Monat: Januar 2014

Lieblingsspiel im 15. Monat: Umschütten, Füllen, Fühlen

Umfüllspiele

Im letzten Monat lag das Stecken und Sortieren ganz weit vorne. In diesem Monat nun hat es sich etwas verändert. Noch immer ist unsere „mobile Spieleinheit“, die Holzkiste, ganz weit vorn in den Lieblingsspielsachen. Doch nun sind es nicht mehr nur die Steckspiele, die hier hinein kommen. Nun gerade ist nämlich das Umschütten, Umfüllen und Befühlen von verschiedenen Materialien wichtig.

Vielleicht kennt Ihr das: Ihr sitzt am Essenstisch und das Kind kippt den Inhalt den Trinkbechers in den Teller. Am Liebsten auch gleich wieder zurück – irgendwie. Hin und her. In der Badewanne kann das wunderbar gespielt werden, wenn man dem Kind einfach verschiedene Becher, Trichter etc. anbietet.

Nun ist aber leider nicht immer Badezeit und Kleinkinder müssen auch nicht jeden Tag in die Wanne – besonders nicht im Winter, wenn die Haut durch die äußeren Einflüsse sowieso schon empfindlich ist. Eine Alternative für den Umfüllspaß haben wir deswegen in unserer Holzkiste gefunden. Es kommen verschiedene Schüsseln aus unterschiedlichem Material hinein, dazu Löffel und Kellen etc. und dann natürlich das Schüttmaterial: Linsen machen sich ganz wunderbar! Aber auch große Bohnen sind herausfordernd für den Sohn. Und (fast) alles bleibt in der Kiste und kann so lange bespielt werden, ohne dass über das gesamte Zimmer Linsen, Bohnen oder Reis verteilt sind.

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Und was bringt dieses Spiel nun? Kritische Stimmen werden vielleicht sagen: Mit Essen spielt man nicht! Aber es ist eine wunderbare Erfahrung für den Tastsinn, die Hände (oder gerne auch mal die Füße) in die verschiedenen Behältnisse  zu stecken, die Finger darin zu bewegen, die Linsen durch die Finger rinnen zu lassen… Mit dem Umfüllen können Kinder Experimente machen: Passt der Inhalt des kleinen Topfes auch in einen großen? Und wenn der große Topf ganz befüllt ist, geht das dann in den kleinen Topf hinein? Sie üben ihre Feinmotorik, indem sie lernen, Dinge von einer Schüssel in die andere zu schütten. Anfangs vielleicht geht noch viel daneben, aber es wird immer genauer.

Wir tragen noch – 15 Monate ohne Kinderwagen

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Bei meiner Tochter damals habe ich die ganz normale Babyausstattung gewählt. Dazu gehörte selbstverständlich auch ein Kinderwagen – den hat ja schließlich jeder. Glücklicherweise konnte ich einen Kinderwagen von einer Freundin bekommen, denn irgendwie hatte ich damals schon ein ungutes Gefühl wegen der Nachrichten von Schadstoffen in Kinderwagen und dachte, bei einem gebrauchten Modell wäre wenigstens alles gut ausgelüftet. Letztlich habe ich den Kinderwagen aber nur sehr wenige Male überhaupt benutzt. Ich habe getragen bis zum 2. Geburtstag. Und nun, beim Sohn, haben wir uns gar nicht erst einen neuen Kinderwagen zugelegt. Beim letzten Mal hat es ja mit dem Tragen großartig funktioniert. Warum also diesmal nicht auch darauf vertrauen? Damit sind wir nicht falsch in der Annahme gewesen: 15 Monate lang wird der Sohn nun schon getragen. Und weil es auf meinem persönlichen Trageweg schon so viele Fragen gab, möchte ich hier auf einige der am häufigsten gestellten Fragen eingehen:

Bekommen Babys beim Tragen genug Luft?

Als die Tochter wenige Monate alt war, war ich mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Die Tochter war in der Wickelkreuztrage vor mir und schlief. Ich fühlte nach, ob sie vielleicht schwitzen würde. Eine ältere Dame schaute mich an und sagte unaufgefordert: „Uns wurde ja früher gesagt, dass Kinder am besten grade auf dem Rücken liegen sollen. So bekommt das Kind ja gar keine Luft!“ Ach. Und auch 4 Jahre später, unterwegs mit dem Sohn, wurde ich wieder angesprochen von einer Frau, ob mein Kind denn da drin noch leben würde, denn Luft würde es ja wohl nur schwer bekommen können. Studien haben allerdings belegt, dass das nicht der Fall ist: Getragene Babys leiden nicht unter Sauerstoffmangel! Weder gesunde Frühgeborene noch normal geborene Kinder zeigen einen kritischen Rückgang der Sauerstoffsättigung beim aufrechten (!) Tragen. Abzuraten ist auf jeden Fall hingegen von den in Amerika viel vertriebenen Bag-style-slings, in denen Babys wie in Beuteln liegen und zu wenig Luft bekommen können. Hier kann tatsächlich eine Sauerstoffunterversorgung drohen.

Tragen schadet dem Rücken und der motorischen Entwicklung des Babys?

Neben der Frage nach dem Sauerstoffmangel ist eine weitere sehr weit verbreitete Meinung ja, dass das Tragen zu Wirbelsäulenschäden führen würde. Auch hiermit war ich zunächst bei der Tochter und dann beim Sohn konfrontiert. Kopfschütteln und Nachfragen, ob das denn nicht bekannt sei, dass Kinder für eine gesunde Entwicklung auf dem Rücken liegen müssten. Selbst in der Spielgruppe, die ich mit dem Sohn besuchte, wurde das von der Kursleiterin angemerkt (wodurch ich diesen Kurs nicht mehr besuchte). Skoliose? Kyphose? Lordose? Die dem Tragen angedichteten Haltungsschäden sind vielfältig.

Die Tochter hat nachdem sie zwei Jahre ausschließlich getragen wurde eine sehr gute Körperhaltung, wie uns die Kinderärtztin und auch die Erzieherinnen immer wieder sagen. Doch weil das ja recht subjektiv ist, lohnt der Blick auf weitere Studien: Hilal Kavruk konnte in einer Studie zeigen, dass selbst bei Kindern, die schon früh lange Zeit am Tag aufrecht getragen wurden, nicht mehr Wirbelsäulenschäden oder Haltungsauffälligkeiten auftraten als bei nicht getragenen Kindern. Auch Evelin Kirkilionis beschreibt eindrücklich, dass Haltungsschäden nicht vom Tragen hervorgerufen werden – sofern eine gute Trage gewählt wird bzw. das Tuch richtig gebunden ist:

Zwei Faktoren unterscheiden eine gute von einer ungeeigneten Tragehilfe bzw. Bindetechnik: Die beschriebene Spreiz-Anhock-Haltung und eine gut unterstütze aufrechte Rückenhaltung. Damit ein Baby nicht in sich zusammensinkt, muss es eng eingebunden sein, um sich so am Körper des Erwachsenen angelehnt aufrichten zu können.

Dass Kinder deswegen nicht mit dem Gesicht nach vorn getragen werden sollen, erschließt sich daraus schon selbst. Haltungsschäden durch das Tragen – sofern es richtig gemacht wird – können also ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Das Tragen kann sogar zur zur Vorbeugung einer Hüftdysplasie dienen.

Oft schon habe ich auch die Frage gehört, ob das ständige Umhertragen nicht das Kind am Krabbeln und Laufen hindern würde. Auch hier kann ich aus der Erfahrung mit meinen beiden Kindern sagen: Nein, das tut es nicht. Meine Tochter lief mit 12 Monaten, mein Sohn mit 10 Monaten. Beide haben vorher alle anderen Stadien der normalen Bewegungsentwicklung durchlaufen: Drehen, Rollen, Robben, Schieben, Krabbeln, Bärengang.  Aber auch unabhängig von meiner persönlichen Erfahrung zeigt sich, dass das Tragen keineswegs zu einer Entwicklungsverzögerung führt. Im Gegenteil könnte man eher von einer Förderung des Kindes durch das Tragen sprechen, da das Kind auf vielen verschiedenen Ebenen durch das Tragen angeregt wird: Es nimmt andere Seheindrücke wahr, kann besser und näher mit der erwachsenen Bezugsperson kommunizieren, der Gleichgewichtssinn wird geschult, durch die Bewegungen wird auch der Körper stimuliert, der Kopf kann früher aufrecht gehalten werden.

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Ist das nicht zu schwer?

Wer erst mit dem Tragen beginnt, wenn das Kind schon älter ist, hat es manchmal schwerer, als wenn von Anfang an getragen wird. Denn glücklicherweise passt sich der Körper ja dem wachsenden Gewicht nach und nach an. So wird das schwerer und größer werdende Kind gar nicht wirklich als größere Last wahrgenommen, weil sich die Muskulatur anpasst. Was allerdings schon wichtig ist und einen enormen Unterschied in der Belastung ausmachen kann, ist die Art des Tragens: Welche Tragehilfe wird genutzt? Wie wird das Tuch gebunden? Vorne, hinten oder auf der Hüfte? Damit das Baby oder Kleinkind gut getragen wird und das Tragen auch für die Bezugspersonen eine Freude ist und bleibt, ist es wirklich sinnvoll, eine Trageberatung zu machen. Auch wenn Begleitheftchen heute Tragetechniken zeigen oder man im Internet Videos ansehen kann, ersetzt dies nicht eine fachkundige Beratung, bei der ganz persönlich am Körper gezeigt wird, wie man ein Tuch anlegt und festzieht, wie die Trage sitzen soll etc.

Unser Trageweg

Im Folgenden möchte ich Euch schildern, wie ich meine Kinder getragen habe bisher – aber das ist unser persönlicher Weg. Jeder findet im Laufe der Zeit (ggf. mit professioneller Unterstützung die Trageweise, die für ihn uns seine Kinder passt). Meine beiden Kinder habe ich von Anfang an im Tuch getragen. Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung an verschiedenen Tüchern: kurz, lang, mittel, verschiedene Muster und Marken. Natürlich habe ich auch beruflich einige Modelle für verschiedene Zwecke, aber besonders auch privat ist mir die Auswahl mittlerweile wichtig.

Am Anfang habe ich meine Tochter ausschließlich in der Wickelkreuztrage getragen, den Sohn am Anfang dann auch in der Känguru-Trage. Allerdings kam der Sohn im Herbst 2012 zur Welt, auf den dieser lange und kalte Winter folgte. Ich stellte fest, dass im hohen Schnee und unterwegs mit zwei Kindern das Tragetuch zu unflexibel für mich war (in Hinblick auf schnelles rein und raus) und nutzte beim Sohn dann auch als Tragehilfe den Bondolino (anfangs mit Verengung des Stegs durch eine Tuch).

Als die Tochter größer wurde, habe ich für unterwegs auch die Kreuztrage ausprobiert, weil es ein so einfaches hineinsetzen und rausnehmen auch unterwegs ermöglichte. Der Sohn, der viel schneller viel mehr begreifen wollte und viel offener und schneller in der Gesamtentwicklung ist, habe ich bereits mit 6 Monaten dann in den Sling genommen und auf der Hüfte getragen – was ich bei der Tochter erst mit 9 Monaten machte. Der Sling ist für mich gerade zu Hause eine enorme Erleichterung, wenn im Haushalt etwas gemacht werden muss, aber das Kind den Körperkontakt sucht. Die Tochter habe ich dann bis zum Ende der Tragezeit im Sling auf der Hüfte getragen.

Und der Sohn heute mit 15 Monaten? Während ich meine Tochter so gut wie nie auf dem Rücken trug, ist es beim Sohn nun anders. Er liebt auch den Sling, aber die Rückentrage mag er auch sehr, wenn er möglichst hoch gebunden auf meinem Rücken ist und über meine Schulter sehen kann. Das ist mit herkömmlichen Tragehilfen nicht so einfach zu machen (abgesehen natürlich vom Tuch), aber mit dem Meitai.

Der Meitai ist sozusagen die Urform der Tragehilfe. Er besteht in seiner ganz ursprünglichen Form aus einem rechteckigen Stück Stoff, dessen Ecken mit Bändern verlängert sind. Die oberen Verlängerungen dienen als Träger und die unteren als Hüftgurt. Das Kind „sitzt“ in dem Stoffrechteck. Hier bei uns sind besonders die Meitais von Fräulein Hübsch bekannt geworden. Mittlerweile habe ich auch eine kleine Auswahl an Meitais zu Hause. Wie auch bei den Tragetüchern gilt auch hier: Die Stoffqualität ist wichtig für den richtigen „Sitz“ des Kindes. Wie oben erwähnt, ist für das richtige Tragen eine bestimmte Haltung notwendig und besonders auch die Stützung des Rückens. Je jünger das getragene Kind ist, desto wichtiger sind diese Qualitätsmerkmale, damit es gut gehalten werden kann. Kleine Babys sollten deswegen nur in besonders hochwertigen Meitais getragen werden, in denen der Rücken optimal unterstützt wird. Auch hier ist eine Trageberatung wieder viel wert, denn es können Modelle verschiedener Hersteller ausprobiert  und Vor- und Nachteile erläutert werden.

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Für den Sohn habe ich zum Testen kürzlich einen Meitai von Bykay erhalten. Der Stoff ist ein Mix aus Baumwolle und Leinen im Denim-Look. Der Steg ist eigentlich schon zu schmal für ihn, doch lassen sich die breiten Träger auffächern und verbreitern auf diese Weise den Steg optimal. Selbst die Tochter könnte ich so noch in eine Anhock-Spreiz-Haltung binden. Auch im Winter mit einem dicken Schneeanzug (der ja das gute Binden bzw. eine gute Haltung oft behindert), kann der notwendige Sitz gebunden werden. Die gepolsterten Schultergurte machen das Tragen auch für mich angenehm und sind bei einem Gewicht von 12kg auch durchaus notwendig mittlerweile.

So also wird er auch weiterhin getragen. Im Meitai, im Tuch, im Sling. Selten vorne, meist auf der Hüfte oder auf dem Rücken. Für mich ist es noch immer die schönste Art, mein Kind sanft ins Leben zu begleiten. Ich gebe ihm Nähe und ermögliche ihm dabei, alles zu sehen, zu erfahren, kennen zu lernen.

 

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Verlosung: 

Die Firma Bykay hat einen ihrer Meitais zur Verlosung bereit gestellt. Ihr habt auch ein größeres Tragekind und wollt den Meitai ausprobieren? Dann nehmt am Gewinnspiel auf Facebook teil und gewinnt einen Meitai, den die Firma Bykay zur Verfügung gestellt hat!

Sonntagssüß: Frei nach Schwarzwälder Kirsch

Bei der Oma gab es letztens eine Schwarzwälder Kirschtorte. Das fand die Tochter ganz toll. Deswegen haben wir in dieser Woche auch mal eine solche Torte als Sonntagssüß ausprobiert. Nicht ganz wie im Laden, aber sehr sehr lecker und passt in ihrer Art irgendwie besser zu uns als der Klassiker. Sie braucht aber eine ganze Weile, weil Teig und Schokoschicht  ruhen müssen. Weiterlesen

Schneeflöckchen… Wir begrüßen den Schnee

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Nun also ist er da: der Schnee! Die Tochter hat ihn so lange herbei gesehnt. Ich hatte ja schon fast gehofft, dass wir dieses Jahr um Glatteis und Schnee herum kommen – der letzte Winter würde mir persönlich für ein paar Jahre reichen. Doch nun also ist er da, der Schnee, die Kinder freuen sich und deswegen möchte ich Euch daran teilhaben lassen, wie wir ihn begrüßen und was wir mit dem Schnee so anfangen.

„Frau Holle“ ansehen

Seit Wochen schon sehen wir am Sonntag die DEFA-Verfilmung von „Frau Holle“. Die Tochter liebt sie, findet immer wieder neue Details dazu und wir sprechen sehr viel über den Inhalt. Für Kinder ist es nämlich überhaupt nicht schlimm, immer und immer wieder dasselbe zu sehen.Im Gegenteil: Sie lieben ja Wiederholungen und haben so die Möglichkeit, sich ausführlich damit zu beschäftigen. Und ich persönlich finde diese Version des Märchens auch sehr gelungen. Die Farben, das Bühnenbild – einfach ganz großartig.

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Schneeflöckchen-Fensterdeko

Natürlich wünschen sich die Kinder noch mehr Schnee. Und um die Freude aufzugreifen und Frau Holle zu zeigen, wie sehr wir uns freuen, haben wir schnell eine kleine Fensterdeko gebastelt. Dazu braucht man nur: Einen Stock (haben wir immer in Massen zu Hause, weil die Tochter von jedem Spaziergang welche mitbringt), Wattebälle, durchsichtige Schnur, eine Nadel.

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Den Faden fädel ich noch selbst auf die Schnur, aber dann kann die Tochter weiter machen: Mit der Nadel werden die Wattebäusche aufgefedelt, jeder einzelnen festgeknotet. Die Watte-Schnüre werden dann an dem Stock befestigt und alles zusammen kommt ans Fenster. Eine schöne Beschäftigung für einen Nachmittag!

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Schneeballschlacht im Spielzimmer und Fühlspiel

Nun also sind die Wattebällchen ausgepackt. Beim Auffädeln bleibt es natürlich nicht, denn zu schön sind diese kleinen, flauschigen Teilchen. Also machen wir eine gemeinsame Schneeballschlacht damit. Achtung bärtige Väter: Wattebällchen im Bart sind schwierig!

Und dann kommen alle Wattebällchen in unsere große Holzkiste. Der Sohn kann darin etwas spielen und genießt es, die weichen Bällchen über die nackten Beine zu wischen, sich den Bauch damit zu kitzeln. Eine schöne Erfahrung für den Tastsinn!

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Schneemann im Glas

Kürzlich habe ich in einem Blog die Idee zum Schneemann im Glas gesehen und da wir nun gerade noch Watte übrig hatten und leere Gläser sowieso immer da sind, haben wir einen Schneemann im Glas gebaut: Dazu braucht man ein Schraubglas mit Deckel, Watte, Stoffreste für Hut und Schal, ein Stück Papier für die Nase, einen Edding oder Knöpfe oder Glitzersteine für die Augen und den Mund. Wir haben den Schneemann zusammen gebastelt: Ein Auge habe ich aufgeklebt, eins die Tochter, eine Seite des Mundes habe ich aufgemalt, eine die Tochter,… Der zweite Schneemann wird dann ganz allein gemacht nach eigenen Vorstellungen.

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Schneespiele für zu Hause

Und wenn der Schnee dann da ist, dann muss auch nicht nur draußen damit gespielt werden. Im letzten Jahr haben wir den Schnee in kleinen Schalen in die Wohnung geholt und ins Waschbecken gestellt. Dort konnte die Tochter nach Herzenslust mit dem Schnee spielen: Ihn in verschiedene Formen geben, Wasser hinzu fügen, sehen, wie er schmilzt, ihn mit Wasserfarbe vermengen und die Mischung in einzelne Gläser tun und und und. Viele, viele Nachmittage haben wir mit diesem Spiel gefüllt.

Geborgen Wachsen + Windelmanufaktur = geborgene Babypflege

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Heute habe ich mit der Königin der handgefertigten Stoffwindeln in Berlin getroffen: Stephanie Oppitz von der Windelmanufaktur. Schon eine ganze Weile habe ich ein Auge auf die schönen handgefertigten Stücke geworfen und die immer neuen, tollen Stoffwindeldesigns bewundert. Über meine wunderbare Kollegin Anne Weidlich aus Dresden kamen wir dann persönlich zusammen: Geborgen wachsen und Windelmanufaktur im Austausch. Und das auch nicht an einem beliebigen Ort, sondern unter dem Dach der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Frauengesundheit.

Doch ich konnte nicht nur ihre schönen Windeln, Wetbags, Stilleinlagen und Slipeinlagen bewundern, sondern wir haben auch einen ganz konkreten Plan verfolgt: Wir wollen unsere Ansichten und Ideen und unsere Elternangebote unter einen Hut bringen und haben deswegen den ersten umfassenden Workshop zur bedürfnisorientierten, achtsamen Babypflege konzipiert. Mittlerweile gibt es Ausbildungen zu Windelfrei-Coaches, Stoffwindel-Beratern und natürlich klassische Babypflegeworkshops. Wir bringen nun all diese Themen zusammen zu einem einheitlichen Weiterbildungsangebot.

Worum es konkret geht? Auf einer Basis von wichtigen Informationen über Babypflege, wie zum Beispiel Basiswissen über die Haut als unser größtes Organ und ihre Bedürfnisse, Wissenswertes zu Pflegeprodukten und natürlich das richtige Handling in der Pflege, sehen wir, welche Möglichkeiten sich heute in Hinblick auf moderne, zeitgemäße, umweltschonende Baby- und Kleinkindpflege ergeben. Stephanie Oppitz gibt einen umfangreichen Überblick über moderne Stoffwindeln, verschiedene Marken, ihre jeweiligen Besonderheiten und die Warenkunde – selbstverständlich unabhängig von ihren eigenen Produkten, aber aus dem Erfahrungsschatz schöpfend, den sie als Herstellerin und Sammlerin von Stoffwindeln hat. Teilnehmer_innen erfahren hier alles Wichtige zum Wickeln und zur richtigen, bedürfnisorientierten und unabhängigen Beratung von Eltern. Susanne Mierau bietet darüber hinaus Einblicke in die Kommunikation mit dem Kind über seine Ausscheidungsbedürfnisse: Teilnehmer_innen erfahren, wie Babys von Geburt an ihre Bedürfnisse mitteilen und Eltern in der Wahrnehmung der Signale geschult werden können. Durch dieses umfangreiche Weiterbildungsmodul können Familien sehr individuelle betreut und begleitet werden. Absolvent_innen des Kurses können Eltern in ihrem ganz speziellen Wünschen beraten: Von der Auswahl der jeweils zum Kind und zur Familiensituation passenden Stoffwindel über die richtige allgemeine Säuglingspflege bis hin zum Konzept „Elimination Communication“. Das Beste daran: Wir wissen es ja, es gibt nicht DIE eine Lösung. Und oft genug auch nicht nur ein Modell in einer einzelnen Familie. Wir vermitteln deswegen, wie individuelle, bedürfnisorientierte und undogmatische Lösungen gefunden werden können. Alle Babypflege-Coaches arbeiten zudem nach einem Codex, der Eltern die Gewissheit gibt, unabhängig beraten zu werden ohne zu befürchten, dass aufgrund von Provisionen oder Prozenten mit einzelnen Windelherstellern in die ein oder andere Richtung beraten wird.

Unser erster Workshop findet am 16./17./18. Mai in Berlin statt und ist für Fachleute im Bereich der Elternbildung offen. Er kann ab sofort bei der GfG ([email protected]) gebucht werden. Alle weiteren Informationen erhaltet Ihr dort. Vielleicht also bis demnächst!?

 

Unser Spielraum – Wie ein Zimmer für zwei gestaltet sein kann

In der letzten Zeit habe ich viele Einblicke in andere Kinderzimmer erhalten. Eltern vom Mars zeigen ein Kinderzimmer nach Montessori, und auch Nestling gewährt Einblicke in die kindliche Spielumgebung. Da bei uns die Kinder im Familienbett schlafen, haben wir ein Spielzimmer, das für beide gemeinsam eingerichtet ist und dass sie sich teilen. Neben einem großen Schrank, in dem die Kinderkleidung für beide aufbewahrt wird, ist der Raum ausschließlich als Spielraum gedacht und wird auch so benannt. Natürlich funktioniert das nicht immer reibungslos mit den beiden und es gibt auch Streit um Spielzeug, um Bücher, um Stifte. Aber ich denke, dass dies auch gute und wichtige Erfahrungen sind und zur Kindheit mit dazu gehören. Geschwister sind Geschwister. Generell ist das Spiel bei uns viel von der Waldorfpädagogik inspiriert, aber schaut doch einmal selber:

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Unser Neuzugang im Zimmer ist der Bauernhof mit extra Pferdestall. Obwohl der Weihnachtsmann diesen eigentlich der Tochter gebracht hat, wird er auch sehr viel schon vom Sohn bespielt, der das Haus gern ein- und ausräumt und Tiergeräusche nachmacht.

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Links neben dem Bauernhof  schließt sich eine selbst gebaute Ebene an, die unsere Bau- und Konstruktionsebene bildet. Hier sind im Regal Bausteine, Dominosteine, Autos, Bagger etc. damit nach Herzenslust gebaut und gestapelt werden kann. Dass die Bauecke auf einer Hochebene ist, ist kein Zufall: Als Krabbler kam der Sohn hier noch nicht hinauf und konnte so die Bauwerke der Tochter nicht umreißen. Und als abgegrenzter Bereich stehen Häuser und Türme auch nicht im Weg und werden deswegen weniger umgerannt.

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Auf der anderen Seite des Zimmers findet sich dann der Rollenspielbereich. Er ist das Kernstück des Zimmers, denn beide Kinder lieben es, hier zu spielen. Hier gibt es einen kleinen Kaufmannsladen (im Bild links) und dann die Hochebene mit darunter liegender Puppenwohnung. Wie man einen Einkaufsladen auch preiswert bestücken kann, zeige ich Euch demnächst im Blog.

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Die Puppenwohnung verfügt über eine Küchenzeile mit Herd und Waschbecken – was man eben so braucht als Puppeneltern. Licht gibt es auch, damit es hinter dem Vorhang geheim-kuschelig ist.

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Über der Puppenwohnung befindet sich die Hochebene für die Tochter. Der Sohn kommt hier (hoffentlich) noch eine Weile nicht hinauf und es ist das ihr ganz eigener Ort, an dem aufbewahrt wird, was der kleine Bruder nicht erreichen soll.

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Jedes Kind hat auf seiner Höhe ein Bücherregal. Eines für die Tochter…

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… eins für den Sohn.

Das war dann auch schon der Rundgang durch unseren Spielraum. Nur eine mobile Spieleinheit haben wir noch:

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Eine große Holzkiste, die in die Stube oder auch in die Küche oder ins Schlafzimmer passt. Darin finden sich meistens Sachen zum Umfüllen, Sortieren, Stecken oder Bauen. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn ich längere Zeit in einem anderen Raum sein muss und der Sohn bei mir sein möchte.

 

Gastbeitrag von Nora Imlau: Was ich von Annette Kast-Zahn übers Ferbern gelernt habe

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Nachdem ich meinen kritischen Blogbeitrag zum Interview mit Frau Kast-Zahn veröffentlicht habe, hatte ich einen Austausch mit Nora Imlau über dieses Thema. Generell finde ich Nora Imlaus Artikel toll und immer sehr geborgenheitsorientiert. Nur die Form in der Zeitschrift fand ich unpassend. Jedenfalls habe ich Nora Imlau angeboten, Ihre Sicht noch einmal klar darzulegen auf meinem Blog. Heute hat sie mir daher angeboten, ihren neuen Artikel hier direkt als Gastbeitrag einzubinden. Vielen Dank an Nora Imlau für dieses Statement:

Was ich von Annette Kast-Zahn übers Ferbern gelernt habe

Ich bin seit sieben Jahren Mutter. Und seit sieben Jahren Journalistin und Autorin, die sich für einen liebevollen, bedürfnisorientierten Umgang mit Kindern stark macht. Dazu gehört, dass ich mich dafür ausspreche, feinfühlig auf die Signale unserer Babys zu reagieren und ihnen die Nähe zu geben, die sie brauchen: Beim Stillen oder beim liebevollen Füttern mit der Flasche. Beim Tragen, beim Kuscheln, beim Wiegen, und beim Einschlafen sowieso. Ich beziehe Position gegen das furchtbare Bild vom Kind als kleinen Haustyrannen, das durch Konsequenz und Strenge auf den rechten Weg gemacht werden muss, und ermutige Eltern, die Angst vor dem Verwöhnen einfach über Bord zu werfen und darauf zu vertrauen, dass ihr Kind gerade dann groß und stark und selbstständig wird, wenn es auch klein und schwach und schutzbedürftig sein darf.

Menschenkinder, davon bin ich überzeugt, kommen mit der inneren Erwartung zur Welt, geborgen und geliebt groß werden zu dürfen. Tun sie das, kommt alles andere von ganz allein: Das Abnabeln, das Großwerden, das Hinausziehen in die Welt in dem tiefen Vertrauen, dass es da einen sicheren Hafen gibt, in den sie immer zurückkehren können.

In den sieben Jahren, die ich nun Mutter und Journalistin bin, habe ich mich immer wieder intensiv mit so genannten Schlaflernprogrammen auseinander gesetzt. Mein Mutterherz hat sie schon immer abgelehnt. Ich fand die Vorstellung einfach widerwärtig, ein kleines Baby, das nach Nähe ruft, zu ignorieren und ihm die Geborgenheit, die es zum Einschlafen braucht, zu verwehren. Wenn eine Schlafsituation so verfahren ist, dass sich etwas ändern muss, so denke ich, gibt es mindestens in 99,99 Prozent der Fälle eine andere, liebevollere, sanftere Lösung, sie so zu verändern, dass sie für alle Familienmitglieder wieder tragbar ist. Als Autorin und Journalistin war es mir ein Anliegen, diese intuitive innere Abwehr gegen Schlaflernprogramme auf fundierte, sachliche Füße zu stellen. Und so führte ich in den vergangenen Jahren viele Interviews mit Experten, die mir erklärten, warum sie gegen Schlaflernprogramme sind. Auszüge aus diesen Interviews sind – gemeinsam mit Statements anderer Experten – heute in der Broschüre von Sibylle Lüpold mit dem schönen Titel „Kinder brauchen uns auch nachts“ versammelt.

Ich erinnere mich noch genau an mein erstes Interview zum Thema, mit Prof. Jürgen Zulley, einem so renommierten Experten in Sachen Schlaf, dass er in den Medien gern „der deutsche Schlaf-Papst“ genannt wird. Vor dem Gespräch wusste ich nicht, wie er zu Schlaflernprogrammen steht, und so schlug mir bei der Frage danach das Herz bis zum Hals. Und dann sagte Zulley: „Viele Babys und Kleinkinder können nicht alleine einschlafen, sie brauchen dazu die Nähe der Eltern – ich halte es für falsch, ihnen dieses gesunde Bedürfnis abtrainieren zu wollen.“ Ich jubilierte – endlich hatte ich einen Kronzeugen für meine Überzeugung. In den folgenden Jahren interviewte ich Prof. Gerald Hüther, der mir erklärte, warum Kinder unter Stress nichts lernen können, und schlafen schon gar nicht, sowie den wunderbaren Kinderarzt und Buchautor Dr. Herbert Renz-Polster, der mir darlegte, dass kleine Kinder noch heute nach denselben Schutzbedingungen streben, wie sie für Babys vor vielen tausend Jahren wichtig waren. Alleine einzuschlafen war zu dieser Zeit nichts anderes als lebensgefährlich – kein Wunder, dass sich noch heute die meisten Babys mit aller Macht dagegen wehren.

Jahre gingen ins Land, ich schrieb viele Artikel zum Thema Schlafen und außerdem zwei Bücher, in denen ich auf die vielen Vorteile des Familienbetts verweise, für liebevolles Einschlafbegleiten plädiere und Schlaflernprogramme scharf verurteile. Auch in der Zeitschrift ELTERN, für die ich als freie Redakteurin arbeite, war nun immer häufiger von sanften Schlaflösungen die Rede, die die Bedürfnisse aller Familienmitglieder berücksichtigen. Familienbetten und Beistellbettchen kamen ganz selbstverständlich in jeder Schlaf-Geschichte vor, es wurde auf das angeborene Bedürfnis nach Nähe verwiesen und vom Schreienlassen abgeraten. Vieles war in Bewegung gekommen, nur eins war noch nicht passiert: Ich hatte noch nie das direkte Gespräch mit der Frau gesucht, deren Namen mit dem Thema Schlaflernprogramme im deutschsprachigen Raum untrennbar verbunden ist: Annette Kast-Zahn, Diplompsychologin und Autorin von „Jedes Kind kann schlafen lernen“.

Als dann auch noch eine Petition gegen die Neuauflage ihres Schlaflernbuchs durchs Internet rauschte und binnen kürzester Zeit über 5000 Unterschriften gegen die Veröffentlichung des Werks zusammen kamen, befanden wir von der ELTERN, nun sei es wirklich mal Zeit für ein persönliches, kritisches Interview mit der Autorin des umstrittenen Schlaflernbuchs. Und ich sollte es führen. Ich war sehr aufgeregt im Vorfeld, und bereitete mich akribisch vor. Ich hatte alles dabei: Herbert Renz-Polsters „Kinder verstehen“ und Margot Sunderlands „Die neue Elternschule“, in der die Leiterin des Centre for Child Mental Health, London, eindringlich vor Schlaflernprogrammen warnt und erklärt welche dramatischen Auswirkungen diese auf die noch unreifen Gehirnstrukturen kleiner Kinder haben können. Zitate von Schlafforschern, Hirnforschern, Psychologen und Psychiatern, die sich gegen Schlaftrainings aussprechen.

Und dann unterhielten wir uns, Frau Kast-Zahn und ich, in ihrer liebevoll eingerichteten Praxis bei Tee und Keksen, und ich merkte: Über Schlaflernprogramme zu diskutieren ist noch viel schwieriger, als ich mir das je erträumt hätte. Denn natürlich hatte auch Frau Kast-Zahn sich vorbereitet und hatte Studien dabei, die genau das Gegenteil von meiner Überzeugung belegen sollten: Dass Schlaflernprogramme ein adäquates Mittel seien im Umgang mit Kindern, die auch im Alter von einem halben Jahr noch nicht alleine ein- und durchschlafen. Und seit sie und ich unsere Argumente ausgetauscht haben, denke ich tatsächlich etwas anders über Schlaflernprogramme als vorher.

Denn: Wer die Argumente von Frau Kast-Zahn und anderen Schlaflernprogramm-Befürwortern einfach wegwischt mit der Begründung, dass diese doch schon längst wissenschaftlich widerlegt seien, macht es sich zu leicht. Denn auch wenn es Schlaflernprogramm-Kritikern wie mir und vielen meiner Leserinnen und Leser nicht gefallen mag, in diesem Punkt hatte Frau Kast-Zahn schlicht recht: Es keine einzige Studie gibt, die nachteilige Langzeitwirkungen von Schlaflernprogrammen auf die kindliche Psyche oder die Eltern-Kind-Bindung nachweisen würden. Ich schwöre: Ich habe mir die Finger wund gesucht danach. Es gibt sie nicht. Es gibt keinen Beweis, dass Schlaflernprogramme schaden. Auch wenn man im Internet immer wieder Gegenteiliges liest.

Was es gibt, das sind Wissenschaftler, die aus guten Gründen davon abraten. Pädagogen, Psychologen, Kinderärzte, Hirnforscher, Bindungsforscher, die aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit heraus ableiten, dass Schlaflernprogramme nicht kindgerecht und potentiell schädlich sind. Sie sind wertvolle Kronzeugen, keine Frage. Aber: Auch die Aussage eines Professor Zulley oder eines Dr. Herbert Renz-Polster sind kein wissenschaftlicher Beleg.

Denn, so traurig das auch sein mag: Es wäre ein Leichtes für Schlafprogramm-Befürworter, eine ähnliche Broschüre wie Sibylle Lüpolds „Kinder brauchen uns auch nachts“, nur andersrum herauszubringen. 20 Statements von Kinderärzten, Hebammen, Psychologen und Schlafforschern, die sich für Schlaflerntrainings aussprechen? Kein Problem, wenn ich wollte, hätte ich die binnen einer Woche zusammen. Und alleine diese Tatsache zeigt: Es ist gut und wertvoll und wichtig, dass es solche Broschüren gibt. Aber ein Beweis für die Schädlichkeit von Schlaflernprogrammen sind sie nicht.

Viele meiner Leserinnen und Leser haben in den vergangenen Tagen nach dem Erscheinen des Interview in der ELTERN nun argumentiert, dass die Forderung von Frau Kast-Zahn nach Studien, die die Schädlichkeit von Schlaflernprogrammen belegen, völlig widersinning sei – weil schließlich keine Ethikkommission der Welt eine Studie zulassen würde, in der fünftausend Babys schreien gelassen werden und fünftausend nicht, und am Ende guckt man, ob die fünftausend geferberten Babys Schäden davon getragen haben oder nicht. Doch auch wenn es sicher richtig ist, dass solche Studien zum Glück nicht durchgeführt werden dürfen, gibt es sehr wohl wissenschaftliche und auch in anerkannten Fachmagazinen veröffentlichte Studien, die sich mit den Auswirkungen des Ferberns beschäftigen. Denn auch wenn man keine Babys extra für eine Studie schreien lässt, ist es ja nicht so schwierig, im Nachhinein eine geeignet große Gruppe von Kindern zu finden, die als Babys geferbert wurden – und diese mit einer Gruppe von Kindern zu vergleichen, die nicht geferbert worden sind. Genau das ist in einer US-amerikanischen Studie von Prica, Wake et al passiert, und das Ergebnis war, dass schlaftrainierte Kinder sich weder in ihrem Bindungs- noch in ihrem Sozialverhalten von nicht schlaftrainierten Kindern unterscheiden. Ja, es gibt sogar eine Studie, die einen positiven Effekt von Schlaftrainings auf die Mutter-Kind-Interaktion nachgewiesen hat.

Natürlich könnten wir uns jetzt hinstellen und sagen: Das glaube ich nicht. Und damit genau das tun, was viele Schlaftrainings-Kritiker den Befürwortern vorwerfen: Wissenschaftliche Erkenntnisse einfach zu ignorieren und stur weiter die eigene Überzeugung zu vertreten. Aus meiner Sicht ist das kein zielführender Weg. Stattdessen habe ich, als Mutter und Journalistin, im Gespräch mit Frau Kast-Zahn vor allem eins gelernt: Es gibt Themen, da führen uns wissenschaftliche Argumente nicht weiter. Weil es eigentlich um eine ethische Frage geht, und die lautet: Kann es okay sein, ein hilfloses, von mir zu 100 Prozent abhängiges Wesen weinen zu lassen, wenn ich ihm ganz leicht helfen könnte?

Klar werden Schlaftraining-Fans auch diese Beschreibung anzweifeln und argumentieren, das Kleine sei doch gar nicht wirklich allein, und auch nicht wirklich verzweifelt. Aber wie sich ein Baby fühlt, das alleine in seinem Bettchen liegt, das kann keine Studie der Welt herausfinden. Zum Glück, könnte man sogar sagen, denn so kann niemand auch nur versuchen, zu widerlegen, was für tausende Mütter und Väter auf der Welt schlicht unverhandelbar ist: Dass aus dem Schreien eines Babys, das alleine in seinem Bettchen liegt, die Angst und Verzweiflung der ganzen Welt zum Ausdruck zu kommen scheint. So durchdringend, so tiefgehend, so existenziell hilfesuchend klingt dieses Schreien. Jeder, der ein Herz im Leib hat, spürt angesichts dieses Weinens den Impuls, das Kleine da sofort raus und auf den Arm zu nehmen. Und unzählige Eltern, die sich bereits an so genannten Schlaftrainings versucht haben, werden bestätigen, dass es sie innerlich beinahe zerrissen hat bei dem Versuch, diesem Impuls nicht nachzugeben, sondern ihr Baby für eine bestimmte Minutenzahl alleine weinen zu lassen.

Was ich aus meinem Gespräch mit Frau Kast-Zahn also vor allem gelernt habe, ist das hier: Schlaflernprogramm-Befürworter sind von der Richtigkeit ihrer Argumente genauso überzeugt wie Schlaflernprogramm-Kritiker. Auf der Ebene von Studien lässt sich die Frage, was nun in Sachen Schlaflernprogramme richtig und was falsch ist, deshalb nicht wirklich beantworten – all der prominenten Schlafprogramm-Gegner und ihrer guten Argumente zum Trotz. Anstatt Müttern und Vätern, die mit einem Schlaflernprogramm liebäugeln, also die schrecklichen Folgeschäden entgegen zu schmettern, von denen wir im Internet gelesen haben, sagen wir ihnen also doch lieber den wahren Grund, warum Schlaflernprogramme für uns nie in Frage kämen:

Weil sie suggerieren, es wäre eine gute Sache, nicht auf die Signale unseres Babys zu reagieren. Weil sie uns dazu zwingen, unser Kind, das sich zu 100 Prozent auf uns verlässt, in einer Stresssituation immer wieder alleine zu lassen. Weil Eltern während eines Schlaflernprogramms sehen, wie schlecht es ihrem Kind gerade geht – und kein Mitleid zulassen dürfen, um nicht den Erfolg des Programms zu gefährden. Kurz: Selbst wenn tausend Studien die Unbedenklichkeit von Schlaflernprogrammen belegen würden, es bliebe trotzdem ganz großer Mist, sie anzuwenden – außer in jenen wirklich seltenen Situationen, in denen Eltern kurz davor stehen, ihre Kinder an die Wand zu klatschen von lauter Wut und Frust über die eigene Schlafsituation.

In solchen Momenten gilt das „Pest oder Cholera?“-Prinzip: Wo es keine gute Lösung mehr gibt, weil die Situation schon so verfahren ist, kann auch eine ganz und gar nicht gute Lösung noch die bestmögliche Lösung sein.

Vor allem aber können alle, die Schlaflernprogrammen kritisch gegenüberstehen, sich seit der Veröffentlichung meines Interviews mit Frau Kast-Zahn freuen, dass sie mit dieser Haltung nicht alleine sind, sondern dass sich auch die Redaktion der größten deutschsprachigen Elternzeitschrift klar gegen Schlaflernprogramme positioniert. Denn der wichtigste Satz dieses Interviews ist aus meiner ganz persönlichen Sicht dieser hier:

„Wir von der ELTERN-Redaktion haben unsere Meinung zu Schlaflernprogrammen in den vergangenen Jahren geändert: Wir haben sie früher durchaus als Rettungsanker für übermüdete Eltern empfohlen, heute raten wir, einen Kompromiss zwischen den Schlafbedürfnissen aller Familienmitglieder zu finden – ohne dem Baby den Stress eines Schlaflernprogramms zuzumuten.“

Wochenende in Bildern 18./19. Januar

Ein Januarwochenende. Es war ein gutes Wochenende, an dem ich viel gearbeitet, aber auch viel Familienzeit hatte. Ich habe viel gelesen zwischendurch (und nicht nur Kinderbücher!), habe zu wenig geschlafen, habe Eis und Schikoladenpudding genascht, habe eine liebe Kollegin getroffen, habe mit den Kindern gespielt und abends mit dem Mann ferngesehen. Weiterlesen

„In den Schlaf gewiegt zu werden ist Gewohnheit“ – Gedanken zum Interview mit Annette Kast-Zahn

Schlaf

Als ich die aktuelle Ausgabe der ELTERN-Zeitschrift aufblättere, trifft es mich wie ein Schlag: Ein Interview mit Annette Kast-Zahn, Mit-Autorin des umstrittenen Buches „Jedes Kind kann schlafen lernen“. Erst kürzlich ging durch alle Socialmediakanäle der Aufruf, eine Petition zum „Verbot“ des Buches zu unterzeichnen. Gerade erst gab es eine Neuauflage dieses Buches im GU Verlag. Die Petition, die von etwa 5000 Menschen unterzeichnet wurde, hatte nichts bewirkt. Und nun bietet die ELTERN-Zeitschrift der Autorin eine Plattform, um die Neuauflage zu bewerben.

Frau Kast-Zahn bezieht Stellung zu ihren Ansätzen und dem Protest. Etwas ungehalten wirkt sie schon in dem Interview, es ist keine angenehme Ausdrucksform, die sie gewählt hat, um von ihrem Projekt zu sprechen. Was sie aber auf jeden Fall ist: Überzeugt von sich und ihrer Theorie, das „kontrollierte“ Schreienlassen wäre ein legitimes Mittel, um Kindern das Schlafen beizubringen. Auf die Frage nach der Petition und möglichen Folgen kann sie behaupten:

Nähme ein Verlag mein Buch aus dem Programm, ginge ich mit meinem Manuskript eben zum nächsten.

Recht hat sie damit wahrscheinlich, denn nur weil ein Verlag ein Buch heraus bringt, bedeutet das nicht, dass dessen Inhalt auch gut und richtig ist. Es ist ein Millionengeschäft – und das gerade, wenn es um ein so heikles Thema geht wie die Ängste und Sorgen von Eltern. Dass sie von ihrer Arbeit aber auch überzeugt ist, führt sie weiter damit aus, dass sie in all den Jahren noch nie einen negativen Leserbrief bekommen hätte:

Erstaunlicherweise habe ich – im Gegensatz zu Ihnen – in den vergangenen 18 Jahren nicht einen einzigen solchen Brief bekommen.

Das finde ich persönlich in der Tat erstaunlich. Denn auch ich kenne aus meiner Arbeit viele Eltern, die zu mir kamen mit Schlafproblemen ihrer Kinder und berichteten, dass sie das Schlafprogramm ausprobiert und abgebrochen haben, weil sie es nicht aushielten. Wenn es also solche Eltern weiterhin gibt, können Sie sich hier direkt an Frau Kast-Zahn wenden. Vielleicht gibt sie ja dann im nächsten Interview an, dass es doch den ein oder anderen negativen Brief gegeben hätte – oder sie verschließt weiterhin die Augen vor diesem Umstand. Das übrigens tut sie gerne, wenn es um Belege dafür geht, dass das Schreienlassen negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung hat. Hinweise darauf kommentiert sie nämlich folgendermaßen:

Da möchte ich nun aber gerne eine Studie sehen, die das belegt. das ist doch nichts anderes als eine Behauptung, eine persönliche Meinung, eine Überzeugung! Seit Jahren bitte ich die Kritiker meines Buches, mir doch einmal wissenschaftliche Quellen für ihre Unterstellungen zukommen zu lassen.

Andere Fachleute scheint Frau Kast-Zahn nämlich abzustreiten bzw. hält sie sich im Kompetenzgerangel wohl für weit überlegen, wenn sie andere Ansichten abtut mit:

Aufsätze aus der Bindungstheorie oder ein Interview mit einer Stillberaterin, die für Co-Sleeping plädiert.

An dieser Stelle möchte ich gerne sagen: Liebe Frau Kast-Zahn, ich selber bin Diplom-Pädagogin mit diversen Zusatzausbildungen. Möchten Sie mir die Kompetenz, mich zu diesem Thema zu äußern, auch absprechen? Sind alle Menschen, die ihre Kinder nicht wie Sie selbst hinter einer Tür schreien lassen (denn Frau Kast-Zahn hat ihr Schlafprogramm natürlich bei ihrer Tochter selbst ausprobiert), nicht qualifiziert sich dazu zu äußern? Und denken Sie tatsächlich, dass Ihre Qualifikation höher zu betrachten ist als beispielsweise die eines Dr. Karl Heinz Brisch, Autor zahlreicher Bücher über Bindung und Bindungsstörungen, der zu eben solchen Schlafprogrammen sagt (2010, S.99):

Wenn das Baby weint, fühlt es sich hilflos und alleine. Wenn niemand kommt, ist der Stress sehr groß, aus dem es sich allein nicht befreien kann. Es macht hierbei die Erfahrung, dass es sich in Situationen von Angst und Alleinsein nicht darauf verlassen kann, dass seine Bindungspersonen ihm Schutz und Sicherheit geben. Diese emotionale Erfahrung verinnerlicht es schon sehr früh und für den Rest seines Lebens, so dass es sich eventuell auch später in angstvollen Situationen keine Hilfe mehr holen wird. Man stelle sich einmal vor, dass man als erwachsener Patient im Krankenhaus läge, in der Nacht große Schmerzen hätte und nach der Krankenschwester klingelte, aber niemand käme. Um wieviel verlorener muss sich ein Baby in der Nacht fühlen?

An dieser Stelle möchte ich nicht noch einmal auf die Auswirkungen des Schreienlassens auf das Kind eingehen, denn das habe ich an anderer Stelle ausführlich getan. Zur besseren Verdeutlichung des Zitats von Karl Heinz Brisch möchte ich jedoch noch auf dieses Video von Nestling verweisen:

 

Ich hoffe, dass Frau Kast-Zahn mit ihrer Meinung „Ich bin überzeugt, dass es weinenden Babys nicht schadet, kurz allein zu sein“ mehr und mehr allein dasteht und Eltern verstehen, dass Schreienlassen keine gute Idee ist, um Kindern Selbständigkeit anzuerziehen. Und dass sich zudem das Verständnis dafür durchsetzt, dass das nächtliche Aufwachen des Babys normal ist und  Frau Kast-Zahns Aussage „Wenn ein Baby auch im zweiten Lebenshalbjahr noch mindestens zweimal pro nacht wach wird und irgendwas von den Eltern braucht, hat es nach Definition der Schlafforschung eine Schlafstörung.“ bald der Vergangenheit angehört.

Nachtrag vom 17.01.2014 11:19 Uhr:
Ich habe nun von verschiedenen Stellen noch einmal den Hinweis bekommen, dass in dem Artikel auch folgendes Statement der ELTERN zu finden ist:

Wir von der ELTERN-Redaktion haben unsere Meinung zu Schlaflernprogrammen in den vergangenen Jahren geändert: Wir haben sie früher durchaus als Rettungsanker für übermüdete Eltern empfohlen, heute raten wir, einen Kompromiss zwischen Schlafbedürfnissen aller Familienmitglieder zu finden – ohne dem Babys den Stress eines Schlaflernprogramms zuzumuten.

Ja, das ist richtig. Doch dieser Artikel hier beschäftigt sich mit einer kritischen Auseinandersetzung mit den Antworten von Frau Kast-Zahn. Zudem ist trotz dieser Anmerkung nicht klar, warum überhaupt Frau Kast-Zahn einen solchen Raum für ihre Ausführungen erhält. Wäre nicht ein kritischer Artikel dazu sinnvoller gewesen? Oder ein Interview zusätzlich mit einem Autor wie dem oben genannten Karl Heinz Brisch, der die Angaben von Frau Kast-Zahn relativieren bzw. sogar umwerfen kann?