Essen mit Kleinkindern – 4 typische Probleme und ihre Lösungen

Mit einem Kleinkind können Mahlzeiten manchmal zu einer Herausforderung werden. Gemütlich möchte man sich zusammen an den Esstisch setzen und das gekochte Essen verzehren, aber dann will das Kind nicht essen/schimpft/wirft das Essen hinunter/spielt mit der Mahlzeit. Schnell können die gemeinsamen Mahlzeiten dann zu einem Dauerproblem werden. Doch was können wir gegen die schwierigsten Tischprobleme unternehmen?

1. Mein Kind will nicht essen

In der Kleinkindzeit ist es nicht selten, dass gesunde Kinder nicht so essen wollen, wie wir es uns manchmal vorstellen. Auf einmal schmeckt dieses oder jenes nicht und sie haben auch keine Lust, davon zu probieren. Das als „Neophobie“ bezeichnete Ablehnen von neuen Speisen ist gar nicht so selten und sogar eine ganz sinnvolle Eigenschaft kleiner Kinder: Sie schützt davor, Unbekanntes unbedacht in den Mund zu stecken. Eigentlich eine wirklich gute Eigenschaft für die sonst abenteuerlustigen Kleinkinder. Nur gerade jetzt, beim gesunden Essen auf dem Tisch, macht das doch eigentlich keinen Sinn? Es hilft aber auch nichts, dem gerade mäkeligen Kind das Essen aufzuzwingen: Besser ist es, das Nahrungsmittel immer wieder anzubieten, auch mal in unterschiedlichen Arten (püriert, ganz, klein geschnitten, vermengt mit andere, geliebten Dingen,…) bis das Kind doch einmal probiert.

Es kommt auch vor, dass Kinder rund um eine Erkältung herum weniger essen oder gerade dann bestimmte Nahrungsmittel bevorzugen und beispielsweise besonders viele Proteine zu sich nehmen wollen oder in Zeiten, in denen sie besonders körperlich aktiv sind, Kohlehydrate bevorzugen. Nehmen wir also in den Zeiten, in denen nur bestimmte Dinge auf den Tisch kommen sollen, die aktuelle Entwicklung des Kindes in den Blick und nicht nur das Essverhalten. Oft gibt dies einen Aufschluss über das Essverhalten. Es kann auch helfen, die tatsächlichen Nahrungsmengen und -bestandteile in einem Protokoll festzuhalten – manchmal essen Kinder über den Tag verteilt so viele kleine Snacks, dass sie zu den Mahlzeiten keinen Hunger haben. Wird das Kleinkind noch gestillt, gibt es manchmal rund um Erkrankungen auch Phasen, in denen die Muttermilch wieder zur Hauptnahrungsquelle wird und anschließend wieder mit gutem Appetit zurückgedrängt wird. Die Beikostaufnahme erfolgt nicht linear, d.h. erst gibt immer wieder auch mal Rückschritte in der Beikostzeit.

2. Mein Kind spielt mit dem Essen

Beikost ist erstmal eine spielerische Annäherung an eine neue Ernährungsform. Kinder lernen neue Nahrungsmittel kennen und lernen nach und nach, dass auch diese sättigen. Dabei erfahren sie ganz neue Konsistenzen und Geschmäcker. Nahrungsaufnahme ist deswegen lernen und lernen erfolgt im Spiel. Kinder gehen deswegen oft neugierig an neue Speisen heran: sie riechen darin, befühlen sie, testen ihre Konsistenz mit den Händen und erst später mit dem Mund. All das ist normal und bedeutet nicht, dass das Kind niemals Tischmanieren entwickeln wird. Tischmanieren lernt es mit der Zeit nach und nach durch unser Vorbild, denn auch hier lernt es im natürlichen Alltag und eignet sich mehr und mehr das an, was es in seiner Umgebung sieht. Spielt das Kind besonders zum Ende der Mahlzeit mit dem Essen, nachdem es zunächst „normal“ gegessen hat, könnte es auch einfach satt sein (siehe Punkt 4).

3. Mein Kind „trotzt“ beim Essen

Auch das Essen ist ein Teil der wichtigen Lernerfahrungen der Kleinkindzeit. Kinder wollen auch hier ihre Fertigkeiten ausbauen. Mit dem Essen kann ganz besonders gut die Feinmotorik verbessert werden. Wichtig ist natürlich auch hier, dass Kinder wirklich beteiligt werden und sich aktiv einbringen können. Bieten wir ihnen nicht die Möglichkeit dazu, führt das oft zu Frustration und Ärger.

Konkret bedeutet das: Kleinkinder sollten nach ihren Möglichkeiten an der Zubereitung, am Tischdecken und Essen beteiligt werden: Sie können beim Zubereiten des Essens helfen, indem sie Bestandteile davon schneiden oder zusammen mischen können. Sie können helfen, den Tisch zu decken und später ihren Teller und das Besteck abräumen und in die Küche bringen. Sie können mit Kinderbesteck (Messer, Gabel, Löffel) essen und aus einem kleinen Glas selbst trinken. Mit einem kleinen Krug können sie sich selbst Wasser einschenken und mit einer kleinen Kelle auftun. Kleinkinder brauchen kein spezielles Kindergeschirr, sondern können von normalen Tellern essen. So vermitteln wir ihnen, dass sie ebenso sicher und gut am Essen teilnehmen können wie alle anderen. Vielleicht geht gelegentlich etwas kaputt, oft aber fallen dort, wo echtes Geschirr verwendet wird, seltener Teller und Gläser zu Boden als dort, wo Kinder erfahren, dass das Werfen keinen Einfluss auf die Dinge nimmt.

4. Das Kind wirft Dinge auf den Boden

Und wenn das Kind nun doch Teller, Besteck oder Essen auf den Boden wirft? Wir kennen es manchmal aus der Babyzeit: Die Freude daran, zu sehen, dass Dinge nach unten fallen. Kleinkinder haben dieses Spiel aber eigentlich schon überwunden. Oft werfen sie deswegen nicht wegen des Interesses an der Physik, sondern weil sie etwas anderes ausdrücken möchten mit ihrem Verhalten: Ich will nicht mehr! Für Kleinkinder ist es oft noch schwer, sich sprachlich auszudrücken und auch am Tisch fehlen noch oft noch so einige Worte. Während das Kind beim Füttern durch Abwenden zeigt, dass es fertig ist, ist es beim selbständigen Essen manchmal schwierig. Nehmen die Eltern nicht wahr, dass das Kind eigentlich satt ist, und bleibt das Kind vor dem Teller sitzen, wird ihm langweilig: es beginnt zu spielen und eventuell damit, Essen oder Besteck auf den Boden zu werfen. Lernt es nach wiederholtem Herunterwerfen vielleicht sogar, dass Teller und Besteck abgeräumt werden, wenn es Dinge herunter geworfen hat, erscheint diese Handlung dem Kind logisch, um das Essen zu beenden und endlich weiter spielen zu können. Ein ungünstiger Kreislauf. Deswegen ist es auch beim Essen wichtig, auf die Signale des Kindes zu achten: Ist es satt, isst es nicht weiter, spielt auf dem Teller mit dem Essen herum, sollte das Essen beendet werden. Wir können noch einmal nachfragen und dann abräumen. Alternativ kann dem Kind auch ein Signal beigebracht werden, damit es auch ohne Sprache äußern kann, dass es satt ist. Das kann ein Signal mit den Händen sein (wie aus der Babyzeichensprache) oder einfach das Wegschieben des Tellers zur Tischmitte.

Essen ist eine sinnliche Erfahrung, die Kindern Freude machen sollte. Sie lernen gerade am Esstisch sehr viel in der Kleinkindzeit: Feinmotorik bildet sich aus, sie lernen Tischmanieren und das Essen ist immer auch ein soziales Miteinander. Eine positive Stimmung am Familientisch ist deswegen ein guter Baustein zum Ausbau dieser Fertigkeiten.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

6 Kommentare

  1. Jannen Stauch

    Hallo Susanne,
    ich bin mittlerweile sehr verzweifelt. Eigtl mache ich bereits alles, was Du hier vorgeschlagen hast. Mein Kind ist 12 Monate alt und wird noch idR 2 X am Tag gestillt (abends und früh morgens). Das Essen biete ich ihn in allen Formen und Varianten an. Wir setzen uns alle am Tisch. Ich lade manchmal auch andere Kinder zum Essen ein, so dass er sich das Essen abguckt. Aber er nimmt oft gar nichts zu sich. Breie verweigert er schon seit dem 8. Lebensmonat. Das Essen landet von vorne rein auf dem Boden. Also, es ist nicht so, dass er das Essen runter wirft, weil er satt ist, denn er probiert die Sachen oft nicht mal. Ich lasse ihn oft damit spielen, so dass er die Lebensmittel entdecken kann, aber ich sehe, dass es nur zur einer Sauerei führt. Hinterher muss ich im Umkreis alles reinigen und ihn umziehen. Das 3 mal am Tag. Ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt, zu kochen, putzen, ihn sauber machen und aufräumen. Und das frustrierendste von der Situation ist, wenn ich am Ende des Tages feststelle, dass er nur 5 Heidelbeeren und 3 Hirsekringel gegessen hat. Ich befürchte mittlerweile, dass mein Kind kein Hungergefühl kennt. Das Thema Ernährung war von Anfang an ein Problem. Denn bis dass er die Brust genommen hat, war auch ein Kampf. Ich musste ihm als Baby die Brust quasi stündlich anbieten, so dass er 3 mal am Tag für 5-10 Minuten getrunken hat. Nur nachts als er schlafen sollte, hat er sich ständig gemeldet.
    Nun weiß ich, dass zwingen auch kontraproduktiv ist und außerdem wäre das bei seinem Charakter auch gar nicht machbar. Ablenkung hilft auch nicht… Das Problem ist, dass er in letzter Zeit angenommen hat. Er wiegt nur 8.200 gr mit 12 Monaten. Seine Entwicklung macht mir Sorgen!
    Kannst Du mir passende Tipps geben? Oder empfiehlst Du mir, mich gleich an Ernährungsexperten anzuwenden?
    Vielen Dank im Voraus für Deine Antwort!

    • Liebe Jannen, aus der Ferne lässt sich das nicht beurteilen. Ich würde Dir auf jeden Fall anraten, die Gewichtsentwicklung mit dem Kinderarzt/der Kinderärztin zeitnah zu besprechen und von dort aus weitere Anlaufstellen in Eurer Nähe aufzusuchen, die Euch gut beraten können rund um Ernährung und eventuellen Fütterproblemen/Gedeihstörungen nachspüren können.

  2. Pia Bielefeld

    Hallo!
    Ein schöner Beitrag, wir haben mit unser 21 Monate alten Tochter alles durchlebt. Was derzeit wieder aufhebt, ist das Essen runterwerfen…. Sie sagt auch vorher, dass sie fertig ist. Problem ist, sie tut dies nicht nur, wenn sie wirklich fertig und satt ist, sondern auch (meistens) wenn sie lieber etwas anderes essen möchte. Zum Abendbrot gibt es in der Regel Brot, entweder mit Frischkäse , Leberwurst oder ähnlichem streichbarem Brotbelag. Sie möchte aber am liebsten Käse oder Wurst ohne Brot….wenn wir ein Wurst- oder Käsebrot schmieren, isst sie nur den Brlag, nicht aber das Brot. Wir halten sie dann an das Brot mit Streichbrlag zu essen und danach gibt es ein bisschen Wurst oder Käse…. Dann aber kommt der Trotz und sie will nicht mehr und schmeißt das Essen runter….. Haben sie noch Tipps für uns, wie wir damit umgehen können?
    Lg Pia Bielefeld

    • Welches Nahrungsmittel könnte denn das Brot ersetzen, wenn sie es nicht essen möchte? Wahrscheinlich habt ihr bedenken, dass nur der Belag nicht sättigen würde? Gibt es also eine Alternative, so dass sie Käse/Wurst + etwas anderem als Brot essen kann?

  3. Hallo Susanne
    Unser Sohn (3.5j) hat eine schwerwiegende Essstörung – seit Beginn. Obwohl noch nicht offiziell diagnostiziert, gehen wir sehr stark von ARFID aus. Er hat eine Handvoll sehr spezifischer Safe Foods (ca 5) und alles andere kriegt er nicht in seinen Mund. Nichts Gekochtes, kein Fleisch, kein Gemüse, keine Früchte. Körperlich ist er gesund – und es konnte auch bei weiterführenden Untersuchungen nichts festgestellt werden. Die Blutwerte sind noch gut – wohl dank seiner BEBA-Babymilch, die er zum Glück noch trinkt. Die Ernährungsberatung vom Unispital konnte auch nicht weiterhelfen. Seine Zwillingsschwester und seine grössere Schwester essen sehr gut – Vorbilder hätte er ausreichend. Jede Malzeit bedeutet für ihn mit enormem Stress – auch wenn wir versuchen, jeglichen Druck von ihm zu nehmen. Auch wenn er Hunger hat und eigentlich essen möchte, kann er es nicht.
    Hast du uns einen Rat? Was könnte ihm helfen? Welche Therapie könnte helfen?

    • Bei einer Avoidant Restrictive Food Intake Disorder benötigt Ihr dringend therapeutische Unterstützung. Hier solltet Ihr Euch an Therapeut*innen wenden, die darauf spezialisiert sind, d.h. eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Praxis, in der ihr dann als Familie begleitet und unterstützt werdet, um sowohl die Ursache ausfindig zu machen als auch eine Behandlung in Fachhänden zu bekommen.

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