Monat: Juli 2014

Neue Wege – Mütter und ihre Jobs: Bloggerin Marisa Hart von Baby, Kind und Meer

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Als ich für meinen Vortrag zum Thema „Onlineeltern“ recherchierte, bin ich in der Liste der Brigitte Mom Blogs auch auf das Blog „Baby, Kind und Meer“ von Marisa Hart gestoßen, das mit derzeit 6466 Herzchen zu den beliebtesten Blogs gehört. Und nicht nur dort wird Marisas Blog hoch bewertet: Baby, Kind & Meer erreicht nach eigenen Angaben täglich zwischen 3000 und 4000 Leser bei mehr als 10.000 Seitenaufrufen am Tag. Hinzu kommen Facebook mit mehr als 10.500 Fans und alle weiteren Social Media-Kanäle wie YoutubeInstagramPinterest und Twitter. Marisa hat ihr anfängliches Hobby mittlerweile zum Beruf gemacht und verdient mit dem Bloggen Geld. Wie sie dazu kam, wie man das mit der Familie macht und welche Grundvoraussetzungen man mitbringen muss, um auch diesen Weg zu gehen, erzählt sie im Interview:

1. Was hast Du früher gemacht/wo hast Du früher gearbeitet?

Ich muss gestehen, dass ich mich ein bisschen durchs Leben gewurschtelt habe. Ja, man kann sagen, ich war eine kleine Überlebenskünstlerin. =) Ich habe erst das eine, dann das andere studiert, … hier und da gejobbt. Ich habe diverse Praktika gemacht, nebenbei geschrieben und dann bereits meine kleine Familie gegründet. Irgendwann habe ich dann beschlossen, dass ich nichts anderes tun möchte als zu schreiben. Zum Glück habe ich einen Mann, der mich von Anfang an darin unterstützt hat. Nach diversen Tätigkeiten als Autorin und Schriftstellerin kam schließlich das Bloggen hinzu. Nicht unbedingt mit dem Ziel, Geld damit zu verdienen. Sondern einfach als neue Perspektive, sich als Autorin (frei und kreativ) auszuleben.

2. Warum wolltest Du nach der Geburt/Elternzeit einen neuen Weg gehen?

Nach der Geburt meiner jüngsten Tochter, Lilli, hat sich eigentlich nicht viel verändert. Ich schrieb Bücher, Geschichten und Texte. Den neuen Weg als Bloggerin schlug ich erst nach der Geburt meiner zweiten Tochter, Lotte, ein. Mich hatten andere Blogs fasziniert und außerdem wollte ich mit der Zeit gehen. Ich dachte, wenn ich mit Kind schon nicht arbeiten kann, dann kann ich wenigstens etwas bloggen.Denn mehr als „etwas“ zu bloggen war vorerst gar nicht geplant. =)

3. Erkläre kurz, was Dir an der Arbeit als Bloggerin besonders gefällt.

Ich liebe diese Freiheit. Ich kann einfach das tun, was ich tun möchte. Ich kann mich kreativ ausleben und das Bloggen wunderbar mit dem Mamasein verbinden. Besonders schön finde ich, dass ich keinen Chef über mir habe. Und auch, dass ich kein so großes Ziel wie einen langen Roman vor mir habe. Beim Schreiben von Büchern weiß man nämlich, dass da direkt ein paar hundert Seiten vollbracht werden müssen. Beim Bloggen schreibt man halt Artikel für Artikel. Das ist weniger Druck und dadurch viel angenehmer. Das Schöne an der Selbstständigkeit ist natürlich, dass ich mich nirgendwo abmelden muss, wenn die Kinder mal krank sind. Ich bin flexibler. Aber es hat auch einige Nachteile. Zum Beispiel den, dass man nie wirklich Feierabend hat. Man arbeitet irgendwie 24/7. Entweder am Laptop, an der Kamera, am Handy oder im Kopf.

4. Wie gestaltest Du jetzt Deinen Alltag mit dem Job und Deiner Familie?

Lilli und Lotte gehen zusammen in den Kindergarten bzw. in die KiTa. In der Zeit ihrer Abwesenheit erledige ich Einkäufe, mache den Haushalt und blogge. Nachmittags unternehmen wir dann immer etwas Schönes zusammen. Die Zeit mit den Kindern ist mir sehr wichtig und wird immer wertvoll gestaltet. Erst wenn die beiden abends wieder in ihren Bettchen liegen, begebe ich mich erneut an den Laptop und arbeite weiter.

Am Anfang fiel es mir schwer, die Familienzeit vom Blog zu trennen. Aber irgendwann erkannte ich, dass ich tagsüber auch mal einen Schlussstrich ziehen muss. Das geht nicht immer, aber ich versuche es bestmöglich einzuhalten. Natürlich gehört auch das gemeinsame Basteln und Backen sowie gemeinsame Ausflüge mit zum Bloggen. Aber nur deshalb, weil ich eh darüber schreiben würde. Und viel fotografiert haben wir eigentlich schon immer. Schon bevor es den Blog gab. Deshalb empfinde ich das jetzt nicht immer als „aktive“ Arbeitszeit.

5. Würdest Du Deinen neuen Job anderen Müttern empfehlen? Wenn ja, warum?

Ja, würde ich. Zumindest jenen, die Spaß daran hätten, kreativ sind, gern und viel schreiben, sich nicht vor der Öffentlichkeit scheuen und bereit sind, viel Zeit und Herzblut zu investieren. Was man beim erfolgreichen Bloggen auf jeden Fall braucht, ist eine Menge Durchhaltevermögen. Wenn man die genannten Eigenschaften und einen festen Willen mitbringt, dann sollte man nicht länger warten, sondern direkt mit dem Bloggen beginnen. =)

Vielen Dank an Marisa für das Interview. In der nächsten Woche findet Ihr hier das Interview mit Patricia Taterra vom Hug & Grow in BerlinHast Du auch einen Job, den Du hier vorstellen möchtest? Dann schreib mir an [email protected]

Bisher in dieser Reihe erschienen sind Interviews mit Babyladeninhaberin Paula PülzSchwangerschafts-Concierge Ulrike LothHebamme und Bloggerin Anja C. GacaSarah Seeliger von LibrileoAutorin Nora ImlauMütterpflegerin Kathrin Roth, Chemikerin @fraubruellenDoula Denise WilkEva Ella Hartmann von ringelmiezBettina M. Kreissl Lonfant von der Agence PhilosophiqueAnna Luz de León von BerlinMitteMomRamona Weyde-Ferch von jademond.de,Stephanie Oppitz von der Windelmanufaktur, und Simone Janke als me&i-Beraterin.

Auch Elke Peetz hat sich des Themas angenommen und zeigt hier 100 Probleme und 100 Lösungen von FrauenAlex Kahl ruft zu einer Blogparade zum Thema familienfreundliche Arbeitgeber auf.

ElternbloggerInnen im Gespräch

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Letzten Donnerstag war ich eingeladen zum BRITAX RÖMER Blogger Café in Berlin. Was genau das ist? Eine Veranstaltung für ElternbloggerInnen, bei der sie sich kennenlernen und austauschen können. Veranstalter des Blogger Cafés war dieses Mal Britax Römer. Im Café Milchbart in Prenzlauer Berg kamen 26 ElternbloggerInnen zusammen, viele in Begleitung von Kindern und sprachen über all die Dinge, die bei uns so wichtig sind.

Wer denkt, dass auf solchen Veranstaltungen nur ein paar Produkte der Veranstalter vorgeführt werden und TeilnehmerInnen ein kleines Kaffeekränzchen veranstalten, der irrt. Zwar gab es durchaus eine Produktpräsentation des BOB Revolution PRO Kinderwagen, der sogar unter den Teilnehmerinnen verlost wurde und an die zauberhafte Mareice Kaiser von Kaiserinnenreich ging, ebenso wie auch Kindersitze wie der King II vorgestellt wurden. Doch eigentlicher Inhalt ist der Austausch über „die Arbeit“, denn ja: Bloggen ist Arbeit. Viele Eltern verdienen durch das Bloggen Geld, manche sogar hauptberuflich. Wie das genau geht, werdet Ihr in dieser Woche auch von meiner Interviewpartnerin Marisa Hart erfahren in meiner Blogreihe „Neue Wege – Mütter und ihre Jobs„.

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Elternblogs sind nämlich längst keine Randerscheinung mehr und auch kein zu belächelndes Hobby. Mehr als 1000 Blogs sind bereits in der Sammlung der „Brigitte Mom Blogs“ aufgelistet. Nicht nur Mütterblogs, sondern auch Blogs von Vätern und Großeltern, Tendenz steigend. Dabei gibt es viele Blogs, die sich auf das Schreiben eines Online-Tagebuchs spezialisiert haben, wie es schon lange in den USA praktiziert wird von Blogs wie Girlsgonechild. Doch die Bandbreite der Elternblogs ist noch viel größer: Einige haben sich auf DIY-Beiträge spezialisiert, andere binden ihre beruflichen Erfahrungen mit ein wie Hebamme Anja Gaca von „Von guten Eltern“ oder berichten über ihren ganz besonderen Alltag wie Mareice. Wieder andere zeigen besonders viele Testberichte und bieten Verlosungen an.

So vielfältig wie die Themen sind, sind dementsprechend auch die Inhalte, über die sich BloggerInnen austauschen. Da geht es um die Themen, die ihnen wichtig sind und die Schwerpunkte ihres Bloggens, wie zum Beispiel Anna und Thomas, die über das Reisen mit Kindern bloggen. Es geht aber auch darum, wie und ob man Werbung einbinden kann, wie man mit Konflikten oder negativen Kommentaren umgeht, wie man Themen gesammelt im Netz präsentieren kann in Form von Blogparaden und wie Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden kann. Bloggercafés sind wie kleine Redaktionssitzungen oder die bei Zeitungen üblichen Blattkritiken. Die sind ein wichtiges Instrument, um am Ball zu bleiben, um Qualität zu gewährleisten. Sie sind wichtig und zeigen einmal mehr, welchen wichtigen Stellenwert Elternblogs heute haben.

Bei diesem Treffen habe ich mich gefreut, bekannte Gesichter zu sehen wie Mareice, die ich auf der re:publica kennen lernte oder Nina, die ich kürzlich bei der Bepanthen Stiftung zum ersten Mal traf. Endlich einmal konnte ich ins persönliche Gespräch mit Supermom Henriette kommen, die ich bisher nur von Twitter kannte, wie auch die hinreißende Andrea vom Blog Runzelfüßchen. Und auch endlich die liebe Anja einmal persönlich treffen. Ganz neu entdeckt für mich habe ich das Blog „Mit Kinderaugen“ von Dajana, in das ich auch zukünftig hinein lesen werde. Elternblogs sind wundervoll, immer wieder neu und spannend.

 

 

Es gibt ihn nicht, den EINEN richtigen Weg

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Kürzlich hatte ich eine Beratung bei einer Mutter, die Fragen zu „Elimination Communication“ (EC) hatte: Sie wollte gerne ohne Windeln  bzw. mit wenigen Windeln durch die Babyzeit kommen, hatte aber große Probleme damit, die Signale bei ihrem Baby zu erkennen. Es stellte sich heraus, dass sie besonders deswegen EC machen wollte, weil sie ihr Baby schon nicht stillen konnte. Nach einer schwierigen Geburt hatte es mit dem Stillen einfach nicht funktioniert. Sie dachte, dass sie dadurch ihrem Baby viel weniger Nähe geben könnte als andere Mütter und wollte deswegen wenigstens „alles andere richtig machen“: Familienbett, Tragen, EC. Aber wie es sich zeigte, funktionierte das nicht so richtig und sie war völlig verunsichert, verzweifelt und hatte Schuldgefühle. Tatsächlich dachte sie, dass sie ihrem Baby keinen guten Start ins Leben geben würde.

Natürlich stimmt das nicht. Denn es gibt ihn nicht, den einen richtigen Weg. Nur allzu oft bekommen wir den Eindruck vermittelt, dass man Kinder eben nur selbstbestimmt gebären, stillen, tragen und mit ihnen im Familienbett schlafen müsse und dann würde alles gut werden. Und wer diese Dinge nicht macht, der hat schon versagt, der gibt seinem Kind keinen guten Start ins Leben. Ein harter Druck, der auf den Eltern lastet. Denn wer kann schon etwas dafür, wenn die Geburt anders verläuft, als man sich das gewünscht hat oder wenn es an Beratungsmöglichkeiten zum Stillen oder Tragen mangelt? Und selbst, wenn es nicht an Unterstützung mangelt, sondern sich die Familie aus ganz persönlichen Gründen dafür entscheidet, bestimmte Dinge zu tun oder sein zu lassen, die man allgemein schon als Babystandard ansieht, bedeutet das noch nicht, dass man einen schlechten Weg gewählt hat. Da schiebt eine Frau ihr Kind im Buggy mit Gesicht nach vorn? Uiui, ganz schlechte Zukunftsprognose für das Kind, so scheint es mittlerweile oft aus vieler Munde zu klingen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeite ich nun mit Eltern. Ich habe Mütter begleitet, die Kinder getragen haben, die Kinderwagen genutzt haben, die mit ihren Kindern in einem Bett schlafen oder auch nicht, die Brei geben oder BLW praktizieren, die Stoffwindeln nutzen oder abhalten oder Wegwerfwindeln haben. Und ich habe selber zwei Kinder bekommen und begleite sie auf ihren ganz unterschiedlichen Wegen. Aus diesen Erfahrungen heraus kann ich sagen: Es gibt ihn nicht, den EINEN Weg.

Der EINE Weg sieht nämlich bei jeder Familie und jedem Kind anders aus. Die einen Eltern können die Signale ihres Kindes problemlos lesen und halten ihr Baby ab, stillen zur passenden Zeit und finden den richtigen Zeitpunkt, um das Baby in den Schlaf zu begleiten. Ein anderes Kind hat durch sein Temperament Schwierigkeiten, in den Schlaf zu finden und braucht von seinen Bezugspersonen Hilfe dabei, muss beruhigt werden, braucht vielleicht mehr Ruhe als ein Kind, das jederzeit an jedem Ort einschlafen kann. Wieder ein anderes Kind ist besonders empfindsam über die Haut und kann durch Kleinigkeiten wie Etiketten in Kleidung nicht zur Ruhe kommen oder wird unruhig, wenn es in der Trage zu stark schwitzt. Und auch auf Seiten der Eltern gibt es immer wieder so viele verschiedene Eigenschaften, Temperamente, persönliche Erfahrungen und Geschichten, dass es niemals den nur einen richtigen Weg geben kann, der für alle gültig ist.

Bindungsorientierte Erziehung, das bedeutet, dass wir den Weg suchen, der für uns und unser Kind richtig ist. Wir schauen auf die Bedürfnisse unseres eigenen Kindes und auch auf unsere persönlichen Bedürfnisse und gehen diesen nach. Wir wollen das Beste für uns und für unser Kind. Das muss nicht das sein, was bei den Nachbarn das Beste ist und selbst bei Geschwisterkindern muss es nicht das sein, was beim ersten Kind gut und richtig war. Natürlich gibt es Grundsätze, die immer und bei allen Kindern gleich sind: Dass sie nicht geschlagen werden dürfen, dass ihnen keine psychische Gewalt angetan werden darf – dazu zählt auch, dass sie in ihren Grundbedürfnissen wahr genommen werden und beispielsweise nicht schreien gelassen werden. Doch darüber hinaus sind die Wege so vielfältig, so einzigartig. Lassen wir uns nicht von den Wegen der anderen verunsichern und schauen wir auch nicht streng und strikt auf pauschale Schlagworte wie antiautoritär Erziehung oder Attachement Parenting. Einzelne Wege lassen sich nur schwer in Konzepte hinein passen. Einzelne Wege sind einzelne Wege. Und sie passen nunmal zu jedem Kind und zu jedem Elternteil ganz nach Bedarf. Bindungsorientierte Erziehung ist wie ein Maßanzug, gefertigt aus dem feinsten Stoff, den unsere persönliche Haut tragen mag nach dem Schnittmuster der individuellen Persönlichkeit unseres Kindes.

 

Wie ich mit meiner Tochter über den Krieg sprach

„Mama, ich mag nicht zu Oma fahren!“

„Warum, Tochter?“

„Bei Oma ist Krieg!“

„Was??? Nein, bei Oma ist kein Krieg!“ – Meine Mutter wohnt im Süden von Berlin an einem Ort, an dem es alles andere als kriegerisch zugeht.

„Oma hat gesagt, ganz weit weg ist Krieg. Und Oma wohnt ganz weit weg!“

Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich mit dem Thema „Krieg – und wie erkläre ich das meiner Tochter“ auseinander setzen musste. Das ist für mich nicht einfach. Mein Vater wurde 1938 geboren. Er ist ein Kriegskind und ich habe schon früh als Kind die Grauen meines Vaters vor dem Krieg gehört: Von seinem Vater, der gestorben war, vom Onkel in Kriegsgefangenschaft, von Nächten im Bunker, vom Mangel an Nahrung und Pferdefleisch. Krieg, das ist für mich seit meiner jüngsten Kindheit Teil einer furchtbaren Familiengeschichte.

Krieg ist furchtbar. Es gibt nichts zu beschönigen und es gibt keine Sieger – wie auch immer er ausgeht. Es war klar, dass ich mich diesem Thema als Mutter irgendwann stellen musste. Die Kinder sehen keine Nachrichten bei uns zu Hause und wir hören sie auch nicht im Radio, aber an anderen Orten lassen sich nicht Ohren oder Augen verschließen. An anderen Orten erfahren Kinder etwas von der Welt, auch wenn wir das zu diesem Zeitpunkt gar nicht an sie heran kommen lassen wollten.

Was Krieg ist, fragte ich meine Tochter. Bei vielen Themen ist er erst einmal gut, die Gedanken des Kindes zu dem Thema ganz zu erfassen. „Da kämpfen Menschen mit Schwertern und Raketen und machen sich tot.“ Erstaunlich, wie präzise ein fünfjähriges Kind sich vorstellen kann, was Krieg bedeutet. Krieg, das wissen auch schon die Kleinen, ist etwas furchtbares, bei dem Menschen sterben. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder. „Und deren Eltern sind dann bestimmt sehr traurig.“ Ja, der Krieg macht Menschen unglücklich: Mütter und Väter verlieren ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, Großeltern Kinder und Enkelkinder, Brüder verlieren Schwestern und andersrum. Krieg bedeutet Verlust, Trauer, Angst. All das können Kinder schon in etwa begreifen, denn sie wissen, dass es schlimm ist, andere Menschen zu verlieren. Auch in diesem Krieg gibt es Menschen, die andere verlieren.

Doch kehren wir zurück zum Anfang. „Der Krieg ist in einem anderen Land, nicht in unserem. Dieses Land ist ganz weit weg, noch viel weiter weg, als Oma weg wohnt!“ „Und wenn er auch hierher kommt?“ Gerade haben wir Glück, erkläre ich, dass wir hier keinen Krieg haben. Das ist schon viele Jahre so, länger als ich selber lebe. Aber als Opa klein war, da gab es auch hier Krieg. Wir können glücklich sein, dass es hier keinen Krieg gibt. Aber wir dürfen uns nicht darauf ausruhen. Es ist auch unsere Aufgabe, uns darum zu kümmern, dass es auch in Zukunft keinen geben wird. Wie wir das machen? Wir bestimmen mit, was passiert, wenn wir wählen gehen. Wir wertschätzen alle Menschen, woher sie auch kommen, was sie auch glauben und glauben an das Recht, dass jeder Mensch gleich behandelt werden muss. Wir versuchen, richtige Entscheidungen zu treffen. Wir sind in der Mannschaft der lieben Menschen, wie Buddenbohms Sohn sagt.

Das alles macht nicht, dass es jetzt gerade keinen Krieg gibt. Er ist da und wir können nicht die Augen davor verschließen. Auch nicht die Augen unserer Kinder. Aber wir können unseren Beitrag leisten, nicht weg zu sehen und unsere Kinder dazu anleiten, einer friedvolleren Zukunft entgegen zu sehen.

Zeit für die kleinen Dinge

Schnecken

Wann hast Du zuletzt einen Regenwurm betrachtet, der sich seinen Weg in die Erde bahnt? Oder eine Schneckenfamilie, die langsam über den Bordstein kriecht? Wann hast Du einer im Wind tanzenden Einkaufstüte nachgeblickt?

Familie zu sein ist anstrengend, das ist keine Frage. Es gibt die durchwachten Nächte, die Entwicklungsschübe, die Streiterein mit den größeren Kindern. Es ist nicht alles rosarot immer. Und es gibt die schönen Momente: das Halten einer kleinen Hand, der zarte, nasse Kinderkuss, die gemeinsame Ruhe. Und dann gibt es noch die Erkenntnis, durch ein Kind neu sehen zu können.

Als ich noch keine Kinder hatte, verfügte ich – aus meiner heutigen Sicht – über so viel mehr Zeit. Kein Gehetze zum oder vom Kindergarten, keine ganz dringenden Besorgungen, keine schlecht gelaunten Kinder im Gepäck. Zeit für mich ganz allein. Um den Dingen nachzugehen, die für mich da waren. Abends noch spät und in Ruhe einkaufen, sich Zeit lassen, irgendwo essen gehen einfach nach Gefühl und Laune. So viel Zeit. Und doch weiß ich nicht, ob ich als Erwachsene ohne Kinder die Wolken betrachtet habe am Himmel mit ihren immer wieder neuen Figuren. Oder zugesehen habe, wie eine Biene aus einer Blüte den Blütenstaub sammelt.

So oft sagen wir, dass wir mit Kindern keine Zeit mehr haben. Doch wenn wir genau hinsehen, dann haben wir nicht nur genauso viel Zeit, sondern wir nehmen uns für manche Dinge mehr Zeit. Die kleinen Dinge. Wir schauen hin und entdecken neu, sehen die Welt neu. Schauen zu, wie das Kind immer und immer wieder auf die Schnecke tippt, damit sie sich in ihr Schneckenhaus zurück zieht. Oder schauen den Ameisen bei ihrer Arbeit auf der Ameisenstraße zu.

Wir haben Zeit. Zeit für die anderen Dinge. Die kleinen. Für die Dinge, die wir vielleicht sonst nie gesehen hätten, die uns nicht aufgefallen wären. Wir sehen sie in einem anderen Blick. Zeit ist Konstrukt, dass sich bei Eltern wandelt, das fast jeden Tag anders ist. Aber wir haben nicht weniger Zeit, wir nutzen sie nur anders. Und wir sollten froh sein darüber, dass wir die Welt einmal wieder mit anderen Augen sehen können und uns Zeit nehmen für die kleinen Dinge, die dem erwachsenen Auge sonst verborgen bleiben. Wir werden noch viel Zeit haben für all die großen und wichtigen Dinge im Leben. Aber für die kleinen, zarten, fast unsichtbaren, da haben wir nur die paar Jahre, in denen auch die Kinder sie noch erblicken und uns darauf hinweisen.

Neue Wege – Mütter und ihre Jobs: Babyladeninhaberin Paula Pülz

Paula_Pülz

Paula Pülz habe ich vor der Eröffnung ihres Ladens „Pikapé“ in Berlin-Pankow kennen gelernt, weil sie Kursleiterinnen für ihren Kursraum suchte. Der Laden hat mir sofort gefallen: Viele schöne Tragen, selbstgenähte Hübschigkeiten von Paula und niedliche Kindermode. Doch hinter so einem eigenen Laden steckt auch ganz viel Arbeit. Wie das so ist als Ladeninhaberin und Mutter von 2 Kindern, erzählt Paula im Interview

 1. Was hast du früher gemacht, wo hast du gearbeitet?

Ich habe nach dem Abi von allen Seiten die Empfehlung bekommen, das zu studieren, was mir Spaß macht. Da ich an vielem interessiert war aber nirgendwo einen richtigen Schwerpunkt setzen konnte, habe ich mich für Kulturwissenschaften entschieden. Nach dem Abschluss der große Schreck: Die Jobs werden einem nicht gerade auf dem Silbertablett präsentiert. Ich habe schließlich ein Volontariat in einer großen PR-Agentur gemacht und dann sieben Jahre in der internationalen Öffentlichkeitsarbeit und Messeorganisation in Agenturen gearbeitet.

2. Warum wolltest Du nach der Geburt/Elternzeit einen neuen Weg gehen?

Die Agentur-Arbeit war spannend und abwechslungsreich, aber oft auch sehr unkreativ und unbefriedigend – denn der Kunde ist König, Geldgeber und Entscheidungsträger. Die Arbeitszeiten sind eher familien- (bzw. privatlebens-) -unfreundlich Mit der Geburt meines Sohnes vor nun fast 5 Jahren begann ich mich nach anderen möglichen Berufswegen umzusehen und nach der Geburt meiner Tochter knapp zwei Jahre später kündigte ich meinen Job. Ich hatte das starke Bedürfnis, die Zeit, die ich getrennt von meinen Kindern verbrachte, mit etwas wirklich Sinnvollen und Nützlichen zu verbringen. Es begann ein Jahr der Suche. Als ich mir schließlich eingestehen konnte, dass Büroarbeit und das Angestelltendasein nichts für mich sind, war der Schritt zum Laden überraschend kurz.

Beide Kinder habe ich ausschließlich getragen, hatte immer mit dem Gedanken geliebäugelt, Trageberaterin zu werden – aber neben Beruf und Kindern konnte ich dafür keine Zeit und Energie aufbringen. Tragetücher und –hilfen im Internet zu bestellen finde ich wahnsinnig unbefriedigend, weil ich sie anfassen möchte, ausprobieren. Hier hat mir dann meine PR-Zeit sehr geholfen, das Konzept für den Laden zu erarbeiten, das mit drei Teilen sehr gut ineinandergreift: Tragehilfen/Trageberatung auf der einen, Kinderkleidung (überwiegend ökologisch, viel handgenäht) auf der anderen, dazu einen Kursraum. Der Laden liegt in keiner belebten Gegend (dafür wohnen wir direkt nebenan), da wäre mir ein „einfacher Laden“ zu riskant gewesen.

3. Erkläre kurz, was Dir an Deiner Arbeit besonders gefällt.

Alles. Nach dem ersten Jahr könnte ich keinen Teil meiner Arbeit benennen, der mir nicht gefällt. Manches ist anstrengend und kompliziert, aber dadurch auch wieder spannend und neu. Ich habe die Verantwortung aber auch die Entscheidungsmöglichkeit für alles, was den Laden betrifft. Ich liebe die Kundengespräche und Beratungen. Ich bin glücklich, wenn Eltern hier die passende Trage für sich und ihr Kind gefunden haben, wenn die Oma für ihre Enkel schöne Stücke findet oder wenn ich Geburtsgeschenke auf Bestellung nähe. Ich lerne jeden Tag neue, wunderbare Menschen und Familien und Lebenskonzepte kennen. Manche Babys, die vor einem Jahr ihren Kopf noch nicht halten konnten, laufen jetzt durch den Laden und halten uns auf Trab.

4. Wie gestaltest Du jetzt Deinen Alltag mit dem Job und Deiner Familie?

All dies wäre ohne meinen Mann nicht möglich. Er sorgt nicht nur für das Grundeinkommen, sondern wir teilen und auch die Kinderbetreuung am Nachmittag auf – mal ganz abgesehen davon, dass er mir den Rücken stärkt, sich meine Sorgen anhört und gemeinsam mit mir nach Lösungen sorgt, Türschlösser einbaut und, und, und…

In Notfällen ist es immer möglich, die Kinder mit in den Laden zu nehmen (sie lieben das Toben im Kursraum), wir machen das aber wirklich selten, denn wenn Kundschaft da ist, versuchen sie schon ziemlich angestrengt, meine Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ich habe zwei wundervolle Aushilfen, selbst Mütter kleiner Kinder, die im Notfall immer einspringen können. Wir können untereinander sehr flexibel die Arbeitszeiten verteilen und bei Krankheit oder ähnlichem schnell füreinander einspringen.

Wirklich praktisch ist die Nähe des Ladens zu unserer Wohnung. So können die Kinder auch mal alleine in den Laden kommen, am Samstag essen wir manchmal zusammen Mittag oder mein Mann und die Kinder holen mich abends mit einem Eis ab, dass wir zusammen auf der Bank vor dem Laden noch genießen.

5. Würdest Du Deinen neuen Job anderen Müttern empfehlen? Wenn ja, warum?

Es gibt sicherlich Berufe, die sich etwas besser mit der Familie vereinbaren lassen. Wenn mein Mann nicht Teilzeit arbeiten würde, müsste ich entweder die Ladenöffnungszeiten anpassen oder mehr Aushilfen einstellen und hätte damit mehr Fremdkosten. Da ich aber auf der anderen Seite komplett selbst entscheiden kann, welche Samstage / Nachmittage ich arbeite und welche nicht, empfinde ich den Job schon als sehr familienkompatibel. Es hängt, wie bei den meisten Berufen, auch vom eigenen Netzwerk und Umfeld ab.

Vielen Dank an Paula für das Interview. In der nächsten Woche findet Ihr hier das Interview mit Marisa Hart von Baby, Kind und MeerHast Du auch einen Job, den Du hier vorstellen möchtest? Dann schreib mir an [email protected]

Bisher in dieser Reihe erschienen sind Interviews mit Schwangerschafts-Concierge Ulrike LothHebamme und Bloggerin Anja C. GacaSarah Seeliger von LibrileoAutorin Nora ImlauMütterpflegerin Kathrin Roth, Chemikerin @fraubruellenDoula Denise WilkEva Ella Hartmann von ringelmiezBettina M. Kreissl Lonfant von der Agence PhilosophiqueAnna Luz de León von BerlinMitteMomRamona Weyde-Ferch von jademond.de,Stephanie Oppitz von der Windelmanufaktur, und Simone Janke als me&i-Beraterin.

Auch Elke Peetz hat sich des Themas angenommen und zeigt hier 100 Probleme und 100 Lösungen von FrauenAlex Kahl ruft zu einer Blogparade zum Thema familienfreundliche Arbeitgeber auf.

 

 

Aus den Sommerferien – Idee 5: Der Tag ohne Spielzeug

Spielzeugfrei

Immer wieder ließt man ja davon: Spielzeugfreie Tage in Kindergärten oder auch mal zu Hause. Wie ja schon oft beschrieben, ist das schönste Spielzeug sowieso das, was aus dem Alltag stammt: Kinder wollen mit den Dingen hantieren, die auch die Eltern haben. Sie wollen echte Küchenutensilien ausprobieren und mal den richtigen Besen benutzen. Und obwohl die Kinder sehr viele Spielsachen haben, die nicht in die Kategorie der klassischen Spielwaren fallen, habe ich bisher noch nie „Spielzeugfrei“ praktiziert. Wohl werden immer mal wieder einige Spielsachen entfernt, in Kisten verstaut und später wieder gegen andere ausgetauscht. Aber ganz ohne Spielsachen?

Zu unserem spielzeugfreien Tag kamen wir also ganz durch Zufall: Wir haben ja Familienzuwachs in Form eines Hundes bekommen. Und damit sich der kleine Hund erst einmal nach und nach umsehen kann in seinem neuen Zuhause und nicht gleich von zu vielen Eindrücken überfordert wird (oha: Woran erinnert uns das? Babyhunde werden nämlich sehr ähnlich behandelt wie Menschenbabys), wurden einige Räume mit Hindernissen abgesperrt. So auch das Kinderzimmer. Dies hatte aber nicht nur zur Folge, dass der Hund nicht in das Kinderzimmer konnte, sondern auch, dass die Kinder gar nicht mehr hinein gingen. Es schien, als sei das Zimmer wie bei Harry Potter Bahngleis 9 3/4 für die Kinderaugen verschwunden. Und so kamen die Kinder zu einem Tag ohne Spielzeug auf ihren Kinderzimmer. Sie waren ganz einfach beisammen, spielten miteinander und mit dem Hund und sammelten draußen allerlei Dinge für das Spiel zusammen: Federn, Steine, Stöcke, Schneckenhäuser, Blumen und benutzten dazu Dinge, die wir in den anderen Räumen hatten wie Blumentöpfe, Untersetzer, Obstkorb, Einweggläser, Löffel… Nur die Lieblingspuppen mussten als einziges ehemals gekauftes Spielzeug mit dabei sein.

Ein spielzeugfreier Tag öffnet die Augen für all das Schöne, was uns umgibt und die vielen Möglichkeiten, die Kinder haben, damit umzugehen. Eine Baumscheibe kann ein Tisch sein oder ein Teller oder ein Rad oder oder oder. Und die Feder fächert frische Luft zu, oder ist ein Haarschmuck oder ein Messer oder ganz einfach eine Feder.

Probiert es aus: genießt einen Tag ohne Schnickschnack, ohne Spielzeug, das schon alle Spielmöglichkeiten vorgibt und lasst der Phantasie freien Lauf. Und danach geht ihr mit neuen Augen in das Kinderzimmer und vielleicht räumt ihr ja viele Dinge weg, die gar nicht sein müssen und schafft Platz für mehr Entfaltungsraum – aber das ist dann eine Idee für einen anderen Tag.

 

Wochenende in Bildern 19./20. Juli 2014

Wir haben Familienzuwachs bekommen! Ein kleiner Hund ist zu unserer Familie hinzu gekommen und nun sind wir also 5. Das bringt neue Herausforderungen für den Alltag – wieder einmal die Signale eines Babys erkennen und richtig deuten, zum Beispiel in Hinblick auf die Stubenreinheit. Wieder einmal weniger Schlaf. Dafür viel Kuschelfaktor. Weiterlesen

Natur für Stadtkinder – Wie Stadtkinder elementare Erfahrungen machen können

Stadtkind

Auf einen Heuballen springen, durch den Wald rennen und Pilze sammeln, Lämmer streicheln oder mit einem kleinen Boot über den Fluss fahren – wir alle wünschen uns ein Stückchen Bullerbü für unsere Kinder. Dies umso mehr, wenn wir lesen, wie gut es für Kinder ist, Natur zu erfahren, dass sie dort elementare Erfahrungen machen können, dass Bauernhofbesuche vor Allergien schützen sollen und so weiter. Das Leben in der Natur – es kann Kindern so viel bieten.

Und dennoch ist es so, dass viele Eltern nun einmal mit ihren Kindern in der Stadt wohnen und bestensfalls in den Ferien die Möglichkeit haben, die Natur uneingeschrenkt zu genießen. Bedeutet dies, dass Stadtkindern all diese wichtigen Erfahrungen verwehrt bleiben? Wohl kaum, wenn wir darauf achten, dass sie auch in der Stadt Erfahrungen sammeln können, sich erproben und losgelöst mit allen Sinnen begreifen dürfen. Doch wie geht das?

Der wesentliche Unterschied zwischen Kindern in der Stadt und auf dem Land ist, dass Stadtkinder viel mehr unter beobachtenden Augen stehen als ihre Altersgenossen auf dem Land. Auf Spielplätzen finden sich Gruppen von Eltern, gut meinende Nachbarn sind allseits zugegen: Stadtkinder sind nur selten unbeobachtet. Und dieser Umstand wirkt sich auch auf das Spielverhalten aus: Denn Eltern greifen oft in das Spielverhalten der Kinder ein. Unbeobachtet klettern Kinder auf den Baum, erproben sich, wie weit sie kommen, wie gut sie sich hochziehen können. Auf Spielplätzen sind mittlerweile nur noch selten wirkliche Kletterbäume zu finden. Wenn Kinder phantasievollen Ersatz für den fehlenden Kletterbaum finden und die Rutsche mit nackten Füßen hochlaufen wollen, wird ihnen unter dem strengen Blick so mancher Eltern dieses Vorhaben untersagt. Und dies trifft auch auf die „falsche“ Nutzung der Schaukel zu, da bei unsachgemäßem Gebrauch eigene und Verletzungen fremder Kinder in Betracht zu ziehen sind. Spielplatzgeräte geben eine Nutzung meist vor – in den Augen der Erwachsenen und die Missachtung dieses gewünschten Umgangs wird oft von den Eltern ermahnend geahndet.

Doch nicht nur das: Eltern greifen nicht nur im Umgang mit dem Spielmaterial viel ein, sondern auch in den Umgang der Kinder untereinander. An der Schaukel wartend mit ihrem Kind wird so manches Mal das lange schaukelnde Kind ermahnt, es möge doch auch die anderen mal ran lassen oder das eigene schaukelnde Kind wird gebeten, nach einer gewissen Zeit Platz zu machen für den nächsten Schaukler. Kinder stehen Schlange an Spielplatzgeräten, anstatt sich anderweitig zu beschäftigen, weil ihnen die Regeln der Erwachsenen für den Spielplatz beigebracht werden. Doch was passiert ohne eingreifende Eltern? Ist es nicht möglich, dass Kinder unter sich um Spielmaterial verhandeln? Müssen wir ständig in die Sozialkompetenz des Kindes einschreiten?

Doch auch neben Spielplätzen ist es Stadtkindern möglich, sich selbst zu erproben, wenn wir ihnen den Raum dafür bieten: Auf kleinen Mauern kann balanciert werden, ausrangierte Matratzen auf dem Bürgersteig laden zum Hüpfen ein, im Slalom lässt es sich um Poller rennen oder Bänke dürfen erklommen werden. Wenn wir genau hinsehen, sehen wir so viele tolle Möglichkeiten in der Stadt. Oder – noch besser – lassen die Kinder sie einfach entdecken. Wir müssen nicht immer sofort eingreifen und etwas verbieten. Denn ist es wirklich schlimm, wenn ein Kind über eine Bank balanciert? Oder wenn es an irgendeiner Metallstange hochklettern will?

Nur weil wir selbst den Blick dafür verloren haben und es uns vielleicht vor anderen Erwachsenen peinlich ist, müssen wir unsere Kinder nicht um die Möglichkeit bringen, sich selbst auszuprobieren. Es ist nicht schlimm, wenn ihre kleinen Schuhe vielleicht ein wenig Straßendreck an eine Sitzbank bringen oder sie immer und immer wieder die Rollstuhlrampe hinunter rennen. Sie machen dies aus einem inneren Antrieb, weil sie sich und ihre Fähigkeiten ausprobieren wollen. Dazu brauchen sie kein Bullerbü, wenn wir sie einfach lassen und begleiten auf ihrem holprigen Weg.