Kategorie: Baby tragen

Tragen mit BeLenka {Werbung & Verlosung}

Die Auswahl an Tragehilfen ist inzwischen riesig und der Markt wächst immer weiter. Sich ohne Hilfe oder Beratung zwischen Wrap Conversions, Halfbuckles und Fullbuckles für ein System zu entscheiden, ist dabei wohl noch die einfachste Aufgabe. Wenn es jedoch darum geht, die einzelnen Modelle nochmal voneinander zu unterscheiden, wird dies schnell zu einer Herkulesaufgabe. Trageberaterin Kira Heck hat einen Blick auf die Be Lenka Fullbuckle Lenka 4ever geworfen und mit einigen Eltern getestet.

Der Fullbuckle Lenka 4ever im Test

Der mitwachsende Fullbuckle (Full = Voll; Buckle = Schnalle; also eine Vollschnallentragehilfe) Lenka 4ever hat klassische, nicht kreuzbaren Schulterträgern. In diesem können die Babys mit einem Gewicht von 4 bis 20 kg getragen werden, auf dem Rücken oder vorn. Beim Blick auf die unterschiedlichen Tragehilfen fielen mir sofort die bunten Designs ins Auge. Von eher puristischen Designs in dezenteren Farbe über romantisch verspielte Muster bis hin zur farbenfrohen Mandalavariante bietet Be Lenka ein breites Designspektrum, in dem sicherlich jeder für sich ein ansprechendes Modell findet. Besonders schön und bisher so auch noch nicht gesehen, finde ich persönlich die neutrale Variante ByMe, die mit den mitgelieferten Stiften selbst gestaltet werden kann. Gerade für Geschwisterkinder stelle ich es mir sehr schön vor, wenn diese die Tragehilfe des jüngeren Geschwisterkindes nach den eigenen Vorstellungen gestaltet können. Dies gibt einer Tragehilfe dann wirklich eine ganz persönliche Note. Die Tragehilfe ist zu 100 % aus Baumwolle gefertigt und ist bei 30° Grad waschbar.

Der erste Eindruck

„Wow, ist die weich!“ und „Super dick gepolstert“, waren die ersten Reaktionen der testenden Eltern. Tatsächlich handelt es sich bei der Lenka 4ever um eine ziemlich üppig gepolsterte Tragehilfe, die direkt zu Beginn mit ihrer sehr weichen Haptik besticht. Der Stoff liegt angenehm in der Hand. Er ist zwar weich, dabei aber nicht zu rutschig. Besonders ins Auge fällt der breite, leicht ergonomisch geformte Hüftgurt. Dieser ist breit aber nicht zu fest gepolstert und verfügt über eine kleine mit einem Klettverschluss verschließbare Tasche im vorderen Bereich. Dies ist praktisch, da man darin gut kleine Dinge, wie zum Beispiel Taschentücher oder den Haustürschlüssel verstauen kann, ohne eine weitere Tasche mitnehmen zu müssen. 

Weicher und breit gepolsterter Hüftgurt mit praktischer Tasche für Kleinigkeiten

Aufbau

Die Lenka 4ever verfügt über unterschiedliche Möglichkeiten die Tragehilfe optimal an das Baby oder Kleinkind anzupassen. Der leicht ergonomisch geformte Hüftgurt ist ca. 13 cm breit. Er wird seitlich über eine normale 2-Punkt-Schnalle verschlossen und kann somit auch einhändig geöffnet werden. Eine Sicherheitsschlaufe trägt dazu bei, dass sich der Hüftgurt bei Versagen der Schnalle nicht unmittelbar komplett lockert. Die Schnalle ist aus Sicht der tragenden Person rechts am Hüftgurt vernäht. Es handelt sich somit nicht um eine zentrierte Schnalle. Ist die Schnalle verschlossen, liegt sie auf der Polsterung des Hüftgurtes auf und drückt somit nicht unangenehm auf den Körper. Der Hüftgurt kann auf minimal 65 cm verschlossen werden. Seine maximale Länge beträgt etwa 130 cm. 

Schnalle am Hüftgurt mit weicher Polsterung

Der Steg wird über einen innen verlaufenden Tunnelzug zusammengerafft und gewährt somit die Anhock-Spreiz-Haltung des Traglings. Er lässt sich von ca. 18 bis ca. 41 cm stufenlos verstellen. Oftmals ist es bei Tragehilfen, die über einen sehr langen Zeitraum passen sollen so, dass der überschüssige Stoff unschöne Beulen wirft oder einfach „zuviel“ ist, wenn er noch nicht benötigt wird. Bei der Lenka 4ever, lässt sich der Steg einige cm über dem Hüftgurt angenehm zusammenraffen, ohne dass dies einen direkten Einfluss auf den Sitz des Hüftgurtes nimmt, da dieser trotz eines komplett zusammengerafften Stegs wunderbar am Körper des Trägers anliegt. 

Die seitlichen Tuchkanten des Rückenteils sind zusätzlich gepolstert. Dies hat den Vorteil, dass sich keine einschneidende Tuchkante in der Kniekehle des Traglings befindet. Bei zierlichen Babys wirkt die Polsterung jedoch etwas zu massiv und trägt nur bedingt zu einem besseren Sitz bei.

Die Schulterträger enden im oberen Drittel des Rückenteils. Für gewöhnlich empfiehlt sich für kleine Babys eine Tragehilfe zu wählen, bei der die Schulterträger am Hüftgurt statt am Rückenteil enden, da letzteres zu einem unschönen Druck die noch gerundete Wirbelsäule des Babys führen kann. Da die Schulterträger bei der Lenka 4ever jedoch recht weit oben am Rückenteil angesetzt sind, wird weniger Druck auf die Wirbelsäule des Traglings ausgeübt. Dieser hat im unteren Teil des Rückenteils noch genug Spiel für einen gerundeten Rücken ohne Druck. Lediglich für den/die TrägerIn kann der hohe Sitz der am Rückenteil endenden Schulterträger dazu führen, dass dieser die Armfreiheit etwas einschränkt. Das Rückenteil lässt sich im oberen Drittel zusammenraffen und somit für kleinere Babys verkürzen. Dies hat Be Lenka sehr elegant gelöst, da sich der Gurt zum Verkürzen des Rückenpanels im Stoff der Tragehilfe verbirgt und somit kaum Falten entstehen. Das Rückenteil lässt sich, seitlich gemessen, auf eine Länge von ca. 30 cm minimieren und ca. 42 cm maximieren.

Schnalle zum Verkürzen des Rückenteils und am Rückenteil endende Schulterträger

Damit der Kopf des Babys optimal gestützt wird, kann der Stoff im Nackenbereich über einen eingenähten Tunnelzug manuell zusammengerafft und die Enden an den dafür vorgesehenen Clips an den Schulterträgern fixiert werden. Weiterhin verfügt die Lenka 4ever über eine Kapuze, die als Licht- oder Windschutz benutzt werden kann. 

Die Schulterträger der Lenka 4ever sind ähnlich wie ihr Hüftgurt mit knapp 10 cm ziemlich breit aber weich gepolstert. Sie verfügen über Schnallen im vorderen Bereich, die die Träger verkürzen somit auch zum Stillen verwendet werden können. Die Lenka 4ever gibt es in zwei „Schulterträgerversionen“. So kann sie ganz klassisch als normaler Fullbuckle mit normalbreiten Schulterträgern und Rückenschnalle bestellt werden oder mit extrabreiten Schulterträgern, die zusätzlich die Möglichkeit bieten über Kreuz getragen zu werden. Da mir letztere Version nicht zum Testen vorlag, kann ich mich zum Sitz der Version mit über Kreuz tragbaren Schulterträgern nicht äußern.

Was bei den Schulterträgern direkt auffällt, ist ihre Länge. Diese beträgt im komplett gelockerten Zustand etwa 85 cm. Somit bleibt beim Anlegen, bei nur leicht fest gezogenen Schulterträgern so viel Gurt übrig, dass man noch sehr entspannt an die Enden herankommt ohne sich großartig verrenken zu müssen. Sie werden außerdem ausschließlich nach vorn festgezogen, was ihre Handhabung und das Festziehen sehr einfach macht. Auch die Rückenschnalle verfügt über verhältnismäßig lange Gurte und kann dadurch sogar selbst enger gestellt werden. In der Höhe lässt sie sich auf den Schulterträgern um ca. 12 cm nach oben oder unten verschieben. Zusätzlich gehören zwei Gurtschoner zum Umfang der Tragehilfe, die mit Klettverschlüssen nach Belieben zusätzlich an den Schulterträgern befestigt werden können. 

Schulterträger mit „Stillschnallen“ und abnehmbarem Gurtschoner

Fazit

Insgesamt handelt es sich um einen bequemen, weichen Fullbuckle. Die Lenka 4ever überzeugte mich und die testenden Eltern sowohl im Design als auch in ihrer Funktionalität. Sie ist einfach anzulegen und selbsterklärend, wenn man sich mit den Funktionen einer Tragehilfe auskennt. Wenn man noch nie zuvor eine Tragehilfe in der Hand hatte, können die vielen Anpassungsmöglichkeiten in Form von Schnallen und Tunnelzügen anfangs etwas überfordern.  Durch die zahlreichen Möglichkeiten lässt sich die Lenka 4ever jedoch sehr gut an Babys unterschiedlicher Größe und TrägerInnen unterschiedlicher Statur anpassen. Bei zierlichen Babys fehlte es mir persönlich jedoch an ausreichender Stützung im seitlichen Rückenbereich. Babys mit einer Größe von ca. 68 cm saßen mit einem komplett zusammen gerafften Rückenpanel fest und sicher in der Lenka 4ever. Demnach stimme ich den Angaben zum empfohlenen Nutzungsalter des Herstellers zu, würde diese jedoch sogar noch etwas nach oben korrigieren, wenn es sich um sehr zierliche Babys handelt. Wenn man dick gepolsterte Tragehilfen bevorzugt, kommt die Lenka 4ever auf jeden Fall in die engere Auswahl. An sehr zierlichen TrägerInnen wirkte sie aufgrund ihrer dicken Polsterungen jedoch schnell etwas massig und zu groß.

Wenn ihr die Lenka 4ever testen möchtet, fragt bei eurem/eurer TrageberaterIn nach, ob sie diese im Sortiment führt. Hier könnt Ihr zudem eine Trage gewinnen:

Verlosung

  • Verlost wird eine Be Lenka Fullbuckle Lenka 4ever
  • Kommentiere zur Teilnahme hier auf dem Blog
  • Bitte kommentiert individuell, so dass nach der Auslosung eine eindeutige Zuordnung des Namens möglich ist (bspw. ist eine Zuordnung schwierig, wenn es 20 Stefanies gibt, daher dann lieber Stefanie_79 oder ähnlichen Namen wählen). Bitte kommentiere nur einmal: Manchmal dauert es ein paar Stunden, bis Dein Kommentar freigeschaltet werden kann, aber er geht nicht verloren.
  • Die Teilnahme steht in keinem Zusammenhang mit Facebook oder Instagram.
  • Datenschutzhinweis: Dieses Gewinnspiel ist nicht an weitere Kontaktaufnahme wie Newsletter und Werbung gekoppelt. Die Daten der TeilnehmerInnen werden nicht weitergehend ausgewertet oder zu Werbezwecken gebraucht. Alles weitere zum Umgang mit Daten findet Ihr im Datenschutzhinweis
  • Teilnahmeberechtigt sind alle volljährigen natürlichen Personen.
  • Die Teilnahme beginnt am 22. August 2019 um 9:00 Uhr und endet am 24. August 2019 um 24 Uhr. Verlost wird nach Teilnahmeschluss.
  • Der/die Gewinner/in wird im Anschluss nach dem Zufallsprinzip ermittelt und erhält eine Benachrichtigungsemail . Eine Veröffentlichung des Namens findet aus Datenschutzgründen nicht statt.
  • Die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners und die Mailadresse werden an die Firma BeLenka weitergegeben. Hiermit erklären sich die Teilnehmer*innen am Gewinnspiel einverstanden.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
  • Sollte sich der/die Gewinnerin nicht spätestens 10 Tage nach der Verlosung zurückmelden, verfällt der Gewinn.

Kira Heck ist staatlich anerkannte Kindheitspädagogin B.A., geprüfte Trageberaterin und zertifizierte Stillbegleiterin. Sie arbeitet als Trage- und Stillberaterin sowie als Elternbegleiterin in Berlin und Brandenburg und ist selbst Mutter. Auf Geborgen Wachsen schreibt sie über das Tragen von Babys und Kleinkindern, gibt hilfreiche Tipps und stellt neben Tragehilfen und Bindeweisen auch Basics zum Thema vor. Auf Instagram ist sie unter Herzhöhe zu finden. Mehr Informationen gibt es auch auf Kiras Webseite 


Welches Tragetuch ist am Anfang geeignet? – Tipps einer Trageberaterin

Ganz egal, ob du dein Baby lieber in einem Tuch oder einer Tragehilfe tragen möchtest, das erste Mal ist und bleibt dabei immer etwas ganz Besonderes. Die Auswahl an Tragemöglichkeiten ist riesig. Hast du dich für ein Tragetuch entschieden, bekommst du hier ein paar Hintergrundinformationen, damit du entspannt deine ersten Trageerfahrungen sammeln kannst.

Dein Neugeborenes im Tuch tragen

Das Tragetuch bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, dein neugeborenes Baby sicher und bequem zu tragen. Es gibt unterschiedliche Bindeweisen, die je nach Körperstatur und gesundheitlicher Besonderheiten (z.B. Rückenschmerzen, Neigung zum Milchstau etc.) ausgewählt und erlernt werden können.

Neben dem „klassischen“ fest gewebten Tragetuch, stellt das elastische Tragetuch, welches deutlich flexibler und dehnbarer ist, eine weitere Möglichkeit dar, dein Baby im Tuch zu tragen. Für welche Art du dich entscheidest, hängt dabei von deinen persönlichen Vorlieben ab, denn beide Tucharten eignen sich gleichermaßen zum Tragen direkt nach der Geburt, unterscheiden sich jedoch in der Handhabung beim Binden und Straffen und in ihrem Tragegefühl. Die Empfehlung, dass Neugeborene ausschließlich im elastischen Tuch getragen werden sollten, ist demnach nicht korrekt. Grundsätzlich gilt, dass alle Tücher, ganz gleich ob gewebt oder elastisch, schön fest gebunden werden sollten, damit das Gewicht des Babys optimal auf dem Körper des Trägers verteilt und das Baby rundherum gut gestützt wird. Überprüfen lässt sich dies, indem du dich mit dem fertig gebundenen Tuch leicht nach vorne beugst. Dabei legst du unterstützend eine Hand an das Köpfchen deines Babys. Nun sollte sich der Körper deines Babys idealerweise nicht von deinem Körper wegbewegen. Dein Baby sollte sozusagen nicht ins Tuch fallen. Ist dies der Fall, straffe das Tuch bitte noch einmal nach. 

Das gewebte Tragetuch

Das gewebte Tragetuch besteht aus einem festen Stoff, wobei sowohl die Art als auch die Menge des verwebten Materials Einfluss auf die Haptik des Tuchs nehmen. Für den Beginn empfehle ich ein Tuch zu wählen, das sich durch ein geringes Flächengewicht auszeichnet. Das Flächengewicht gibt Aufschluss darüber, wieviel der Stoff des Tuchs wiegt und wird in g/m2 angegeben. Dieser Wert beschreibt also die Dichte eines Tuchs. Je höher das Flächengewicht, desto dicker ist das Tuch. Gerade am Anfang erleichtert es das Straffen ungemein, wenn du nicht einen riesigen Strang aus Stoff festhalten musst und noch dazu kostet es tatsächlich etwas Kraft ein sehr dickes Tuch akkurat zu straffen.

Außerdem sind gestreifte Tücher sehr zu empfehlen, da du anhand der Streifen den Tuchverlauf um deinen Körper besser nachvollziehen kannst und dies wiederum das Binden deutlich erleichtert. Tragetücher aus Baumwolle sind für den Tragestart völlig ausreichend und erschwinglich. Tücher aus extravaganteren Materialien wie Wolle, Bambus oder Seide sind für den Tragestart nicht wichtig, sondern werden vielmehr zu Objekten der Begierde, wenn du in Tragetüchern eine Leidenschaft für dich entdecken solltest.

Neben dem Flächengewicht und dem Stoff unterscheiden sich gewebte Tragetücher auch in ihrer Länge, die in der Regel in Zahlen angegeben wird. Die Entscheidung welche Länge die richtige ist, orientiert sich einerseits an Größe und Körperstatur der tragenden Person und andererseits an der Bindeweise, die genutzt werden soll. So „verbraucht“ das Känguru beispielweise viel weniger Tuchlänge als die Wickelkreuztrage. Es bietet sich daher an, erstmal zu testen, welche Bindeweise dir liegt und zusagt und dann das Tragetuch zu kaufen. An dieser Stelle möchte ich dich gerne nochmal dazu ermutigen, dir eine Trageberatung zu gönnen, denn der oft gehörte Ratschlag „Hol dir einfach das längste Tuch, damit kannst du alles binden!“, mag zwar stimmen, ist aber in der Praxis eher ernüchternd, da ein zu langes Tuch sowohl beim Binden keine Freude macht, als auch der ewig lange „Schwanz“, der übrig bleibt, im Alltag durchaus hinderlich sein kann.

Der große Vorteil des gewebten Tragetuchs ist, dass es von Beginn bis Ende der Tragezeit genutzt werden kann, da es je nach Bindetechnik zu einer optimalen Gewichtsverteilung führt und sich der Größe deines Babys bei jedem Binden anpasst. Damit es optimal für dich und dein Baby sitzt, musst du jedoch tatsächlich etwas üben. Auch wenn das Tragetuch zu binden keine Wissenschaft ist, müssen die neuen Handgriffe natürlich erstmal zur Routine werden, was aber durchaus ein paar Übungsanläufe in Anspruch nehmen kann. Insbesondere weil das gewebte Tragetuch es erfordert, dass der Stoff Stück für Stück, also „strähnchenweise“, festgezogen werden sollte, um ein optimales und festes Ergebnis zu erzielen. Aber hierbei gilt: Übung macht den Meister! 

Das elastische Tragetuch

Das elastische Tragetuch ist aus einer Art Jerseystoff gefertigt und deutlich dehnbarer als das gewebte Tragetuch. Gerade am Anfang empfinden viele Eltern das elastische Tragetuch als bequemer, da es ein bisschen wie ein enges Shirt sitzt und in seiner Handhabung tatsächlich etwas einfacher ist. Im Gegensatz zum gewebten Tuch, kann das elastische Tuch in dickeren Bahnen festgezogen und darf deshalb beim Binden etwas „grobmotorischer“ behandelt werden. Dies macht das Binden am Anfang für viele etwas einfacher, da weniger Handgriffe notwendig sind. Beim elastischen Tragetuch gibt es je nach Hersteller ein paar Unterschiede in der Verarbeitung des Stoffes, so zum Beispiel auch in der Dicke. Eine Angabe über das Flächengewicht gibt es beim elastischen Tragetuch für gewöhnlich jedoch nicht. Ich persönlich empfehle zusätzlich darauf zu achten, dass die Kanten richtig gesäumt und nicht nur gekettelt sind, da sich so die haltgebende Kopfkante deutlich besser straffen lässt und das Tuch an dieser Stelle mehr Stabilität bietet, da es weniger ausleiert. 

Die Bindeweisen beim elastischen Tuch sind etwas weniger variabel, als beim gewebten Tuch. Zudem begrenzt das Gewicht des Traglings in gewisser Hinsicht das Tragen im elastischen Tuch. Ab einem Gewicht von etwa 9 kg wird das Tragen deutlich weniger komfortabel und das stabile Binden ziemlich kompliziert, wobei an dieser Stelle das persönliche Empfinden natürlich eine große Rolle spielt. Grundsätzlich sollte das elastische Tuch immer mehrlagig gebunden werden, damit das Baby ausreichend gestützt ist. 

Nun also startest du in deine ersten Trageerfahrungen. Ich wünsche dir und deinem Baby viele wundervolle Tragemomente.

Kira Heck ist staatlich anerkannte Kindheitspädagogin B.A., geprüfte Trageberaterin und zertifizierte Stillbegleiterin. Sie arbeitet als Trage- und Stillberaterin sowie als Elternbegleiterin in Berlin und Brandenburg und ist selbst Mutter. Auf Geborgen Wachsen schreibt sie über das Tragen von Babys und Kleinkindern, gibt hilfreiche Tipps und stellt neben Tragehilfen und Bindeweisen auch Basics zum Thema vor. Auf Instagram ist sie unter Herzhöhe zu finden. Mehr Informationen gibt es auch auf Kiras Webseite 



Fünf stärkende Impulse zum Tragen von Babys

Gerade am Anfang ist es oftmals schwierig zwischen all den Tipps, gutgemeinten Ratschlägen und bedeutungsschweren Blicken anderer Mitmenschen für sich und seine Familie den eigenen individuellen Weg zu finden. Ist man doch vielleicht selbst noch nicht ganz vertraut mit der neuen Rolle als Mutter oder Vater. Gerade in Zeiten, in denen „missionierende Eltern“ gerne ungefragt ihre Meinung kundtun, wenn ein Baby nicht ganz optimal in der Tragehilfe oder dem Tuch zu sitzen scheint, ist die Entscheidung „Na, dann lass‘ ich es lieber doch sein“ schneller gefällt, als man es sich doch ursprünglich vorgenommen hatte. Das muss nicht sein. Es gibt eure Familie, euren Weg und die nachfolgenden stärkenden Worte, falls du vielleicht gerade einen zweifelnden Moment hast oder zum Thema Babytragen noch etwas Unsicherheit verspürst.

Finde deine ganz eigene Tragehilfe

„Also ich habe ja die xy Trage. Die ist so toll und sitzt perfekt. Am besten du holst dir die auch!“, empfiehlt die entspannt lächelnde Mutter, deren Baby genüsslich in der Trage schläft. So oder so ähnlich können Empfehlungen in Eltern-Kind-Cafés, Krabbel- oder Stillgruppen klingen. Völlig motiviert bestellst du dir daraufhin die empfohlene Tragehilfe und malst dir aus, wie dein Baby auch so entspannt darin schläft, während du selbst die Hände frei hast. Die anfängliche Euphorie ist jedoch oftmals nach dem Auspacken der ellenlangen Gebrauchsanweisung und dem ersten Anlegen getrübt, wenn nicht sogar gänzlich verflogen.

„Warum sitzt die denn nicht so wie bei der anderen Mama und wofür ist überhaupt diese Schnalle hier?“. Einmal ausprobiert und als unbequem befunden, landet die Tragehilfe schneller ungenutzt in der Ecke als einem lieb ist. Wie schade! Körperstaturen, auch die von Babys, sowie die Bedürfnisse und Empfindungen von Eltern sind so individuell, dass es gar nicht DIE EINE Tragehilfe, die wirklich jedem perfekt passt, geben kann. Jede Tragehilfe verfügt zwar über gewisse „Stellschrauben“ und anpassbare Funktionen, dennoch kann es sein, dass sie trotz optimaler Einstellung an euch ganz anders sitzt, als an der schwärmenden Mutter aus der Krabbelgruppe am Wochenende. Deshalb möchte ich dir ans Herz legen, dich nicht von
Empfehlungen anderer bei der Auswahl deiner Tragehilfe oder Bindeweise leiten oder verunsichern zu lassen. Die Variante mag für die empfehlende Person wirklich die optimale Lösung sein, aber eben auch nur das. Spar dir den Frust und das Geld für die Xte ans Herz gelegte Tragehilfe, sondern begib dich auf die wundervolle Reise eure ganz eigene Tragehilfe oder auch Bindeweise mit dem Tuch zu finden, denn die Möglichkeiten sind so vielfältig.

Hol dir Unterstützung

In den letzten Jahren ist die Auswahl enorm gewachsen und es ist wirklich viel verlangt, dass du dich nach der Geburt auch noch detailliert damit auseinandersetzt, was die Unterschiede der einzelnen Tragehilfen und Bindeweisen sind. Lass dir deshalb diese Arbeit von einer professionellen TrageberaterIn abnehmen. Die meisten TrageberaterInnen bieten Hausbesuche an und kommen bequem zu euch nach Hause. Keine Sorge, falls die Wohnung nicht top aufgeräumt ist. Ihr seid vermutlich noch im Wochenbett und selbst wenn nicht, in einer Wohnung mit Baby muss man nicht vom Boden essen können. Das wissen auch TrageberaterInnen. In einer Trageberatung werden dir dann die unterschiedlichen
Möglichkeiten vorgestellt, vorgeführt und du bekommst die Gelegenheit, unterschiedliche Modelle auszuprobieren oder Bindeweisen zu erlernen. Auf diesem Weg findet ihr dann gemeinsam die Tragehilfe oder Bindeweise, die absolut zu euren Bedürfnissen passt. Auf diesem Weg können Fehlkäufe vermieden werden und du bekommst zusätzlich noch nützliches Hintergrundwissen, Alltagstipps und weiterführende Informationen.
Ausgebildete TrageberaterInnen in deiner Nähe findest du sehr gut über das Internet.

Verzweifle nicht, wenn etwas nicht klappt

Jetzt hast du also eure Tragehilfe gefunden und das Tragen klappte bisher auch ganz gut. Doch dann ist urplötzlich der Wurm drin. Dein Baby überstreckt sich, weint und möchte partout nicht in die Tragehilfe, obwohl sie doch in der Beratung und der Zeit danach perfekt saß und optimal eingestellt war. Bitte verzweifle nicht, denn so ein „Tragestreik“ bedeutet keinesfalls das Aus für eure Tragezeit: Sehr wahrscheinlich beschäftigt sich dein Baby gerade mit etwas anderem. Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass es etwas Neues kann. Wenn nicht, beobachte es mal ganz genau. Häufig stehen Entwicklungsschübe damit in Zusammenhang, dass Babys zeitweise nicht so gern getragen werden. Bleib einfach dran und nimm den Druck raus. Alles was unter Druck geschieht, ist nahezu zum Scheitern verurteilt. Deshalb probiere einfach in regelmäßigen Abständen und entspannten Situationen immer wieder aus, ob sich dein Baby in die Tragehilfe setzen lassen oder ins Tuch gebunden werden möchte. Vielleicht gelingt es dir für die Zeit, in der es nicht gern getragen werden möchte, andere Ressourcen zu finden, die dir den Alltag erleichtern könnten. Oder du probierst dein Baby im Halbschlaf in die Tragehilfe zu setzen. Viele Babys nehmen das gut an und schlafen selig weiter, während du selbst dann wieder die Hände frei hast. Es kann auch helfen, die „Tragephase“ dann zu beenden, sobald dein Baby wieder wach wird und nicht erst zu warte bis es womöglich dies durch weinen signalisiert.

Versuche entspannt zu bleiben

Du und dein Baby übertragt ganz unbewusst eure Gefühle aufeinander, spiegelt diese und du bist (gerade am Anfang) vermutlich total aufgeregt, wenn dein Baby z.B. weint oder schreit. Da es natürlich leichter gesagt als getan ist, ruhig und entspannt zu bleiben, insbesondere wenn es sich um das erste Kind handelt, möchte ich dir auf den Weg geben, die Handgriffe beim Tuchbinden oder das Anlegen der Tragehilfe wirklich zu üben. Wenn du im Handling der Tragehilfe oder des Tuchs sicher bist, spürt dein Baby das. Du strahlst ganz unbewusst Ruhe und Sicherheit aus. Dabei ist es am Anfang auch nicht so wichtig, ob du direkt dein Baby oder ein Sofakissen einbindest. Solange es dir dabei hilft, HerrIn der Handgriffe zu werden, ist das wunderbar und zielführend. Hilfreich kann auch sein, die einzelnen Schritte sprachlich zu begleiten. So festigen sich einerseits die Handgriffe und dein Baby kann zusätzlich deiner Stimme lauschen. Üben, atmen und dann klappt das schon. Ganz sicher!

Lass dich nicht verunsichern

„Bist du dir sicher, dass das Tragen gut für dich und deinen Rücken ist?“; „Nicht, dass dein Baby nie das Krabbeln lernt, wenn du es die ganze Zeit herumschleppst…“. Diese zwei Sätze sind nur ein Ausschnitt, von dem was Eltern, die ihre Babys tragen häufig zu hören bekommen. Da kann man schon mal ins Zweifeln kommen…

Menschenbabys sind Traglinge. Als sogenannte physiologische Frühgeburten kommen sie unreif zur Welt und am Körper getragen herrschen die optimalen Entwicklungsbedingungen, damit ihre Knochen- und Knorpelstrukturen weiter reifen können. Während sie in sicherer Umgebung am Körper ihrer Bezugspersonen getragen werden, können sie die Körperhaltung einnehmen, die ihrem physiologischen Entwicklungsstand entspricht. Dabei hängen sie keinesfalls passiv im Tuch oder der Tragehilfe. Sie gleichen ganz automatisch ein Ungleichgewicht aus, bewegen sich mit und bauen dadurch ihre Tiefenmuskulatur auf. Dem natürlichen Aufrichtungsprozess der Wirbelsäule wird Raum gegeben, da Babys im Tuch oder der Tragehilfe mit einer gerundeten Wirbelsäule getragen werden. Auch die Hüfte erfährt in ihrer natürlichen Anhock-Spreiz-Haltung beim Tragen Bewegungsreize, die sie ebenfalls beim Reifen unterstützen.

Auch dein eigener Rücken wird es dir danken, wenn du in einer Tragehilfe oder im Tuch trägst. Denn du wirst dein Baby voraussichtlich sowieso tragen. Ohne Tragehilfe oder Tuch wird es sehr wahrscheinlich deinen Arm oder deine Hüfte „bewohnen“ und die Haltung, die du dabei einnimmst, ist wirklich nicht gut für deinen Rücken. Das Tragen auf dem Arm ist für kurze Momente natürlich kein Problem, aber längere Wege stellen eine viel größere Belastung für deinen Rücken und deine Körperhaltung dar, als wenn du das Gewicht deines Babys gut verteilt auf dem gesamten Körper mit einer Unterstützung in Form einer Tragehilfe oder einem Tuch trägst.

Vielleicht konnten dir meine Worte Mut machen oder dich auf deinem Weg bestärken. Ich wünsche dir und deinem Baby wundervolle Tragemomente und die richtige Unterstützung an der Seite, wenn es mal etwas turbulenter zugeht.

Kira Heck ist staatlich anerkannte Kindheitspädagogin B.A., geprüfte Trageberaterin und zertifizierte Stillbegleiterin. Sie arbeitet als Trage- und Stillberaterin sowie als Elternbegleiterin in Berlin und Brandenburg und ist selbst Mutter. Auf Geborgen Wachsen schreibt sie über das Tragen von Babys und Kleinkindern, gibt hilfreiche Tipps und stellt neben Tragehilfen und Bindeweisen auch Basics zum Thema vor. Auf Instagram ist sie unter Herzhöhe zu finden. Mehr Informationen gibt es auch auf Kiras Webseite 

Tragen und/oder Kinderwagen? Ein Rückblick auf das erste Jahr

Nun ist das erste Lebensjahr meines dritten Kindes vorbei und ich blicke in dieser Woche ein wenig zurück auf dieses Jahr, auf die Entwicklung und die Dinge die ich mir vorgenommen hatte und darauf, wie sie dann tatsächlich waren. Denn natürlich gilt auch hier: Manchmal nimmt das Leben eben doch andere Wege als gedacht. Weiterlesen

Von der Idee zur Realität – Das Geborgen Wachsen Tragetuch

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Nun bald geht das erste Jahr mit meinem Sohn zu Ende, das auch das erste Tragejahr war. Wie seine Geschwister vor ihm, wurde auch er in diesem Jahr fast ausschließlich getragen. Der Kinderwagen war Transportmittel für Einkäufe und Mappen, Wickelplatz auf dem Spielplatz und wurde recht bald vom großen Bruder in Anspruch genommen, der nun nicht mehr getragen wurde. Er war auf jeden Fall eine Erleichterung, aber für seine eigentlich Funktion wurde er kaum genutzt.

Dafür kamen die verschiedenen Tücher und Tragehilfen zum Einsatz, die ich über die Jahre gesammelt habe: vom Bondolino über Emei bis WrapTai. Mein Tragetuchstapel umfasst Tücher und Slings von Didymos, MamaNuka, Oscha und Pavo – schwere und leichte Tücher, bunt und schlicht, aus Baumwolle, Wolle, Seide. Sie sind ein wenig wie Kleidungsstücke und jeden Tag suche ich das aus, das gerade passt. Und nun habe ich ein ganz eigenes machen lassen nach meinem Motiv: das Geborgen Wachsen Tuch. Weiterlesen

Babys tragen – Warum es Trageberaterinnen gibt und warum sie wichtig sind

Kürzlich las ich in einem Artikel, dass es manchmal befremdlich ist, dass sich seit einiger Zeit so viele verschiedene Arbeitsbereiche rund um die Elternschaft etablieren: Neben Hebammen und Pädagog_innen gibt es Geburtsvorbereiter_innen, Doulas, Familienbegleiter_innen, Kursleiter_innen jeder pädagogischen Richtung, Mütterpflegerinnen, Stillberaterinnen und und und. Der Markt scheint sehr weit zu reichen.
Warum das so ist? Ich teile nicht die Annahme, dass es sich hierbei um eine Entwicklung handelt, die direkt mit dem Verschwinden der Hebammen zu tun hat. Weiterlesen

Ein Leben ohne Kinderwagen

 

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Im Oktober schon wird der Sohn zwei Jahre alt. Vom Kind, das auf dem Rücken lag, das sich irgendwann drehen konnte, das begann zu robben und krabbeln ist er zu einem schneller Läufer geworden. Er steigt die Treppen hoch und runter und hält sich am Geländer fest oder probiert es oft auch ohne jedes Festhalten. Wenn wir unterwegs sind, läuft er so lange, bis er irgendwann auf den Arm genommen werden möchte: Für mich das Signal, dass er nicht mehr laufen kann. Nicht, dass er nicht mehr laufen möchte, sondern dass seine Kräfte ihn einfach verlassen haben.

Kinder und Bewegung – beides gehört zusammen

Kinder lieben Bewegung. Sie lieben es, sich und ihren Körper zu spüren, sich zu erproben. Sie sind den ganzen Tag mit ihrer Art von Lernen beschäftigt. Dabei erforschen sie, wie die Dinge funktionieren, wofür alles da ist und auch, wie sie sich selbst verhalten können. Schaffen sie es schon, auf dem schmalen Bordstein zu balancieren? Können sie in die Luft hüpfen und sicher wieder auf beiden Füßen ankommen? Es ist die Lust am Ausprobieren, die wir ihnen ansehen. Und genau dabei lernen sie: Sie lernen, was sie können, was sie nicht können und sie probieren unaufhaltsam aus und verfeinern ihre Fertigkeiten.

Nicht anders verhält es sich mit dem Laufen: Kinder lernen nach und nach das Laufen. Erst richten sie sich ganz vorsichtig auf, laufen dann meist seitwärts entlang der Möbel und halten sich an ihnen fest. Das Gleichgewicht in der aufrechten Position muss erst erlernt werden. Irgendwann wagen sie die ersten freien Schritte. Oft sind es am Anfang erst wenige. Manche Kinder sind ungestüm und rennen nahezu los ohne zu wissen, wie sie das Laufen eigentlich wieder stoppen. Sie lernen nach und nach das richtige Tempo, wie man die Füße nacheinander gut aufsetzt ohne zu stolpern und wie man sicher den Gang anhält. Für all diese Dinge haben sie einen inneren Ansporn und möchten es von sich aus nach ihrem eigenen Tempo erlernen.

Wichtig ist, dass sie die Möglichkeit haben, sich selbst zu erproben. Sie brauchen eine Umgebung, die es ihnen ermöglicht, all die Feinheiten des Laufens zu erlernen. Sie müssen gerade Strecken laufen können und auch Treppen steigen dürfen. Nach ihren Fähigkeiten und ihrer Entwicklung bauen sie nach und nach ihr Können aus. Dazu gehört auch, wie weit die Strecken sind, die sie zurück legen können. Deswegen ist es wichtig, ihnen die Möglichkeit zu geben, diese Strecken selbst einzuschätzen. Setzen wir sie bei jedem Gang außer Haus sofort in den Kinderwagen, haben sie nicht die Möglichkeit, sich selbst zu erproben. Sie lernen erst langsam, wie weit sie wirklich laufen können.

Ein Kind 2 Jahre tragen – das geht?

Meine beiden Kinder habe ich von Anfang an im Tuch getragen. Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung an verschiedenen Tüchern: kurz, lang, mittel, verschiedene Muster und Marken. Natürlich habe ich auch beruflich einige Modelle für verschiedene Zwecke, aber besonders auch privat ist mir die Auswahl mittlerweile wichtig.

Den Sohn habe ich ganz am Anfang im Tuch getragen in der Wickelkreuztrage oder auch der Känguru-Trage. Ich fand es angenehm, auf diese Weise auch ganz unauffällig stillen zu können. Allerdings kam der Sohn im Herbst 2012 zur Welt, auf den dieser lange und kalte Winter folgte. Ich stellte fest, dass im hohen Schnee und unterwegs mit zwei Kindern das Tragetuch zu unflexibel für mich war (in Hinblick auf schnelles rein und raus) und nutzte beim Sohn dann auch als Tragehilfe den Bondolino (anfangs mit Verengung des Stegs durch eine Tuch).

Mit etwa 6 Monaten habe ich den Sohn dann auch angefangen im Sling auf der Hüfte zu tragen – was ich bei der Tochter erst mit 9 Monaten machte. Der Sling ist für mich gerade zu Hause eine enorme Erleichterung, wenn im Haushalt etwas gemacht werden muss, aber das Kind den Körperkontakt sucht. Er ermöglicht schnelles Hinein- und Hinausnehmen. Da ich auch die Tochter schon im Sling getragen hatte, hatte ich noch einen von Didymos, der mich seither begleitet. Anders als die Tochter hat der Sohn aber auch die Rückentrage kennen und schätzen gelernt und er mag es, wenn er möglichst hoch gebunden auf meinem Rücken ist und über meine Schulter sehen kann. Das ist mit herkömmlichen Tragehilfen nicht so einfach zu machen (abgesehen natürlich vom Tuch), aber mit dem Meitai.

Der Meitai ist sozusagen die Urform der Tragehilfe. Er besteht in seiner ganz ursprünglichen Form aus einem rechteckigen Stück Stoff, dessen Ecken mit Bändern verlängert sind. Die oberen Verlängerungen dienen als Träger und die unteren als Hüftgurt. Das Kind “sitzt” in dem Stoffrechteck. Hier bei uns sind besonders die Meitais von Fräulein Hübsch bekannt geworden. Mittlerweile habe ich auch eine kleine Auswahl an Meitais zu Hause. Wie auch bei den Tragetüchern gilt auch hier: Die Stoffqualität ist wichtig für den richtigen “Sitz” des Kindes. Wie oben erwähnt, ist für das richtige Tragen eine bestimmte Haltung notwendig und besonders auch die Stützung des Rückens. Je jünger das getragene Kind ist, desto wichtiger sind diese Qualitätsmerkmale, damit es gut gehalten werden kann. Kleine Babys sollten deswegen nur in besonders hochwertigen Meitais getragen werden, in denen der Rücken optimal unterstützt wird.

Irgendwann zwischen 18 Monaten und der Zeit nun hat es sich so entwickelt, dass der Sohn zuerst immer laufen möchte, wenn wir raus gehen. Mittlerweile kann er tatsächlich lange Strecken laufend zurück legen. Wenn er doch irgendwann erschöpft ist, trage ich ihn im Sling. Für den alten Sling von Didymos ist er allerdings nun zu groß und zu schwer; zu oft musste ich beim Tragen die Tuchbahnen nachziehen. Daher habe ich mich für einen neuen Sling von Pavo entschieden, dessen Stoff dicker ist und der auch bei einem fast Zweijährigem wunderbar sitzt. Für unterwegs ist der Sling hervorragend, weil ich ihn in der Tasche tragen und bei Bedarf heraus holen kann. Er nimmt weniger Platz ein als ein Meitai oder eine andere Tragehilfe. Ist er also erschöpft oder müde, nehme ich ihn im Sling auf die Hüfte.

Ist ein Alltag ohne Kinderwagen möglich?

Wenn ich davon berichte, dass ich ausschließlich trage, werde ich oft gefragt, wie das denn im Alltag gehen würde. Oder es wird schlichtweg festgestellt, dass das gar nicht möglich sei, denn man müsse ja auch einkaufen etc. Tatsächlich aber geht es sehr gut. Ich kaufe im Alltag mit meinen Kindern zusammen ein. Wenn ich den Einkauf nach Hause tragen muss, kaufe ich nur kleine Mengen für den jeweiligen Tag ein und gehe eben am nächsten Tag wieder einkaufen mit den Kindern. So haben wir auch immer frische Lebensmittel zu Hause und ich kann spontan entscheiden, was es zu essen gibt. Einen kleinen Einkauf kann ich sehr gut zusätzlich zu dem auf meiner Hüfte sitzendem Kind tragen.

Auch sonst erweist sich das Tragen im Alltag in der Stadt sehr hilfreich: Mit dem Tragen muss an S- und U-Bahnstationen kein schwerer Kinderwagen hoch oder runter getragen werden, man ist nicht auf Aufzüge oder helfende Passanten angewiesen. Und mit einem zweiten Kind an der Hand sind schöne Spaziergänge möglich.

Manchmal werde ich auch gefragt, ob ich nicht Rückenschmerzen oder andere Probleme durch das Tragen hätte. Doch ich muss auch hier ganz ehrlich sagen: Ich habe einen sehr gesunden Rücken mit einer durch das Tragen starken Muskulatur. Bereits meine Tochter habe ich zwei Jahre getragen und hatte davon keine Nachteile – so erwarte ich es auch jetzt. Bislang jedenfalls sind keine Beschwerden oder Haltungsschäden aufgetreten. Natürlich ist für diejenigen, die lange tragen, wichtig, dass sie auch richtig tragen. Wer also den Wunsch hat, lange und ausschließlich zu tragen, kann eine Trageberatung in Anspruch nehmen, um sich umfassend über die Möglichkeiten und das korrekte Binden informieren zu lassen. In größeren Städten gibt es auch mittlerweile an vielen Stellen offene Tragegruppen, bei denen Tragetechniken besprochen werden.

Mein persönliches Resümée

Ich habe zwei Kinder nun (fast) zwei Jahre getragen mit unterschiedlichen Tragehilfen. Von den Vorurteilen, dass getragene Kinder nie laufen wollen würden, habe ich in beiden Fällen nichts gespürt. Meine beiden Kinder laufen gerne und viel, sie gehen mit einkaufen, wir laufen oft weite Strecken in Berlin auch wenn wir die Bahn benutzen könnten. Sie laufen, weil sie es einfach gerne tun, weil sie sich daran erfreuen und es von Anfang an so kennen gelernt haben. Sie haben vermittelt bekommen: Probiere Dich aus, laufe und wenn Du zu müde wirst, machen wir eine Pause – im Tragetuch oder einfach eine Pause auf einer Bank oder bei einem Getränk in einem kleinen Café auf unserem Weg.

Ob Trage oder Kinderwagen: Kinder sollen laufen dürfen und sich selbst erproben

Aber ob nun Trage oder Kinderwagen: Beides ist möglich – und auch beides ist ausschließlich möglich. Doch lassen wir – egal wofür wir uns entscheiden – unseren Kindern auch die Wahl, selbst zu entscheiden, ob sie laufen wollen oder von uns befördert werden möchten. Lassen wir sie sich ausprobieren und geben wir ihnen die Möglichkeit, sich ihrer Grenzen bewusst zu werden und sich dann zurück zu ziehen, wenn es für die notwendig ist.

Oft sind wir Erwachsenen es, die es eilig haben und die Kinder lieber schnell irgendwo hin transportieren wollen – in der Trage, im Kinderwagen, auf dem Arm oder im Auto. Doch versuchen wir einmal, auf diese Situationen zu achten und uns zurück zu nehmen dafür, dass wir den Bedürfnissen unserer Kinder nach Bewegung nach kommen. Nicht nur sie sind uns dafür dankbar, sondern auch wir uns selbst eines Tages.

Ausschließlich tragen, ist das für Euch denkbar?
Ich freue mich über Eure Berichte,
Eure

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Glaubt nicht, was ihr in Filmen seht – Warum Babys NICHT mit dem Gesicht nach vorn getragen werden sollen

Hangoverposter09Ich wohne in Berlin. Hier sehe ich jede Woche Kinder, die falsch getragen werden. Manchmal ist es „nur“ keine korrekte Spreiz-Anhock-Haltung, manchmal ist es eine Trage mit zu schmalem Steg. Und leider viel zu oft ist es der verstörende Anblick eines falsch herum getragenen Kindes, das einen mit aufgerissenen Augen anblickt. Dabei ist doch fast überall zu lesen, dass Kinder eben nicht mit dem Rücken am Bauch des tragenden Erwachsenen getragen werden sollen. Aber schaltet man den Fernseher ein oder besucht man einen angesagten Kinofilm, sieht man genau das: Babys, die in einer Trage hängen und einen frontal anblicken. Und was im Kinofilm so cool aussieht, will der Vater im Alltag auch nicht missen. Daher wird das Kind selbstverständlich ebenso in die Trage gesteckt, wie es im Film gezeigt wurde -beispielsweise in Hangover. Doch da gibt es einen großen Haken: Wir sind nicht im Film! Ich erwarte ja auch nicht, dass mein Mann abends mit einer Spinnenmaske von der Decke hängt. Und natürlich gibt es auch einen Grund, warum Babys im Film falsch herum gezeigt werden: Weil wir sie sonst nicht sehen würden. Das bewegte Bild möchte etwas vermitteln. Wir sollen das Kind sehen, wie es blickt, was es tut. Deswegen werden Kinder falsch herum getragen. Das ist natürlich nicht schön und wünschenswert wäre es, wenn es dennoch anders gemacht werden würde. Aber: So ist es im Film. In der Wirklichkeit hingegen, sollen Kinder eben nicht mit dem Gesicht nach vorn getragen werden – und das aus diesen Gründen:
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