Kategorie: Job und Vereinbarkeit

Zeit für mich – Ja wann eigentlich? Meine „Radiominute“

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Es ist Mittwochabend und ich packe meine Tasche, weil ich auf dem Weg zu einem Hausbesuch bin. Ich gehe noch einmal in Gedanken durch was ich so brauche: Meine kleine Ledertasche habe ich dabei, darin sind Stethoskop, Patientenkarteikarte, Stifte, Akupunkturnadeln – und ein Buch, das ich gerade lese. Die Hausbesuche sind momentan seltener, da ich noch mit den Kindern zu Hause bin. Überhaupt ist die Zeit geringer als früher, in denen ich den Dingen nur für mich nachgehe, auch der Arbeit, die für mich ja so Teil von mir selbst ist, dass ich sie gar nicht wirklich als Arbeit bezeichne. Ich gönne mir Auszeiten im Alltag: Weiterlesen

#regrettingmotherhood? – Wie wir an zu vielen Anforderungen nicht zerbrechen sollten

Mutterschaft ist nicht einfach. Gerade deswegen, weil wir heute so viel von uns erwarten. Wir wollen alles können: Mutter sein, Partnerin, Freundin, Karrierefrau – und vielleicht noch vieles mehr und das innerhalb eines kurzen Zeitfensters exzessiv. Vielleicht wollen wir es auch gar nicht, sondern es wird von uns erwartet: Gerade das Studium beendet oder die Ausbildung, soll Frau im Job durchstarten – nur dass diese Zeit eben auch mit der überein fällt, in der die Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu bekommen, höher ist als mit Mitte 30. Weiterlesen

Meine Arbeit ist es, meine Arbeit unnötig zu machen – Aus dem Leben einer Familienbegleiterin

Ich werde oft gefragt, was ich eigentlich arbeite. Und immer wieder werde ich gefragt, ob ich eigentlich Hebamme sei. „Nein“, sage ich dann, „Ich bin Familienbegleiterin und meine Arbeit ist es, meine Arbeit unnötig zu machen.“

Als ich vor vielen, vielen Jahren mein Studium der Kleinkindpädagogik anfing, wusste ich etwas vage, dass ich etwas mit Kindern machen möchte. Denn um Kinder hatte sich schon immer alles bei mir gedreht: Weiterlesen

Mein Weg 2 Jahre bindungsorientierte Elternschaft zu leben und dennoch ich zu bleiben

Vor einem Jahr veröffentlichte ich hier den Artikel „Noch nie so viel gelacht, geweint, gekuschelt – mein erstes Jahr als zweifache Mutter„. Nun, ein Jahr später, stehe ich wieder an dieser Stelle. Ich denke: Was habe ich genau jetzt vor zwei Jahren getan? Ich erinnere mich an meine innerliche Unruhe und dem Wunsch, dass die Geburt nun endlich los gehen soll. Weiterlesen

Mit Kindern auf der #rp14 ODER: Stell Dir vor, es ist re:publica und keiner kann hin

Susanne_Mierau_republicaIn diesem Jahr war ich endlich auch bei der re:publica. Als Teilnehmerin und sogar als Speakerin. Es war großartig, dort endlich einmal all jene Menschen kennen zu lernen, die ich bisher nur über das Internet kannte. Viele Erwartungen haben sich positiv bestätigt und mein Online-Clan ist offline nicht weniger sympathisch. Zu den vielen schönen Begegnungen zählten besonders @berlinmittemom, @dasnuf, @fraubruellen (mit der ich auf der Toilette ein Kleid begutachtete), @mairegen, @watchtheglow, @mama_notes und @bb_wortgewandt. Dazu auch Personen, die ich von Twitter erst kurz kenne wie @steveRueck. Ganz neu dazu kamen auch nette Blogger, die ich ganz neu für mich entdeckt habe durch die Konferenz wie @Mareicares, die auf ihrem Blog kaiserinnenreich.de von ihrem Leben als Mutter von zwei Kindern berichtet, von denen eines einen seltenen Chromosomenfehler hat. Auch bloggende Väter wie @zwillingswelten konnte ich endlich einmal erleben oder habe erfahren, dass mein Vortrag Väter dazu angeregt hat, selbst einen Blog zu machen. Und auch Detlef Untermann von Opas-blog.de saß in meinem Vortrag und meldete sich zu Wort. Mit Carline Mohr, deren Blog Mohrenpost ich gerne lese und dabei immer wieder herzlich lachen muss, traf ich einige Male auf kurze Gespräche zusammen.

Mit meinem Thema des Online-Clans wurde ich in den Podcast (ab 04:36) von @timpritlove und @wortkomplex eingeladen, von einer Journalistin des Deutschlandfunk interviewt und habe mich mit Philip Banse bei dctp.tv über das Thema unterhalten. Mit den Frauen von BlogF, einer Vernetzung von Frauenblogs, kam ich auch ins Gespräch. Und auch sonst erhielt ich via Twitter und in Gesprächen viel Input zu meinem Thema, so dass ich noch viel weiter daran arbeiten und recherchieren möchte. Vielleicht ist ja im nächsten Jahr auf der rp15 wieder Raum, um über die bloggenden Eltern, ihre Bedeutung und ihre Themen zu sprechen. Als nächstes werde ich das Thema nun für eine Zeitschrift verschriftlichen.

Mit Kindern ist immer was los

Mit dabei auf der Konferenz waren auch meine Kinder. Ich finde es immer gut und wichtig, ihnen zu zeigen, womit wir Eltern uns beschäftigen und wie unsere Arbeit aussieht. Auf diese Weise haben meine Kinder schon viele Orte und Menschen kennen gelernt. Nun ist es aber nicht unbedingt einfach mit zwei kleinen Kindern auf einer großen Konferenz zu sein. Das fing damit an, dass wir am Montag, als wir abends unsere Tickets abholten, die Lieblingspuppe der Tochter verloren. Als wir es zu Hause bemerkten und die Tochter in Tränen ausbrach, starteten wir einen Aufruf über Twitter, der mehrere hundert Male geteilt wurde und die Lieblingspuppe konnte so noch am selben Abend wieder in die wartenden Arme der Tochter kommen. Am nächsten Tag ließ ich dann den Wetbag mit den benutzen Stoffwindeln des Sohns liegen, der sich aber auch wieder anfand. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, hat man viel Gepäck. Je mehr Gepäck, desto schneller geht auch was verloren.

Ab 16 Uhr ist es für viele Eltern vorbei mit der Konferenz

Doch ich war nicht die einzige, die ihre Kinder mit zur Konferenz brachte: In meinem Vortrag sah ich bereits einige Eltern mit Tragetüchern und ihren Babys und traf auch immer wieder auf andere Eltern mit Kindern. Bei Kaffee und Kuchen saß ich mit einer anderen Speakerin zusammen, Jessica Marquis, die auch mit ihrer Tochter angereist war. In allen Gesprächen mit Eltern stellten wir zusammen eines gemeinsam fest: In Hinblick auf die Familienfreundlichkeit lässt sich hier auf der re:publica noch einiges optimieren. Denn ja: Viele der Teilnehmer/innen sind Eltern. Selbst wenn es keine Familienblogger sind, haben viele der Anwesenden heute Kinder. Das bedeutet: Man ist angewiesen auf eine Betreuung für die Kinder, wenn man selber den Vorträgen zuhören möchte. Die größeren Kinder gehen vielleicht bereits in den Kindergarten, müssen aber nachmittags abgeholt werden. Für einige ist es vielleicht möglich, die Betreuung durch Babysitter oder Verwandte zu arrangieren, was aber für alle Tage oft nicht möglich ist. Gerade bei kleineren Kindern lässt sich das schwer machen. So können Eltern nur in begrenztem Umfang an der Konferenz teilnehmen, oder, wie jemand zu mir sagte: „Ich habe mir die Vorträge nach 16 Uhr lieber gar nicht angesehen, weil ich sowieso nicht daran teilnehmen kann und nicht traurig sein wollte über das, was ich verpasse.“ Es ist re:publica und keiner kann hingehen.

Ideen für eine entspannte Elternschaft auf der rp15

Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall schon einmal, dass Kinder bis zum Alter von 15 Jahren freien Eintritt haben. Auch gibt es Unterstützung, wenn Vortragende Babysitter benötigen. Woran es aber mangelt, sind verschiedene Dinge:

Diese Punkte ließen sich sehr einfach gemeinsam in einem Bereich unterbringen. So, dass auch am Nachmittag Eltern dabei sein können oder am Vormittag anwesende Kinder etwas altersgerechte Abwechslung erleben können, wenn Mama und/oder Papa mit anderen im Gespräch sind oder sich einen Vortrag anhören möchten. Denkbar wäre auch, für Elternblogger ein gemeinsames Frühstückstreff am Morgen zu veranstalten bevor die ersten anderen Talks beginnen, denn Eltern sind auch schon vor 10 Uhr auf den Beinen. Mit einer Mate oder einem Kaffee am Bällchenbad, in dem das Kind munter spielt, lässt es sich ganz nett mit anderen netzwerken. Als Elternteil oder auch sonst.

Auf jeden Fall freue ich mich schon heute auf nächstes Jahr: Auf neue Vorträge, auf das Treffen mit meinem Clan und das Kennenlernen neuer Blogger. Und das alles hoffentlich in einem etwas familienfreundlicherem Rahmen.

Über Coworking mit Kindern, Hausarbeit und den ganz normalen Alltag

Schreibtisch

Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das ist immer wieder ein großes Thema für alle Familien, mit denen ich Kontakt habe. Und auch bei mir macht dieses Thema natürlich nicht Halt. Früher, vor den Kindern, war ich einmal angestellt. Ich hatte ein kleines Büro, in dem ich täglich saß oder ich war auf Dienstreisen. Ich arbeitete und danach hatte ich frei. Es gab Urlaub und wenn ich krank war, war ich krank und lag im Bett. Schon damals kam mir aber der Gedanke, dass das vielleicht nicht immer so laufen wird, wenn ich erst einmal Kinder habe.

Kinder verändern  das Leben

Nun bin ich Mutter von zwei Kindern und diese Berufserfahrung liegt  6 Jahre zurück. Ich habe mich für ein anderes Modell der Arbeit entschieden, das mir und meinen Vorstellungen von Arbeit und Familie näher kommt. Dabei bin auch ich nicht mehr so tiefenentspannt, wie ich es früher einmal war. Auch wenn mein derzeitiges Arbeitsmodell besser zu mir passt, habe ich insgesamt einfach mehr Aufgaben als früher. Egal was für eine super Arbeit ich auch hätte, ich müsste trotzdem mehr Wäsche waschen und zusammenlegen, Spielzeug aus dem Weg räumen, mehr kochen und mehr spielen als ich es früher tat – auch wenn ich mir die Aufgaben mit meinem Partner teile. Das Leben verändert sich eben mit Kindern. Diese Veränderung müssen wir hinnehmen und uns drum herum das Leben so bauen, dass es auch weiterhin schön ist.

Mein Arbeitsmodell

Als der Sohn geboren wurde, war klar, dass ich erst einmal zu Hause bleiben würde. Wie lange dieses „erst einmal“ aussehen würde, war mir anfangs noch nicht klar. Vor der Schwangerschaft hatte ich mich gerade selbständig gemacht mit einer eigenen Praxis und der Sohn trat recht überraschend in mein Leben. Ich hatte gerade mein erstes Buch veröffentlicht und wollte meinen selbständigen beruflichen Weg weiter ausbauen. Doch schon ein Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft erinnerte mich daran, dass manche Pläne eben vom Leben vereitelt werden. Die Tochter war noch in einer großartigen Tagespflegeeinrichtung und wechselte kurz vor der Geburt des Sohns in einen Kindergarten, aus dem wir sie schnell wieder heraus nahmen,weil die Rahmenbedingungen dort einfach haarsträubend waren. So war ich erst einmal mit zwei Kindern allein zu Hause bis die Tochter einen wirklich guten Kindergartenplatz bekam. Und weil der Sohn u.a. aufgrund der schlechten Erfahrungen, die wir im anderen Kindergarten machten, erst einmal zu Hause bleiben sollte bis zum 3. Geburtstag, musste ich mein Arbeitsmodell überdenken.

Schließlich nach vielen Überlegungen kam ich zu einer Art Hausarbeitsmodell: Ich bin berufstätig, obwohl eines meiner Kinder nicht institutionell betreut wird. Wie das geht? Ich nutze insbesondere die Schlafenszeiten meiner Kinder und das Wochenende für die Arbeit. Hauptbestandteile meiner Arbeit ist das Schreiben und meine Gruppen- und Einzelberatungen. Das Schreiben kann ich wunderbar zu Hause erledigen, insbesondere wenn die Kinder schlafen. Kernarbeitszeiten sind daher der Mittagsschlaf (ca. 2 Stunden) und der Abendschlaf (ebenfalls ca. 2 Stunden). Innerhalb dieser 4 Stunden entstehen Ebooks, Blogartikel, Vorträge. Am Wochenende leite ich Workshops oder mache Hausbesuche. In dieser Zeit werden die Kinder von ihrem Vater betreut und machen meistens spannende Ausflüge. Natürlich nicht das ganze Wochenende über, denn wir haben auch ausreichend Familienzeit gemeinsam.

Der Alltag braucht vor allem eines: Struktur

Die Idee für diese Art des Arbeitens ist nicht über Nacht gekommen und hat auch nicht gleich problemlos funktioniert. Sie ist zu dem erst herangewachsen und hat mich einiges gelehrt darüber, wie man mit Kindern zu Hause arbeiten kann. Der wichtigste Eckpfeiler von allen Dingen ist eines: Struktur. Meine Tage sind sehr genau durchgeplant, damit alles so funktionieren kann, wie es soll. Wenn die Kinder morgens zwischen 6 und 7 Uhr aufwachen, ist der Mann für das Frühstück zuständig und ich räume in dieser Zeit schon einmal Wäsche in die Waschmaschine und/oder den Trockner, räume Spielsachen aus dem Weg, lege den Kindern ihre Kleidung zurecht, helfe beim Waschen und Anziehen. So können wir gemeinsam frühstücken und dann spätestens um 8 Uhr alle aus dem Haus gehen. An 3 Tagen bringt der Mann die Tochter in den Kindergarten, an 2 Tagen übernehme ich das und gehe anschließend mit dem Sohn zusammen zu dem Spielkreis, den ich zweimal wöchentlich leite. An den restlichen drei Tagen, die ich nicht auswärts arbeite, gehe ich vormittags einkaufen und räume auf, putze und wasche, spiele und bastle mit dem Sohn. Während des Mittagsschlafs  arbeite ich an meinen schriftlichen Dingen oder bereite Workshops und Vorträge vor. Nach dem Mittagsschlaf wird meistens gegessen (manchmal auch davor), dann hole ich mit dem Sohn die Tochter ab. Der Nachmittag gehört dann meistens ganz den Kindern und ich versuche, wenig Hausarbeit hier unterzubringen oder sie gut einzubeziehen. Das Abendessen wird oft zusammen mit den Kindern  zubereitet, danach geht es ins Bett und ich arbeite noch einmal bis 22 Uhr, um dann eine Stunde mit meinem Partner zu verbringen.

Notizen machen

Auf meinem Schreibtisch liegen zwei Kalender: Einer für die berufliche Wochenplanung, insbesondere für die Planung meiner Artikel und Workshops, einer für die privaten Dinge. Wann immer mir eine Aufgabe oder Erledigung einfällt, schreibe ich sie auf: Geschenke für Kindergartenfreunde kaufen, wichtige Telefonate führen und und und. Denn oft kann ich nicht direkt auf eine Mail antworten oder gehe nicht ans Telefon, wenn angerufen wird. Ideen für Blogartikel, die mir zwischendurch einfallen oder die ich als Anfragen zugeschickt bekomme, werden auf Klebezetteln notiert. Am Abend schreibe ich mir wichtige Dinge auf, die am nächsten Tag unbedingt erledigt werden müssen. Leider vergesse ich trotzdem ab und zu Dinge, versende Post zu spät oder vergesse den Geburtstag einer Freundin. Aber bei aller Planung und allen Notizen bin ich einfach auch ein Mensch.

Notfalldinge

Für den Fall, dass ich etwas Wichtiges vergessen habe, gibt es noch die Notfalldinge: Zum Beispiel habe ich eine geheime Geschenkekiste, in der sich immer Notfallgeschenke für Kinder befinden für den Fall, dass ich einen Geburtstag vergessen haben sollte oder die Tochter spontan zu irgendwas eingeladen wird. In der Notfallgeschenkekiste finden sich zum Beispiel Schleichtiere, Seifenblasen, Kindertattoos und Bastelsachen, um schnell individuelle Geschenke herzustellen, wie meine beliebten Holzbrettchen. Einmal wöchentlich lasse ich uns frisches Bio-Essen liefern und wenn ich keine Zeit habe, um in Ruhe alles auszuwählen, habe ich einen gespeicherten Einkaufszettel, auf dem die Basics zusammengestellt sind wie Kartoffeln, Äpfel, Gurken etc., den ich einfach nur anklicken muss.

Was ich gelernt habe: Ganz da sein

Wenn man täglich nur 4 Arbeitsstunden hat, ist man auf Produktivität angewiesen. Das bedeutet für mich: Ich muss mich auf meine Sache konzentrieren und darf mich nicht ablenken. Kein: Ach, hier sieht es aber gerade unordentlich aus, da räume ich lieber mal schnell auf. Kein: Ach, ich schau nur mal ganz kurz hier bei Twitter oder Facebook. Wer zu Hause mit Kind arbeitet, muss die wenigen Produktivphasen, die es gibt, nutzen. Keine Prokrastination erlaubt.

Was daraus folgt,ist, dass man immer ganz bei einer Sache sein sollte. Ich muss zugeben, ich arbeite noch daran. Denn auch wenn es mir in meinen Arbeitsphasen leicht fällt, ist es in den Kinderspielzeiten nicht immer einfach nicht zu denken: „Du musst aber noch xy erledigen!“ Was für die Arbeit gilt, gilt nämlich auch für die Kinder: Wenn ich bei ihnen bin, dann bin ich ganz für sie da. Ich ermahne mich, beim Mittagessen nicht ans Telefon zu gehen und beim Mittagsschlaf wird dem Postboten nicht geöffnet.

Kinder einbeziehen in die Arbeit

Manchmal geht es natürlich nicht anders. Manchmal muss Mama auch in der Spielzeit am Nachmittag ans Telefon oder schnell eine Email tippen. Bei der Tochter geht es gut, dass ich ihr dann erkläre, dass ich kurz arbeiten muss und ihr das Zeitfenster nenne und die Eieruhr auf diese Zeit setze: „Ich muss kurz am Computer arbeiten. Das dauert 15 Minuten. Wenn der Wecker klingelt, bin ich fertig und wieder ganz für Euch da.“ Die Tochter kann mit 5 Jahren gut damit umgehen. Der Sohn hat im Alter von 17 Monaten natürlich noch nicht ein solches Zeitgefühl. Daher erkläre ich ihm auch, dass ich kurz arbeiten muss, und gebe ihm dann eine Spielsache, die er besonders gerne mag, aber nicht immer bekommt. Ich habe dafür extra Spielsachen zur Seite gelegt, die zu diesem Zwecke hervor geholt werden. Somit kann er sich in dieser Zeit ganz dem Spiel hingeben, ist oft im Flow und möchte sogar manchmal viel länger damit spielen, als ich Zeit benötige. Diesen Trick habe ich abgewandelt von der „Stillkiste“ der Tochter, die ich zur Geburt des Sohns angelegt habe, damit sie interessantes Spielmaterial hat während ich mit dem Stillen beschäftigt bin.

Andere Möglichkeiten, mit Kindern zu arbeiten

Gerade in der letzten Zeit lese ich immer wieder Artikel darüber, dass viele Eltern neue Wege gehen in Hinblick auf Beruf, Familie und Kinderbetreuung. Recht neu, aber derzeit viel in den Medien, ist das Modell der Coworkingspaces mit Kindern. Rockzipfel in Leipzig hat es vor gemacht, in Hamburg wird es probiert und auch Berlin steht mit Coworking Toddler in den Startlöchern. Vielerorts eröffnen sich neue Projekte und Ideen, die Eltern angehen, weil sie die normalen Wege nicht mehr gehen wollen oder sie zum Lebensmodell nicht passen. Wir müssen neue Wege gehen, damit Eltern nicht schlecht gelaunt und frustriert sind, nahe dem Burnout.  Es gibt sicherlich Berufe, in denen es nunmal einfach nicht geht, dass Kinder mit dabei sind. Krankenschwestern und -pfleger, Polizistinnen und Polizisten, Verkäufer/innen…. Die Liste der Berufe ist lang, bei denen Kinder nur schwer dabei sein können. Aber wir können auch darauf hin arbeiten, dass für diese Berufsgruppen bessere Betreuungs- und Vereinbarkeitsmöglichkeiten gefunden werden, dass es Eltern-Kind-Büros gibt, flexiblere und komfortablere Betreuungsmöglichkeiten. Wenn sich Eltern mehr zusammen tun und neue Wege gehen, erschließen sich langfristig auch für andere Berufsgruppen andere Betreuungssysteme, weil auf den Bedarf eingegangen werden muss. Damit wir alle am Nachmittag weniger gestresst sind und mit unseren Kindern mehr lächeln können.

Wenn ich jetzt nicht Mutter wäre…

Wenn_nicht_jetzt

Manchmal frage ich mich, was heute sein würde, wenn ich nicht Mutter von zwei Kindern wäre. Hätte mein Leben eine andere Richtung genommen?  Das ist wohl sehr wahrscheinlich.

Wenn ich nicht Mutter wäre, würde ich vielleicht am Wochenende ausschlafen. Vielleicht würde ich dadurch nicht unbedingt mehr Schlaf bekommen, da ich ja gar nicht erst früh ins Bett gehen müsste, weil es ja keine Kinder gäbe, die mich früh am Morgen aus eben diesem Bett holen. Ich würde also spät ins Bett gehen. Vielleicht würde ich noch immer wie mit Mitte 20 durch Discos ziehen. Ich würde sehr wahrscheinlich mehr ins Kino gehen oder ins Museum. Doch Schlaf hätte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit – zumindest am Wochenende – nicht mehr als jetzt auch.

Wenn ich nicht Mutter wäre, würde ich vielleicht meine Hobbys besser pflegen. Früher habe ich viel gemalt. Wenn ich heute male, dann habe ich nach kurzer Zeit einen dicken Strich von irgendeiner engagierten Kinderhand auf meinem Bild. Das Malen, dem ich früher nachging, ist gerade jetzt nicht machbar. Dafür fädel ich Perlen auf, filze, häkle kleine Stoffpullover für Puppen, die dann doch wieder aufgehen. Ich gehe viel mehr in die Natur als früher. Meine Hobbys haben sich geändert, aber eigentlich könnte man sagen, dass ich welche habe.

Wenn ich nicht Mutter wäre, würde ich vielleicht viel mehr mit meinen Freunden zusammen sein. Früher einmal, da hatte ich ziemlich viele verschiedene Freunde. Es waren Freunde ganz verschiedener Art. Wenn ich eine bestimmte Sache machen wollte, rief ich eben einfach die passende Freundin dazu an. Heute haben meine Freunde auch Kinder und sind mindestens genauso eingespant wie ich. Sie haben auch nicht viel Zeit. Heute treffe ich mich mit den Eltern der Freunde meiner Kinder. Ich sehe sie im Kindergarten und auf dem Spielplatz und ja, irgendwie sind sie dann auch meine Freunde. Man teilt die gleichen Geschichten, Erfahrungen, Sorgen. Ist das nicht eine gute Basis für eine Freundschaft?

Wenn ich nicht Mutter wäre, würde ich vielleicht Karriere machen. Ich habe meine Doktorarbeit an den Nägel gehängt, als meine Tochter geboren war. Ich habe meinen sicheren Job gekündigt, um mich selbständig zu machen, weil das viel besser mit der Familie zu vereinbaren war. Aber wenn ich ehrlich bin, könnte ich auch so Karriere machen, mit Kindern. Ich habe mich nur einfach für einen anderen Weg entschieden. Vielleicht hätte ich das auch ohne Kinder irgendwann?

Wenn ich nicht Mutter wäre, hätte ich vielleicht keine Dehnungsstreifen auf meinen Brüsten von dem Brustwachstum in den Schwangerschaften. Und ziemlich wahrscheinlich hätte ich innerhalb von 5 Jahren nicht zweimal 20kg zugenommen, um sie dann wieder abzunehmen. Mein Körper würde vielleicht anders aussehen. Aber sind wir mal ehrlich: Auch ohne Kinder wäre die Zeit nicht an mir vorbei gegangen und ich würde heute mit 33 trotzdem nicht mehr aussehen wie mit 27.

Wenn ich jetzt nicht Mutter wäre, wären viele andere Dinge passiert. Mein Leben hätte einen anderen Weg genommen. Aber niemals wäre es da stehen geblieben, wo es einmal war. Denn so ist das Leben nicht. Es geht weiter. Wir verändern uns, wir schließen neue Freundschaften und verlieren alte, wir finden neue Interessen und geben alte auf. Wir gehen manchmal neue Wege. Beruflich oder auch anders. Und die Zeit geht nicht an uns vorbei. Wenn ich jetzt nicht Mutter wäre, würde mein Leben vielleicht anders aussehen. Es würde andere Farben tragen. Es wäre anders gefüllt, aber es wäre nicht reicher. Es wäre nicht besser, weil ich vielleicht ausschlafen könnte oder mein Körper mehr dem Ideal entsprechen würde.

Es gibt nichts, was ich bedauere, weil ich diesen Weg gegangen bin und nicht einen anderen. Jeder Weg, den ich hätte gehen können, hätte mich an anderen Sehenswürdigkeiten vorbei geführt. Es macht deswegen keinen Sinn, anderen Wegen hinterher zu trauern und sich nach Dingen zu sehnen, die vielleicht anders sein könnten. Denn wenn sie es wären, wären auch wir anders. An den Tagen, an denen ich mit tiefen Augenringen, verwischter Mascara und bekleckertem Hemd vor dem Spiegel stehe und mir wünsche, ich wäre allein und unabhängig, blicke ich dann doch zur Seite. Dort sehe ich zwei kleine Menschen, die ich aus ganzem Herzen liebe. Und ich frage mich: Wenn ich jetzt nicht Mutter wäre, wann denn dann?