Monat: Mai 2014

Upcycling: Einen individuellen, zauberhaften Kaufmannsladen für die Kinder gestalten

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Wie Ihr aus meinen Wochenenden in Bildern wisst, liebe ich es, auf Flohmärkten zu stöbern und finde dort gerne schöne Dinge für die Kinder zum Spielen. – Oder Dinge, die einmal schön werden können. Auch bei Ebay Kleinanzeigen suche ich gerne mal nach Dingen oder lasse mich inspirieren für ein neues Projekt. Hier habe ich vor einiger Zeit einen alten Kaufmannsladen erworben, den ich nun endlich aufgearbeitet habe, wie ich es schon lange vorhatte.

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Hier ist der Urzustand des Kaufmannsladens. Es gibt einiges zu reparieren und auszubessern.

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An einigen Stellen wurde er vom Vorbesitzer bestempelt, angemalt und ein paar Stellen müssen neu verleimt werden.

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Zunächst wird das Holz abgeschliffen. So werden Unebenheiten und unschöne Stellen beseitigt.

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Dann trage ich mit einem Pinsel gleichmäßig dünn weiße Holzfarbe auf, ein Farbrest.

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Für den Kaufmannsladen habe ich mir eine kleine Besonderheit überlegt: Er soll ein Apfel-Logo bekommen, dass sich auf dem Kaufmannsladen, auf den kleinen Baumwoll-Einkaufstüten und auch auf kleinen Papiertüten wieder findet.

Auf den Einkaufsladen mache ich einen Apfeldruck mit einem aufgeschnittenen Apfel: Einfach die gewünschte Farbe drauf verteilen und dann aufdrucken. Ich habe vorher ein paar Drucke auf Papier geübt.

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Und so sieht es dann auf Holz aus. Der Apfel ziert die Spitze des Kaufmannsladens.

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Für die Stoff- und Papiertüten habe ich mir extra einen kleinen Stempel anfertigen lassen über den Dawanda-Shop AvieArt „Leckerbissen & Köstlichkeiten“ steht darauf, zusammen mit dem Apfel-Logo. Den Stempel können die Kinder dann auch direkt im Kaufmannsladen benutzen.

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Stofftasche mit Apfeldruck und Stempel

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Aufgehangen werden können die drei Beutel an kleinen blauen Keramikknäufen, die ich extra dafür angebracht habe.

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Auch am Verkaufstisch ist ein solcher Knauf angebracht, an dem die bestempelten Papiertüten für Obst und Gemüse hängen (10 Papiertüten für 0,65€, z.B. bei Modulor).

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Und dann gibt es noch den Inhalt des Kaufmannsladens: Hier gibt es viele Glasflaschen (Bügelverschlussgläser habe ich neu gekauft für 1,50€ hier) mit verschiedenen Inhalten aus dem Garten und der Küche: Nudeln, Kräuter, Steine. Noch mehr Anregungen für die Bestückung des Kaufmannsladens findet Ihr hier.

 

Unaufhaltsam

 

Der Sohn ist nun 19 Monate alt. Er erkennt sich und andere auf Fotos, benennt seine Körperteile und die anderer Menschen. Er spricht in 3-Wort-Sätzen und spielt wunderbar phantastische Spiele. Im Spielkreis hat er in dieser Woche Stühle zusammen geschoben und sagte „Schiff baut! Springt runter!“ und hat sich von den Stühlen fallen lassen. Nachdem seine Schwester am letzten Wochenende drei Treppenstufen hinunter gesprungen ist, wollte er es ihr gleich tun und landete dabei auf der Nase. Überhaut ist alles, was die große Schwester tut, ganz wunderbar und nachahmenswert. Daher beherrscht er auch die Worte „Kacke“, „Scheiße“ und „Eierloch“, die er sehr gerne in für mich unpassenden Situationen hervor bringt. Beispielsweise in einer langen Schlange bei der Post, wenn er schreit „Warten! Kacke!“ Ich distanziere mich dann gerne ausdrücklich von den Worten und versuche mit einem Lächeln über mein errötetes Gesicht hinweg zu täuschen. Aber natürlich lernt er nicht nur Unsinn von der großen Schwester, sondern hat durch die ein besonderes Interesse an Zahlen und Buchstaben und versucht, Treppenstufen zu zählen und schreit mir gerne ins Ohr, wenn er auf der Straße etwas Geschriebenes entdeckt („Schrieben, Mama, schrieben!“).

Ebenso wie die Wörter mit jedem Tag mehr werden und auch das Spiel phantasievoller und variabler, wächst der Sohn unaufhaltsam. Im ersten Lebensjahr war er ziemlich klein und dünn, etwas unterdurchschnittlich in Größe und Gewicht. Nun aber hat er auf einmal quasi über Nacht einen Sprung gemacht. Die 74/80 passte ganz plötzlich nicht mehr. Neue Bodys, neue Hosen und neue Schuhe mussten her. Seinen absoluten Lieblingsbody haben wir bei me&i gefunden: grün mit Zebras. Der Sohn liebt die Zebras, die er Pferde nennt, denn schließlich liebt ja die große Schwester Pferde und er darf sie jedes Wochenende zum Reiten begleiten.

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Und auch wenn er schon über das erste Jahr hinaus gewachsen ist, kann man noch immer von Entwicklungsschüben sprechen. Ich würde sogar bei meiner großen Tochter mit 5 Jahren noch von Entwicklungsschüben sprechen. Wie als kleines Baby sind es Zeiten, in denen er besonders anhänglich ist, besonders viel stillen möchte, viel auf den Arm will. Manchmal lässt er dann auch Dinge, die er schon konnte, wieder weg. Und auf einmal ist sie da, die neue Fähigkeit, das Hüpfen, das Pfeifen. Bei der Tochter ist es nicht mehr so sehr die Anhänglichkeit, wenn der Entwicklungsschub kommt, sondern eher das Gegenteil davon: Das Reiben an Regeln und Normen, die Auseinandersetzung. Oft auch die Zerrissenheit zwischen Autonomie und Anhänglichkeit. Mit 5 Jahren wackelt die Welt, vieles steht auf dem Prüfstand und fügt sich neu zusammen. So ist es für beide Kinder gerade eine aufregende, sich und sie verändernde Zeit.

Warum kein Berufsstand Hebammen ersetzen kann – Ein Erfahrungsbericht

Gerade ist es wieder etwas leiser geworden um den Hebammenprotest, obwohl die Situation noch immer brenzlig ist und keine Lösung bislang gefunden wurde. Doch gerade vor ein paar Wochen wurde mir bei der Arbeit wieder vor Augen geführt, wie wichtig die Arbeit der Hebammen ist:

Ich hatte einen Termin zur Schlafberatung bei einer Mutter mit einem sieben Wochen alten Baby. Telefonisch sagte sie mir vorab, dass ihr Baby erhebliche Schlafprobleme hätte, besonders Probleme mit dem Einschlafen, aber auch die Nächte schlimm seien. Ich fragte nach, erzählte, dass Schlafen eben erst einen Rhythmus finden müsste, dass Aufwachen normal sei, aber sie versicherte, dass ihre Probleme  über das normale Maß hinaus gingen und sie am Ende ihrer Kräfte sei. Bei dem Hausbesuch traf ich tatsächlich eine Frau an, der es nicht gut ging, die schlecht aussah und erschöpft war. Und ein unruhiges Baby. Als ich es betrachtete, hatte ich schon eine Idee, hörte mir aber erst die Geschichte der Mutter an. Neben ihrem Bericht über die aktuelle Lage kamen wir auch schnell auf die Geburt zu sprechen. Sie berichtete, dass das Baby in der 38. Woche geboren wurde. Eine anstrengende Geburt im Kaiserschnitt mit vielen Eingriffen. Sie war emotional noch nicht darauf vorbereitet, dass das Baby schon kommt. Aber es war völlig gesund. Dadurch, dass es früher kam, gab es aber terminliche Probleme bei der Nachsorge: Die Hebamme, die die Nachsorge eigentlich machen sollte, hatte einen Bandscheibenvorfall und konnte sie nicht mehr versorgen. Sie fand auf die schnelle keine neue Nachsorgehebamme. Im Krankenhaus wurde ihr gesagt, sie solle dann einfach zur Frauenärztin gehen und dort nach dem Rechten schauen lassen, ob sich alles gut zurück bilden würde, das sei kein Problem. Sie hatte Stillprobleme von Anfang an, im Krankenhaus wurde ihr auf der Wöchnerinnenstation das Anlegen gezeigt, aber es klappte nicht so recht, die Brustwarzen wurden wund, besonders auf einer Seite, und ihr wurde gesagt, sie müsse zufüttern. Später würde der Kinderarzt weiter beraten und sehen, ob das Kind genügend zunehmen würde. Zu Hause klappte es mit dem Stillen nicht, der Kinderarzt riet zur künstlichen Säuglingsnahrung, da das Kind nicht genügend zunehmen würde. In der zweiten Woche nach der Geburt wurde die Schlafsituation auch immer schlimmer, denn es hatte erhebliche Einschlafschwierigkeiten, schrie viel, ließ sich auch schwer tragen. Sie hielt lange aus, ging immer wieder zum Kinderarzt und vermutete Blähungen, aber es konnte keine Besserung hervor gerufen werden. Sie war am Ende ihrer Kräfte.

Ohne Hebamme – Hilfe kommt fast zu spät

Die Frau hat nichts, nicht die geringste Kleinigkeit „falsch“ gemacht. Sie hat alles gegeben, was sie konnte. Das Problem war: Sie hatte keine Nachsorgehebamme. Die Hebamme hätte sich während eines Hausbesuches zur Nachsorge Zeit genommen, sich das Stillen in Ruhe anzusehen, hätten den Bericht zur Geburt in Ruhe gehört und sich das Kind angesehen. Sie hätte gesehen, dass dieses Kind bei einer Physiotherapie/Osteopathie gut aufgehoben wäre, da es sehr wahrscheinlich eine Blockade hat, die das Stillen behindert und auch Schmerzen in anderen Positionen hervor ruft. Sie hätte ihr früh helfen können, wodurch sie wahrscheinlich nicht mit dem Stillen hätte aufhören müssen und nicht völlig verzweifelt wäre. Aber es war keine Hebamme da, weshalb sie erst sehr spät Hilfe bekommen hat, als sie schon ganz am Ende ihrer Kräfte war.

Hebammen sind durch keinen anderen Berufsstand zu ersetzen

Ja, natürlich gibt es viele andere Berufszweige, die ähnliche Arbeiten verrichten wie Hebammen oder ähnliches Wissen haben wie Hebammen. Aber Hebammen sind die, die zuerst auf die Frau blicken können, die weiterhelfen und erst dann, wenn sie eine zweite Meinung brauchen, weiter verweisen. Und sie sind auch diejenigen, deren Arbeit von den Krankenkassen bezahlt wird (zu gering, aber für die Familien ist es wichtig, dass es jemanden gibt, der nicht privat bezahlt werden muss). Ich habe Kolleginnen, die als Doula arbeiten: Sie können Hebammen nicht ersetzen bei der Geburt. Sie arbeiten mit den Hebammen Hand in Hand, unterstützen sie, aber vor allem die Gebärende in den vielen Kleinigkeiten, für die die Hebamme vielleicht nicht die Zeit oder die Möglichkeit hat – besonders im Krankenhaus. Ich habe Kolleginnen, die als Stillberaterinnen arbeiten und wie ich auch von Hebammen angerufen werden, wenn sie bei Stillschwierigkeiten eine zweite Meinung benötigen oder einen anderen Blick. Früher habe ich im Geburtshaus Friedrichshain, das bereits 2012 schließen musste, für die Hebammen bei Bedarf Hausbesuche zur Stillberatung gemacht und Kurse zur Geburtsvorbereitung gegeben, weil sie einen anderen Schwerpunkt in der Kursarbeit wünschten als klassische Geburtsvorbereitung. Hebammen können Eltern auch einführen in die Möglichkeit, das Kind in einem Tragetuch zu tragen oder an entsprechende Trageberaterinnen weiter verweisen, wenn es den Bedarf gibt oder wenn es spezielle Situationen gibt, die eine besondere Trageberatung erfordern. Hebammen besuchen Frauen im Wochenbett und sehen und erfahren in dieser Zeit alles, was wichtig ist und sind die ersten Ansprechpartnerinnen für alle Belange. Es gibt einfach keinen Beruf, der dies auffangen kann, denn die vielen einzelnen Berufssparten, die sich drum herum gruppieren mit ihrem Fachwissen wie Stillberaterinnen, Trageberaterinnen, Babykursleiterinnen, Osteopathen, Familienbegleiterinnen, Mütterpflegerinnen etc. sind die zweite Anlaufstelle, die aber nicht den ersten Blick ersetzt. Und sie sind meistens privat zu bezahlen – was für viele Familien nicht möglich ist. Es ist wie bei einem Arzt, wenn wir zum Allgemeinarzt gehen und zu einem Spezialisten überwiesen werden. Hebammen sind nicht ersetzbar.

Mit der Hebamme an der Seite bekommen Mütter die Hilfe, die sie brauchen

Glücklicherweise konnte der Mutter und dem Kind geholfen werden. Es schläft nicht durch, aber es schläft besser und weint weniger. Es lässt sich besser in einer Babytrage tragen und auch beruhigen. Der Mutter geht es besser. Nicht super, aber besser. Sie selber muss noch verstehen, dass sie alles getan hat, was sie konnte und es nicht ihre Schuld war, dass ihr Start so schwierig war. Denn so war es. Es ist traurig, dass der Beginn dieser Eltern-Kind-Beziehung ganz anders hätte sein können, wenn die Rahmenbedingungen anders gewesen wären. Und zwar nur eine klitzekleine Änderung wäre nötig gewesen: Eine Nachsorgehebamme, die mit ihrem Fachwissen sofort erkannt hätte, was zu tun ist.

Deswegen: Setzt Euch bitte weiter für den Berufsstand der Hebammen ein. Sie haben es verdient, aber vor allem habt Ihr es verdient, die Hilfe zu bekommen, die ihr benötigt! Bevor Ihr am Ende Eurer Kräfte seid. 

 

Von #aufschrei und #schauhin in Kinderbüchern

Dr.Dolittle

Es gibt Bücher, die ich nicht kaufe, wenn ich sie im Bücherladen sehe. Conny ist so ein Beispiel. Mein Mann hat darüber einmal ausführlich geschrieben. Und dann gibt es Bücher, die sogar dieses flaue Gefühl im Magen noch übertreffen und auf der Liste der nicht-vorlesbaren Bücher landen. Dabei meine ich gar nicht mal die Bücher, von denen eigentlich heute klar sein sollte, dass sie eben keine Kinderbücher sind wie „Struwwelpeter“ oder „Max und Moritz“. Ich meine Bücher, die oft auch etwas subtiler Dinge vermitteln, die Kinder nicht vermittelt bekommen sollten. In meiner Vorlesegeschichte als Mutter bin ich dabei bisher auf diese Bücher gestoßen, die ich mit #aufschrei und/oder #schauhin markieren würde:

Hugh Lofting „Doktor Dolittle und seine Tiere“, erstmals 1920 erschienen, derzeit in der 6. Auflage (2011) im Dressler Verlag, worin es u.a. heißt:

Aber Du musst diesen Neger weiß machen. Denk dir was aus, denk gründlich nach. Du hst doch noch viel Medizin in deiner Tasche. Er tut alles für dich, wenn Du seine Farbe änderst. […]

An diesem Abend kam Bumpo heimlich zum Doktor ins Gefängnis und sagte: „Weißer Mann, ich bin ein unglücklicher Prinz. Vor Jahren bin ich auf die Suche nach Dornröschen gegangen, von der ich in einem Buch gelesen hatte. Als ich viele Tage durch die Welt gereist war, habe ich sie endlich gefunden und sehr sanft geküsst, um sie aufzuwecken – wie man es nach dem Buch tun soll. Si eist tatsächlich aufgewacht. Aber als sie mein gesicht gesehen hat, da schrie sie: ‚Ach, der ist ja schwarz!‘ Und sie ist weggerannt und wollte mich nicht heiraten, sondern hat sich irgendwo anders wieder schlafen gelegt. […] Wenn Du mich weiß machst, damit ich zu Dornröschen zurückkehren kann, sollst du die Hälfte meines Königsreiches erhalten und außerdem alles, was du dir wünschst.

Im Nachwort führt Elke Heidenreich zu dieser Stelle auf:

Später im Buch begegnen wir noch dem schwarzen Prinzen Bumpo, der unbedingt weiß werden will, und warum? Weil er Dornröschen wachgeküsst hat, und die dumme Gans hat erschrocken aufgeschrien, als sie sein schwarzes Gesicht sah. Rassistisch? Ja, vielleicht allenfalls dem dämlichen Dornröschen gegenüber, aber als der Doktor eine Salbe anrührt, die sich Prinz Bumpo aufs Gesicht schmiert und von der er tatsächlich hellhäutig wird, sagt Dolittle betrübt: ‚Ich finde, früher hat er besser ausgesehen.‘

Eine komisch-kindliche Darstellung von Schwarz und Weiß kann ich nicht als rassendiskriminierend empfinden.

Also ich schon. Und deswegen haben wir das Buch nicht vorgelesen. In Pipi Langstrumpf (Oetinger Verlag) hingegen wurden alle rassischsten Bezeichnungen entfernt und angepasst, so dass dort heute von „Südseekönig“ und Taka-Tuka-Sprache gesprochen wird. Schade, dass das im Dressler Verlag anscheinend anders gesehen wird.

Weitaus jüngeren Datum sind „Die schönsten Kindermärchen“ von Sophie Reinheimer (1985), indem ich u.a. diese #aufschrei-Stelle fand:

„Er hat recht“, dachte der Sonnenstrahl, „Hochzeit machen ist wunderschön, das allerschönste! Ich werde jetzt auch Hochzeit machen, ich werde mir jetzt auch eine Frau suchen. […]

An demselben Strauche, auf einem grünen Blatte, sah er eine blinkende Tautropfenperle liegen. Die gefiel ihm gleich sehr gut. Als er sie näher betrachtete, funkelte sie in allen Regenbogenfarben – rot, grün, gelb, blau und lila. Das gefiel ihm noch besser.

„Willst Du meine liebe kleine Frau sein?“ fragte er sie. Die Tautropfenperle antwortete nicht, sie zitterte nur ein wenig. Da dachte der Sonnenstrahl: „Das heißt gewiß ‚Ja‘ bei ihr“ und gab ihr gleich einen Kuß. Und dann noch einen – und noch einen…

Ach – du lieber Gott – was war denn das? Bei jedem Kusse wurde die Tautropfenperle ja kleiner. Es war schon fast gar nichts mehr von ihr übrig. Na – da bekam der Sonnenstrahl einen kleinen Schreck“ „Gott bewahre mich!“ dachte er – „eine Frau, die noch nicht mal einen Kuß vertragen kann – nein, die taugt nicht für mich.“

Und dieses Buch taugt nicht für mein Kind, dem ich nicht beiläufig vermitteln möchte, dass sich irgendjemand liebe kleine Frauen sucht, ihre Signale gewiss fehlinterpretiert werden können und ihnen dann auch noch die Schuld gegeben wird.

 

Jüngere Literatur – subtilerer Sexismus/Rassismus

Jüngeren Datums, aber deswegen auch nicht ganz frei von subtilem Sexismus/Rassismus sind die beiden folgenden Bücher:

Paul Maars Bücher sind allseits bekannt, besonders das „Sams“. Sehr schön geschrieben ist auch die Reihe um „Herrn Bello“. Das zweite Buch „Neues von Herrn Bello“, 2006 bei Oetinger erschienen, weist jedoch auch eine befremdliche Stelle über den typischen Franzosen auf, über die wir beim Vorlesen gestolpert sind:

„Wir haben Zeit. Onkel Astor steht bestimmt nicht vor zehn Uhr auf. In unserem Französischbuch gibt es einen Monsieur Dupont, der steht auch erst um zehn Uhr auf. Da ist es allerdings Sonntagmorgen. Aber vielleicht machen das die Franzosen auch werktags.“

Ich persönlich bin großer Fan von A.A. Milnes „Pu der Bär“. Freudig haben wir dann auch David Benedictus „Pu der Bär – Rückkehr in den Hundertsechzig-Morgen-Wald“ gekauft, das 2009 bei Dressler erschienen ist. Darin gesellt sich zu der lustigen Truppe von Christopher Robin, Pu, Ferkel und I-Ah die Otterfrau Lotti als erste weibliche Gestalt in der Gruppe:

Dann eines Tages, von dem einige sagten, er wäre bisher der heißeste, und andere, er wäre überhaupt der heißeste, kam etwas Langes und Schlängeliges und Pelziges und Schnurrbärtiges aus dem, was einst ein Fluss gewesen und was nun kaum mehr eine schlammige Stelle war. „Was“, sagte das braunseidene schlängelige Ding, setzte sich kerzengrade auf und sah sich mit wachen Augen um, „soll denn wohl eine Otterfrau, die auf sich hält, anstellen, wenn sie kein Bad nehmen kann? Und“, fügte sie hochnäsig hinzu, „wenn sie nichts zu essen hat? Oh, là, là?“ […] „Ich heiße Lotti“, verkündete sie. „Seht ihr meinen feinen Pelz, der die Farbe von Silber hat, wenn die Sonne darauf scheint, und von Zinn, wenn der Himmel bedeckt ist? Und seht ihr“, fügte sie hinzu, „meine goldenen Augen und meinen langen Schwanz, den ich „mein Ruder“ nenne? Er wird weithin wegen seiner Länge und Biegsamkeit bewundert. Und hütet Euch“, schloss sie, „vor meiner roten Zunge und meinen weißen Zähnen. Sie sind scharf genug, das kann ich euch versprechen, wenn sie scharf sein sollen.“

Schade, dass ein solches Bild der Frau in ein an ein so schönes Werk anknüpfendes Buch geschrieben wird. Warum muss die Otterdame ausgerechnet diese Eigenschaften haben? Aus den „Pu der Bär“-Büchern ist bekannt, dass die Eigenschaften der Tiere gerne mit Persönlichkeitsstörungen verbunden werden. Doch was möchte der neue Autor uns mit dem neuen Charakter der Otterdame sagen? Frausein als Persönlichkeitsstörung?

 

Buchwahl mit Bedacht

An dieser Stelle ende ich diesen Artikel, obwohl es noch zahlreiche weitere Beispiele gibt. Wählt Bücher für Eure Kinder mit Bedacht aus und überlegt, welche Dinge ihr ihnen übermittelt und mit welchen Geschichten sie groß werden sollen. Denn all diese Geschichten und Charaktere prägen ihr Aufwachsen. Sie sind wichtig für Eure Kinder.

Wenn ich in mir bisher unbekannten Geschichten solche Passagen lese, überspringe ich sie oder gestalte sie um. Bei Dr. Doolittle haben wir aber der Tochter erklärt, dass wir das Buch nicht mehr weiter lesen, weil wir mit der Geschichte nicht überein stimmen.

Vielleicht seht Ihr das anders? Oder fallen Euch weitere Geschichten mit ähnlichen Inhalten ein? Euer Feedback interessiert mich!

„Die machen ja gar nicht ‚Quak‘!“ – Über die Bedeutung von Naturerfahrungen für Kinder

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Heute war die gesamte Familie im Wald spazieren. Wir haben und Pflanzen angesehen, die Tochter ist einen Hochstand hinauf geklettert, wir haben Nacktschnecken und Mistkäfer bewundert. Ein Laubfrosch hüpfte uns über den Weg. Und dann gab es diesen Moment, als wir laute Geräusche hörten. Wir entdeckten einen kleinen See und darin quakten lautstark die Frösche. Die Tochter war begeistert und lauschte andächtig. „Komm, wir gehen weiter!“ sagte ich nach einiger Zeit zu ihr. Aber sie hielt inne und sagte: „ich möchte den Fröschen noch etwas zuhören!“ Am Abend im Bett fragten wir sie wie jeden Tag, was heute das Schönste für sie war. „Grillen, ein Eis… Und die Frösche! Die Frösche im Wald. Frösche machen nämlich gar nicht ‚Quak‘. Die machen ganz anders. Und ich habe sie gehört und weiß jetzt, wie sie wirklich klingen.“

Dieses kurze Gespräch verdeutlichte mir einmal mehr, wie wichtig es ist, dass Kinder elementare Erfahrungen machen dürfen. Kräuter schmecken, Gänseblümchen pflücken und die Blütenblätter essen, Tiere streicheln, die Füße ins kalte Seewasser tauchen, mit den Händen im Matsch wühlen, den Tieren zuhören und ihre Sprache kennen lernen. Kinder verstehen die Welt, wenn wir sie zuhören lassen. Wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, die Welt mit allen Sinnen zu begreifen – im wahrsten Sinne des Wortes. Kinder brauchen diese Möglichkeiten, um sich ein Bild von der Welt machen zu können, in der sie leben. Und damit auch zu verstehen, wie wichtig diese Welt ist und wie erhaltenswert, wundersam und schön.

Deswegen: Lasst Eure Kinder den Fröschen, Hähnen und Katzen lauschen. Lasst sie Erde in den Händen zerreiben und Blumen am Wegrand pflücken. Gebt ihnen die Möglichkeit, die ganze Natur in ihrer Schönheit und Einzigartigkeit zu bewundern. Dann lernen sie nicht nur, dass Frösche gar nicht „Quak“ machen, sondern auch, wie bezaubernd diese Welt ist, in der sie leben. Auf dass sie hoffentlich in der Zukunft damit gut umgehen und nicht verlernen, welchen Zauber sie für sie bereithält.

Kräuterspirale für den Garten selbst anlegen

Das Wochenende steht mit gutem Wetter vor der Tür. Bei gutem Wetter sind wir gerne im Garten und im Sommer ist am Samstag immer unser Grilltag. Für dieses Wochenende zeige ich Euch deswegen heute eine schöne DiY-Idee, die recht schnell geht, mit Kindern Spaß macht und dazu noch das Grillfest oder Eure Küche bereichtert: das Anlegen einer Kräuterspirale. Weiterlesen

Wann wirst Du eigentlich wieder schwanger?

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Momentan ist Schwangerschaft in meinem Bekanntenkreis ein großes Thema. Viele Freunde bekommen gerade ihre ersten oder zweiten Kinder. Doch nicht nur das ist gerade ein großes Thema. Denn immer wieder werde ich gefragt: „Wann wirst Du denn wieder schwanger?“ Es erscheint fast, als würde die ganze Welt erwarten, ja geradezu sicher sein, dass ich nicht nur zwei Kinder in diesem Leben haben werde. Ist es denn so, dass man, hat man erst einmal zwei Kinder, in den Augen anderer gleich eine aufblühende Großfamilie ist?

Heute habe ich mal wieder Sachen in die Kiste gelegt, die dem Sohn zu klein geworden sind. Dabei habe ich mich mal wieder gefragt, warum ich diese Dinge überhaupt aufhebe und ob ich sie aufhebe für ein weiteres eigenes Kind. Dabei sind mir die Sätze eingefallen, die ich in den letzten Wochen gehört habe:

 

Freundin 1: „Wann wirst Du wieder schwanger?“

Ich: „Keine Ahnung, ich habe nichtmal meine Tage bisher. Ich stille noch so viel.“

Freundin 1: „Und danach wirst Du bald wieder schwanger? Du bist ja auch schon bald Mitte 30…“

Ich: „Ich weiß es nicht…“

 

Freundin 2: „Habt Ihr schon überlegt, wann ihr Kind 3 bekommen wollt?“

Ich: „Wir wissen noch nicht, ob es Kind 3 überhaupt geben wird.“

Freundin 2: „Aber ihr solltet schon bald darüber nachdenken, denn Du kannst ja nicht wieder arbeiten gehen und dann kurz darauf schon wieder aussetzen. Das macht sich nicht so gut als Selbständige. Oder wie hast Du Dir das vorgestellt?“

Ich: „Ich weiß es nicht…“

 

Freund: „Und wann bekommt Ihr das nächste Kind?“

Ich: „Äh, keine Ahnung, ob wir überhaupt noch eins bekommen!“

Freund: „Aber Du als Kleinkindpädagogin… Gehört es nicht gewissermaßen zu Deinem Job, noch mehr Kinder zu bekommen?“

Ich: „Ich glaube nicht.“

Freund: „Aber so aus beruflichen Gründen musst Du doch schon immer am Ball bleiben.“

Ich: „Ich weiß aber nicht, ob auf diese Art…“

 

Arzthelferin: „Ach, Frau Mierau! Sind sie schwanger?“

Ich: „Nein!?“

Arzthelferin: „Na ich dachte ja nur so. Die zwei wollen ja sicher nicht allein bleiben. Und bei der Situation mit den Hebammen, da muss man sich ja schon ran halten, wenn man das Kind nicht allein kriegen will.“

Ich: „Äh, ja. Also ich hab mir da jetzt speziell wegen der Hebammen eigentlich noch nicht so Gedanken darüber gemacht…“

Arzthelferin: „Ja, das muss man aber auch mitbedenken heute.“

Ich: „Also ich weiß nicht…“

 

Tochter: „Mama, bekommen wir bald wieder ein Baby?“

Ich: „Warum? Sehe ich so aus?“

Tochter: „Na… Ja. Wenn wir ein Baby bekommen, dann aber eine Schwester, ja?“

Ich: „Ich weiß es nicht!“

 

Studienfreundin in der Straßenbahn: „Ach, das wievielte Kind ist das jetzt?“

Ich: „Das ist mein zweites Kind.“

Studienfreundin in der Straßenbahn: „Von wievielen?“

Ich: „Na von zweien!“

Studienfreundin in der Straßenbahn: „Ach, erst? Das ist doch aber sicher nicht das letzte, oder?“

Ich: „Ich weiß es nicht!!!“

 

Ich weiß wirklich nicht, wohin mich mein Weg führt. Der Sohn ist auch sehr überraschend in mein Leben gestolpert. Dass er so stürmisch und eigenwillig erschienen ist, hat mich am Anfang überrascht, doch ich würde ihn nun nie missen wollen. Vielleicht geht es mir so auch bei einem dritten Kind? Manche Dinge kann ich mir nicht vorstellen bis sie eingetreten sind. Ich könnte mir nicht vorstellen, ob ich nun lieber einen Sohn oder eine Tochter haben wollen würde. Wie würde das Leben wohl mit drei Kindern aussehen statt mit zweien?

Die Frage danach, ob wir weitere Kinder bekommen werden, wird die Zeit wohl klären. Ich möchte sie nicht abhängig machen von meinem Alter, von meiner Arbeit oder Erwerbspausen zwischen dem Kinderkriegen. Auch nicht davon, ob sich meine Kinder weitere Geschwister wünschen. Ja, all diese Dinge sind wichtige Aspekte und müssen irgendwann mit bedacht werden. Aber sie sind nicht der Ausschlag für oder gegen ein Kind. Jedenfalls für mich sind sie das nicht. Was tatsächlich der Grund für oder ein weiteres Kind ist? Ich weiß es nicht. Vielleicht das Lachen in unseren vier Wänden, das morgendliche Hopsen von Kindern auf uns, das gemeinsame Essen, bei dem jeder aufgeregt von seinem Tag erzählt, das Strahlen von Kinderaugen, das warme Kuscheln in kalten Nächten. Aber ich bin mir sicher, dass ich an irgendeinem Abend mit meinem Mann zusammen sitzen werde, ich mich an ihn lehne und wir die Antwort darauf finden. Zusammen. Und aus einem „Ich weiß nicht“ wird ein … Ja, ein was wohl?