Ich liebe meine Kinder. Und meine Arbeit.

Sohn schläft im Restaurant

Ich liebe meine Kinder. Und ich liebe meine Arbeit. Es gibt noch viele Dinge, die ich auch liebe, wie meinen Mann, meine Hobbys, meine Bücher, über Wiesen in der Stille zu laufen. Aber nichts in meinem Leben, das ich liebe, hat mich jemals vor so große Konflikte gestellt wie meine Kinder und meine Arbeit. Diese beiden Dinge, die ich so liebe, schienen für mich von all den Dingen immer wieder am schwersten miteinander vereinbar zu sein. Und das, obwohl sie doch zumindest thematisch so nahe beieinander liegen: meine Kinder und meine Arbeit als Kleinkindpädagogin – das muss doch gut zusammen passen, oder doch nicht?

Kinderbetreuung und Arbeiten oder nur Arbeiten für Kinderbetreuung?

Ich bin kein Mensch, der Kinderbetreuung außerhalb der Familie ablehnt. Wenn sie qualitativ hochwertig ist und es Kindern und Eltern dabei gut geht, finde ich das wunderbar. Meine Tochter kam in eine wunderbare Tagespflegegruppe als sie 16 Monate alt war (mit 18 Monaten war die Eingewöhnung beendet), ich begann eine Weiterbildung und später wieder halbtags zu arbeiten. Als mein Sohn geboren wurde, war schnell klar, dass wir bei ihm einen anderen Weg gehen würden. Diesmal passte eine frühe Betreuung einfach nicht aus verschiedenen Gründen.

Der erste Grund lag darin, dass im Kindergarten meiner Tochter generell erst Kinder ab dem 3. Lebensjahr aufgenommen werden. Daher hätte der Sohn in einen anderen Kindergarten kommen müssen als die Tochter, was sowohl morgens als auch nachmittags großen Aufwand bedeutet hätte. Die Tochter aus ihrem wunderbaren Kindergarten heraus zu nehmen, in dem sie Freund_innen hatte und sich wohl fühlte, war undenkbar.Also würden es längere Wege sein, die auch gleichzeitig die Arbeitszeit schmälern würden, die ich zur Verfügung hätte.

Die Arbeitszeit wäre also begrenzt durch morgendliches Bringen und nachmittägliches Abholen von zwei Kindern an zwei Orten. Und auch wenn mein Mann eines der Kinder morgens bringen würde, könnte er es nachmittags nicht abholen. Zu der begrenzten Arbeitszeit würden dann jedoch noch die Kosten für die Betreuung eines Kindes unter 3 Jahren hinzu kommen (zzgl. 23 Euro Verpflegungsanteil/Monat und Vereins- oder Kitabeiträge, wie in den meisten Kindergärten vorhanden, kleine Zusatzausgaben wie neue Hausschuhe, Matschhose,…). Vielleicht würden auch noch Kosten entstehen durch das Einbringen von Zeit, was bei Elterninitiativen immer der Fall ist (aufräumen, putzen, kochen,…). Dies würde bedeuten, dass ich erst einmal viel arbeiten würde, um die Kosten für die Betreuung meines Kindes wieder herein zu bekommen.

Dazu kam jedoch auch noch das Gefühl, dass es für den Sohn, seiner Persönlichkeit und seiner Art einfach nicht passend wäre, ihn früh in eine Betreuung zu geben. Er ist anders als seine große Schwester, hat andere Bedürfnisse und das Recht, ganz individuell betrachtet zu werden.

Mutter, Vater und Entscheidungen

Vielleicht fragt sich nun jemand, warum denn eigentlich ich als Mutter mit dem Bringen und Abholen der Kinder beschäftigt sein soll und warum ich nicht lieber voll arbeiten gehe anstatt meines Mannes. Dies war unsere Entscheidung. Nicht, weil wir finden, dass mein Mann die Kinder weniger gut betreuen könnte oder ich es besser. Es ist eine ganz einfache rechnerische Entscheidung: Ich als Diplom-Pädagogin habe mit meinem Verdienst die Hälfe des Einkommens meines Mannes, der als Freiberuftler Berliner Startup-Unternehmen berät. Würde es anders sein, hätten wir vielleicht eine andere Aufteilung gewählt. So aber ist die Aufteilung so, wie sie ist. Er ist ein liebe- und hingebungsvoller Vater und bis auf das Stillen gibt es keine Tätigkeit in der Elternschaft, die er nicht machen würde oder könnte.

Sohn schläft im Restaurant

Sohn schläft im Restaurant

Ich liebe meine Arbeit und meine Kinder – mein Weg für beides

Beides zu vereinbaren ist zu den Konditionen nicht einfach. Es ist sogar ziemlich schwer, denn es erfordert sehr viel Disziplin. Vereinbarkeit hört sich in meinen Ohren immer so einfach an, so unbeschwert. Ich habe das nie so kennen gelernt, dass es einfach wäre. Ein typischer Tag in meinem Leben kann in etwa so aussehen wie der heutige:

Wir stehen um 6:30 Uhr auf, der Mann macht das Frühstück. In dieser Zeit poste ich einen Artikel auf Facebook und per WhatsApp, den ich am Abend zuvor geschrieben haben. Die Tochter wäscht sich, schimpft vielleicht, dass sie lieber von mir angezogen werden möchte. Wir frühstücken, der Mann bringt die Tochter in den Kindergarten, wo er einmal in der Woche morgens als Finanzvorstand eine Besprechung hat und fährt dann weiter zur Arbeit. Ich beantworte in dieser Zeit Emails, Kooperationsanfragen für das Blog, arbeite meine To-Do-Liste ab. Das geht so lange wie der Sohn sich am Morgen selbst beschäftigt. Gemeinsam erledigen wir dann den Haushalt, spielen, schauen Bücher an – eben der Alltag mit einem Kleinkind. Zum Mittag habe ich ein Interviewtermin, das macht sich schwer mit dem Sohn. Ich fahre daher zu meinem Mann, um mit ihm Mittag essen zu gehen und er kann während des Interviews und Mittagessens auf den Sohn aufpassen. Glücklicherweise ist dieser aber sowieso in der Zwischenzeit eingeschlafen, so dass ich mein Interview am Telefon führe und dann mit meinem Mann gemeinsam und fast romantisch in einem Restaurant esse während der Sohn neben mir auf der Sitzbank liegt und schläft. Habe ich nicht gerade einen solchen Termin zur Mittagsschlafzeit, schreibe ich in den 2 Stunden und bearbeite, was am Morgen übrig blieb an Korrespondenz. Nach dem Mittagsschlaf hole ich mit dem Sohn die Tochter vom Kindergarten ab. Zu Hause noch einmal kurze Arbeitspause, um zu sehen, ob wichtige Nachrichten eingegangen sind, es Arbeitsanfragen gibt in Hinblick auf Beratungsgespräche oder Hausbesuche. Dann gibt es den Nachmittag mit den Kindern, gemeinsames Vorbereiten des Abendessens. Der Mann kommt später nach Hause, da er morgen die Kinder nachmittags übernehmen muss, da ich einen Termin habe nach dem Spielkreis, den ich in Begleitung meines Sohnes leite. Wenn die Kinder schlafen, setze ich mich noch einmal an meine Arbeit, schreibe Artikel und Rechnungen, lege neue Termine fest – und schreibe mir Zettelchen, was ich für meinen Workshop am Wochenende noch erledigen muss.

Vereinbarkeit, das ist kein lockeres, entspanntes Wort. Das ist für mich jeden Tag wieder neue Überraschung, Aushandeln, Möglichkeiten ausloten und absprechen. Und dennoch habe ich für mich einen Weg gefunden, von dem ich sagen kann, dass ich ihn gerne gehe und jeden Tag auch wieder mit einem Lächeln starten kann, weil ich weiß, dass ich die Dinge habe, die ich liebe und die mir gut tun – alle.

Und wie läuft das bei Euch?
Eure
Susanne_clear Kopie

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2 Kommentare

  1. Ich arbeite für die Kinderbetreeung und die Fahrtkosten zur Arbeit. Die Kinderbetreuung in Großbritannien ist die Teuerste der Welt. Aber: ich bin, seit ich in Teilzeit wieder arbeite, eine bessere Mutter. Punkt. Mit zwei Kindern könnten wir uns den „Luxus Arbeit“ aber nicht mehr leisten.

    Ich finde es bewunderswert, dass Du anders und vor allem so diszipliniert arbeiten kannst.

  2. Elke Tonscheidt

    Schöner Artikel, ich arbeite auch gerade an dem Thema (bin selbst Bloggerin) und habe dazu das kürzlich geschrieben: http://ohfamoos.com/2015/02/innerlich-zerrissen-wie-viel-wahnsinn-birgt-dein-leben/ Was mich aufregt, ist, dass so viele Menschen immer noch nicht sehen, dass es darum geht zu TEILEN. So oft müssen die Frauen/Mütter alles deichseln, all die Fäden eben in ihren Händen bewegen. Ich glaube aber fest daran, dass sich die Arbeitswelt eines Tages ändern wird, nur müssen wir das immer wieder auch sagen, schreiben, fordern, ohne gleich feministisch daher zu kommen :-)! Euch allen einen schönen Tag!

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