Meine Arbeit ist es, meine Arbeit unnötig zu machen – Aus dem Leben einer Familienbegleiterin

Ich werde oft gefragt, was ich eigentlich arbeite. Und immer wieder werde ich gefragt, ob ich eigentlich Hebamme sei. „Nein“, sage ich dann, „Ich bin Familienbegleiterin und meine Arbeit ist es, meine Arbeit unnötig zu machen.“

Als ich vor vielen, vielen Jahren mein Studium der Kleinkindpädagogik anfing, wusste ich etwas vage, dass ich etwas mit Kindern machen möchte. Denn um Kinder hatte sich schon immer alles bei mir gedreht: Mein Schulpraktikum hatte ich im Kindergarten gemacht, in der Kirche hatte ich den Kindergottesdienst als Jugendliche mit organisiert. Als mein Bruder in dem Jahr starb, als ich Abitur machte, hatte ich überlegt, seine damals einjährige Tochter in Pflege zu nehmen. Das Studium kam und ich schwankte zwischen dem Themenbereich „Kita“ und „Eltern“ und machte mein erstes Praktikum beim Geburtshaus e.V. (heute Familienzelt e.V.) und dieses Praktikum hat mir die Weichen gestellt für alle späteren Entwicklungen, denn dort habe ich erlebt, wie wichtig und schön die Arbeit mit Eltern und Kindern ist. Und ich wusste: Genau das ist mein Ding. Dann hat mein Leben doch noch ein paar Wege kreuz und quer gemacht: Zwar habe ich schon während des Studiums mit den Elternkursen begonnen, habe dann aber erst einmal eine Stelle an der Uni angenommen und Elternberatung unterrichtet und nebenher meine Ausbildung zur Geburtsvorbereiterin und Familienbegleiterin bei der GfG gemacht.

Als meine Tochter 2009 geboren wurde, hatte ich vor der Geburt ein Beschäftigungsverbot. In dieser Zeit ging ich viel spazieren und überlegte, wie ich nach der Geburt meinen Beruf weiter machen möchte und ob nicht ein Wechsel notwendig sei. Eines Tages ging ich hochschwanger durch die Kollwitzstraße und blieb an einem Musikinstrumentenladen stehen. Ich schaute durch das Fenster und sah einen Mann, der lächelnd eine Geige baute. Als ich nach Hause kam, sagte ich meinem Mann, dass ich nur noch eine Arbeit machen möchte, bei der ich lächeln kann. Und so ging ich nicht zurück an die Uni. Als meine Tochter 18 Monate als war, begann ich die Weiterbildung zur Heilpraktikerin, um mein Arbeitsangebot komplett machen zu können und Eltern mit Kindern rundum versorgen zu können. Und genau so startetet ich 2012 in meine Selbständigkeit: Als Frau und Mutter, die anderen Eltern zur Seite steht, sie unterstützt, ihnen Tipps für den Alltag gibt, ihnen auf ihrem manchmal schweren Weg hilft.

Ich begreife meine Arbeit als Komplettpaket: Ich bin da und stelle alles Wissen, das ich habe, den Eltern um mich zu Verfügung, um sie auf ihrem Weg zu einer liebevollen, bindungsorientierten Elternschaft zu unterstützen. Ich berate sie dazu, wie sie die Geburt gestalten können, wo sie eine gute Hebamme finden und erkläre ihnen die Vorteile einer guten Geburtsbegleitung durch Hebamme und Doula. Ich bin nach der Geburt da, um zu unterstützen, um beim Aufbau einer guten Stillbeziehung zu helfen, um zu sehen, welche Möglichkeiten es gibt wenn die Kinder viel Schreien oder das Schlafen ein Problem ist. Ich begleite auf dem Weg durch die Elternzeit mit Ideen, Spielen, Liedern und meinem Wissen aus der Naturheilkunde. Was ich mache ist, dass ich altes Wissen wieder zur Verfügung stelle, dass ich als erfahrene Mutter und Pädagogin zur Seite stehe, wo eigentlich unsere Gesellschaft, unsere Familie, unsere Freunde, unser Clan stehen sollten. So kommt es, dass ich viele Eltern über Jahre hinweg begleite. Mal mehr, mal weniger. Viele von denen, die ich eine Zeit begleitet habe, melden sich immer mal wieder, schicken Fotos oder melden sich später mal wieder mit Fragen. Wie so ein Alltag aussieht? Es wird nicht langweilig: Ich gebe Kurse und Workshops, ich besuche Eltern zu Hause, ich habe Praxistermine, ich biete Fortbildungen an oder spreche auf Konferenzen.

Aus diesem Ansatz ist auch dieses Blog entstanden: Aus dem Wunsch, Eltern zu begleiten und zu unterstützen auf ihrem Weg. Aufzuzeigen, wie Elternschaft gelebt werden kann. Leider ist es so, dass der Weg in die Elternschaft heute nicht immer einfach ist und dass viele Eltern viele, viele Fragen und Probleme haben und Hilfe benötigen. Ich wünsche mir mit meiner Arbeit, all diesen Eltern ein kleines Stück auf ihrem Weg weiter zu helfen, ihnen den Alltag zu erleichtern und ihnen neue Möglichkeiten aufzuzeigen oder sie zu bestärken in der Art, wie sie schon leben. So, dass sie es auch aus sich heraus schaffen, einen guten Weg zu gehen und ihren Kindern eines Tages das auf den Weg mitgeben können, was sie vielleicht selbst nicht bekommen haben. ich möchte ein Licht anzünden, für mehr bindungsorientierte Elternschaft. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Eltern alle Unterstützung von allen Seiten bekommen, die sie brauchen. Mein Weg ist es also, meine eigentliche Arbeit unnötig zu machen, wenn dieses Ziel irgendwann erreicht ist.

Eure
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6 Kommentare

  1. Patricia Ricci

    Das klingt einfach wundervoll! Schön, dass es dich gibt und alles Gute weiterhin, lass dein Licht strahlen!

  2. „Eines Tages ging ich hochschwanger durch die Kollwitzstraße und blieb an einem Musikinstrumentenladen stehen. Ich schaute durch das Fenster und sah einen Mann, der lächelnd eine Geige baute. Als ich nach Hause kam, sagte ich meinem Mann, dass ich nur noch eine Arbeit machen möchte, bei der ich lächeln kann.“

    Das kann ich sehr gut verstehen. Wie schön, dass Du Deinen Weg gefunden hast. Hätte ich in meiner Schwangerschaft gewusst, dass es jemanden wie Dich gibt, hätte ich Dich sofort und gern engagiert. Aber das Berufsbild war mir bis vor kurzem total unbekannt.

  3. Liebe Susanne,
    wird so eine Familienbegleitung bezahlt oder müßte man dies selbst zahlen? Was kostet so etwas?
    Hätte ich früher davon gewußt, daß es so ein Angebot gibt, ich hätte es wohl gern in Anspruch genommen.
    Schön, daß Du eine Arbeit gefunden hast, die zu Dir paßt und Dir Spaß macht! Ich selbst muß da noch suchen.
    Herzliche Grüße,
    Steffi

  4. Me and Marisa

    Das Bild mit der Geige ist schön! 🙂 Ich habe letztens etwas
    ähnliches zu einer Freundin gesagt. Ich will einfach nur mal etwas
    machen, was ich wirklich liebe. Wo man nicht das Gefühl hat „zu
    arbeiten“, sondern etwas zu machen, was man gerne macht. Wirklich toll,
    dass Du das gefunden hast. Vielleicht finde ich es auch mal… Muss wohl
    mehr spazieren gehen 😉

  5. Liebe Susanne,
    Du hilft mir selbst mit deinem Blog ganz viel. Deine We in Bildern inspirieren mich immer so sehr! Du bist so jemand, mit dem ich gerne nen Kaffee trinken und plaudern wollte, stundenlang. Mach bitte so weiter!!!

  6. Liebe Susanne,

    wie schön, dass ees dein Angebot gibt. Ich selbst habe bis zzur Geburt meiner Tochter NIE ein Baby auf dem Arm gehabt und kannte den Alltag mit Baby und Kleinkind nicht. Weder in der Famikie noch im Freu deskreis gab es Babys. Ich war so verloren nach der Geburt. Worauf sollte ich zurück greifen? Ich hätte bei allem Hilfe gebraucht. Von dem Umgang mit Kind, vom Tagesablauf, Spielen, von den negativen Emotionen, die einen überrollen… von allem wusste ich nichts.

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