Zwischen den Jahren

Zwischen den Jahren… Was bedeutet das eigentlich? Fast hört es sich an, als sei dieses Jahr schon vorbei. Als wären wir an der Grenze des Jahres angelangt und es mache sich eine kleine Tür auf zwischen dem ersten Glockenschlag der Mitternacht und dem letzten Glockenschlag. Diese 12 Glockenschläge lang sind Rückblick und Ausblick zugleich.

Meinen Ausblick auf das neue Jahr möchte ich am Anfang des Jahres mit Euch teilen. Meinen Rückblick auf mein Jahr als Mutter möchte ich Euch in diesen 12 Glockenschlägen aufzeigen. 12 Glockenschläge, 12 Erinnerungen des Jahres. Manchmal lustig, manchmal traurig. Meine 12 Gedanken des Jahres, die mich in ihrer Gesamtheit berühren. Die mir zeigen: Genau so ist es, das Leben mit den Kindern. Und: Es gibt gute Zeiten und schlechte Zeiten. Es gibt Momente, in denen es mir wunderbar geht und alles super läuft und es gibt harte Momente. Alles zusammen ist das Leben. Alles zusammen macht mich aus.

  1. Das Jahr hat begonnen mit einer schweren persönlichen Belastung unserer Familie, die uns alle immer wieder an den Rand unserer Kräfte brachte. Es gab wirklich dunkle Momente in diesem Jahr. Aber wir haben zusammen gehalten als Familie. Wir haben uns gestützt und haben die dunklen Momente gemeinsam überstanden. Dafür bin ich unendlich dankbar in diesem Jahr.
  2. Zu sehen, wie sich der Sohn entwickelt, wie er immer selbständiger wird. Wie er einfordert, Dinge ganz allein machen zu dürfen. Im Bad allein Aufgaben übernehmen, den Tisch mit decken. Das erfordert viel Vertrauen. Aushalten, es machen zu lassen. zu zu sehen und auch mal hinzunehmen, wenn er stürzt oder sich verletzt aus lauter Engagement.
  3. Geschwisterkinder. In diesem Jahr haben sich die Kinder als Spielpartner endlich gefunden. Das ist nicht immer einfach im Alltag, aber es wird von Woche zu Woche besser. Dennoch braucht jeder seinen Raum, Zeit für Rückzug. Auch Zeit allein mit einem der Elternteile. Natürlich gibt es immer wieder auch Streit, es fliegen Schimpfwörter und es wird auch geschupst. Aber dann gibt es wieder harmonische Zeiten. Gemeinsames Buchvorlesen, kuscheln.
  4. Wie schwierig die Momente aber auch seien mögen, es gibt Dinge, die ich versuche zu vermeiden. Ja, auch ich schreie manchmal. Ich bin darauf nicht stolz und ich schäme mich oft dafür. Ich entschuldige mich auch bei meinen Kindern. Was ich nicht tue ist, meine Kinder zu schlagen. Kein Klaps auf Po oder Finger. Niemals. Das Nachdenken darüber hat mich in diesem Jahr sehr bewegt. Wie auch die vielen Berichte über Eltern, die Kinder misshandeln. Auch psychische Gewalt gehört dazu.
  5. Wenn ich daran denke, denke ich mit einem Lächeln und manchmal sogar lautem Lachen daran, wie viele Dinge ich beim zweiten Kind ganz anders mache. Wie viel gelassener ich bei vielen Sachen bin. Wie ruhig. Es ist viel Entspannung und Gelassenheit zu mir gekommen durch dieses zweite Kind. In diesem Jahr habe ich auch viel über mich selber lachen können. Den Kopf schütteln, die Augen rollen. Auch das gehört dazu. Und immer wieder spüren: Es gibt ihn nicht, den einen richtigen Weg.
  6. Was ich dieses Jahr auch noch sehr genossen habe, ist die Nähe zum Sohn. Er wird so schnell größer und doch gibt es noch die kleinen Inseln: das Stillen und auch das Tragen.
  7. Persönlich war ich sehr bewegt in diesem Jahr von der schwierigen Situation um den Berufsstand der Hebammen. Dies, weil ich aus beruflichen gründen weiß, wie wichtig eine gute Geburt für Frauen und Familien ist, weil ich mir privat für meine Freundinnen gute Geburten wünsche und natürlich auch weil ich mir für die Zukunft gute Geburten für meine Kinder wünsche. In dem ganzen Protest um die Versicherungen der Hebammen setze ich mich daher auch für die Hebammen ein, aber in erster Linie für mich als Frau und für meine Kinder.
  8. Ein lang ersehnter Wunsch ist für uns in Erfüllung gegangen: Wir haben uns ein Haus auf dem Land gekauft. Ein Haus in einem kleinen Dorf, in dem es Tiere gibt, Wald, Felder, einen See. Ein Dorf, in dem die Kinder Natur erfahren können, in dem die Tochter allein zum Bäcker geht und Brötchen kauft.
  9. Geburtstage. Ich liebe unsere Geburtstage. In diesem Jahr gab es einen feenhaften 5. Geburtstag, einen 2. Geburtstag, einen 34. Geburtstag und einen 36. Geburtstag zu feiern. Geschenke auswählen, backen, Spiele vorbereiten… Geburtstage sind auch Arbeit, aber sie sind auch immer wieder bezaubernd.
  10. Bei Familienfeiern kommen alle zusammen. Im Jahresrückblick schaue ich gerne auf die vielen Momente mit Freunden, mit Familie und natürlich auch auf die Zeit mit Euch, meinem Onlineclan: die ihr hier im Blog, auf Facebook oder Twitter mit mir in Kontakt seid. Die vielen berührenden Mails, Nachrichten und Briefe, die ich bekomme. Das gibt mir immer wieder viel Energie, um weiter hier zu arbeiten.
  11. Auch wenn es mir manchmal nicht leicht fällt, gab es in diesem Jahr dennoch auch viele schöne Momente ganz für mich. Zeiten, in denen ich mir Gutes getan habe. ich kann zurück blicken auf ein Jahr, in dem ich auch einfach mal an mich gedacht habe. Dazu gehört auch, dass ich meinen beruflichen Weg weiter gehe.
  12. Dieses Jahr hat für mich auch in Hinblick auf unsere Familiensituation viel verdeutlicht: Immer wieder habe ich überlegt, ob dieses Kind nun das letzte sein wird, das ich stille, das ich trage. Mein letztes Baby. Und auf einmal gab es das Gefühl, dass wir komplett sind. Ganz plötzlich war es da. Die Frage hatte sich geklärt. Ich bin angekommen.

Unter dem Strich war es ein gutes Jahr. Es war nicht immer einfach, aber wann ist es das schon? Ich habe mein Jahr gelebt und gemeistert. Ich habe es gut gemacht für mich. Lucy Marshall sammelt gerade Geschichten zum Thema „Das habe ich wirklich gut gemacht als Mutter“ unter #momsrock. Ich habe mein Jahr gut gemacht. Und ich bin sicher, auch Ihr habt Euer Jahr gut gemacht.

Was sind Eure 12 Glockenschläge des Jahres?

Eure

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