Monat: November 2013

Rituale für die Weihnachtszeit mit Kindern

Adventsgärtlein

Nun fängt der Dezember an. Die magische Zeit vor dem Weihnachtsfest. Magische Zeit? fragen sich vielleicht der ein oder andere, der gerade vor Stress nicht weiß, wohin. Ja, denn es ist eine magische Zeit. Besonders für die Kinder – wenn man sie lässt.

Weihnachten kann so viele verschiedene Dinge bedeuten. Für die einen sind es viele verschiedene Adventskalender, deren Türchen jeden Tag geöffnet werden und der Stress, noch schnell Geschenke kaufen zu gehen, die dann in Papier eingewickelt und am Weihnachtsabend aufgerissen werden. Aus meiner eigenen Kindheit und Jugend kenne ich diese „Geschenkeübergabe“, wo dann alle wild alles aufreißen und es gar nicht mehr so um das Individuelle, um den Gedanken geht. Deswegen mache ich es mit meinen Kindern anders. Und dieses „anders“ beginnt mit dem Zauber, den die Weihnachtszeit bereit hält.

Ob nun religiös oder nicht, die Weihnachtsgeschichte ist eine Geschichte, die für Kinder interessant ist. Es ist in erster Linie zunächst ein Märchen. Ein Märchen, in dem ein Baby geboren wird und in dem Engel vom Himmel herab steigen. Eine wundersame Geschichte für Kinder, über die man reden kann, die immer und immer wieder vorgelesen werden kann in der Weihnachtszeit. Und um dieser Geschichte einen passenden Rahmen zu geben, gibt es viele kleine Rituale, die auf das Fest der Weihnacht hinweisen. Für uns ist diese Adventszeit deswegen mit verschiedenen Ritualen bestückt, die jeder für sich auf das große Fest vorbereiten.

Das Adventsgärtlein

Das Adventsgärtlein findet im Kindergarten statt. Es ist ein Ritual, das besonders in der Waldorfpädagogik eingebunden ist, aber ich habe auch schon von anderen Kindergärten gehört, die das Adventsgärtlein zur Vorbereitung auf die Weihnachtszeit in ihren Jahresrhythmus eingebunden haben. Beim Adventsgärtlein wird auf dem Boden eines großen Raums eine dreifach gewundene Spirale aus Tanne und Moos gelegt, die mit schönen Dingen geschmückt wird. In der Mitte steht eine brennende Kerze. Während ein Adventslied gesungen wird von den Eltern, betreten die Kinder schweigend den Raum mit einer Kerze, die in einem Apfel steckt. Die Kinder setzen sich um die Spirale und dann gehen sie einzeln nacheinander die Spirale entlang zum Licht in der Mitte, entzünden dort ihre Kerze und stellen sie auf der Spirale ab. So wird der Raum nach und nach heller. Das Ritual zeigt, worum es in der Adventszeit geht: Ruhe, Besinnlichkeit, Einkehr nach Innen, warten auf das Licht der Welt. Es ist eine wunderbare Einstimmung auf die Adventszeit.

Der Adventskranz und Advent feiern

Und auch beim Adventskranz wird genau dies wieder aufgegriffen: Mehr und mehr Kerzen werden angezündet in Erwartung des Lichts der Welt: Jesus‘ Geburt. Der Kranz steht dabei für die Ewigkeit des Lebens. Gemeinsam schmücken wir deswegen jedes Jahr den Adventskranz. Je nachdem, wie viel Zeit wir dafür haben, mal stärker, mal weniger. Im letzten Jahr war es nur ein ganz einfacher Tannenkranz mit Kerzen und einigen Zimtstangen aus der Backabteilung, getrockneten Orangenscheiben und Tannenzapfen. In diesem Jahr wollen wir eine hängende Variante über dem Küchentisch ausprobieren. Angezündet werden die Kerzen nacheinander an jedem der vier Sonntage vor Weihnachten. Am Sonntag gibt es dann unser selbstgemachtes Sonntagssüß, zum Beispiel Bratäpfel aus dem Ofen, den Besuch eines Weihnachtsmarktes oder eine andere schöne Aktion. Die Weihnachtspostfiliale in Himmelpfort wollen wir auch noch besuchen.

Lebkuchenhaus

Ein weiterer Bestandteil unserer Weihnachtsvorbereitungen ist das Lebkuchenhaus, das zum 1. Dezember fertig sein soll. Ich backe es in jedem Jahr mit den Kindern. Immer etwas krumm und schief und meistens passt irgendein Teil nicht so ganz auf das andere oder muss nachgeklebt werden. Die Tochter liebt besonders das Verzieren und Naschen dabei. In das Haus kommt ein kleines Licht, das unter der Woche brennt, wenn wir am Tisch sitzen.

Jahreszeitentisch

Wie zu allen anderen Jahreszeiten und Jahresfesten, bereiten wir auch für den Winter und Weihnachten den Jahreszeitentisch. Nun werden die Kastanien und die Hagebuttenfee herunter genommen und es kommen die Tannenzapfen, das weiße Schneetuch und die Weihnachtssternfee dazu.

Weihnachtsgebäck und Baumschmuck

Natürlich wollen in der Weihnachtszeit auch all die Keksdosen gut aufgefüllt werden. Und in dieser besonderen Zeit gilt auch eine Ausnahme vom Sonntagssüß, denn jetzt gibt es auch Kekse unter der Woche zum Knabbern am Nachmittag bei warmem Tee oder Kakao. Und an und zu mopst sich die Weihnachtsmaus auch einen Keks zwischendurch heraus.

Das ganze Jahr macht diese Maus
den Menschen keine Plage.
Doch plötzlich aus dem Loch heraus
kriecht sie am Weihnachtstage.

Zum Beispiel war vom Festgebäck,
das Mutter gut verborgen,
mit einem mal das Beste weg
am ersten Weihnachtsmorgen.

-James Krüss-

Bestimmt mindestens einmal wöchentlich wird gebacken. Dabei kann die Tochter bei der Auswahl der Kekse mitbestimmen, aber es gibt auch spezielle Varianten für uns Erwachsene, die nicht ganz so bunt sind.

Zwei Wochen vor Weihnachten wird dann auch der Baumschmuck gebacken: Das sind bei und Lebkuchenmänner und Lebkuchenschaukelpferde. Sie werden mit Zuckerguss bemalt und kommen dann mit roten Samtbändern an den Weihnachtsbaum.

Adventskalender und Adventsbücher

Jeden Tag rückt das Weihnachtsfest ein Stückchen näher. Um zu zeigen, wie die Tage weniger werden, haben wir Adventskalender mit Beuteln, wo jeden Tag ein Beutelchen abgenommen wird. Und je mehr sich die Schnur an der Wand lichtet, desto näher rückt das große Fest. Die Adventsbeutelchen befülle ich in jedem Jahr selber. Jedes Jahr ein bisschen anders.

Neben den anderen Weihnachtsbüchern, haben wir in diesem Jahr ein Vorlesebuch, das für jeden Tag eine Geschichte bereit hält, quasi ein Adventskalender in Buchform.

Nikolaus und Knecht Ruprecht

Das Nikolausfest ist das letzte „große“ Ereignis vor dem Weihnachtsfest. Es werden die Schuhe geputzt, wir lesen die Geschichte vom heiligen Nikolaus und von Knecht Ruprecht und sagen das Gedicht „Knecht Ruprecht“ auf. Die Schuhe werden mit Keksen an die Wohnungstür gestellt und am Morgen wird erst einmal bestaunt, was dort geschehen ist. Tanne, Orangen, Nüsse, kleine Glitzersterne und natürlich auch Geschenke und Süßes finden sich an und neben den Schuhen.

Teilen, schenken, Geschenke basteln

Die Weihnachtsgeschenke für die Kinder bringt natürlich der Weihnachtsmann oder das Christkind – das darf man sich bei uns aussuchen. Aber wir Erwachsenen beschenken uns gegenseitig. Ich finde es auch schön, den Kindern das Teilen näher zu bringen. Deswegen sortieren wir wenn es kälter wird, Kleidung aus, die wir nicht mehr brauchen und bringen sie zur Stadtmission. Und auch für Freunde und Familie wird gebastelt und Gebasteltes verschenkt. Einfache Kleinigkeiten, um zu zeigen, dass man an den anderen denkt. Auch das bedeutet für mich, sich auf Weihnachten vorzubereiten.

3 x 24 – Die Adventskalender hängen

Adeventskalender

Es beginnt zu weihnachten. In dieser Woche wird das Lebkuchenhaus gebacken, der Adventskranz wird gebunden. Im Kindergarten findet das Adventsgärtlein statt. Und nun hängen auch die Adventskalender in unserer Küche. In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal drei Kalender gemacht; im letzten Jahr war der Sohn noch zu klein. Was wohl in den Kinderbeutelchen zu finden ist?

Tochter_Adventskalender

Tochterkalender mit 4 Jahren und 9 Monaten

Als wir zum ersten Mal gemeinsam Weihnachten feierten, war die Tochter 9 Monate alt. Da gab es noch keinen Kalender für sie. Im darauf folgenden Jahr sollte sie aber ebenso wie wir einen bekommen. Ich gab mir viel Mühe mit der Auswahl und packte liebevoll die Päckchen mit kleinen Hübschigkeiten. Schnell aber entdeckte sie, dass wie Erwachsenen Schokolade in unseren Beutelchen hatten und sie nicht. Deswegen mussten wir alsbald unseren Kalender mit ihr teilen. Im folgenden Jahr wünschte sie sich dann auf jeden Fall auch Schokolade für ihren Kalender. Und so erhält sie nun in jedem Jahr einen selbstgemachten Kalender mit Schokolade und ein paar ausgewählten Kleinigkeiten. In diesem Jahr hat sie sich einen Kalender mit Zahlen gewünscht, denn bislang hatte sie nur Stoffbeutel ohne Aufdruck und konnte jeden Tag davon frei wählen. Nun aber kennt sie schon viele Zahlen und ist begierig, sie zu lesen. Deswegen habe ich in diesem Jahr aus einfachen Papierbeuteln einen Kalender gebastelt: Auf jeden Beutel wurde eine Zahl aus Holz aufgeklebt. Die Tüten wurde gelocht und auf eine rote Samtschnur aufgezogen. Dazwischen kamen noch etwas Thymian und getrocknete Apfelscheiben. Und in den beutelchen sind kleine Schokoladentäfelchen – für jeden Tag eines und dazu gibt es Glitzermalstifte, Pferdetattoos, eine kleine Strickkatze zu Nikolaus, Haarspangen und Tinti.

Sohn_Adventskalender

Sohnkalender mit 14 Monaten

Was die große Schwester macht, das wird mitgemacht. Und deswegen steht es außer Frage, dass auch der Sohn einen eigenen Kalender bekommt. Er erhält nun die Stoffbeutelchen ohne Zahlen und kann sich jeden Tag einen davon abpflücken. Und was für ihn darin ist? Eine Kiste Haba-Fantasiebausteine (glücklicherweise hat Haba bei Stiftung Warentest recht gut abgeschnitten im Holzspielzeugtest), die für jeden Tag 1-2 Bausteine hergibt und dazu an jedem Tag einen ungesüßten Kinderkeks. Zu Nikolaus gibt es wie bei der Tochter ein kleines Kätzchen.

Und der 3. Kalender ist für @leitmedium. Aber was da drin ist, verrate ich hier nicht. Nur so viel: Die Tochter hat es ausgesucht.

Und was gibt es bei Euch?

Sonntagssüß: Schnelle Babykekse ohne zugefügten Zucker

Ihr habt es ja gesehen: Unser Wochenende haben wir diesmal im Krankenhaus verbracht. Deswegen gab es am Sonntag auch kein selbstgemachtes Sonntagssüß. Heute haben wir dafür ein ganz schnelles, einfaches Sonntagssüß nachgeholt. Es geht ja langsam auf Weihnachten zu und das ist ganz klassische Kekszeit. Natürlich kann man dem Sohn nicht immer zuckersüße Weihnachtsplätzchen geben oder ihm das Knabbervergnügen ganz vorenthalten. Weiterlesen

Wochenende in Bildern

Also dieses Wochenende… Ja, wie soll ich das kurz beschreiben? Es war ziemlich schlimm. Wir mussten ins Krankenhaus und wir mussten da auch bleiben. Beide Kinder und ich. Und wir haben Erfahrungen gemacht, die nicht schön waren. So war es:

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Am Freitag hatte sich die Tochter den Kopf sehr stark gestoßen an ihrer Hochebene. Ich kühlte und schmierte Arnika auf die Stelle am Kopf, aber sie hatte Kopfschmerzen und schlief schlecht. Um Mitternacht erwachte sie und erbrach sich ins Bett. Gehirnerschütterung, dachten wir uns sofort und machten uns auf den Weg ins Krankenhaus: Tochter, Sohn, Mann und ich. Wir fuhren ins St. Joseph. Dort gibt es eine Erste Hilfe für Kinder. Angemeldet und in den Wartebereich gegangen, in dem viele Kinder waren und Tüten verstreut lagen, falls Kinder sich erbrechen müssen. Während die Bildschirme in diesem Wartebereich der Kinder zwar ausgeschaltet waren, konnte man jedoch sehr gut die Bildschirme des Erwachsenenwartebereichs erkennen. Dort lief zu dieser späten Stunde ein Krimi, auf dem zweimal versuchte Morde und eine Vergewaltigung zu sehen waren. Nachdem wir unsere Kinder zwei Stunden versuchten, von den Fernsehbildern fern zu halten und nicht aufgerufen wurden für eine erste Begutachtung (Wir hatten uns mit Verdahct auf Schädel-Hirn-Trauma angemeldet!), nahmen wir die Kinder und fuhren nach Hause. Die Eltern, die dort noch warteten, waren schon 1,5 Stunden vor uns dort gewesen und ebenfalls noch nicht dran gekommen.

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Wir fuhren zu einer kleinen Pause nach Hause und morgens ging es dann weiter ins Sana Klinikum Lichtenberg. 15 Minuten Wartezeit und die Tochter sollte sofort stationär aufgenommen werden. Es gab nur ein Problem: Ich wollte meine Tochter auf jeden Fall begleiten. Und wenn ich bei der Tochter bin, muss auch der Sohn mit dabei sein. „Warum?“ fragte die Krankenschwester in der Aufnahme. „Weil er 13 Monate alt ist und noch gestillt wird.“ „Mit 13 Monaten???“ Dann müsse ich die Unterbringung aber selber bezahlen. Gut, mache ich.

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Tochter wird am Überwachungsmonitor angeschlossen. Aufstehen nur zur Toilette. Aber sie hat so starke Kopfschmerzen und ist so schlapp, dass sie auch gar nicht möchte.

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Kleines, wirkungsvolles Aufmunterungsgeschenk vom Waldorfbasar: Mimi-Püppchen in Wiege.

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Und während es eigentlich um die Tochter geht, wird der Sohn auf einmal ganz heiß. Mit 40,3°C wird er nun auch offiziell als Patient mit aufgenommen.

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Familienbett nach Krankenhausart: Der fiebernde Sohn schläft mit mir in einem Bett, das Bett der Tochter ist an meins dicht drangeschoben.  In der Nacht kommt in unser Zimmer noch ein Kind in Begleitung seiner großen Schwester.

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Der nächste Tag. Sonntag. Der Tochter geht es schon viel besser. Der Sohn fiebert weiter. Mal höher, mal niedriger. Außer rotem Hals keine weiteren Symptome.

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Warum ich mich u.a. immer wieder für Breifrei entscheiden würde? Würdet Ihr das essen wollen? Das ist die Mahlzeit, die für den Sohn vorgesehen war: Kartoffelbrei, püriertes Gemüse, püriertes Fleisch. Appetitlich? Nein. Warum sollten Kinder es dann essen?

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Was tun bei Bettruhe? Demnächst schreibe ich einen Artikel mit unseren Tipps für kranke Kinder mit Bettruhe.

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Das sieht nicht nach Frau Mierau aus? Stimmt. Ist auch nicht von uns, sondern von dem kleinen dreijährigen Kind, das in der Nacht mit seiner großen Schwester in unser Zimmer kam. Vormittags kam der Vater mit zwei weiteren Schwestern zu Besuch. Die ganze Familie ging dann aber mittags und ließ den Kleinen einfach zurück. Allein. Mit 3 Jahren allein im Krankenhaus. Es kam niemand wieder. Die Schwestern sagen, da sei er kein Einzelfall. Und während ich mich nun um drei Kinder kümmerte, fragte er, ob er mich jetzt auch Mama nennen könne.

Deswegen schließe ich hiermit: Kinder brauchen uns. Besonders, wenn sie krank sind. Und geborgene Familie geht sogar im Krankenhaus – wenn man sich einfach durchsetzt.

 

Natur, Natur und einfach spielen lassen – Wie Kinder heute wachsen sollten

Wie_Kinder_heute_wachsen

Schon lange liegt das neue Buch von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther auf meinem Schreibtisch. Ich bin lange nicht dazu gekommen, es gründlich zu lesen, denn ich habe meine Tochter im Kindergarten eingewöhnt. Nach wirklich langer Suche (und nachdem wir sie aus einem schlechten Kindergarten hinaus genommen haben), haben wir einen wunderbaren Platz für sie gefunden. Einen Kindergarten, in dem täglich hinaus gegangen wird bei jedem Wetter, bei dem einmal in der Woche ein Waldbesuch ansteht und einmal wöchentlich der Bauernhof aufgesucht wird. Dort wird mit Pflanzen Stoff gefärbt, Kinder klettern auf Bäume und bauen sich kleine Hütten im Wald. Noch nie zuvor kam meine Tochter mit so vielen Schürfwunden oder blauen Flecken nach Hause. Aber sie ist auch sehr glücklich dort. Und das mitten in Berlin.

In meinem Umfeld höre ich oft, dass Familien aufs Land oder zumindest an den Stadtrand ziehen wollen, weil die Kinder in der Stadt keine Natur erleben könnten und die Kindheit hier so eingeschränkt sei. Und nun kommen wir zum Buch von Renz-Polster/Hüther. Stimmt nicht, sagen die nämlich. Es kommt nämlich nicht nur auf den Raum an, sondern eben auch auf unsere Einstellung, unsere innere Haltung zu dem, was uns wichtig ist und zu dem, was wir denken, dass unsere Kinder „lernen“ müssen. Im Frühförderwahn denken wir zu oft, dass Lernspiele, Apps und Wissensbücher den Kindern alles Wichtige vermitteln. Doch Kinder lernen nicht auf diese Weise. Sie lernen durch das Tun. Renz-Polster und Hüther beschreiben das so wunderbar mit dem folgenden Bild:

Bäume brauchen Wurzeln, das weiß jedes Kind. Und ein kleiner Baum kann umso besser wachsen und gedeihen, je kräftiger seine Wurzeln sind, mit denen er sich im Erdreich verankert und seine Nährstoffe aufnimmt. Nur wenn es einem kleinen Baum gelingt, tief reichende und weitverzweigte Wurzeln auszubilden, wird er später auch Wind und Wetter, ja sogar Stürme aushalten.

Auch Kinder brauchen feste Wurzeln. Offenbar wissen das nicht alle Eltern, auch nicht alle Erzieher oder gar alle Bildungspolitiker. Sie halten das, was man an jedem Baum sehen, messen und zählen kann, also die Äste oder die Blätter oder auch nur die Früchte, für wichtiger als die verborgenen Wurzeln.

Kinder können im freien Spiel in der Natur Grundkompetenzen erwerben, die die Basis für alles andere sind. Diese Grundkompetenzen wie Selbstwirksamkeit, Hingabe, Mitgefühl, Geduld und Verbundenheit sind nichts, was man ihnen in einem Lehrplan beibringen könnte. Sie lernen durch sich und dem Zusammensein mit anderen. Sie erproben, machen Fehler, korrigieren, lernen. Und sie lernen dort auch ein Gut kennen, das wir in unserer hektischen Zeit kaum noch vermitteln können: Langsamkeit.

Renz-Polster und Hüther gehen sehr anschaulich vor und zeigen sanft auf, was es ist, was Kinder wirklich benötigen. Dabei werden diese Bedürfnisse auch noch durch wissenschaftiche Fakten aus der Hirnforschung untermalt. Auf diese Weise entsteht ein neues Bild vom Kind. Ein realistisches Bild, dem wir uns wieder annähern sollten. Sie nehmen Eltern die Angst, Zeitfenster der Entwicklung zu verpassen und Kinder möglichst früh möglichst optimal zu fördern. Und sie machen auch klar: Ja, Kinder können sich im freien Spiel verletzen und es ist auch immer ein wenig gefährlich in der Natur. Aber nur ein wenig. Und Kinder lernen durch die Auseinandersetzung mit der Natur auch einen besseren Umgang mit ihr. Dabei wird nicht aus dem Blick gelassen, dass heute nunmal heute ist und es auch Fernseher und Computer gibt. Wie sie selber schreiben ist „Medienbashing“ zu einfach. Computer und Co. sind nicht per se schlecht. – Auch das lässt Eltern wieder aufatmen, denn hört man heute zur Genüge, wie schädlich der Einfluss der Medien sein soll. Auf die Dosis und die Art kommt es an.

Es geht also gar nicht so sehr nur um die Natur und darum, dass Kinder mit Stöckchen und Eicheln spielen sollten. Es geht darum, dass Kinder Kinder sein sollen. Dass sie im freien Spiel in der Natur Dinge erlernen, die wir ihnen nicht beibringen können, die sie aber benötigen. Um Mitgefühl und Einfühlungsvermögen zu entwickeln, gibt es keine Apps oder Computerspiele. Das ist etwas, was man nur im Zusammensein mit anderen lernen kann und in der Auseinandersetzung mit dem Leben. Gerade diese beiden Eigenschaften sind es jedoch, die nach und nach verloren gehen in unserer Welt, die so sehr auf den Einzelnen fokussiert. In der wir uns mit Ellenbogen nach vorn bewegen wollen – oder zumindest unsere Kinder dies tun sollen. Wir wollen ja schließlich nur ihr Bestes.

Doch wenn wir dies wirklich wollen, müssen wir unsere Einstellung überdenken. Wir als Eltern, aber auch alle Erzieher und Lehrer. Wir müssen hinterfragen, wohin wir mit unseren Lehrplänen eigentlich wollen und wie die Zukunft gestaltet werden soll. Es ist ein Umdenken notwenig in unserer Gesellschaft, wenn wir uns eine schöne und gesunde Zukunft für unsere Kinder wünschen. Ein Umdenken, das viele Ebenen anspricht und viele Menschen. Das Buch von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther kann ein erster Anstoß sein für Eltern. Und nach der Lektüre fühlt man sich geradezu verpflichtet, mehr in die Wege zu leiten.

Daher: Wer es noch nicht gelesen haben sollte, sollte es sich vom Nikolaus in den Schuh stecken lassen. Es gibt viele Dinge, über die man an langen Winterabenden nachdenken kann.

 

Gespräche mit einer Vierjährigen Nr.8

Welraumbild

Wie auch immer die Tochter auf den Weltraum gekommen ist. Von mir hat sie das nicht. Ich kann manchmal noch immer nicht glauben, dass die Menschen wirklich ins Weltall fliegen. Jedenfalls setzte sie sich hin malte dieses Weltraumbild: Die ganze große Erde, die Sonne und drum herum lauter Astronauten. Ich bestaunte das Bild sehr (und ja, ich lobe meine Kinder viel, wenn das auch heutzutage oft verpönt wird). Jedenfalls setzte sie sich danach wieder auf ihre Hochebene, während ich mit dem Sohn auf dem Boden saß und stillte. Doch das Thema Weltraum war noch nicht abgeschlossen für sie:

Tochter: „Weil, ich werde später  nämlich auch Astronautin!“

Ich: „Ach, ehrlich?“ und denke: Was für eine furchtbare Vorstellung!

Tochter: „Aber ich komm Euch dann besuchen!“

Ich: „Das ist schön!“ und heule fast schon bei dem Gedanken, dass mein kleines Kind irgendwann nicht mehr bei uns wohnt.

Tochter: „Dann setze ich aber den Helm ab. Nicht, dass die mich sonst einsperren.“

Denke: Hä? Aber die Tochter fährt schon fort mit ihren Überlegungen.

Tochter: „Aber ich nehm Dich auch mal mit mit der Rakete. Dann fliegen wir zum Mond. Dann müssen wir erst den fragen, dem der Weltraum gehört, für den ich dann arbeite, und dann kannst Du mit.“

Ich: „Und wem gehört der Weltraum?“

Tochter: „Keine Ahnung. Das werden wir dann ja sehen. Vielleicht den Englein oder so. ABER Du musst Dich richtig, richtig warm anziehen. Da draußen ist es nämlich ganz kalt!“

Ich: „Ach?“

Tochter: „Ja, da ist es so RICHTIG kalt. Da ist nämlich immer Weihnachten!“

Und nun freue ich mich doch ein bisschen über den Berufswunsch. Denn es ist ziemlich einmalig, wenn ich später einmal der Tochter erzählen kann, dass ihr erster Berufswunsch Astronautin für die himmlischen Heerscharen war im Land der ewigen Weihnacht.

Ich kauf im Kiez – Folge 2: zu Hause einkaufen bei me&i

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Na gut. Ich gebe es zu: Von zu Hause was zu kaufen, ist nicht identisch mit im Kiez kaufen. In diesem Fall aber doch fast, weil nämlich nicht einfach per Klick gekauft wird, sondern das Geschäft zu einem nach Hause kommt.

Über Twitter habe ich zum ersten Mal von dem schwedischen Modelabel me&i erfahren. Im September wurden Berliner Bloggerinnen zum Kaffeeklatsch eingeladen mit Vorführung der Kollektion. Leider konnte ich nicht dort sein, denn Magen-Darm hatte uns alle erwischt. Im Oktober kam dann aber doch noch eine Möglichkeit, die kunterbunte Kindermode zu bewundern: Im Kinderwagenkino im Babylon wurde die aktuelle Kollektion vorgestellt. Mit vor Ort zwei me&i Beraterinnen, die mir alles Wissenswerte über die Produkte erzählten:

Me&i ist das schwedische Label von Helene Nyrell. Sie entwirft Baby- und Kindersachen, aber auch Damenbekleidung und Kosmetikartikel gehören zum Sortiment. Die Babysachen sind zu einem großen Teil aus Organic Cotton gefertigt und laut Firmenphilosophie wird besonderer Wert auf faire Produktion in europäischen Familienbetrieben gelegt. Das klingt schon einmal toll, aber der Vertriebsweg ist es, den ich besonders spannend finde: me&i gibt es nämlich nicht einfach in Läden zu kaufen, sondern die Sachen werden von Beraterinnen verkauft, die frei von zu Hause arbeiten und zu Familien nach Hause kommen. „Homepartys“ heißen die Veranstaltungen, bei denen man seine Freunde einlädt und dann Besuch von einer der me&i-Mitarbeiterinnen bekommt, die die aktuelle Kollektion vorstellt. Man kann das Material in Ruhe ansehen und befühlen, Fragen stellen und in Ruhe anprobieren. Eine tolle Sache für alle, die – wie ich – einkaufen mit Kindern in Einkaufszentren unangenehm finden und denen sich beim Gedanken an Anproben in engen Ankleidekabinen die Nackenhaare aufstellen.

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Und das Befühlen und Ansehen hat mich überzeugt. Die schönen Retro-Looks der aktuellen Kollektion haben mir sehr gefallen. Aber ob die Sachen auch halten, was sie auf den ersten Blick versprechen? me&i hat mir meine beiden Favoriten zum Testen angeboten: Einen Body mit süßem Auto-Aufdruck im Retro-Look und eine kuschelige Hose mit kleinem Häschen. Beides habe ich mehrfach gewaschen nach Gebrauch durch den Sohn. Und mein Fazit: auf jeden Fall empfehlenswert. Am Body (Organic Cotton) gefallen mir besonders die umschlagbaren Ärmel: Die Ärmel sind doppelt genäht und so lange der Arm noch ein wenig zu lang ist, kann man ihn umkrempeln und es sieht trotzdem sehr schön aus mit dem Aufdruck. Also ein mitwachsendes Kleidungsstück, was ja immer praktisch ist. Die niedliche Hose hat innen ein verstellbares Gummiband, so dass sie auch den schlankeren Kindern wie dem Sohn gut angepasst werden kann. Beides hat den Wäschetest und den Alltagsstrapazentest gut überstanden und wird uns wohl noch eine Weile begleiten.

Deswegen: Wer nicht einkaufen gehen möchte, kann auch gut von zu Hause an tolle Kinderkleidung kommen. Let’s party!

 

Hebammen im Koalitionspapier dank Jens Spahn?

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Diess Bild ging in den letzten Tagen durch das Internet, geteilt von Anke Bastrop, die auch die Hebammenpetition auf Change.org ins Leben gerufen hat. Jens Spahn, Bundestagsabgeordneter der CDU, und Karl Lauterbach von der SPD haben die Gespräche der Gesundheitspolitiker über die Leitlinien der neuen Regierung in Hinblick auf Gesundheit und Pflege geleitet. Zunächst hieß es:

Die Sicherung des Hebammenwesens steht NICHT im Koalitionsvertrag. In der ersten Fassung war noch vorgesehen, etwas für die Hebammen zu tun. Dann wurde die Zukunft der Geburtshilfe einfach rausgestrichen.

Die Situation der Hebammen wurde für die Koalitionsverhandlungen nicht berücksichtigt. Es erhob sich eine Welle des Protestes. Zahlreiche BlogerInnen schrieben Artikel, Facebook und Twitter liefen heiß.

Jens Spahn selbst twittert dazu:

 

Das ist schon ein interessantes Statement. Dies insbesondere in Verbindung mit seinem jüngst veröffentlichten Blogartikel „Gut, gut erreichbar und sicher – das Krankenhaus der Zukunft“, in dem heißt es beispielsweise:

Die Qualitätsberichte werden künftig auch erstmalig Einfluss auf die Bezahlung der Kliniken haben. Kurz gesagt: Wer bei bestimmten Leistungen gute Qualität liefert, soll mehr bekommen als jemand, der unterdurchschnittlich arbeitet. Das ist ein verantwortlicher Umgang mit den Geldern der Patienten und motiviert, sich und seine Leistung ständig zu hinterfragen und zu verbessern.

oder auch:

Vielerorts scheitert die Umstrukturierung am Widerstand vor Ort. Wenn ein Krankenhaus geschlossen oder anderweitig genutzt werden soll, geht ein großer Aufschrei durchs Land. Dabei wird in Regionen, in denen Häuser zusammengelegt und Kompetenzzentren geschaffen werden Erfolgsgeschichte geschrieben. Wir wollen den Abbau von Überkapazitäten, die Konzentration von Krankenhausstandorten und die Umwandlung von Krankenhäusern in lokale Versorgungseinrichtungen wie MVZs, Gesundheits- oder Pflegezentren mit einem Investitionsfonds in Höhe von 500 Millionen Euro unterstützen. Wir sind der festen Überzeugung, dass am Ende dieses Prozesses ein besseres Angebot für die Patientinnen und Patienten stehen wird.

Da sieht man dann schon, aus welcher Richtung der Wind weht und wie wohl die Einstellung zur außerklinischen Geburtshilfe aussehen mag. Ein Investitionsfonds in Höhe von 500 Millionen Euro für Krankenhäuser und deren Umwandlung.

Nun heißt es von ihm:

 

Doch in welcher  Weise wird hier eine Erwähnung stattfinden? Und wird es wirklich eine Bewegung in die richtige Richtung sein, wenn sein Anliegen doch eher in Hinblick auf die Krankenhäuser geht? Können wir wirklich beruhigt sein?

Geborgene Schwangerschaft adé? – Warum wir freie Hebammen brauchen

Hebamme

Ihr habt es längst schon überall gelesen: Die freien Hebammen sind in einer Krise. An vielen Stellen sieht man Plakate mit dem Schriftzug „Die erste Frau in meinem Leben war eine Hebamme!“ Und obwohl ich mit gerade diesem Protestplakat nicht einverstanden bin, da die erste Frau im Leben nun einmal die Mutter ist und wir Frauen auch genau in dieser Ansicht bestärken sollten, damit Schwangerschaft und Geburt selbstbestimmte und individuelle Lebensereignisse sind, gehe ich mit dem Protest mit. Familien brauchen Hebammen – und zwar freie Hebammen, die nicht an eine Institution gebunden sind.

Hebammen sind DIE Fachpersonen unter der Geburt – schon laut Gesetz

Denken wir an Hebammen, fällt uns natürlich als aller erstes die Hilfe bei der Geburt ein, die eine Hebamme leistet. Sie – nicht der Arzt – ist die Fachperson unter der Geburt. So regelt es das Hebammengesetz, in dem es heißt:

§ 4

(1) Zur Leistung von Geburtshilfe sind, abgesehen von Notfällen, außer Ärztinnen und Ärzten nur Personen mit einer Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Hebamme” oder „Entbindungspfleger” sowie Dienstleistungserbringer im Sinne des § 1 Abs. 2 berechtigt. Die Ärztin und der Arzt sind verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß bei einer Entbindung eine Hebamme oder ein Entbindungspfleger zugezogen wird.
(2) Geburtshilfe im Sinne des Absatzes 1 umfaßt Überwachung des Geburtsvorgangs von Beginn der Wehen an, Hilfe bei der Geburt und Überwachung des Wochenbettverlaufs.
Nach diesem Gesetz darf sogar ein Arzt nur im Notfall eine Geburt ohne Hebamme durchführen. Bei Geburten in Krankenhäusern muss zwar ein Arzt zur Geburt anwesend sein, aber begleitet und geleitet wird sie durch die Hebamme. Schon allein das ist ein wichtiger Punkt. Viele Frauen wünschen sich aus Angst eine medizinische Überwachung mit Anwesenheit eines Arztes, aber sie sind es nicht, die die eigentlichen Fachpersonen unter der Geburt sind. Bei Geburtshaus- und Hausgeburten wird dieses Bild klarer, denn dabei sind keine Ärzte anwesend, denn sie müssen es bei komplikationslosen Geburten schlichtweg nicht sein. Schon Anfang des Jahres schrieb der Focus darüber, dass Daten die Sicherheit von Hausgeburten belegen:
Danach gibt es kaum einen Unterschied zwischen Klinik- und Hausentbindung – zumindest dann, wenn es sich um eine sogenannte unkomplizierte Geburt handelt.

Die Begleitung unter der Geburt durch eine der Gebärenden bekannte Person wirkt sich erwiesener Maßen günstig auf den Geburtsverlauf aus. Es sind weniger Eingriffe notwendig, die Geburt verläuft entspannter. Hebammen geben Frauen Sicherheit und dies besonders, wenn sie schon vorher bekannt sind wie bei einer Geburtshaus- oder Hausgeburt oder auch einer Geburt in der Klinik unter Begleitung einer Beleghebamme.

Großes und individuelles Leistungsspektrum in Vor- und Nachsorge

Doch lassen wir die außerklinische Geburtshilfe einmal beiseite und betrachten neben der Hilfe unter der Geburt die sonstigen Leistungen der Hebammen. Denn auch wenn viele Menschen wissen, dass Hebammen Geburtshilfe leisten, ist erstaunlich wenig bekannt, dass sie auch die Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft durchführen. Bis auf Ultraschalluntersuchungen können Hebammen sämtliche Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft durchführen: Vom Urintest über das Ausstellen des Mutterpasses bis hin zum CTG. Denn: Hebammen sind die Fachfrauen in Sachen Schwangerschaft und Geburt und speziell dafür ausgebildet in einer drei Jahre dauernden Ausbildung. Viele besuchen zudem noch Zusatzweiterbildungen in alternativen Heilmethoden und können so Schwangere mit Fußreflexzonenmassage, Bachblütentherapie, Homöopathie oder Traditioneller Chinesischer Medizin unterstützen. Dabei können sich Hebammen in der Vorsorge wesentlich mehr Zeit nehmen als Gynäkologen bei Vosorgeterminen in der Praxis. Meist dauert eine Vorsorgeuntersuchung eine Stunde, bei der die Entwicklung und etwaige Probleme gut besprochen werden können. Das ist die Art der Zuwendung, die Frauen in der Schwangerschaft benötigen und zugleich ein echtes Luxuspaket.So können Ängste abgebaut und der Boden für eine gute Geburt bereitet werden. Denn kaum etwas wirkt störender auf das Geburtsereignis ein als eine tiefe, unverarbeitete Angst. Frauen benötigen also eine solche Zuwendung, um gut auf die Geburt vorbereitet zu werden.

Und auch nach der Geburt sind es die Hebammen, die den manchmal holprigen Weg ins Familienleben ebnen. In der Nachsorge können sie bei Stillproblemen unterstützen, Hilfestellung geben im Dschungel der Anträge, sich um die Wöchnerin und eventuell vorhandene Geburtsverletzungen kümmern, auf das Baby sehen und auch noch seelischen Beistand leisten in der wohl größten Umbruchphase des Lebens, wenn auf einmal ein Kind da ist. Dabei geben sie ebenfalls wie bei der Vorsorge all ihr Berufswissen und ihre unterstützenden Zusatzqualifikationen. Hebammen sind DIE Fachleute, wenn es um die Geburt geht.

Schlechte Bedingungen für die freie Arbeit

Nun aber ist es schlecht um sie bestellt. Die Haftpflichtversicherungsprämie steigt im neuen Jahr um 20%. Beleghebammen und freie Hebammen müssen 5090 Euro im Jahr allein für diese Versicherung zahlen. Das, obwohl eine einzige als Beleghebamme begleitete Geburt nur einen Verdienst von 273,22 Euro einbringt – wovon noch andere Fixkosten abgehen als „nur“ Versicherungskosten. Mehr und mehr Hebammen sind deswegen gezwungen, diese so wichtigen außerklinischen Leistungen aufzugeben. Doch das hat fatale Folgen.

Wenn Hebammenarbeit teuer wird

Wird dieses Modell weiter gedacht, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Freie Hebammenarbeit wird ein teurer Luxus für Menschen, die sich eine solche Begleitung leisten können. Wenn die Prämien in dieser Art ansteigen und Hebammen nicht ihre Tätigkeit aufgeben, müssen sie ihre Mehrausgaben durch höhere Einnahmen decken. Das würde bedeuten, dass all die Dinge, die Frauen bisher „einfach so“ in der Vor- und Nachsorge in Anspruch nahmen, nun in Rechnung gestellt werden. Die Fußreflexzonenmassage oder die Akupunktur gegen die Rückenschmerzen wird teure Privatleistung, die man sich eben leisten kann oder nicht. Ansonsten ist nur drin, was der Leistungskatalog eben her gibt: Dienst nach Vorschrift, bei dem auch auf die Uhr gesehen werden muss. Eine Hebamme kann man sich vielleicht auch gar nicht zur Geburt leisten. Die guten Eigenschaften wie komplikationslosere Geburten durch individuelle und bekannte Begleitung, sind nur für Besserverdienende möglich. Alle anderen müssen eben sehen, wie sie durch die Geburt kommen und sich mit dem arrangieren, was es noch gibt: Hebammen im Schichtdienst im Kreißsaal, die man nicht kennt, die vielleicht auch noch zwei andere Geburten parallel begleiten. Das ist nämlich die andere Möglichkeit: Hebammen geben die freie Arbeit ganz auf und sind fortan nur noch an Kliniken gebunden, an Hierarchien und Abläufe, an Konzerne, die Kosten-Nutzen-Planungen machen und festlegen, wie die Arbeit auf den Geburts- und Wöchnerinnenstationen zu laufen hat. Ja, es gibt auch gute Kliniken und natürlich arbeiten dort gute Hebammen, aber letztlich sind Kliniken in erster Linie Unternehmen und Mitarbeiter Rahmenbedingungen unterworfen.

Was kann man noch tun?

Zahlreiche Initiativen gab es schon. Nun geht es um eine Petition dafür, dass Hebammen mehr verdienen sollen, um die steigenden Kosten auffangen zu können. Am 25. November gibt es einen Aktionstag gegen Gewalt in der Geburtshilfe, was auch eindeutig in die richtige Richtung zeigt – beteiligt Euch daran und legt Eure Rose nieder, wenn Ihr Gewalt erfahren habt! Schreit es hinaus über Facebook, Twitter, Google+ und Co.: Wir brauchen gute und freie Hebammen!

Und setzt selbst ein Zeichen. Ja, über neue Medien lässt sich immer viel und schnell etwas sagen, aber auch im echten Leben draußen muss man Flagge bekennen. Vor kurzem gab es die Aktion, man solle eine Fahne mit Herz hinaus hängen, wenn man eine Hausgeburt hatte. Warum nur bei Hausgeburten? Zeigt, dass Eure Herzen für Hebammen schlagen und hängt Eure Herzensfahne aus dem Fenster. Die Welt muss sehen, dass wir Hebammen brauchen und wollen und wir keine Ruhe geben.

 

 

 

 

 

Sonntagssüß: Pastel de Nata – Portugiesische Sahnetörtchen

In kaum einem guten Café in Berlin gibt es sie nicht: Pastel de Nata. Die Portugiesischen Blätterteigtörtchen mit Sahnepudding sind einfach vorzüglich zu einem guten Kaffee. Und natürlich schmecken sie auch den kleinen Schleckermäulchen. Deswegen haben wir sie in dieser Woche für das Sonntagssüß ausgewählt. Weiterlesen