Monat: April 2014

Aus dem Bücherregal im April

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Es grünt und blüht überall. So auch in unserem Bücherregal, denn hier sind gerade Frühling und Blumen allgegenwärtig. Für die Kinder ist es toll, das, was sie überall sehen, in Büchern noch einmal zu Hause nachzuerleben. Heute gibt es deswegen einen kleinen Einblick in unser Bücherregal und die Lieblingsbücher momentan.

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Der Klassiker der Jahreszeitenbücher ist natürlich „Das Jahreszeitenbuch„, das uns nun schon seit einigen Jahren begleitet und immer wieder Freude bereitet. Darin finden sich schöne Anregungen für jede Jahreszeit: Geschichten, Lieder, Bastelideen und Rezepte, um den Lauf des Jahres zu begleiten und für Kinder verständlich zu machen. Die Tochter mag die Geschichten, der Sohn lauscht den Liedern oder bastelt auch hier und da mit.

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Ebenso ein Klassiker ist auch die Bilderbuch-Jahreszeitenreihe aus dem Verlag Urachhaus. Für den Sohn mit 18 Monaten ist das Buch „Frühling“ gerade aktuell. Auf den Bildern gibt es immer wieder neue Dinge zu entdecken und benennen und es bereitet Freude, gemeinsam über das bunte Aprilwetter zu staunen oder den Feentanz zu betrachten.

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Was wächst denn da?“ ist eine meiner Neuentdeckungen, die mir die Buchhändlerin kürzlich empfohlen hat. Hier wird ein Jahr in Opas Garten vorgestellt: Kinder erfahren Wissenswertes über Gemüse-Familien, über den Anbau von Gemüse, über Insekten und den gesamten Weg vom Beet in den Gemüseladen. Es ist schon recht anspruchsvoll und daher für Kinder im Vorschul- und Schulalter geeignet, die Tochter mit ihren 5 Jahren schaut es sich gerne mit mir an und bekommt daraus vorgelesen.

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Als passendes Bastelbuch hat sie dazu noch das „aktiv-Heft Pflanzen„, in dem Pflanzen ausgemalt, Aufkleber verklebt, Spiele gespielt und Bastelideen vorgestellt werden. Eine schöne Ergänzung für ruhige Bastelzeiten oder Momente, in denen ich mich mehr um den Sohn kümmern muss und die Tochter allein spielt. Besonderen Gefallen hat sie an dem Aufkleben der Blätter an den richtigen Baum gefunden.

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Am Wochenende sind wir ja gerne draußen in der Natur. Weil beide Kinder gerne Blumensträuße pflücken, habe ich als Begleitbuch für unsere Spaziergänge das Buch „Mein erstes Was blüht denn da?“ gekauft. Darin sind nach Blütenfarbe verschiedene einheimische Blumen aufgeführt mit der Angabe, ob sie giftig sind oder nicht und zahlreichen weiteren Informationen. Ein ganz wunderbarer Begleiter auf Spaziergängen und Wanderungen und nicht selten lerne ich auch noch etwas dazu. Für alle Naturliebhaber also ein super Taschenbuch!

Und was steht bei Euch gerade im Bücherregal ganz vorne?

* Der Link zum Buch ist ein Affiliate-Link zu Amazon, durch den ich im Falle einer Bestellung eine Provision erhalte ohne dass für Euch Mehrkosten anfallen. Das Buch ist unabhängig davon aber auch im Buchhandel, bei Buch7 oder anderen Shops erhältlich

Löwenzahnhonig selbstgemacht

Der Löwenzahn blüht gerade weit und breit. Wohin man auch sieht, sind Wiesen mit gelben Punkten übersät. Doch die Pflanze mit den leuchtenden Blüten ist mehr als nur schön anzusehen: Löwenzahnblätter sind nicht nur für Meerschweinchen ein leckerer Salat oder lassen sich zu einem Pesto verarbeiten, Löwenzahn ist auch ein schönes Heilkraut (u.a. als Tee) und seine Blüten lassen sich leicht zu einem leckeren Brotaufstrich verarbeiten. Deswegen war ich mit den Kindern unterwegs, um Löwenzahnblüten zu sammeln und daraus Löwenzahnhonig zu machen. Weiterlesen

Mein Dorf war zu Besuch

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Gerade arbeite ich an meinem Vortrag für die re:publica 2014 mit dem Titel „Der Online-Elternclan: Zur gesellschaftlichen Bedeutung von Elternblogs„. Darin geht es um den Wert und den Nutzen, den Elternblogs und auch andere moderne Medien heute für Eltern haben. Denn an vielen Stellen werden die Eltern mit ihren Smartphones und Tablets belächelt, verspottet oder gar beschimpft. Von zu wenig Aufmerksamkeit für die Kinder wird an vielen Stellen gesprochen. Doch den wirklich wichtigen Nutzen und die Bedeutung dieser Medien werden häufig übersehen. Ganz klar ist aber auch: Natürlich können diese Sachen nicht reale Beziehungen ersetzen. „Wer ein Kind groß ziehen möchte, braucht ein ganzes Dorf.“, so ließt man an vielen Stellen. Der Online-Elternclan kann ein ganz wichtiger Teil dieses Dorfes sein. Immer da, zu jeder Uhrzeit parat. Er kann in vielerlei Hinsicht unterstützen und sogar mal eben einer Alleinerziehenden Mutter das Geld für die Klassenfahrt der Tochter zusammen sammeln. Aber er kann auch nicht das Kind mal schnell auf den Arm nehmen, eine Windel wechseln oder das Essen kochen. Deswegen geht es heute und hier auch mal um meinen realen Clan, den ich an meiner Seite habe.

Zu meinem Clan gehört natürlich meine Familie, d.h. meine Eltern und die Familie des Mannes. Dazu kommt dann die erweiterte Familie, die zum Beispiel aus der Familie meines Patenkindes besteht. Dann gibt es noch die Freunde mit ihren Kindern: Manche noch aus der Schulzeit, aus dem Studium, dann neu dazu gewonnene im Laufe der Zeit und durch Spielplatzbesuche. Auch die Familien aus meinem Spielkreis gehören etwas mit zum Clan, denn wir sehen uns zweimal wöchentlich, lassen die Kinder zusammen spielen und essen gemeinsam. Durch Twitter und Facebook sind auch einige Menschen zu meinem Clan dazu gestoßen, auf die ich heute nicht mehr verzichten möchte und die ich im realen Leben getroffen und ins Herz geschlossen habe. Wenn ich dies alles so überdenke und aufzähle, ist mein Clan recht groß – auch wenn ich nicht Zeit habe, um alle regelmäßig zu sehen.

Heute hatte ich Besuch von einem Teil meines Clans. Eine meiner liebsten Freundinnen kam mit einer ihrer Töchter. Wir saßen in der Sonne, tranken gemeinsam Kaffee und schauten den Kindern beim Spielen zu. Wir gingen spazieren, mal gingen meine Kinder an meiner Hand, mal an ihrer und dann gingen sie auch alle zusammen im Sonnenschein. Beim Mittagessen nahm sie mir den Sohn ab, damit ich das Essen kochen konnte und beim Essen saßen wir gemeinsam an einem großen Tisch. Der Sohn ließ sich mal von der einen oder anderen füttern und liebte es. Die Kinder spielten fangen und achteten aufeinander und nahmen im Spiel Rücksicht, obwohl sie alle ganz unterschiedlichen Alters sind. Die Große konnte zeigen, dass sie aus Stöckern schon Wörter legen kann, die Tochter schaute aufmerksam zu und der Sohn genoss es, mit beiden zu spielen. Umgekehrt lernte der große Besuch, vorsichtig mit einem kleinen Kind umzugehen und es langsam mit Eis zu füttern und zu beachten, dass die Frustrationstoleranz eines so kleinen Kindes doch gering ist.

Es war schön, dies alles zu beobachten. Zu sehen, wie gut es Kindern unterschiedlichen Alters tut, zusammen zu sein. Jedes konnte etwas vom anderen lernen. Es tat gut, mal beide Hände beim Kochen frei zu haben und mit einer Freundin in der Sonne zu sitzen und zu reden. Erleben, wie wichtig es ist, mal los zu lassen und einfach andere Wege zuzulassen. Ich bin glücklich, meinen Clan zu haben. Meinen Online-Clan und meinen Real-Clan. Jeder bereichert auf seine Weise mein Leben, macht es einfacher und schön. Vielen Dank!

Trotzen? Gibt es nicht.

Trotzen

Der Sohn ist nun 18 Monate alt, er redet viel und oft, klettert und rennt. Zeit, für die Außenwelt mal nachzufragen: Neben der allgegenwärtigen Frage „Schläft er denn nun schon durch?“ kommt immer häufiger eine andere Frage in den Mittelpunkt, nämlich die, ob er denn nun schon im Trotzalter sei. Trotzalter. Das ist ein Begriff, den ich nicht gerne höre. Schon wenn ich Ankündigungen für Workshops und Kurse sehe, in denen es um wütende Kinder, um das Trotzen oder um den Zorn von Kleinkindern geht, werde ich ärgerlich. Denn diese Beschreibung von Kindern ist grundlegend falsch.

Jeder Mensch hat eine eigene Meinung

Stellen wir uns zu Beginn folgende Situation vor: Ein Paar ist zusammen im Supermarkt. Er schiebt den Wagen, sie legt einen Schokoriegel hinein.
Er: „Leg den bitte wieder zurück.“
Sie: „Was?“
Er: „Leg den bitte wieder zurück!“
Sie: „Äh, nein. Warum?“
Er: „Jetzt leg ihn bitte wieder zurück. Du weißt: Süßigkeiten sind nicht so gesund für Deine Zähne.“
Sie: „Was? Ja. Aber nein, ich nehme den mit. Ich putz mir ja die Zähne auch.“
Er: „Und auch sonst sind sie nicht so gesund für Deinen Körper. Bitte leg den Riegel jetzt zurück ins Regal.“
Sie: „Du spinnst wohl. Ich lege ihn nicht zurück ins Regal.“
Er: „Leg ihn zurück, sonst lege ich ihn zurück.“
Sie: „Nein, ich nehme diesen Riegel mit.“
Er legt den Riegel ins Regal, sie zieht ihn zu sich heran, während er ihn noch hält. Der Einkaufswagen schlingert scheppernd in das Regal.

Diese oder ähnliche Situationen haben wir alle schon oft gesehen oder selbst erlebt. Nicht unbedingt mit unseren Partnern, aber mit unseren Kindern. Wir gehen einkaufen und haben ganz verschiedene Vorstellungen davon, was in den Einkaufswagen kommen soll. Das kann entweder ein Schokoriegel sein, der gewünscht wird oder die blinkenden Turnschuhe. Doch während wir in Gesprächen mit einem Erwachsenen ihm zumeist ein gleichberechtigtes Stimmrecht zuerkennen, machen wir das mit Kindern nicht. Oft hören wir nicht einmal genau ihre Gründe an, warum nun unbedingt ein Schokoriegel/eine Fruchtschnitte/ein Plastikhase oder die lila Socken mit grünen Punkten gekauft werden müssen. Und darin liegt auch schon das Problem: Wir erkennen nicht an, dass Kinder eine eigene Meinung haben und sie vertreten. Natürlich wissen wir als Eltern viele Dinge besser. Wir haben mehr Lebenserfahrung. Wir wissen, dass zu viel Schokolade ungesund ist oder dass Plastikspielzeug fragwürdiger Herkunft gesundheitsschädlich sein kann. Kinder müssen diese Dinge erst lernen. Viele Dinge müssen sie tatsächlich durch eigene Erfahrung lernen und wir können ihnen mit gut gemeinten Ratschlägen dieses Wissen nicht vermitteln – so sehr wir uns das auch manchmal wünschen. Doch das wirklich Wichtige daran ist: Um was auch immer es geht, wir sollten den Wunsch der Kinder ernst nehmen.

„Trotz“ ist kein passender Begriff

Laut Duden bedeutet Trotz „hartnäckiger [eigensinniger] Widerstand gegen eine Autorität aus dem Gefühl heraus, im Recht zu sein“. Doch ist es das wirklich, was sich in den Reaktionen der Kinder zeigt? Das Kind zeigt in seiner Äußerung seine Vorstellung, seinen Willen oder Wunsch. Es tut das nicht in erster Linie als Widerstand gegen eine Autorität (sofern man die Beziehung zwischen Kind und Eltern überhaupt mit diesem Machtgefälle bezeichnen möchte). Es lehnt sich nicht in erster Linie gegen einen anderen Menschen auf, sondern zeigt seine eigenen Vorstellungen, die sich eben von denen eines anderen Menschen unterscheiden. Der Widerstand ist erst die Konsequenz dessen, dass das Kind selbst auf einen Widerstand stößt. Oftmals sind die Kinder davon selbst überrascht. Gerade kleine Kinder, deren Empathie noch nicht so weit ausgebildet ist, dass sie sich problemlos in andere hinein versetzen können, sind selbst davon überrascht, dass die Person gegenüber ganz andere Vorstellungen hat als sie selber. „Was, Mama möchte nicht, dass ich diesen tollen grünen Flummi mitnehme? Ich verstehe die Welt nicht mehr!“ könnten sie sagen, wäre ihnen das möglich. Nein, Kinder wollen sich nicht gegen Erwachsene auflehnen aus Respektlosigkeit oder einfach nur der Sache wegen. Sie lehnen sich auf, weil sie eigene Ideen von ihrem Leben haben. Sie wollen nicht mehr die Jacke von Mama oder Papa zu gemacht bekommen, sondern wollen es selbst probieren.

Warum Kinder sich so verhalten, wie sie sich verhalten

So wie wir Erwachsenen Gründe für unser Tun haben, haben es auch Kinder. Oftmals können oder wollen wir uns nur nicht mehr ausreichend in sie hinein versetzen oder denken zu sehr aus unserer erwachsenen Sicht heraus, als dass wir Kinder noch verstehen könnten. Denn: Auch wenn uns das Verhalten unseres Kindes in einer solchen Konfliktsituation nicht gefällt, hat es einen Sinn. Herbert Renz-Polster schreibt in seinem Buch „Kinder verstehen“ über den so genannten Abstillkonflikt der Kinder, d.h. über die Zeitspanne, in der Kinder natürlicherweise abgestillt wurden und in deren Phase kindliche Zornanfälle besonders auftreten (S.183):

Die Abstillzeit war auch beim Menschen eine „Trennungszeit“, der Abstillkonflikt damit ein Loslösekonflikt. Evolutionsbiologisch betrachtet ist es deshalb plausibel, dass Zornanfälle ein Gegenmittel sind, das Kinder entwickelt haben, um in dem täglichen Abstiegskampf dann doch noch das eine oder andere Tor zu erzielen und dafür zu sorgen, dass sie bei der jetzt anstehenden Umverteilung angemessen berücksichtigt werden.

Kinder zeigen also in diesen Situationen zweierlei ganz wichtige Dinge: Sie befinden sich in einer Phase, in der sie von der Natur vorgesehen weiter von den Eltern Abstand nehmen und eigene Wege gehen. Vielleicht bekommen sie sogar gerade ein kleines Geschwisterkind und daher stellt sich diese Herausforderung besonders. Dafür benötigen sie bestimmte Fähigkeiten: Sie müssen ihre Jacken selber schließen können, ihre Schnürsenkel selber binden lernen, erfahren, wie man mit einer Schere oder einem Schnitzmesser richtig umgeht. Sie müssen lernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Und das fordern sie tagtäglich ein. Sie rufen uns gerade zu: „Lass es mich selbst probieren! Ich muss das lernen!“ Gleichzeitig aber sind sie eben doch auch kleine Kinder und auf Zuwendung angewiesen. So zeigen sie auch: „Hey, ich bin hier und ich bin zwar schon in vielen Dingen selbständig, aber verlier mich nicht aus den Augen und wende Dich mir weiterhin viel zu!“ Das, was so oft als „Trotz“ bezeichnet wird, ist eine ganz wichtige und bedeutende Aufgabe für unsere Kinder. Ein Meilenstein der Entwicklung – auch wenn es manchmal für uns anstrengend und kräfteraubend ist.

Was also soll man mit Kindern in dieser Entwicklungsphase tun?

Im Alltag bedeutet dies vor allem eins: Ruhe bewahren. Wenn das Kind seine Eigenständigkeit zeigen möchte oder auch gerade das Gegenteil davon, treten wir einen Schritt zurück und schimpfen nicht gleich oder sind verärgert, sondern sehen hin und sagen zu uns: „Aha, ich nehme das jetzt einfach so hin. Was will mein Kind eigentlich?“ Und allzu oft sehen wir es schon: Das Kind will etwas selber machen oder selber entscheiden. Es möchte ein besonderes Geschenk bekommen, das die Geschwister nicht haben oder die größte Portion Mittagessen (auch wenn es das nicht aufessen wird). Ruhe ist die wichtigste Eigenschaft in dieser Zeit. Hinreich ist es deswegen auch, wenn man von Anfang an für wichtige Dinge mehr Zeit einplant: Anziehen kann lange dauern, wenn ein Kleinkind sich selbst anziehen möchte oder selber die Kleider zusammen stellt. Kompromissbereitschaft ist ebenso wichtig. Ja, dann zieht das Kind eben heute mal verschiedene Socken an oder hat das T-Shirt verkehrt herum an. Sind wir ehrlich zu uns selbst: Wen kümmert das schon? Und wenn es doch Konsequenzen hat, dann ist es wichtig, dass Eltern ihren Kindern auch Dinge zutrauen mit dem Wissen, dass das Kind daraus etwas lernen wird. Das Kind wird lernen, dass es nicht zu viel rohen Teig essen darf, wenn ihm davon übel wird oder dass es vielleicht doch keine schlaue Idee ist, das Lieblingsshirt ohne Jacke an einem kalten Tag zu tragen. Wir müssen unseren Kindern zugestehen, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Nur so können sich Kinder weiter entwickeln. Natürlich hat das einen Rahmen, aber gewisse eigene Entscheidungen, die wir nicht unbedingt gutheißen, sollten wir auch unseren Kleinkindern schon ermöglichen. Und wenn es schief läuft, dann sind wir da. Wir nehmen sie in den Arm, wir lieben sie. So, wie sie uns auch weiter lieben, wenn wir ihnen Dinge verbieten oder vorschreiben. Oder – wie meine Tochter es mit drei Jahren nach einem solchen Anfall des Eigensinns auf die Äußerung, dass dieses Verhalten nun aber ziemlich unangenehm war, sagte: „Mir war das auch unangenehm, Papa. Mir auch.“ Und damit meinte sie nicht den Umstand, dass sie sich auf den Boden warf und mit den Beinen strampelte, sondern dass das überhaupt notwendig war.

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Ostersonntag in Bildern

Ostersonntag. Die Kinder haben sich seit Tagen auf Ostern gefreut. Der Sohn mit seinen 18 Monaten hatte sicherlich noch keine genaue Vorstellung von dem Fest, aber die Vorfreude seiner großen Schwester reichte dafür aus, immer wieder begeistert „Ostern!“ zu rufen und sich darauf zu freuen. Die Osterkörbchen waren schon vorher gefüllt, denn wie in den Jahren zuvor sind wir auf den Bauernhof gefahren zum Osterfest.

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Die ersten Sonnenstrahlen erhellen den Hof. Um halb sieben haben die Kinder uns geweckt, denn heute ich ja endlich Ostern. Schnell muss der Mann sich unter einem Vorwand hinaus stehlen, um die Osterkörbe zu verstecken.

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Die Tochter auf der Suche nach den Osterkörbchen im frühen Sonnenschein.

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Auch der Sohn sucht begeistert. War dort nicht gerade ein Hase?

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Vielleicht verstecken sich die Eier und Schokolade im Hühnerhaus?

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In der Scheune finden sich dann die ersten kleinen Schokoeier.

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Gemeinsam gesucht, gemeinsam gefunden.

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Durch das Stroh stapfen und nach weiteren Überraschungen suchen.

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Alles gefunden. Kleine Hände wickeln Schokoeier aus.

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Mittlerweile ich es richtig hell draußen, der Himmel ist blau.

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Zeit für das Frühstück.

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Danach geht es zum Mittelaltermarkt nach Chorin. Hier werden Seifenblasen bestaunt…

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… und riesige Drachen.

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Die Sonne scheint warm, der Sohn spielt im Heu.

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Abschluss eines langen Tages bei Kerzenschein und einem Strauß Blumen, von der Tochter handgepflückt.

Ostern hoch zwei – Was bei uns in diesem Jahr im Osternest liegt

Ostern steht kurz bevor. Die Ostereier sind bemalt, die Körbchen für die Kinder sind bereitet und warten auf ihren großen Einsatz am Wochenende. Und was in diesem Jahr in den Körbchen für die 5jährige Tochter und den 18 Monate alten Sohn liegt, seht Ihr hier:

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Das Tochternest

Rosa ist gerade die Farbe, die die Tochter bewegt. Daher ist auch das Osternest in rosa gehalten mit einem rosa Osterhasen, Schmetterlingshaarspangen und einem rosa Schneckenband. Daneben gibt es noch ein frühlingshaft gelbes Schneckenband, ein Ei aus Holz für den Kaufmannsladen und eine mintgrüne Legging. Im Stoffbeutelchen befindet sich Knete, denn davon kann die Tochter nie genug haben.

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Das Sohnnest

Der Sohn liebt alles, was seine große Schwester auch liebt. Es wird gespielt, was sie spielt. Ihre Lieblingsfarben sind auch seine Lieblingsfarben. Deswegen muss das Osternest des Sohns auch ganz ähnlich sein wie das der großen Schwester. Auch hier gibt es zwei Schneckenbänder: eins in lila, eins in blau. Dazu ein Stoffesel, ein Ei aus Holz und ein Schokoladenhase. Wie auch bei der Schwester gibt es ein Beutelchen mit Knete.

Daneben gibt es noch ein paar kleine Schokoeier, die hier und da im Freien verteilt werden.

Was liegt bei Euch im Nest? Verschenkt Ihr mehr oder weniger? Mit oder ohne Süßigkeiten? Wenn Ihr vegane Ostern feiert, was kommt bei Euch ins Nest?

Ostereiergebastel schon mit den ganz Kleinen

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Nun steht Ostern vor der Tür. Die große Tochter ist schon ganz aufgeregt und wir sprechen täglich über den Osterhasen, über das Osterfest und die Eiersuche. Wie auch bei der Vorfreude auf Weihnachten, möchten die Tage bis zum Fest nun noch gut überbrückt werden. Und was eignet sich da besser als das Anmalen von Ostereiern in allen Variationen? Großeltern und Verwandte freuen sich über die Kunstwerke der Kinder oder man verwendet sie noch für die Osterdekoration zu Hause. Hier kommen meine Ideen für unsere Lieblingsgestaltungen, die zum Teil auch schon mit den Kleinsten gemacht werden können.

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Zunächst werden Löcher in die Eier gemacht. Am Spitzen Ende (das später nach oben zeigt) ein kleines, am unteren Ende ein größeres Loch.

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Nun wird gepustet – und zwar in die kleinere Öffnung, damit der Eiinhalt aus der größeren Öffnung fließen kann.

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Danach darf dann bemalt werden. Die größeren Kinder können schon einen Pinsel benutzen.

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Für die kleinen Hände eignen sich kleine Pinsel (hier im Einsatz ist mein Rougepinsel für unterwegs) oder einfach die Finger.

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Schwierigkeitsgrad 1: Geeignet für die Kleinsten
Ausgeblasene Ostereier mit Fingermalfarbe bemalen lassen. Der Sohn hatte mit seinen 18 Monaten große Freude daran. Wer mag, kann nachher mit Buchstabenstempeln kleine Botschaften aufstempeln.

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Schwierigkeitsgrad 2: Ostereier mit Acrylfarbe bemalen
Auch schon für nicht mehr ganz so kleine Kinder geeignet, aber Acrylfarbe geht wesentlich schwerer ab als Fingermalfarbe. Daher lieber in geübtere Hände geben.
Kann danach mit einer Schleife umwickelt werden.

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Schwierigkeitsgrad 3: Pinsel und Naturfarben zum Bemalen.
So entstehen sanft-bunte Meisterwerke.

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Schwierigkeitsgrad 4: Serviettentechnik.
Vorschulkinderhände können hübsche Motive aus Servietten ausschneiden. Zum Ankleben braucht es dann aber doch noch große Hilfe von Erwachsenen.

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Und was macht man dann mit dem Eiweiß und Eigelb? Bei uns sind Osterkranz und Eierkuchen sehr beliebt. Ein Rezept für einen köstlichen Osterkranz wie wir ihn backen, findet Ihr hier.

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Eierkuchen mit Puderzucker und frischem Obst. Himmlisch. Ein ähnliches Rezept dazu gibt es hier.

Demnächst zeige ich Euch, was dann in unseren Osternestern liegen wird.
Andere hübsche Osterideen findet Ihr übrigens bei Jademond.

Frauen, geht auf die Straße – Geburt ist ein Thema für ALLE Frauen

 

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Am Samstag wird in Berlin wieder demonstriert für den Erhalt des Berufsstandes der Hebammen. Gerade in der letzten Zeit hat sich jedoch eine Kluft unter den Frauen aufgetan in Bezug auf den Hebammenprotest. Das Projekt „Selbstgeboren“ hat nur verdeutlicht, welche Emotionen beim Einsatz für die Hebammen mitschwingen. Oft liest oder hört man auch kritische Stimmen, man solle sich nicht für einen Berufsstand einsetzen, der längst modernisiert werden sollte oder der nur noch Multiplikator für esoterische Behandlungskonzepte sei. Doch beim Protest für die Hebammen geht es eigentlich weder darum, ob nun ein Kaiserschnitt oder eine spontane Geburt zu Hause besser sei und es geht auch nicht darum, ob Frauen irgendwelche Kügelchen oder Umschläge benötigen, um bei Problemen in der Schwangerschaft Linderung zu erhalten: Es geht um ein Recht aller Frauen, frei zu entscheiden. Jede Frau muss selbst entscheiden können, wo und wie sie ein Kind gebären möchte, wenn sie sich entschieden hat, eines zu bekommen.

Frauen müssen wählen dürfen, wie sie gebären und haben ein Recht auf Medikamente

An manchen Stellen wird beschrieben, dass man heute im Besitz aller medizinischen Möglichkeiten nicht mehr gezwungen ist, sich dem Geburtsvorgang zu unterwerfen, sich auf sein Stammhirn zu besinnen und trotz Schmerzen auf Schmerzlinderung durch Medikamente zu verzichten. Medizinische Interventionen erscheinen als Machtmittel, auf die Frauen heute Zugriff haben und sich dessen bedienen dürfen. Das ist auch vollkommen richtig. Frauen haben Zugriff auf diese Mittel und dürfen sich nach freier Entscheidung daran bedienen: Keine Frau sollte und muss heute natürlich gebären, wenn sie Ängste hat oder das Schmerzempfinden ihr gebietet, schmerzstillende Medikamente zu nutzen. Ich persönlich finde es vollkommen richtig, dass jede Frau ein Recht auf Wahlfreiheit hat. Dies ist insbesondere vor der Geburt wichtig, um für sich zu klären, welche Maßnahmen man wünscht und welche nicht.

Wahlfreiheit oder doch Fremdbestimmung durch Ärzte und Konzerne?

Nicht zu verwechseln mit dieser Freiheit der Entscheidung ist jedoch die Fremdbestimmung im Krankenhaus durch medizinisches Personal, das nicht unbedingt im Sinne der Frau und ihrem persönlichen Bedarf handelt, sondern im Sinne eines großen Klinikkonzerns, bei dem es um Bettenbelegungen, Arztkosten und Krankenkassenabrechnungen geht. Medizinische Intervention ist eben nicht zwangsläufig ein Ausdruck der Selbstbestimmung. Gerade im Rahmen der Proteste um das Projekt Selbstgeboren wurde deutlich, wie viele Frauen unter fehlender Selbstbestimmung bei Geburten leiden mussten. Traumatische Geburtserfahrungen können zu schwerwiegenden (psychischen) Erkrankungen führen. Australische Studien zeigen, dass dort Selbstmord eine der Haupttodesursachen in der perinatalen Phase ist.

Eingriffe unter der Geburt können  Auswirkungen haben, deren sich Frauen vorher nicht bewusst sind. Der hormonelle Kreislauf ist sehr empfindlich. Geburt ist ein normaler Vorgang, an dem es zunächst nichts Pathologisches gibt. Gibt es keine schwerwiegenden Vorerkrankungen, steht einer normalen Geburt zunächst nichts im Wege. So kommt es auch, dass Geburten traditionell von Hebammen begleitet werden und eben auch nicht unbedingt in Krankenhäusern stattfanden. Dass Geburten zunehmend jedoch in Krankenhäuser verlegt wurden, ist eine gesellschaftliche Entwicklung durch Einwirken der Pharma-, Medizinprodukte- und Ärztelobby. Geburt wurde in den vergangenen Jahrhunderten zunehmend pathologisiert. Es wurden Ängste geschürt, um Frauen dazu zu bewegen, Geburten in Krankenhäuser zu verlegen. Begründet wurde dies oft mit mehr Sicherheit für Frau und Kind. Betrachtet man allerdings die Datenlage, stimmt dies nicht. Die Einführung von Medizinprodukten führte in vielen Fällen zu einer Verschlechterung der Gebärsituationen: Das neu eingeführte CTG führte zu einer vermehrten Anzahl von Kaiserschnittgeburten, da dessen Angaben falsch interpretiert wurden: Naturgemäß sinken die Herztöne unter der Geburt durch die Wehen, was allein noch keine Indikation für einen Kaiserschnitt ist. Da aber für das CTG oft das Liegen im Bett erforderlich ist (und das CTG auch lange läuft, wenn Daten falsch interpretiert werden), kann sich das Kind aber womöglich nicht richtig im Becken einstellen. Auch sind die Wehen schmerzhafter. Um den Schmerz zu mindern, gibt es die PDA, die wiederum zahlreiche Nebenwirkungen haben kann und den Geburtsverlauf negativ beeinflusst. Da die Geburt hierdurch in die Länge gezogen wird, werden wiederum Wehenmittel zur Anregung verabreicht, die stärkere Kontraktionen hervor rufen und den Blutzufluss zum Kind stärker beeinträchtigen können. Auf diese Weise erhöht sich die Kaiserschnittrate, die in den letzten 10 Jahren um 10 Prozent auf derzeit ca. 30 Prozent angestiegen ist.

Es ist ein pathologisierter Kreislauf, der aus Kostengründen aufrechterhalten wird: Ein CTG wird angeschlossen und zeichnet Daten auf. Die Anwesenheit der Hebamme bzw. das Abhören mit einem Hörrohr ist nicht notwendig, die Hebamme kann mehrere Personen gleichzeitig betreuen. In Bezug auf die Haftpflichtversicherungen gibt es zudem einen wichtigen anderen Aspekt zu betrachten: Die Müttersterblichkeit ist durch die Kaiserschnittraten gestiegen. Doch kostenintensiver in Hinblick auf die Versicherung ist ein Kind, das durch die Geburt beeinträchtigt wurde, weshalb für Krankenhäuser der Kaiserschnitt “die sicherere” Wahl ist. Gebärende werden unter Druck gesetzt, die beste Entscheidung für ihr Kind treffen zu müssen und dabei wird ihnen die Kompetenz abgestritten, sich für sich selbst einzusetzen und dadurch die beste Wahl für das Kind zu treffen. „Aber was ist, wenn…“ wird dem Instinkt entgegen gesetzt. Der Spruch „Geht es der Mutter gut, geht es dem Kind gut“ gilt nicht. Geburten in Krankenhäusern sind statisch nachweisbar häufiger mit Eingriffen begleitet: Vom Wehenmittel über Dammschnitt bis zum Kaiserschnitt.

 

Der neutrale Partner an der Seite

Gerade deswegen ist es wichtig, dass Frauen eine Person an ihrer Seite haben, die sich loyal für sie einsetzt. Eine Person, die nicht selbst in die Geburt einbezogen ist wie die Gebärende oder ihr Partner/ihre Partnerin. Jemand, der  Erfahrungen  und emotional etwas Abstand hat. Jemand, der sich objektiv einsetzen kann. Diese Möglichkeit besteht, wenn man eine Hebamme hat, die man vorher kennt. Mit der man besprochen hat, welche Wünsche und Vorstellungen man hat, welche Interventionen in Ordnung sind und auf was bei Komplikationen geachtet werden soll. Eine Fachkraft, die sich unter der Geburt neutral einsetzt, medizinische Notwendigkeiten ggf. erklärt und „übersetzt“. Für manche Frauen kann das eine Hebamme sein, die Rescuecreme auf dem Bauch verschmiert und Globuli gegen Schmerzen gibt oder Akupunkturnadeln in den Fuß steckt. Für andere Frauen ist das eine Hebamme, die Bescheid gibt, wann die PDA gesetzt werden kann oder die verlässlich an der Seite steht bei einem geplanten Kaiserschnitt. Eine Begleitung, die auch schon in der Schwangerschaft zur Seite steht und zum Wohl der Gebärenden und Kinder handelt und nach der Geburt auf Basis des Wissens um die Schwangerschaft und Geburt optimal betreuen kann. So können Frauen bestärkt und unterstützt werden in der größten Umbruchphase des Lebens und auch gestärkt daraus hervor gehen, um ihren Weg weiter zu gehen. Psychischen Komplikationen nach der Geburt kann entgegen gewirkt werden.  Geburt hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung und weitere Entwicklung, auf Selbstbewusstsein und Mutterschaft, auf das gesamte Leben. Daher ist es von so großer Bedeutung, diese sensible Phase bei Frauen gut zu unterstützen. Die Wahlmöglichkeit der Frau, wo und wie sie gebären möchte ist ebenso wichtig wie die Wahlmöglichkeit, ob sie schwanger werden/sein möchte oder nicht.

Alle Frauen sind gefordert, sich für Frauen einzusetzen

Unsere Gesellschaft braucht Hebammen, damit Frauen frei gebären können. Wahlfreiheit bedeutet nicht nur, dass man auf medizinische Produkte und Dienstleistungen heute zurückgreifen kann, wenn man das wünscht. Wahlfreiheit bedeutet auch, dass man das lassen kann, wenn man es möchte. Wir sind dann frei, wenn uns alle Möglichkeiten offen stehen und wir auch auswählen können, ob wir die naturheilkundliche Begleitung oder die schulmedizinische wünschen.

In diesem Sinne sind alle Frauen dazu aufgefordert, sich für die Hebammen einzusetzen. Auch wer keine Kinder gebären möchte, wer sich dagegen entschieden hat oder das Alter der Gebärfähigkeit überschritten hat: Setzt Euch ein für Eure Schwestern, Nichten, Freundinnen. Setzt Euch ein für das Recht der Frauen auf eine freie Wahl und demonstriert für den Erhalt des Hebammenstandes

Über Coworking mit Kindern, Hausarbeit und den ganz normalen Alltag

Schreibtisch

Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das ist immer wieder ein großes Thema für alle Familien, mit denen ich Kontakt habe. Und auch bei mir macht dieses Thema natürlich nicht Halt. Früher, vor den Kindern, war ich einmal angestellt. Ich hatte ein kleines Büro, in dem ich täglich saß oder ich war auf Dienstreisen. Ich arbeitete und danach hatte ich frei. Es gab Urlaub und wenn ich krank war, war ich krank und lag im Bett. Schon damals kam mir aber der Gedanke, dass das vielleicht nicht immer so laufen wird, wenn ich erst einmal Kinder habe.

Kinder verändern  das Leben

Nun bin ich Mutter von zwei Kindern und diese Berufserfahrung liegt  6 Jahre zurück. Ich habe mich für ein anderes Modell der Arbeit entschieden, das mir und meinen Vorstellungen von Arbeit und Familie näher kommt. Dabei bin auch ich nicht mehr so tiefenentspannt, wie ich es früher einmal war. Auch wenn mein derzeitiges Arbeitsmodell besser zu mir passt, habe ich insgesamt einfach mehr Aufgaben als früher. Egal was für eine super Arbeit ich auch hätte, ich müsste trotzdem mehr Wäsche waschen und zusammenlegen, Spielzeug aus dem Weg räumen, mehr kochen und mehr spielen als ich es früher tat – auch wenn ich mir die Aufgaben mit meinem Partner teile. Das Leben verändert sich eben mit Kindern. Diese Veränderung müssen wir hinnehmen und uns drum herum das Leben so bauen, dass es auch weiterhin schön ist.

Mein Arbeitsmodell

Als der Sohn geboren wurde, war klar, dass ich erst einmal zu Hause bleiben würde. Wie lange dieses „erst einmal“ aussehen würde, war mir anfangs noch nicht klar. Vor der Schwangerschaft hatte ich mich gerade selbständig gemacht mit einer eigenen Praxis und der Sohn trat recht überraschend in mein Leben. Ich hatte gerade mein erstes Buch veröffentlicht und wollte meinen selbständigen beruflichen Weg weiter ausbauen. Doch schon ein Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft erinnerte mich daran, dass manche Pläne eben vom Leben vereitelt werden. Die Tochter war noch in einer großartigen Tagespflegeeinrichtung und wechselte kurz vor der Geburt des Sohns in einen Kindergarten, aus dem wir sie schnell wieder heraus nahmen,weil die Rahmenbedingungen dort einfach haarsträubend waren. So war ich erst einmal mit zwei Kindern allein zu Hause bis die Tochter einen wirklich guten Kindergartenplatz bekam. Und weil der Sohn u.a. aufgrund der schlechten Erfahrungen, die wir im anderen Kindergarten machten, erst einmal zu Hause bleiben sollte bis zum 3. Geburtstag, musste ich mein Arbeitsmodell überdenken.

Schließlich nach vielen Überlegungen kam ich zu einer Art Hausarbeitsmodell: Ich bin berufstätig, obwohl eines meiner Kinder nicht institutionell betreut wird. Wie das geht? Ich nutze insbesondere die Schlafenszeiten meiner Kinder und das Wochenende für die Arbeit. Hauptbestandteile meiner Arbeit ist das Schreiben und meine Gruppen- und Einzelberatungen. Das Schreiben kann ich wunderbar zu Hause erledigen, insbesondere wenn die Kinder schlafen. Kernarbeitszeiten sind daher der Mittagsschlaf (ca. 2 Stunden) und der Abendschlaf (ebenfalls ca. 2 Stunden). Innerhalb dieser 4 Stunden entstehen Ebooks, Blogartikel, Vorträge. Am Wochenende leite ich Workshops oder mache Hausbesuche. In dieser Zeit werden die Kinder von ihrem Vater betreut und machen meistens spannende Ausflüge. Natürlich nicht das ganze Wochenende über, denn wir haben auch ausreichend Familienzeit gemeinsam.

Der Alltag braucht vor allem eines: Struktur

Die Idee für diese Art des Arbeitens ist nicht über Nacht gekommen und hat auch nicht gleich problemlos funktioniert. Sie ist zu dem erst herangewachsen und hat mich einiges gelehrt darüber, wie man mit Kindern zu Hause arbeiten kann. Der wichtigste Eckpfeiler von allen Dingen ist eines: Struktur. Meine Tage sind sehr genau durchgeplant, damit alles so funktionieren kann, wie es soll. Wenn die Kinder morgens zwischen 6 und 7 Uhr aufwachen, ist der Mann für das Frühstück zuständig und ich räume in dieser Zeit schon einmal Wäsche in die Waschmaschine und/oder den Trockner, räume Spielsachen aus dem Weg, lege den Kindern ihre Kleidung zurecht, helfe beim Waschen und Anziehen. So können wir gemeinsam frühstücken und dann spätestens um 8 Uhr alle aus dem Haus gehen. An 3 Tagen bringt der Mann die Tochter in den Kindergarten, an 2 Tagen übernehme ich das und gehe anschließend mit dem Sohn zusammen zu dem Spielkreis, den ich zweimal wöchentlich leite. An den restlichen drei Tagen, die ich nicht auswärts arbeite, gehe ich vormittags einkaufen und räume auf, putze und wasche, spiele und bastle mit dem Sohn. Während des Mittagsschlafs  arbeite ich an meinen schriftlichen Dingen oder bereite Workshops und Vorträge vor. Nach dem Mittagsschlaf wird meistens gegessen (manchmal auch davor), dann hole ich mit dem Sohn die Tochter ab. Der Nachmittag gehört dann meistens ganz den Kindern und ich versuche, wenig Hausarbeit hier unterzubringen oder sie gut einzubeziehen. Das Abendessen wird oft zusammen mit den Kindern  zubereitet, danach geht es ins Bett und ich arbeite noch einmal bis 22 Uhr, um dann eine Stunde mit meinem Partner zu verbringen.

Notizen machen

Auf meinem Schreibtisch liegen zwei Kalender: Einer für die berufliche Wochenplanung, insbesondere für die Planung meiner Artikel und Workshops, einer für die privaten Dinge. Wann immer mir eine Aufgabe oder Erledigung einfällt, schreibe ich sie auf: Geschenke für Kindergartenfreunde kaufen, wichtige Telefonate führen und und und. Denn oft kann ich nicht direkt auf eine Mail antworten oder gehe nicht ans Telefon, wenn angerufen wird. Ideen für Blogartikel, die mir zwischendurch einfallen oder die ich als Anfragen zugeschickt bekomme, werden auf Klebezetteln notiert. Am Abend schreibe ich mir wichtige Dinge auf, die am nächsten Tag unbedingt erledigt werden müssen. Leider vergesse ich trotzdem ab und zu Dinge, versende Post zu spät oder vergesse den Geburtstag einer Freundin. Aber bei aller Planung und allen Notizen bin ich einfach auch ein Mensch.

Notfalldinge

Für den Fall, dass ich etwas Wichtiges vergessen habe, gibt es noch die Notfalldinge: Zum Beispiel habe ich eine geheime Geschenkekiste, in der sich immer Notfallgeschenke für Kinder befinden für den Fall, dass ich einen Geburtstag vergessen haben sollte oder die Tochter spontan zu irgendwas eingeladen wird. In der Notfallgeschenkekiste finden sich zum Beispiel Schleichtiere, Seifenblasen, Kindertattoos und Bastelsachen, um schnell individuelle Geschenke herzustellen, wie meine beliebten Holzbrettchen. Einmal wöchentlich lasse ich uns frisches Bio-Essen liefern und wenn ich keine Zeit habe, um in Ruhe alles auszuwählen, habe ich einen gespeicherten Einkaufszettel, auf dem die Basics zusammengestellt sind wie Kartoffeln, Äpfel, Gurken etc., den ich einfach nur anklicken muss.

Was ich gelernt habe: Ganz da sein

Wenn man täglich nur 4 Arbeitsstunden hat, ist man auf Produktivität angewiesen. Das bedeutet für mich: Ich muss mich auf meine Sache konzentrieren und darf mich nicht ablenken. Kein: Ach, hier sieht es aber gerade unordentlich aus, da räume ich lieber mal schnell auf. Kein: Ach, ich schau nur mal ganz kurz hier bei Twitter oder Facebook. Wer zu Hause mit Kind arbeitet, muss die wenigen Produktivphasen, die es gibt, nutzen. Keine Prokrastination erlaubt.

Was daraus folgt,ist, dass man immer ganz bei einer Sache sein sollte. Ich muss zugeben, ich arbeite noch daran. Denn auch wenn es mir in meinen Arbeitsphasen leicht fällt, ist es in den Kinderspielzeiten nicht immer einfach nicht zu denken: „Du musst aber noch xy erledigen!“ Was für die Arbeit gilt, gilt nämlich auch für die Kinder: Wenn ich bei ihnen bin, dann bin ich ganz für sie da. Ich ermahne mich, beim Mittagessen nicht ans Telefon zu gehen und beim Mittagsschlaf wird dem Postboten nicht geöffnet.

Kinder einbeziehen in die Arbeit

Manchmal geht es natürlich nicht anders. Manchmal muss Mama auch in der Spielzeit am Nachmittag ans Telefon oder schnell eine Email tippen. Bei der Tochter geht es gut, dass ich ihr dann erkläre, dass ich kurz arbeiten muss und ihr das Zeitfenster nenne und die Eieruhr auf diese Zeit setze: „Ich muss kurz am Computer arbeiten. Das dauert 15 Minuten. Wenn der Wecker klingelt, bin ich fertig und wieder ganz für Euch da.“ Die Tochter kann mit 5 Jahren gut damit umgehen. Der Sohn hat im Alter von 17 Monaten natürlich noch nicht ein solches Zeitgefühl. Daher erkläre ich ihm auch, dass ich kurz arbeiten muss, und gebe ihm dann eine Spielsache, die er besonders gerne mag, aber nicht immer bekommt. Ich habe dafür extra Spielsachen zur Seite gelegt, die zu diesem Zwecke hervor geholt werden. Somit kann er sich in dieser Zeit ganz dem Spiel hingeben, ist oft im Flow und möchte sogar manchmal viel länger damit spielen, als ich Zeit benötige. Diesen Trick habe ich abgewandelt von der „Stillkiste“ der Tochter, die ich zur Geburt des Sohns angelegt habe, damit sie interessantes Spielmaterial hat während ich mit dem Stillen beschäftigt bin.

Andere Möglichkeiten, mit Kindern zu arbeiten

Gerade in der letzten Zeit lese ich immer wieder Artikel darüber, dass viele Eltern neue Wege gehen in Hinblick auf Beruf, Familie und Kinderbetreuung. Recht neu, aber derzeit viel in den Medien, ist das Modell der Coworkingspaces mit Kindern. Rockzipfel in Leipzig hat es vor gemacht, in Hamburg wird es probiert und auch Berlin steht mit Coworking Toddler in den Startlöchern. Vielerorts eröffnen sich neue Projekte und Ideen, die Eltern angehen, weil sie die normalen Wege nicht mehr gehen wollen oder sie zum Lebensmodell nicht passen. Wir müssen neue Wege gehen, damit Eltern nicht schlecht gelaunt und frustriert sind, nahe dem Burnout.  Es gibt sicherlich Berufe, in denen es nunmal einfach nicht geht, dass Kinder mit dabei sind. Krankenschwestern und -pfleger, Polizistinnen und Polizisten, Verkäufer/innen…. Die Liste der Berufe ist lang, bei denen Kinder nur schwer dabei sein können. Aber wir können auch darauf hin arbeiten, dass für diese Berufsgruppen bessere Betreuungs- und Vereinbarkeitsmöglichkeiten gefunden werden, dass es Eltern-Kind-Büros gibt, flexiblere und komfortablere Betreuungsmöglichkeiten. Wenn sich Eltern mehr zusammen tun und neue Wege gehen, erschließen sich langfristig auch für andere Berufsgruppen andere Betreuungssysteme, weil auf den Bedarf eingegangen werden muss. Damit wir alle am Nachmittag weniger gestresst sind und mit unseren Kindern mehr lächeln können.