grossen Tochter (heute 3,5 Jahre alt) schwanger war, waren wir eben quer durchs halbe Land umgezogen und ich hatte eine Vollpensums-Stelle mit einem völlig neuen Arbeitsrhytmus angetreten.
Als ich aufwuchs, und durch mein gesamtes Studium, in sämtlichen Phasen habe ich mir nie ein einziges Mal die Frage nach ‘Kinder oder Karriere?’ gestellt. Ist doch gar kein Problem, oder? Wir sind die erste Generation Frauen, die sich darum keine Sorgen mehr machen müssen. Ist doch alles nur eine Frage der Überzeugung, des Ehrgeizes und der Organisation. Ich mach Grundlagenforschung, arbeite mit den Besten meines Gebiets zusammen und kümmere mich um meine Familie. Dafür haben doch unsere Vor-Streiterinnen gekämpft. Und schliesslich haben das ein paar Frauen vor mich auch schon so gemacht. Oder?
Oder.
Ich hatte alles.
Die besten Vorsätze.
Die besten Ideale einer Karrierefrau.
Den Ehemann, der sich nichts sehnlicher wünschte als zu Hause bei den Kindern bleiben zu können. Zumindest für ein paar Jahre.
Die Stelle, die es mir erlaubte meine Familie zu ernähren und meinem Mann seine Forschung von zu Hause weiter zu betreiben.
Nur manchmal reicht das Beste einfach nicht aus. Nämlich dann, wenn man gegen sein Innerstes anpowern will. Das war die härteste Lektion überhaupt.
Ich wollte irgendwann auf 80% Anstellung runter, weil mir die Zeit für meine Tochter fehlte und ich merkte, dass etwas mit mir nicht mehr in Ordnung war. Ich war konstant ungeduldig, gehetzt, frustriert. Wurde vom Zeitplan, dem Chef und den diversen Aufgaben komplett aufgerieben. Wenn ich im Büro das Licht ausmachte, hatte ich das Gefühl mich davon zu stehlen: nicht genug Zeit alles fertig zu machen. Und wenn ich montags ins Büro kam, hatte ich das Gefühl mich wieder für eine Woche aus dem Leben meiner Tochter zu verabschieden.
Die Anstellung konnte ich reduzieren. Das Arbeitspensum blieb dasselbe. Weniger Bezahlung, gleiche Arbeit. Da nahm niemand Rücksicht. Weder auf meine Gesundheit, die langsam nicht mehr mitspielte (ich hatte einen doppelten Bandscheibenvorfall, wurde immer gereizter, fühlte mich kurz vor dem Ertrinken), noch auf mein vehementes Einfordern von versprochenen Verbesserungen.
Dann wurde meinem Mann eine Traumstelle in Oxford angeboten. Befristet. Aber DER Platz, den er sich immer gewünscht hatte. Und ich.
Also los. Krippenplatz suchen.
Was ich dann hier in der Region Zürich erlebte, gehört zu den übelsten Kapiteln in Sachen Familienpolitik und Schweiz, die man sich vorstellen kann. Von rüden Beschimpfungen am Telefon à la ‘Sie bilden sich aber nicht ein, mit dieser Geschichte von der Warteliste zu springen, oder?’ bis hin zu Vorhaltungen und pädagogisch-verkleideten Druckversuchen mir einen völlig anderen Wochenplan aufzudrücken, war da alles dabei. Einmal wurde mir auch einfach das Telefon aufgehängt. Warum weiss ich bis heute nicht. Und plötzlich war ich vom ‘ich weiss noch nicht mal ob ich bereit bin meine Tochter in die Krippe zu schicken’ -Zustand, bei einem Tag in der Woche und dann direkt bei der einzigen Krippe, die uns nehmen wollte, bei drei Tagen die Woche.
Und aus einem Kompromiss wurde eine Serie an Kompromissen. Ich fühlte mich völlig überrumpelt. Und unwohl. Nichts davon passte in unsere Idee der Erziehung. Bindungsnah. Engagiert. Positiv. Gewaltfrei. Druckfrei.
Ich erinnere mich noch, als ich meinen Mann unter Tränen anrief und ihm erklärte, dass ich das nicht könne. Ich konnte meine Tochter nicht unter diesen Umständen in andere Hände geben. Völlig undenkbar. Ich stand vor einer mir völlig unbekannten Situation. Was mir noch Monate vorher völlig normal erschien, fühlte sich plötzlich völlig falsch an.
Also zurück auf Anfang. Wir tauschten uns mit den Grosseltern aus. Und meine Schwiegermutter war glücklich für 2 Tage die Woche aus dem Wallis nach Zürich zu kommen (3h Zugfahrt). Und eine Weile ging das auch sehr gut. Die Gefühle des Gehetztseins blieben. Und die Frustrationen begannen immer tiefer zu gehen.
Bald wurde bei mir ein Burnout diagnostiziert. Und ich musste feststellen, dass ich an dem Arbeitsort für den ich viel gegeben hatte, quer durchs Land gezogen war, wissenschaftlich komplett umgesattelt hatte, plötzlich nicht mehr erwünscht war.
Ich wurde wieder schwanger – unerwartet, aber absolut gewünscht. Und obwohl die Regeln klar sind, wurde mein Vertrag nicht erneuert.
Da wurde mir klar, dass ich an der Universität, wie sie heute strukturiert ist und geführt wird, keine Zukunft mehr habe. Nicht mit meinen Grundsätzen und wenn ich meine Gesundheit für mich, meine Familie und besonders meine Kinder behalten wollte. Nicht, wenn ich leben wollte, woran ich glaubte, statt es einfach nur zu lehren oder zu beschrieben.
Also wieder auf Anfang. Mit allem. Weg aus der Deutschschweiz. Weg aus Ballungsgebieten. Rein in die Natur. Rein in die Französische Schweiz. Rein in die Ungewissheit. Hier fand mein Mann eine Teilzeitstelle beim Kanton Wallis, die es ihm mit einem Beschäftigungsgrad von 70% erlaubte so präsent in der Familie und den Kindern präsent zu sein, wie er es sich wünschte.
Nach dem Umzug habe ich mir 6 Monate Zeit genommen um nur bei den Kindern zu sein. Erstmal nur um mein Gefühl von Muttersein wieder zu finden, oder das erste Mal überhaupt richtig zu finden. Ohne Stress, ohne das Gehetzt-sein, ohne Definitionen und Erwartungshaltungen von Chef, Umfeld und Freunden, wie eine moderne Frau ihre Karriere und Kinder zu organisieren habe.
In diesen 6 Monaten konnte ich meinen Frieden machen mit dem Weg von freier Forscherin, zu Vollzeitarbeit, Teilzeitarbeit, unter der Woche Alleinerziehend, bis hin zur Mama, die zu Hause ist.
Und in diesen 6 Monaten konnte ich mich heran tasten an dieses Ungetüm von ‘Selbstständigkeit’ und der eigenen Firma.
Noch völlig überfordert und gerade was Administration anging sehr unsicher – ich hatte beispielsweise Erinnerungslücken aus der Zeit des Burnouts, Konzentrationsschwächen und war schnell überfordert – habe ich mir die Freiheit genommen mich so zu organisieren wie ich es brauchte und nicht, wie die meisten Gründungsratgeber es raten.
Das war der Anfang der Agence Philosophique.
Frei von Druck von aussen. Nur ich und die Idee. Und so arbeite ich heute noch. Ich und das Projekt. Und die Realisierung.

3. Erkläre kurz, was Dir an Deiner Arbeit besonders gefällt.

Dass ich frei bin. Frei von Ausbeutung. Frei mich zu organisieren. Frei Projekte anzunehmen. Oder abzulehnen. Kunden, die mir entgegen arbeiten, abzulehnen.
Und ich habe meine Agentur so aufgebaut, dass ich völlig verschiedene Gebiete vereinen kann.
Von Publikationen im traditionellen Sinn, bis zu Social Media Werbestrategien kann völlig verschiedene Dinge abdecken, die mir Freude machen und in denen ich über die Jahre beinahe nebenbei aus Interesse ziemlich viel Wissen angesammelt habe.
So ist auch der völlig neue Begriff des Inspirationscoaches entstanden. Viele Menschen haben Ideen, die sie ausdrücken möchten und die sie in die Welt bringen wollen. Nur, wie macht man so etwas? Wie arbeitet man mit Inspirationen, Ideen? Wie schafft man gute Arbeitssituationen? Wie brainstormt man? Und wie publiziert man das dann? Wie spricht man mit Verlägen? Agenten? Die Fragen sind endlos und Inspirationscoaches helfen dabei die beste Realisierung für Ideen zu finden. Egal wie gross oder klein sie sind.
Menschen zu inspirieren und ihnen den Nährboden für ihre Ideen zu bieten, ist unglaublich bereichernd. Der Schaffensprozess ist unglaublich verletzlich, besonders bei Menschen, die das nicht jeden Tag tun. Da kann viel kaputt gehen. Hier zu helfen und die beste Form für alle Beteiligten zu finden, ist wirklich wunderbar.

4. Wie gestaltest Du jetzt Deinen Alltag mit dem Job und Deiner Familie?

Meine beiden Töchter sind noch sehr klein: 3,5 und 1,5. Das setzt viel Flexibilität voraus. Mein Mann arbeitet 70%, d.h. ich habe 1 1/2 Arbeitstage. Für kleine Arbeiten wie Website Support, Korrespondenz, Social Media Pflege für Kunden und mich habe ich am Morgen meist eine Stunde Zeit. Am Mittag schlafe ich oft eine halbe Stunde zusammen mit meiner Kleinen. So bin ich sicher, dass ich auch am stressigsten Tag eine Ruhephase zum völligen Abschalten bekomme. Am Abend arbeite ich dann meist noch zwischen einer und zwei Stunden. Dazwischen gehöre ich den Kindern. Im Sommer eher draussen in den Bergen oder beim Rhône unterwegs. Im Winter etwas mehr drinnen am Basteln und mit vielen Geschichten. Die Grosse geht nun regelmässig einen Tag alle zwei Wochen zur Grossmutter, da sie die Zeit mit ihr – meist auch auf einem Waldspaziergang – sehr geniesst.
Zu Hause habe ich ein eigenes Büro mit einem fixen Arbeitsplatz, der auch etwas Rückzugsort ist. Den Tag durch arbeite ich am Laptop und mit einem grossen Notizbuch ohne Linien, wo alle Gedanken und Kundenideen Platz finden. Mein erster Schritt vor allem ist immer noch ein Brainstorm auf Papier. Das setzt eine ganz spezielle Energie frei, die ich bei all meiner digitalen Gadgetliebe, so am PC nie habe realisieren können.
Die Arbeitszeiten meines Mannes und der damit verbundene Freiraum wird schnell benutzt, wenn ich Trageberatungen mache. Gerade Erstberatungen dauern 2h und sind emotional doch sehr anstrengend, weil ich mich voll auf meine Kunden und ihre SItuation einlasse. Da kann dann schon Wochen geben, wo ich viel weniger für die Agentur arbeite. Ich versuche dann als Ausnahme am Wochenende etwas zu kompensieren. Aber meist, lasse ich meine Kunden wissen, wie sich Zeitpläne verschieben. Im besten Fall habe ich aber bereits vorher so organisiert, dass das alles Platz hat.
Meine Kunden lassen mir viel Spielraum, meist, weil ich effizient arbeite. Meine Stundensätze sind hoch, aber meine Stundenabrechnungen meist klein. Das schafft Vertrauen. Und ist in der Kommunikation/Werbe-Branche bspw. selten. Da werden auch schon mal 10 Stunden mehr verrechnet um die Rechnungen aufzublasen. Sowas interessiert mich nicht. Auch hier bin ich völlig meinen eigenen Weg gegangen und habe bewusst alle Unternehmer-Regeln über Bord geworfen.
Ich bin noch dabei zwei Ausbildungen zu Ende zu bringen, und die kommen gerade im Moment, wenn viel los ist, eindeutig zu kurz. Aber: beim einen gehts um Attachment Parenting und beim anderen um die Leche Liga. Beide Institutionen haben einen Grundsatz: die Familie zuerst. Dann Du. Dann wir. Und auch wenn ich da viel mehr machen möchte, trage ichs mich Fassung und sage mir, dass mir dafür noch Zeit bleibt, wenn die Kinder etwas grösser sind.

5. Würdest Du Deinen neuen Job anderen Müttern empfehlen? Wenn ja, warum?

Ja. Sofort. Ich wurde während dem Studium, nach dem Studium, und dann an der Uni… in jeder Etappe also oft gefragt, was man denn mit einem Philosophie-Studium so machen kann. Und meine Antwort war immer dieselbe: alles oder nichts. Die Kunst ist, was wir draus machen. Und so ist es hier auch. Sich selbst treu bleiben heisst eben auch ganz, ganz unangenehme Entscheidungen treffen. Und Bekanntes über Bord werfen. Es hilft, wenn man weiss, was man kann und was man nicht mehr kann. Und nicht mehr will.
Ich musste das erst über ein Burnout lernen. Und dabei war es völlig egal, dass ich die berühmte Work/Life-Balance respektierte. Ich ging jeden Abend um 10 ins Bett, schaute meine Emails nie zu Hause an, und sprach so viel ich konnte mit meinem Mann um Negatives los zu werden. Diese sogenannte Balance rette nicht vor einem Burnout. Aber vor der ganz tiefen Depression. Bestimmt.
Viele meinen, dass man ganz viele Stunden in ein Startup investieren muss, dass man da Businesspläne schreiben und mit Banken reden muss und dass der administrative Aufwand immens ist. Nichts davon ist wahr. Vorausgesetzt man organisiert es sich so, wie man es braucht. Das mag nun überheblich klingen, aber ich wills nicht so verstanden wissen. Darum erklär ich es nochmal mit einem Beispiel von mir: ich wäre nach dem Burnout und mit einer 6-wöchigen Tochter, direkt nach einem Umzug in eine mir praktisch unbekannte Region niemals nicht einen Bussinessplan schreiben, Kreditverhandlungen übernehmen oder Administratives abhandeln können. Ich hatte ein paar Kunden von vorher, für die ich hie und da ein paar Dinge in Sachen Online Publishing erledigt hatte. Administratives stresste mich. Und zusammen mit den burnout-bedingten Erinnerungslücken und Konzentrationsschwächen wusste ich, dass ich mir nicht die Energie und Freude einer neuen Idee mit sowas verunsichern lassen durfte.
Also weg damit. Was beschwert, kann nicht gut sein. Nicht in solchen Situationen. Eigentlich nie.
Also habe ich ein wenig Werbung gemacht, bei bekannten Kunden, meine Seite http://agencephilosophique.ch aufgebaut, mich bei der Ausgleichskasse angemeldet, mir Visitenkarten (für die Agentur und die Trageberatung) bestellt und das wars.
Mehr braucht man (in der Schweiz) nicht. Man darf einen Schritt nach dem anderen machen. Vorausgesetzt, dass man nicht innert der ersten 3 Monate 50% des Familienbudgets erarbeiten muss. Klar.
Aber mein Mann und ich haben uns das sehr genau analysiert und wir machen keine Rücklagen im Moment. Und für grössere Auslagen sparen wir. Unvorhergesehenes… wird so disponiert, wie wir es brauchen. Und ich habe das Glück Schwiegereltern zu haben, die mit Rat und Tat da sind und uns stützen.
Wichtig ist eigentlich nur, dass man seine Bedürfnisse kennt. Es gibt Menschen, die brauchen jeden Monat eine Rücklage auf dem Konto, damit es ihnen gut geht. Es gibt Menschen, die gerne ein Haus bauen möchten, um bei sich zu Hause zu sein. Es gibt Menschen, die können keine Occasionsautos kaufen, sondern möchten ein Leasing aufnehmen. Und es gibt Menschen, die brauchen nur innere Ruhe. Ich gehöre zu den letzteren und ich brauche im Moment keine Rücklage und auch kein Eigenheim. Und im Gebrauchtwagen rumfahren, stört mich nicht. Mir gehts gut dabei. Weil ich unter Höchstdruck und Stress meine Bedürfnisse analysieren und anhören musste.
Und das würde ich jedem empfehlen. Ganz, ganz dringend.
Richtet Euch Euer Leben so ein, dass Platz für Eure Bedürfnisse da ist. Nicht die vermeintlichen Wünsche, die manchmal von unseren Eltern auf uns projieziert werden und die wir dann kaum noch von uns selbst unterscheiden können. Nein, unsere innersten Bedürfnisse. Deren Unterdrückung uns krank macht.
Dafür arbeite ich jeden Tag, dass Mütter sich frei organisieren können und dürfen. Und darum erwähne ich hier auch noch eines meiner Herzensprojekte: die MUnternehmerinnen. Eine Initiative von mir uns zwei Unternehmerinnen, die Müttern Coaching und Unterstützung für die Gründung ihres eigenen Unternehmens bringt. Damit Bedürfnisse angehört werden. Nicht nur die unserer Kinder, sondern auch unsere. Als Karrierefrauen. Und Frauen mit Karriere.

Vielen Dank an Bettina für das Interview. In der nächsten Woche findet Ihr hier das Interview mit Eva Ella Hartmann  von ringelmiez . Hast Du auch einen Job, den Du hier vorstellen möchtest? Dann schreib mir an [email protected]

Bisher in dieser Reihe erschienen sind Interviews mit Anna Luz de León von BerlinMitteMomRamona Weyde-Ferch von jademond.de,Stephanie Oppitz von der Windelmanufaktur, und Simone Janke als me&i-Beraterin.

Auch Elke Peetz hat sich des Themas angenommen und zeigt hier 100 Probleme und 100 Lösungen von FrauenAlex Kahl ruft zu einer Blogparade zum Thema familienfreundliche Arbeitgeber auf.

 

Wann wirst Du eigentlich wieder schwanger?

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Momentan ist Schwangerschaft in meinem Bekanntenkreis ein großes Thema. Viele Freunde bekommen gerade ihre ersten oder zweiten Kinder. Doch nicht nur das ist gerade ein großes Thema. Denn immer wieder werde ich gefragt: „Wann wirst Du denn wieder schwanger?“ Es erscheint fast, als würde die ganze Welt erwarten, ja geradezu sicher sein, dass ich nicht nur zwei Kinder in diesem Leben haben werde. Ist es denn so, dass man, hat man erst einmal zwei Kinder, in den Augen anderer gleich eine aufblühende Großfamilie ist?

Heute habe ich mal wieder Sachen in die Kiste gelegt, die dem Sohn zu klein geworden sind. Dabei habe ich mich mal wieder gefragt, warum ich diese Dinge überhaupt aufhebe und ob ich sie aufhebe für ein weiteres eigenes Kind. Dabei sind mir die Sätze eingefallen, die ich in den letzten Wochen gehört habe:

 

Freundin 1: „Wann wirst Du wieder schwanger?“

Ich: „Keine Ahnung, ich habe nichtmal meine Tage bisher. Ich stille noch so viel.“

Freundin 1: „Und danach wirst Du bald wieder schwanger? Du bist ja auch schon bald Mitte 30…“

Ich: „Ich weiß es nicht…“

 

Freundin 2: „Habt Ihr schon überlegt, wann ihr Kind 3 bekommen wollt?“

Ich: „Wir wissen noch nicht, ob es Kind 3 überhaupt geben wird.“

Freundin 2: „Aber ihr solltet schon bald darüber nachdenken, denn Du kannst ja nicht wieder arbeiten gehen und dann kurz darauf schon wieder aussetzen. Das macht sich nicht so gut als Selbständige. Oder wie hast Du Dir das vorgestellt?“

Ich: „Ich weiß es nicht…“

 

Freund: „Und wann bekommt Ihr das nächste Kind?“

Ich: „Äh, keine Ahnung, ob wir überhaupt noch eins bekommen!“

Freund: „Aber Du als Kleinkindpädagogin… Gehört es nicht gewissermaßen zu Deinem Job, noch mehr Kinder zu bekommen?“

Ich: „Ich glaube nicht.“

Freund: „Aber so aus beruflichen Gründen musst Du doch schon immer am Ball bleiben.“

Ich: „Ich weiß aber nicht, ob auf diese Art…“

 

Arzthelferin: „Ach, Frau Mierau! Sind sie schwanger?“

Ich: „Nein!?“

Arzthelferin: „Na ich dachte ja nur so. Die zwei wollen ja sicher nicht allein bleiben. Und bei der Situation mit den Hebammen, da muss man sich ja schon ran halten, wenn man das Kind nicht allein kriegen will.“

Ich: „Äh, ja. Also ich hab mir da jetzt speziell wegen der Hebammen eigentlich noch nicht so Gedanken darüber gemacht…“

Arzthelferin: „Ja, das muss man aber auch mitbedenken heute.“

Ich: „Also ich weiß nicht…“

 

Tochter: „Mama, bekommen wir bald wieder ein Baby?“

Ich: „Warum? Sehe ich so aus?“

Tochter: „Na… Ja. Wenn wir ein Baby bekommen, dann aber eine Schwester, ja?“

Ich: „Ich weiß es nicht!“

 

Studienfreundin in der Straßenbahn: „Ach, das wievielte Kind ist das jetzt?“

Ich: „Das ist mein zweites Kind.“

Studienfreundin in der Straßenbahn: „Von wievielen?“

Ich: „Na von zweien!“

Studienfreundin in der Straßenbahn: „Ach, erst? Das ist doch aber sicher nicht das letzte, oder?“

Ich: „Ich weiß es nicht!!!“

 

Ich weiß wirklich nicht, wohin mich mein Weg führt. Der Sohn ist auch sehr überraschend in mein Leben gestolpert. Dass er so stürmisch und eigenwillig erschienen ist, hat mich am Anfang überrascht, doch ich würde ihn nun nie missen wollen. Vielleicht geht es mir so auch bei einem dritten Kind? Manche Dinge kann ich mir nicht vorstellen bis sie eingetreten sind. Ich könnte mir nicht vorstellen, ob ich nun lieber einen Sohn oder eine Tochter haben wollen würde. Wie würde das Leben wohl mit drei Kindern aussehen statt mit zweien?

Die Frage danach, ob wir weitere Kinder bekommen werden, wird die Zeit wohl klären. Ich möchte sie nicht abhängig machen von meinem Alter, von meiner Arbeit oder Erwerbspausen zwischen dem Kinderkriegen. Auch nicht davon, ob sich meine Kinder weitere Geschwister wünschen. Ja, all diese Dinge sind wichtige Aspekte und müssen irgendwann mit bedacht werden. Aber sie sind nicht der Ausschlag für oder gegen ein Kind. Jedenfalls für mich sind sie das nicht. Was tatsächlich der Grund für oder ein weiteres Kind ist? Ich weiß es nicht. Vielleicht das Lachen in unseren vier Wänden, das morgendliche Hopsen von Kindern auf uns, das gemeinsame Essen, bei dem jeder aufgeregt von seinem Tag erzählt, das Strahlen von Kinderaugen, das warme Kuscheln in kalten Nächten. Aber ich bin mir sicher, dass ich an irgendeinem Abend mit meinem Mann zusammen sitzen werde, ich mich an ihn lehne und wir die Antwort darauf finden. Zusammen. Und aus einem „Ich weiß nicht“ wird ein … Ja, ein was wohl?