Sei Gefühlsübersetzer/in für Dein Kind!

Manchmal ist es gar nicht so einfach für uns als Eltern, aber gerade auch für die Kinder, mit den eigenen Gefühlen zurecht zu kommen. Gerade wenn sie noch klein sind, scheint manchmal eine Woge von Gefühl über sie hinweg zu brausen, die sie mitzureißen droht – oder es gar tut. Als Eltern stehen wir manchmal daneben und verstehen nicht so recht, was diese Flut ausgelöst hat und auch nicht, wie wir mit ihr umgehen können. Dabei ist ein erster Weg zur Hilfe einfach nur die Beschreibung dessen, was gerade passiert.

Eltern sollten Gefühle des Kindes benennen – besonders starke Gefühle

Gefühlsstürme von Kindern sind für Eltern manchmal nicht einfach, denn sie berühren uns auch da, wo es schwierig ist für uns: Das wütende Kind uns gegenüber macht uns nicht selten selbst wütend und es ist schwer, in dieser Wutsituation gut auf das Kind eingehen zu können, um die Wut wieder abklingen zu lassen. Anstatt sofort zu schimpfen, ist es gut, einen kleinen Schritt zurück zu treten (geistig oder auch ganz bewusst körperlich) – etwas Abstand nehmen und die Situation betrachten. Gerade dann, wenn uns vielleicht keine beruhigende Antwort einfällt, können wir einfach beschreiben, was wir erleben. „Oh, wow, Du bist ganz schön wütend!“, „Das hat Dich jetzt gerade sehr verärgert!“, „Du bist frustriert, weil das nicht klappt!“, „Du ärgerst Dich, weil ich das nicht will!“ Oft hilft es uns als Erwachsenen auch mit der eigenen Wut umzugehen, wenn wir das Verhalten des Kindes in Worte fassen.

Wenn Eltern dies tun, wird das von Außen manchmal belächelt oder gar verspottet. Aber diese Beschreibung der kindlichen Wut ist kein Nicht-Reagieren und hat nicht damit zu tun, dem Kind „alles durchgehen“ zu lassen. Wenn wir die Wut des Kindes beschreiben, helfen wir ihm, überhaupt erst Worte zu finden für das, was es fühlt. Worte sind wichtig, um Gefühle und Bedürfnisse beschreiben zu können. Wenn wir Kindern die Möglichkeit geben, ihre Gefühle in Worten auszudrücken, helfen wir ihnen, zukünftig anders mit dem Gefühl umgehen zu können. Wir begleiten das Kind durch Worte dabei, von der heftigen Wutreaktion nach und nach dazu zu kommen, Wut anders auszudrücken.

Zusammen zurückblicken und Auslöser und Probleme finden

Wenn Kinder sich gerade in einem solchen Gefühlssturm befinden, macht es keinen Sinn, mit ihnen über  Alternativen zu diskutieren. Doch dann, wenn der Sturm langsam abgeebbt ist, können die Worte helfen, damit das Kind versteht und auch, um zukünftig andere Wege zu gehen. Wir können fragen, was sie wütend gemacht hat oder beschreiben, was wir erlebt haben: „Dass die Steine nicht zusammengehalten haben und alles kaputt gegangen ist, hat Dich sauer gemacht!“. Wenn wir zusammen über den Auslöser reden, kann das Kind manchmal auch beschreiben, wie sich die Wut entwickelt hat.

Wenn wir uns einen besseren Umgang der Kinder mit der Wut wünschen, ist es gut, mit ihnen Auslöser zu besprechen und darüber zu reden, wie sie sich fühlen. So, wie bei uns Erwachsenen ist es auch bei ihnen gut, wenn sie merken, dass sie wütend werden und dann Wege finden, um sich zu beruhigen. Durch unser Feedback ist es möglich, dass Kinder besser in sich hinein zu spüren lernen: So wie wir merken, dass wir ärgerlich werden, spüren auch sie das. Und so wie wir uns dann einen Ausweg suchen sollten, wenn wir merken, dass das Gefühl mit uns durchzugehen droht, können es auch die Kinder.

Sei ein Vorbild

Als Eltern sind wir Vorbilder im Umgang mit den Gefühlen. Wir können sagen: „Das macht mich echt wütend, ich brauche jetzt einen Moment, um mich zu beruhigen.“ Das Kind lernt, dass es okay ist, wütend zu sein. Alle Menschen sind wütend und das ist eine normale und gesunde Reaktion, ein wichtiges Gefühl. Es ist nur immer wieder die Frage, wie wir mit der Wut umgehen. Wir müssen sie nicht herausbrüllen, wir müssen nicht andere beschämen oder beschimpfen. Wir können wütend sein, ohne andere zu verletzen. Genau das können unsere Kinder von unseren eigenen Reaktionen lernen. Und sie können zudem lernen, dass auch wir versuchen, frühzeitig aus einer Überreaktion auszusteigen.

Übersetzen und beschreiben statt lösen

Manchmal können wir als Eltern nicht verstehen, woher die Wut des Kindes kommt. Wir können nicht nachfühlen, wie es sich für das Kind anfühlt und vielleicht können wir auch nicht verstehen, warum gerade jetzt so ein großes Problem besteht, wenn es doch manchmal genau so anders verläuft. Wir müssen auch nicht immer die perfekten Lösungen anbieten, sondern können unser Kind darin unterstützen, eigene Lösungen zu finden. Nicht, indem wir sie vorgeben oder einflüstern, sondern indem wir es in der Selbstwahrnehmung unterstützen. Wir können die großen Gefühle übersetzen und in Worte fassen und damit dem Kind die Möglichkeit geben, selber Wege für sich zu finden, damit es nach und nach selber fühlt: „Ich werde jetzt wütend!“ und einen Ausweg findet. Wir müssen keine Kinderflüsterer sein, sondern Kinderversteher und ganz oft Gefühlsübersetzer.

Eure

2 Kommentare

  1. Alexandra Wagner

    Danke für diesen schönen Beitrag. Das Thema Wut kommt bei unserer knapp Zweijährigen gerade auch immer wieder auf und ich schaffe es nicht immer nicht auf den diesen Zug aufzuspringen. Vor allem dann, wenn sie beim Essen anfängt Besteck zu werfen oder den gefüllten Teller mit Schwung über den Tisch zu schieben. Ich denke aber schon das es dann wichtig ist klar zu sagen das das so nicht geht, bin mir aber nicht sicher ob das dann überhaupt ankommt.

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