Attachment Parenting und alles wird gut?

Ich wünschte manchmal, es gebe das Patentrezept. Das Rezept mit dem alles gut wird. In den vielen Jahren, in denen ich schon mit Eltern arbeite, habe ich nämlich so viele ganz wunderbare Eltern kennengelernt. So viele Eltern, die Probleme hatten mit der Elternschaft, mit ihren Kindern oder Babys und die von außen betrachtet aber einfach tolle Eltern sind. Wie gerne hätte ich ihnen für die Probleme, mit denen sie zu mir gekommen sind, eine ganz einfache Lösung angeboten: Du musst Dein Baby nur zu Dir ins Bett holen und alles wird gut. Oder: Du musst es nur jeden Tag soundso viele Stunden an Deinem Körper tragen und es wird das zufriedenste Baby der Welt. Wir alle wünschen uns das Beste für unsere Kinder und wir tun unser möglichstes, damit es ihnen gut geht. Wir Eltern sind gute Eltern, auch wenn wir es manchmal nicht fühlen. Vielleicht auch gerade dann, wenn wir es nicht fühlen, aber es uns so sehr wünschen zu fühlen: Denn wir geben so viel dafür, dass es unseren Kindern gut geht und denken darüber nach.

Nicht nur Eltern nehmen Einfluss auf Kinder

Aber es ist ein Märchen, dass es das eine Rezept gibt mit dem alles gut wird. Es ist ein Märchen, an das wir Eltern manchmal gerne glauben wollen, weil es uns im Alltag so sehr helfen würde. Weil wir denken: Es muss doch irgendwas geben, durch das es besser wird. Und auf der anderen Seite setzen wir uns selbst damit unter Druck: Ich habe etwas falsch gemacht, ich habe nur noch nicht die eine, wirkliche Wahrheit gefunden, durch die alles gut wird, durch die ich die perfekte Mutter oder der perfekte Vater werde und mein Kind durchschläft, gut isst und/oder sozial angepasst ist. Die Wahrheit ist: Es gibt kein immer gelingendes Rezept. Es gibt gute Zutaten, mit denen wir unseren Kindern einen guten Weg ebnen können. Es gibt Verhaltensweisen, die es unterstützen, dass unsere Kinder eine sichere Bindung aufbauen und auf dieser Basis viele Dinge im Leben leichter fallen. Aber es gibt kein Patentrezept für ruhige Nächte, für gelingendes Stillen oder die super beste Geburt. Denn: Wir sind nicht die einzigen, die auf die Entwicklung unseres Kindes Einfluss nehmen. Wir leben in einer Gesellschaft, die Einfluss nimmt, in Häusern, die durch Raumklima, Schimmelpilze oder Nachbarn Einfluss haben, in Städten mit viel Verkehr, Feinstaub, Lärm oder weniger davon, in großen Familien mit viel Unterstützung oder kleinen mit gar keiner. Wir haben eine Vergangenheit, die uns in unserem Verhalten und unserer Toleranz bei aller Anstrengung immer wieder beeinflusst und Erinnerungen hervor holt. Und das wichtigste: Wir haben Kinder, die eigene Persönlichkeiten sind mit einem eigenen Temperament.

Wenn wir annehmen, dass die volle Verantwortung für das Glück oder Unglück unserer Kinder allein auf unseren Schultern lastet, sind wir beeinflusst von der veralteten Vorstellung, unsere Kinder wären nur Gefäße, die wir füllen. Ton, den wir unter unseren Händen formen. Aber wir wissen heute, dass das nicht stimmt. Wir Eltern sind BegleiterInnen auf dem Weg unserer Kinder, die von sich aus ihr Temperament, ihr Wesen mitbringen. Wir können an ihrer Seite gehen, sie begleiten und stützen, aber wir können sie nicht genau so formen, wie wir es wollen.

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Attachment Parenting und „High Need“ Kinder

Und genau das ist auch der Grund, warum auch Attachment Parenting kein Rezept ist, durch das ein sorgenfreies Leben als Eltern garantiert ist. Wir können mit bestimmten Verhaltensweisen unsere Kinder stärken und ihnen liebevoll begegnen auf ihrem Weg und sie auf diese Weise stark und selbstsicher für das Leben machen. Aber wir können – und sollten – nicht versuchen, ihr Temperament zu ändern. Mit manchen Kindern ist die Kommunikation von Anfang an schwieriger, mit anderen leichter. Es kann auf Seiten der Eltern und der Kinder dafür Gründe geben, die es zu erforschen gilt. Wenn Kinder mit besonderen Bedürfnissen in unser Leben treten, reicht es eben nicht aus zu sagen: Na Du musste dieses Kind nur genug tragen/stillen/im Familienbett schlafen lassen damit alles gut wird. Auf diese Weise funktioniert Attachment Parenting nicht.

Es gibt Kinder mit besonderen Bedürfnissen oder sagen wir: mit noch besondereren Bedürfnissen als andere oder stärkeren Bedürfnissen. Woher diese stärken Bedürfnisse kommen, ist unterschiedlich. Es ist eine Frage des Temperaments, kann auch organisch bedingt sein oder sozial. Doch warum genau das Kind so ist, spielt im ersten Schritt keine Rolle. Es geht nur darum zu sehen, dass ein Kind so ist und deswegen andere Anforderungen an die Eltern stellt als ein Kind, das vielleicht ein sanfteres Temperament hat. Deswegen ist es nicht nur anmaßend, sondern vor allem auch falsch, diesen Eltern zu sagen, welche Dinge sie nun tun könnten, um ihr Kind zu ändern. In vielen Fällen lässt sich ein „high needs“ Kind nicht einfach so ändern – auch wenn die Eltern täglich ihr bestes geben, damit es weniger fordernd, weniger laut, weniger anders ist als andere.

Bindungsorientiert zu leben mit einem Kind ist immer von Vorteil. Egal was für ein Temperament das Kind hat, wie es ist, welche Besonderheiten es in das Leben mit einbringt. es hilft langfristig, aber es ist keine kurzfristige Möglichkeit, um ein Kind zu ändern. Gerade „High need“ Kindern kann es für ihren späteren Weg eine große Hilfe sein, wenn wir sie bindungsorientiert wachsen lassen, damit sie ihr Leben selbstbewusst und gut leben können. Aber es ändert nichts daran, dass sie nun einmal stärkere Bedürfnisse haben als andere.

Ich habe ein „high need“ Kind. Es war ein „high need“ Baby und es hat sich in den Jahren nichts daran geändert, dass es immer mehr Zuwendung brauchte auf vielen Bereichen als das Geschwisterkind. Es war auch für mich ein harter Weg zu erkennen, dass ich – egal wie sehr ich stillte, trug, im Bett schlafen ließ, auf Signale achtetet – nichts daran ändern konnte, dass dieses Kind eben so ist, wie es ist. Ich habe gelernt, es anzunehmen. Es war eine nicht einfache Zeit, denn sie rüttelte auch ein wenig an meinen Vorstellungen mit dem Gedanken: Aber es muss doch irgendwas geben, dass… Es gab nichts außer der Zeit und dem Verstehen und Annehmen.

Ist ein Kind annehmen Aufopferung?

Einen Menschen wirklich in seinem Wesen zu erkennen ist wohl das größte Geschenk, das wir ihm machen können. Denn es bedeutet: Von unseren Ansichten und unseren Vorbehalten abzurücken und sich einzulassen. Manchmal ist es nicht einfach,von vorgefertigten Bildern im Kopf Abstand zu nehmen und neu und offen auf einen Menschen zu zu gehen. Doch wenn wir diesen Weg gehen, dann ergibt sich ein tieferes Miteinander, ein gleichwertiges: Ich sehe Dich wirklich und ich nehme Dich so an.

Wenn wir bindungsorientiert Leben mit unseren Kindern, müssen wir nicht alles machen vom Stillen über Tragen bis Windelfrei. Wir suchen uns die Sachen aus,die zu uns und unserem Leben passen und gehen unseren persönlichen Weg. Es gibt nicht das eine Rezept für ein gelungenes Familienleben, aber es gibt gute Zutaten. Und nein: Wir Eltern müssen uns nicht aufopfern, sondern wir gestalten das Leben genau so, wie es zu uns passt.

Wenn wir ein Kind haben, das besondere Bedürfnisse hat, müssen wir uns ebenfalls nicht aufopfern. Es ist sogar besonders wichtig, dass wir gerade dies nicht tun, sondern mit unseren Kräften haushalten, Grenzen erkennen und sorgsam mit uns selbst umgehen. Wir geben, was wir geben können – wie es alle Eltern der Welt tun möchten. Und wir sind keine schlechten Eltern, weil wir an Grenzen kommen oder nicht den nicht-existenten Zauberknopf finden.

Es gibt ihn nicht, den Zauberknopf. Das ist die schlichte Wahrheit. Es gibt gute Dinge, die wir für unsere Kinder tun können in dem Rahmen, der uns persönlich möglich ist. Elternschaft bedeutet gerade auch, nicht über die eigenen Grenzen zu gehen, damit wir für unsere Kinder da sein können. Wir müssen nicht 150% geben, wenn wir dann ausgebrannt sind und nur noch 50% Energie haben für lange Zeit. Es reicht aus, einfach weniger zu geben, wir müssen nicht perfekt sein, sondern nur gut genug.

Eure
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Anstoß für diesen Beitrag gab der Aufruf von Frau Chamailion

  • Anouk

    ❤️ Gerade das Annehmen, ist immer wieder einen grosse Herausforderung! Unser Grosser hat wie ich es nenne uns im ersten Jahr den „Crash Course“ in Attachment Parenting gegeben. Das hat mich sehr an meine Grenzen gebracht und manchmal hab ich sie verloren… Ich bin unendlichdankbar, hat er uns den weg gezeigt und trotzdem lässt mich das Gefühl nicht los, dass dieses erste Jahr tiefere spuren in uns Eltern und unserem Bub hinterlassen hat- welche doch gut sind nochmals angeschaut zu werden… Auch das ist eine abwägen, was gehört nun zur geschichte dazu und was soll man noch bearbeiten/aufarbeiten…?
    Ein ständiges herausfinden, spüren, entscheiden in der Elternschaft, das ist DIE grösste Herausforderung und grösste Entfaltung des Selbst ❤️

  • Daniela

    Danke! Vielleicht hast du mir den entscheidenen Hinweis geliefert. Seit 3 Jahren denke ich, es muss doch einen Schlüssel, eine Lösung für „unser spezielles Problem“ geben. Und ich bin nur zu blöd ihn zu finden oder hab noch nicht alles ausprobiert. Die Situation einfach zu akzeptieren wie sie ist, stand nicht auf meiner Agenda, bzw. das ist einfach nicht meine Stärke. Vielleicht kann ich es so nun aber doch akzeptieren – ohne mich dabei aufzureiben und aufzugeben. Wenn mir das gelingen sollte, hat dein Artikel großen Anteil daran! Danke dafür!

  • saskia

    ich habe 3 ganz wundervolle „low need“ kinder – und habe das immer uns/mir zugeschrieben. hausgeburten, endlos-stillen, immer-tragen, das konnten ja nur zufriedene kinder werden.
    dann kam #4 und ich habe wieder alles so gemacht wie immer (inkl. dem geschlecht 😉 ). und ich durfte verstehen lernen, dass es eltern gibt, die an sich zweifeln, die denken, sie machen alles falsch, die eifach (fast) nicht mehr können (denn irgendwie machen wir ja alle weiter). und ich verstand auch, dass meine 3 einfachereren kinder nicht mein verdienst waren – sie sind, wie sie sind.
    inzwischen lachen wir darüber und nennen unsere kinder scherzhaft „peace, love & harmony – und rotzlöffel“.

    „nicht perfekt ist auch sehr gut!“ das an alle eltern, die verzweifeln, weinen, kämpfen, erschöpft sind – IHR MACHT DAS TOLL!!!

    liebe grüße,
    saskia

  • Miriam (Frau Chamailion)

    Liebe Susanne,

    vielen Dank für deinen Beitrag und ich habe mich sehr gefreut diesen Text von dir zu lesen. Du hast im Grunde schon meinen eigenen Artikel formuliert, wenn auch bestimmt in etwas leiseren Tönen.

    Es gibt keine Rezepte für ein zufriedenes Kind, genauso wie es kein Rezept für ein glückliches Leben gibt. Ich finde es sehr schade, dass in dieser Diskussion viel zu schnell vergessen wird, dass ein Kind eine eigene Persönlichkeit ist. Mit allem was dazu gehört.

    Ich habe oft genug gehört: „Mit dem Kind stimmt doch was nicht! Da muss man doch was machen.“ Das sind Worte, die mir als Mutter das Herz zerreißen. Mein Kind ist so perfekt, wie es ist. Egal wie klug, hübsch, schnell, gewitzt, frech, laut, passiv…. Es ist eben ein Mensch und ich begleite ihn ins Leben, auch wenn die Bedürfnisse meines Kindes vom Standardratgeber abweichen.

    Liebe Grüße,

    Miriam

  • Sandra Schneider

    <3

  • Frühlingskindermama

    Liebe Susanne,
    ich danke Dir für diesen ausgewogenen, klugen Text und bin sehr glücklich, dass er von Dir, einer „Autorität“ des AP gekommen ist. Wunderbar ist auch die Schilderung Deiner eigenen Erfahrungen, die ganz deutlich macht, was Du vertrittst. Gerade an Geschwisterkindern sieht man, dass Kinder nicht als unbeschriebenes Blatt zur Welt kommen, sondern Wesen mit ihren spezifischen Eigenschaften, Charakterzügen, Temperamenten, Stärken und Schwächen sind. Und was bei dem einen Kind (oder bei zweien oder dreien) funktioniert, klappt beim nächsten überhaupt nicht, weil es andere Anlagen mitbringt. Unser erstes Kind war/ ist ein High-Need-Kind und benötigt bis heute viel mehr Zuwendung, Aufmerksamkeit und Regulation als das zweite. Unser zweites Kind ist ein durch und durch zufriedenes bzw. leicht zufriedenzustellendes Kind und schon von Anfang an so gewesen. Ganz ehrlich: hätte ich nur meinen Großen gehabt, hätte ich wahrscheinlich mein ganzes Leben an mir als Mutter gezweifelt, obwohl ich alles, wirklich alles für ihn gegeben habe und täglich gebe. Durch meine Kleine habe ich gesehen, dass es einfach sehr unterschiedliche Charaktere sind und keiner etwas dafür kann, dass es mit dem Sohn anders ist. Hätte ich dagegen nur meine Kleine gehabt, wäre ich in die Falle einiger AP-Vertreter getappt und hätte gedacht, ich mache alles richtig, deshalb ist sie so zufrieden. Insofern haben mich meine so unterschiedlichen Kinder vor jeweils entgegengesetzten Überzeugungen bewahrt und das finde ich wunderbar. Das Annehmen ist trotzdem sehr schwer, weil ich das Leben speziell mit meinem High-Need-Kind als sehr anstrengend empfinde. Das liegt aber nicht zuletzt an meiner persönlichen Beschaffenheit und Belastungsfähigkeit. Ich bin gespannt, wie Dein drittes Kind sein wird.
    Liebe Grüße!

  • Kerstin

    Ich kannte den Begriff des AP nicht und auch seine Inhalte nicht. Ich hatte keine High Need Babys, auch wenn meine Tochter deutlich fordernder war als ihr Bruder, aber ich hatte zeitgleich zwei Säuglinge und den Wunsch, ihren Bedürfnissen nachzukommen, auch wenn ich das so nicht benannt hätte.
    Das bedeutet, ich musste von Geburt der Zwillinge an lernen und abwägen zwischen unser aller Bedürfnissen. Meine Freundin bremste mich damals aus, indem sie mir sagte, dass die Zwillinge eine ausgeglichene Mama brauchen und sie nicht von einer völlig erschöpften Mutter profitieren. Lebe ich über meine Kräfte, fehlt mir die nötige Energie für die Kinder.
    So geht es auch heute gut mit nun drei kleinen Kindern gut und den Umständen entsprechend sogar manchmal entspannt. 😉
    Übrigens schlafen die zweijährigen Zwillinge in ihren eigenen Betten in ihrem gemeinsamen Zimmer, während das Baby im Beistellbett schlummert. Gestillt wurden sie alle drei, der kleinste natürlich noch immer, die großen solange meine Kraft reichte. Knapp 6Monate. Windeln tragen alle drei. Immer noch.

    Liebe Grüße
    Kerstin

  • berta

    Ich lese deinen Blog gern, aber nicht ganz unkritisch. Bindungsorientiert finde ich ein schönes Wort. Ich mag auch bedürfnisorientiert. Und da finde ich hapert es manchmal ein bisschen, weil vernachlässigt wird, dass es eben auch Kinder gibt, die nicht gerne getragen werden, die sich nach sieben Monaten selbst abstillen – einfach weil sie gerne essen (und dann auch noch den bösen Brei 😉 ) die besser im eigenen Bett schlafen etc.
    Ich habe solche Kinder nicht- aber ich kenne etliche von tollen Müttern!
    Ich kann auch mit Frauen befreundet sein, die gar nicht stillen oder einen geplanten Kaiserschnitt machen.
    Ich finde es schade, dass es besonders von den Leserinnen so dogmatisch gesehen wird.
    Ich lese auch aus dem Text heraus, dass für Toleranz geworben wird – das mag ich. Aber es geht ja nicht nur darum, was Mütter alles bereit sind zu geben oder was sie schaffen, sondern ob man überhaupt verallgemeinern kann, was gut für für Babies ist.
    Ich traf mal in der Bahn eine Mutter. Die kuschelte mit ihrer einjährigen, die fing zu weinen an und sie legte sie dann in den Wagen, wo sie sofort einschlief. Ich schaute erstaunt, weil es bei mir immer genau andersherum war. Die Mutter sagte: es hat Monate gedauert, bis ich gemerkt habe, dass sie ohne Körperkontakt einschlafen will.

  • Katharina

    Ich freu mich so über diesen Post dass ich ihn direkt weiterverteile. Er hat mein Herz gewärmt. Danke. Viele liebe Grüße <3

  • Anna

    Das ist glaube ich der schönste Artikel, den ich von dir lesen durfte! Darauf habe ich gewartet.
    Ich würde mein zweites Kind auch als ein high need Kind bezeichnen, zumindest in vielen Bereichen, und durfte, dadurch dass das erste Kind so unkompliziert war, genau wie Saskia lernen, dass so Vieles nicht in unserer Hand liegt. Demut, Gelassenheit und Dankbarkeit hat mich diese Zeit mit meinem zweiten Kind gelehrt und tut es noch.
    Vielen Dank liebe Susanne, dass du auch diese Seite deiner Elternschaft mit uns teilst.

  • kiddo.the.kid

    Ich war selbst ein „High need“-Kind. Das weiß ich heute, ich weiß es aus eigenem Erleben und den Erzählungen meiner Mutter und der Großmütter, bei denen ich aufgewachsen bin. Damals, also in den späten 70ern/frühen 80ern, gab es dieses Verständnis wohl noch nicht. Auf meine Eigenheiten eingegangen ist erstmal keiner. Weil klar war, dass das „Problem“ bei mir liegt – zu schüchtern, zu fremdelig, zu klammernd, zu still, zu kompliziert, zu große Emotionen. Es dauert, wenn es blöd kommt, ein Leben lang, dieses Gefühl von „Ich bin falsch“ wieder loszuwerden. Und das ist der Grund, warum ich mein Bestes versuche, um meine Tochter bedürfnisorientiert zu erziehen. Weil es mir so viel bedeutet, dass sie sich „richtig“ fühlt.

  • Anne Sophie Hengge

    Welch ein schöner Artikel (wie alle anderen von dir). Ich war so froh, als mir meine Schwester aus Amerika bei der Geburt von meiner Tochter direkt von AP erzählte und dass in den USA alle auf Dr. Sears abfahren. Denn so habe ich mich gleich von Anbeginn auf mein muttergefühl eingelassen und unserer Tochter, die keine Sekunde abseits unserer Körper sein wollte, das gegeben, was sie gebraucht hat. Heute, mit ihren 18 Monaten, merke ich, dass sie sofort zur Ruhe kommt, wenn sie meinen Körperkontakt spürt und das ist doch das, was wir Eltern unseren Kindern geben möchten, weil wir es können. Geborgenheit!

  • Christiane

    Es tut gut zu hören, dass man sich an den Bedürfnissen des Kindes orientieren kann, anstatt dem „Patentrezept“ zu folgen. Mein Mann und ich hatten und beide sehr darauf gefreut, unseren Kleinen im Tuch zu tragen- aber der Kleine hat uns schnell gezeigt, dass er nicht getragen werden mag. Sogar eine Trageberatung brachte nur die Erkenntnis, dass er Kinderwagen fahren liebt, Bewegung braucht und sich im Tuch oder der Tragehilfe eingeengt fühlt. Er holt sich allen Körperkontakt den er braucht beim Stillen und im Familienbett, den Rest der Zeit möchte er Toben 😉