Monat: Februar 2018

Wenn Dein Kind auf einmal „Ich!“ sagt…

„Ich! Groß!“ Mit Staunen blicke ich in ein empörtes kleines Gesicht. Fast möchte ich empört zurück blicken, als mir klar wird: Das stimmt ja. Das Kind mir gegenüber ist dem Babyalter schon längst entwachsen. Dort vor mir steht kein Baby, sondern ein selbständiges Kleinkind, das für die eigenen Bedürfnisse eintritt, das Ideen tatkräftig verfolgt. Ein Kind, das „Ich!“ sagt und es so meint. Manchmal fällt es nur so schwer, den Gedanken an das kleine Kind los zu lassen. Weiterlesen

Sei Gefühlsübersetzer/in für Dein Kind!

Manchmal ist es gar nicht so einfach für uns als Eltern, aber gerade auch für die Kinder, mit den eigenen Gefühlen zurecht zu kommen. Gerade wenn sie noch klein sind, scheint manchmal eine Woge von Gefühl über sie hinweg zu brausen, die sie mitzureißen droht – oder es gar tut. Als Eltern stehen wir manchmal daneben und verstehen nicht so recht, was diese Flut ausgelöst hat und auch nicht, wie wir mit ihr umgehen können. Dabei ist ein erster Weg zur Hilfe einfach nur die Beschreibung dessen, was gerade passiert. Weiterlesen

Kranke Kinder mit Liebe pflegen

„Es geht mir nicht gut!“ sagst Du und schaust mich aus müden Augen an. Kleine Arme strecken sich mir entgegen und ich trage Dich auf meinem Arm, streichle Deinen Kopf. Ich kann Dir das Kranksein nicht abnehmen, so gern ich es würde. Ich merke, wie warm Dein kleiner Körper ist, wie schnell Dein Atem geht und wie erschöpft Du bist von den Tagen des Krankseins. Ich merke, wie sich die Erschöpfung in mir breit macht: Darüber, zu wenig zu schlafen und immer wieder aufzuwachen. Darüber, Dich vom Kranksein ablenken zu wollen und doch nur schlechte Laune entgegen zu bekommen. Darüber, wie wenig ich ausrichten kann. Weiterlesen

„Geborgen wachsen“ und Attachment Parenting – Gehört das zusammen oder nicht?

In der letzten Zeit wird auf verschiedenen Kanälen immer wieder nach Definitionen von modernen Erziehungskonzepten gesucht. „Attachment Parenting“, „Unerzogen“, „Bindungsorientierte Elternschaft“, „Bedürfnisorientierte Elternschaft“ – Eltern haben es schwer, sich in dem Durcheinander der Begrifflichkeit zurecht zu finden. Manchmal sind sie auch überfordert von dem, was anscheinend eine gute Beziehung ausmachen soll. Auf der anderen Seite ist oft die Frage zu lesen: „Brauchen wir überhaupt einen Begriff?“ wenn es darum geht, dass Elternschaft leben heute eben nicht mehr starr ausgerichtet, sondern als sich wandelnder Prozess betrachtet wird, der die Beziehung von Eltern und Kind in den Vordergrund rückt und nicht das Abhandeln von strikten Regeln oder Empfehlungen. Was gehört dazu, um eine sichere Bindung auszubilden und was ist ganz persönlicher Gestaltungsspielraum? Weiterlesen

Der Kompass: Irgendwann ist auch mal Schluss! Über das Nein sagen.

Ruth ist Mutter von drei Kindern und eine der bekanntesten Personen, die sich im Netz für das „unerzogene Leben“ mit Kindern einsetzt. Anders als viele denken, bedeutet „unerzogen“ jedoch nicht, dass Kinder sich selbst überlassen werden. „Unerzogen“ ist nicht „laisser faire“, sondern bezieht sich ganz besonders darauf, dass die Beziehung in den Mittelpunkt gerückt und betrachtet wird. Um darüber aufzuklären und mehr Menschen zu informieren, hat mir Ruth diesen Text mit ihrem Blick auf „das Nein“ gesendet: Weiterlesen

Geduldig sein

Wenn ich danach gefragt werde, was ich Eltern zu Beginn der Elternschaft oft wünsche, ist es Geduld: Geduld mit sich, Geduld mit dem Kind. Und die Geduld, dass Kinder sich selbst in Geduld üben und wir sie ihnen nicht beibringen müssen.

Geduldig sein mit dem Kind

Kinder entwickeln sich nach einem vorgegebenen Plan, bei dem die einzelnen Entwicklungsbereiche aufeinander aufbauen: Das Baby dreht sich vom Rücken auf den Bauch, vom Bauch auf den Rücken, beginnt mit der Fortbewegung… Jeder Baustein ist wichtig für nachfolgende Entwicklungen und oft bereitet eine Entwicklung die nächste vor, indem beispielsweise bestimmte Muskeln trainiert, bestimmt Fertigkeiten erlernt werden. Unterschiedlich ist jedoch, wann genau die neuen Fertigkeiten auftreten: Manche Kinder sprechen mit 10 Monaten die ersten Worte, andere erst mit 18 Monaten. Wenn wir als Eltern nach rechts und links sehen, sehen wir dort immer wieder Kinder, die schneller oder langsamer sind in ihrer Entwicklung. Doch es kommt nicht darauf an, dass das Kind eine bestimmte Fertigkeit möglichst schnell erlernt. Als Eltern brauchen wie die Geduld, unsere Kinder auf ihrem individuellen Weg mit ihren individuellen Bedürfnissen zu begleiten. Wir müssen sie nicht schnell vorbereiten, müssen nicht an ihnen „ziehen“, damit sie eine Ziellinie erreichen. Wir müssen geduldig sein mit ihnen.

Diese Geduld sehen wir auch im Spiel der Kinder, wenn wir sie sich vertiefen in eine Aufgabe, an der sie Freude haben. Auch wenn sie nicht sofort erfolgreich gelöst wird, wenn die Fähigkeit, an der sie sich erproben zunächst nicht in ihren Augen so verläuft, wie sie sie sich wünschen, bleiben sie dabei. Weil sie eintauchen in diese Aufgabe, weil sie daran wachsen wollen und dieser innere Ansporn sie zugleich Geduld lernen lässt – wenn wir nicht eingreifen und ihnen die Geduld nehmen durch den Gedanken oder die Aussage, dass das sowieso nicht klappt.

Geduldig sein mit sich selbst als Elternteil

Doch nicht nur mit unserem Kind sollten wir geduldig sein, sondern auch mit uns selbst. Immer wieder gibt es auch Situationen, in denen wir von uns selbst gestresst sind, in denen wir an uns selbst zweifeln. Oft genug schon direkt nach der Geburt, wenn sich nicht sofort das Gefühl des Glücks und der innigen Verbundenheit einstellt. Manchmal brauchen Gefühle Zeit, manchmal brauchen Menschen Zeit, um sich an neue Situationen zu gewöhnen. Gerade das Gefühl der Verbundenheit ist eines, das sich bei einigen Eltern nicht sofort einstellt. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht kommt, dass sie das Kind nie lieben werden oder keine intensive Bindung entstehen kann. Es bedeutet manchmal, dass es etwas Zeit braucht und manchmal, dass die Rahmenbedingungen noch nicht stimmen oder sie etwas Hilfe auf dem Weg benötigen. Wir brauchen dann Geduld und vor allem brauchen wir auch Geduld und Verständnis vom Umfeld, wenn es etwas mehr Zeit braucht.

Als Eltern brauchen wir immer wieder Geduld mit uns, wenn es Phasen gibt, die schwierig sind, an denen wir an uns und unserer Kompetenz zweifeln. „Kann ich das wirklich, das Kind gut durch diese Phase begleiten?“ ist eine Frage, die sich viele Eltern ab und zu stellen. Es ist in Ordnung, an sich zweifeln, sich in Frage zu stellen – und gleichzeitig immer wieder geduldig mit sich selbst zu sein: Denn auch als Eltern wachsen wir ja mit und wachsen in dieses Elternleben hinein. Es ist normal, nicht immer gleich alle Antworten auf alle Fragen zu kennen.

Geduld müssen wir nicht unterrichten

Geduld ist etwas, das wir im Laufe der Zeit erwerben und erwerben sollten. Wir wachsen hinein in die Aufgabe, geduldig zu sein mit uns und unseren Kindern. Wir stillen Bedürfnisse und sehen nach und nach, wie sie länger aufgeschoben werden können. Irgendwann müssen Bedürfnisse nicht prompt beantwortet werden wie im Babyalter, sondern wir können mit Sprache mitteilen, dass wir ein Bedürfnis wahrnehmen und wann wir darauf reagieren können. Kinder entwickeln von sich aus Geduld in wechselseitigem Verhalten. Sie entwickeln Geduld auch daraus, dass wir geduldig sind mit ihnen und uns selbst und sie sich erproben lassen, sie auf ihrem Weg begleiten.

Wir müssen Geduld nicht unterrichten. Wir müssen nicht sagen oder denken: „Das Kind muss Geduld lernen, ich reagiere nicht auf seine Anfrage.“ Wir müssen unser Kind nicht disziplinieren, damit es Geduld erlernt. Es erwirbt Geduld durch unser Vorbild, wenn wir geduldig sind mit ihm und uns und anderen. Und wenn wir Bedürfnisse beantworten: Wir müssen nicht immer sofort aufspringen bei einem älteren Kind, müssen nicht holen und bringen „auf Befehl“, aber wir können sagen: Ich habe Dein Bedürfnis gesehen, ich erfülle es sobald ich kann. Und dieses „sobald ich kann“ ehrlich denken und fühlen. Geduld ist keine Eigenschaft, die ein Mensch durch Disziplinarmaßnahmen erlernt, nicht durch Stress oder Druck. Geduld ist etwas, das durch Gelassenheit und Offenheit entsteht. Genau das benötigen unsere Kinder und auch wir Erwachsene.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  


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Immer wieder habe ich hier oder auf Instagram schon unsere Jahreszeitentische gezeigt und immer wieder viele Nachfragen und viel Feedback dazu bekommen. Für dieses Jahr habe ich mir daher zusammen mit Livipur, die eine große Auswahl an Sachen für den Jahreszeitentisch anbieten,  eine besondere Idee ausgedacht: Jeden Monat bekommt Ihr hier auf dem Blog einen Einblick in die Gestaltung des Jahreszeitentisches mit einigen Ideen, die wir in unserer Familie umsetzen und auch Anregungen, wie man es auch noch anders machen kann. Am Ende des Jahres werden diese Ideen als Booklet zusammengefasst in Print- und Ebookversion. Warum der Jahreszeitentisch eine besonders schöne Idee für den Alltag ist, könnt Ihr hier erfahren. Weiterlesen

Der Jahreszeitentisch für Kinder

Die Kinder erleben den Lauf des Jahres, wenn sie draußen sind und in der Natur spielen. Oft bringen sie die Schätze der Natur, die sie dort finden, mit nach Hause und sie können aufbewahrt, als Gesprächsanlässe genutzt oder weiter verwertet werden. Darüber hinaus ist es für Kinder aber auch schön, den Lauf der Jahreszeiten und die Veränderungen des Jahres spielerisch aufgreifen zu können oder illustriert zu bekommen. Hierfür ist der Jahreszeitentisch da: Weiterlesen