Monat: Mai 2018

Grenzerfahrung Elternsein – Über den Spiegel, den unsere Kinder uns vorhalten

An manchen Tagen bin ich am Abend erschöpft wie nach einem langen Fußmarsch, habe am Tag das Adrenalin verspürt, das andere Menschen vielleicht bei einem Fallschirmsprung durch ihren Körper rauschen haben. An manchen Tagen bin ich müde wie nach einem Schwimmwettkampf. Ich habe nichts in meinem Leben erlebt, das mich so sehr an meine Grenzen gebracht hat, wie dieses Elternsein. Weiterlesen

kinderwärts: Kinder nicht ausgrenzen bei „schlechtem“ Verhalten

Anna ist Erzieherin und schreibt aus dieser Sicht auf ihrem Blog kinderwärts über Beziehung statt Erziehung im Alltag mit Kindern. Immer wieder lese ich bei ihr schöne Artikel aus der pädagogischen Perspektive einer Erzieherin, die mit Kindern auf Augenhöhe geht. In ihrem Artikel „Kevin auf dem Fensterbrett“ geht es darum, das Kind wirklich zu sehen und nicht nur das problematische Verhalten, das es vielleicht verursacht. Auch für Nicht-Erzieher*innen ein lesenswerter Artikel.

Nestbautrieb reversed – Über Abschiede und Neuanfänge

Seit jeher ist unsere Wohnung in stetigem Wandel: Räume werden umgestaltet, Möbel verrückt, Wände neu gestrichen. Mittlerweile leben hier fünf Menschen in einer Dreiraumwohnung, die wir den Bedürfnissen der Bewohner*innen anpassen in einem stetigen Wechsel. Noch lange ist unser Landhaus, an dem wir seit Jahren ebenso bauen, nicht fertig. Es ist eine Langzeitaufgabe für uns, die wir irgendwann fertig stellen. Bis dahin aber wandelt sich diese Wohnung, die wir einmal als Paar bezogen haben, in der eines unserer drei Kinder geboren wurde und in der wir alle zusammen leben und schon so viel erlebt haben. Immer wieder gibt es Phasen, in denen umgestaltet wird. Platz für Neues, Abschied von Altem. Weiterlesen

Bequeme Stoffe und selbstgenähte Kleidung mit Danisch Pur & Windelinge {Werbung & Verlosung}

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Kinder (und Erwachsene) wollen bequem und gut umhüllt sein. Unsere Haut als größtes Körperorgan übermittelt uns den ganzen Tag Informationen darüber, wie die Umgebung beschaffen ist. Wir können uns durch Kleidung beengt fühlen, eingeschränkt in den Bewegungen, wir können uns unwohl fühlen – oder eben auch andersherum gut umhüllt sein und unterstützt in unserem Bewegungsbedürfnis. Kleidung kann uns zugleich schützen vor Witterungseinflüssen, vor UV Strahlung und uns wärmen oder kühlen – was wir auf unserer Haut tragen (und wie), ist wichtig: für Erwachsene und Kinder. Weiterlesen

Sei da!

Oft ergeben sich Konflikte im Familienalltag aus dem Umstand heraus, dass wir nicht ganz bei der Sache sind: Dies tun und dabei noch schnell jenes und nebenbei eine Kinderfrage beantwortet und dann noch…

Eine Hilfe im Alltag ist es, wenn wir ganz bewusst Situationen annehmen und gestalten: Wenn wir dem Kind vorlesen, das Handy lautlos stellen. Wenn wir mit dem Kind spielen, wirklich dabei sein und nicht nebenher das Zimmer aufräumen.

Achte doch in dieser Woche einmal auf die Situationen, in denen Du nicht ganz da bist und ob sie auch bei Dir oft zu Quengeleien und Problemen führen. Und dann probier es doch mal anders aus: Ganz bei einer Sache sein und danach die nächste erledigen.

Du brauchst eine kleine Erinnerung? Speicher Dir das Bild als Hintergrund auf dem Handy oder druck es Dir aus für diese Woche.

Noch mehr Anregungen für den Alltag findest Du im Geborgen Wachsen Newsletter

berlinfreckles: Familienurlaub mit anderen Familien pro/contra

Steht Ihr vielleicht auch gerade vor den Reiseplanungen für den Sommer? Immer wieder reden und schreiben wir davon, wie wichtig „das Dorf“ für Familien ist. Im Urlaub können wir es ausprobieren, wie es ist, ganz nah mit anderen zusammen zu leben. Sophie von berlinfreckles hat hier über Familienurlaub mit anderen Familien geschrieben und darüber, was dafür und was dagegen sprechen könnte.

Mein Stärke, Deine Stärke – Jedes Kind ist anders

„Das ist eben so bei Dir.“ sagt mir mein Mann und führt aus, wie unterschiedlich wir beide sind. „Deine Stärke ist es, Dich ganz auf eine Sache konzentrieren zu können. Dafür kannst Du Dich nicht gut gleichzeitig auf mehrere Sachen konzentrieren. Und bei mir ist es anders herum: Ich kann gut Dinge gleichzeitig und dafür nicht gut lange und konzentriert bei einer Sache bleiben.“ Wir sind unterschiedlich. Wie in so vielen Dingen. Und genau so unterschiedlich sind auch unsere Kinder. Eines jedes hat seine besonders ausgeprägten Eigenschaften und solche, die weniger ausgeprägt sind. Ein jedes hat Dinge, in dem es besonders gut ist und solche, in denen es weniger gut ist. Ein jedes hat sein ganz eigenes Temperament mitgebracht in dieses Familienleben und lebt es hier bei uns aus – mit Herausforderungen und Erleichterungen für uns als Eltern.

Perfekte Kinder

Sauber gekleidet, lächelnd mit glänzendem Haar. Gerade Zähne, sauber, das Kleid nicht bekleckert, denn gegessen wird mit Manieren und Besteck mit Serviette auf dem Schoß. Freundlich wird Bitte und Danke gesagt und die Hände bleiben über dem Tisch beim Essen. So vielseitig interessiert und belesen oder gebildet durch vorgelesene Literatur. Gut in Mathe und Deutsch und Kunst und Musik. Sportlich begeistert und freundlich und beliebt. Eine gute Aussprache, nicht zu aufbrausend, freundlich-verbindlich, nicht zu laut oder leise und beliebt bei allen Kindern.

Es mag Kinder und Menschen geben, die all dieses gleichzeitig zu sein scheinen. Aber oft sind wir nicht allseitig begabt und beliebt und ebenso sportlich wie musikalisch und sprachlich interessiert. Oft sind wir Menschen, die bestimmte Fähigkeiten haben und bestimmte Aspekte bevorzugen: Manche Menschen sind besonders sportlich und dafür weniger künstlerisch begabt, andere haben ein herausragendes mathematisches Verständnis und sind gleichzeitig weniger an Literatur interessiert. – Es gibt so viele verschiedene Arten, wie das Wesen eines Menschen ausgeprägt sein kann.

Und obwohl wir wissen, wie unterschiedlich wir sind, versuchen wir immer wieder, alle Kinder gleich zu machen: Gleichermaßen sollen sie gut sein über alle Schulfächer hinweg, nicht zu laut, nicht zu leise sein. Nicht zu sentimental und auch nicht zu wenig einfühlsam, nur kein Einzelgänger! Wir sind so oft bemüht, ein Mittelmaß bei Kindern auszubilden. Nur nicht aus dem Rahmen fallen in die ein oder andere Richtung, in intellektueller oder emotionaler Hinsicht. Natürlich ist eine allgemeine Bildung wichtig, eine Grundlage für alle. Aber wie oft versuchen wir, Kinder über die Grundlage hinaus zu drängen in einen Bereich, der für sie vielleicht gar nicht interessant ist, der schwer zu beschreiten ist? Warum sind wir Eltern beschämt, wenn unser Kind in einem der vielen Schulfächer eine Note nur im Mittelmaß hat und versuchen, gleicherweise gute Noten in allen Bereichen zu erreichen? Warum sieht das aktuelle Schulsystem vor, dass Kinder rundherum Bestnoten hervor bringen müssen, statt wirkliche Begabungen und Interessen in den Vordergrund zu stellen? Und warum sollten Kinder alle zum selben Zeitpunkt die gleichen Schwerpunkte zum Lernen haben, wenn vielleicht ihre Interessen gerade unterschiedlich sind und sich ein Kind in einer musisch-kreativen und ein anderes in einer physikalisch-kreativen Phase befindet?

Kinder das leben lassen, was sie lieben

Wir alle bilden unsere Interessen und unsere Fähigkeiten aus. Wir bringen Vorlieben und Temperamente in das Leben mit ein, werden geprägt durch unsere Umgebung, die Einfluss nimmt auf unsere Interessen. Als Eltern können wir eine anregende Umgebung schaffen, können herausfordern und manches Mal ein Interesse aufflammen lassen. Bei der Ernährung ist es wichtig, Kindern immer wieder Angebote zu machen, ihnen Möglichkeiten zu geben und nicht müde darin zu werden, aber wir sollten sie nicht zum Essen zwingen. Genau diese Grundhaltung können wir in andere Bereiche des Lebens mit Kindern mitnehmen: Wir können ihnen Geschmack machen, können immer wieder Angebote machen und natürlich eine Basis des Geschmacks, des Annehmens ausbilden. Aber das, was wirklich für ein Kind von Interesse ist, wo seine Leidenschaft liegt, liegt bei diesem Kind selbst und wir begleiten es auf dem Weg, diesen Bereich zu finden und auszubauen. Oft wandeln sich Interessen und Vorlieben über die Jahre hinweg und auch dies ist eine Aufgabe von uns als Begleiter*innen unserer Kinder: hinzusehen, wo ihre Interessen liegen, wie sie sich wandeln und diesen Wandel anzunehmen und zu unterstützen. Die Herausforderung im Elternsein besteht darin, das Kind wirklich zu sehen und zu verstehen. Zu erkennen, worin seine ganz persönlichen Stärken liegen.

Die andere Seite von Stärken annehmen

Wir alle haben unsere Stärken und Bereiche, die weniger stark ausgebildet sind. Einher mit vielen positiven Aspekten gehen oft auch Aspekte, die zu Herausforderungen werden können: Kinder, die besonders kreativ sind und ihre Kreativität in allen Bildern und Aktivitäten ausleben und deren Ausdruck sich von dem anderer Kinder unterscheidet. Kinder, die sehr empathisch sind und die auf der anderen Seite auch schnell überfordert sind von anderen Menschen und Gruppensituationen. Es ist normal, dass mit einigen Fähigkeiten auch andere Aspekte einhergehen. Wir müssen unsere Kinder deswegen nicht sofort pathologisieren.

Aus Elternsicht: Unterschiedlichkeit ist normal

Die Pathologisierung der Kindheit fängt an vielen kleinen Stellen an. Nicht erst da, wo Menschen, die keine Fachleute sind, einem Kind aufgrund seines (normalen) Verhaltens eine vermeintliche Krankheitsdiagnose stellen und damit auch tatsächliche Erkrankungen in ein falsches Bild rücken. Die Pathologisierung der Kindheit fängt bereits da an, wo wir die Ausprägungen unterschiedlicher Wesensarten nicht mehr zulassen und die normalen Eigenschaften von Kindern als Probleme darstellen, mit denen wir auf besondere Weise umgehen müssen. Kinder sind laut, manche sind leise. Manche sind besonders wütend und werfen sich auf den Boden, andere stampfen nur auf oder drehen sich verärgert weg. Manche Kinder sind toll in Mathe und schlecht in Kunst oder andersrum. Wir alle sind verschieden, Kinder sind verschieden. Es ist nicht schlimm, besondere Interessen oder Neigungen zu haben und nicht in allen Dingen gleichermaßen begabt oder interessiert zu sein. Es ist einfach normal und wir sollten als Eltern dies annehmen und unsere Kinder bestmöglich auf ihrem persönlichen Weg begleiten.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.