Kategorie: Babys Entwicklung

Das Baby gibt den Rhythmus vor

Es gibt viele Dinge, die sich durch das Leben mit einem Baby ändern. Die wohl größten Änderungen betreffen nicht den eigenen Körper, das Stillen, die geringe Schlafmenge oder die Umgestaltung der Wohnung. Die größte Änderung im Leben ist die Zeit, das Zeitgefühl und der Rhythmus. Und dieses wirkt sich auf so viele andere Bereiche aus. Denn das Zeitgefühl ist es, das wir nun auf den Kopf stellen, bei dem wir am meisten abrücken müssen von unserem bisherigen Leben. Ein Baby anzunehmen bedeutet, sich ihm anzupassen, sich seinen Bedürfnissen anzupassen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wir unsere eigenen Pläne zu gewissen Teilen hinten an stellen. Einen Rhythmus im Leben mit einem Baby kann man sich schaffen, indem man den eigenen Rhythmus ablegt. Weiterlesen

Einen Monat alt

Ich bin immer wieder überrascht davon, wie unterschiedlich Kinder sind und welch verschiedene Wege sie gehen – selbst als Geschwister. Die Natur hat einen Weg vorgegeben, auf dem unsere Kinder entlang gehen. Aber das eine läuft langsamer, das andere schneller. Manche rennen, manche schleichen eher. Wenn wir ihnen aber ihre Zeit geben, wenn wir nicht drängen oder einschränken, geht jedes Kind seinen Weg. Eben in seinem Tempo, aber es geht. Die Natur hat dafür gesorgt, dass Babys und Kinder zu jedem Zeitpunkt genau das können, was sie können sollen, was notwendig ist für den nächsten Schritt. Sie sind keine Mängelwesen, sondern genau so, wie sie sein sollen. Monat für Monat können wir ihre Entwicklung beobachten und begleiten.  Weiterlesen

3 Wochen Babyzeit

3 Wochen bist Du nun schon hier. So viele Wochen habe ich Dich unter meinem Herzen getragen bis ich Dich vor drei Wochen zum ersten Mal in die Arme nehmen konnte. So klein liegst Du auch jetzt darin. 2 Hand voll Mensch. Ein wenig hat sich Dein Gesicht schon entfaltet nach der anstrengenden Reise. Die kleinen Augen sind aufgegangen. Jeden Tag ein bisschen mehr bist Du hier angekommen, hast um Dich geschaut. Mit staunendem Blick hast Du wahrgenommen was Du bisher nur hörtest: uns, Deine Familie. Weiterlesen

Über das Ankommen

Wie oft bin ich im Leben irgendwo neu angekommen? Bei einem neuen Job, in einem anderen Land oder einer anderen Stadt, bei anderen Menschen, die ich erst kennenlernen musste? Immer wieder ein neues Kennenlernen, ein vorsichtiges Umsehen. Auch als Mutter komme ich mit jedem Kind neu an, so wie meine großen Kinder neu ankommen als große Geschwister, mein Mann als Vater und schließlich das Baby als neues Familienmitglied, als kleiner Mensch, der noch nichts gesehen und erlebt hat auf der Welt und für den alles neu ist. Weiterlesen

Ein Babyjahr – über die ganz individuelle Entwicklung im ersten Jahr

Jedes Babyjahr ist anders. Jedes Baby durchläuft die Entwicklung einzelner Fähigkeiten zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Auch wenn der Entwicklungsplan, d.h. die Ordnung dessen, welche Fähigkeiten und Entwicklungsschritte aufeinander aufbauen, in etwa festgelegt ist, kann es in der zeitlichen Gestaltung sehr große Unterschiede geben: Manche Kinder krabbeln mit sechs Monaten, andere erst mit 12 oder noch später. In meinem Buch „FABELhaft durchs erste Babyjahr: Der gute Start für Eltern und Babys: Bewegung und Bindung, Spiel und Spaß“ habe ich die Entwicklung im ersten Lebensjahr beschrieben – möglichst unter Auslassung irgendwelcher Altersangaben, denn

Das persönliche Entwicklungstempo des Kindes kann man kaum beeinflussen. Jedes Kind nimmt sich seine Zeit, und bei jedem Kind ist die Reihenfolge der Entwicklungsschritte ein wenig anders.

Meine beiden Kinder haben mir mit ihrer unterschiedlichen Entwicklung noch einmal vor Augen geführt, wie sehr die Entwicklung auch vom Temperament abhängt und wie verschieden sie wirklich ist. Hier gebe ich Euch einen Einblick in die Entwicklung meines Sohns im ersten Jahr:

Ein_Jahr_Baby1

Noch im Bauch. Warm, weich, dunkel, gedämpfte Geräusche.

Ein_Jahr_Baby2

Geboren an einem schönen Herbsttag zu Hause im Wohnzimmer.

Ein_Jahr_Baby3

1 Monat alt. Noch Neugeborenenakne. Mit den Armen und Beinen wird gestrampelt. Die Hände haben sich schon geöffnet.

Ein_Jahr_Baby4

2 Monate alt. Hand wird zum Mund geführt. Er lächelt. Die Bauchlage ist manchmal angenehm. Erster Husten kam, war anstrengend und ging wieder.

Ein_Jahr_Baby5

3 Monate alt. Die Hände haben sich vor dem Gesicht gefunden und werden befühlt und betrachtet. Spielzeug wird mit den Händen gegriffen, wenn es von der Seite angeboten wird. Es wird mehr gesehen (deswegen große Ablenkung beim Stillen), der Zahneinschuss ist da. Mit unermüdlichem Eifer wird versucht, sich auf den Bauch zu drehen. Es beginnt eine harte Zeit mit viel Weinen.

Ein_Jahr_Baby6

4 Monate alt. Wiegt 6500g und ist 65cm lang. Die Füße werden ertastet. Das Drehen auf den Bauch funktioniert (nach rechts). In der Bauchlage wird der Kopf oben gehalten und bereits der Handstütz genutzt. Spuckeblasen werden massenweise produziert.

Ein_Jahr_Baby7

5 Monate. Die Beine werden angezogen unter den Bauch und es geht schon langsam etwas voran. Alle diese Bewegungsversuche werden von Geräuschen wie aus dem Sportstudio begleitet.

Ein_Jahr_Baby8

6 Monate. Es wird gewippt. Er schiebt sich rückwärts, sagt „Ata“ und isst gerne Pastinakenstücke. Brei gibt es bei uns nicht.

Ein_Jahr_Baby9

7 Monate. Es geht vorwärts und es gibt viel zu entdecken. Immer in Bewegung.

Ein_Jahr_Baby10

8 Monate. Krabbeln und freies Sitzen gehören zum Alltag.

Ein_Jahr_Baby11

9 Monate. Zieht sich hoch zum Stand.

Ein_Jahr_Baby12

10 Monate. Steht frei und läuft an Möbeln entlang. Er sagt zum Kochherd und Essen „heisss“ und spielt mit Teller und Löffel füttern.

Ein_Jahr_Baby13

11 Monate. Läuft frei, schaut sich Bilderbücher an, bürstet die Puppe, füttert das Kuscheltier. Er winkt und klatscht in die Hände. Neben „heissss“ sagt er auch „auf“ (für alles, was auf oder an gehen soll), „Papa“ hat er auch schon ein paar Mal richtig verwendet, aber sein Lieblingswort und -subjekte sind „wau-wau“s.

Und nun wird mein Sohn in wenigen Tagen 1 Jahr alt. Er will draußen nicht mehr viel getragen werden, sondern läuft lieber allein oder an meiner Hand. Es ist so schnell vergangen, dieses Jahr und er ist groß geworden und hat viel gelernt und geschafft. Und auch, wenn ich schon einmal ein Kind durch das erste Jahr begleitet habe, ist es immer wieder ein Wunder und immer wieder anders.

Wie war Euer erstes Jahr?

Warum es Babys, die nicht krabbeln wollen, nicht gibt – die normale Bewegungsentwicklung des Kindes – Teil 2

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Wie bereits im Artikel „Warum es Babys, die nicht krabbeln wollen, nicht gibt – die normale Bewegungsentwicklung des Kindes – Teil 1“ dargelegt, folgt die Bewegungsentwicklung von Babys über die verschiedenen Kulturen hinweg einem annähernd gleichen Plan. Zwar ist jedes Kind einzigartig in dem zeitlichen Auftreten der verschiedenen Fertigkeiten, doch der Ablauf bleibt meist in etwa gleich: Während einige Kinder bereits im Alter von 6 Monaten mit dem Krabbeln beginnen, gibt es andere, die dies erst mit 12 Monaten versuchen. Auf dem Weg von der Rückenlage über das Krabbeln bis hin zum freien Stand nimmt das Baby verschiedenste Positionen ein, die es auf das große Ziel des aufrechten Gangs vorbereiten. Rollen, kriechen, robben, Zwergensitz, krabbeln, Bärengang… Das Kind durchläuft eine Vielzahl unterschiedlicher Bewegungsmuster und Positionen, die seinen Körper optimal darauf vorbereiten, das Gewicht in der aufrechten Position halten und Bewegungen koordiniert ablaufen zu lassen. Doch wie alle anderen Entwicklungsbereiche ist auch die Motorik störanfällig: Durch Blockaden, hervorgerufen durch eine schwierige Geburt, oder KISS (Kopfgelenk induzierte Symmetriestörung) können u.a. motorische Entwicklungsstörungen auftreten. Neben diesen erst einmal nicht willentlich beeinflussbaren Störungen kann die motorische Entwicklung jedoch auch durch Umweltfaktoren negativ beeinflusst werden. Hier ist an erster Stelle das zu frühe Hinsetzen zu nennen, das die motorische Entwicklung stark stören kann. Daneben gibt es natürlich auch weitere ungünstige Einflüsse – die oftmals mit einer Art Sitzhaltung zusammen hängen – wie lange „Liege“phasen in der Babywippe oder Autoschale oder auch mangelnde Möglichkeiten des Babys zur Bewegung. Ist bereits einmal in die motorische Entwicklung stark eingegriffen worden, zum Beispiel durch verfrühtes Hinsetzen, ist der Schritt zum nächsten Eingriff meist nicht weit: das zu frühe Hinstellen des Kindes.
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Warum es Babys, die nicht krabbeln wollen, nicht gibt – die normale Bewegungsentwicklung des Kindes – Teil 1

Besonders in der heutigen Elterngeneration ist er vertreten, der Spruch: „Als Kind wollte ich nicht robben oder krabbeln, sondern habe gleich mit dem Laufen angefangen, sagt meine Mutter.“ Und weil diese Aussage so weit verbreitet ist, nehmen viele Eltern auch heute dies als Tatsache hin und gehen selbst davon aus: „Also er mag es so gerne, wenn ich ihn hin stelle und er sich an meinen Händen fest halten kann. Er wird das Krabbeln wohl ausfallen lassen und gleich laufen.“ Aber was ist dran an diesem Mythos über das Kind, das nicht krabbeln will? Warum sollte die Natur etwas wie krabbeln eingerichtet haben, wenn es nicht notwendig ist? Oder steckt doch etwas anderes dahinter?


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