Wenn Dein Kind auf einmal „Ich!“ sagt…

Cordlatzhose "Dylan" von frugi

„Ich! Groß!“ Mit Staunen blicke ich in ein empörtes kleines Gesicht. Fast möchte ich empört zurück blicken, als mir klar wird: Das stimmt ja. Das Kind mir gegenüber ist dem Babyalter schon längst entwachsen. Dort vor mir steht kein Baby, sondern ein selbständiges Kleinkind, das für die eigenen Bedürfnisse eintritt, das Ideen tatkräftig verfolgt. Ein Kind, das „Ich!“ sagt und es so meint. Manchmal fällt es nur so schwer, den Gedanken an das kleine Kind los zu lassen.

Die warm-weiche Babyzeit ist so wunderbar, wenn dieser kleine Mensch in den Armen liegt, sich an den Körper schmiegt und eine tiefe Verbindung besteht. Mimik und Gestik drücken Bedürfnisse aus, die wir nach einer Weile verstehen und beantworten können. So viele Bedürfnisse sind noch so vergleichsweise einfach zu befriedigen: Das Weinen kann oft durch das Aufnehmen, Tragen und/oder Stillen beendet werden, die Wut vergeht schnell auf dem Arm, im Spiel können so schnell Alternativen gefunden und akzeptiert werden.

Und dann wird es irgendwann anders. Langsam schleicht es sich ein, dass Alternativen doch nicht so erwünscht sind und eigene Wege beharrlicher eingefordert werden. Die Antworten auf die Fragen und Bedürfnisse des Kindes sind auf einmal gar nicht mehr so einfach zu beantworten: Ich will dies oder das oder vielleicht doch nichts von dem. Und dann taucht auf einmal irgendwann zwischen 2 und 3 – manchmal früher, manchmal später – das Wort auf, das so viel verändert: Ein Wort, das ein Imperativ ist „Ich!“ wie eine Frage „Ich?“ und die Feststellung, ein ganz eigenständiger Mensch zu sein und genau dies nun auch zu zeigen.

Das erste „Ich“ ist ein besonderer Moment gewesen. Bei jedem meiner drei Kinder. Es ist ein Loslassen für mich. Ein Lächeln mit einer kleinen Träne. Die Babyzeit ist vorbei. Dieser Mensch macht sich nun in noch größeren Schritten bereit, die Welt zu erobern für sich. „Ich! Groß!“ sagt mein Kind und ich nicke. Ich weiß, es ist ein Moment des Loslassens, des Erkennens und auch der Freude auf das, was nun kommt mit meinem großen kleinen Kind.

Eure

2 Kommentare

  1. Oh, Susanne, wie gut ich das nachfühlen kann… wie oft denke ich an das Baby zurück, das ich mal hatte, und frage mich, wann aus ihm dieser 15 Monate alte Junge geworden ist, der nur noch so selten „Baby“ ist…
    Wie oft bin ich wehmütig, dass diese Zeit nie zurückkommen wird, und dass ich weiß, dass er jedes aussortierte Kleidungsstück nie wieder in seinem Leben tragen wird, weil er zu groß dafür geworden ist. Gleichzeitig die Freude über alles, was er schon kann, was ich mit ihm unternehmen kann und wie er die Welt entdeckt… und doch bleibt uns nichts anderes übrig, als loszulassen, immer wieder, und die Kleinen auf ihrem eigenen Weg zum „Ich“-sein zu begleiten.

  2. Mein großes Kleinkind hat vor drei Wochen auch das erste mal ich gesagt. Ich bin also ganz nah bei Dir liebe Susanne! Irgendwie lerne ich mein Kind nochmal neu kennen … Sehr spannend und toll! <3

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