Ein Leben ohne Kinderwagen

 

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Im Oktober schon wird der Sohn zwei Jahre alt. Vom Kind, das auf dem Rücken lag, das sich irgendwann drehen konnte, das begann zu robben und krabbeln ist er zu einem schneller Läufer geworden. Er steigt die Treppen hoch und runter und hält sich am Geländer fest oder probiert es oft auch ohne jedes Festhalten. Wenn wir unterwegs sind, läuft er so lange, bis er irgendwann auf den Arm genommen werden möchte: Für mich das Signal, dass er nicht mehr laufen kann. Nicht, dass er nicht mehr laufen möchte, sondern dass seine Kräfte ihn einfach verlassen haben.

Kinder und Bewegung – beides gehört zusammen

Kinder lieben Bewegung. Sie lieben es, sich und ihren Körper zu spüren, sich zu erproben. Sie sind den ganzen Tag mit ihrer Art von Lernen beschäftigt. Dabei erforschen sie, wie die Dinge funktionieren, wofür alles da ist und auch, wie sie sich selbst verhalten können. Schaffen sie es schon, auf dem schmalen Bordstein zu balancieren? Können sie in die Luft hüpfen und sicher wieder auf beiden Füßen ankommen? Es ist die Lust am Ausprobieren, die wir ihnen ansehen. Und genau dabei lernen sie: Sie lernen, was sie können, was sie nicht können und sie probieren unaufhaltsam aus und verfeinern ihre Fertigkeiten.

Nicht anders verhält es sich mit dem Laufen: Kinder lernen nach und nach das Laufen. Erst richten sie sich ganz vorsichtig auf, laufen dann meist seitwärts entlang der Möbel und halten sich an ihnen fest. Das Gleichgewicht in der aufrechten Position muss erst erlernt werden. Irgendwann wagen sie die ersten freien Schritte. Oft sind es am Anfang erst wenige. Manche Kinder sind ungestüm und rennen nahezu los ohne zu wissen, wie sie das Laufen eigentlich wieder stoppen. Sie lernen nach und nach das richtige Tempo, wie man die Füße nacheinander gut aufsetzt ohne zu stolpern und wie man sicher den Gang anhält. Für all diese Dinge haben sie einen inneren Ansporn und möchten es von sich aus nach ihrem eigenen Tempo erlernen.

Wichtig ist, dass sie die Möglichkeit haben, sich selbst zu erproben. Sie brauchen eine Umgebung, die es ihnen ermöglicht, all die Feinheiten des Laufens zu erlernen. Sie müssen gerade Strecken laufen können und auch Treppen steigen dürfen. Nach ihren Fähigkeiten und ihrer Entwicklung bauen sie nach und nach ihr Können aus. Dazu gehört auch, wie weit die Strecken sind, die sie zurück legen können. Deswegen ist es wichtig, ihnen die Möglichkeit zu geben, diese Strecken selbst einzuschätzen. Setzen wir sie bei jedem Gang außer Haus sofort in den Kinderwagen, haben sie nicht die Möglichkeit, sich selbst zu erproben. Sie lernen erst langsam, wie weit sie wirklich laufen können.

Ein Kind 2 Jahre tragen – das geht?

Meine beiden Kinder habe ich von Anfang an im Tuch getragen. Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung an verschiedenen Tüchern: kurz, lang, mittel, verschiedene Muster und Marken. Natürlich habe ich auch beruflich einige Modelle für verschiedene Zwecke, aber besonders auch privat ist mir die Auswahl mittlerweile wichtig.

Den Sohn habe ich ganz am Anfang im Tuch getragen in der Wickelkreuztrage oder auch der Känguru-Trage. Ich fand es angenehm, auf diese Weise auch ganz unauffällig stillen zu können. Allerdings kam der Sohn im Herbst 2012 zur Welt, auf den dieser lange und kalte Winter folgte. Ich stellte fest, dass im hohen Schnee und unterwegs mit zwei Kindern das Tragetuch zu unflexibel für mich war (in Hinblick auf schnelles rein und raus) und nutzte beim Sohn dann auch als Tragehilfe den Bondolino (anfangs mit Verengung des Stegs durch eine Tuch).

Mit etwa 6 Monaten habe ich den Sohn dann auch angefangen im Sling auf der Hüfte zu tragen – was ich bei der Tochter erst mit 9 Monaten machte. Der Sling ist für mich gerade zu Hause eine enorme Erleichterung, wenn im Haushalt etwas gemacht werden muss, aber das Kind den Körperkontakt sucht. Er ermöglicht schnelles Hinein- und Hinausnehmen. Da ich auch die Tochter schon im Sling getragen hatte, hatte ich noch einen von Didymos, der mich seither begleitet. Anders als die Tochter hat der Sohn aber auch die Rückentrage kennen und schätzen gelernt und er mag es, wenn er möglichst hoch gebunden auf meinem Rücken ist und über meine Schulter sehen kann. Das ist mit herkömmlichen Tragehilfen nicht so einfach zu machen (abgesehen natürlich vom Tuch), aber mit dem Meitai.

Der Meitai ist sozusagen die Urform der Tragehilfe. Er besteht in seiner ganz ursprünglichen Form aus einem rechteckigen Stück Stoff, dessen Ecken mit Bändern verlängert sind. Die oberen Verlängerungen dienen als Träger und die unteren als Hüftgurt. Das Kind “sitzt” in dem Stoffrechteck. Hier bei uns sind besonders die Meitais von Fräulein Hübsch bekannt geworden. Mittlerweile habe ich auch eine kleine Auswahl an Meitais zu Hause. Wie auch bei den Tragetüchern gilt auch hier: Die Stoffqualität ist wichtig für den richtigen “Sitz” des Kindes. Wie oben erwähnt, ist für das richtige Tragen eine bestimmte Haltung notwendig und besonders auch die Stützung des Rückens. Je jünger das getragene Kind ist, desto wichtiger sind diese Qualitätsmerkmale, damit es gut gehalten werden kann. Kleine Babys sollten deswegen nur in besonders hochwertigen Meitais getragen werden, in denen der Rücken optimal unterstützt wird.

Irgendwann zwischen 18 Monaten und der Zeit nun hat es sich so entwickelt, dass der Sohn zuerst immer laufen möchte, wenn wir raus gehen. Mittlerweile kann er tatsächlich lange Strecken laufend zurück legen. Wenn er doch irgendwann erschöpft ist, trage ich ihn im Sling. Für den alten Sling von Didymos ist er allerdings nun zu groß und zu schwer; zu oft musste ich beim Tragen die Tuchbahnen nachziehen. Daher habe ich mich für einen neuen Sling von Pavo entschieden, dessen Stoff dicker ist und der auch bei einem fast Zweijährigem wunderbar sitzt. Für unterwegs ist der Sling hervorragend, weil ich ihn in der Tasche tragen und bei Bedarf heraus holen kann. Er nimmt weniger Platz ein als ein Meitai oder eine andere Tragehilfe. Ist er also erschöpft oder müde, nehme ich ihn im Sling auf die Hüfte.

Ist ein Alltag ohne Kinderwagen möglich?

Wenn ich davon berichte, dass ich ausschließlich trage, werde ich oft gefragt, wie das denn im Alltag gehen würde. Oder es wird schlichtweg festgestellt, dass das gar nicht möglich sei, denn man müsse ja auch einkaufen etc. Tatsächlich aber geht es sehr gut. Ich kaufe im Alltag mit meinen Kindern zusammen ein. Wenn ich den Einkauf nach Hause tragen muss, kaufe ich nur kleine Mengen für den jeweiligen Tag ein und gehe eben am nächsten Tag wieder einkaufen mit den Kindern. So haben wir auch immer frische Lebensmittel zu Hause und ich kann spontan entscheiden, was es zu essen gibt. Einen kleinen Einkauf kann ich sehr gut zusätzlich zu dem auf meiner Hüfte sitzendem Kind tragen.

Auch sonst erweist sich das Tragen im Alltag in der Stadt sehr hilfreich: Mit dem Tragen muss an S- und U-Bahnstationen kein schwerer Kinderwagen hoch oder runter getragen werden, man ist nicht auf Aufzüge oder helfende Passanten angewiesen. Und mit einem zweiten Kind an der Hand sind schöne Spaziergänge möglich.

Manchmal werde ich auch gefragt, ob ich nicht Rückenschmerzen oder andere Probleme durch das Tragen hätte. Doch ich muss auch hier ganz ehrlich sagen: Ich habe einen sehr gesunden Rücken mit einer durch das Tragen starken Muskulatur. Bereits meine Tochter habe ich zwei Jahre getragen und hatte davon keine Nachteile – so erwarte ich es auch jetzt. Bislang jedenfalls sind keine Beschwerden oder Haltungsschäden aufgetreten. Natürlich ist für diejenigen, die lange tragen, wichtig, dass sie auch richtig tragen. Wer also den Wunsch hat, lange und ausschließlich zu tragen, kann eine Trageberatung in Anspruch nehmen, um sich umfassend über die Möglichkeiten und das korrekte Binden informieren zu lassen. In größeren Städten gibt es auch mittlerweile an vielen Stellen offene Tragegruppen, bei denen Tragetechniken besprochen werden.

Mein persönliches Resümée

Ich habe zwei Kinder nun (fast) zwei Jahre getragen mit unterschiedlichen Tragehilfen. Von den Vorurteilen, dass getragene Kinder nie laufen wollen würden, habe ich in beiden Fällen nichts gespürt. Meine beiden Kinder laufen gerne und viel, sie gehen mit einkaufen, wir laufen oft weite Strecken in Berlin auch wenn wir die Bahn benutzen könnten. Sie laufen, weil sie es einfach gerne tun, weil sie sich daran erfreuen und es von Anfang an so kennen gelernt haben. Sie haben vermittelt bekommen: Probiere Dich aus, laufe und wenn Du zu müde wirst, machen wir eine Pause – im Tragetuch oder einfach eine Pause auf einer Bank oder bei einem Getränk in einem kleinen Café auf unserem Weg.

Ob Trage oder Kinderwagen: Kinder sollen laufen dürfen und sich selbst erproben

Aber ob nun Trage oder Kinderwagen: Beides ist möglich – und auch beides ist ausschließlich möglich. Doch lassen wir – egal wofür wir uns entscheiden – unseren Kindern auch die Wahl, selbst zu entscheiden, ob sie laufen wollen oder von uns befördert werden möchten. Lassen wir sie sich ausprobieren und geben wir ihnen die Möglichkeit, sich ihrer Grenzen bewusst zu werden und sich dann zurück zu ziehen, wenn es für die notwendig ist.

Oft sind wir Erwachsenen es, die es eilig haben und die Kinder lieber schnell irgendwo hin transportieren wollen – in der Trage, im Kinderwagen, auf dem Arm oder im Auto. Doch versuchen wir einmal, auf diese Situationen zu achten und uns zurück zu nehmen dafür, dass wir den Bedürfnissen unserer Kinder nach Bewegung nach kommen. Nicht nur sie sind uns dafür dankbar, sondern auch wir uns selbst eines Tages.

Ausschließlich tragen, ist das für Euch denkbar?
Ich freue mich über Eure Berichte,
Eure

Susanne_smooth Kopie

  • LiLaLu

    Finde deinen Artikel gut, habe selbst viel getragen, Kinderwagen anfangs nur für schwere einkäufe. Ich mag es gar nicht gern, mit dem Kiwa unterwegs zu sein. Allerdings ist meine Motte nun 9,5 Monate und krabbelt schon sehr viel. Wenn sie wach und aktiv ist, mag sie nicht ins tuch und ist auch nur ungern länger im Kiwa – wie hast du diese Phase, bis das Kind laufen konnte, gehandhabt?

  • Heike

    Interessanter Artikel! Ich habe meinen Sohn auch viel getragen, meine Tochter nun aber weniger. Denn was mache ich, wenn auch der Große nicht mehr laufen möchte? Wie machst du das?

  • Liz

    Liebe Susanne,
    einen wirklich fundierten Bericht kann ich hier nicht beitragen, denn meine Tochter ist erst knapp 7 Monate jung. Ich trage sie fast ausschließlich, von Anfang an. Vor ihrer Geburt habe ich mich beraten lassen und dann einen Frl. Hübsch gekauft, mit dem ich immer noch zufrieden bin. Mittlerweile trägt ihr Papa am liebsten damit.

    Zusätzlich kaufte ich zwei Wochen nach der Geburt einen Sling, den ich ebenfalls noch häufig nutze (der Storchenwiege Leo, der mir auch für fast 9 Kilo noch bequem ist). Für längere Strecken ist mir mein Buzzidil am bequemsten, so kann ich sie easy auf dem Rücken tragen, das Gewicht spüre ich kaum.

    Mit dem Tuch konnte ich mich nie anfreunden. Zwar binde ich eine passable Wickelkreuztrage und auch ein annehmbares Hüftkänguru, aber Tochter mochte das Einbinden gar nicht, und ihr Gezappel und Geschrei hat mich dann auch enorm gestresst. Wir sind also einfach kein Tuch-Team.

    Ein Kinderwagen steht hier auch, ein teures Geschenk der Großeltern. Manchmal würde ich den auch gern nutzen. Wenn ich mich zu müde fühle zum Tragen, oder im Hochsommer bei großer Hitze. Es ist aber so, dass Tochter ihre Karre nicht gern mag. Nach einer halben Stunde in dem Teil ist meist Schluss, deshalb habe ich immer noch eine Trage dabei (böse Zungen behaupten, ich hätte sie durch das viele Tragen dermaßen verwöhnt, dass sie nun den Kinderwagen „verweigert“).

    Ich finde am Tragen besonders den innigen Körperkontakt und die unmittelbare Kommunikation schön. Nach einem Notkaiserschnitt hatte ich vor allem in den ersten Wochen das Bedürfnis, mein Baby ganz nah bei mir zu tragen. Ich hatte sie dauernd im Arm, im Sling, in der Trage. Auch jetzt trage ich sie noch gerne kuschelig vor dem Bauch. Manchmal legt sie dann den Kopf in den Nacken und strahlt und lacht mich ganz happy an. So schöne Momente.

    Rückenschmerzen habe ich nun gelegentlich. Mag an meiner Wirbelsäule liegen, die leider nicht ganz gerade ist. Ich wechsele oft zwischen den Tragearten, dann geht es ganz gut.

    Naja – so kurz ist mein Bericht nun doch nicht geworden. Bin gespannt auf weitere SchreiberInnen.

    Liebe Grüße!

    • Pukki

      Hallo!
      Ich liebe es, meine Kinder (nun bald 3 und 7 Monate) zu tragen und habe alle möglichen Tragehilfen. Auch Beratung hatte ich dazu. Nun habe ich allerdings Sahne als Muttermilch und so waren beide Kinder schon mit 2 Monaten 7 kg schwer, mit 6 Monaten 10 kg. Jetzt tut mir doch der Rücken oftmals weh. Beim Einkaufen merke ich dann schnell, wie erschöpft und evtl auch ungeduldiger ich werde. Daher nutze ich gerne öfter den Kinderwagen.
      Ich glaube, meine Rückenmuskulatur kam beim rasanten Wachstum der Kinder doch nicht ganz nach.
      LG aus Frankfurt!

    • lilysu

      Was für ein toller Bericht!

      • Liz

        Oh, danke <3

  • Stefanie Strate

    Also ganz ohne Kinderwagen geht’s bei uns nicht, opa geht gerne mit den Kindern spazieren. Ich nehme dafür sehr gerne das tuch und den manduca, wenn ich im ort unterwegs bin immer. In Bus und Bahn gibt es nichts praktischeres.

  • Melanie

    Schön geschrieben und schön zu hören, wie gut es bei euch klappt 🙂

    Meine Tochter ist jetzt 9 Monate alt und wird seit Geburt ausschließlich getragen. Anfangs im Tuch und seit sie ca. 6 Monate alt ist auch im Mysol den ich wirklich sehr sehr liebe (nach einigen Startschwierigkeiten).
    Mittlerweile trage ich sie fast nur auf dem Rücken und nur in besonderen Situationen vor dem Bauch. Sie findet es super!
    Leider bin ich mit den verschiedenen Tragehilfen nicht so variabel wie ich es gerne wäre… Sling und Rückentragen mit Tuch klappt trotz Trageberatung nicht so richtig und ich fühle mich damit nicht wohl. Sie findet es dann dementsprechend doof.

    Und momentan tut sich ein anderes Problem auf: sie wird immer mobiler, krabbelt und stellt sich auf und hat deshalb einen unglaublichen Bewegungsdrang. Ich würde ihr so gerne die Welt draußen zeigen aber wenn sie nicht müde ist, dann will sie, verständlicherweise, nicht in die Trage. Und den Weg krabbeln lassen geht ja schlecht 😉 Wie habt ihr diese Phase erlebt?
    Wir überlegen jetzt einen Buggy zu besorgen… ach, aber das Geld könnt ich auch anders ausgeben…

    Liebe Grüße,
    Melanie

    • lilysu

      Bei uns hat das bei beiden in dieser Phase sehr gut mit dem Hüftsitz funktioniert, bei dem die Kinder dann sehr an allem teilhaben können und ja auch viel beweglicher sind als vorn im Tuch oder auf dem Rücken und sich zugleich aber auch schön einkuscheln können. Aber wenn die Hüfttrage nicht so gut geht bei Euch klappt, müsst ihr vielleicht doch noch einen anderen Weg suchen.

  • emmilu

    Hallo Susanne,
    auch wir tragen unsere kleine Maus mit Begeisterung. Wir hatten uns für unsere erste Baby Ausstattung einen tollen Kinderwagen gekauft. Aber unsere kleine Maus wollte nie darin liegen. Was für ein Glück, denn nur dadurch sind wir Tragetuch Fans geworden. Die Nähe und den vertrauten Körperkontakt genießen wir in vollen Zügen. Wir hatten eine total tolle Hebamme und später eine spitzen Trageberaterin. Wir haben Anfangs in der Wickelkreuztrage getragen jetzt trage ich sie im Didysling und wir haben einen Meitei von Fräulein Hübsch. Auch mein Mann trägt unsere Tochter mit Begeisterung und hat eine tolle Bindung zu ihr. Da ich stille (unsere Tochter wird in einer Woche ein Jahr alt und unsere Stillzeit ist noch laaannngggeee nicht zu ende), war es uns sehr wichtig, dass auch der Papi eine Möglichkeit hat um seine Bindung zu intensivieren. Mit dem Tragen im Tuch ist dies eine total schöne Möglichkeit. Wir sind froh, dass uns unsere Maus gezeigt hat, was sie möchte- und sie entschied sich gegen den Kinderwagen. Darüber sind wir sehr glücklich. Sie krabbelt und seid sie ca. Neun Monate alt ist, zieht sie sich überall hoch und läuft seitwärts an den Möbeln entlang und *hangelt* sich so durch die Wohnung. Auch Treppe hoch und runter klappt großartig. Alleine vorwärts klappt noch nicht ganz so gut. Unsere Maus bekommt die Zeit, die sie braucht und wird nicht gedrängt. Auch das finde ich enorm wichtig. Unmittelbar nach der Geburt, haben mein Mann und ich lange überlegt, wie es für mich beruflich weitergeht. Ich habe Vollzeit als Pflegedienstleitung für intensivpflichtige Kinder gearbeitet. Ich habe nun erstmal drei Jahre Elternzeit genommen und werde mich erstmal zu Hause als Tagesmutti selbständig machen. Mir ist es sehr wichtig für meine Tochter da zu sein um ihr das Urvertrauen und die Geborgenheit zu geben und zu festigen, damit sie feste Wurzeln aufbauen kann, die sie stark und selbstbewusst durch die Zukunft bringen.

    • lilysu

      Ich finde es auch ganz toll, wenn auch Väter tragen! Glücklicherweise ist das ja immer mehr zu sehen.

  • Ste

    Auch ich habe ausschliesslich getragen. Anfangs, weil meine Tochter den Wagen einfach nur zum schreien fand, später, weil mich das blöde, sperrige Ding eher behinderte als eine Hilfe war. Ich habe kein Auto und bin also immer zu Fuss unterwegs. Ich bin viel gereist mit meiner Tochter. Etwa über’s Wochenende zu meinen Eltern. Ich hatte eine Onbag wo alles drin Platz hatte, und für den Grosseinkauf einen Rolli, den ich auch jetzt noch gerne benutze.
    Meine Tochter ist übrigens jetzt 5 Jahre alt, und sie mag es immer noch, gerade wenn sie müde ist, Huckepack genommen zu werden. Das schaffen wir auch ohne Tragehilfe. Und meist reichen ihr auch fünf Minuten. Inzwischen mag sie den Kinderwagen auch, und er ist draussen wohl ihr liebstes Spielzeug. Unterwegs mag ich ihn aber immer noch nicht mitnehmen.

  • Tanja von Zuckersüße Äpfel

    Da hast Du Dir aber wieder viel Mühe gegeben liebe Susanne. Toll geschrieben und sehr informativ. Meine Tochter (jetzt 5) mochte es gar nicht getragen zu werden, hat immerzu geweint. Auch als ich eine Trageberatung in Anspruch genommen hatte, selbst bei der Hebamme weinte sie im Tuch. Mein Kleiner (jetzt 8 Monate) liebt es getragen zu werden, so nutze ich es nun die meiste Zeit. Erst im Didymos Tuch, nun in der Manduca. Dazu nutze ich den Hipseat, um ihn auf der Hüfte zu tragen. Er liebt den Körperkontakt und schläft in der Trage sehr schnell und fest ein. MIt dem Rücken habe ich manchmal Probleme, aber ich denke das kommt eher vom Tragen ohne Unterstützung. Denn mit der Manduca habe ich eine recht gute Haltung und keine Beschwerden. Ich hoffe, mein Kind noch eine ganze Weile tragen zu können und fand deinen Zusatz toll, dass die Kinder oft einfach nicht mehr können, aber eigentlich noch laufen wollen würden. Viel zu viele Eltern denken, ihre Kinder tun vieles mit Absicht. Aber der Meinung bin ich nicht.

    Liebe Grüße, Tanja

  • Majken

    Vielen Dank für den Text!
    Unser erstes Kind ist noch „in Planung“, und mit dem Text kann ich meinen Mann vielleicht ein bisschen eher davon überzeugen, dass ein Kinderwagen nicht unbedingt nötig ist.
    (Mal ganz davon abgesehen, dass wir im vierten Stockohne Fahrstuhl wohnen und unten überhaupt kein Platz wäre, einen Wagen abzustellen…)

  • lilysu

    Die Große ist ja schon 5 und dass sie nicht mehr laufen kann gibt es eigentlich nicht. Wenn sie wirklich eine Pause braucht, dann machen wir einfach eine und ruhen uns kurz auf einer Bank oder in einem Café aus und dann geht es weiter.

  • Maria

    Mein Plan war auch, ausschließlich zu tragen. Leider habe ich das körperlich nach der Geburt nicht geschafft. Da war meine Tochter teilweise im Tragetuch, aber sonst auch im Kinderwagen sehr zufrieden. Dann kam eine Phase, in der sie nur getragen werden wollte, und ich war auch wieder so fit, dass ich es genießen konnte. In der nächsten Phase wollte sie wieder lieber im Kinderwagen sitzen, sich bewegen und umgucken, und vor allem essen und trinken, was in der Tragehilfe leider nicht besonders gut geht. Also schob ich sie wieder und war ein bisschen traurig darüber. Inzwischen ist sie 15 Monate alt und findet es weder gut, getragen zu werden, noch im Kinderwagen zu sitzen. Das geht nun schon mehrere Monate so. Ich muss ihr irgendwie vermittelt haben, dass ihr Wille genauso viel wert ist wie meiner, was mir eigentlich auch sehr wichtig ist. Aber da ich alleinerziehend bin, habe ich einfach nicht die Zeit, sie immer selbst bestimmen zu lassen, ob sie laufen will oder nicht. Außerdem geht sie natürlich nie in die „richtige“ Richtung, wenn sie laufen darf. Ich muss sie hier in der Stadt immer wieder aufhalten, damit sie nicht auf die Straße läuft und wir überhaupt ein paar Meter schaffen. So ist fast jeder Weg ein Kampf, am Ende schleppe ich sie meist mit schmerzendem Arm auf der Hüfte nach Hause (ohne Sling und ohne Tragehilfe, das findet sie wohl irgendwie einengend), sie kann gucken und ich hab noch eine Hand frei für den Kinderwagen, in dem das ganze Gepäck liegt. Und ich hoffe sehr auf eine Verbesserung in der nächsten Phase …

  • Ich bin auch eine Trage-Mami. Weil mir vor allem beim zweiten Kind klar war, dass ich überwiegend tragen würde, lieh ich mir einen Kinderwagen bloß aus, (für alle Fälle). Der wird so gut wie gar nicht benutzt, um ehrlich zu sein. Das letzte Mal, als wir diesen mit uns führten, war auf einem großen Mittelaltermarkt und letztendlich stellte sich dann doch wieder heraus: Tragen ist einfacher und auch schöner für das Kind. Unsere Tochter ist inzwischen acht Monate alt und übt sich mit ihren ersten Steh- und Gehversuchen. Eine Ring-Sling-Tragehilfe würde ich mir auch gerne noch anschaffen, wobei ich mir da momentan sehr unsicher bin. Zuvor hatte ich ein normales Tragetuch manchmal so gebunden, dass das Kind seitlich auf Hüfthöhe sitzen kann. Allerdings fängt meine Schulter, ob der Belastung, recht bald schon an zu schmerzen. Das gleiche Problem habe ich immer schon mit Rucksäcken gehabt, (sehr unangenehm), und darum trage ich sie auch ungern auf dem Rücken.

    LG,
    Aada

  • Ilona

    Danke für den Bericht <3 Ich erwarte meine Maus Ende September. Meine Mama sagt wir brauchen erst keinen Kinderwagen. Ich war mir unsicher. Doch nach und nach fühle ich das die Nähe besser ist und viel mehr dem Kind ein gesundes aufwachsen ermöglicht. Ich weis noch nicht so recht, wie wir es machen werden, aber ein Tragetuch ist dabei.

  • Schneerose

    Hallo!
    So, jetzt meldet sich mal eine Kinderwagenmutti zu Wort 😉
    Vor der Geburt habe ich mich in der Verwandtschaft und Bekanntschaft umgehört, wie sie es denn so handhaben und was sie von den verschiedenen Transportmöglichkeiten halten. Einstimmiges Endergebnis fiel gegen Tragehilfen aus. Angeblich soll die Haltung der Zwerge nicht gut sein, Beinchen werden abgeschnürt etc. Als mein Sohn ca. 6 Monate alt war, hab ich mir doch nochmal die Zeit genommen, mich genauer darüber zu informieren. Nun, ich kann nur sagen, dass ich es jetzt besser weiß. Trotzdem habe ich Tragehilfen eher selten vermisst, hauptsächlich nur beim Einkauf die Treppe hochschleppen. Da wäre eine zweite Hand sehr nützlich. Zudem würde mein Rücken das ständige Tragen nicht mitmachen. Wir gehen oft und lange spazieren, gerne auch über Feld und Wiesen und da bin ich froh meinen Schatz nicht tragen zu müssen. Mittlerweile ist er 11 Monate alt, wiegt 13kg und wenn ich mir vorstelle mit dem zusätzlichen Gewicht, das dann auch noch zappelt, 90min durch den Wald zu spazieren, vergeht mir glatt die Lust darauf. So sitzt er die meiste Zeit im Kinderwagen und macht sich bemerkbar, wenn das zu langweilig wird. Dann läuft er ein paar Meter an Mamas Hand oder wird kurzfristig auf der Hüfte getragen. Wir halten oft an und erkunden die Natur.
    Meistens ist es auch so, dass er es gar nicht lange aushält auf dem Arm. Er möchte gerne sehen, wo wir hinlaufen, er möchte mir dann zeigen, was er Interessantes sieht, er möchte sich bewegen und wahrscheinlich spürt er auch, dass dauerhaftes Tragen für mich nicht angenehm ist. Wenn er hoch möchte, nehm ich ihn IMMER hoch, das steht für mich außer Frage. Und es fehlt ihm auch ganz gewiss keine Nähe oder Bindung. Die holt er sich zu Hause beim Spielen auf Mamas Schoß, beim Kuscheln und in manchen Nächten im Elternbett. Punkt um…auch das zweite Kind wird im Kinderwagen befördert und für kurze Strecken und dem Einkauf gibts ne Tragehilfe..Für uns die ideale Lösung

    • Liz

      Eben. Es gibt ja auch nicht DIE ideale Lösung für alle Eltern und alle Kinder. Finde auch, man muss da kein Dogma draus machen. Ich würde selbst gern öfter mal den Wagen nutzen, siehe oben, aber die Babytochter mag halt nicht. Nun gut, ich kann damit leben 🙂

  • jukefrosch

    Vielen Dank für diesen schönen Artikel!
    Unser erstes Kind kommt in etwa zwei Monaten und ich plane, viel zu tragen. Auf jeden Fall werden wir uns ein Tragetuch kaufen und auch eine Tragehilfe, denn der zukünftige Vater findet Tragetücher zu öko und alternativ, das möchte er eher nicht.

    Wir werden uns aber auch einen gebrauchten Kinderwagen zulegen. Nur Tragen kann ich mir nicht vorstellen und z.B. meine Schwiegermutter ist körperlich gar nicht in der Lage dazu.

    Wie das Kind das mitmacht, ist natürlich eine andere Frage. Wir werden es erfahren. 🙂

  • gelberSchuhschrank

    Ich trage meine 3 Kinder seit nunmehr 6 Jahre. Als ich angefangen habe, war ich die „Indianerfrau“ und galt als mega- Öko. Außer ein paar Gruseltragen und dem Tuch gab es nocht nicht viel auf dem Markt. Umso mehr freue ich mich, dass der Markt so groß geworden ist und jeder die Möglichkeit hat, eine passende Trage/ Tuch zu finden. So bin ich mittlerweil im Besitz von ca. 30 Tüchern und 4 Fertigtragen, aber keinem Kinderagen 🙂

  • Sab

    Ich würde meine Trage (und jetzt baba sling) nie missen wollen, aber einen großen Einkauf nach Hause tragen und das Baby in der Trage – nicht so gut. In die Wohnung Kind und Einkauf ist schon schwer genug. Mein Sohn wollte nur auf den Arm und ich war froh, wenn ich ihn mal nicht tragen musste!! Dann gab es auch eine Zeit, in der mein Sohn es keine 5 min in der Trage ausgehalten hat. Ich bin froh über beides!

  • Steff

    Liebe Susanne,
    Ich habe leider nicht so regelmäßig getragen, aber ich habe die Zeit geliebt in der ich es tat…sollte meine Tochter (5) je ein Geschwisterchen bekommen habe ich mir aber das ausschließliche Tragen vorgenommen… Eben aus den Gründen die du schilderst… Ich gehe sehr viel mit meiner Tochter spazieren und wenn sie nicht mehr kann kommt sie auf meinen Rücken… Sie kennt das noch von dem Onbu…

  • Jule

    Definitiv ja… der Kinderwagen wurde für die Grosseltern gekauft und von uns nur auf dem Flughafen (für das Handgepäck) genutzt! : )

  • 314

    Hallo..
    .. in ein paar Monaten kommt unsere Nr. 2 auf die Welt. Unsere 1. Tochter wird dann knappe 2 Jahre alt sein. Da ich sie, zunächst als Kinderwagenverweigererin und später aus Überzeugung, nur getragen habe, möchte ich es bei Kind Nr. 2 auch machen. Bisher kenne ich nur die Manduca, mit der wir auch wunderbar zurecht gekommen sind. Wir haben sie allerdings nur auf dem Bauch genutzt, auf dem Rücken hat es immer irgendwie gezwickt. Bei Nr. 2 aber brauch ich glaube ich öfter mal etwas mehr Handlungsfreiheit vorne herum und möchte daher gerne auch auf dem Rücken tragen. Gibt es eine Empfehlung, was dafür besonders geeignet ist. Ein Tuch einer Freundin habe ich auch, habe mich damit am Anfang allerdings etwas ungeschickt angestellt und da wir die Manduca hatten, es dann gar nicht mehr probiert. Bin gespannt auf eure Tipps und sage schonmal danke.

  • Julia Adler

    Hallo Susanne, wie lange konntest du deinen Sohn im Pavo Sling tragen? Ich suche gerade nach einer Alternative zu unserem Manduca. Diese hatten wir immer bei Spaziergängen dabei wenn mein Sohn nicht mehr konnte. Seit einer Weile mag er die Manduca nicht mehr und wir haben ihn im Sommer dann auf die Schultern genommen. Das schlechtere Wetter mit Matschfüssen steht vor der Tür und nun suche ich eine Alternarive. Mein Sohn ist gersde 2 geworden.

    Liebe Grüsse
    Julia

  • Anca

    Hallo,
    auch ich habe mein Kind viel getragen, erst im Tuch später auch in der Manduca. Wobei ich mit dem Tuch besser klar gekommen bin. Kinderwagen und Buggy hatte bzw. habe ich auch im Einsatz. Mittlerweile ist mein Sohn zwei Jahre und 2 Monate alt und läuft bereits seit über einem Jahr. Nur draußen will er das meist nicht… 🙁 Also, er läuft schon und jetzt ist er auch fröhlich durch den Schnee gestapft. Aber wenn ich zum Beispiel mit dem Auto irgendwohin fahre (gestern war es der Baumarkt) und ihn dann rausnehme, ist sein erster Satz „Mama, Arm“. Wenn ich das dann nicht mache, ist das Geschrei groß. Ich versuche schon, dann konsequent zu sein und ihn dazu zu bringen, selbst zu laufen, aber das macht mich schon manchmal wahnsinnig. Und wenn ich es eilig habe oder keinen Nerv, mir das Geschrei anzuhören, wird er dann halt schnell getragen… Hat da jemand einen Rat? Denn gestern hat er wirklich den ganzen Baumarkt zusammen gebrüllt..

    • lilysu

      Das kenne ich auch, besonders an unbekannten Orten war das bei uns so. Ich hatte deswegen noch sehr lange immer eine Trage dabei, um ihn einfach auf den Rücken zu nehmen in diesen Fällen. Jetzt mit drei ist das nicht mehr so oft ein Thema. Nur dann, wenn er wirklich müde ist vom Laufen oder sich unwohl fühlt.

  • Lenina

    Als ich mit meinem Sohn schwanger war, war mir klar: Den will ich tragen. Kinderwagen – brauch ich nicht.
    Und dann überließ uns die Familie ihren Kinderwagen. Da sagt man dann auch nicht nein, zumal mein Freund von dieser „Tragesache“ nicht so begeister war.

    Was ein Glück!
    Denn aus der erwünschten Wassergeburt wurde ein Kaiserschnitt, dessen Naht noch lange, lange weh tat, so dass ich in den Tagen und Wochen nach der Geburt erstmal mit wieder schmerzfreiem Gehen beschäftigt war.
    Ich hatte ein schönes Tuch gekauft, doch es wollte einfach nicht ohne Schmerzen gehen. Zumal war mein „kleiner“ mit ca. 4000 g ein eher schweres Baby und auch ihm behagte das Ganze dann nicht so richtig.

    Auch ein Bondolino funktionierte nicht – der meiste Druck saß einfach genau auf der Naht.

    Also lernte ich den Kinderwagen lieben.

    Und kaufte, als der Kleine 5 Monate alt war, eine Manducca (die ich schon von meiner Arbeit her kannte). Und endlich klappte es. Für kurze Strecken, denn mein kleiner Brocken wog schon fast 11kg. Das war beim vorne Tragen ohne Übung zuviel für meinen Rücken.

    Als ich dann 2 Monate später auf Rückentrage wechselte, platze der Knoten. Das fanden wir beide toll! Leider kam dann der Winter und ich fand nichts passendes für uns zum Anziehen. Also wiechen wir wieder auf den Kinderwagen aus.

    Mit 10,5 Monaten fing er an zu laufen und zum Frühling blieb der Kinderwagen fast immer zuhause. Er lief und lief und lief. Und wenn er nicht mehr konnte, kam er in die Manduca auf den Rücken.

    Wir haben also beides gut genutzt.

    Für ein (eventuelles) zweites Kind wünsche ich mir aber, dass ich von Anfang an tragen kann. Dafür suche ich dann nach der Geburt (!) eine Tragemöglichkeit für die ersten Monate, da ich gehört habe, dass man die Manduca nicht so früh einsetzen soll?